Dierk Schaefers Blog

Korntal und die Dummheit

Soeben die Sendung REPORT MAINZ über das Ausbeutungssystem der Brüdergemeinde Korntal angeschaut. Ich seh fast nie fern, weil ich gedruckte Information vorziehe, das geht schneller. Auch jetzt habe ich nichts Neues erfahren – stand alles schon in der Vorankündigung von meinem Blog. Das Fernsehen erreicht mehr Nutzer als mein Blog. Darum habe ich mich wieder einmal gefragt, wie blöd manche Organisationen eigentlich sind, die erst einmal den Kopf in den Sand kopf_in_den_sand_stecken

stecken. Nicht gerade zur besten Sendezeit, aber dennoch wurden hier die Untaten einer scheinbar wohltätigen Gemeinde medienwirksam ausgebreitet. Da hätten die ja eigentlich drauf kommen können und die Flucht nach vorn antreten: Asche aufs Haupt, wir bzw. unsere Vorgänger haben gesündigt. Keine Relativierungen, keine Ausflüchte, keine Ablenkungen, sondern wir kriechen zu Kreuz, – was frommen Leuten nicht so schwer fallen sollte – und wir zahlen, denn es muss und soll weh tun, damit wir wieder glaubwürdig werden. Wir nennen das auch nicht Anerkennungsleistungen, sondern Entschädigungen für von uns verursachte Schäden. Doch der Umgang mit einer fürchterlichen Firmengeschichte will gekonnt sein – man muss aber erst einmal drauf kommen. Die Korntaler sind in illustrer Gesellschaft. Auch die Autoindustrie mit ihren kriminellen Dieselmanipulationen eiert noch rum – und vergrößert den Imageschaden. Macht doch nix? Mr. Profumo hat, soweit ich mich erinnere, nach dem Skanal Sozialarbeit in den untersten sozialen Milieus geleistet – und damit Anstand bewiesen. Beim Korntaler Firmenjubiläum im nächsten Jahr sollten die Korntaler Narrenkappen aufsetzen, wenn nicht aus Einsicht, so doch zur Gaudi. Manche Tragödien sind nur als Komödie erträglich, so oder ähnlich äußerte sich Dürrenmatt. Doch eins ist nun klar. Es gab Zwangsarbeit im Kinderheimsystem. Antje Vollmer hat den Begriff noch vermieden wie der Teufel das Weihwasser. Jetzt dürfen wir, besonders aber die Kinder von damals, gespannt sein, wie die Zwangsarbeit gewertet wird für die Nachzahlung samt Zinsen und Rentenansprüche.

 

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7 Antworten

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  1. ekronschnabel said, on 15. August 2018 at 08:44

    Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass die heutigen Firmenchefs von Korntal (und anderen Ausbeuterfirmen mit Kreuz im Logo) den Unterschied zwischen Anerkennungsleistungen und SCHADENSERSATZ nicht mal kennen. Deren Juristen kennen den Unterschied, verhalten sich aber so wie es die Vollmer tat.

  2. Erika Tkocz said, on 15. August 2018 at 12:26

    Natürlich gab es Zwangsarbeit auch in Korntal und die Verlogenheit lag darin, dass auch noch pädagogisch begründet zu haben, wo doch längst klar war, dass die Heimkinder den Personalmangel ausgleichen mussten.

    Vollmer hat den Begriff der Zwangsarbeit abgelehnt mit der Begründung, dieser Begriff sei historisch besetzt durch die KZ der NS Zeit. Das kann aber nicht sein, weil es tatsächlich schon viel früher KZ gegeben hat, so auch in anderen Ländern. Zwangsarbeit steht nicht nur zur Vernichtung einer Existenz, bei den ehemaligen Heimkindern steht sie zur Verhinderung der Existenz, denn das verhinderte die Zwangsarbeit. Was passiert mit Kindern die ständig unter Strafandrohung zur Arbeit gezwungen werden, es entsteht keine Sinnhaftigkeit, Arbeit wird mit Ausbeutung und Strafe assoziiert und außerdem war sie in vielen Bereichen sehr körperlich belastend.

    Zu Korntal gibt es da lediglich einen Hinweis bei der Landarbeit. Es wurde immerhin darüber gesprochen, ob in der Landwirtschaft-oder nicht und es steht auch, die Kinder seien ständig sehr müde. Was macht es mit Kindern, die so schwer arbeiten müssen, wie kommen sie da in der Schule mit, wie wirkt sich das aufs spätere Leben aus???? Da geht es nicht nur um die Jahre die man für das Heim arbeiten musste, es hatte auch für die Zukunft folgen, wie so alles das spätere Leben prägte.

