Dierk Schaefers Blog

Voller Zorn und voller Scham

Sehr gut auf den Punkt gebracht wird mit dieser Überschrift die Lage der ehemaligen Heimkinder, in diesem Fall in Korntal.

Die Brüdergemeinde in Korntal bei Stuttgart war schon mehrfach Thema in diesem Blog.

Die Hängepartie dauert an. Da ist die Rede von Gesprächsangeboten »der verantwortlichen Brüder, … in E-Mails versprochen, die aber nie Wirklichkeit wurden. „Das ist wie früher in Korntal, außer leeren Versprechungen ist nichts gewesen.“«

Wenn da nicht der Korntaler Anspruch wäre, besonders fromm zu sein. Doch vielleicht ist das der Grund, der Realität auszuweichen. Angemessene Konsequenzen kosten nicht nur Geld, sondern Einbußen am überhöhten Selbstbild. „Der Hauptpunkt von Korntal sind für mich die unendlichen Demütigungen, Missachtung und Nichtbeachtung, das ,Nichtsehen’ der Kinder. Du kennst ja als Mutter, wie das wichtig ist für die Kinder, dass sie den ,Glanz im Auge der Mutter’ erfahren. Aber wenn ich an die ‚Schwarzen Raben’ (= schwarz gekleidete Diakonissen) im Kleinen Kinderheim denke, erinnere ich da nur Dunkles, Ungeduldiges und ,Schwarzes’ in ihren Augen. Der seelische Missbrauch ist schon unerträglich. Wie schlimm ist dann erst der körperliche??!!!“.

Da meinet man demütig sein zu müssen vor seinem Gott und hat es mit Demütigungen verwechselt.

Alle Zitate aus: http://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/276/voller-zorn-und-voller-scham-3757.html?pk_campaign=KONTEXT-per-EMail&pk_kwd=Ausgabe-276

 

7 Antworten

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  1. ekronschnabel said, on 13. Juli 2016 at 17:45

    Ich las den Artikel in der „Kontextwochenzeitung“ sehr genau. Ich finde all das wieder, was ich mit den Täter-organisationen erlebte, mit denen ich zu tun hatte. Wir, die Betroffenen, lernten, dass wir nur ernst genommen werden, wenn wir glasklares Gossendeutsch mit denen sprechen, die wehrlose Heimkinder mit der Gossensprache überschütteten. Pastor Schäfer kreidet mir „hate-speech“ an und unterstellt mir, nicht weit
    genug zu denken.

    Ich muss nicht mehr denken, ich erlebte in den letzten Kampfjahren immer wieder genau das, was wir jetzt wieder mit den Täternachfolgern des Korntaler Kinder-KZ’s erleben. Erst nachdem ich mit den Nachfolgern der
    Diakonie-Ganoven von damals im Ton der Diakonie-Ganoven von damals sprach, verstanden die verlogenen
    Herrschaften, dass man ihnen durchaus echte Probleme machen kann. Das begriffen die ehemaligen Heimkinder von Korntal offenbar immer noch nicht – und jammern über Demütigungen durch die Täternachfolger. Mediatoren hin oder her – Gossenjungs wie die Korntalverweser, verstehen nur den Hammer in der Hand der Gegner. Gesangbuchgesäusel beeindruckt diese Sorte Unmensch nicht. Den Wackel-Dackel
    belächelt man, den Pitbull respektiert man und macht Konzessionen. Was kommt im Umgang mit Gegnern bei
    Verhalten mit Anstand? Der Gegner macht vor Lachen Handstand.

