Dierk Schaefers Blog

Gott vergibt, Django nie. Gilt das auch für Missbrauch?

Kürzlich kam es bei einer Predigt zum Eklat. »Während der Ausführungen des emeritierten Pfarrers Ulrich Zurkuhlen (79) verließen zunächst ein Teil des Chores, später rund 70 Gottesdienstteilnehmer unter lautem Protest die Kirche.[1]«

Was war geschehen? Der Pfarrer gibt das so wieder:

»„So etwas habe ich in den 54 Jahren meines Lebens als Priester noch nicht erlebt.“ Er sei mit seiner Stimme nicht gegen „den schreienden Mob“ angekommen, habe seinen Standpunkt und vor allem die biblisch so wichtige Bedeutung von Vergebung nicht darlegen können. So habe etwa Jesus der Ehebrecherin und der barmherzige Vater dem verlorenen Sohn vergeben. Das sei ein Vorbild für jeden: „Wir beten ja nicht umsonst im Vaterunser: Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“«

Unwissenheit schützt aber vor Strafe nicht. Der Kollege hatte naiv-unbedarft ein Minenfeld betreten. Er hat offenbar keinerlei Ahnung von den Auswirkungen des Missbrauchs auf das Leben der Opfer, weiß nichts von den Ängsten und Reaktionsweisen der Opfer, die – noch dazu von einem Täterkollegen – sich nicht ins Gewissen reden lassen wollen, wem und was sie zu vergeben haben. – Aber er sieht sich im Recht, spricht von „Mob“, schließlich hat er Jesus auf seiner Seite. Er kann sich offenbar nicht vorstellen, um in seiner Gedankenwelt zu bleiben, wie Opfer, im Paradies angekommen, empfinden, wenn sie dort ihren Peinigern begegnen, und vielleicht auch noch auf derselben Wolke gemeinsam Halleluja singen sollen.

So naiv darf ein kirchlicher Funktionär nicht sein. Er sollte aus der Missbrauchs- und Vertuschungsdiskussion Empathie mit den Opfern gelernt haben und sollte wissen, dass mit „Schwamm drüber“ und „Friede, Freude, Eierkuchen“, also mit billiger Vergebung die Opfer in ihrer Verletztheit nicht zu erreichen sind oder – besser noch – gegen solche Priester revoltieren.

Er kennt auch die einschlägige Fachliteratur nicht.[2] Ich zitiere:

»Angesichts vielfachen sexuellen Missbrauchs, über die Zahlen könnte man streiten, muss „man“, nicht nur der Pfarrer im Gottesdienst, darauf gefasst sein, dass es unter den Zuhörerin­nen kirchlicher, aber auch sonstwie öffentlicher Rede, missbrauchte Personen gibt, die auf der Suche nach Verständnis sind, aber zudem retraumatisierbar. Doch diese „Fallgruppe“ wird nicht erkannt und berücksichtigt. … Missbrauchte haben ein Recht nicht nur auf Zorn, sondern auch auf Hass. Dem darf man nicht moralisierend begegnen.«[3]

Der leitende Pfarrer der Gemeinde, »Rau, zeigte sich auch deshalb betroffen, „weil wir eine der ersten Pfarreien im Bistum waren, die ein Präventionskonzept verfasst und eingeführt haben. Dazu gehört auch, die Perspektive der von Missbrauch Betroffenen einzunehmen“«.

Das ist lobenswert. Man sollte überhaupt niemanden mehr auf die Kanzel lassen, der das nicht kapiert hat. Insofern gehört das Buch „Damit der Boden wieder trägt – Seelsorge nach sexuellem Missbrauch“ mit zu allen Präventionsbemühungen, auch wenn dort die Seelsorge an denen im Mittelpunkt steht, bei denen Prävention zu spät kommt.

Fußnoten††


[1] Zitate aus: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/eklat-bei-predigt-ueber-missbrauch-und-vergebung-in-muenster/

[2] Erika Kerstner / Barbara Haslbeck / Annette Buschmann, Damit der Boden wieder trägt – Seelsorge nach sexuellem Missbrauch, 1. Auflage 2016, 240 Seiten, ISBN: 978-3-7966-1693-8,

[3] Rezension: https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/01/25/damit-der-boden-wieder-traegt-seelsorge-nach-sexuellem-missbrauch/

Photo: dierk schäfer, unter Verwendung von https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/9293646525/in/photolist-oJAxqG-g9gJpW-fafnjV-bnSxGj-bp7bwD-bp6UXa-9vSzzw-8JgXum-8JdVdn-8JespT-8Jhwcs-8Jhp79-8Jhh2L-8JebdD-8JedK2-8Jeft6-8JhuK5-bp7kSK-9pfQSv-8JegZ4

52 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Werner Boesen said, on 6. Juli 2019 at 21:05

    Ich erinnere an die Geschichte vom Mühlstein und da gibt es keine Vergebungsabsichten, denn Christus spricht eine klare Empfehlung für den „Kinderschänder“. Im übrigen sollte daher einfach einmal klargestellt sein, dass Christus sämtliche seiner Gebote und Verbote an die Erwachsenen richtete und für Kinder die Unschuldsvermutung benannt wurde (Lasset die Kinder zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich). Und ein Kind, selbst wenn es erwachsen geworden ist, behält sein „inneres Kind“ und dies bedarf der Heilung. Dies kann rein theologisch nicht geleistet werden.

  2. ekronschnabel said, on 7. Juli 2019 at 10:41

    Der Bibeltext sollte verändert werden, denn in der Praxis vieler Kirchenleute galt leider zu oft „Lasset die Kinder zu mir kommen, zu mir in den Lustbereich“. Mich wundert das Unverständnis des von den Opfern Vergebung fordernden Pfaffen überhaupt nicht, 90 Prozent seiner Amtsbrüder denken und handeln ähnlich.
    Der frühere Chef der Diakonie von Hannover sagte zu einem übelst missbrauchten Opfer „Na, Herr H., so schlimm wird es wohl nicht gewesen sein“. Mir als Zwangsmithörer rutschte nur raus :“Dir sollte man richtig die Fresse polieren, du perverse Sau“. Er geniesst heute seine fette Pension…

    Vor ein paar Tagen sagte mir eine Pastorin am Telefon: „Die Kirche schafft sich selbst ab, wir können dabei zusehen“. Könnte aber gerne schneller gehen, denke ich.

    • Werner Boesen said, on 8. Juli 2019 at 20:01

      Der Bibeltext braucht nicht geändert zu werden, denn die Metapher ist klar, siehe z.B.:
      https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/einheitsuebersetzung/bibeltext/bibel/text/lesen/stelle/50/180001/189999/

      6 Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde.
      7 Wehe der Welt wegen der Ärgernisse! Es muss zwar Ärgernisse geben; doch wehe dem Menschen, durch den das Ärgernis kommt!
      8 Wenn dir deine Hand oder dein Fuß Ärgernis gibt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Es ist besser für dich, verstümmelt oder lahm in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen und zwei Füßen in das ewige Feuer geworfen zu werden.

      Zu 6: Bedeutung einfach: Der Kinderschänder und seine Verantwortliche, die ihn decken, sind aus der Glaubensgemeinde auszuschließen und können nicht wiederkehren. In harter Auslegung könnte dem Kinderschänder nahegelegt sein, sich zu suizidieren, jedoch grenzen Satz 7 und 8 dies darauf ein, dass es auch reiche, nur die Hand oder den Fuß abzuschlagen. Da dies in unserer Kultur ausscheidet, wäre darauf abzustellen, dass der Betreffende keine Kinder mehr erziehen darf und sich von Kindern fern zu halten hat.

      Eine Vergebung seitens des geschändeten Kindes scheidet aus. Sämtliche Beispiele in der Bibel, die auf Vergebung setzen, sind auf gleiche Kräfteverhältnisse abgestellt, betreffen Erwachsene unter sich.

  3. Erika Tkocz said, on 22. Juli 2019 at 15:08

    Das Wort Vergebung ist ein christlicher Begriff, genauso wie das Wort Sünde. Ich kann es zwar vor dem christlichen Hintergrund verstehen-und auch nachvollziehen, wie es mit der Vergebung gemeint ist, was ja im „Vater Unser“ gebetet wird und erst einmal klingt es großartig-wenn auch traurig-dass Gott für diese Form der Vergebung seinen Sohn geopfert hat. Ich komme damit nicht klar, weil es ja im Grunde genommen unser Strafrecht außer Kraft setzen müsste, denn eigentlich bräuchte es nach dem christlichen Verständnis kein weltliches Gericht geben. Gott gibt ja nicht einfach die Vergebung, sondern er erwartet ja auch von dem sündigen Mensch, dass er sich ändert.

    Nun ist es aber so, dass der Glaube nicht ausreicht, einen Menschen anders zu machen als er ist oder ihn gar hilft, keine Sünden zu begehen, folglich greift dieses Konstrukt auch zu kurz und hilft Menschen nicht, die durch einen „Sünder“ zu Schaden kommen.

    Was bedeutet das konkret: beispielsweise hilft es einer Mutter nicht, die ihr Kind durch Mord verliert, dass nun dieser Mörder auch noch durch seinen Glauben-so er ihn hat- noch die Vergebung bekommt. Die Mutter möchte, dass der Mörder für seine Tat bestraft wird und das ist ja auch nachvollziehbar.