    Da hört man immer wieder, ja es sei der damaligen Zeit geschuldet, früher haben Kinder auch Zuhause mithelfen müssen, als wenn man das vergleichen könnte. Zur eigenen Familie, also zu Mutter und Vater hat man einen ganz anderen Bezug, eine andere Bindung, es ist das Zuhause, man ist ein Teil der Familie und auch wenn man nicht immer gerne bestimmte Arbeiten Zuhause machte, so war es doch eine in der Regel liebevolle Umgebung und man hatte keine Angst vor seinen Eltern, sondern liebte sie. Nicht vergleichbar mit Heimen, wo die Erzieher ganz sicher nicht so gesehen-gefühlt wurden wie Eltern, doch eher als Aufseher, als Kontrolleure, die wann immer sie konnten bestraften und in so einem feindlichen Kontext muss die Zwangsarbeit bewertet werden.

    Nun es gibt ja die Mediathek und so geht auch nichts verloren, hier kann man noch einmal schauen, was zwei ehemalige Heimkinder da für Arbeiten gemacht haben und noch einiges mehr:

    https://www.ardmediathek.de/tv/REPORT-MAINZ/REPORT-MAINZ-vom-14-08-2018/Das-Erste/Video?bcastId=310120&documentId=55104418

  3. Werner Boesen said, on 16. August 2018 at 19:52

    Erzieher in virtueller Elternschaft?
    Worauf sich die Juristen sicher gerne berufen wäre § 1619 BGB Dienstleistungen in Haus und Geschäft „Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.“
    Die Frage wäre somit was gehört zum Hauswesen und Geschäft eines Kinderheims wozu die Erzieher die Unterstützung der Heimkinder einfordern können und was würde einem Vergleich mit einem „normalen“ Elternhaus standhalten. Wie die Reportsendung zeigte, würde die Arbeit am Haus eines Heimleiters in Form von Dachdeck- und Maurerarbeiten nicht mehr dazu gehören, da diese Arbeit nicht zum Hauswesen und dem Geschäft eines Kinderheimbetriebes gehören. Bei einem Vergleich mit einer Familie, die ein Bauunternehmen führt, wäre es jedoch schon nicht mehr so einfach, denn dann gehört das Bauunternehmen zum Geschäft und Eltern könnten als Bauunternehmer auch ihre Kinder zu Diensten im Geschäft heranziehen. Entscheidend ist demnach was macht das Hauswesen und Geschäft eines Kinderheimes aus damals und heute. Im Familienvergleich ist die Frage berechtigt, ob Heimkinder ihre Schläfsäle, Waschräume und übrigen Räume selbst putzen mussten (Linoleumboden im Schlaf- und Eßsaal war mit Kernseife abzureiben, Holztreppen zum Obergeschoss mit Wachs zu bohnern), ein großer Hof musste gekehrt werden (im Herbst Unmengen an Laub durch viele große Laubbäume), eine Gartenanlage war regelmäßig von Unkraut zu befreien.
    Das grundlegende Problem der Heimerziehung ist das ein natürliches auf Liebe und Wertschätzung beruhendes Beziehungsverhältnis im Kinderheim nicht gegeben ist. Im Elternhaus geben Kinder ihren Eltern aus ihrer Liebe zu ihnen die nötige Aufmerksamkeit und Mitwirkung. Als ich erfuhr, dass im Katholizismus die Liebe als Tugend nur als Göttliche verstanden wird und der Körperlichkeit kaum bis keine Beachtung zuteilwird, konnte ich mich nur noch als Heimobjekt sehen (von Erziehern als faules Subjekt bezeichnet). Mit einem Heimobjekt ließen sich beliebige Dienste arrangieren und die Elternschaft virtuell auf die Erzieher übertragen sodass ein Heimkind für jede Aufgabe bereit zu sein hatte. Durch fehlende Liebe und Mitgefühl bleibt ein Kinderheim für ein Kind eine Zwangseinrichtung, ein Kindergefängnis. Kinder werden bestraft durch Wegsperren, weil sich die Erwachsenenwelt nicht individuell um sie kümmert. Daher wäre eine Entschädigung im Sinne des Gesetzes über die Entschädigung von Strafverfolgungsmaßnahmen (StrEG) nötig. Dann brauchen wir uns über Entschädigung von Zwangsarbeit im Einzelfall kaum mehr verständigen, außer es läge ein Personenschaden vor wie z.B. sexueller Missbrauch. Doch die Politiker können bzw. wollen nicht begreifen, dass Kinder in frühen Lebensjahren in einem Kinderheim nichts zu suchen haben. Die psychologische Fachwelt versteht es doch es fehlt an politischer Durchschlagskraft, ist zudem nur ein „Minderheitenproblem“, denn nur ca. 5-6 % aller Kinder der 1950 und 1960er Jahre landeten als Heimkinder in Heime-und Erziehungsanstalten . Und die Gesetze wie §1619 BGB stützen hier die Politik im „Nichtstun“, „begnügen“ sich im virtuellen Vergleich.

