Dierk Schaefers Blog

„Ehrenmord“ – Der Fall Sürücü

Posted in Gesellschaft, Kriminalität, Menschenrechte, Politik, Religion by dierkschaefer on 5. Februar 2015

Gestern sendete der rrb eine Dokumentation[1] zum Fall Sürücü[2].

 

Der Fall wirft Fragen auf.

Reicht die bloße Existenz unserer Rechtsordnung einschließlich des Strafrechts aus, um Einwanderern bewußt zu machen, in welches Land sie gekommen sind?

Wir sehen im Film eine Szene des Innenhofs von Kreuzberg, in dem die Kinder Sürücü ihre Kindheit verbracht haben: Einwanderer (Frauen und Kinder) unter sich. Der Mörder lernte die ersten Deutschen erst im Knast näher kennen.

Angesichts solcher Verbrechen aus religiöser Gesinnung kann es keine „Holschuld“ der Einwanderer sein, sich um die „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ der deutschen Gesellschaft zu kümmern. Wir werden keine Säkularisierung muslimischer Einwanderer im Schnellverfahren bewirken können, doch sie sollen gesagt bekommen, was wir für das Zusammenleben mit ihnen erwarten. Wir brauchen ein freundliches verpflichtendes Kursprogramm für Einwanderer aus anderen Kulturen, um ihnen Entscheidungsfreiheit zu ermöglichen.

 

Die andere Frage war die nach dem Kind der Ermordeten. Im Film erfährt man nichts darüber, das Gesicht des Babies war verpixelt. Ich befürchete schon, es werde fern in der Türkei bei den Sürücüs aufwachsen müssen im Bewußtsein, eine Mutter zu haben, die Schande über die Familie gebracht hat. Doch das scheint nicht der Fall zu sein. Bei Wiki erfährt man mehr:

»Hatun Sürücüs Sohn Can lebt heute bei einer Pflegefamilie. Hatun Sürücüs Schwester Arzu Sürücü gab bekannt, dass sie das Sorgerecht für Can beantragen werde. Falls das Familiengericht den Antrag ablehne, solle der leibliche Vater, der in Istanbul lebt, das Sorgerecht erhalten. Politiker aller Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses, wie Özcan Mutlu (Bündnis 90/Die Grünen), Giyasettin Sayan (Linkspartei.PDS), Berlins Jugendsenator Klaus Böger (SPD), Friedbert Pflüger (CDU), kritisierten die Absicht von Familie Sürücü, das Sorgerecht zu beantragen. Die Chancen dazu wurden von Juristen als sehr gering beurteilt. Am 20. Dezember 2006 hat das Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg den Antrag der Schwester der Ermordeten auf das Sorgerecht für deren hinterbliebenen Sohn abgelehnt. Die Schwester Arzu Sürücü legte gegen diese Gerichtsentscheidung Beschwerde ein, die am 24. Juli 2007 vom Landgericht Berlin zurückgewiesen wurde.«

Hier erscheinen unser Rechtsstaat und seine Politiker auch einmal in positivem Licht.

[1] http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2015/02/Ehrenmord-Hatun-Sueruecue-Verlorene-Ehre-Deiss-Goll.html

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Hatun_S%C3%BCr%C3%BCc%C3%BC

 

Auf die Bedeutung von Parallelwelten und auf die des Sohnes der Ermordeten geht Necla Kelek ein. Es lohnt sich über den Fall hinaus, den Beitrag zu lesen.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/der-fall-sueruecue-sie-zahlt-den-preis-fuer-unsere-freiheit-1328060.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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