Dierk Schaefers Blog

Der Missbrauch mit dem Missbrauch

Die „Bewirtschaftung“ der ehemaligen Heimkinder und ihrer Schicksale stellt sich mittler­weile als Missbrauch der Missbrauchten dar [1]. Missbrauch ist hier umfassend zu verstehen als aktive Verletzung von Kindeswohl und Kinderrechten in staatlichen und kirchlichen Erzie­hungs­einrichtungen.

Worin besteht diese Form des Missbrauchs der Missbrauchten?

Umfassend stellt das der in Österreich erscheinende Standard in einem glänzend geschrie­benen Artikel zu einem Kinderheim in Tirol dar[2]: »Mittlerweile wurden die Schicksale der ehemaligen Tiroler Heimkinder historisch erforscht, kulturell bearbeitet und auch medial einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die vormals „schlimmen Kinder“ haben dabei brav kooperiert, führten Besucher durch ihre einstigen Folterstätten, ließen ihre Geschichten und Porträts ins Internet stellen … nahmen an Podiumsdiskus­sionen und Buchpräsentationen teil, gingen keiner Belastung aus dem Weg, auch nicht der Preisgabe intimer und schmerzhafter Details. Eine Betroffenheitswelle wurde erzeugt – aber die allein machte keinen Heller locker. Gewiss, es geht um Bewusstmachung, um Anerkennung, die „Restitution von Würde“, aber eine materielle Restitution folgte ihr nicht. Der Optimismus der letzten Jahre ist verflogen. Die Bearbeitung ihrer Geschichte hat die ehemaligen Heim­kinder aufgerieben: Öffentlichkeitsarbeit, Behördenirrwege, mangelnde Akteneinsicht, taube Ohren, fragwürdige Gutachten, eingestellte Ermittlungen, geplatzte Hoff­nungen, Almosen statt Entschädigung.«

ausgequetscht

Photo aus: https://www.mup.wi.tu-darmstadt.de/media/bwl7/praxisportal/dasfachgebietimspiegelderpresse/2010-06-10-Spielregeln.pdf

In Deutschland ist die Situation nicht anders. Die ehemaligen Heimkinder wurden ausge­quetscht wie Zitronen.[3] Zunächst ging es um Misshandlungen jeder Art in den Heimen, nun aber um den viel „geileren“ sexuellen Kindesmissbrauch. Die Medien sprangen drauf und dann die liebe Wissenschaft. Ein weites Feld wissenschaftlichen Forschens liegt vor uns. Waren manche Heimkinder im Dienste der Wissenschaft pharmazeutischen Versuchen ausgesetzt, so nun der historischen Neugier. Diese Bewirtschaftung ihrer Schicksale ist pure Ausbeutung und bringt den Ausgebeuteten außer einer momentanen Aufmerksamkeit nichts, gar nichts. Die Medien benutzen zwar – unverbesserlich – den Begriff „Entschädigung“, obwohl es zu beantragende Almosen sind. Doch für echte Entschädigung[4] ist – wie auch in Österreich niemand zuständig: »Die Verantwortlichen, das wären die Republik Österreich, die Tiroler Jugendwohlfahrt, die beteiligten Bezirks­haupt­mannschaften und Gemeinden, die katholische Kirche und der Bene­diktiner/innen-Orden. Aber die bleiben un(an)greifbar, bis auf die paar Ausführende, jene Klo­sterschwestern, die für Gottes Lohn den ihnen Anbefoh­lenen das Leben zur Höllen machten. Die meisten sind inzwischen verstorben, die übrigen dement, also nicht mehr ver­handlungsfähig. Schaden­ersatzforderungen ehemaliger Heim­kinder, die … für ihr Leben gezeichnet sind, stoßen auch bei weltlichen Behörden auf taube Ohren, sei es bei Stadt, Bezirk, Land oder Bund, den höchstverantwortlichen Trägerinstan­zen.«

»„Wir werden immer weniger. …Die mei­sten von uns haben resigniert, viele sind krank, manche verstorben.“ Zwar hätten ihnen die mediale Unterstützung und sogar offizielle Betroffenheitsbezeugungen der letzten Jahre durchaus den Rücken gestärkt, dennoch sähen sie sich der alten Zermürbungstaktik ausgesetzt: Man behandelt die Überlebenden des breitangelegtesten Verbrechens der Nachkriegszeit weiterhin als Bittsteller, anstatt sie in ihrer berechtigten Forderung nach Entschädigung wahrzunehmen. Geschweige denn sie zu ermutigen.«

Ja, so kann man nennen: Das am breitesten angelegte Verbrechens der Nachkriegszeit.