  2. Werner Bösen said, on 13. Juli 2016 at 21:44

    Täterorganisationen reden das Problem klein, ja zerreden es am liebsten und versuchen den Umkehrschluss mit schlechtem Elternhaus und dortiger Verrohung. Das was uns als Opfer passiert ist, klingt für Normalsterbliche ungeheuerlich, phantasiegeladen. Nun soll einer der Normalsterblichen, qualifiziert als Mediator und aus anständigem Elternhaus, tätig werden und lernt den Januskopf des Täters und auch des Opfers kennen, das Doppelgesicht: Offenheit und Verborgenheit, was ist wahr, was wird vorenthalten und gelogen. Die Täterorganisation gewinnt Zeit und das Opfer verliert sie. Der Mediator übt sich in Contenance, den Täter freut es, das Opfer leidet und riskiert Re-Traumatisierungen. Die Täter wähnen sich im Recht über ihre damaligen Erziehungsmethoden, denn es war allgemein üblich zu züchtigen, lediglich kam es zuweilen zu Übertreibungen. Und darüber darf dann „verhandelt“ und das Opfer entschädigt werden.
    Für Kinderheime trägt unser Staat die Verantwortung. Die Kinderheime sind Relikte von Kriegen, denn die Massen von elternlosen Kindern mussten im Sinne einer Erstversorgung untergebracht werden. Das Interesse der Kirchenträger bestärkte die Eigendynamik, an solchen Einrichtungen festzuhalten. In den meisten Kinderheimen, vormals Waisenhäusern, wurde exemplarisch der Totschlag von Kinderseelen praktiziert. Das allein bedarf bereits einer Entschädigung. Dafür braucht es keinen Mediator mehr, denn die Fakten lieferte im Jahre 2010 der Abschlussbericht des Runden Tisches Heimerziehung der 1950er und 1960er Jahre.
    Doch es gehört zum politischen Spiel: Zeit zu gewinnen, möglichen Schaden gering zu halten, den Opfern Arbeit zu machen. Das Opfer muss sich zu erkennen geben, jedoch nicht dem konkreten Täter, sondern Täterorganisationen. Es beginnt sodann ein Spiel mit ungleichen Waffen. Das Opfer ist aufgrund seiner Heimerfahrungen wenig qualifiziert und steht nun redegewandten Täterorganisationen gegenüber, die ihre Täter erstmal schützen müssen, bevor die Tat bewiesen ist. Die ungleiche „Waffenlage“ birgt das Risiko der Eskalation. Eine Chance zur Reduzierung der Eskalation ist der Gebrauch der gleichen Sprache, mit denen die damaligen Täter ihre Opfer gedemütigt haben sodass den Vertretern der heutigen Täterorganisationen die Scham im Gesicht steht. Das kann in der Regel das Opfer nicht mehr leisten, denn dann liegen die Nerven blank.
    Zur weiteren Strategie der Täterorganisationen gehört die Beschwichtigung, dass es heute in Kinderheimen solche Demütigungen nicht mehr gibt und sie gelernt hätten. Das ist leider unglaubhaft, denn Kinderheime sind kraft fehlender Privatsphäre und elterlicher Autonomie weiterhin hochgradige Gefährdungsareale für potentiellen Totschlag an Kinderseelen. Es gibt hier nur eine Lösung: Kinderheime sind zu verbieten! Diese Forderung stützt auch die Feststellung eines Philosophie-Wissenschaftlers, dass Kinderheime keine Familien sind.
    Für die Familie gibt es bei Kleinkindern keinen Ersatz. Das Kinderheim ist hier eine staatliche Krankheit. Doch es ist nur eine Minderheit und die erscheint dem Staat verkraftbar.

  3. Werner Bösen said, on 14. Juli 2016 at 15:21

    Warum ignoriert die Politik in der Heimerziehung wissenschaftliche Erkenntnisse der Psychologie und Philosophie und schafft eine eigene pseudowissenschaftliche Disziplin Heimpädagogik?

    Wissenschaftliche Erkenntnisse tragen ihren Nutzen für die Gesellschaft, doch oftmals ist dieser Nutzen erst langfristig, doch dann dauerhaft wirksam.

    Die Politik braucht jedoch Kurzfristerfolge, denn die Wahlperiode in einer Demokratie ist schnell vorbei. Kurzfristig können Maßnahmen erfolgreich sein, wenn sie den Verstand verantwortlicher Erwachsener vernebeln, langfristig katastrophal, wie die Heimkinderziehung hinreichend genug gezeigt hat. Dennoch sind auch dann mögliche Entschädigungsleistungen für die Gesellschaft verkraftbar, schließlich ist die Kraft des Bösen im Menschen immanent und ein „Sockel“ des Bösen nicht vermeidbar. Wir sind natürlich alle bestrebt, stets im Sinne des Guten, im Sinne Gottes zu agieren. Das Gute wirkt in der Liebe zum Menschsein, doch die Liebe macht blind. Es braucht Sachverstand, Expertise. Diese liefert die Wissenschaft, denn sie hat die Kraft, den Sachverstand herauszustellen und das Gefühl „kalt zu stellen“, einen klaren Kopf zu zeigen.