    • ekronschnabel said, on 16. August 2018 at 20:42

      Werner, Deine Überlegungen sind ehrenwerte Theorien, die die Sklavenhalter= Heimbetreiber unterliefen, das weisst auch Du genau. In Familien waren auch Kinder helfende Mitglieder, BGB-Paragraphen interessierten keinen Menschen. Was die Heimbetreiber mit den ihnen ausgelieferten Kindern machten war Perversion pur, man kann sich die im BGB formulierten Märchentexte also schenken. Die noch lebenden Täter verfressen die fetten Pensionen, lachen die Opfer aus und werden mit verlogenen Texten in Todesanzeigen als Gutmenschen
      verabschiedet. Darin zeigte sich die Diakoniegemeinschaft Stephansstift Hannover ganz groß, als sie vor Jahren einen ehemaligen Heimleiter des Kinder-KZ „Kronsberg“ – zum Stephanstift gehörend – verabschiedeten.
      Die alte Ratte war mein Peiniger und als ich den damaligen Vorstand des Stiftes wegen der unverschämt verlogenen Lobhudelei in der Todesanzeige angriff, war peinliches Schweigen die Antwort.

      Was Du zu Recht anführst und kritisierst interessiert auch die heute aktiven Täternachfolger einen Dreck, wie die
      Geschehnisse uns immer wieder zeigen. Nichts dazugelernt, stupide das weiterführend, was angeblich nicht mehr passiert. Und wenn das dann als Märchen auffliegt, zeigt sich die Bande wieder reuig, kniet heuchlerisch nieder und gelobt Besserung. Und wir Deppen schreiben, schreiben…..bleiben! Bleiben die Opfer, die man verlacht.

      Die Brüder aus Korntal bewiesen uns wieder mal, dass sie keinerlei Schuldgefühle haben! Die Perversen, die in den USA als Kinderficker aufflogen, sind strafrechtlich so ungeschoren geblieben wie die bei uns auch. Als Täter vertuscht, versetzt, verleugnet von Vorgesetzten – im Namen des „Herrn“! Der hat Dauerurlaub…bis heute….also müssen wir die Stellung halten und laut bleiben. „Papa, wenn du aufgibst gewinnen die Schweine schon wieder!“
      sagte eine Tochter zu ihrem Vater. Stimmt, also halten wir das Maul NICHT, Werner.

