Dierk Schaefers Blog

»Hass ist eine menschliche Emotion scharfer und anhaltender Antipathie.«

Posted in Gesellschaft, heimkinder, Kirche, Kriminalität, Leben, Moral, Psychologie, Täter, Theologie, Uncategorized by dierkschaefer on 14. Januar 2016

»Ausgehend von der Fähigkeit zu intensiven negativen Gefühlen wird der Begriff auch im übertragenen Sinne verwendet und steht allgemein für die stärkste Form der Abwendung, Verachtung und Abneigung. Die Motive des Hassenden können teils unbewusst sein, lassen sich in der Regel jedoch bewusst machen.

Hass entsteht, wenn tiefe und lang andauernde Verletzungen nicht abgewehrt und/oder bestraft werden können. Hass ist somit eine Kombination aus Vernunft und Gefühl. Die Vernunft ruft nach dem Ende der Verletzung und nach einer Bestrafung des Quälenden. Laut Meyers Kleines Lexikon Psychologie ist das Gefühl des Hasses oft mit dem Wunsch verbunden, den Gehassten zu vernichten. Das Gefühl des Hassenden ist das des Ausgeliefertseins, der Gefangenschaft, der Wehrlosigkeit.«[1]

Auf meinen Blog-Beitrag zu den reißenden Wölfen[2] gab es Kommentare, auf die einzugehen ist. Es geht um Hass. Ich hatte geschrieben, dass Opfer ein Recht haben, ihre Peiniger zu hassen. Sie müssen sich nicht dem gesellschaftlichen Druck beugen, die vergangenen Erlebnisse „doch nun endlich“ ruhen zu lassen, oder gar zu vergeben.

Frau Tkocz fragt sich, »wann Hass aufhört, ob er tatsächlich aufhört, wenn seitens Tätern die Verbrechen anerkannt werden, eine finanzielle Entschädigung zur Zufriedenheit der Opfer gezahlt wird.« Hass kann sehr beständig und dauerhaft sein. Niemand hat ein Recht, dem Opfer den Hass auszureden oder zu verbieten. Er ist auch nicht abkaufbar.

Aber: Hass macht blind. Und er vergiftet das Leben,[3] auch wenn er zutiefst befriedigen mag.

Vom Hass sollte man die rücksichtslose Einforderung von Entschädigungen unterscheiden. Herr Kronschnabel hat das erfolgreich getan. Sein Hass, in diesem Fall eher seine grenzenlose Verachtung seiner Verhandlungspartner hat sie gefügig gemacht. Warum? Nun, sie waren von diesem Ton und dieser Härte überrumpelt. Erlaubte Aggression geht bei Kirchens von hinten durch die Brust ins Auge[4], nie direkt, das ist verpönt, wir sind ja alle Brüder, neuerdings Geschwister. Wer auftritt, wie Herr Kronschnabel, schafft eine peinliche Situation, insbesondere wenn er in der Sache recht hat. Die Peinlichkeit beendet man, indem man zahlt. Herrn Kronschnabel ist nichts peinlich und es ist ihm gleichgültig, was seine Gesprächspartner von ihm denken. Der Erfolg gibt ihm Recht – und die Rechtsnachfolger der Kinderschinder haben es nicht anders verdient, denn sie wollen sich um die Folgekosten drücken und waren am großen Betrug am Runden Tisch maßgeblich beteiligt. Diese Verhandlungsmethode mag hass-motiviert sein, ich nenne sie eher psychologische Kriegführung. Den bad-cop muss man spielen können.

Bei Herrn Kronschnabel handelt es sich um Hass, und er hat ein Recht darauf.

Dennoch darf ich darauf hinweisen, dass Hass blind macht, auch ihn. Er schreibt selber:

»Mag Hass den Blick für Vieles versperren« und gibt den Beleg:

Der einzelne Gläubige gehe ihn zwar nichts an, der sei nicht sein Feind, »aber er hat mein Mitleid«, also seine Verachtung. Warum? »Denn er ist zu schwach, um ohne diese Märchenfigur Gott zu leben.« Neben die Verachtung tritt die Blindheit.

