Dierk Schaefers Blog

Das Reden von Gott in Zeiten des Internet.

»Redet man seit dem Internet anders über Gott als vorher?« fragte Antje Schrupp kürzlich über Twitter.

Die Frage ist so ungezielt wie komplex.

Wer ist man, der sich im Internet äußert, und wo im Internet?

Wer hat sich vor den Zeiten des Internet wo und wie über Gott geäußert?

Schließlich: Ist es mit der Beschränkung auf „Gott“ getan? Muss die Frage nicht ausgeweitet werden auf: Christentum und Religion überhaupt, spezifiziert nach den Themenbereichen „Kirche“, „Kirche und Staat“, „Religion und Gewalt“, „Islam“, „Säkularisierung“? Kurz: Allah hat viele Namen, Gott hat viele Facetten, Anhänger und Gegner, und viele Gleichgültige.

Wer Antje Schrupps Frage wissenschaftlich seriös beantworten will, sollte Geld für ein umfangreiches Forschungsprojekt beantragen. Säße ich im Bewilligungsgremium, würde ich ablehnen, so wie ich auch jeden Promovenden bedauern würde, der sich an dieser Frage nur verheben kann, auch Promovendinnen stemmen das nicht. Das Internet ist schließlich ein globaler Stammtisch, besser: viele Stammtische, auf die dann jeweils ein Themenschild gesetzt wird – und jeder, der will oder zu müssen meint, setzt sich dazu.

Antje Schrupp ist arbeitet journalistisch. Darum will ich auch eher journalistisch mit der Wiedergabe meines persönlichen Eindrucks antworten, aber inhaltliche Festlegungen zu Gott & Co. vermeiden.

Doch zunächst die Einschränkungen. Ich überblicke das Internet nicht, wer kann das schon. Meine Erfahrungen beschränken sich auf

  • aktuelle Meldungen einiger Online-Magazine,
  • Twitter, dazu gehört auch das „EvPfarrer’s Daily“ des Kollegen Ebel. »Diese Online-„Zeitung“ versammelt hauptsächlich Beiträge, die evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer auf Twitter verbreitet oder in ihren Blogs veröffentlicht haben. Ergänzend fließen Meldungen von Einrichtungen der verfassten Kirche mit ein.« Dort wird natürlich besonders viel über Gott und die Welt getwittert. Diese Tweed-Sammlung ist aber geeignet, den Blick auf die Bedeutung Gottes im Internet quantitativ zu verzerren.
  • Foren meide ich meist, weil dort zu oft völlig undifferenziert und uninformiert nur „Meine Meinung, deine Deinung“ ausgetauscht wird, mit neckischen Nicknames und ohne Rücksicht auf Argumente.
  • Schließlich bekomme ich in meinem Blog Kommentare, in denen ehemalige Heim­kinder sich über Gott, Christentum und Religion äußern – so wie das halt in Foren üblich ist, hier aber hasserfüllt. Doch diese Klientel hat Grund dazu, wurden sie doch in kirchlichen Einrichtungen am Leben geschädigt und zuschlechterletzt von der Pfarrerin Antje Vollmer über den Runden Tisch gezogen.

Nun meine Antwort auf die Frage.

Sicherlich wird im Internet anders über Gott geredet, als zuvor anderswo. Wer hat früher öffentlich über Gott geredet? Lassen wir die Religionswissenschaftler außen vor. Es waren im weitesten Sinne Kirchenleute, Theologen, aber auch Menschen mit engen Bindungen an Christentum und Kirche.

Es gab auch schon immer Kirchenkritiker, die nicht nur im kleinen Kreis, sondern auch mit Öffentlichkeitswirkung über Gott redeten und schrieben, z.B. Herr Deschner mit seiner „Kriminalgeschichte des Christentums“.

Zu nennen ist auch die Indienstnahme Gottes zur Sicherung der Sterbebereitschaft von Soldaten und Opferbereitschaft der Bevölkerung in vielen Kriegen von allen Kriegsteilnehmern – bis hin zum Gefallenendenkmal.

Sicherlich wurde auch an manchem Stammtisch, wenn nicht über Gott, so doch über den jeweiligen Herrn Pfarrer geredet, insbesondere, wenn der Anlass dazu bot.

Die Säkularisierung hat manchen naiven Glaubensinhalten den Garaus gemacht. Die Köpfe wurden frei für religionskritische Ansichten.

Nun, in Zeiten des Internet, nutzen viele – meist anlassbezogen – die Möglichkeit, ihre Mei­nung zu Kirche und Gott zu publizieren.

Die Anlässe liegen im eigenen, realen Erfahrungsraum, sind vielfach aber auch durch Mel­dun­gen im Netz angeregt. Zum jeweiligen Anlass/Thema gibt es Echoräume von vielen Gleichge­sinnten und wenigen Vertretern abweichender Meinungen, doch die haben so gut wie keine Chance, die Stimmung umzudrehen.

Themen sind Kirche und Staat, besonders die Kirchensteuer, die „Macht“ der Kirchen, kirchliche Verfehlungen (z.B. Misshandlungen und Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen, Geldverschwendung à la Limburg u.a.m.). Da trifft es dann nicht nur die Einzelpersonen oder die Kirche, sondern Gott bekommt auch noch sein Teil ab, wie die Religion überhaupt. War sie nicht immer schon gewalttätig? Dann kommt der pauschale Verweis auf „Religionskriege“ oder etwas aktueller auf den Islam.