    Menschsein braucht beides, Gefühl und Verstand, in jungen Jahren vornehmlich das Gefühl, der Verstand entwickelt sich und beides reift ein Leben lang. Die beste Reifung gelingt nur in der Familie sowie notwendigerweise einer Ersatzfamilie, wie Pflege-und Adoptivfamilie. So banal wie diese Erkenntnisse sind, die Politik arbeitet primär nur noch mit dem Verstand, das Gefühl ist zweitrangig, damit leidet das Mitgefühl und der Verstand, die Seele erkrankt. Die Kinder sind erkrankten Erwachsenen ausgesetzt und werden ebenfalls krank. Den Teufelskreis erkennt die Wissenschaft von Psychologie und Philosophie, doch die Politik ist beherrscht von Meistern der Verdrängung, schafft seine eigene Wissenschaftsdisziplin, die Heimpädagogik.
    Schon der Begriff Heimpädagogik ist irreführend, denn es geht nicht um ein Heim, ein Zuhause für Kinder, sondern eine Verwahrung und ein Überleben von verwaisten Kindern. Die Heimpädagogik analysiert Verwahranstalten und gibt Verbesserungsvorschläge für Institutionen, in denen Kleinkinder seelisch dahin vegetieren. Sie manifestiert ihre Erkenntnisse als Optimum für eine Heimerziehung und vernebelt den Politikern ihren Verstand. Der oft bemerkte Satz „Liebe allein genügt nicht“ ist eine Persiflage für jedes Heimkind und verkennt die Tatsache, dass Liebe auch ein Reifungsprozess ist. Dieser Reifungsprozess ist einem Heimkind verwehrt, denn er wird durch berufsmäßig tätige Erzieher/innen ad absurdum geführt.

    Die Heimpädagogik versucht somit nur ein Überleben von Kindern zu sichern, das bürokratischen Anforderungen der Politik gerecht wird. Sie ist eine Wissenschaft primär im Dienste der Politik und nicht im Dienste von Familien und des von Eltern verlassenen Kindes. Dazu trägt die Tatsache bei, dass das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland keine Kinderrechte kennt, sondern nur das Elternrecht mit der abgeleiteten Verpflichtung auf das Kindeswohl. Auf dieser rechtlichen Basis agiert Heimpädagogik; eine rechtliche Auseinandersetzung über gesetzliche und moralische Kinderrechte entzieht sich ihrer Betrachtung und erscheint eher philosophischer Natur. Die Heimpädagogik leistet insofern keine holistische Betrachtung zum Heimkind sondern lediglich reduktionistische Denkansätze, die letztlich nur halbe Wahrheiten sein können. Es fehlen zudem organisationstheoretische Denkansätze der Soziologie, denn Kinderheime sind organisationale Gebilde mit den für Organisationen typischen Eigenschaften. Kinderheime verursachen Kosten für die Gesellschaft und der Nutzen ist fraglich, es fehlen Kosten-/Nutzenanalysen im betriebs- und volkswirtschaftlichen Kontext. Die Heimpädagogik qualifiziert sich damit als eine Pseudo-Wissenschaft und genügt eher einer politischen Flickschusterei, einer Alibi-Funktion des herrschenden Politikbetriebs. Die verwaisten Kinder bleiben weiter dort wo sie bereits sind: auf dem Abstellgleis der Minderheiten, gebrandmarkt als Hilfslose wartend auf den barmherzigen Samariter.

    • ekronschnabel said, on 14. Juli 2016 at 18:29

      Werner,
      die benutzten Konzepte sind bewusst so gewählt wie sie sind. Die „barmherzigen Samariter“ – Konzerne machen durch die Verwahrung der Hilflosen lukrative Geschäfte. Man produziert durch das System Opfer, die
      lebenslänglich als „Kunden“ gemolken werden können. Besonders lukrativ wird es für die Opferverwahrer, wenn aus Kindern gebrechliche Alte wurden. Man kann die Pflegestufen „auskosten“, füllt ohne großen Aufwand die „Residenzen“ (schon diese Bezeichnung der Altenheime ist unverfroren) und die Kassen.klingeln.