Er weiß nichts von Märchen. Märchen sind zu Geschichten geronnene Volksweisheit, oft über menschliche Grundbedingungen. Man nehme als Beispiel nur Dornröschen[5]. Es gibt auch fürchterliche Märchen, die Vorurteile transportieren[6], richtige Hackepetergeschichten[7] oder auch pädagogische Märchen[8]. »Märchenbücher sind oft amüsant zu lesen«, schreibt Herr Kronschnabel. Wenn ich ihn nicht falsch interpretiere, hält er sie für überflüssig, wenigstens nicht ernstzunehmen. Da liegt er falsch.

Gott ist für ihn eine Märchenfigur. Auch da liegt er falsch. Gott kommt zwar auch in den Märchen vor und die „sozialistischen“ Staaten hielten es für wichtig, ihn aus den Märchen zu verbannen. Doch Gott ist größer, auch wenn er, so wie er in der Bibel dargestellt wird, problematisch ist. Herr Kronschnabel sieht nicht, dass es in der Bibel eine Reihe von Gottesvorstellungen gibt.[9] Für ihn ist Gott nicht greifbar – und genau das gehört zur „Natur“ Gottes. Gott ist nicht nur eine über Jahrhunderte entwickelte theologische Konstruktion, sondern sie bewirkt auch etwas, kann „Berge versetzen“. Falsch verstanden bewirkt sie auch die Demütigung von Kindern und erwachsenen Menschen, wird zur Ausbeutung benutzt, und zum Betrug. Das muss man den ehemaligen Heimkindern nicht erst sagen. Es geht hier und darf es nicht gehen, um eine Aufrechnung von guten und bösen Auswirkungen. Doch wenn Herr Kronschnabel schreibt: »Ich nenne Ihnen auch die Gründe für meinen Hass auf die Firma Kirche[10]: Es änderte sich seit 2 Jahrtausenden NICHTS, in deren Läden wird weiterhin lustig geschändet und geprügelt«, dann entwirft er ein Zerrbild, weil ihn der Hass blind gemacht hat. Was er schreibt, stimmt nicht, nicht in dieser Pauschalität. Fast allen meiner Kollegen wird damit Unrecht getan, auch wenn das Thema der ehemaligen Heimkinder in kirchlichen Einrichtungen und besonders des sexuellen Missbrauchs unbequem ist. Davon könnte auch ich ein Lied singen.

Im Buch, das ich rezensieren will, fand ich mich wieder:

»Wer aus der oft vorhandenen Ausgrenzung der Opfer und der vermeintlichen Gleich­gül­tigkeit ihnen gegenüber ausschert und sich an ihrer Seite positioniert, riskiert die Ausgrenzung aus seiner Gruppe. Die Gruppe ist sich einig darin, dass Gleichgültigkeit oder aggressive Abwehr gegenüber den Opfern ein angemessener Umgang mit ihnen ist. Die Ausgrenzung der Seelsorger/innen kann offen ausgesprochen werden als ver­ächtliche Äußerung über „die“ Opfer. Häufiger wird sie sich in einer unausgespro­chen abwehrenden Atmosphäre äußern: Niemand unter den Kolleg/innen fragt nach, wie sich die Arbeit mit Missbrauchsopfern gestaltet; niemand will von den Belastun­gen, aber auch der tiefen Freude in der seelsorglichen Begleitung von Missbrauchsop­fern hören. Dieser Arbeitsbereich wird aus dem Gespräch einfach ausgeklammert.«

Na und?, kann ich da nur sagen. Damit kann ich leben.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Hass

[2] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/01/07/in-wirklichkeit-aber-sind-sie-reissende-woelfe/

[3] http://www.lebenshilfe-abc.de/hass.html

[4] http://universal_lexikon.deacademic.com/316646/Von_hinten_durch_die_Brust_%28ins_Auge%29

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Dornr%C3%B6schen#Interpretation

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Jude_im_Dorn

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Fitchers_Vogel

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Der_alte_Gro%C3%9Fvater_und_der_Enkel                Das Märchen ist so oberflächlich, dass es keiner Interpretation bedarf.