    So hat auch ein sexuell missbrauchtes Kind –und überhaupt jene ehemaligen Heimkinder, die durch Ordensmenschen viel Leid erlebt haben- doch ein ganz normales Bedürfnis, dass die Täter eine gerechte Strafe bekommen. Das ist aber nie passiert und auch gegenwärtig sieht es nicht so aus, dass die Kirchen sich tatsächlich mit ihren Verbrechen auseinander setzen, wenn ich nur jüngst die Argumentation des Papstes vernommen habe, dass der sexuelle Missbrauch den 60igern- also der sexuellen Befreiung- geschuldet ist. So ähnlich hat sich der Papst zu diesen Verbrechen geäußert. Also kein Schuldanerkennung, geschweige eine gerechte Strafe für die Täter, aber ständig diese Bitte um Vergebung. Ich werde den Eindruck nicht los, dass da diese Täter und die heutigen Verantwortlichen lediglich ihr christliches Wertesystem abarbeiten und nicht einmal im Ansatz die Opfer fragen was die denn wollen. Selbst Menschen die nicht Opfer sind wenden sich von der Kirche ab, denn es ist ja deutlich, dass die Kirchen weiter machen wie bisher und vor der eigentlichen Auseinandersetzung mit ihren Verbrechen, immer nur schnell bereit sind von Vergebung zu sprechen. So einfach ist es also? Aber es wird deutlich, nach welchem Muster die Kirche handelt und die wachsenden Kirchenaustritte sind eine logische Konsequenz. Wollen sie nicht verstehen, können sie nicht verstehen? Was es auch immer ist, aber ich habe schon den Eindruck, dass die Kirche sich eher mit „ihren Sündern“ befasst und es wahrscheinlich durch ihren Glauben leicht fällt, sie als Sünder anzunehmen, als sich in das Leid eines Opfers hinein zu versetzen, denn wenn sie das täten würden sie den Begriff „Vergebung“ ganz nach hinten schieben und sich erst einmal ihren Taten stellen und die Opfer fragen, was die HEUTE für sie tun können.

    • Werner Boesen said, on 23. Juli 2019 at 09:02

      Ich möchte als Opfer von den Tätern nicht mehr befragt werden. Solche Täter gehören in die Verbannung und dort können sie um Vergebung ersuchen. Heilung ist mir nur möglich, wenn mir solche Täter dauerhaft fern gehalten werden. Zur Heilung reichen mir meine Mitmenschen, die meine Kindeswürde schätzen.

      • ekronschnabel said, on 23. Juli 2019 at 09:59

        Gut und richtig gesagt, Werner. Aber…man sollte die Täter bzw. die heutigen Vertreter der Täternachfolger-Organisationen nicht wortlos ignorieren. Sie kotzen regelrecht, wenn sie immer wieder an die Schweinereien
        erinnert werden, das zeigte sich letztens, als ein dicker alter Mann als Boss der Bischofskonferenzfuzzis in einer Talkshow sass und den Reuigen gab. Es war ihm peinlich, es tat ihm weh – und ich bin mir ganz sicher, dass er in internen Runden sehr drastisch gegen die Ignoranten in seiner Konzernbude spricht.
        Haben die alle sich doch durch Ignoranz und Bornierheit aus dem Rennen geschossen, die Austrittszahlen zeigen wunderschön, dass sich die einstigen Kinderschänder und deren Zuhälterfreunde selbst vögelten. Mir ging regelrecht das Herz auf, als vor ein paar Tagen die Zahlen über die Kirchenaustritte in den Medien kursierten. Knieschuss nennt man solche Konzernergebnisse. Einen ähnlichen Blödheitsnachweis klerikaler
        Vorstandsheinis findet man vergleichbar nur bei Bankern. Da war nix mit Aussitzen auf den fetten Popos…die Menschen verteilen Noten, zeigen den verwahrlosten Kirchenknechten die Popokarte, akzeptieren den Einsatz von Klopapier zwecks Folgebeseitung des amoralischen Schmutzes nicht mehr.

        Als Opfer fühle ich mich etwas besser, wenn es den Tätern und ihren juristischen Nachfolgern sehr viel schlechter geht. Das ist mein Recht als Opfer, Werner. Man tut ihnen einen Gefallen, wenn man sie ignoriert. Und denen tue ich keinen Gefallen.

        Ein Hochrangiger aus den Kruzifix-Konzernen hat es inzwischen begriffen, er sagte in interner Runde „Wir hätten jedem Opfer 50 000 € und eine monatliche Rente geben sollen, dann wäre Rechtsfrieden geschaffen worden“. Er begriff zu spät. Die finanziellen Verluste durch A

      • Werner Boesen said, on 23. Juli 2019 at 17:16

        Verbannung bedeutet nicht nur Ignoranz sondern Ausschluss aus der Gemeinschaft und die Kontrolle darüber. Dann kann ein Mahnmal errichtet werden, von dem zu hoffen ist, dass sich so etwas nicht wiederholt ähnlich den Kriegsdenkmalen. Das Naheliegendste ist jedoch nun Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen expressis verbis. Vielleicht erübrigen sich dann die Mahnmale.

    • dierkschaefer said, on 24. Juli 2019 at 10:49

      Da haben Sie mir aber ein Ei ins Nest gelegt, doch ich will nicht kneifen.
      Ihre Logik stimmt und offenbart sogleich das Dilemma: „eigentlich bräuchte es nach dem christlichen Verständnis kein weltliches Gericht geben. Gott gibt ja nicht einfach die Vergebung, sondern er erwartet ja auch von dem sündigen Menschen, dass er sich ändert.“ Das tut der Mensch leider nur selten. Darum hat es sich als nötig erwiesen, dem Jüngsten Gericht die irdische Gerichtsbarkeit vorzuschalten, die allerdings auch aus sündigen Menschen besteht. Dass Gott für (seine) Form der Vergebung seinen Sohn geopfert hat, diese Interpretation des Kreuzestodes ist ein theologisches Konstrukt, das lange Zeit Glaubwürdigkeit beanspruchen konnte und als solches auch glaubhaft war. Manche Theolo¬gen sehen das inzwischen anders, ich auch.
      Sie haben weiterhin Recht: „So hat auch ein sexuell missbrauchtes Kind – und überhaupt jene ehemaligen Heimkinder, die durch Ordensmenschen viel Leid erlebt haben – doch ein ganz normales Bedürfnis, dass die Täter eine gerechte Strafe bekommen.“ Ich bin mit einer Großmutter aufgewachsen, die zeitlebens zufrieden damit war, dass die Raubmörder ihres Mannes hingerichtet wurden. Meinen Argumenten gegen die Todesstrafe war sie unzugänglich. Ich habe das erst sehr viel später verstanden – und akzeptiert.
      https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/07/27/ecrasez-linfame-hasskommentare-meinem-blog/
      Ihrem Eindruck, „dass da diese Täter und die heutigen Verantwortlichen lediglich ihr christliches Wertesystem abarbeiten“ möchte ich widersprechen. Es liegt hier kein christliches Wertsystem zugrunde, sondern Unsensibilität, Ignoranz, Schutz der sie tragenden Institution und ihrer Finanzen. Ich halte das für äußerst unchristlich.
      Sie erwähnen es nicht: Aber „Vergebung“ und „Jüngstes Gericht“ passen nicht zusammen. Beim Jüngsten Gericht wird, ganz unlutherisch, nach den Werken gefragt, nach dem, was der Einzelne seinen „geringsten Brüdern“ getan hat – oder auch nicht – und seinen Schwestern natürlich auch. Doch das hat kaum abgeschreckt. Allerdings erwies sich die Erfindung des Fegefeuers als munter sprudelnde Geldquelle. Wieso und warum dürfte ein vielschichtiges Thema sein.

      • Erika Tkocz said, on 24. Juli 2019 at 19:59

        Lieber Herr Schäfer,
        ja ich versuche das Leben im Allgemeinen und auch die Religion mit Logik zu verstehen. Ich weiß, das hat Grenzen und ich bin grundsätzlich offen für andere Sichtweisen, weil ich gerne dazu lerne. Es würde mich schon sehr interessieren, wie sie aus theologischer Sicht die Kreuzigung Jesus sehen, damit habe ich schon meine Probleme, weil es doch zu sehr die Selbstverantwortung des Menschen nimmt. Da höre ich schon hin und wieder von Menschen Aussagen wie: “Ich könnte es gar nicht ertragen, hätte ich nicht die Vergebung“ und frage mich, wieso ich es für mich gut aushalte, diese Art der Vergebung nicht zu brauchen. Ich bin bestimmt nicht vollkommen, habe Fehler im Leben gemacht, aber die waren nicht so gravierend, dass ich die Vergebung bräuchte.

        Meine Toleranz lässt es zu, mich weder gegen Glauben von Menschen zu stellen, noch die Kirche gesamt zu „verteufeln“, denn letztlich ist die Kirche doch nicht nur eine Institution, sondern wird geprägt durch die Menschen und ich kenne viele Menschen, die in bestimmten Bereichen der Kirche tätig sind. Ich würde diese ja ablehnen müssen, wenn ich die Kirche ablehne. Auch so eine logische Schlussfolgerung von mir, aber ich denke die geht in Ordnung und ich sehe nun einmal die Kirche differenziert. Da bin ich ganz bei Ihrem Link unter Punkt 3. mit einer gewissen Einschränkung, dass die katholische Kirche hier die Auswahlkriterien für ihre Mitarbeiter nicht aufgrund ihrer Vorurteile machen sollte. Auch den Papst lehne ich grundsätzlich ab, da werde ich wohl kaum meine Meinung ändern, weil die kath. Kirche Frauen nicht als gleichberechtigt sehen und auch Homosexualität für eine Krankheit halten und es deswegen ja diese pathologischen Auswüchse der Zwangstherapie bei Homosexualität gibt und da wundere ich mich schon, dass der Staat da nicht schon längst einen Riegel vor geschoben hat.

