Dierk Schaefers Blog

Ohne Urne – Gedenkgottesdienst für ein ehemaliges Heimkind

Posted in Bürokratie, heimkinder by dierkschaefer on 24. Juni 2015

Der Vorfall ist makaber genug. Da ist wohl jemand bzw. seine Urne clam-heimlich verbuddelt worden, zum Sozialtarif; keine würdige Bestattung also, wenn man sich darunter das vorstellt, was die Wiener eine „schöne Leich“ nennen. Dabei hätte der Verstorbene Geld dafür haben können, … hätte, hätte. Den Anspruch auf das Geld hätte er zu Lebzeiten erheben müssen. Das hatte er auch. Doch er hatte versäumt, das schon bewilligte Geld noch zu Lebzeiten für seine Beisetzung zu reklamieren. Die Behörden reagieren — ich sag einmal: kindisch nach dem Kinderspruch „Weggegangen – Platz vergangen“. Das wurde in diesem Blog schon zweimal behandelt.[1]

Mir persönlich sind Bestattungsfragen nur von theoretischem Interesse. Doch sie können bedeutend werden, hier als Politikum. Staatsbegräbnisse sind auch ein Politikum, aber eher langweilig in ihrer gestelzten Würde. In diesem Fall steht der Verstorbene symbolisch für viele andere, die in staatlichen und kirchlichen Heimen für ein normales Leben unfähig gemacht wurden, und das betrifft auch ihre wirtschaftliche Lage. Die Inkompetenz der Jugendhilfe und ihrer freien Träger Kinder für die Welt fit zu machen[2], diese Inkompetenz der Jugendhilfe zeigt ihre terminalen Ergebnisse beispielhaft in diesem Fall.

Man wird den Veranstaltern des Gedenkgottesdienstes vorwerfen, den Todesfall zu instrumentalisieren. Er wurde längst instrumentalisiert, von den Behörden und ihren herzlosen Bürokraten. Sie zeigen unverhüllt die Fratze ihrer Menschlichkeit.

Hier nun der Wortlaut der Einladung zum Gedenkgottesdienst.

—————————————

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie herzlichst einladen, am Gedenkgottesdienst für ein ehemaliges Heimkind teilzunehmen und darüber zu berichten.

Für weitere Infos und Aussagen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung, auch um Ihnen aufzuzeigen, warum wir den Bestattungsgottesdienst für Herrn Humeny ohne Urne gestalten müssen. Herr Humeny war bis zu seinem Tod, praktizierender Katholik.

Mit freundlichen Grüssen,

Uwe Werner

Immelmannstr. 163

41069 Mönchengladbach

02161-5734277

01522-3627521

Werner Uwe

JUPPI-News :

Trotz 3-monatigem Kampf, mit den Behörden, Heimfond-West, Ordnungsamt, Halbschwester…, werden wir von unserem JUPPI wohl erstmal ohne Urne Abschied nehmen müssen.

Dies am Mittwoch, den 1. JULI 2015 um 17.30 Uhr :

Brandts-Kapelle, Mönchengladbach

Rudolfstr. 7

41068 Mönchengladbach

Anfahrt: Linie 15 vom HBF – Richtung Hardt/Rheindahlen

Haltestelle: Waldhausener Höhe (2 Min. Fussweg)

Es wird ein würdiger Gottesdienst werden, mit Blumenschmuck und vielen Kerzen, denn dunkle Zeiten hat Juppi genug gehabt in seinem Leben.

Wer sich mit einer persönlichen Ansprache, sich von JUPPI verabschieden möchte, ist dazu herzlichst eingeladen.

Den Gottesdienst gestaltet die Ordensschwester Stefanie, evtl. aber auch Pfarrer Erlemann, wenn es seine Gesundheit zulässt.

Ich würde mir sehr wünschen, wenn dieser Gottesdienst auch von vielen ehemaligen Heimkindern begleitet wird.

Es sind viele Heimkinder mittlerweile verstorben, welche anonym bestattet wurden und auch für diese werden wir diesen Gottesdienst gestalten und derer gedenken.

Im Leben ihrer Würde beraubt, im Tod werden wir dies zukünftig nicht mehr zulassen. Das dies in einem Land wie Deutschland überhaupt geschehen kann, ist mehr als beschämend und unter aller Würde!!! Noch im Tod , werden ehemalige Heimkinder (aber auch viele ältere einsame Mitbürger), nur noch als Kostenfaktor angesehen. Das muss aufhören!!!

Nach dem Gottesdienst, besteht die Möglichkeit neben der Kapelle im TAK, sich bei Gulaschsuppe, Kaffee und Kuchen noch auszutauschen.

Egal wofür die Behörde und die Halbschwester sich entscheiden, wir sorgen dafür, dass JUPPI in geweihter Erde seine Ruhe finden wird. Eine Abordnung wird zusammen mit Schwester Stefanie, den Ort der Bestattung aufsuchen und zwar gerüstet mit Weihwasser und Weihsprengel !!!

Die Presse wird ebenfalls anwesend sein, z.B. die Rheinische Post… und über den Gottesdienst berichten.

Wer verhindert ist durch Krankheit, oder Entfernung, Arbeit… sollte an diesem Tag dennoch eine Kerze anzünden und an JUPPI denken.

Ebenfalls möchte ich euch bitten, diesen Beitrag zu teilen, damit soll gleichzeitig demonstriert werden, das im Tod alle Menschen gleich sind und somit auch alle ehemaligen Heimkindern, aus Ost und West, Österreich, Schweiz, USA, Australien, Irland, England, Belgien….

Im Sinne von JUPPI, hoffe ich viele von Euch nächste Woche zu sehen.

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/05/11/memento-mori-auf-rheinische-art/

https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/05/13/theologischerseits-nur-zu-begrusen-die-burokratie-erinnert-ausdrucklich-den-tod-zu-bedenken-gegen-unterschrift/

[2] Ich will hier nicht weiter auf die bekannten Vorwürfe zu Kindesmisshandlungen und Ausbeutung durch Zwangsarbeit eingehen

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