Es findet seine Fortsetzung, harmlos und ohne böse Absicht, in der Bewirtschaftung der Schicksale von damals schon Missbrauchten.

„Vae Victis“ – Wehe den Besiegten!

Fußnoten

[1] Ursprünglich meinte „Missbrauch mit dem Missbrauch“ der instrumentell oder irrtümlich erhobene Vorwurf von Kindesmissbrauch, um einen Ex-Partner vom Umgang mit dem Kind ausschließen zu können. Ich machte eine Tagung zu diesem Thema. https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/11/02/politisch-korrekt-ist-dieses-buch-ganz-und-gar-nicht/ . Es referierte auch der Autor eines gleichnamigen Buches: http://www.alteck.de/alteck_show.cfm?CFID=cc708de0-7f56-4d81-b3bc-996e487728e4&CFTOKEN=0&xx=start_beschluss.cfm . Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Missbrauch_mit_dem_Missbrauch .

[2] Zitate aus: https://www.derstandard.de/story/2000093295474/missbrauch-im-kinderheim-falltuer-auf-kind-rein-falltuer-zu

[3] Das begann mit der damaligen Familienministerin: „Die Einrichtung eines nationalen Entschädigungsfonds wird von Bundestag und Bundesregierung nicht angestrebt.“ https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/runder-tisch-bericht-ds.pdf .

Sie fand eine willige Helferin in der „Moderatorin“ des Runden Tisches: Dr. Antje Vollmer. https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/ .

[4] Es heißt immer wieder abwehrend, mit Geld sei das Ganze ohnehin nicht wieder gut zu machen.

25 Antworten

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  1. Werner Boesen said, on 10. Dezember 2018 at 10:27

    Die Gier nach Anerkennung und die kindliche Ohnmacht vor staatlicher Willkür!
    Wir brauchen sie alle, die Anerkennung der Mitmenschen, ihre Liebe. Es erwächst zuweilen eine Gier danach, zumal wenn Unrecht geschehen ist oder einfach ausgesprochen, wenn Anerkennung versagt wird. Manche behelfen sich selbst, finden ihre Anerkennung in anderen Betätigungsfeldern. Doch vielen ist die Kraft dazu verwehrt und sie bleiben gefangen in ihrem Teufelskreis, suchen Anerkennung für ihr erlittenes Unrecht. Sie treffen auf die Welt der „Scheinheiligen“, jene die Bereitschaft zeigen, gegen das Unrecht etwas zu tun. Es werden Hoffnungen genährt, die Gier steigt und es werden Luftschlösser gebaut, die irgendwann platzen und sich in Luft auflösen. Doch es bleibt etwas zurück, das den Boden zum Weiterbau bereithält. Mir war es wichtig zu erkennen, was ist das Fundament unseres Daseins. Es sind zwei Grundrechte, jenes der Versorgung und jenes der Autonomie, der Selbstbestimmung. Das Recht auf Versorgung wird uns in die Wiege gelegt, denn der Mensch wäre ohne Versorgung durch die Gemeinschaft verloren. Das Recht auf Versorgung ist keine lebenslange Garantie, denn die Natur befähigt uns zur Selbständigkeit und zu selbstbestimmtem Handeln in der Gemeinschaft. Jenen, die kraft erfahrenen Unrechts die Befähigung zum selbstbestimmtem Handeln zu sehr beeinträchtigt ist, bleibt die Versorgung in der Gemeinschaft, in der „Bewirtschaftung der Schicksale“. Sie treffen auf das Staatssystem, dass primär ein Rechtssystem ist mit moralischen und juristischen Rechten. Die moralischen und juristischen Rechte finden dabei ihre Begrenzung in den Verjährungsvorschriften. Daran hängen sich dann auch gerne die Kirchen, obwohl es nach christlicher Lehre keine Verjährung gibt. Die Kirchen verlieren damit zwangsläufig einen Teil ihrer Reputation und werden für die Geschädigten weitestgehend überflüssig wäre da nicht die Hoffnung auf Entschädigung. Doch in Deutschland bleibt eine kirchliche Entschädigung immer ein Almosendasein, denn daraus resultieren ja auch die Einnahmen. Es bleibt die Hoffnung auf den Staat, dem es jedoch wichtiger ist, auf die Leistungsfähigen zu setzen, denn diese sind in der deutlichen Mehrheit und erhalten den Staat. Um Minderheiten muss sich der Staat natürlich auch kümmern, doch damit sind kaum politische Erfolge zu holen. Zu den Minderheiten gehören verwaiste Kinder. Dem Staat reicht es diese in Aufzuchtanstalten zu verwahren. Damit das Volk in Ruhe bleibt, werden sie Kinderheime genannt, ein Begriff, der in doppeltem Sinne paradox ist: es sind weder Heime, in denen Kinder artgerecht aufwachsen können und das Kind ist mit Eintritt in ein Kinderheim kein Kind mehr sondern ein junger Erwachsener, der Rechte und Pflichten hat, die in staatlichem Auftrag sanktioniert werden. Solange unser Staat an dem Mythos (Märchen) des Elternrechts festhält, wird sich der Heiligenschein der Scheinheiligen nicht auflösen. Das junge Kind in einem Kinderheim wird immer ein missbrauchtes Kind sein und ist ohnmächtig vor staatlicher Willkür. Es brauchte dazu keiner Nachkriegszeit.