        Hass ist für mich ein schwieriges Gefühl, besonders wenn sich Hass dann generalisiert und man selber davon betroffen ist, so wie ich als Kind den Hass meiner Erzeugerin so viele Jahre ertragen musste, der sich dann auch in Form von massiver Gewalt zeigte. Ich hatte schon als kleines Kind Verständnis für ihre Biografie, sie war ja auch ein Heimkind und hat auch schreckliches durch den Krieg erlebt. Aber wieweit geht man in seinem Hass?

        Ihre Großmutter kann ich verstehen, denn einem Täter den Tod zu wünschen sehe ich nicht unbedingt von Hass geleitet, sondern von einem inneren Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Da stößt auch ein Glaube an Grenzen, denn jeder Mensch der an sich Gewalt erlebt und/oder einen geliebten Menschen durch Mord verliert hat ein tiefes Gefühl bzw. Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Auch wenn der Verlust eines Menschen anders verarbeitet werden muss, so meine ich doch, dass Menschen in diesem Leben ein Recht auf Gerechtigkeit haben und wenn dieses zutiefst innere Bedürfnis nicht befriedigt wird, kann es keine Heilung geben- oder wie auch immer man es nennen mag.

        Ja, selbstverständlich haben Sie das richtig erkannt, dass die Täter nicht ihr christliches Wertesystem abarbeiten, da hätte ich besser schreiben sollen, ihr vermeintlich christliches Wertesystem- oder so wie Sie es ausgedrückt haben.
        Mit „Vergebung“ und „jüngstes Gericht“ haben Sie selbstverständlich auch Recht, ein Widerspruch in sich. Auch wenn ich es durchaus nachvollziehen kann, dass der einzelne nach seinen „Werken“ nachgefragt werden sollte, scheitert es schon bei jene Menschen, die aufgrund ihrer sehr frühen traumatischen Erfahrungen als Kinder gar nicht in der Lage sind Empathie zu entwickeln und gute Werke zu tun, weil sie damit beschäftigt sind, ihr Leben überhaupt leben zu können und das oftmals schwer genug ist, wenn ich da an Patienten denke, die ich im Laufe meiner langjährigen Arbeit in der Psychiatrie kennen gelernt habe.
        Ich glaube, Menschen kann man nicht wirklich in ein bestimmtes System einordnen, also ich meine gut oder böse, krank oder gesund, dieses schwarz-weiß System. Wahrscheinlich wird es oft gemacht, damit Menschen in einer Weise betrachtet werden, die einem das eigene Wertesystem erleichtert, aber ich bleibe da lieber nicht so fest in einer Einordnung, auch wenn das manchmal anstrengend ist, aber ich komme damit klar.
        Letztlich haben sich die Verantwortlichen der Kirchen ihren Blick für das menschliche Leid der ehemaligen Heimkinder verstellt, weil es ihnen ausschließlich darum ging, keine Entschädigung zu zahlen. An dieser Stelle möchte ich aber auch differenzieren, zwischen den Verantwortlichen und beispielsweise den heutigen Menschen, die in Heimen arbeiten.

        Vor einigen Jahren habe ich erst einmal in eigener Sache meine ehemaligen Heime aufgesucht und auch das Gespräch mit den heutigen Heimleiter/Innen gesucht. Mir hat es sehr geholfen und ich habe eine Seite des Hasses von ehemaligen Heimkindern kennen gelernt, die ich persönlich ablehne und dieses Recht nehme ich mir heraus, auch wenn es von anderen Ehemaligen anders gesehen wird. Ich wollte nie so werden wie meine Erzeugerin und ich bin sicher, nicht so geworden zu sein und deswegen habe ich auch meinen inneren Frieden und eine innere Freiheit. Auch habe ich im Laufe der Jahre gemerkt, dass es nicht wirklich einen gemeinsamen Weg unter uns ehemaligen Heimkindern gibt, so wie es schon in den Heimen nicht möglich war ein gemeinsames Gruppengefühl zu entwickeln, ist es auch in der Gegenwart, mit wenigen Ausnahmen. So haben wir doch eine unterschiedliche Herkunft und im Grunde genommen war man in dem Heimen eher „Jeder für sich“, was ja auch damals so gewollt war und nach der Heimzeit ging Jeder seine eigenen Wege, die dann auch sehr unterschiedlich waren. Einmal bei der damaligen Demo habe ich so etwas wie ein WIR gespürt, danach nie wieder. Ich spüre es auch hier, wenn ich etwas schreibe und sich beispielsweise Herr Bösen lediglich dazu äußert, es anders zu sehen. Wir sind da weit auseinander und ich verspüre auch keine Lust auf das eine oder andere zu antworten, weil ich ja auch aus Erfahrung weiß, wie sinnlos das ist.
        Meinen Abschluss der Heimerziehung fand vor einigen Jahren statt, als ich den Verantwortlichen meines letzten Heimes schrieb dass ich ein Mahnmal möchte, sowohl für die Ehemaligen der Nazizeit- denn zu der Nazizeit hat man dort auch Mädels zwangssterilisiert- als auch für uns. Ich war bei der Einweihung dabei und hielt auch eine Rede. Anschließend kam eine Frau auf mich zu und fragte mich wie alt ich denn sei. Als ich ihr die Antwort gab, meinte sie wir wären ja gleich alt und sagte sehr nachdenklich, dass was mir passiert sei, hätte ihr auch passieren können. Das war für mich ein bewegender Moment und das wollte ich erreichen, dass die Gründe meiner Heimerziehung nicht in mir selber lagen und das ist in diesem Moment passiert und auch wenn es in meinem kleinen Umfeld so passierte, war es in Ordnung, denn damals ging es ja auch um meine persönliche Aufarbeitung.

        Ich weiß dadurch, dass ich die letzten Jahre viele Heime besucht habe, dass diese mit damals nicht vergleichbar sind und so kann ich Ihre Ansicht dazu in Punkt 6 teilen.
        Mit den besten Grüßen Erika Tkocz
        Ps.: hatten Sie eigentlich eine Mail, die ich Ihnen letztes Jahr im Oktober geschrieben habe erhalten?

    • dierkschaefer said, on 25. Juli 2019 at 17:59

      Liebe Frau Tkocz,
      Sie schreiben: „Es würde mich schon sehr interessieren, wie sie aus theologischer Sicht die Kreuzigung Jesus sehen, damit habe ich schon meine Probleme, weil es doch zu sehr die Selbstverantwortung des Menschen nimmt.“
      Ich sah mich veranlasst, vor einiger Zeit über die Formel nachzudenken, mit der jeder Gottesdienst eröffnet wird: „Wir beginnen diesen Gottesdienst im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“
      Eine Formel, über die man normalerweise nicht nachdenkt; man ist sie gewohnt, sie gehört dazu. Dabei ist die Trinität eine verzwickte Sache. (Die christliche Trinitätslehre wurde seit Tertullian durch verschiedene Theologen, wie besonders Basilius der Große, und Synoden zwischen 325 (Erstes Konzil von Nicäa) und 675 (Synode von Toledo) entwickelt. https://de.wikipedia.org/wiki/Trinit%C3%A4t ). Sie führt sogar dazu, dass manche Muslime sagen: Lass doch die Christen mit ihren drei Göttern und der einen Frau. Wir bieten dir einen Gott und vier Frauen.
      Ich halte die Kreuzigung für einen „Betriebsunfall“ im Leben eines besonderen Menschen, dessen Charisma nicht nur auf seine Jünger ausgestrahlt hat. Sie verehrten und folgten ihm.
      Dieser Mensch starb nun den Verbrechertod am Kreuz. Für die Jünger brach eine, brach ihre Welt zusammen. Sie trauerten um den verlorenen Jesus, um den Sinn ihres Lebens. In unserem Buch über den Umgang mit Trauer schrieb ich:
      »Schließlich sind die Evangelien selbst als wohl folgenreichstes Beispiel geglückter Trauer-arbeit anzuführen. Wenn das Markusevangelium als Passionsgeschichte mit ausführlicher Einleitung gesehen werden kann und damit die engere Geschichte eines Trauerfalls zum Charakteristikum des ursprünglichsten Evangeliums im Neuen Testament wird, dann kann man die Evangelienschreibung insgesamt als schriftlichen Versuch von Trauerarbeit bezeich¬nen, denn die Ausweitung der Einleitung der Todesgeschichte samt Legendenbildung gehört zu den typischen Merkmalen posthumer Lebenswürdigung im Verlauf einer unreflektierten Trauerarbeit. Die Fortführung der Passionsgeschichte in die triumphale Auferstehung (Ich lebe, und ihr sollt auch Leben [Johannesevangelium. 14, 19]) und die erwartete Wiederkunft sind wohl der glänzendste Aspekt dieser Trauerleistung, die nicht nur den Blick auf die vor den Trauernden liegenden Aufgaben richtet (Was stehet ihr und sehet gen Himmel? Apostelgeschichte. 1, 11), sondern Vorbild dafür wurde, wie dem Tod die Macht genommen werden und man auf ein Wiedersehen hoffen kann.« (Dierk Schäfer, Werner Knubben, … in meinen Armen sterben? Vom Umgang der Polizei mit Trauer und Tod, Hilden 1996 2. Auflage )
      Es handelt sich also um eine Entwicklung von Gedanken und Erkenntnissen, die zu theologisch sinnvollen Ergebnissen führten und sich in den Denkhorizont der damaligen Zeit einfügten. Dieser Denkhorizont ist uns fremd (geworden) und damit auch die Ergebnisse der theologischen Entwicklung, die zu Dogmen wurden.
      Das lässt sich in der Eingangsformel zum Gottesdienst nicht unterbringen, doch mir ist wichtig deutlich zu machen, dass hinter den uns inzwischen unverständlichen Formeln Entwicklungen stehen, die bei Bedarf und Gelegenheit darzulegen wären. Darum habe ich, und werde es wohl zukünftig immer tun, der Formel einen Satz angefügt, der deutlich macht, dass es sich um eine Entwicklung handelt. Damit wird Raum für Neuinterpretationen eröffnet:
      »Es gehört zu den grandiosen Leistungen der frühen Christenheit, im Rückblick auf das Wirken und Leiden Jesu von Nazareth und mit Rückgriff auf die Facetten des alttestamentarischen Gottes eine Gottesvorstellung entwickelt zu haben, die mit der Figur des Heiligen Geistes zukunftsoffen ist, zukunftsoffen auch über unsere Endlichkeit hinaus.«
      Und so wie die frühen Christen verantwortlich waren, den Verlust ihres Heilandes zu „verarbeiten“, umzudenken und ihre Zweifel aufzulösen, so sind wir heutigen Christen verantwortlich, unser Denken und Tun in den heutigen Zeit¬hori¬zont einzupassen – und da sehe ich in erster Linie die Beachtung und Bewahrung der Menschenrechte, man kann sie auch als Explikation der Nächstenliebe in unserer Zeit auffassen. Dafür wäre dann das Gleichnis vom barmherzigen Samariter als Ausgangspunkt zu nehmen.
      Was Sie über die katholische Kirche schreiben, – da gebe ich Ihnen vollkommen recht, auch unter Verweis auf die Menschenrechte. In unserer Schwesterkirche sollte man zu einer Neuinterpretation des Naturrechts kommen, dann hätte man weder mit der vollen Gleich¬stellung der Frauen Probleme, noch mit den menschlichen Ausprägungen von Sexualität – wobei die Pädophilie auszunehmen wäre.
      „Ich wollte nie so werden wie meine Erzeugerin und ich bin sicher, nicht so geworden zu sein und deswegen habe ich auch meinen inneren Frieden und eine innere Freiheit.“ Das war sicher nicht einfach und ist schon für sich genommen, eine beachtliche Lebensleistung.