      Gesetzliche Änderungen verhindert die Lobby. War immer so und bleibt immer so. Kinder interessieren die
      christlichen Verwahranstaltsbetreiber nur dann, wenn man mit denen Geld verdienen und sie „gelegentlich“
      auch als Sexspielzeuge einsetzen kann. Kennen wir doch alles. Änderte sic was? Nö, bleibt alles wie gehabt.

  4. Helmut Jacob said, on 14. Juli 2016 at 22:55

    Erich Kronschnabel @ Werner,
    die benutzten Konzepte sind bewusst so gewählt wie sie sind. Die „barmherzigen Samariter“ – Konzerne machen durch die Verwahrung der Hilflosen lukrative Geschäfte.

    Jacob: Das stimmt natürlich! Zweite Aufgabe der kirchlichen Einrichtungen ist die Expansion. Je größer man ist, desto wichtiger und darum ist es nicht möglich, die Kirchensteuer infrage zu stellen.

    Man produziert durch das System Opfer, die
    lebenslänglich als „Kunden“ gemolken werden können. Besonders lukrativ wird es für die Opferverwahrer, wenn aus Kindern gebrechliche Alte wurden. Man kann die Pflegestufen „auskosten“,

    Jacob: Die Pflegeversicherungskosten decken nicht ansatzweise den Bedarf. Bei eins gibts etwa 1.000 und bei zwei 1.350. Sowohl Pflegestufe 2 und schon gar nicht Pflegestufe 3 sind erreichbar. Das liegt nicht an der vorhandenen Pflegebedürftigkeit, sondern schlichtweg an den Alten selbst. Sie fallen auf die Fangfragen herein. Schon das Strecken der Hand hin zum MDK-Prüfer ist ein verhängnisvoller Fehler. Der MDK-Tester misst die Kraft und überträgt sie auf andere häusliche Arbeiten. Das Öffnen der Wohnungstür ist ebenfalls bereits falsch. Wer das noch kann …

    füllt ohne großen Aufwand die „Residenzen“ (schon diese Bezeichnung der Altenheime ist unverfroren) und die Kassen.klingeln.

    Jacob: Ich spreche über diese „Residenzen“ schon seit Jahren von Endlagern mit stiller Euthanasie durch die Hintertür. Dierk Schäfer kann das besser erklären, was ich hier versuche: Personalmangel und Personalpfeifen verhindern die nötige Zuwendung zum alten Menschen und er vereinsamt. Drei Stunden in der Scheiße liegen zu müssen (und ich könnte Beispiele aufzählen) machen seelisch Mürbe und sehnen den baldigen Tod herbei. Unterernährung, zu geringe Flüssigkeitsgaben und fehlende Behandlung von Dekubitus (Wundinfektionen mit Löchern bis zum Knochen) tragen zur medizinischen Euthanasie bei.

    Gesetzliche Änderungen verhindert die Lobby.

    Jacob: … und die Politik und das fehlende Geld. Schon Norbert Blüm wollte neben der „Wohltat“ für Pflegebedürftige neue Arbeitsplätze schaffen. Daraus ist eine Abzockerindustrie entstanden, die Ambulanten Dienste. Häusliche Pflege durch Verwandte wird sehr viel schlechter honoriert. Man vermutet die Verwandten als Verbrecher, die nur absahnen wollen. Zum Teil trifft dies zu aber in den meisten Fällen nicht.

    War immer so und bleibt immer so. Kinder interessieren die
    christlichen Verwahranstaltsbetreiber nur dann, wenn man mit denen Geld verdienen und sie „gelegentlich“
    auch als Sexspielzeuge einsetzen kann.

    Jacob: Irren Sie sich nicht, lieber Herr Kronschnabel. Ein behinderter Pfarrer war Hausseelsorger in einem Altenheim. Er legte ihnen die Hand aufs Haar. Wahrscheinlich, um sie zu segnen. Aber es war der Schamhaar. Erst als eine Pflegerin im Kleiderschrank versteckte und im entscheidenden Augenblick rief: „Was machst du altes Schwein denn da?“ stellte er seinen Segnungsprozess ein. Jetzt denkt jeder: Der ist vor den Kadi gelandet. Irrtum! Er wurde versetzt und segnet dort weiter. Darum stimme ich Ihnen zu:

    Kennen wir doch alles. Änderte sic was? Nö, bleibt alles wie gehabt.