  2. ekronschnabel said, on 10. Dezember 2018 at 11:16

    Weil es so ist, wie Dierk Schäfer es schreibt,behandele ich die sich als Zuhälter der Täter betätigenden Täternachfolger als solche. Ob sich da einer dieser Täter-Lobbyisten Bischof oder Draufunddrüberkirchenrat nennt interessiert mich einen Dreck. Was sagte Helmut „Birne“ Kohl doch so treffend?: „Was zählt ist nur das was hinten raus kommt!“. Und was die Täternachfolger den Opfern lieferten entspricht dem was eben auch bei
    Schweinen hinten raus kommt.

    Jetzt kann man sagen, dass auch Mist wertvolle Eigenschaften hat. Wenn man damit aber Opfer füttert, muss man die Futterlieferanten ganz simpel Mistproduzenten nennen. Diese Täternachfolger, egal ob evangelisch oder katholisch, sind empathielose Täterschützer. Jeder Richter würde sie wegen Uneinsichtigkeit mit höherer Strafe belegen. Diese gewissenlosen Zuhälter der Täter zwingen Opfer zur akribischen Tatschilderung, wenn die
    „Entschädigungsanträge“ stellen. Gerichte gewähren nur den Tätern Strafmilderung, die den Opfern retraumatisierende Aussagen ersparen. Sie erniedrigen die Opfer gezielt, berechnend, die Landeskirche Hannovers geht unmenschlich-stur den Weg der Opferzerstörung, der zuständige Bischof namens Meister nickt ab, was ein gnadenloser Jurist inszeniert! Wahre Christen, oder wie nennt man solche Gestalten? Diese Typen belegen, dass Kirche auch heute Verbrechen an Opfern wiederholt, weil sie rechtlich nicht greifbar sind.

    • Werner Boesen said, on 10. Dezember 2018 at 12:43

      Es reicht nicht nur auf die Kirchen zu schimpfen. Das Konkordat sagt klar, jeder regelt seine Angelegenheiten selbst. Und Kinderheime sind die originäre Angelegenheit des Staates und nicht der Kirchen. Der Staat kann seine Kompetenzen natürlich delegieren, was er mit der Betreuung von Kinderheimen getan hat, jedoch bleibt der Staat in der originären Verantwortung für die Kinder in Kinderheimen. Und leider hat der Staat gekniffen, als er die Kommissionen berufen hat wie den RTH. In dieser Kommission hätte die Kirche nichts zu suchen gehabt doch da spielt das Konkordat nicht mit bzw. Artikel 140 Grundgesetz. Deshalb frage ich wo sind unsere Politiker, die Kinderrechte ins Grundgesetz fixieren einschließlich der Tatsache, dass Kindesmissbrauch keiner Verjährung bedarf.

      • dierkschaefer said, on 10. Dezember 2018 at 16:22

        „Der Staat kann seine Kompetenzen natürlich delegieren, was er mit der Betreuung von Kinderheimen getan hat, jedoch bleibt der Staat in der originären Verantwortung für die Kinder in Kinderheimen. Und leider hat der Staat gekniffen, “ Stimmt. Er hätte die Verantwortung für sein blindes Delegieren – oft ohne rechtliche Grundlage – übernehmen und Entschädigungen zahlen müssen und hätte die kirchlichen Einrichtungen in Regress nehmen sollen. Es war eine mafiöse Kumpanei von Staat und Kirche.

  3. ekronschnabel said, on 10. Dezember 2018 at 17:41

    Diese Kumpanei war aber lukrativ, Einfach mal googlen „Dachstiftung Diakonie“ Stephansstift und Käsdorf begaben sich unter ein Dach, warfen die durch Kinderarbeit erwirtschafteten Vermögen zusammen. Und expandierten in riesigem Ausmaß in Stasilands Heimlandschaft, als die DDR abgehalftert war. Getreu der Maxime „Der Herr gibt, der Herr nimmt. Wir nehmen alles, auch die Ehre der Kinder!“.