      Ihr Mail vom letzten Jahr im Oktober muss irgendwie bei mir untergegangen sein. Auf der Suche danach stieß ich darauf – und es war ungeöffnet. Da hätte ich natürlich antworten müssen. Doch nun nehme ich an („Ich werde jetzt erst einmal Zeit für mich brauchen“), dass sie Ihre Trauer „gezähmt“ haben. Wenn nicht, dürfen Sie sich gern melden.
      Herzliche Grüße
      Dierk Schäfer, Freibadweg 35, 73087 Bad Boll, Tel: 0 71 64 / 1 20 55

      • Erika Tkocz said, on 26. Juli 2019 at 12:20

        Lieber Herr Schäfer,

        vielen Dank für Ihre schnelle Antwort, bei der gegenwärtigen Hitze ist es nicht selbstverständlich.
        Es stimmt, über die Trinität wird wenig nachgedacht, weil es beim Kirchgang wohl eher ritualisiert ist und ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, ob in den früheren Jahren beispielsweise der Konfirmandenunterricht solche Themen abgearbeitet wurden. Letztlich ist es aber auch so, dass man sich (und auch ich) erst im Laufe der Jahre und durch bestimmte Erfahrungen Fragen stellt, auf die man eine Antwort sucht. Was mir aber immer in Erinnerung geblieben ist und mich sicherlich auch immer positiv begleitet hat, ist die Geschichte des „Barmherzigen Samariters“ und ich finde es absolut nachvollziehbar, die Nächstenliebe mit dem Grundgesetz in Verbindung zu setzen –ja damit haben Sie mich erreicht- da öffnen sich gerade bei mir neue Horizonte.

        Es ist mir nun verständlich, die Kreuzigung und der damit verbundenen Trauer- insbesondere der Jünger- die Idee über die Endlichkeit hinaus zu kommen besser zu verstehen. Es ist interessant dieses einmal aus dem Blickwinkel von Verlust bzw. Trauerarbeit zu betrachten. Wenn nun durch die Figur des Heiligen Geistes dieses „zukunftsoffen“ (gefällt mir sehr gut der Begriff) über unsere Endlichkeit hinaus ist, so ist dieses „zukunftsoffen“ ja auch in vielen anderen Bereichen so und nicht anders zu betrachten, was Sie folgerichtig beschrieben, also unser Denken und Tun dem heutigen Zeithorizont einzupassen. Wenn die katholische Kirche hier an ihre starren Regeln festhält muss es dann offensichtlich andere Gründe haben und da diese Kirche doch fast ausschließlich von Männern geprägt wird, geht es dann ja auch wohl nur um deren Vorteile und ich denke die Menschen in dieser Kirche spüren das und die Diskrepanz zwischen den erstarrten Ansichten dieser Männer und dem Bedürfnis der Menschen doch eher ihre Kirche „zukunftsoffen“ verändern und leben zu wollen führt ja zu diesen ständigen Konflikten. Wenn man bedenkt, dass die Wurzeln unseres Wertesystems doch in der Religion zu finden sind, wird es in der Gegenwart offensichtlich nicht deutlich genug, dass Menschen hier in der Kirche –bzw. durch die beiden Kirchen eine Sinnerfüllung sehen und finden. Die Kirchenaustritte nehmen zu und das in beiden Kirchen und ist sicherlich nicht nur begründet durch die vielen Skandale in der Gegenwart und das Versagen in der Vergangenheit, wenn ich an die Nazizeit denke, wo ja die Kirchen mit wenigen Ausnahmen mit den Nazis paktiert haben. In der Gegenwart zu den vielen Problemen wird die Kirche auch nicht deutlich genug, sei es der Klimawandel, das Flüchtlingsproblem und besonders in einer Stellungnahme zur AFD. Da habe ich beispielsweise die Kirchen vermisst, als wir letztes Jahr hier in meiner Stadt eine große Demo gegen die AfD hatten. Da hängt bei mir gedanklich immer fest, „die Kirchen haben sich nicht in der Politik einzumischen“ und das ist nicht zeitgemäß und christliches Tun sollte sich doch hier auch zeigen. Es gab keinen lauten Aufschrei, als die AFD anfing sehr werbewirksam ihr angebliches Christentum hervorzuheben und wieso lassen beide Kirchen so etwas zu? Politisches Handeln beschränkt sich doch nicht auf die Vertreter der Politik, sondern zeigt sich auch durch UNS, denn WIR entscheiden mit, weil WIR letztlich jene Menschen sind, die in Form von Demonstrationen zeigen, was wir von dieser Sturmtruppe (AfD) halten, wie wir uns Klimafreundlich/-oder feindlich verhalten und wo bleibt da die Unterstützung der „Fridays vor Future“ und vieles mehr. Ich bin ganz sicher, lebte Jesus noch, wäre er da ganz vorne bei solchen Demos und überhaupt wäre er hier deutlicher zu den heutigen Problemen. Hinter jedem politischen Handeln steht ein Wertesystem und hier ist das christliche Wertesystem deutlich gefragt und ich bin ganz sicher, dass zum Klimawandel die Schöpfungsgeschichte „zukunftsoffen“ betrachtet werden kann. In der damaligen DDR hatten die Kirchen eine große Bedeutung die sich auch im Handel zeigte und daraus hätten die Kirchen lernen können.

        Ich habe neulich das Interview mit Joachim Gauck geschaut und war erschrocken wie weit er von der Realität entfernt ist, denn seine These den Dialog mit Rechtskonservativen zu führen hört sich so harmlos an und der Mann beschreibt seine sukzessive Annäherung zu dieser Thematik. Anfänglich fand ich es nachvollziehbar, aber dennoch einen grundsätzlichen Fehler enthält, weil es bei der AfD nicht um Rechtskonservative handelt, sondern um eine Partei die sich zunehmend radikalisiert hat und auch als Inhalte nicht einmal im Ansatz christliche Werte vertritt. Da macht der Mensch sich so viele Gedanken um Toleranz um als Facit nun den Dialog zu suchen. Nein Gauck ist kein gutes Aushängeschild für die Kirchen, denn als Theologe gehört er ja auch dazu. Was für abstruse Denkprozesse hat dieser Mensch, wenn er meinte, dass die 68iger Kultur die Auffassung vertrat, dass alles was nicht mehr links sei, hier schon als Faschismus bezeichnet wurde eine schlechte Herleitung für die Gegenwart. Auf dieser Grundannahme zu seinem Verständnis von Toleranz zu kommen, ist eine abstruse Herleitung und ein fatales Zeichen. Toleranz so wie er sie betrachtet ist keine Zumutung, aber er hat sich nicht damit auseinander gesetzt ob die AfD, die Pegida tatsächlich mit dem Grundgesetz zu vereinbaren sind und da schließt sich für mich der Kreis von christlichen Werten, denn da hätte Gauck eher die AfD im Kontext der christlichen Werte auf der Grundlage des Grundgesetzes betrachten sollen. Ich gehe nicht davon aus, dass Gauck ein AfD Sympathisant ist, aber zu diesem Thema zeigt er sich sehr unsensibel, setzt mit seinem Verständnis der Toleranz falsche Signale.