      • Werner Boesen said, on 17. August 2018 at 09:55

        BGB ist keine Theorie und Juristen beziehen sich darauf, auch Politiker, die durch Juristen beraten werden. Nur müssen sie nicht immer die Katze aus dem Sack lassen. Ob die Vorsitzende des RTH sich konkret darauf bezog weiß ich nicht, doch sie hatte ihre Gründe, Zwangsarbeit in Kinderheimen zu leugnen. Genauso wenig verstehen unsere Politiker, dass Kinder schon die Heimeinweisung selbst als Zwangsmassnahme erleben und daher ein Kinderheim keine Lösung ist. Dennoch bleibe ich dran an der hohen Politik und sehe was sie weiter vorantreibt. Denn der Druck kann hauptsächlich nur von ganz oben kommen. Derzeit beschäftigt sich die http://www.aufarbeitungskommission.de und im 3. Hearing mußten sich die obersten Kirchenvertreter volksnah etliche leidvollen Geschichten anhören. Und mit Recht wurde darauf hingewiesen, dass auch heute noch die Kirche den Straftatbestand unterlassener Hilfeleistung nährt, in dem sie die Opfer hinhält und nicht imstande ist, sich seelsorgerisch um sie zu kümmern, was ein Hauptauftrag christlicher Religion ist. Stattdessen werden Kirchenjuristen auf die Opfer „gehetzt“. Auch wurde darauf hingewiesen, dass posttraumatische Belastungen nicht heilbar sind, sondern das Opfer sein ganzes Leben begleiten, auch wenn es beruflich erfolgreich war. Es geht die Mär um, dass sogar ehemalige KZ-Opfer, die nur weil sie später noch ein erfolgreiches Berufsleben meistern konnten, als geheilt gelten. Daher brauchen wir beide, Leute die weiterhin das Maul aufreißen und solche die mit theoretischem Knowhow die noch existierenden wissenschaftlichen Irrtümer auflösen helfen. Leider gibt es auch grundlegende religiöse Irrtümer für das Menschsein, in dem die Kardinaltugend der Liebe als Göttliche gesehen wird und nicht als menschliche. Daraus resultiert die mangelnde Berücksichtigung/Pflege der Leiblichkeit. In der fernöstlichen Kultur wie im Buddhismus wird gelehrt, dass die göttliche Liebe erst erfahrbar ist, wenn die menschliche Liebe gelernt wurde und gelebt wird. Kinderheime der 1960er Jahre waren nicht nur Kindergefängnisse sondern Orte ohne Liebe. Leicht wurden dann Kinder Opfer für pastorale Erzieher, die die theologischen Weisheiten göttlicher Liebe auf alle greifbaren Kinder verteilten getreu dem Motto Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst. Dass dann der Liebe auch die Leiblichkeit in Form sexueller Handlungen folgte, konnte sich manch ein Pfarrer dann auch noch theologisch begründen. Diese simple Erklärung für pastorales Fehlverhalten ignorieren selbst oberste Würdenträger. Übrigens teilte mir ein Professor der Aufarbeitungskommission mit, dass sie an dem Problem der Leiblichkeit noch am arbeiten sind.

  4. Erika Tkocz said, on 19. August 2018 at 16:01

    Ich kann den Ansatz Arbeiten in Heimen unterschiedlich aufgrund einer Gesetzeslage nicht wirklich nachvollziehen.
    Die Mehrheit der Heime wird als ein Unrechtsystem gesehen und als solche auch definiert und die Erziehung in selbigen wird als Begriff der „schwarzen Pädagogik“ genannt. Entlang dieser Definition kann man nicht anfangen nun Arbeiten in Heimen zu zerlegen, so als gäbe es schwere Arbeiten, leichtere Tätigkeiten, weil man immer den Kontext in den Arbeiten berücksichtigen muss. Hinzu kommt, dass die Heime mit der Finanzierung für die Heimkinder viel zu niedrigen Tagessatz nicht einmal im Ansatz zurechtkamen. Eine logische Folgerung wäre gewesen die Arbeit der Heimerziehung abzulehnen, weil doch klar war, dass es mit der Finanzierung nicht zu schaffen war. Aber die Heime wollten autonom bleiben, sich nicht in die Karten schauen lassen und so mussten nun die Heimkinder mit ihrer Arbeit dafür sorgen, dass die Heime weiter unabhängig existieren konnten. Hier wird deutlich, dass damit auch nicht einmal im Ansatz darum ging, an das Kindeswohl zu denken geschweige hier sinnvolle pädagogische Arbeit zu leisten. Begrifflichkeiten entstehen nicht zufällig und wenn sie dann benutzt werden so wie „schwarze Pädagogik“ weiß Jeder was damit gemeint ist, denn sie steht als Erziehungsmethode für Gewalt und Einschüchterung für Menschenfeindlichkeit.

    Und schon gar nicht waren Heime und jene menschenfeindlichen Erziehungsmethoden der damaligen Zeit geschuldet, denn auch damals war die Heimleitung verpflichtet unter erziehungswissenschaftlichen und pädagogischen Aspekten dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter nicht die schwarze Pädagogik „ausleben“, weil sie permanent gegen geltendes Jugendrecht verstießen. Wenn man die Studie Korntal liest ging es nie um Jugendrecht und die schon damals entwickelten Standards, sondern es herrschte Willkür.

