Dierk Schaefers Blog

Wie man Verbrechen gekonnt versteckt. – Durch Ablenkung.

Der große Osterhasenpreis fürs Verstecken geht an Hephata.

„Die Auswirkungen des menschenverachtenden nationalsozialistischen Regimes prägten auch die Nachkriegszeit.“ Das war schon das ganze Ablenkmanöver. Hephata macht dann gleich einen großen Sprung von 1945 in die 70er und 80er Jahre: „Der große Nachholbedarf individueller Förderung und Lebensgestaltung von Menschen mit Behin­derungen und Benachteiligungen, konnte in den 70er und 80er Jahren realisiert werden.“[1] Und was war dazwischen?

Viele Leser werden mit „Hephata“ nichts anfangen können. „Hephata Hessisches Diakoniezentrum e.V. ist eine Einrichtung der Diakonie in SchwalmstadtTreysa. Dort werden Menschen in den Bereichen Behindertenhilfe (für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen), Jugendhilfe, Altenhilfe, Sozialpsychiatrie, Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe, Neurologische Klinik und der Akademie für soziale Berufe betreut, gefördert und ausge­bildet.“[2]

Auch Wikipedia macht bei der Geschichte der Anstalt den großen Sprung mit: „Auch aus Hephata wurden während des Dritten Reichs Menschen mit kognitiven und körperlichen Behinderungen im Rahmen der Aktion T4 zuerst in andere Einrichtungen verlegt und später unter anderem in der NS-Tötungsanstalt Hadamar getötet. Mit der Errichtung eines Mahn­mals vor der Hephata-Kirche erinnert die Einrichtung an die Opfer und bekennt sich zu ihrer Verantwortung.“ Wikipedia fährt fort: „1945 wurde bei der Kirchenkonferenz von Treysa, die in Hephata tagte, die Evangelische Kirche in Deutschland und das Evangelische Hilfswerk, die Vorläuferorganisation des Diakonischen Werks, gegründet. … Bis heute sind Diakone und der Kirche verbundene Mitarbeiter in der Diakonischen Gemeinschaft Hephata organisiert. Von der Gemeinschaft gehen Impulse zur Wahrnehmung des diakonischen Auftrages und zum spirituellen Leben in Hephata und an den Einsatzstellen der Mitglieder aus.“

Wie sahen nun die prägenden „Auswirkungen des menschenverachtenden nationalsozia­listischen Regimes“ in der Nachkriegszeit aus? Darüber schweigt die firmeneigene Selbstdarstellung auf Facebook.

„Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen“[3] So auch hier. Die Wiesbadener Filmemacherin Sonja Toepfer hat im Auftrag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau das Leiden der Kinder in Kinderheimen aufarbeitet. Hephata heißt „Öffne dich!“[4], so steht es im Markusevangelium (7,31-37). Über das dort berichtete Wunder kann man sich nur wundern. Doch wie das Öffnen in Hephata, der Anstalt der Diakonie in Treysa praktiziert wurde, kann sich nur wundern, wer sich in der Heimkinder­geschichte nicht auskennt.

In Hephata – und wohl nicht nur dort – ging das so: durch die Punktion mit einer langen Nadel zwischen zwei Wirbelkörpern wird Liquor abgelassen und Luft in den Rücken­marks­kanal eingelassen. Pneumenzephalographie heißt das Verfahren[5]. Durch Umlagerung des Patienten steigt diese Luft dann im Rückenmarkskanal auf bis in das Ventrikelsystem des Gehirns. Die Gehirnflüssigkeit wird entfernt, um die Kammern und Hohlräume des Gehirns röntgen zu können. Es handelt sich laut einem wissenschaftlichen Fachbuch um „eine der schmerzhaftesten Pro­ze­duren, die man sich denken kann“. Dabei entstehe bei dem Patienten „das Gefühl, als sei sein Kopf ein riesiger Luftballon, der jeden Augenblick zu platzen droht“[6], heißt es weiter. So machte man das in Hephata und zwar ohne individuelle medizinischen Indikation. Es war ein Forschungsprojekt an wehrlos entrechteten Kindern.

Es gab schon früher Hinweise auf solche Untersuchungen an Heimkindern. Mich hat die neue Veröffentlichung nicht gewundert. Ohnehin hat der kirchliche Umgang mit dem Thema „Eugenik“ eine leidvolle Tradition, und schon bisher tauchte dabei der Name Treysa mehrfach auf.