        Ihre Annahme zum Schluss ist richtig, auch wenn ich bedingt durch eine OP eine schwierige Zeit hatte, werde ich zunehmend aktiver, besten Dank für Ihr Angebot.

        Kommen Sie gut durch die Hitze,
        ganz liebe Grüße Erika Tkocz

      • ekronschnabel said, on 26. Juli 2019 at 16:51

        Liebe Frau Tkocz,
        Sie scheinen in einer anderen Welt zu leben, Sie wundern sich darüber, dass die Kirchen zu Gaucks Aussage bezüglich des Umgangs mit der AFD sagte? Ich wundere mich über Sie. Die Kirchen waren stets die treuesten
        Gedankenverwandten des rechten Spektrums. Unter dem braunhaarigen Arier aus Braunau diente die Masse der Kirchen willig, die Diakonie stellte Diakone als Bewacher der Moor-KZ`s, die Diakonie Schleswig-Holstein betrieb ein eigenes KZ zur Ausbeutung unerwünschter Menschen.
        ugen
        Kirchen, Judikative und Exekutive waren stets rechtslastig. Putin, der Ex-Kommunist, ist heute der beste Freund der Popen, die die zweite Macht im Zarenreich des Wladimir sind. Bei uns eilen die politischen Spitzen willig zu den Kirchenfürsten, wenn die Fest`chen feiern. Und Sie zeigen Verwunderung? Sie sehen, ich verkneife mir nichts – denn so bleibe ich gesünder und verliere die Realität nicht aus den Augen. Meine Erfahrung mit allerhand Theologen: Viele Teo`s, die einfach logen. Gewollte Verallgemeinerungen sind nicht beabsichtigt, würde jetzt ein Theologe sagen…

  4. ekronschnabel said, on 23. Juli 2019 at 10:05

    Nachtrag, weil die Technik gesponnen hat: Muss heissen…
    Die finanziellen Verluste durch Austritte übersteigen in wenigen Jahren die Summen, die hätten aufgewendet werden müssen, um sich als moralisch gebesserter Täternachfolgeverein verkaufen zu können. PR und Finanzwirtschaftsgrundsätze sind den Popen missraten, weil sie missratene Brüder sind.

    • dierkschaefer said, on 26. Juli 2019 at 18:26

      Lieber Herr Kronschnabel,
      Ihre leidvollen Erinnerungen in Ehren. Heute engagieren sich die Kirchen beim Kirchenasyl, laden die AfD nicht zum Kirchentag ein (dabei wäre es lustig gewesen, die Störchin beim Vulva-Malen dabei zu haben). Es wäre noch mehr aufzuzählen, doch bei Ihnen ist das fehlinvestiert. Ich verkneife mir, was nach Kronschnabel-Art zu sagen wäre.
      In alter Verbundenheit
      herzlichst
      ds

      • ekronschnabel said, on 26. Juli 2019 at 19:45

        Für die Gesundheit ist es nicht gut, wenn Sie sich was verkneifen, lieber Herr Schäfer. Die Störchin beim Vulva-Malen…ein schöner Gedanke. Und dazu den Höcke, der mit dem Gauland tanzt…Zu Kirchenasyl lief gestern was in der Kiste. In Bayern geht die Staatsanwaltschaft deswegen gegen einen Pfarrer vor. Sehen Sie, da bin ich bei dem Pfarrer, Sie verkennen meine Art. Bei uns wurde ein AFD-Plakat berichtigt. AFD steht
        demnach für „Arschlöcher für Deutschland“. Das unterschreibe ich. Schönes Wochenende, wir hören uns.

  5. ekronschnabel said, on 24. Juli 2019 at 21:37

    Guten Abend Frau Tkocz,

    ich erlaube mir, auf Ihren an Dierk Schäfer gerichteten Kommentar und auf einen Punkt darin einzugehen.
    Sie schreiben, dass Sie die Kirche nicht verteufeln können, weil Sie dadurch die Menschen ablehnen würden, die sich kirchlich engagieren. Das sehe ich anders. Sie werden mit meiner gegen die Firmen Kirche gerichteten Kampfweise nicht einverstanden sein, sagt mir Ihre Denkweise. Für mich kein Problem, weil ich zwischen kirchlichen Institutionen und deren „Köpfe“ und den Gläubigen und den weisungsgebundenen Mitarbeitern unterscheide.

    Zumindest ich trenne wie beschrieben. Täte ich es nicht, hätte ich die Fehden mit den Kirchenfürsten niemals
    führen können. Die mit brauchbaren „Entschädigungen“ Opfer wären leer ausgegangen, wenn ich Ihre Denkweise hätte. Das ist keine Kritik an Ihrer Denkweise, die habe ich nicht zu kritisieren. Ich stelle nur meine
    Denkweise und die damit erzielten Vorteile für die Opfer dagegen.Das hatte ich bei meinem Vorgehen zu bedenken, weil ich anfangs reichlich naiv war und gesittet an die juristischen Täternachfolger heran ging. DAFÜR verhöhnten die zahlungsunwilligen Herrschaften uns Opfergruppe. Das unterliessen die erst, als ich genau das tat, was Sie ablehnen: Ich griff zum ganz dicken Knüppel, nagelte die feinen Herren an die Moraltafel, hielt ihnen den Spiegel vor. Von da an „lief“ es…und Sie bekamen mit, was aus den Klingelbeuteln heraus geholt
    wurde. Mit Gutmenschenhandlungen ist den Kirchenchefs nicht beizukommen. Die spielen auch die eigenen
    Mitabeiter übelst an die Wand.

    In Kirchenkreisen gibt es einige aufrechte Kleriker, die meine Denk- und Arbeitsweise mittrugen und heute noch
    mittragen, weil sie sofort begriffen, gegen WEN ich agierte. Einer davon stellt uns seinen Blog zur Verfügung, andere informieren über Internas, weil sie die Handlungsweisen der „Chefs“ nicht akzeptieren. Wenn ich Ihre Rücksichtnahme hätte, hätten die Klingelbeutelverwalter die Mitglieder unserer Opfergruppe ebenfalls mit lächerlichen 5000 Euronen abgefertigt. Ich bewundere Sie wegen Ihrer Denkweise.

    • Erika Tkocz said, on 25. Juli 2019 at 01:02

      Lieber Herr Kronschnabel,
      dann möchte ich Ihnen einmal antworten und gleich einmal vorweg, ganz sicher geht es nicht darum, ob ich mit Ihrer Kampfweise einverstanden bin oder nicht, weil ich es nicht beurteilen kann, welcher Weg Ihrer speziellen Arbeit richtig gewesen wäre. Sie beschreiben diesen und er ist auch für mich nachvollziehbar, nur muss diese Kampfweise nicht immer richtig sein. Immerhin differenzieren Sie ja schon bei der Kirche und Ihre Kampfweise hat sich ja auf diesen von ihn genannten „Kirchenfürsten“ gerichtet. Mir ging es bei meinem posting -und meiner grundsätzlicher Denkweise- darum, Menschen die für die Kirche arbeiten nicht per se zu verdammen, weil sie für die Kirche arbeiten und da sehe ich jetzt in Ihrem posting nicht wirklich einen all zu großen Widerspruch. Es fällt mir schwer Ihnen eine Antwort darauf zu geben, dass ich offensichtlich mit meiner Denkweise nichts erreicht hätte, ich kann ja nicht das Gegenteil beweisen, aber ich kann einmal einen kleinen Ausschnitt meiner Arbeit für die Ehemaligen beschreiben.

      Bei mir haben sich damals, als die Ehemaligen ihre Anträge bei den Anlaufstellen machten so Einige gemeldet. Die Gründe waren unterschiedlich, Einige waren hoffnungslos überfordert, einige hatten aber auch schon Kontakt zu der jeweiligen Anlaufstelle und erreichten nichts. Es gab unterschiedliche Gründe, aber es waren auch Ehemalige dabei, die recht forsch zu den Anlaufstellen gingen, mit der Faust auf den Tisch schlugen und die Tür dann hinter ihnen zuging. Natürlich gab das grundsätzliche Dilemma darin, dass es Mitarbeiter bei den Anlaufstellen gab, die kaum Ahnung hatten von der Heimerziehung geschweige denn im Umgang mit aggressiven Menschen wussten was zu tun war. Es sprach sich herum, dass ich da was machen kann und so wurde ich für Viele und insbesondere für jene Ehemaligen, die aus ihren traumatischen Erfahrungen heraus nun einmal so sind wie sie sind eine Art Übersetzerin. Ich habe nun einmal nicht die Tür der Anlaufstellen eingetreten sondern mit meiner Art-so wie ich nun einmal bin-erklärend interveniert. Die Bosse dieser Ämter –sie stehen ja ganz oben in der Hierarchie- waren auch mehrheitlich ganz in Ordnung. Ich war damals dabei, als einige Mitarbeiter des damaligen Lenkunsgausschusses das Konzept für die Anlaufstellen vorstellten und es gab einen sehr großen Tumult. Sie haben fast identisch argumentiert wie wir damals, wie demütigend dieses Verfahren ist und da ging es absolut rund. Ich fand es super und habe zum ersten Male die Erfahrung gemacht, dass diese Menschen nicht auf der anderen Seite stehen, sondern genauso empört waren wie wir und so viel es mir später nicht schwer mit der jeweiligen Anlaufstelle für ehemalige Heimkinder die Tür wieder aufzubekommen.
      Ein anderes Problem waren Patienten meiner Station, die weder den Runden Tisch kannten, noch wussten, dass sie nun Anträge stellen können, denn diese Patienten wären nie zu einem Amt gegangen, denn sie hatten viel zu viel Angst. Es war kein Problem, inzwischen kannte ich ja die Mitarbeiter der Anlaufstelle meiner Stadt, also haben wir Termine auf meiner Station ausgemacht. Letztlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich da wohl die „Richtige“ war und so wie Sie mit Ihrer Art für die Ehemaligen etwas erreicht habe, so habe ich mit meiner Art für Ehemalige etwas erreicht und ich habe hier nur einen sehr kleinen Ausschnitt meiner Tätigkeit beschrieben.