  4. Werner Boesen said, on 11. Dezember 2018 at 20:34

    @dierkschaefer: es gab keine mafiöse Kumpanei von Staat und Kirche, denn beide haben einen Staatsvertrag, das Konkordat von 1933, das heute noch gilt. Weil das Konkordat nach dem 2. Weltkrieg strittig war, wurden offensichtlich wesentliche Inhalte in Artikel 140 unseres Grundgesetzes aufgenommen. Im Jahre 1958 bestätigte das Bundesverfassungsgericht die Wirksamkeit des Konkordates.

    • ekronschnabel said, on 11. Dezember 2018 at 21:24

      Werner, das Konkordat IST das Manifest der mafiösen Kumpanei!

      • Werner Boesen said, on 12. Dezember 2018 at 09:52

        Wir alle sind der Staat, nicht alle sind die Kirche. Als Mitglied dieses Staates bin ich kein Mitglied einer mafiösen Kumpanei auch wenn unser Staat das Konkordat beschlossen hat. Es ist höchste Zeit dass das Konkordat zumindest unser Grundgesetz mit Artikel 140 überarbeitet wird und bei Verstößen gegen die Gemeinschaft wie dem Kindesmissbrauch die direkte Strafverfolgung durch Staatsbehörden ermöglicht wird. Im Klagefall sitzt der Bischof als oberster Kirchenvertreter seiner Schützlinge gleich mit auf der Anklagebank und nicht wie jetzt noch üblich auf der „Richterbank“. Die Änderung unseres Artikels 140 des Grundgesetzes würde genügen, das Konkordat an dieser Stelle auszuhebeln und der Papst wäre in der Pflicht das Konkordat anzupassen, könnte es natürlich auch belassen und versuchen unseren Staat zu verklagen z.B. bei der UN (Vereinte Nationen) Menschenrechtsabteilung. Doch darauf wird es der Papst nicht ankommen lassen, denn es laufen ihm schon genug „Schäflein“ weg. Und es gilt ja das Motto: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

  5. ekronschnabel said, on 12. Dezember 2018 at 12:08

    Warum sollten die was ändern, Werner? Abermillionen zahlen für die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung mit Kreuz im Logo, die Kohle zieht ihr Vertragspartner BRD gegen einen kleinen Obulus ein. Was die Kruzifix-Mafia für das Inkasso des Staates abdrückt, erstatten die Schäflein – zusätzlich zur Kirchensteuer!!! – treu und blöd über den Klingelbeutel! SO GEHT BUSINESS! Dagegen sind die Banker dumme Bübchen, Werner. Du bist oder warst katholisch, lassen deine Hinweise auf den Eiligen Vater vermuten? Dieses Bürschchen wird regelmäßig durch Tod oder Postenaufgabe ersetzt, der sitzt da nur als Vorstandsvorsitzender
    der äusserst lukrativen Bude mit weltweiten Niederlassungen. Dessen Niederlassungsleiter und Handelsvertreter machen ihr Ding auch ohne den alten Mann, Konkordat hin oder her. Der Alte in Rom ist eigentlich nur der Grüßaugust, das Tagesgeschäft – auch das der Abteilung Kindesmissbrauch – erledigen die
    Mitarbeiter, teils auch mit herabgelassener Würde und Hose. Fliegt Letzteres dann auf, folgt die Herablassung gegenüber den Opfern.

    Du empfindest zu ehrlich, Werner. Es lebt sich leichter, wenn man grinsen kann, weil man beweisen kann, dass
    die Täternachfolger dieselbe menschenverachtende Haltung zeigen, wie sie die Täter gegenüber den Opfern
    zeigten. Vergesse Achtung und Anstand gegenüber den Täternachfolgern, weil die den Opfern nicht mal die
    Schutzfunktionen aus dem Tierschutzgesetz zubilligen. Stelle sie dir einfach mit entblößtem Unterleib vor, über ein kindliches Opfer gebeugt, wollüstig sabbernd…“

