Dierk Schaefers Blog

Scheinheiliger geht es nicht

Posted in heimkinder, Kinderrechte, Kindeswohl, Kirche by dierkschaefer on 8. Oktober 2015

Es fehlen nur noch die Krokodilstränen, wenn Thorsten Tillner[1], der Finanzvorstand der Rotenburger Werke[2] beteuert: »„Wir dürfen Einzelfälle gar nicht entschädigen.“ Grund dafür sei, dass das Non-Profit-Unternehmen aus Steuergeldern finanziert wird und der satzungsgemäßen Verwendung der Steuergelder verpflichtet ist.«[3] Aber man will ja durchaus entschädigen: »Um Betroffene aber gerecht zu entschädigen, werde man sich an der Stiftung beteiligen, diese würden die „individuellen Ansprüche der Opfer abwägen“. Wenn man Einzelnen finanzielle Leistungen zukommen lasse, so Tillner, „käme das einer Bewertung der unterschiedlichen Schicksale gleich. Dies steht uns nicht zu“.«

Da kommt fast Mitleid auf mit dem armen Mann, dem die Hände dummerweise gebunden sind. Er wäre gut, anstatt so roh, doch die Verhältnisse, die sind nicht so. Er darf gar nicht anständig sein.

Diese Absage an menschliche Verantwortung gegenüber einzelnen Geschädigten sollte zum Entzug der Gemeinnützigkeit einer Sozialfirma führen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, sagt man. Wo ein Widerwille ist, findet sich allemal ein Grund, Wege nicht zu beschreiten. Der Verweis auf eine längst fällige Stiftung ist pure Ausrede. Außerdem: Wie will Herr Tillner Zahlungen an eine Stiftung mit der „satzungsgemäßen Verwendung der Steuergelder“ in Einklang bringen? Oder sieht die Satzung schon Folgekosten für gesetzwidrige Medikamentierungen vor?

Ein Blick auf die freie Wirtschaft: VW wird Milliarden zahlen müssen für seinen gezielten Betrug. Man hätte als gemeinnützige Einrichtung der Diakonie firmieren sollen mit eng begrenzten Buchungsmöglichkeiten. Dann hätte man für Schadensfälle ganz einfach keinen ordentlichen Topf für Entschädigungen gehabt.

Man merke: Massive Fehlmedikamentierung an Kindern ist offensichtlich weniger gravierend als Betrugsprogrammierung von Motoren.

Hier noch der Podcast zum Fall: http://srv.deutschlandradio.de/themes/dradio/script/aod/index.html?audioMode=3&audioID=369916&state

[1] http://www.rotenburger-werke.de/meldung/konsequente-geschichtsaufarbeitung.html

[2] http://www.rotenburger-werke.de/ http://www.diako-online.de/

[3] Zitate nach: https://www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/rotenburg-ort120515/gerd-schnakenwinkel-fordert-entschaedigung-ehemalige-heimkinder-5606335.html

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3 Antworten

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  1. Helmut Jacob said, on 10. Oktober 2015 at 22:48

    Der Fisch stinkt am Kopf zuerst. Und an der Spitze dieser heuchlerischen Truppe sitzt eine Pastorin, nämlich Jutta Wendland-Park. Sie kennt die Problematik der Entschädigung und hat die Stirn, jeden Sonntag vor den Gekreuzigten, also ihren Arbeitgeber, zu treten und so zu tun, als sei alles im grünen Bereich. Damit schlägt sie IHM rechts und links ins Gesicht. ER will mit Sicherheit, dass man für seine Sünden einsteht, Buße tut, den Schaden behebt und damit Gerechtigkeit wieder herstellt.
    So ist das mit den Frommen: Vorne hui (ein Beffchen) und hinten pfui. Bisher habe ich nur einen Prediger kennengelernt, der sich guten Gewissens zu dem dort oben umdrehen kann.

  2. sabine s. said, on 17. Oktober 2015 at 09:42

    „Vorne hui und hinten pfui“ steht nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Religion, wirkt allerdings in diesem Kontext perfide. Klar ist, dass diese „Sorte Mensch“ in allen Weltanschauungen zu finden sind.

    sabine.s

  3. Erika Tkocz said, on 18. Oktober 2015 at 01:22

    Für mich ist es eine grundsätzliche Frage ob man Menschen die gläubig sind sowie Menschen die in der Kirche arbeiten eine Vorbildfunktion zuschreibt bzw. jene Erwartung an ihnen hat/haben darf die den Ansprüchen der Religion(en) entsprechen. Sicherlich haben wir Alle mehr oder weniger die Erwartungen, wie wir ja auch die Erwartung z.B. an einen Polizisten haben, dass er nicht die Verkehrsregeln übertritt oder gar einen Einbruch begeht. Wahrscheinlich haben gläubige Menschen auch von sich selbst diese Erwartung und wissen mehr oder weniger, dass sie zwar nach den Geboten leben wollen aber auch die Vergebung brauchen, weil sie um ihr Mensch sein wissen, sonst bräuchte es ja auch nicht die Vergebung.

    Sehe ich mir die Religionen an bzw. die Kirchen muss ich schon eine umfassende Betrachtung machen, um unterm Strich gewisse Aussagen treffen zu können, die hier auf der Verkürzung oben hui unten pfui geschrieben wurde.

    Ein allgemeines Urteil in diesem Sinne mag ich nicht abgeben wollen, denn die Religionen und jene die aufgrund der Religionen wie die Kirche ihre Arbeiten macht kann ich nicht allgemein verurteilen. Ich überblicke bestimmt nicht alles was die Kirche sowohl an Schuld aber auch an soziales Engagement früher und heute macht, aber frage mich schon-wer die eklatanten Lücken in unserem System-übernehmen sollte.
    Was wäre wenn wir die Religionen abschaffen würden, wer fühlte sich dann für die alten und neuen Probleme die mit den technischen Erneuerungen einhergehen zuständig und befasst sich mit den ethischen Fragen die immer aus neuen Technologien hervorgehen? Wo sind die Alternativen, die es ja schon längst geben könnten?
    Bezogen auf die Heimerziehung muss das Jeder mit seinen früheren Erfahrungen für sich herausfinden was und wie er die Kirche sieht und ob und wie er noch was mit dieser am Hut haben will. Verallgemeinern lässt sich das nicht und schon gar nicht kann man nun jeden Menschen der in dieser Kirche arbeitet unter Generalverdacht stellen.


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