Dierk Schaefers Blog

Schwangerschaft + täglich eine halbe Flasche Wodka + acht Dosen Starkbier – Warum auch nicht?

Posted in Justiz, Kinderrechte, Menschenrechte by dierkschaefer on 5. Dezember 2014

Ein Kind fragte: Warum bin ich behindert?Gott will dich prüfen, sagte der Pfarrer.

Mit solch gottlosen Antworten muß das siebenjährige schwerbehinderte Kind sich nicht abspeisen lassen. Es fragt besser seine Mutter. Die hat ohne Rücksicht auf ihr Kind gesoffen[1].

Die Mutter wußte, was sie tat. Doch das macht nichts. Nun haben wir – bzw. die Briten – das auch amtlich.

Keiner Straftat schuldig sei die Mutter. »Die juristische Kernfrage war letztlich, ob der Fötus unter britischem Recht als Person angesehen werden kann und muss – dann hätte die Mutter wegen der „rücksichtslosen Verabreichung einer giftigen Substanz“ verurteilt werden können.«[2]

 

Das ist die eine schlechte Nachricht – nicht nur für die Kommune aus dem Nordwesten Englands. Sie hatte die Mutter auf Schadensersatz verklagt.

 

Die andere schlechte Nachricht:

»Frauenrechtsgruppen reagierten erleichtert auf das Urteil, sie fürchteten eine generelle Kriminalisierung von werdenden Müttern, die Alkohol trinken. Die höchsten britischen Gerichte hätten das Recht anerkannt, „dass Frauen über ihre Schwangerschaften ihre eigenen Entscheidungen treffen“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der britischen Schwangerschaftsberatung und der Gruppe Birthrights (Geburtsrechte).«

 

Das dürfte auch bei manchen Gruppen in Deutschland positiv aufgenommen werden, die die Frauenrechte über die Kinderrechte stellen. Schließlich muß, wer abtreiben darf, auch schädigen dürfen. Der Bauch ist privat.

 

Ich möchte nicht in die falsche Ecke gestellt werden. Es gibt ethisch akzeptable Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch. Doch außer im Fall von Gefahr für Gesundheit und Leben der Mutter (Notwehr also) und im Fall von Vergewaltigungen sollte es in den meisten Fällen zumutbar sein, dass eine Frau ein Kind, das nicht ihr Kind werden soll, austrägt und zur Adoption frei gibt.

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Fetales_Alkoholsyndrom

[2] Zitate aus http://www.tt.com/panorama/verbrechen/9346199-91/britisches-gericht-alkoholexzesse-bei-schwangerschaft-nicht-strafbar.csp

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8 Antworten

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  1. Rosi A. said, on 5. Dezember 2014 at 14:16

    Alkohol , evtl. früh als Teenager angefangen ist ein böser Rattenschwanz. Es liegt meist ein nicht gutes Vorleben an , meist trifftige Gründe die es oft schwer ermöglichen Rücksicht auf die gesundheit , eigene und eines Kindes ohne Hilfe von außen zu nehmen. Das ist die erschütternde schmerzhafte nackte Wahrheit.

  2. Helmut Jacob said, on 5. Dezember 2014 at 17:10

    https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/12/28/schaut-gott-nur-zu/

    „Gott will Dich prüfen“, dieser Blödsinn scheint damals zum pastoralen Sprachgebrauch zu gehören, um unbequeme Frager abzuwimmeln. Unser Ernst Kalle, damaliger Anstaltsleiter machte auch von dieser Floskel Gebrauch.

  3. Heidi Dettinger said, on 7. Dezember 2014 at 11:03

    Auf die Gefahr hin, dass ich in der falschen Ecke stehe:

    „Doch außer im Fall von Gefahr für Gesundheit und Leben der Mutter (Notwehr also) und im Fall von Vergewaltigungen sollte es in den meisten Fällen zumutbar sein, dass eine Frau ein Kind, das nicht ihr Kind werden soll, austrägt und zur Adoption frei gibt.“

    DAS kann doch wohl nur von einem Mann kommen, der ja auch nicht schwanger werden kann – egal wie – und somit auch schlicht nicht weiß, was es heißt, ein Kind aus zu tragen (mit all den dazu gehörigen Emotionen), um es dann wie einen irgendwie unpassenden Pullover weiter zu reichen.