    • Werner Boesen said, on 12. Dezember 2018 at 13:23

      Die Kirche wird hier nicht initiativ und lässt das Konkordat wie es ist. Doch unser Staat hat die Möglichkeit aufgrund der gemachten Erfahrungen seine Gesetze zu ändern wie den genannten Artikel 140 Grundgesetz. Dazu braucht es den Mut unserer Politiker. Ich war katholisch und bin dann für viele Jahre zu den Protestanten gewechselt weil ich dachte es würde dort weniger missbraucht, was statistisch wohl stimmt (Missbrauchsfälle Kath. zu Prot. etwa 3/4 zu 1/4). Das Konkordat hat ja auch Wirkung auf die Protestanten.
      Die Täternachfolgeorganisationen üben sich in der gleichen Scheinheiligkeit wie ihre Vorgänger und träumen davon dass alles nicht wahr sein kann. Auch Wissenschaftler haben damit ihre Probleme und finden offensichtlich zu keiner klaren Position, einen klaren Auftrag an den Gesetzgeber zu richten. Verzweifelt werden von den Kirchen Zugeständnisse gemacht und gehofft, das Problem erledige sich durch den Tod von Opfern. Doch das Problem des Kindesmissbrauchs liegt im System der Kirche und das muss erst einmal verstanden werden. Für mich ist nun der Staat am Zug die nationalen Gesetze anzupassen inkl. der Aufnahme von verständlichen Kinderrechten ins Grundgesetz, d.h. Artikel und Paragraphen die auch Kinder verstehen. Daher ist noch den Politikern „einzuheizen“, die sich hier verweigern.

      • ekronschnabel said, on 12. Dezember 2018 at 14:34

        „Doch das Problem des Kindesmissbrauchs liegt im System der Kirche und das muss erst einmal verstanden werden.“
        Das wird von allerhand Kirchenleuten bereits verstanden, ich habe Kontakte zu solchen Leuten. Deren Problem ist die eigene Abhängigkeit vom Arbeitgeber Kirche. 90% der Kirchenführer raffen Ursache/Wirkung zwar genau, versuchen aber immer noch das Abwiegeln und Schönreden. Bedford-Strohm von der EKDwar ja auch mit dem Laubbläser unterwegs, verwirbelte das unangenehme Thema etwas, aber der nahm keineswegs den Laubsauger!

        Wenn man auf den Homepages der Landeskirchen nach dem Thema „Sexueller Missbrauch“ sucht, sucht man sich nicht selten blöde. Ein Paradebeispiel ist die Landeskirche Braunschweig. Kein Link zum Thema Missbrauch, kein Link zum Thema Prävention. Ich rief die Pressestelle an, wollte von dem Pressepresse wissen, wo ich die Kontaktdaten zur der/des Missbrauchsbeauftragten finde. Wusste der Pressesprecher des Landeskirchenamtes nicht! Er legte mich telefonisch ab, ich hörte Stimmen im Hintergrund und dann bekam ich
        eine Kontaktadresse samt Telefonnummer.

        Ich monierte, dass traumatisierte Opfer in den seltensten Fällen den Mut hätten, sich den Weg durch den Dschungel einer Kirchenhomepage bis hin zum Pressesprecher zu erarbeiten. Ob man das nicht ändern könne, das sehe für Opfer nach Abweisung aus. Nein, das verbat er sich, die Landeskirche vertusche nichts! Muss sie ja auch nicht, was nicht nachlesbar ist muss auch nicht vertuscht werden. Ihm gefiel meine Art nicht, er ist erkenntlich an zungengewandte Rektalarbeiter gewöhnt, kam mit mir nicht klar. Das Telefonat endete im Vorzimmer des Götz von Berlichingen-Clans…ich arbeite bei Bedarf mit denen zusammen. Der Mann machte dem afrikanischen Laufvogel nicht nur durch Namensgleichheit alle Ehre, er beherrscht auch das Kopf in den Sand-Spiel perfekt. Das scheint Lehrstoff in theologischen Fakultäten zu sein.

        Danach klopfte ich beim Vorzimmer des Landesbischofs, erfuhr, dass auch der jetzt in Sachen Missbrauchsaufarbeitung und Prävention unterwegs sei. Klar, Bedford-Strohm`s warme Worte lernten die
        Bischöfe auf der Vorstandsmitglieder-Sitzung der EKD, die Presse trommelte es ja raus. „evangelisch.de“ dealt sowas perfekt.

        Das bischöfliche Vorzimmer avisierte mir den Rückruf des persönlichen Referenten des Bischofs. Wollen wir doch mal abwarten. Vielleicht erfahren wir ja, warum die Landeskirche Braunschweig das Thema Missbrauch in der Homepage so versteckt, dass Opfer zuerst mal Informatik studiert haben müssen, um an die Adresse der
        Anlaufstelle für Sexualopfer zu kommen. Auf der Suche nach dem nötigen Link wird das Opfer schon gelinkt….