So und in dieser Häufigkeit wurde früher wohl nicht über diese Themen publiziert, wenn man von ideologischen Kriegen gegen die Religion absieht, wie sie von den Nazis geschürt wur­den oder auch vom real existierenden Sozialismus. Allerdings gab es nicht nur den „Pfaffen­spiegel“. Die erotischen Fehltritte des Klerus waren schon immer ein literarischer Topos, geradezu ein Schmankerl, wenn auch eher als eine Art Untergrundliteratur, wohin sexuelle Dinge früher ganz generell gehört haben.

Hin und wieder taucht in Eigenberichten im Netz auch das Problem der Theodizee auf, das schon manche Menschen aus der Glaubensbahn geworfen hat.

Dann sind noch die Theologen selbst zu nennen, die das Netz missionarisch nutzen oder ihre mehr oder weniger vom theologischen Mainstream abweichenden Meinungen publizieren. Sie sind letztlich auch „Bekenner“, wie sie mit anderem Vorzeichen in manchen Foren als Ver­fech­ter des „wahren“ Glaubens zu finden sind: Bibelfundis.

Nur hinzuweisen ist auf die Präsenz islamischer/islamistischer Internet-Nutzer, die auf ihre Art über Allah schreiben. Doch da fehlt mir jede Beurteilungsgrundlage, wäre aber wichtig, um Herausforderungen zu begegnen.

Gott und Religion werden wohl weiterhin bedeutsame Themen sein. Der Islam rettet zurzeit nicht nur den christlichen Religionsunterricht vor dem missionierenden Atheismus, sondern stellt unserer Gesellschaft religiöse Fragen, die sie nicht hören will, denen sie aber nicht mit atheistischer Contra-Haltung oder denkfauler Gelassenheit begegnen sollte. https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/01/06/ohne-religionsgeschichte-wird-es-nicht-gehen/

Eine Antwort

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  1. Werner Boesen said, on 20. Dezember 2016 at 21:51

    Das Internet ist ein Werkzeug und nicht jeder beherrscht es. Es bedarf der Bildung, des Lernens. Dies ist auch notwendig, wenn ich ein Buch lerne zu lesen. Das Internet bietet mir die technische Möglichkeit, die Wissens- und Glaubensbasis zu Gott schneller zu erarbeiten und zu verbreiten. Insofern kann ich auch mein Reden über Gott durch das Internet anreichern und früher umfassendere Erkenntnisse erlangen. Langfristig muss ich dadurch jedoch nicht zwangsläufig anders über Gott reden. Reden über Gott ist letztlich spirituell und transzendent und braucht kein Internet und auch keine Religion. Einige Religionen bedienen sich eines Gottes und einige mehrerer Gottheiten. Sich bedienen mit Gott bedeutet für viele Menschen einen Grund zu finden, wenn etwas im Leben nicht so läuft wie es gewünscht wird und suchen Beistand. Ein früher Tod lässt den Glauben wanken. Ich frage nach Gott:
    „Wer bist Du, den Du geschaffen hast?
    Du bist die Gesamtheit, die alles vereint.
    Ich bin dein Lebenswerk, dein Geschöpf, ein Mensch, einzigartig!
    Ich bin Dein Geschenk, ein Geschenk des Lebens.
    Du liebst dein Geschenk. Du bist Liebe.
    Du gibst mir Liebe. Ich bin Liebe.
    Ich bin Nichts ohne Dich. Du bist meine Autorität, meine natürliche Autorität!
    Du hast den Menschen geschaffen als Mann und Frau. Du bist Zweisamkeit.
    Du bist Vater und Mutter für mich. Und es sind somit drei, derer Du gedenkst.
    Du bist vereint mit Drei, du bist Dreieinigkeit. Du bist Familie.
    Wir sind ein Teil von Dir, wir sind Du.
    Ich bin nicht zum Alleinsein und zur Einsamkeit geboren.
    Auch Du bist nicht allein und einsam, sondern vereint im Kosmos. Du bist Gemeinsamkeit.
    Du bist mehr als die Summe deiner Teile.
    Du bist die Luft, die wir zum Atmen brauchen.
    Du bist das Wasser, das wir zum Leben brauchen.
    Du bist die Erde, auf der wir stehen und uns bewegen.
    Du bist die Sonne, die Licht für uns schafft.
    Du bist die Dunkelheit, die uns zum Schlafen führt.
    Du bist ein Stern, der mir im Dunkeln leuchtet.
    Du bist das Weltall, die Unendlichkeit.
    Ich bin beeindruckt und kann nicht alles fassen, kann vieles nur glauben.
    Deine Kraft ist ohnegleichen. Du bist Energie, sichtbar und unsichtbar.
    Am stärksten wirkt unsichtbare Energie, denn sie hält dich im Kosmos.
    Du bist allmächtig und viel mehr als ich in Worte fassen kann.
    Doch du brauchst keine Worte. Du bist ohne Worte, denn du bist das Wort.“
    (Auszug aus meinem spirituellen Gedicht „Wer bin ich und wer bist du?“ meines gleichnamigen Buches).

    In dem ich anerkenne, dass das Göttliche in mir wirkt, erübrigt sich die Frage nach dem Warum meines Schicksalsschlages.

    Ich wünsche besinnliche, friedliche und frohe Weihnachten.


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