      Letztlich geht oder ging es doch sowohl Ihnen als auch mir darum, für Ehemalige etwas zu erreichen und ich spreche Ihnen da nicht Ihre Arbeit ab, aber umgekehrt würde ich schon erwarten, dass auch Sie nicht davon ausgehen sollten, dass meine Denkweise wie Sie es bezeichnen nicht auch wirkungsvoll sein kann. Letztlich kommt es immer auf jene Menschen an, mit denen man etwas zu tun hat und meine grundsätzliche Einstellung dazu habe ich ja geschrieben.

      Selbstverständlich gibt es Menschen in den Kirchen, die alles andere als einfach sind und mit Ihnen muss man möglicherweise anders umgehen. Allerdings verallgemeinern Sie auch oft und das kann ich für mich nicht nachvollziehen, aber ich würde hier auch nicht dazu Stellung beziehen wollen und auch Ihr vorletzter Satz ist für mich nicht diskutierbar:
      „Wenn ich Ihre Rücksichtnahme hätte, hätten die Klingelbeutelverwalter die Mitglieder unserer Opfergruppe ebenfalls mit lächerlichen 5000 Euronen abgefertigt.“

      Ein starker Satz Herr Kronschnabel, der so gar nicht zu Ihrem letzten Satz passt. Ich verkneife mir hier eine Antwort, aber gerade weil ich mir aus bestimmten Gründen so vieles verkneifen muss, macht es für mich auch keinen Sinn, auf die sonst hier geschriebenen posting generell zu antworten.
      Liebe Grüße Erika Tkocz

    • Rolf Schmidt said, on 12. August 2019 at 17:27

      ES ist für mich verwunderlich, das es immer noch Kämpfer, aus alten Tagen gibt die nie aufgeben. Ich habe schon lange meinen Glauben an Gerechtigkeit, für Heimkinder verloren.MfG. Rolf

  6. ekronschnabel said, on 26. Juli 2019 at 17:00

    +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
    Lieber Herr Schäfer,

    die Blog-Technik spinnt nicht schlecht, die chronologische Abfolge der Beiträge funktioniert nicht, wer hier als Leser unterwegs ist, kriegt Horror.

    +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

  7. Erika Tkocz said, on 26. Juli 2019 at 21:40

    Auch wenn es hier Herr Kronschnabel momentan nicht eine chronologische Reihenfolge gibt, gehe ich davon aus, dass sie wissen auf welches posting sich jetzt meine Antwort bezieht.

    Sie schrieben, dass ich in einer anderen Welt lebe, worauf Sie das beziehen weiß ich nun nicht, aber ich gehe davon aus, Sie halten sich für einen Menschen, der grundsätzlich immer Recht hat und sich überhaupt als ein ehemaliges Heimkind die Freiheit erlaubt, grundsätzlich den Dreckkübel über Jeden und Alles auszuschütten. Sie dürfen das ja, weil Sie sich in der Opferrolle befinden.

    Als ich vor 10 Jahren in ein erstes Forum ehemaliger Heimkinder ging, schrieb ich gleich am Anfang, dass ich kein Opfer bin, denn aus Opfer können Täter werden und da hatte ich ja reichhaltige Erfahrung mit meiner Erzeugerin. Auch Sie meinen sich alles erlauben zu dürfen, aus dieser Opferrolle heraus. Sie haben also diesen Freibrief Ihren Hass auf Alles und Jeden der Ihnen in die Quere kommt auslassen zu dürfen. Ja da lebe ich wohl in einer anderen Welt als Ihre Welt.

    Sie haben mein Posting nicht einmal im Ansatz verstanden und leben in einer Welt, die sich vor allen Dingen darin auszeichnet „Draufzuhauen“.

    Dieses soll aber auch eine der wenigen und letzten Antwort an Sie gerichtet sein, denn es ist sinnlos mit Ihnen zu kommunizieren, denn das würde voraussetzen, dass Sie sich doch zumindest einmal die Sichtweise eines anderen Menschen anschauen.

    Erika Tkocz

    • ekronschnabel said, on 26. Juli 2019 at 23:00

      So so, Sie sind kein Opfer, sagen Sie. Sie sind Opfer Ihrer selbst, aber ich freue mich drüber, dass Sie hier endlich Ihr wahres Gesicht zeigen. Was Ihr kranker Kopf über mich von sich gibt interessiert nicht mal einen unserer Hunde. Wir hatten einen Kunden, der Chef einer Psychiatrie war. Aussage seiner Frau: „Nach 25 Jahren Arbeit in der Psychiatrie hat jeder der dortigen Mitarbeiter „einen weg“, alle Aussenseiter werden als Patienten gesehen“.
      Die Frau scheint Recht zu haben. Gute Besserung. Ehrlich gesagt: Hoffnung habe ich nicht wirklich.
      Übrigens: Gauck kenterte heute mit seiner Yacht auf der Ostsee, lebt aber. Gefällt Ihnen nicht, schon klar, passt nicht in Ihr krankes Weltbild, dieser Gauck. Meine Fresse, in Ihrer Haut möchte ich nicht stecken. Schöne Zukunft wünsche ich.

      • dierkschaefer said, on 26. Juli 2019 at 23:17

        Stop it!

      • ekronschnabel said, on 26. Juli 2019 at 23:48

        Meinen Sie mich oder Frau Tkocz?
        Wer austeilt muss auch einstecken, Herr Schäfer. Sie können gerne löschen.

      • dierkschaefer said, on 27. Juli 2019 at 23:26

        lieber herr kronschnabel, natürlich sind sie gemeint, denn mein kommentar war eine antwort auf ihren. es ist zum mäusemelken, wenn man mit ansehen muss, wie die ehemaligen heimkinder übereinander herfallen. frau tkocz hat ihnen sehr moderat geantwortet – und sie holen den knüppel raus. das mag bei kirchens ja funktioniert haben. vielleicht ist es auch ein unterschied, ob ein mann wie die axt im walde auftritt oder eine frau.
        wie dem auch sei: ich schätze es nicht, wenn in meinem blog ehemalige heimkinder in dieser art angegangen werden. vor langer zeit hatte ich einen sehr intensiven mailwechsel mit einer ehemaligen, geradezu freundschaftlich. die freundschaft beendete ich, als sie einen ehemaligen schlechtmachte. schade, doch für mich war eine rote linie überschritten. schade, sie war sehr intelligent, geistreich, auch witzig. leider ist von ihr seit 10 jahren nichts mehr im netz zu finden.

  8. Werner Boesen said, on 27. Juli 2019 at 10:27

    Die letzten Blogbeiträge zeigen mir auf, dass Vergebung noch nicht greift bei fehlenden Einsichten von Tätern und solchen die für Täter Partei ergreifen. Solange Täter sich ihrer Verantwortung nicht bewusst zu sein brauchen, können Opfer nur wo anders ihre Heilung erfahren und brauchen weltliche Gerichte. Ein Austritt aus diesen Kirchenvereinen ist zwingend ratsam, denn diese Vereine können kaum Heilung bewirken. Die Kirchen in Deutschland sind jedoch neben dem Staat die zweite Marktmacht und wie in jedem Unternehmen bei Missbräuchen auch die obersten Verantwortlichen bestraft werden, so fehlt dies bei den Kirchen. Dazu trägt das Konkordat bei, der Staatsvertrag von 1933 zwischen Hitlerdeutschland und damaligem Vatikan, das heute noch gilt. Und danach brauchen auch heute die Kirchen nicht in ihre „Heime“ ohne Voranmeldung reinschauen zu lassen. Wenn einem/r Erzieher/in „die Hand ausrutscht“, dann bleibt das auch heute noch im vertrauten Erzieherkreis. Kraft Elternrecht nach Artikel 6 unseres Grundgesetzes haben auch Erzieher gleiche Kompetenzen und können sich intern austoben, vor allem auch verbal. Der Begriff Kindeswürde bleibt ein Fremdwort und braucht seine Fixierung in der Staatsverfassung, im Grundgesetz, das gleichsam Lehrbuch für alle Bürger ist. Neben dem Kreuz wäre das Symbol eines unschuldigen Kindes zu setzen, das nach christlicher Lehre keine Vergebung kennt, weil es keine Schuld kennt. Das Gleichnis vom Mühlstein wäre jedem/r Erzieher/in eingehend zu vermitteln.

    • ekronschnabel said, on 27. Juli 2019 at 13:23

      Oh Werner, auch du gehörst zu denen, die nicht schafsblöde die Wange hinhalten. Du mokierst dich auch über die Täter, du wirst also niemals zu den Gutmenschen zählen, die die Täterseite verstehen und den Konsens mit ihr suchen. Du bist verloren…
      Meine Tochter las die letzten Kommentare mit und fragt sich als Medizinerin, was einem Mensch passieren muss, dass er als Opfer zum Versteher der Täter wird. Mit Toleranz habe das nichts mehr zu tun, meinte sie, das grenze schon an Schizophrenie. Stockholm-Syndrom? Gutmensch bist du erst dann, wenn du die Täter verstehen kannst, ihnen vergibst und es zulässt, dass sie dich erneut zum Opfer machen?
      Na, da bleibe ich doch bei meiner direkten Art und pfeife drauf, wenn mich selbsternannte Gutmenschen kritisieren und ihr wahres Gesicht zeigen, das mit Gutmenschentum nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Du solltest die Kritik gegenüber den Kirchen auch einstellen, rate ich dir…es sei denn, es interessiert dich auch einen Dreck, was selbsternannte Gutmenschen von dir denken.