    • dierkschaefer said, on 7. Dezember 2014 at 15:17

      Das kommt von einem Mann, der dem Kindeswohl den Vorrang gibt, meine Frau ist übrigens derselben Meinung – jedenfalls in dieser Hinsicht.
      Mann kann nicht schwanger werden, Frau muß nicht. Ausnahmefälle wurden genannt. Selbstverständlich gehört der Bauch ihr. Dann sollte sie aufpassen, dass niemand reinkommt. Tut sie das nicht, sollte Mieterschutz bis zur Geburt gelten. Ein Embryo, auch ein weiblicher Embryo, ist schließlich kein Blinder Passagier, den man früher ungestraft über Bord werfen durfte, heute übrigens nicht mehr. Er ist auch kein Hausbesetzer – und auch Hausbesetzer darf man bei ihrer Ausschabung nicht töten.

  4. Erika Tkocz said, on 7. Dezember 2014 at 15:39

    Es ist schwierig mit dieser bewusst provokanten Überschrift eine sachliche Diskussion zu führen, denn es kommt so an, dass es offensichtlich Alkoholikerinnen scheiss egal ist ob ihr Kind geschädigt auf die Welt kommt. Das geht dann schon an einer Diskussion vorbei und stellt die Frauen gleich ins Abseits oder stellt sie als seelenloses Monster dahin.
    Wer so alkoholabhängig ist wie die Frau um die es hier geht kann wohl kaum mehr eine Entscheidung treffen in der Schwangerschaft auf Alkohol zu verzichten und ohne einen Entzug und weitere engmaschige Hilfen ohne Alkohol auszukommen.

    Es reicht da nicht, dass lediglich eindimensional darüber nachgedacht wird ob das strafbar ist, denn Sucht lässt sich nicht so eindimensional abtun oder diese zu kriminalisieren ist genauso unangebracht. Trotzdem meine ich nicht, dass eine schwangere Frau ungehindert weiter trinken sollte, denn auch ein ungeborenes Kind sollte eine Chance haben unversehrt auf die Welt zu kommen, d.h. Schädigungen die man kennt zu verhindern. Hier sollte man ansetzen und da sehe ich schon, dass die Interessen des ungeborenen Kindes zu schützen gilt.

    Eine Frau hat grundsätzlich das Recht über ihre Schwangerschaft -austragen oder nicht- selber zu entscheiden, aber auch die Pflicht bei bestehender Schwangerschaft dafür Sorge zu tragen, dass das Kind eine Chance bekommt gesund zur Welt zu kommen. Diese Frau hier war nicht in der Lage dieses zu übernehmen, weil sie Alkohlabhängig ist und das gilt als Krankheit und sollte auch in dieser Weise behandelt werden und nicht so einfach abgestempelt werden, dass sie wusste was sie tat, nein das weiß sie nicht, weil die Krankheit ihr den Blick für die Realität verstellt. Ich will aber keinen Vortrag über Alkoholkrankheit halten, das hatte wir ja schon und ist hier eher unangebracht.

    Allerdings sollte auch nicht das Bild vermittelt werden, dass Frauenrechtlerinnen alles um jeden Preis wollen und als ob alles unter dem Motto „mein Bauch gehört mir“ gestellt werden kann. Aber Moralisten werden es gerne zum Anlass nehmen um einmal wieder mit dem erhobenen Zeigefinger auf die schlimmen Frauen zu zeigen, die sich erdreisten ihre eigenen Entscheidungen treffen zu wollen.

    so wie Sie es tun Herr Schäfer:
    „Das dürfte auch bei manchen Gruppen in Deutschland positiv aufgenommen werden, die die Frauenrechte über die Kinderrechte stellen. Schließlich muß, wer abtreiben darf, auch schädigen dürfen. Der Bauch ist privat.“

    halte ich für unangebracht und so kommen wir dann auch nicht weiter…so dass man ernsthaft darüber nachdenken könnte, wie ein Ungeborenes geschützt werden kann…. denn selbstverständlich bin ich auch dafür und ganz sicher andere Frauen auch!

