Dierk Schaefers Blog

Die Nutznießer des Todes haben schon wieder gespart

Posted in heimkinder, Menschenrechte, Politik by dierkschaefer on 23. Januar 2015

Gemeint sind nicht diejenigen, die mit dem Tod ehrlich ihr Geld verdienen. Der Bäcker lebt von unserem Hunger, der Arzt von unserem Beinbruch und die Periletalexperten von unserem Tod. Das ist normal und in Ordnung. Auch dass die Versicherungen mit unserem Tod spekulieren, – wir müssen uns ja nicht drauf einlassen.

Aber die Bürokraten, die uns auf die lange Bank schieben bis wir runterfallen bevor unser „Fall“ zu Lebzeiten abgeschlossen ist, sie schieben eine ruhige Kugel, nur net hudle, und sie sparen das Geld des Staates und der Kirchen. Wieder ein Fall weniger.[1]

HEPHATA heißt: Öffne dich[2], ist in diesem Fall aber eine Totale Institution[3], eine als geschlossen erlebte Einrichtung der erbarmungslos christlichen Art. Wer dort gelitten hat, ich kenne solche Menschen, mag vielleicht gehofft haben, dass sich der Almosenfonds für die ehemaligen Heimkinder auch für sie einmal öffnet. Aber manche fallen vorher von der langen Bank.

Die Bearbeiter, die Vertreter von Staat und Kirchen sagen vielleicht Schicksal, oder etwa Kismet, oder gar Inshallah. Nein, falsch: Gott der allmächtige hat uns den Gefallen getan, seinen treuen Diener Anton Müller heim in sein ewiges Reich zuholen[4]. Heim! Schon wieder.

Heime sind richtige Sparkassen.

 

Hier das Mail mit Anmerkungen von denen, die auf der langen Bank sitzen – noch.

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Sehr geehrte Damen und Herren,

Heute ist erneut ein „Ehemaliges Heimkind“, welcher seinerzeit in der Einrichtung HEPHATA Mönchengladbach untergebracht war,  gestorben. Nach meinem Kenntnisstand, ist dass das vierte Heimkind, welches verstorben ist, innerhalb weniger Jahre.

Seine Lebensgefährtin selber, ist körperlich und geistig behindert und hat einen gesetzlichen Betreuer.
Sie wird nie allein in der Lage sein, selbstständig einen Haushalt zu führen und beide haben sich hervorragend verstanden und ergänzt. Bis auf weiteres, ist sie in eine Klinik untergebracht und die Wohnung von der Polizei versiegelt worden.
Im Rahmen der Antragstellung an den Heimfond-West beim LVR Köln, habe ich beide kennengelernt,
bei mir zu Hause. Ich weiss, dass auch bei einer schnelleren Antragsbearbeitung, der Tod sich nicht vermeiden lässt, aber es würde die Möglichkeit bestehen, dass eben doch noch viele ehemalige Heimkinder, in der Lage versetzt würden, sich auf eine bessere Lebensqualität zu freuen.
Mit 58 Jahren vielleicht sogar noch auf viele Jahre!
Ich berichte hier bewusst darüber, weil dies wohl deutschlandweit ein Problem darstellt, dass eben nicht mehr alle, die lange Antragsdauer, sowie den dafür zu führenden unmenschlichen Aufwand, überleben bzw. überlebt haben. Denn zu den gesundheitlichen Nachfolgeschäden, kommen ja noch die üblichen Alterserscheinungen hinzu, mit den viele ältere Mitbürger zu kämpfen haben.
Bewusst habe ich dies heute auch auf Facebook gepostet, damit der heutige Tod, den wir ja alle oftmals vor Augen haben, bei uns Betroffenen Wut erzeugt. Wut auf die Personen, welche für diesen unwürdigen Heimfond und dessen Procedere, am Runden-Tisch-Berlin, verantwortlich zeichnen. Hier an der Spitze, eine evang. Pastorin Antje Vollmer, ehemals auch Vizepräsidentin des Deutschen Bundestag.
Ich bin zwar nicht unmittelbar von diesem Tod betroffen, dennoch kann ich Ihnen sagen, dass ich mich sauelend gefühlt habe, als mich dieser Anruf heute erreichte. Erstmalig so elend, das ich Übelkeitsgefühle hatte.
Kommenden Montag werde ich mich informieren, wie das mit der Beerdigung von statten geht und beim Fond nachfragen, sowie bei Hephata, ob eine Beteiligung möglich ist. Da noch einige andere ehemalige Heimkinder aus Hephata in Mönchengladbach leben, und viele mich heute angerufen haben, werden wir wohl zusammen, ihm die „letzte Ehre“ erweisen.
Mir war und ist es einfach ein Bedürfniss gewesen, es Ihnen mitzuteilen.
Mit freundlichen Grüssen
Uwe Werner

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3 Std. ·

So eben wurde mir mitgeteilt, dass ein ehemaliges Heimkind (Stiftung Hephata) in Mönchengladbach verstorben ist. Er wurde in seiner Wohnung, von seiner behinderten Frau tot aufgefunden. Er wurde mal gerade 56 Jahre alt.

Sein Antrag an den „Fond Heimerziehung“, hat sich damit erübrigt, den ich mit ihm in meiner Wohnung geschrieben habe und er mir über seine Zeit im Heim Hephata berichtet hat.

