Dierk Schaefers Blog

Behinderte? Die sind doch so schön victimogen!

»Keine Benachteiligung ehemaliger behinderter Heimkinder«[1] las ich auf dem Bildschirm. Fein, dachte ich, endlich, wurde auch Zeit!

Pustekuchen! Das Selbstverständliche ist immer noch nur eine Forderung.

Bund, Länder und Kirchen wollen die Menschen mit Behinderung aus den Heimen benachteiligen, jedenfalls im Vergleich zu den Zahlungen an andere ehemalige Heimkinder. Und schon diese sind das Minimalergebnis vom Runden Tisch, über den Antje Vollmer die ehemaligen Heimkinder gezogen hat. Für die Behinderten soll es nicht nur weniger geben, sondern es ist zu befürchten, dass die Finanzminister von Bund und Ländern die geplanten Minderleistungen noch weiter vermindern.

Und anscheinend mal wieder die unheilige Allianz von Staat und Kirchen, oder sollte man von einer Trinität sprechen: Bund, Länder und Kirchen? Es ist wohl eher eine robuste Troika: Die Länder bestimmen und Bund und Kirchen laufen gerne mit. Eine ehrenwerte Gesellschaft.

 

Es hat ja außerdem noch Zeit. Je mehr ehemalige Heimkinder sterben, desto billiger wird’s.

[1] http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/33110/Keine-Benachteiligung-ehemaliger-behinderter-Heimkinder.htm

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6 Antworten

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  1. sabine s. said, on 15. Februar 2016 at 01:26

    Ich hoffe auf Ihre tatkräftige Unterstützung, dass den behinderten ehemaligen Heimkindern aus den Behindertenheimen und Psychiatrien nicht analog ehemaliger heimkinder gleiches widerfährt.
    Die evang. Kirche wird auch ihren Beitrag leisten müssen. Sie kann sich schon jetzt Gedanken machen, wie sie den behinderten Ehemaligen und den psychisch behinderten Ehemaligen ein würdevolles Leben im Alter bieten will. Für die ehemaligen Heimkinder ist da bisher nix passiert.

    Das „Angebot“ , welches den behinderten Menschen vorgestellt wurde, ist beschämend und die Finanzminister der Länder haben diesem beschämenden „Angebot“ noch die Krone aufgesetzt in dem sie die Summe drücken wollen.

    Ich ahne schon jetzt, welche schäbige Debatte geführt werden wird.

    sabine s.

  2. Helmut Jacob said, on 16. Februar 2016 at 23:44

    In dieser korrupten Bananenrepublik ist nichts anderes zu erwarten. Dass die Kirchen mit ihren beschmutzen Fingern alles blockieren, was sie nur können, ist auch nicht mehr schlimm. Ist der Ruf erst ruiniert, saut man weiter ungeniert.

  3. sabine s. said, on 17. Februar 2016 at 00:11

    Herr Jacob, hier waren die Länder diejenigen, die mit dem Bleifuß auf der Bremse standen. Und, wie zu hören war, sind es die Länder-Finanzminister, die ein beschämendes „Angebot“ von Bund und Kirche noch weiter gedrückt haben.

    sabine s.

    • dierkschaefer said, on 17. Februar 2016 at 07:17

      Das ist allerdings richtig, doch die Verantwortungsverteilung in unserem föderalen Staatssystem ist den meisten nicht so recht bewußt. Sie führt nicht selten zu einem good cop/bad cop Ergebnis. Der Gesetzgeber steht im Licht der Öffentlichkeit und zuweilen gibt er ihr, was sie für gerecht hält. Very good. Doch manches ist „zustimmungspflichtig“ und muss die Länderkammer passieren. Wenn die Länder die finanziellen Auswirkungen tragen müssen, stimmen sie nicht zu oder verwässern bereits im Vorfeld den Gesetzentwurf. Thats very bad; aber wir müssens zahlen, sagen sie, womit sie Recht haben. Der Bürger hält das aber eher für ein abgekartetes Spiel. So schlimm wird’s schon nicht werden, sagen sich die Abgeordneten, wenn sie dem Gesetzvorhaben zustimmen und verlassen sich auf die Länderkammer. Alles was diese Hürden genommen hat, landet schließlich an der kommunalen Basis. Die muss letztlich umsetzen, was von oben kommt, muss nicht nur zahlen, sondern auch ihre Eigenständigkeit beweisen.
      Wenn man nun Partner hat, die man mit der Ausführung beauftragen kann, geht’s mit der Verantwortungsverteilung noch ein Stück weiter nach unten, mit der Ethik oft auch. Doch die „Kunden“ öffentlicher Regelungen und Dienstleistungen sehen nur die zuweilen hässliche Fratze derer, die ihre eigene Position vielfältig ausnutzen.
      Was die Kirchen in der Heimkindergeschichte betrifft, so tragen sie in der zunehmend kirchenkritisch eingestellten Öffentlichkeit die Hauptverantwortung, was ja auch stimmt. Sie waren die ausführenden, noch dazu mit hohem ethischen Anspruch. Die Verantwortung der staatlichen Strukturen und ihre Akteure verschwinden aus dem Rampenlicht. Die Untersuchung von Schmuhl und Winkler erhellt das unheilige Geflecht. Da sehen wir aber eine recht komplizierte Komplizenschaft, viel zu differenziert, um sich damit zu beschäftigen. Mein Beitrag zur „Himmelsthür“ erhielt keinen einzigen Kommentar. Simples church-bashing ist einfacher.
      Wer allerdings meint, die Kirche stehe hier in der Nachfolge Christi, der irrt. Christus nahm auf sich alle Schuld, damit wir erlöst werden, so die dogmatische Lesart. Doch er war ohne Schuld, im Gegensatz zu den Kirchen. Erlöst wurden wurden hier nur die staatlichen Institutionen, die sich vornehm im Hintergrund halten können, bis dann doch mal wieder deren Verantwortung aufscheint, wenn auch sie sich genötigt sehen, ihr Versagen mit gesetzlichen Regelungen zu kompensieren. Doch dafür haben sie ja zum Glück die Länderkammer und im vollen Licht die Kirchen als mitschuldigen Sündenbock.

  4. Martin MITCHELL said, on 9. November 2016 at 23:31

    .
    „Fauler Kompromiss für behinderte Heimkinder“?

    Stiftung für [behinderte] Heimkinder soll gegründet werden (hieß es Mitte November 2015). — Diese Stiftung ist jetzt (September 2016) gegründet worden und es gibt jetzt auch eine Webseite dafür.

    Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat gerade (Mitte September 2016) folgende informative Webseite zu diesem Thema »Stiftung „Anerkennung und Hilfe“« eingerichtet.

    Diese Webseite wurde eingerichtet ungefähr einen Monat bevor der jetzt in aller Munde „EHEMALIGE HEIMKINDER-Medikamentenversuche-Skandal“ erstmalig so richtig ans Licht kam.

    Die Webseite dieser »Stiftung« ist hier zu finden: http://www.bmas.de/DE/Themen/Teilhabe-Inklusion/Stiftung-Anerkennung-und-Hilfe/unterstuetzungsleistungen-der-stiftung-anerkennung-und-hilfe.html;jsessionid=A5A2E68BD308BEC1A12793CB58BE80DB
    .


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