    • dierkschaefer said, on 7. Dezember 2014 at 16:37

      Klar, die Überschrift war bewußt provokant. Was Sie schreiben ist ja auch sonst nicht unbedingt falsch. Ich weiß auch, dass die bloße Kenntnis von Verhütungsmitteln in einer emotional überwältigenden Situation oft nicht weiterhilft. Dann regiert der Bauch den Kopf – nicht nur bei Frauen. Ich weiß auch, dass auch ungeplante und ungewollte Schwangerschaft zu emotionalen Bindungen führen kann. Früher waren es die Männer, die ihre Freundin/Partnerin/Ehefrau unter Druck setzten: lass es wegmachen!, zuweilen auch die Eltern des Mädchens. Diese kopfgesteuerte eher männlich anmutende Entscheidung haben sich die Frauen zueigen gemacht und argumentieren nun emotionsgesteuert mit den Bindungen und man könne ein Baby nicht weggeben, wie einen „irgendwie unpassenden Pullover“. Der Pullover war aber schon in Arbeit und aufrebbeln geht nicht. Es ist die reifere Leistung, sich der Trauerarbeit zu stellen und das Kind in gute Hände zu geben, weil es in der aktuellen Lebensphase der leiblichen Mutter nicht gut aufgehoben wäre.
      Als die Diskussion um die Abtreibung aufkam, stand ein falscher Aspekt der Moral im Mittelpunkt, das Sexualverhalten. Über die einseitig-moralische Empörung hat man versäumt, ein positives Bild einer ihr Baby abgebenden Mutter aufzubauen. Wäre eine wirklich sinnvolle und hilfreiche Aufgabe der Kirchen gewesen. Was viele Frauen in der nicht so reichen Welt in der Sorge um das Wohlergehen ihres Kindes tun, sollte bei uns doch auch möglich sein.
      Im Hôtel-Dieu von 1669 in Carpentras sieht man heute noch eine Baby-Klappe https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/15344805444/ und https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/15965102781/in/photostream/ .
      Lösungen gab es damals schon unter Wahrung der Anonymität der Frau – und leicht gefallen wird es ihr nur selten sein.
      Ich habe übrigens oft mit Menschen zu tun, die vieles versuchen, um ein Kind zu bekommen, aber leider erfolglos.

      Zum konkreten Fall: Die Frau wußte, was sie tat, doch sie konnte wohl nicht anders. Das wird sie aber ihrem Kind nicht erklären können. Doch wie laut wäre wohl der Aufschrei gewesen, wenn man diese Frau in eine bevormundende Obhut genommen hätte? Ja, sicherlich, sie hätte auch abtreiben können. Guter Rat ist zuweilen billig.

  5. Heidi Dettinger said, on 7. Dezember 2014 at 17:52

    Billig ist es aber auch, in einer möglichen Diskussion um Abtreibung mit dem Totschlag-Argument zu kommen, dass andere Menschen vieles versuchen, um ein Kind zu bekommen, erfolglos. Das hört sich nach den Kindern in „Afrika“ an, die hungern, während man selbst sein Essen nicht mag. Wozu das führen kann, haben die meisten von uns schmerzhaft am eigenen Leibe erfahren.

    Im Übrigen habe ich es nie erlebt, dass eine nicht-drogenabhängige Frau sich die Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung je leicht gemacht hätte. Wobei ich damit nicht sagen will, dass sich suchtkranke Frauen diese Entscheidungen leicht machen, sondern einfach nur, dass ich persönlich nie eine suchtkranke Schwangere erlebt habe.

    Mit den Emotionen in der Schwangerschaft meine ich keineswegs nur positive Bindungen, wie man (Mann?) zu meinen scheint. Es gibt auch anderes: Wut, Angst, Panik, Abscheu und Hass, um nur die plakativsten zu nennen.

    Aber: Hauptsache, ein Kind wird ausgetragen!

    • dierkschaefer said, on 7. Dezember 2014 at 18:43

      ja, finde ich auch. doch das kind wird ja nicht gefragt.


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