      • Werner Boesen said, on 28. Juli 2019 at 09:57

        Wenn sich jemand als Gutmensch bezeichnet trägt er die Lüge in sich, denn jeder Mensch ist fehlbar. Ich brauche mit Tätern nicht zu sympathisieren (Stockholm-Syndrom), denn ich konnte die Täter als Kind über sechs Jahre kennen lernen inkl. Bibelstudium. Wie ich ausführte, gibt es für Kindesmissbrauch seitens des Kindes keine Vergebung, da das Kind als schuldunfähig gilt und deshalb auch mit Vergebung nichts anfangen braucht. Täter sind aus der Kinderwelt zu entfernen, im Gleichnis vom Mühlstein ist die Entfernung aus der Glaubensgemeinschaft, zumindest das Fernhalten von den Kindern durchzusetzen. Da mir früh die Erkenntnis kam, dass unsere Gesellschaft dies nicht leistet, blieb mir nur meinerseits der Austritt aus diesen Kirchenvereinen. Aufgrund meiner Erfahrungen in einem kath. Waisenhaus der 1960er Jahre bin ich der Kinderwelt verpflichtet und kämpfe mit theoretischem Wissen verschiedener Wissenschaftsdisziplinen um Kindergefahren durch Gutmenschen deutlich zu machen. Es ist jedoch ein harter Kampf, denn auch die Religion kleidet sich in den Anspruch, Wissenschaft zu betreiben. Und dies ist schon ein Paradoxon, denn Religion lebt vom Glauben an ein überirdisches Wesen, das nicht existiert. Religion ist damit eine Scheinwelt und ist für mich nichts anderes wie Mystik und Esoterik. Doch die meisten Menschen brauchen Religion, brauchen einen zusätzlichen „Hafen“, der neben der Familie einen Zufluchtsort hat, vor allem, wenn die Familie zerfällt. Ich brauche daher auch die Religion nicht zu kritisieren, sondern die Kirchen, die Religion nach ihrem Belieben leben und auch noch meinen, eine Rechtfertigung für Kindesmissbräuche zu liefern. Es interessiert mich daher nicht, was selbsternannte Gutmenschen von mir denken, denn es sind Lügner vor Gott.

  9. ekronschnabel said, on 27. Juli 2019 at 20:48

    Betreff „stop it“

    Lieber Herr Schäfer,
    ich nahm mir die Zeit, die Tkocz abzugooglen – und weise Ihr „stop it“ zurück. Seit 2010 agiert die Tkocz in zahlreichen Foren, spielt sich als Versteherin aller nicht zu verstehenden Dinge auf, legte sich mit zahlreichen
    Leuten an (ich nenne nur Martin Mitchell) und schaukelte sich mit Wiegand ins Land der Gutmenschen. Sie reagierten sogar auf die Tkocz-Touren, lesen Sie Ihre eigenen Kommentare. Heidi Dettinger äusserte sich schon
    damals zu dem intriganten Verhalten der Tkocz.
    Ich lag mit meinen klaren Worten schon richtig, die „Dame“ verlor aufgrund meines Angriffs die Beherrschung und zeigte ihr wahres Ich. Ihr „stop it“ geht fehl. Sie scheut sich in diversen Foren keineswegs ihr nicht genehme Leute harsch und bösartig anzugehen, bis hin zur direkten Frage, ob der Typ ein Nazi sei.

    Also, beim Namen Tkocz setzte ich ab sofort die Mütze verkehrt herum auf, damit ich näher an die Feindperson
    komme. Die und Wiegand spielten „Wir sind wichtig, alle anderen Leute sind blöd“. Und was brachte dieses Gespann für die Heimkinder auf die Reihe? Sie kennen die Ergebnisse. Wiegand konnte mir nicht mal einen gescheiten Satz liefern, der Wicht aus Reutlingen, mit Doktorchen vorweg. Tkocz, Sabine S. (die mir im Blog
    rotzblöde unterstellte, Geld für meine Bemühungen zu nehmen, Sie erinnern sich vielleicht), perfekte Intrigantinnen, das geht seit 2010 durch die Foren der Heimkinderszene.

    Na, auf solches Wild bin ich als Jäger geeicht, diese Sorte kommt mir genau richtig. Höhenflüge einer angeblichen Psychologin und Krankenschwester oder einfach eine kranke Schwester?

    • sabine s. said, on 17. August 2019 at 01:15

      Herr Kronschnabel! Oh, dass Sie sich nach sehr langer Zeit meiner Abwesenheit hier noch an mich erinnern!!!. Damit kann ich gut leben.
      Unhaltbar finde ich die Hetze, die Sie gegen Frau Tkocz hier in einem von einem Pastor geführten Blog anzetteln.
      Da muss ich mich doch wundern, dass das so hingenommen wird und dieser Dreck noch immer hier zu lesen ist. Im christlichen Sinne die linke Wange hinhalten wenn die rechte bereits blutig geschlagen worden ist?

      Sabine S.

      • dierkschaefer said, on 17. August 2019 at 05:59

        Hetze hier in einem von einem Pastor geführten Blog? Ja, das irritiert.
        Ich habe gelernt, dass manche Heimkinder ihren Hass brauchen, um mit ihren Erinnerungen leben zu können. Das Buch von Erika Kerstner u.a. „Damit der Boden wieder trägt – Seelsorge nach sexuellem Missbrauch“ hat mich gelehrt, die unsäglichen Hasspsalmen zu verstehen, die wir im Gottesdienst nachplappern. Herr Kronschnabel ist nun ein besonders rigoroses Beispiel, ein Dokument sozusagen. Ich habe ihm oft widersprochen, aber zensieren möchte ich ihn nicht. Ich habe aber den Eindruck, dass er sich inzwischen aus dieser Diskussion ausgeklinkt hat. Er wird wohl Gefangener seines Hasses bleiben, was ich schade finde. Denn zukunftsfähig ist nur die Weiterentwicklung, auch die persönliche.
        Ich habe soeben in anderem Zusammenhang einem Gesprächspartner geschrieben, „Sie haben Recht, die Kirche sollte gerade wegen ihres Anspruchs weder ausgrenzen noch vereinnahmen.“ Das bezog sich auf ihre wirtschaftliche Tätigkeit. Doch das möchte ich auch für meinen Blog gelten lassen. Widerspruch, ja, Zensur, nein; es sei denn jemand schreibe hier ohne persönlichen Leidenshintergrund Hassparolen, womöglich verbunden mit Aufrufen zu kriminellen Handlungen.
        Im Übrigen vertraue ich auf die Diskussion der Leser hier im Blog und bin Ihnen für Ihren Kommentar dankbar.
        (Damit der Boden wieder trägt – Seelsorge nach sexuellem Missbrauch https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/01/25/damit-der-boden-wieder-traegt-seelsorge-nach-sexuellem-missbrauch/ )

      • ekronschnabel said, on 17. August 2019 at 07:04

        Abschliessend an die Mitmenschen, die sich hier christlich gerieren und in dem Glauben leben, dass ihre gegenteiligen Handlungen vergessen wurden:

        Das Netz vergisst keinen Buchstaben. Wie wollen Scheinheilige widersprechen, wenn jeder Mensch nachlesen kann, was schriftlich geäussert wurde? Tkocz`s Aktionen sind dokumentiert, das Gelaber anderer SchaumschlägerInnen auch, es juckt also keinen denkenden Menschen, ob hier scheinheilige Empörung an`s Ufer schlägt oder nicht. Sabine S. dokumentierte ebenso wie ich, alles ist nachlesbar und es ist oft besser, das Mäntelchen der Scheinheiligen abzulegen, um nicht einen zusätzlichen Buchstaben zu gewinnen: Das kleine „w“
        macht die Scheinheiligen blitzschnell zu Schweinheiligen.
        Und, Sabine S., wer nicht mal mit seinem vollen Namen agiert, sollte grundsätzlich den Mund und die Pfoten vor der Tastatur still halten. Anonymes Gelaber hat den Wert von Strassenkehricht, er landet im Müll.

  10. Erika Tkocz said, on 28. Juli 2019 at 13:07

    Wenn Sie für sich den Anspruch hätten, die Heimerziehung allumfassend zu betrachten müssten Sie schon erst einmal betrachten, wer denn überhaupt für die damalige Heimerziehung verantwortlich war. Es ist eine sehr eingeschränkte Sichtweise sich hier ständig über die Kirchen auszulassen und nicht einzubeziehen, dass das System der Heimerziehung schon mehr ist und Bund, Länder und Kirchen zu diesem System gehören. Weiter sollte man auch jene Eltern mit einbeziehen, die in der Erziehung ihrer Kinder versagt haben, denn die gab es auch und waren sicherlich nicht die Ausnahme. Sexueller Missbrauch in der Familie, Gewalt und auch soziale Verwahrlosung waren Gründe für eine Heimweinweisung, auch wenn es Einweisungsgründe gab, die willkürlich vom Jugendamt getroffen wurden, auch eine nicht richterliche Anhörung (bei Jugendliche) – eine Pflicht gewesen wäre, sollte das nicht vergessen werden. Wenn man für sich den Anspruch hat ein Kind schützen zu wollen-und wer möchte das nicht-sollte sich nicht so einseitig mit der Thematik beschäftigen.
    An der Stelle, wo Sie nun von Tätern sprechen bedarf es schon einer Genauigkeit, wer denn Ihrer Auffassung nach Täter sind, denn sowohl Ihre Täter, als auch überhaupt die Täter unserer Zeit sind schon lange tot und in der Gegenwart sind jene Menschen, die für die Aufarbeitung der Heimerziehung die Verantwortlichen, bzw. es gibt eine Verantwortungskette und keine Frage, die haben versagt.