Zunächst auf der „Ev. Fachkonferenz für Eugenik“ 1931 (!) in Treysa: »Pastor Friedrich von Bodelschwingh. Er behauptet in Treysa, die Sterilisierung Behinderter entspreche dem Willen Jesu. Bodelschwingh wörtlich: „Ich würde den Mut haben, in Gehorsam gegen Gott, die Eliminierung an anderen Leibern zu vollziehen.“« Wem der Name Bodelschwingh nichts sagt: Er gehört zu Bethel. Auch Bethel taucht ständig negativ in der Heimkindergeschichte auf.

Doch zu Hephata. Ein Korrespondent schrieb mir: »In Hephata (Schwalmstadt/Treysa) hielt die Diakonie nach dem Zweiten Weltkrieg [in den 1950er/1960er Jahren] 2000 Insassen – Kinder und Jugendliche – , die angeblich „schwachsinnig“ waren. Für jeden „Schwachsinni­gen“ in Hephata erhielt die Diakonie vom Staat „[pro Woche] eine Mark mehr“ als für „nor­male“ Schutzbefohlene. Indem man seine Schutzbefohlenen als „schwachsinnig“ begutachtete und deklarierte, konnte man seine Gewinne steigern, bei 2000 Insassen im Jahr um 104.000 DM! Über zehn Jahre hinweg macht das bei 2000 „schwachsinnigen Insassen“ eine zusätz­liche beträchtliche Summe von 1.040.000 DM aus (eine Million und vierzig Tausend Mark!) ! So wurde es dann auch gehandhabt von der Diakonie in Hephata über einen Zeitraum von 20, 30 oder gar 40 Jahren hinweg!! Und nicht nur in Hephata!!!«[7]

Wenn’s nur das gewesen wäre. Doch da die Kinder „schwachsinnig“ waren, konnte man auch noch schmerzhafte Experimente mit ihnen machen.

Alles verjährt obwohl es Verstöße gegen die Menschenrechte waren? Die eigentlich nicht verjähren? In Deutschland schon. Für die Kirchen auch.[8]

„Der christliche Grundgedanke, das selbst erfahrene Heil Gottes in der Lebens­gestaltung mit anderen zu teilen, ist erhalten geblieben und prägt bis heute die Arbeit.“[9] An die dunklen Punkte erinnert man sich nicht gern, das ist verständlich – aber verges­sen und beschweigen? Oder gar fortführen?

Noch 1973 offenbarte der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) über »verantwortliche Eltern­schaft« für Kinder mit Behinderung lupenreine Nazi-Eugenik. Dort ist die Rede von der »Anhäufung schädlicher Gene in der Bevölkerung und der wirtschaftlichen Folgen für die Gesellschaft«. Weiter heißt es, das Bewußtsein der Öffentlichkeit sei zu »schärfen für die impliziten sittlichen Fragen und für die Notwendigkeit, sich ernsthaft mit Dingen ausein­anderzusetzen, die wir bisher der Natur überlassen haben, wobei wir auch schlechte Ent­wicklungen in Kauf nahmen«[10].

Mich hatte interessiert, inwiefern unsere Landeskirchen die »Expertise« des ÖRK mitver­antwortet haben und welchen Stellenwert sie heute noch hat. Gab es einen Widerruf? Ob eine Landeskirche wohl antwortet? – hatte ich gefragt.[11] Keine einzige hat geantwortet. Auch „mein“ Landesbischof, extra und normal freundlich angefragt, reagierte nicht.[12]

„Der christliche Grundgedanke, das selbst erfahrene Heil Gottes in der Lebensgestaltung mit anderen zu teilen … “ Wir dürfen uns nicht wundern, wenn dies als Drohung verstanden wird.

