Dierk Schaefers Blog

Einen rechtssicheren Weg finden, damit die Betroffenen endlich Gerechtigkeit erfahren

Posted in Gesellschaft, heimkinder, Politik by dierkschaefer on 30. Dezember 2014

»„Aufgrund der Erfahrungen mit dem bestehenden Fonds ‚Heimerziehung’ wollen die Länder gemeinsam mit dem Bund einen rechtssicheren Weg finden, um den Betroffenen möglichst rasch geeignete Hilfe zugutekommen zu lassen“, begründet ein Sprecher13962364137_d9b67f268e_m des nordrhein-westfälischen Sozialministeriums ….  den Schritt. Deshalb habe man der Bund-Länder-Arbeitsgruppe den Auftrag erteilt, konkrete Vorschläge zu erarbeiten, die „insbesondere auch notwendige Anpassungen in bestehenden sozialen Sicherungssystemen vorsehen sollen“. Auch Baden-Württemberg möchte erst prüfen lassen, ob man eine Entschädigung nicht besser über andere Wege, etwa eine Angleichung des Rentenrechts, gewährt.«[1]

Da geht einem so richtig das Herz auf. Fast alle Sozialminister auf der Suche nach Gerechtigkeit. Sie tappen schon lange im Dunkeln und suchen dennoch ganz unverdrossen weiter. Auch wenn sie vielleicht gar nicht so sehr nach der hehren Gerechtigkeit suchen, so doch immerhin nach Rechtssicherheit.

So gesellt sich zum Mitgefühl mit den unermüdlichen Pfadfindern die unverhohlene Bewunderung. Wie heraklisch[2] muss das Vorhaben sein, wenn lauter rechtskundige Spähtrupps im Augiasstall[3] nach einem wohlriechenden, weil rechtssicheren Ausgang suchen. Ihre Vorläufer hatten längst aufgegeben und sich auf den Pfaden der Rechtsunsicherheit völlig verirrt, wie das nicht anhaltende Murren der ehemaligen Heimkinder bezeugt, die gleich einem Chor der griechischen Tragödie ihr Los der Rechtsunsicherheit beklagen. Vielleicht gibt den redlichen Suchern im Sumpf der Exkremente der Verweis auf Herakles/Herkules ein hilfreiches Zeichen. Denn der wühlte nicht im Mist des Augias, sondern leitete das lautere Wasser zweier Flüsse durch den Drecksstall, wie es Gustav Schwab[4], weiland Pfarrer[5] in Gomaringen, dortselbst in seinen Sagen des klassischen Altertums so trefflich geschildert hat.

Doch wo sind die lauteren Wasser der Läuterung zu finden? Wohl viel zu weit ab von den tapferen Suchtrupps, vielleicht gar in einer für sie unvorstellbaren Welt utopischer Gerechtigkeit? Mich würde es nicht wundern angesichts des Augiasstalls, den die Politiker aller Couleur erst schaffen, um ihn dann Aufschub und Diäten bringend umzuwühlen, anstatt ihn zu säubern.

 

Doch bleiben wir – abschließend – bei Herakles: Ihn schlug die Göttin[6] „mit Wahnsinn. Darin verfangen erschlug er seine Frau und seine drei Kinder“.

Wie viele „Kinder“ werden wohl gestorben sein, bis die Sozialministerinnen in ihrem Wahn nach Rechtssicherheit einen Weg aus dem Schlamassel gefunden haben?

Doch getrost, die Zeit heilt alle Wunden- und schont die Kassen.

 

 

[1] http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article135813724/Laender-streiten-ueber-Hilfsfonds.html

[2] Herkules bzw. Herakles: https://de.wikipedia.org/wiki/Herakles

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Augias#Sprichwort

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Schwab

[5] Einer seiner Amtsnachfolger in Gomaringen war nicht so umfassend gebildet und verbot in „seinen“ Kindergärten die Karnevalslustbarkeiten, – doch das ist eine andere Geschichte.

[6] Ja, in klassischen Zeiten gab es auch GöttINNEN – ganz ohne Gender-Wahn.

