Dierk Schaefers Blog

Finito, …

Posted in heimkinder, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität by dierkschaefer on 21. September 2014

Finito, …

… sagt Helmut Jacob. Alles sei geschrieben. »In etlichen Beiträgen habe ich das Geschehen aus meiner Sicht kommentiert. Alles was folgen könnte, wären Wiederholungen irgendwelcher Blogeinträge, die so ähnlich schon in diesem Blog zu finden sind. Darum finden an dieser Stelle keine neuen Einträge mehr statt.«[1]

Er hat ja Recht.

 

»Es ist Zeit für eine Bilanz«, schrieb ich am 26. August in diesem Blog[2]. Viel Neues werde sich nicht mehr ereignen, es sei denn, ein Kläger schaffe dank eines fähigen Juristen den Durchbruch und erkämpfe ein Präzedenzurteil. Und damit rechne auch ich nicht mehr.

 

Auch Helmut Jacob zieht Bilanz: »Habe ich mit diesem Blog irgend etwas erreicht? Auf den ersten Blick nein. Mir war aber auch klar, dass ich in den Wind hinein schreibe. Auf den zweiten Blick habe ich sehr viel erreicht. Ich habe andere Menschen dafür begeistern können, selbst zu schreiben. Etliche Opfer haben ihre Misshandlungen im Internet verbreitet.

Und ich habe meinen Beitrag dazu geleistet, dass den Heiligen und Frommen die Maske abgenommen wird. Ich habe mit aufgezeigt, dass hinter vieler Frömmigkeit auch viel Falschheit und Verlogenheit steckt. So wie die Amtskirchen mit ihren Opfern umgehen, handeln sie wider Jesus Christus. Er hat sich mit Sicherheit längst von ihnen abgewandt, wie es viele ehemalige Gläubige auch getan haben.«1

Auch damit hat er Recht.

 

Aber ich möchte etwas ergänzen. Helmut Jacob hat noch mehr erreicht. Er hat sich selber befreit durch seinen Einsatz für Andere und für sich. Er ist sozusagen gewachsen über den hinaus, der er zu Beginn war. Wir standen die Jahre hindurch immer wieder miteinander im Gespräch. Gesehen haben wir uns nie, auch nie am Telefon miteinander gesprochen. Doch per Mail hatte sich gegenseitiges Vertrauen entwickelt, zwischen ihm, dem in einem kirchlichen Heim geschundenen ehemaligen Heimkind und mir, der ich mich als Pfarrer verstehe, also eigentlich auf die „Täterseite“ gehöre. Weihnachtsgrüße schrieb ich auf Wunsch für ihn und die Volmarsteiner Leidensgenossen. Das haben viele andere ehemalige Heimkinder nicht verstehen können. Viele zuckten sofort aus, wenn ich das undifferenzierte „Feindbild Kirche“ nicht so stehen lassen wollte, andere zuckten vielleicht nicht aus, aber zusammen.

Helmut Jacob hatte auf die Almosen des Heimkinderfonds gepfiffen bevor er wußte, daß die ehemaligen Heimkinder aus den Behindertenheimen auch noch um die Almosen betrogen wurden. Schlußendlich pfiff er auch noch auf die Kirche – und trat aus. Auch darin hatte er Recht. Denn es gibt Grenzen der Zumutbarkeit – und er war sehr geduldig gewesen.

„Es ist alles geschrieben, alles kommentiert“. Darum schließe ich diesen Blog“.

Schade, lieber Helmut Jacob. Aber Sie haben Recht.

Segnet Helmut Jacob nun das Zeitliche, wie man so sagt?[3]

Nein, er tut es in doppeltem Sinne nicht. Das Zeitliche, wie er es erlebt hat, kann man nicht segnen, sondern wir müssen weiterhin die Lüge Lüge nennen und das Unrecht Unrecht, uns auch nicht den Euphemismus zu eigen machen, und das Erlebte im Rückblick vergolden. Die ehemaligen Heimkinder hatten keine gesegnete Zeit, sie haben die Abwesenheit Gottes erlebt.

 

Doch bis zu seiner endgültig abschließenden Bilanz wünsche ich Helmut Jacob von ganzen Herzen: Er lebe noch lange – und so gut wie möglich.

Ich danke ihm für die vertrauensvolle Zusammenarbeit – und werde sie vermissen.

[1] http://helmutjacob.over-blog.de/article-es-ist-alles-geschrieben-alles-kommentiert-darum-schlie-e-ich-diesen-blog-124607374.html

[2] https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/08/26/die-heimkinderangelegenheit-hinterlast-nur-verlierer-und-dennoch/

[3] http://www.deutschlandradiokultur.de/das-zeitliche-segnen.1306.de.html?dram:article_id=193539

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2 Antworten

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  1. ekronschnabel said, on 21. September 2014 at 16:59

    Schade, dass Helmut Jacob seinen Blog schliesst.

    Seine Denke und sein Handeln entsprachen nicht immer meinen Vorstellungen, aber mir imponiert sein
    Kampfwille. Er hat „Arsch in der Hose“, er duckt sich nicht weg, er trieb die Gegenseite oft vor sich her; er beisst, wenn es nötig wird.

    Menschen wie er zeigen den Vertretern der Täterseite, dass sie erbärmlich rückgratlos durch die von ihnen
    erzeugten Gebiete der Morallosigkeit stolpern, und eigentlich selbst bemitleidenswerte Opfer ihrer Charakterlosigkeit sind.

    Tschüss, Helmut Jacob, bleibe stark und bissig.

  2. Mandolinchen said, on 25. September 2014 at 17:05

    Ach Helmut…wir haben uns nicht immer gut verstanden. Ja, wir haben uns sogar gezofft und so manches mal gings hoch her. Aber es war doch immer eine Menge Respekt dabei……….und so danke ich Dir für Deine unermüdliche Arbeit an “ vorderster Front“ und wünsche Dir alle Gute für Deinen weiteren Weg .
    Alles hat seine Zeit…………..


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