Dierk Schaefers Blog

Freiwillige putzen Stolpersteine in Hannover

Posted in Geschichte, Kriminalität by dierkschaefer on 18. Mai 2015

BILD-Hannover schreibt von etwa 300 Stolpersteinen in Hannover, Wiki beziffert den Stand 2013 mit 270 Gedenksteinen an 90 verschiedenen Stellen in der Stadt.[1]

Stolpersteine kennt wohl jeder. Wir latschen zumeist achtlos darüber hinweg, selten bleibt einmal jemand stehen und entziffert die Namen von einstigen Bewohnern des Hauses vor dem der Stein eingelassen ist. Ich schaue zuweilen nach, ob dort Klartext „gesprochen“ ist oder nur die Daten: Name, deportiert nach …, Todesdatum. Viel zu selten, so scheint mir, steht dort ausdrücklich „ermordet“.

Die Steine sind nicht immer gut lesbar, weil sie oft verschmutzt sind. Nun haben sich in Hannover 15 Freiwillige gefunden, die mit „Schwamm, Putzpaste und Zahnbürste“[2] die deutschen Verbrechen wieder lesbar machen.

Die Stolpersteine, ein Projekt[3] des Künstlers Gunter Demnig[4], widersprechen dem Wunsch mancher Zeitgenossen nach einem „Schlußstrich“[5] – und das ist gut so.

Freiwillige polieren nun die Steine – mit Zahnbürsten! Das erinnert an die Demütigungsmaßnahmen der Nazis. Vielfach sollten Juden das Pflaster mit Zahnbürsten reinigen.[6] Was damals Demütigung war, wird heute durch die Freiwilligkeit zur würdigen Handlung im Umgang mit einer beschämenden Vergangenheit.

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Hannover

[2] BILD-Hannover, 18. Mai 2015

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Stolpersteine

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Gunter_Demnig

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Vergangenheitsbew%C3%A4ltigung

[6] Maßnahmen, die auch aus manchen anderen Zusammenhängen bekannt sind, auch in manchen Kinderheimen praktiziert.

Eine Antwort

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  1. Erika Tkocz said, on 18. Mai 2015 at 12:10

    In München gibt es ein Stolperstein Verbot

    und offensichtlich gibt es zu dieser Form des Gedenkens sehr unterschiedliche Meinungen, selbst aus den Reihen der jüdischen Gemeinde. Vorstellungen wie diese, dass die Opfer der Schoah dadurch noch einmal mit Füßen getreten werden oder aber diese Steine angespuckt werden. Allerdings gibt es eine Petition von Terry Swartzberg und er meint:

    „Jeder Stein macht uns klar, wie verletzbar unsere Zivilisation ist. Die Stolpersteine fordern uns zu Aufmerksamkeit, Entschiedenheit und Mut auf. Deshalb setze ich mich seit 2010 als Vorsitzender der Initiative Stolpersteine für München und als Aktivist für Toleranz in Deutschland und Europa für die Stolpersteine ein.“
    (zutiert aus der Petition)

    Ich finde diese Art des Gedenkens durchaus sinnvoll, denke aber, dass es für alle Opfer des Holocaust Stolpersteine geben sollte.


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