 

Noch ein weiterer Link:

https://www.hna.de/lokales/melsungen/treysa-ort314602/heimkinder-in-treysa-sollen-unter-eingriffen-gelitten-haben-9622856.html

Fußnoten

[1] https://www.hephata.de/wir-ueber-uns/geschichte-14.php

[2] In den letzten Jahrzehnten wurde ein Netz differenzierter Dienstleistungen in Hessen, Thüringen und Nord-Bayern aufgebaut. Sitz des Vereins ist Marburg.[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Hephata_(Schwalmstadt)

[3] http://juttas-schreibblog.blogspot.de/2009/07/uber-die-redewendung-es-ist-nichts-so.html

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Effata

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Pneumoenzephalografie

[6] Zitate aus: http://www.fr.de/rhein-main/heime-in-hessen-hirnexperimente-mit-heimkindern-a-1446116,0#artpager-1446116-0

[7] https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/12/27/hephata-aus-tradition/

[8] , https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2011/07/das-jc3bcngste-gericht2.pdf

[9] https://www.hephata.de/wir-ueber-uns/geschichte-14.php

[10] Diese Zitate sind der Veröffentlichung von Heike Knops entnommen: http://www.thkg.de/Dokumente/KnopsSterbehilfe.pdf http://www.graswurzel.net/367/euthanasie.shtml#u10

[11] https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/09/12/ork-absolut-besturzend/ Ich konnte nicht überprüfen, ob sie auch auf lebende Menschen mit Behinderung gemünzt sind oder ausschließlich eine Stellungsnahme zur „pränatalen Euthanasie“ darstellen. Auch dann bliebe der Vorwurf der Nazi-Eugenik bestehen. Übrigens: Bei der pränatalen Euthanasie sind wir heute mit verfeinerten Detektionsmethoden wieder angelangt.

[12] https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/07/07/die-anhaufung-schadlicher-gene-in-der-bevolkerung/

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5 Antworten

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  1. Werner Boesen said, on 13. Februar 2018 at 21:09

    Wie man Verbrechen gekonnt versteckt – Durch Mythen!
    In Mythen und Märchen trifft es die bösen Erwachsenen, z.B. bei Hänsel und Gretel. Ihre Eltern verloren sie scheinbar, die Kinder fanden im Wald Unterschlupf bei einer Hexe, die Hänsel mästen und verspeisen wollte, doch sie wurden kräftig und stießen die Hexe ins Feuer. Im Hexenhaus Kinderheim/Waisenhaus gab es nicht nur eine Hexe, die ihre „Spielchen“ machten. Die Kinder von damals sind nun groß und machen die „Spielchen“ öffentlich bekannt. Es rührt sich Protest im Volk, die Staatsvertreter hören auf Volkes Stimme und geloben Besserung. Doch sie existieren immer noch, die kleinen „Hexenhäuser“. Der Staat weiß sich nach wie vor oft nicht besser zu helfen. Scheinbar hilft das Elternrecht gemäß Artikel 6 des Grundgesetzes. Der Philosoph Phillip Montague bezeichnete das Elternrecht als Mythos, für mich ist es eine Fiktion, etwas Ausgedachtes, eine Täuschung der Kinderwelt. Wenn Kinder keine Eltern mehr haben, müssen sich Erwachsene drum kümmern. Der Staat ist ein juristisches Gebilde und schafft juristische Institutionen, wie auch Kinderheime. Diese sind jedoch keine Hilfe für kleine Kindern, denn sie brauchen familiäre Privatsphäre von Erwachsenen, die gerne Kinder in liebevoller Fürsorge erziehen. Den leiblichen Eltern gebührt das erste Erziehungsrecht inkl. Hilfe weiterer Mitmenschen. Kinderheime für kleine Kinder sind potentielle Seelentötung mit und ohne Todesfolge, ein Garant für Seelenkrebs bzw. die Depression.

  2. Michael P. Jahnke-Fox said, on 13. Februar 2018 at 21:13

    Ich bin als ehemaliges Heimkind der Anstalten Hephata in deren sogenannten „Kinderdorf Heimatfreude“ immer noch von den Machenschaften und Erlebnissen dort angewidert. Die verantwortlichen Jugendämter welche uns als Kinder dorthin verschleppt hatten, zucken nur mit den Schultern und erklären sich aktuell dazu; wir hatten damals keine andere günstigere Möglichkeiten gehabt. Und überhaupt lag die Verantwortlichkeit bei den einzelnen Einrichtungen.