        Diesen langen Sermon machte ich um aufzuzeigen, dass die Kirche systembedingte Probleme einfach nicht sehen will. Man übertönt die Schreie der Opfer mit schönen neuen Melodien, vorgetragen in großartigen Sitzungen!

        Die Kirche kennt das Vertuschen seit Jahrhunderten. Das klappt ja auch, es gelang die zahlenden Schäfchen zu binden und – durch Steuermehreinnahmen – wirtschaftlich bestens dazustehen. Deine Forderung nach Grundgesetzänderung läuft sich tot. Das System bleibt wie es ist.

      • Werner Boesen said, on 12. Dezember 2018 at 16:58

        Grundgesetzänderungen brauchen zuweilen sehr lange. Und ändern wird sich natürlich eher dann etwas wenn sich Verantwortliche in Politik und Wirtschaft nur einmal vorstellen müssten wie es wäre, wenn das eigene Kind missbraucht werden würde. Der jüngste Vorschlag seitens des Deutschen Katholikentages kommt ja nicht ohne Grund daher und ich wünsche mir, dass auch dort verstanden wird, dass ohne die Grundgesetzänderung mit der direkten Strafverfolgungsmöglichkeit durch den Staat einem Kind ein weitestgehend rechtssicherer Raum nicht ermöglicht ist. Am Thema der Klärung möglicher Ursachen des Kindesmissbrauchs dran ist ja die http://www.aufarbeitungskommission.de und es wurde von Herrn J.-W. Rörig (Gast der Aufarbeitungskommission) schon einmal die Forderung nach einer Vertragsänderung zwischen Staat und Kirche gestellt. Doch bei Gefahr im Verzug (Missbrauch lässt sich nicht absolut vermeiden) und der gewonnenen Einsicht dazu ist zum Schutz unserer Kinder eine Änderung im Grundgesetz Artikel 140 zwingend geboten.

  6. dierkschaefer said, on 12. Dezember 2018 at 16:30

    „Doch das Problem des Kindesmissbrauchs liegt im System der Kirche und das muss erst einmal verstanden werden.“ Widerspruch, Euer Gnaden. Das Problem der Vertuschung liegt sicherlich im System der Kirche – wie auch in jeder anderen größeren Organisation, die mit Schuld überladen dasteht, Familien sind da übrigens nicht anders: „Bloß nichts nach außen dringen lassen.“
    Das Problem des Kindesmissbrauchs liegt – theologisch gesprochen – im sündigen Menschen, der dazu neigt, Macht zu missbrauchen, wenn die Situation sich ergibt. Da gibt es viele Möglichkeiten, der Missbrauch von Kindern ist eine davon, wenn die sexuell-sadistischen Gelüste des Missbrauchers hinzukommen. Da unterscheidet sich die Kirche nicht vom Sportverein, oder auch von der Familie – … ohnehin könnte man da viel aufzählen, was jedoch die Kirche nicht entlastet, zumal sie hohe ethische und moralische Ansprüche an den Menschen stellt, weniger an sich selbst.
    Das Bild mit Laubbläser und -sauger ist hübsch gewählt und regt zu unkeuschen Gedanken an. Doch die seien ferne von mir.

    • Werner Boesen said, on 12. Dezember 2018 at 17:12

      Es geht um Kindesmissbrauch und nicht um Vertuschung. Es sind nicht nur hohe, sondern höchste ethische und moralische Ansprüche an die Kirchenleitungen beginnend ab Pfarrer gestellt, dazu kommt noch die höchste Bildungsstufe, die des Akademikers, denn ein Pfarrer hat in aller Regel ein Theologiestudium absolviert (hier ein Vergleich der Kirche mit einem Sportverein oder einer Eltern-/Kind-Beziehung, der Familie zu ziehen ist deplatziert). Klar kommen auch beim Pfarrer als Mensch noch Sünden vor, doch keinesfalls sind damit Schwerverbrechen gemeint, denn sexueller Kindesmissbrauch ist für viele der Seelentod, nicht unbedingt direkt, doch zuweilen Jahrzehnte später, wenn der ganze „Betrug“ verstanden wird. Und wenn der Vergleich mit Sportverein ziehen sollte, dann bitte auch die gleiche Strafverfolgung vollziehen lassen.

  7. ekronschnabel said, on 12. Dezember 2018 at 17:15

    Euer Hochwürden, Einspruch stattgegeben
    bei mir kommt immer der Bauer durch, deshalb solche Erkenntnisse wie über die Laubbearbeitungsgeräte und
    „Der Bauer erkennt seine Schweine am Gang“…

    Nachdenklich werden müssen Sie, wenn ich Sie Hochmerkwürden tituliere.