    Wenn wir jene Heime nehmen die wie in Korntal grundsätzlich im Kontext des Unrechtssystems und der schwarzen Pädagogik herrschten, brauchen wir nicht im Einzelnen schauen -wer hat was- gearbeitet, sondern so wie in Korntal müssten alle Ehemaligen nach diesem Unrechtssystem entschädigt werden, nur ging es nie darum und deswegen hat man versucht bestimmte Fakten zu relativieren. Ich werde mich da nun nicht wiederholen warum es so war und ich habe an Korntal nicht die Erwartung , dass sich die Verantwortlichen nun offen zu dem Unrechtssystem und der schwarzen Pädagogik bekennen, denn dann würden sie ja nicht meinen, sie müssten Straftaten differenziert darstellen und aufführen, was denn nach heutiger Sicht überhaupt eine Straftat sein,
    wie es auf der Homepage:
    http://www.opferhilfe-korntal.de/pages/taten.php
    erfolgt ist.
    Allerdings ist auf dieser Seite auch klar erkennbar, dass es dämliche Diskussionen gab und wahrscheinlich noch gibt, dass doch alles nicht so schlimm war und da konnte man auch schon von einem ehemaligen Erzieher lesen, wie schlimm es doch sei, dass alle Erzieher über einen Kamm gezogen wurde, also auch heute nicht bereit sind zu verstehen was sich in Korntal abgespielt hat und so bleibt es dann wahrscheinlich.

    Wie damals viel Diskussionen und es kommt nichts dabei heraus außer Relativierungen oder so ein Sche…….. von dem Herrn A der auch noch eine heftige Ohrfeige verteilen muss in Form dieser Aussage:
    »„Und ich weiß, dass damals auch die Mitarbeiter, trotz alledem, mit viel Herzblut und Engagement ihre Arbeit getan haben.“

  5. Werner Boesen said, on 21. August 2018 at 09:21

    Wenn wir uns mit dem Staat auseinandersetzen müssen wir die Gesetzeslage kennen, denn der Staat ist ein Rechtssystem, wie schon etliche Philosophen feststellten und für Politiker selbstverständlich ist. Wenn diese Grundlage des Gemeinwesens verstanden ist, dann kann die Kommunikation auch primär nur in den Begriffen geführt werden, die das Rechtssystem kennt. Mit anderen Begriffen, wie z.B. Schwarze Pädagogik, Unrechtsystem, Zwangsarbeit können und wollen sich die Juristen nicht auseinandersetzen, denn es fehlt die Definition in entsprechenden Gesetzen. Wenn von menschenfeindlichen Erziehungsmethoden gesprochen wird, wäre dies eine Verletzung der Menschenwürde nach Artikel 1 Grundgesetz. Auch sehe ich meine Zwangseinweisung in ein Waisenhaus als die Verletzung meiner Menschenwürde, denn inzwischen wird ja mit dem Begriff Menschenwürde die Kindeswürde mit erfasst.
    Neben dem staatlichen Rechtssystem existiert das Kirchenrecht, was in Deutschland durch das Konkordat von 1933 höchsten Stellenwert genießt. Dies kommt z.B. darin zum Ausdruck, dass eine Kommission wie der Runde Tisch Heimerziehung der 1950er und 1960er Jahre auch mit Kirchenvertretern besetzt ist bzw. gehört werden. Und hierin liegt die Absurdität des Vorgehens: Angeklagte wie die Kirche werden gleichzeitig zu „Richtern“ ernannt, d.h. sie befinden z.B. über das Schuldanerkenntnis und Schadensersatzleistungen. Die Kommission hätte international besetzt sein müssen ohne die Angeklagten oder wie jüngst in Amerika (Pennsylvania) mit einem rein staatlichen Ermittlungsgericht. Ganz clever ist dann seitens der Kirchen auf die gesetzliche Verjährung abzustellen wobei die kirchlichen Gebote gar keine Verjährung kennen, sondern nur Reue, Buße und Vergebung. Inzwischen hat jedoch auch der Papst verstanden, dass die Wunden nie verheilen. Wie dazu die Buße aussehen kann, bleibt noch sein Geheimnis. Unsere Politik beruft sich juristisch auf die Verjährung weil irgendwann Ruhe einkehren muss. Die Opfer werden jedoch keine Ruhe finden, da die Wunden immer wieder aktiviert werden. Leider hat die Politik noch nicht dem Umstand Rechnung getragen, dass bei posttraumatischen Verletzungen damit oft erstmal lange Zeit auch das Leben gemeistert werden kann und manche sogar recht erfolgreich sind. Dies funktioniert irgendwann nicht mehr, wobei dann schon 30 und mehr Jahre vergangen sein können. Wir als Opfer brauchen nun nicht warten, bis hier eine Gesetzesänderung kommt, jedoch müssen wir dann aufklären, dass solche Verletzungen weitestgehend vermieden werden können. Das Schlüsselwort heißt Bildung, so früh wie möglich, wozu auch der Philosoph David Archard in seinem Werk Children Rights and Childhood plädiert.


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