[9] Das wird er nicht wissen können, denn darauf wird in der Kirche kaum hingewiesen.

[10] Wie steht es mit dem Hass auf die staatlichen Einrichtungen und deren Rechtsnachfolgern?

3 Antworten

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  1. Erich Kronschnabel said, on 14. Januar 2016 at 22:19

    Pastor, Sie hätten im Wilden Westen nicht überlebt, Sie wissen zuviel (über meine innere Konstruktion), man hätte Sie erschossen…

    Stimmt aber, was Sie da von sich geben. Hätten die Verhandler meiner Gegenseite gewusst, was Sie wissen, hätten sich die Verhandlungen völlig lautlos und viel effektiver führen lassen. Die bornierten Prediger der eigenen Wichtigkeit wollten es wissen, sie bekamen es zu wissen – und jaulten dann über meine Art der Kriegsführung. Frau Tkocz zieht sich Schuhe an, die sie selbst vor die Haustür stellte und zieht sich dann vornehm zurück, wenn Schrottkugeln fliegen. Auch eine Art der Problembewältigung.

    Wissen Sie, Herr Schäfer, bevor einer der heutigen Vertreter der Täternachfolgefirmen was über bad-cops
    wussten, erlebte ich diese Sorte sehr drastisch – und lernte deren Methoden, wandte sie dann gegen diese
    vermeintlich cleveren Manager der Kirchen-AG an. Das hinterfotzige „Durch – die-Brust-ins-Auge“ – Benehmen der Abzocker mit so wohlklingenden Titeln wie Ober-Unter-Drauf-und-Drüber-Kirchenrat kenne ich. Genau deshalb zerrte ich die ins Licht, stellte sie für jeden als das dar, was sie sind: Verlogene Opferbetrüger. Wer hätte uns beachtet, wenn wir höflich gesäuselt und uns für unser Vorhandensein entschuldigt hätten?

    Sie sind gefährlich, Pastor, (schreibe ich lachend) sogar für Ihre Kollegen der Fraktion Opferbetrug. Wie gesagt, danken Sie Ihrem Gott für die späte Geburt, die Zeiten des Wilden Westen wären Ihr Ende gewesen.

  2. Martin MITCHELL said, on 16. Januar 2016 at 09:28

    .
    Ich habe mir die Mühe gemacht von dem „Schwabenverlag-online.de“ sowohl wie von der „Verlagsgruppe-Patmos.de“ herauszufinden aus welcher Ihrerseitigen Veröffgentlichung der jüngsten Tage – d.h. aus welchem Buch, der von Dierk Schäfer am Ende seines einleitenden Beitrag (vom 14.01.2016) zitierte Text stammt.

    Mir wurde am 15.01.206 vom „Kundenservice“ der „Verlagsgruppe-Patmos“ mitgeteilt, das es sich hierbei um das erstmalig im Jahre 2016 erscheinende, von dem Autorentrio »Erika Kerstner / Barbara Haslbeck / Annette Buschmann« stammende Buch »Damit der Boden wieder trägt — Seelsorge nach sexuellem Missbrauch«, handelt.

    » 1.Auflage 2016
    Format 14 x 22 cm
    240 Seiten
    Paperback
    ISBN: 978-3-7966-1693-8
    19,99 €

    Der Titel wird im Februar [2016] ausgeliefert und ist über jede Buchhandlung zu beziehen oder direkt bei uns (siehe angegebenen Link) http://www.schwabenverlag-online.de/damit-der-boden-wieder-traegt-p-1135.html?cPath=101 «
    .


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