    Der avisierte Anruf des persönlichen Referenten des Landesbischofs zu Braunschweig fand bisher nicht statt.
    Ich kenne die Landesgeschichte Braunschweigs zu Zeiten von Adolf Nazi. Die zwei im Wort Braunschweig steckenden Silben inspirieren offenbar heute noch…

    • dierkschaefer said, on 12. Dezember 2018 at 18:36

      Ist halt Braun—schweig

  8. outdoor said, on 17. Dezember 2018 at 01:30

    Das Zwiegespräch ist ja ganz nett, geht aber meiner Meinung nach am Thema vorbei.
    Wem soll das nützen?

    • ekronschnabel said, on 17. Dezember 2018 at 08:00

      Nichts hält Sie ab, Ihrerseits mitzureden und uns zum Thema zurückzuführen. Wenn Ihr Nickname Programm ist werden Sie bei jedem Thema aussen vor bleiben. Wenn Sie kein Betroffener sind, werden Sie auch nie begreifen, was Opfer bewegt. Von ganz wenigen Kirchenleuten abgesehen begreifen die die Problematik eh nicht. Schon sind wir beim Thema, denn 99,9% der kirchlich verbandelten Menschen haben nicht begrifffen, werden nicht begreifen, weil genau DAS zum Tragen kommt, was Dierk Schäfer als Headline setzte: Missbrauch mit dem Missbrauch= Ursache Machtmissbrauch.

      Ich begegne seit Jahren diesen elenden „Gutmenschen“ in kirchlichen Funktionen, die immer noch mit ihrem
      idiotischen Machtanspruch auf Opfer losgehen und das dann Aufarbeitung nennen. Nee, das ist genau das, was
      hier Thema ist: Missbrauch des Missbrauchs! Verbrämt mit wichtigtuerischem Auftreten in der Öffentlichkeit, getürkt als Reue. Die Opfer werden durch die kamerawirksame Bauchlage eines angeblich um Verzeihung bittenden Bischofs nicht zu Vergebenden sondern eher zu Retraumatisierten, weil in der Stellung mal ein Pope oder Diakon auf ihnen lag. Ist Ihnen zu vulgär, was ich hier sage? Können Sie sich vorstellen, wie vulgär es für die Opfer eines geilen Kirchendieners war…?

      Und wenn’s etwas besser geht, moniert einer ein Zwiegespräch und fragt, wem das nützen soll. Alleine diese Frage sagt mir schon, dass da einer seinem Nickname gerecht wird. Und wem soll DAS nützen???
      Wenn Sie mit der Materie vertraut wären, hätten Sie diesen Post nicht losgelassen, denn Indoor-Leute begreifen auch dieses Zwiegespräch – und mokieren sich nicht darüber. Wenn Sie nur Ihrem Nickname entsprachen und das ändern wollen, kann Ihnen geholfen werden, denn in diesem Blog werden Unwissende in Sachen Missbrauch und Kirche und deren Missbrauch des Missbrauchs richtig fündig. Falls Sie den letzten Satz nicht verstehen, kann Ihnen geholfen werden. Klares Deutsch müssen Sie schon vertragen. Sollten Sie Mimös’chen wie der Bischof der LK Hannovers sein – Meister heißt er – dann wird das nichts mit Dazulernen, der bleibt deshalb der in der Milchkanne sitzende und öffentlich wirksam Schaum schlagende Pharisäer. Und der ist zäh, der schlägt mit den Ohren Schaum bis die ihm weh tun.

      Dierk Schäfer darf Ihnen gerne meine eMail geben

    • Werner Bösen said, on 17. Dezember 2018 at 10:30

      Mit Zynismus ist niemandem geholfen.

      • ekronschnabel said, on 17. Dezember 2018 at 10:43

        Mit Realitätsverweigerung und -verschiebung auch nicht, Werner. Was den Missbrauchsopfern an Zynismus zugemutet wurde und immer noch wird passt nicht in die Konzernzentrale der Katholen in Rom rein!

      • Werner Bösen said, on 17. Dezember 2018 at 13:12

        Meine Kritik galt @outdoor. Übrigens wurde die Arbeit der Aufarbeitungskommission um fünf Jahre verlängert.

  9. ekronschnabel said, on 17. Dezember 2018 at 13:44

    Ja, registrierte ich auch. Also 5 weitere sinnlose Jahre gegen Opferinteressen. Nennt sich dann Aufarbeitung. Nannte sich beim Runden Tisch mit der Vollmer auch Aufarbeitung…stimmt ja irgendwie, sie werden das gesetzte Zeitfenster fein aufarbeiten. Danach sind die Scheiben zugeschmiert und der Einblick unmöglich. Die abschliessende Pressemitteilung kann ich dir heute schon schicken.