Ich bin entsetzt und wütend zugleich, weil er keine Chance hatte, ein würdiges Leben führen zu dürfen und wieder einmal, ein Antrag an den Fond, aus biologischen Gründen ad acta gelegt werden kann.

Ich hoffe, er hat jetzt seinen Frieden!!!

Mechthilde M. Der Familie und Freunden mein aufrichtiges Beileid. Wieder € dem Staat geschenkt

 

Hildegard N. So geht die Rechnung leider wieder auf. Mein Beileid an die Familie und Freunde.

Werner Uwe Ich habe nur noch Wut, Wut, Wut…im Bauch und entsprechend werde ich Montag den Heimfond in Köln informieren.

 

Klaus S. Uwe die Beerdigungkosten müsste der Fond übernehmen wenn er den Antrag gestellt hat. Ich hoffe man kann ihnen dann helfen.

 

Ilona S. Mein aufrichtiges Beileid der Familie und den Betroffenen. Mich macht es ebenfalls sauer das Menschen die genug durch die ehm.Systeme gelitten haben, keine Chance mehr hatten, dieses Leid ein wenig zu lindern. Aber jetzt meine Frage, kann die Familie dieses nicht für eine würdige Beerdigung beantragen, das sollte man schon zugestehen oder zumindest die Rentenersatzleistung.

 

Hildegard N. Ich denke an die Arme behinderten Dame. Sie braucht jetzt jede erdenkliche-Hilfe!!!!

 

Werner Uwe Soviel ich weiss und bin mir da sicher, ist es eine Lebensgefährtin, mit geistiger und körperlicher Behinderung und hat einen gesetzlichen Betreuer. Die Frau ist jetzt in einer Klinik und die Wohnung ist versiegelt. Der Sohn ist ebenfalls behindert. Werde Montag mit Köln und Hephata telefonieren und sie unterrichten. Andere EHEMALIGE von Hephata wollen mit zur Beerdigung und sind z.Z. mies drauf. Ob sonst überhaupt noch Familie da ist, weiss ich nicht.

 

Hildegard N. Auch Dir Werner Uwe möchte ich meinen Dank aussprechen.Das Du diesen Menschen Mut Trost und Unterstützung zu kommen lässt.!

 

Werner Uwe Da ich seine Antragskopien und Heimnachweise in Kopie noch hier habe, werde ich sie Montag dem LVR Köln und Hephata mit einem entsprechenden Kommentar, zu schicken. Ich will vermeiden, dass es keine billige anonyme Beerdigung wird von der Stadt.
Nebenbei, ich selber will einfach nur verbrannt werden, der Rest ist mir egal. Familie gibt es eh nicht, sodass es keine Probleme und Diskussionen um mich geben wird. Die Welt ist nun mal so wie sie ist und die Menschen auch. Doch ich sorge dafür, dass ich auch morgen noch lachen kann, versprochen!!!

 

Jenny Z.das ist traurig.

[1] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/14120912752/in/set-72157615322601328

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Effata

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Totale_Institution

[4] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/3356746668/in/set-72157615322601328

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5 Antworten

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  1. Erika Tkocz said, on 25. Januar 2015 at 16:13

    Herr Werner der Fonds muss die Beerdigungskosten übernehmen, denn so ist es schon in der Vergangenheit gehandhabt worden. Beste Grüße du viel Kraft für Ihr Engagement.

    • dierkschaefer said, on 25. Januar 2015 at 16:36

      wahrscheinlich nur zum sozialtarif

  2. sabine s. said, on 25. Januar 2015 at 19:24

    Wenn, wie wir gelesen haben, der Antrag bereits gestellt ist, wird es mehr werden als ein Sozialtarif, zumal hinreichend bekannt sein dürfte, dass ein „Sachwert“ bis zu 10.000,– € vereinbart werden kann. Wäre in diesem Fall notwendig, die Vereinbarung entsprechend zu verändern. Und wie Erika ja schreibt: das hat es in der Vergangenheit so gegeben und so wird es auch künftig sein. Aber, Herr Werner kümmert sich darum Vielen Dank, Herr Werner.
    Ich hoffe, dass die Partnerin nicht so lange in der Klinik bleiben muss. Für sie tut es mir besonders leid. Ihr wünsche ich auch Kraft und Menschen, die sich um sie kümmern, sodass sie selbstbestimmt weiter leben kann.

    Alles Gute, viel Kraft und Ausdauer
    sabine s.

  3. Heidi Dettinger said, on 26. Januar 2015 at 09:00

    Und wenn jemand – mit ein „bisschen Glück“ – nicht schon vorher gestorben ist, sondern „nur“ Sorgen hat, er oder sie würde die Auszahlung nicht mehr erleben, dann gibt es die doch etwas krude Mahnung von der Anlaufstelle: „falls er eine bevorzugte Behandlung wünsche, er ein ärztliches Attest über seinen baldigen Tod vorlegen müsse.“
    http://www.veh-ev.eu/home/vehevinf/public_html/uncategorized/anlaufstelle-koeln-attest-ueber-baldigen-tod-gefordert/

  4. sabine s. said, on 26. Januar 2015 at 20:46

    Wenn dem so ist, Frau Dettinger, dann werden Sie bzw. der VEH doch wohl alles dran setzen, dass dieser Mann schnell zu seinem Recht kommt.

    sabine s.


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