Photo: https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/13962364137/in/photolist-afJVug-ngNLqa

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8 Antworten

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  1. Marianne Döring said, on 30. Dezember 2014 at 17:15

    Mir imponiert die Art des trockenen Humors! Wenn wir Einzelnen doch nur mehr Mut und Kraft und Solidarität hätten, um den richtigen Weg in die Köpfe der richtigen Leute zu finden.
    M. Döring, Berlin

  2. Lutz Adler said, on 30. Dezember 2014 at 19:00

    Hervorragend! !!
    Besser ist diese Sauerei mit dem vermeintlichen Hilfsfonds für ehemalige Heimkinder in Ost und West kaum zu beschreiben!
    Erlaubt sei eine Anmerkung, im Osten des Landes hatte und hat man also die Sozialminister der Länder und die beauftragte AGJ die angeblich jetzt so gesuchte Rechtssicherheit! Den Einigungsvertrag, der das
    SED Unrechtsbereinigungs Gesetz beinhaltet!
    Wörtlich: „Alle Opfer der SED Diktatur sind angemessen zu Entschädigen.“
    WO IST DA RECHTSUNSICHERHEIT?
    Nur dass wurde schnellstens unter und hinter einem ungesetzlichen Fonds vergraben!
    Alle Rufer und Mahner gegen diesen Fonds, wurden unter aktiver Mitwirkung eines Prof. P. Schruth und einer Frau Kittel von der AGJ, des Saales und der Versammlung verwiesen!
    Das obwohl die delegiert waren, als Vertreter eines Bundeslandes (Brandenburg).
    Was glauben diese Herrschaften wie weit diese Verarsche noch zutreiben ist?
    Ich für meinen Teil hoffe sehr, das dieser nun in Dresden und anderen Orts aufgesetzte Kessel bald zur Explosion kommt!
    Es kann nur besser werden!!!!
    Lutz Adler

  3. sabine s. said, on 31. Dezember 2014 at 00:10

    Na, na, Herr Adler!… Genau so wenig, wie die West-Betroffenen sich einig waren, waren die Ost-Betroffenen dies. Aber, wer den Splitter in dem Augen des anderen sieht, kann den Balken in seinem eigenen nicht erkennen.

    Zitat D. Schäfer: Doch getrost, die Zeit heilt alle Wunden- und schont die Kassen… Ende Zitat

    Schluck, würg’… Weihnachten ist vorbei, somit auch die Zeit der Wünsche und Träume. Mit Sicherheit heilt die Zeit nicht die Wunden, die uns zugefügt wurden. Kopfschüttel…dass man das noch erwähnen muss!

    sabine s.

  4. Heidi Dettinger said, on 31. Dezember 2014 at 11:23

    Lutz Adler, wenn du mit dem in Dresden aufgesetztem Kessel die unsäglichen Pegida-Demos meinst, überkommt mich ein Grauen!

    Wenn die Pegidioten nämlich brüllen, sie seien das Volk (welches denn? Das zwischen 33 und 45? Oder das sich gegenseitig bis zum Erbrechen bespitzelnde in der Ex-Du-Weißt-Schon? Oder das, dem das Leid von unzähligen Kindern nicht nur damals am Auspuff vorbeiging? Das der Dichter und Denker oder nicht doch eher das der Richter und Henker?) erzeugen die zumindest bei mir ein dringendes Kofferpack-Bedürfnis!

    Ist es eigentlich zuviel verlang, sich mit dem Hilfsfonds auseinanderzusetzen anstatt sich an Rassismus und ähnlichem zu weiden? Ist es zuviel verlangt, sich zu erinnern, wie es war: stigmatisiert, für schuldig erklärt, misshandelt? Kann man dann noch nach denen treten, die eh am Boden liegen? Haben wir denn gar nichts gelernt aus unserer Geschichte?????????????

  5. sabine s. said, on 31. Dezember 2014 at 12:04

    Super geschrieben, Frau Dettinger.
    Kommen Sie gut ins neue Jahr!

    sabine s.

  6. Heidi Dettinger said, on 31. Dezember 2014 at 14:47

    Danke! Sie auch!

  7. Erika Tkocz said, on 31. Dezember 2014 at 18:30

    Ich kann es nicht fassen, was da Lutz Adler vom Stapel lässt, Heidi Dettinger DANKE für Deine passenden Worte dazu.

    Wünsche Euch beiden ein gesundes neue Jahr und freue mich schon, dass wir Ende des Jahres doch immerhin ein Thema gefunden haben, dass uns einigt: Nein zu Pegida und zu jenen Menschen, die meinen ihre Dummheit über Minderheiten zeigen zu müssen.

  8. sabine s. said, on 31. Dezember 2014 at 22:54

    Hallo Erika, ich wünsche Dir ebenfalls einen guten Start in das neue Jahr.
    LG
    sabine s.


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