    • Werner Bösen said, on 17. Dezember 2018 at 16:49

      Sind für mich keine sinnlosen Jahre. Die Aufarbeitungskommission ist hier auch wissenschaftlich tätig, was Frau Vollmer nicht war, sie war primär als Politikerin tätig und ihre Mission war politischer Opportunismus.

  10. outdoor said, on 22. Dezember 2018 at 18:36

    Um meinen Status machen Sie sich mal keine Gedanken, @ ekronschnabel , ich wurde jahrelang mißbraucht, von Evangelen , und ebenso von den Katholen.

    Was ich nicht in meinen Kopf bekomme ist folgendes: Warum auf einem “ Meister “ der Vertuschung herum hacken, warum nicht unseren sogenannten Rechststaat, der keiner ist, an die vordere Frontlinie holen?

    Mir fällt gerade die Frau Käßmann ein…….was hat sie gewettert und Hilfe versprochen, und was kam am Ende dabei heraus? NICHTS
    Solche Leute sind Mitläufer. Und damit auch Mittäter ! Sie bedienen die öffentlichen Meinung die gerade angesagt ist, buhlen um Medienpräsenz und beteiligen sich an den gerade mal opportunen Hetzjagden, einzig um selbst davon zu partizipieren.

    Hänschenklein kann nur Böses tun, wenn Hänschengroß es geschehen läßt.

    Und er hat es geschehen lassen, immer und immer wieder, und dabei spreche ich nicht nur vom sexuellen Mißbrauch, dem die Heimkinder hilflos ausgeliefert waren.

    Daher meine Meinung: die Kirchen und deren Personal sind es nicht wert, an sie Energie zu verschwenden.
    Die Energie sollte da eingesetzt werden wo sie Sinn macht und erfolgversprechender ist.
    Man muss ihnen buchstäblich Feuer unterm Stuhl machen……………

    Wünsche frohe Festtage .

    • ekronschnabel said, on 22. Dezember 2018 at 20:10

      Ich staune, nämlich darüber, dass Sie das als Notwendigkeit sehen, was von Lesern dieses Blogs seit vielen Jahren praktizieren. Im Archiv finden Sie jede Menge dazu.

      Meine Meinung zur Kirche deckt sich mit Ihrer. Aber beim Personal kam ich auch an Menschen, die ihre Arbeitgeber sehr realistisch als das sehen, was sie sind und an dem messen was sie tun bzw. unterlassen und entsprechend öffentlich kritisieren.

      „Man muss ihnen buchstäblich Feuer unterm Stuhl machen…..“ beweist Zorn, aber wenn so ein fetter Pope brennt haben wir nicht nur den Gestank sondern auch noch die Anklage vom Staatsanwalt am Hals. Dass die
      Täternachfolger sich hinter den Verjährungsfristen verstecken wissen Sie, juristisch sind die nicht angreifbar. Ich kann sie nur öffentlich als Zuhälter der Täter anprangern.

      Sie wollen den Staat an die Frontlinie holen? Da stand der schon, ließ die Vollmer die Verarschungsmodalitäten moderieren und hing dem alten Weib dann das Verdienstkreuz an den faltigen Hals. VERJÄHRT! Das ist das Zauberwort.

      Seit Ihrem Beitrag im Blog stelle nicht nur ich mir die Frage, warum Sie sich erst nach Ablauf aller Fristen anonym einbringen. Dass man auch „auf dem kleinen Schweinewechsel“ an den Speck für einige Opfer kommen kann wurde vorgemacht. Da war jeder Helfer wertvoll, es gab kaum welche. Vielleicht dachten die alle so wie Sie? Dass das nun reinweg nichts brachte belegen alle die Fälle, die nicht mal das holten, was zu holen war.Dann gab es die total Kontraproduktiven, die anfangs in schönster Blödheit zum Boykott des Heimkinderprogramms aufriefen – und dann klammheimlich ihre Anträge stellten, als sie erlebten, dass da durchaus brauchbare Summen zusammen kamen. Diese Stimmen aus dem Off brauchte kein Mensch, sie verunsicherten die eh schon Verunsicherten noch mehr. Wie soll man solche blöden Zeitgenossen nennen, die anderen gezielt Schaden durch Desinformation zufügten?

      Nicht sehr hilfreich, wenn man erst nach einer Aktion mit Kritik um die Ecke kommt. Als praktizierender Helfer war JEDER erwünscht.

      Allen hier im Blog wünsche ich schöne Feiertage und ein gutes Neues Jahr.


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