    Ein unerträgliches ewiges hin- und her Geschiebe der Verantwortlichkeit, ist bis dato zu Vermerken. Und es ändert sich auch rein gar nichts an jene Zustände! Intelligente Kinder und Jugendliche hatten in den 50er bis in die 70er Jahre das scheinheilige Konzept der Kirchen und Jugendämter schnell durchschaut und waren nicht allzu selten aus diesen Einrichtungen entwichen. Abhauen hieß damals die interne Devise unter den intelligenteren Heimkindern. So ich damals in den 60er Jahren auch.

    Niemand hörte uns zu oder fragte nach unseren befinden. Selbst Vertreter der Jugendämter, welche auch Hephata von Zeit zu Zeit aufsuchten, waren an sogenannte Anhörungen ihrer Zöglinge nicht interessiert gewesen. Zu wem sollten wir da noch gehen, uns hinwenden? Niemand in der breiten Öffentlichkeit glaubte unsere Erzählungen von den Zuständen in den Einrichtungen. Auch Hephata machte da ganz und garnicht eine Ausnahme davon.

    Heute schwelt in Hephatas Gewissen, sofern diese jemals eins gehabt hatte, der Gedanke daran durch kosten ersetzende feierliche Einladungen zu deren sich wiederholenden Jahres festen sich von der Sünde und Schuld freizusprechen. Einladungen erfolgen jedoch nur der Prämisse eines persönlichen Gesprächs mit der Anstaltsleitung, als versuchte Fortsetzung einer verdeckten Missionierung. Mögliche Fahrkarten zur An- und Abreise mit Bahn oder Auto müssen dafür der Verwaltung vorgelegt bzw. in Kopie überlassen werden, um diese Kosten Steuerlich geltend machen zu können. Geldgierig war Hephata schon immer gewesen.

    Wir ehemalige Heimkinder der Hephata Diakonie waren durchweg die finanziellen Milchkühe. Und wehe wenn eins dieser Milchkühe abhanden gekommen oder aus den Kinderheim entnommen wurde. Allein schon der Gedanke daran war den leitenden Verantwortlichen schon ein Gräuel, Teufelswerk! So galt es doch damals auch den einweisenden Jugendämtern gegenüber Unwahrheiten zu vermitteln um ja nur nicht die Milchkühe entzogen zu bekommen. Da war dann jedes Mittel Recht gewesen. Doch was taten die Diakonie nun wirklich für uns Heimkinder? Nichts und abermals nichts. Entzug von wirklicher schulischer Bildung bis zur Verwahrlosung von alltäglichen Dingen.

    Schlimmer noch erging es den Behinderten Kinder in den Anstalten Hephata. Ich hatte es mit eigenen Augen dort gesehen. Die Nächstenliebe stand in Hephata lediglich auf dem Papier aber Papier ist ja bekanntlicherweise geduldig.

    ein, über die Anstalten Hephata braucht mir wirklich niemand etwas zu sagen. Kriminell bleibt Kriminell, auch wenn es sich dabei um die Hephata Diakonie in Treysa (heute Schwalmstadt) handelt welche um ihre weiße Weste fürchtet. Und ich könnte zu diesem Thema noch sehr vieles erzählen, aber es würde hier den Rahmen sprengen. Jedoch frage ich mich oftmals was dieses Hephat von den NS Einrichtungen großartig unterschieden hatte/hat?

    So weiß ich das Hephata und auch Treysa selbst während der NS Zeit ein regelrechtes NS Nest gewesen war. Und alle dort damals gelebte Bauern und bedienstete steckten unter einem Dach, denn deren Abhängigkeit war Zweifelslos von der NS Diakonie vorhanden. Ich verfüge über entsprechendes Bildmaterial aus jener Zeit. Und so ging es dann auch nach 1945 lustig in alt bewährter Weise dort weiter.

    mjf

    • Werner Boesen said, on 15. Februar 2018 at 19:42

      Hallo Michael,
      danke für Deinen Beitrag. Darf ich fragen in welchem Alter Du in der Verwahranstalt gewesen bist? Ich war vom 7. bis 13. Lebensjahr in einer anderen Anstalt, die von Mauern mit Stacheldraht umgeben war. Da war erstmal an Weglaufen nicht zu denken.
      Grüße von Werner.

