Dierk Schaefers Blog

Kauft nicht bei #Juden! ???

Posted in Kinderrechte, Kriminalität, Menschenrechte, Politik, Religion, Weltanschauung by dierkschaefer on 28. September 2014

»Der oberste Geistliche der [israelischen! ds] Armee ordnete an, dass die Soldaten von diesem Donnerstag an ein Jahr lang keine Erzeugnisse jüdischer Bauern aus Israel mehr verzehren sollen. Stattdessen sollen die Streitkräfte sich bei arabischen Bauern versorgen.«[1]

 

Wieso denn der und wieso denn das?

Kennen Sie Schmitta?

Nein, das ist nicht die Frau von Herrn Schmidt. Schmitta[2] ist das Sabbatjahr[3]. Hat nur entfernt etwas mit dem hippen Sabbatical[4] zu tun.

 

Und was ist das Besondere am Sabbatjahr?

Am siebten Tag der Woche soll der Mensch nicht arbeiten[5]. Passend dazu heißt es „Sechs Jahre kannst du in deinem Land säen und die Ernte einbringen, im siebten sollst du es brach liegen lassen und nicht bestellen“[6].

Göttliche Gebote wirken zuweilen besser als menschliche Verbote. Dieses Gebot gab es, bevor der Eisenpflug und erst recht der Kunstdünger erfunden wurde. Sucht man den Sinn hinter dem Gebot, kann man sagen: Das Land soll geschont werden, damit es sich regenerieren kann, eine Regel, die uns an die Dreifelderwirtschaft[7] erinnert.

Heute ist das nicht mehr nötig und vor allem nicht wirtschaftlich. Also gibt es Streit: »Der Bauernverband schimpfte über eine „Kriegserklärung“ der Armee. Das Landwirtschaftsministerium warnte vor dem wirtschaftlichen Schaden und den hohen zusätzlichen Kosten.«1

Der oberste Geistliche der israelischen Armee muß ultraorthodox sein, denn es gibt längst Lösungen, um das problematische Gebot zu umgehen. Das gilt auch für andere jüdische Ge- und Verbote. Das sind Musterbeispiele dafür, daß und wie man eine unbequeme Religion bequemer gestalten kann[8].

 

Was gehen uns jüdische Gebote an an?

Wenn es wirtschaftliche Gründe gibt oder aber andere Unpäßlichkeiten, wird im Judentum oft die Religion angepaßt. Beim Beschneidungsgebot aber sieht man sich rücksichtslos dem göttlichen Gebot verpflichtet. Hier wird nicht getrickst, und wem’s nicht paßt, der ist Antisemit.

Darum hat der Bundestag mit juristischen Winkelzügen eine lex judäa verabschiedet. Danach darf beschnitten werden, auch ohne Vollnarkose und auch durch den einfachen Beschneidungshandwerker, solange der nur genügend religiös qualifiziert ist. Man hat einen Kompromiß gemacht zwischen dem Kindeswohl und dem elterlichen Recht auf religiöse Erziehung ihrer Kinder.

Bei Menschenrechten darf es aber keine Kompromisse geben, auch keine Rücksichtnahme auf religiöse Befindlichkeiten jedweder Art. Beschneidung ist kein Elternrecht, sondern Körperverletzung und Kindesmißhandlung. Medizinisch nicht nötige Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit sollten verboten und bestraft werden.

[1] http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/israel-ruhejahr-sorgt-fuer-streit-ums-obst-13171783.html

[2] Schmitta = Schemitta, kommt von schamat = entlassen, den Acker aus Verpflichtung, daraus später der Begriff Erlaßjahr, Jüdisches Lexikon, Bd. IV/2, Berlin 19271 = Nachdruck 1982, S. 182

[3] Das derzeitige Schmitta-Jahr ist das Jahr 5775 nach dem jüdischen Kalender, es begann nach unserem Kalender am 24. September 2014, abends.

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Sabbatical

[5] Das dritte Gebot: Du sollst den Feiertag heiligen.

[6] Exodus, 2. Buch Mose 23,10-12

[7] Dreifelderwirtschaft, http://de.wikipedia.org/wiki/Dreifelderwirtschaft

[8] „und eine kommode Religion“ Georg Büchner in „Leonce und Lena“ http://de.wikipedia.org/wiki/Leonce_und_Lena

 

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Eine Antwort

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  1. Heidi Dettinger said, on 29. September 2014 at 21:35

    Wie Sie richtig schreiben: „der Bundestag (hat) mit juristischen Winkelzügen eine lex judäa verabschiedet.“ Und allein die Politiker in diesem Gremium tragen dafür die Verantwortung. Und die Verantwortung dafür, dass die Beschneidungsdebatte in diesem Lande immer wieder hochkochen wird. Und das wird sie zweifelsfrei!

    s. https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/09/13/die-furchtbaren-juristen-es-gibt-sie-noch/


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