Dierk Schaefers Blog

Auf Kindesmissbrauch kann lebenslänglich stehen – für die Opfer

Posted in Geschichte, heimkinder, Kinderheime, Kinderrechte, Kindeswohl, Kirche, Kriminalität, Psychologie, Religion, Täter by dierkschaefer on 29. August 2018

Ich bin ja ziemlich abgebrüht nach vielen Gesprächen mit vielen ehemaligen Heimkindern in den vergangenen Jahren. Was einige von ihnen erlebt haben, sprengt vielfach die Vorstel­lungs­kraft. Sie waren für mich oft auch der lebendige Beweis für die Langzeitfolgen der erlebten Heimerziehung. Untersuchungen im Bereich der Hirnphysiologie untermauern den Befund wissenschaftlich. Wie gesagt: Ich bin viel gewohnt.

Doch gestern erreichte mich ein Aufschrei, der mich zunächst einmal sprachlos machte. So etwas kannte ich nur aus Berichten über Kriegsheimkehrer, die nachts wild um sich schlagen und schreiend aufwachen.

Unsere Beschwichtigungsformeln, mit denen wir versuchen auf Distanz zu gehen, funktio­nieren in solchen Fällen nicht. Auch die Opfer können nicht auf Distanz gehen; zu voll sind sie mit der immer noch bedrängenden ängstigenden Vergangenheit, zu erfüllt sind sie mit Hass auf die Täter. Nein, sie wollen und können keinen ruhig-abschätzenden Blick auf ihre Erlebnisse und die dafür verantwortlichen Einrichtungen werfen, sie wollen und können auch nicht erkennen, dass diese Einrichtungen sich verändert haben. Es gibt ja auch eine nahtlose Fortsetzung nicht der Methoden, aber doch der Abwehr gegen die Ansprüche auf Ehrlichkeit in der Zerknirschung und Großzügigkeit in der Kompensation für erlittenes Leid.

Damit das eigentlich nicht Nachvollziehbare auch allen Lesern deutlich wird, habe ich diesen Aufschrei aus dem Kommentarbereich nach vorn geholt.

Es ging um eine Werbebroschüre der Diakonie.[1]img 13520

»Der Titel der Broschüre belegt die Dummheit der Diakonie. Sie wünscht sich die Erinnerung – und ist in ihrer Schafsblödheit nicht in der Lage zu erkennen, dass GENAU DIE ERINNERUNG die Opfer von Kirche und deren Tochtergesellschaften wie Diakonie fern hält!

In der Erinnerung von Kirchenopfer gibt es nur einen schenkenden Gott und der schenkte: Demütigung, Misshandlung, Zwangsarbeit und Prügel. Und ein Teil der Kinder wurde auch noch Missbrauchsopfer. Auf derlei „Geschenke“ hätten die Kinder nur zu gerne verzichtet.

Wer zu den Geknechteten und Vergewaltigten zählt pfeift auf Hoffnung, leidet unter furchtbaren Erinnerungen. Sie kommen nachts, sie reissen dich aus dem Schlaf, sie nehmen dir die Luft, du schreist deine Angst vor der geilen Drecksau mit Titel Diakon heraus – und wenn du Glück hattest, wachst du in den dich haltenden Armen deines Partners auf. Und irgendwann, wenn sie gross genug sind um zu verstehen, fragen auch deine Kinder nicht mehr, warum der Vater/die Mutter nachts manchmal so schreit. Du siehst es in ihren Augen, du siehst das Mitleid, die Zuneigung, die Liebe und auch die Verschrecktheit. Und erlebst, dass sie bei dem Wort Kirche nur Hass zeigen. Du leidest darunter wie ein Hund, weil du erkennst, dass die Täterschweine auch deine Kinder erreichten.

DIE VERBRECHERISCHEN SCHWEINE DER DIAKONIE MACHTEN AUCH MEINE KINDER ZU OPFERN!«

Fußnote

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/08/27/die-erinnerung-soll-ein-bruder-sein-doch-wohl-eher-eine-schwester/

3 Antworten

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  1. Werner Boesen said, on 29. August 2018 at 18:27

    Meine lebenslänglichen Strategien:
    Erzieher waren die „Einbrecher“ in meine Privatsphäre, standen plötzlich am Bett und waren überall. Als „Einbrecher“ fungieren sie heute nicht mehr doch es wirken Übertragungen und daraus resultierende Ängste, d.h. irgendein „Einbrecher“ in meine Privatsphäre steht plötzlich da und das macht Angst und Panik. Meine Strategie dagegen war u.a. Hypnose, bei der ich unter erfahrener Anleitung die Nonne von damals in die Hölle schickte wo ich sie verbrannte (natürlich nur in der Hypnose). Die Hypnose wirkt zu meiner Beruhigung recht lange nach und braucht zuweilen eine Auffrischung, es waren ja nicht nur die Nonnen. Als Schutz vor vermeintlichen „Einbrechern“ habe ich mir ein wachsames Tier angeschafft, das zumindest vor mir wach ist, wenn etwas passieren sollte. Doch da kommen nicht solche „Einbrecher“ daher und ich kann ruhig arbeiten und durchschlafen. Bei der Arbeit und in der Freizeit meide ich alleinige Kontakte mit Erziehern, auch wenn ich weiß, dass sie heute nicht mit den damaligen Erziehern vergleichbar sind, doch die „Übertragungen“ aus der Seele und Flashbacks wirken.


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