  3. ekronschnabel said, on 14. Februar 2018 at 09:31

    In meinem Kreis der ehemaligen Heimkinder sind 2 Hephata-Opfer, die diese glorreiche Menschenzerstörungsstätte in den 70er-Jahren „geniessen“ durften. Der Schwalm-Eder-Kreis war immer eine
    Hochburg für Anstalten jeglicher Art, bis hin zum Zuchthaus. Faszinierend ist die dort auch heute noch anzutreffende Scheinheiligkeit kirchlich gebundener Menschen. Nicht Wenige leben von eben diesen Anstalten,
    ganze Generationen lebten davon. Opa war Zuchthäusler in Uniform, der Enkel steckt heute auch in solch einer
    Kluft und hält sich für einen Gutmenschen. So kam es eben dazu, dass die Schandtaten gegen Menschen als
    notwendige Hobelspäne gesehen wurden. Motto: „Ist ja keiner umsonst hier, nicht wahr“. Hephata ist doch nur
    eine von vielen Verbrechensorten unter kirchlicher Regie. Deshalb liebe ich diese Konzerne mit dem Kreuz im
    Logo doch so, lieber Herr Pastor….und sollte es wieder mal „rechts, zwo drei vier…“ heissen, sind die „Diener
    Gottes“ wieder begeistert mit dabei.

    Danke für den Kommentar, hören Sie nicht auf, die Schweinereien zu benennen.

  4. Martin MITCHELL said, on 22. Februar 2018 at 21:43

    .
    FR – Frankfurter Rundschau, DONNERSTAG, 22. FEBRUAR 2018

    QUELLE: http://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/versuche-an-kindern-ministerium-liess-toedliche-arznei-tests-zu-a-1453358,0#artpager-1453358-0

    Jetzt hier in Bezug auf das Bundesland Hessen!

    ANFANG DES ZITATS NEUER ERKENNTNISSE.

    Versuche an Kindern

    Ministerium ließ tödliche Arznei-Tests zu

    Die hessische Regierung und die Frankfurter Ärztekammer schritten in der Nachkriegszeit nicht gegen Experimente an Kindern ein, obwohl sie wussten, dass mehrere dabei gestorben waren.

    [ Fotostrecke: fünf verschiedene Bilder in Zusammenhang mit der Königsteiner Anstalt Mammolshöhe ]

    22.02.2018

    FR – Frankfurter Rundschau

    Von Pitt von Bebenburg [ Landeskorrespondent, Wiesbaden; AUTOR: http://www.fr.de/autor.=pit/ ]

    Das hessische Innenministerium und die Frankfurter Ärztekammer waren darüber informiert, dass bei Medikamententests in der Königsteiner Anstalt Mammolshöhe in der Nachkriegszeit mehrere Kinder getötet worden waren. Die Institutionen schritten aber nicht ein, sondern ließen den Anstaltsleiter Werner Catel weiter gewähren.

    Das geht aus Forschungsarbeiten des Historikers und Medizinjournalisten Thomas Gerst sowie der Historiker Hans-Christian Petersen und Sönke Zankel hervor. Nach ihren Recherchen hatte der Ehemann einer auf der Mammolshöhe tätigen Oberärztin Beschwerde gegen die Arzneimitteltests des Anstaltsleiters Werner Catel eingereicht. Sie seien aber „folgenlos“ geblieben, stellen Petersen und Zankel in einem Beitrag für das „Medizinhistorische Journal“ fest.

    Bei Catels Medikamentenversuchen in der Tuberkulose-Heilanstalt Mammolshöhe in Königstein-Mammolshain waren Ende der 40er Jahre mehrere Kinder ums Leben gekommen. Mitarbeiter des damaligen Anstaltsleiters Catel beschrieben 1949 zwei Todesfälle. Aus neueren medizinhistorischen Recherchen geht hervor, dass es mindestens vier Todesopfer bei den Versuchen gegeben hat.