    Herzlichst
    Helmut Jacob

  5. Helmut Jacob said, on 15. Juli 2016 at 00:44

    Der behinderte Pfarrer war blind.
    Infos über die Leistungen der Pflegeversicherung im Falle der Heimunterbringung:
    http://www.pflege-deutschland.de/pflegeversicherung/stationaere-pflege-heim.html

  6. Werner Bösen said, on 15. Juli 2016 at 09:33

    „Geld regiert die Welt“, ist probates Tauschmittel für aller Arten von Leistungen in der Erwachsenenwelt. Die Wahl der benutzten Konzepte der Heimpädagogik zeigt jedoch die Hilfslosigkeit und Ohnmacht der Erwachsenenwelt gegenüber der Kinderwelt. Es gibt glücklicherweise Positivbeispiele wie die SOS-Kinderdörfer oder die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer, wo deren Gründer verstanden haben, was Kleinkinder brauchen. Kinderheime sind eine kriminelle Erziehungskonstellation, denn sie leisten ihre Beiträge zum Totschlag von Kinderseelen. Die Heimpädagogen sind im übertragenen Sinne die „Hofnarren des Königs“, halten die Politik bei Laune, dürfen sagen was sie wollen, doch es muss in die politische Landschaft passen und das ganze gewürzt mit einem Schuss Humor. Schon als zwölfjähriger war mir klar, dass jene der schlauen Leute, die auch Waisenhäuser bauen und daran festhalten, entweder Dummköpfe und/oder Feiglinge sind. Den Begriff Dummkopf strich ich wieder, denn er passte nicht zu dem Begriff schlaue Leute.

    „Jesus war zwölfjährig, als er im Tempel die Gelehrten beschämte. Wir alle haben mit zwölf Jahren unsere Gelehrten und Lehrer beschämt, waren klüger als sie, genialer als sie, tapferer als sie“ (Hermann Hesse).

    Mir war es mit zwölf als Heimkind nicht mehr möglich, meinen Mund aufzutun, denn ich lernte: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Die Betonung seitens der Erzieher lag auf letzterem, das erstere musste sich das Heimkind erbitten.

    Das aus mir dennoch etwas werden konnte, verdanke ich den frühen Lebensjahren bei meiner Mutter und deren Familienclan, meinen Geschwistern. Das haben auch meine Therapeuten verstanden, auch wenn es manchen nach wie vor schwer fällt, dies zu begreifen.

    Drum bleiben es Dummköpfe, die meinen mit Hilfslosen Geschäfte machen zu können. Die Kosten trägt nämlich die Gemeinschaft. Es ist von größerem Nutzen, zur Volksgesundheit beizutragen. Nur müssen auch die krankmachenden Faktoren erkannt werden. Hofnarren können dafür verwendet werden, doch sie stellen den Humor über das Leid der Armen. Erst wenn der König abdanken muss, sind auch die Hofnarren überflüssig am Hofe und müssen sich eine neue Beschäftigung suchen. Menschen, die mit Humor ihre Mitmenschen erfreuen, sind immer beliebt, und Kinder kommen gerne zu ihnen. Doch Humor allein genügt nicht. Das Leben hat auch seine Kehrseite, die Trauer. Sie muss genauso gelebt werden wie die freudige Seite. Vor allem im Trauerfall zeigt sich die Bedeutung von Liebe und ihrem Reifungsprozess, der zwar im Todesfall personal als beendet betrachtet werden kann, jedoch im transpersonalen Bereich weiterlebt. Diese Erkenntnis, die ich bereits als Heimkind verinnerlicht hatte, half mir zum Überleben und dazu, meinen Beitrag für den Fortbestand einer Gesellschaft zu leisten, in dem ich einen liebenden Mitmenschen finden konnte. Nur wer Liebe sät, wird auch Liebe ernten können.

    „Der Vernünftige rationalisiert die Welt und tut ihr Gewalt an. Er neigt stets zu grimmigem Ernst. Er ist Erzieher“ (Hermann Hesse).


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