    Gerst hat die Ereignisse in einem Beitrag für die sozialgeschichtliche Zeitschrift „1999“ schon vor einigen Jahren detailliert aufgearbeitet, ohne dass dies von den betroffenen Institutionen aufgegriffen worden wäre. Er machte deutlich, dass es Widerstand aus der Klinik gegen Catels Vorgehen gab, der aber von den Behörden ignoriert wurde. Nach der Zurückweisung aller Beschwerden soll Catel zu einer Oberärztin der Klinik namens Dr. Santo gesagt haben: „Beschweren Sie sich nur, ich habe die ganze Regierung hinter mir.“

    Im August 1947 hatte sich der Ehemann der Oberärztin, der Arzt Erwin Santo, nach Gersts Recherchen an den Vorsitzenden der Ärztekammer Frankfurt, Franz Mündel, gewandt und ein ärztliches Ehrengerichtsverfahren gegen Catel erbeten. Zu seinen Vorwürfen zählte demnach, „dass Catel bei Durchführung der medizinischen Versuche in keinem Fall die Erlaubnis der Angehörigen der mit dem neuen Präparat behandelten Kinder eingeholt habe“. Binnen kurzem seien zwei Todesfälle eingetreten, „die eindeutig auf Gehirn- und Rückenmarksschädigung durch das verabfolgte Präparat zurückzuführen“ seien. Hinzu komme, dass Catel dieses gefährliche Präparat auch an Kindern erprobe, die „noch gute Aussicht auf Genesung durch eine völlig ungefährliche Therapie haben“, zitiert der Historiker aus Santos Schreiben an Mündel.

    Erwin Santo hatte das erste bei den Versuchen gestorbene Kind offenbar selbst obduziert. Dabei habe er festgestellt, „dass Catel zunächst das Auftreten starker Nebenwirkungen ignorierte und gegen ärztliche Einwände die Fortsetzung der Versuche anordnete“, schreibt Thomas Gerst. Einzig und allein seiner Frau sei es zu verdanken gewesen, dass bei einem weiteren Kind mit schweren Vergiftungserscheinungen noch rechtzeitig die Behandlung mit dem Testpräparat TB I 698 habe abgebrochen werden können.

    Catel nahm auf Aufforderung der Ärztekammer im September 1947 Stellung, ging aber nicht auf die konkreten Vorwürfe ein. Stattdessen verwies er nach Gersts Darstellung auf die hohe Sterberate tuberkulosekranker Kinder und „die Verantwortung eines Arztes“, deshalb ein neues, vielversprechendes Medikament an tuberkulosekranken Patienten zu erproben. Zu den Todesfällen schrieb Catel wörtlich: „Worauf dieser höchst bedauerliche Ausgang zurückzuführen ist, bleibt völlig unklar. Vielleicht bestand bei den beiden Kindern eine Überempfindlichkeit gegen das Mittel.“

    Es wurde daraufhin ein medizinisches Gutachten von Professor Franz Volhard eingeholt, dem Leiter der Frankfurter Universitätsklinik. Volhard, ein Förderer von Werner Catel, entlastete seinen Schützling im November 1947.

    Catel nahm auf Aufforderung der Ärztekammer im September 1947 Stellung, ging aber nicht auf die konkreten Vorwürfe ein. Stattdessen verwies er nach Gersts Darstellung auf die hohe Sterberate tuberkulosekranker Kinder und „die Verantwortung eines Arztes“, deshalb ein neues, vielversprechendes Medikament an tuberkulosekranken Patienten zu erproben. Zu den Todesfällen schrieb Catel wörtlich: „Worauf dieser höchst bedauerliche Ausgang zurückzuführen ist, bleibt völlig unklar. Vielleicht bestand bei den beiden Kindern eine Überempfindlichkeit gegen das Mittel.“

    Es wurde daraufhin ein medizinisches Gutachten von Professor Franz Volhard eingeholt, dem Leiter der Frankfurter Universitätsklinik. Volhard, ein Förderer von Werner Catel, entlastete seinen Schützling im November 1947.

    Mehr zum Thema

    ● Fotostrecke: Heilanstalt Mammolshöhe [ s. http://www.fr.de/fotostrecken/cme27003,1061373 ]

    ● Mammolshöhe: Tödliche Tests an Kindern [ s. http://www.fr.de/rhein-main/alle-gemeinden/hochtaunus/heilanstalt-mammolshoehe-toedliche-tests-an-kindern-a-1452279 ]

    ● Porträt: Nachkriegskarriere eines Haupttäters [ s. http://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/versuche-an-kindern-nachkriegskarriere-eines-haupttaeters-a-1453406 ]

    ENDE DES ZITATS NEUER ERKENNTNISSE.

    *Uns geht es darum aufzudecken was andere versuchen zu verstecken!*
    .


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