    Bezogen auf das Hier und Heute, was nun kirchliche Einrichtungen anbelangt passt Ihre Annahme sowieso nicht. Es wird auch nicht klar, wenn Sie nun meinen mit einen „Stockholmsyndrom“ bezeichnen zu müssen, aber es ist ja einfach sich seine eigenen Vorstellungen zurecht zu biegen um dann jene Menschen verunglimpfen zu können, die nicht in Ihrem Denkschema passen.

    Bedauerlicherweise schreiben in der Regel nur noch zwei Menschen hier im Blog, in einer Art und Weise die nicht dazu führt, sich wirklich einmal damit auseinander zu setzen, wie man Kinder im Hier und Jetzt besser schützen kann. Aber ich möchte doch zumindest einmal hier erwähnen, dass es Viele Ehemalige gibt, die auch in kirchlichen Einrichtungen arbeiten.

    So kenne ich beispielsweise einen Ehemaligen der in einem konfessionellen Kinderheim arbeitet und wenn ich darüber nachdenke, dass Sie ihn offensichtlich dann auch mit einem „Stockholsyndrom“ bezeichnen würden, finde ich das unverschämt. Er hat als Kind in seinem Heim auch Schreckliches erlebt und sexuellen Missbrauch, dass ich ihn bewundere, dafür wie er dieses überhaupt überleben konnte und dennoch das geworden ist, was er heute ist. Ich weiß, dass er gerade aufgrund seiner Erfahrung eine sehr gute Arbeit in seinem Heim leistet und ich stelle es mir nicht einfach vor, wie er es beispielsweise aushält, wenn –wie er mir einmal schrieb-ein dreijähriges Mädel dort ins Heim kam, weil sie von ihrem Vater sexuell missbraucht wurde. Ich weiß aber auch, er ist der Richtige gerade wegen seiner eigenen leidvollen Erfahrung diesem Kind das geben zu können, was es nun braucht. Wenn ich bedenke, dass sie nun ihn auch mit einem „Stockholm“ Syndrom bezeichnen würden, zeigt es einmal mehr, wie sehr Sie daneben liegen und offensichtlich in Ihrem Schwarz-Weiß Denken behaftet sind.

    Wie sehr hier nun im Blog Menschen verunglimpft werden, die sowohl Ihre als auch die Auffassung von Herrn Kronschnabel nicht teilen, wird hier ja deutlich. Bedauerlicherweise sind Sie beide nicht in der Lage über den Tellerrand hinaus zu schauen, denn aus unsere Geschichte zu lernen, wäre es notwendig.
    Leider ist es hier auch nicht möglich, sich mit dieser Thematik in der Art und Weise auseinander zu setzen, die es bräuchte um im Hier und Jetzt aus unsere Heimerziehung sinnvolle Schlüsse zu ziehen.
    Es geht wohl nicht anders, aber ich wünschte dieser Blog würde auch zu mehr genutzt werden, als zu Schwarz-Weiß Denken und ständigen unsachlichen- bis hin Beleidigungen, denn da frage ich mich schon, wo denn darin der tiefere Sinn besteht. Es ein denn für sich selber besteht kein weiter Anspruch, als sich hier ständig auskotzen zu wollen.

    So werden sie beide wohl hier alleine weiter machen müssen, denn sowohl Sie Herr Boesen als auch Herr Kronschnabel sind für mich keine Diskussionspartner, denn eine Diskussion sollte zulassen die Meinung andere hier schreibenden Menschen doch zumindest zuzulassen und nicht zu diesen Pöbeleien führen, die nicht nur hier in den letzten Tagen sondern schon eine sehr lange Zeit stattfinden.

    Herr Schäfer wird damit klar kommen und ich kann erfreulicherweise für mich entscheiden, wann ich hier etwas schreibe, was ich ja selten mache.

    • Werner Boesen said, on 29. Juli 2019 at 08:16

      Mit Opportunismus ist niemandem zu helfen. Ich empfehle David Archard: Children’s Rights and Childhood, 3. Auflage 2015

      • ekronschnabel said, on 29. Juli 2019 at 08:40

        Werner, wenn man die kranke Logik der Tkocz auf heute überträgt und Ursache und Wirkung ausser Acht lässt, geht das so: Durch die Einlieferung in ein Heim erhält der Heimbetreiber automatisch das Recht zu prügeln und zum sexuellen Missbrauch. Wie krank ist das denn, was die da von sich gibt???

      • dierkschaefer said, on 29. Juli 2019 at 09:53

        Die einzelnen Denkschritte dieser Logik würden mich interessieren.

  11. ekronschnabel said, on 28. Juli 2019 at 14:39

    Ich empfehle, sich die Zeit für das Googeln aller erreichbaren Tkocz-Kommentare im Netz zu nehmen und die
    Reaktionen zu berücksichtigen. Hier sind wir nicht im Diakonie-Forum, hier sind Anträge einer Frau Tkocz auf Sperrung ihr unliebsamer Kommentatoren wie im speziellen Fall Mitchell =“Der Australier“ nicht möglich. Und die Frau brüstete sich mit dieser hinterfotzigen Aktion auf dem Forumsplatz der Diakonie auch noch in anderen Foren. Da spucke nicht nur ich aus, das taten vor mir schon viele andere aus der Szene. Einfach mal googeln und lesen. Was die „Dame“ an anderen Menschen kritisiert übte sie selbst dummdreist und abgebrüht in der Praxis aus. Na, ich weiss damit umzugehen, ich werde notfalls auch zum Dentist, der Zähne zieht bzw. juristisch ziehen lässt.

  12. ekronschnabel said, on 29. Juli 2019 at 12:42

    @ Dierk schäfer

    Die Logik erkennen Sie nicht? Lesen Sie den Sermon der Tkocz, die sucht die Einweisungsursache bei Eltern etc. Wenn das Kind dann im kirchlichen Heim landet und geprügelt und missbraucht wird sind die Eltern die Schuldigen??? Beantworten Sie sich diese Fragen im stillen Kämmerlein, dann erkennen Sie die einzelnen Denkschritte. Auch für Sie mal ohne Kirche als Buhmann: Ein zu Freiheitsstrafe Verurteilter muss also ungesetzliche Prügelstrafen erdulden, eben weil er zu Freiheitsstrafe verurteilt wurde? Und die Justiz ist dann fein raus, weil der Verurteilte ja straffällig wurde, wäre die Tkocz-Logik. Ihre Frage an mich gibt mir zu denken, Herr Schäfer. Ursache und Wirkung sollten noch erkennbar sein, auch für Theopsycho-logen.

    Nee, es reicht jetzt wirklich, hier bin ich inzwischen völlig falsch. Ich blöder Hund liess mich auch noch auf eine
    Antwort ein.

  13. Erika Tkocz said, on 29. Juli 2019 at 14:33

    Es gibt unterschiedliche Gründe, dass Eltern nicht in der Lage sind ihre Kinder angemessen zu versorgen. Wenn man sich hier nur auf die Ebene der Argumentation beschränkt, Heime sind beschissen löst man nicht das Problem, wie man anders den Kindern helfen kann, was wäre tatsächlich sinnvoll für Kinder?
    Wenn das Wohl des Kindes an erster Stelle stehen sollte, darf man nicht so tun, als wenn Eltern nun alles richtig machen und wir uns keine Gedanken darüber machen brauchen, was denn nun richtig ist, sondern blind blieben für die unterschiedlichen Probleme die es im familiären Bereich gibt.

    Neben einer direkten Gewalt die Kinder erleben können, wirken sich aber auch indirekte Gewalt auf Kinder aus. Die Frauenhäuser sind ein gutes Beispiel dafür, was mit Kindern passiert, wenn diese Zuhause permanent erleben, dass die Mutter vom Vater geschlagen wird. Aber es würde zu kurz greifen, wenn man nicht der grundsätzlichen Frage nachgehen würde, wieso sich Frauen schlagen lassen und stößt sehr oft in der eigenen Biografie dieser Frauen auf Gewalterfahrung, aber auch Vernachlässigung und Lieblosigkeit. Ein Kind dass in seinem Elternhaus solche traumatische Erfahrung macht kann sich unterschiedlich entwickeln, keine Frage. Häufig ist es aber leider so, dass Frauen Hiebe mit Liebe verwechseln und leider durch eine eigene Wertlosigkeit an Männer geraten, die ein leichtes Spiel mit solchen Frauen haben. Es mag noch ein Zufall sein an solche Männer zu geraten, dieses aber auszuhalten oder selbst nach Trennung wieder an so einem Mann zu geraten ist überzufällig. Oft haben diese Frauen gar kein Gefühl dafür was denn ihre Kinder brauchen, weil ihnen ja selber die Erfahrung fehlt und so nimmt das Unheil seinen Lauf.

    Im Suchtbereich ist es ähnlich, denn da gibt es schon deutliche Zusammenhänge zwischen Sucht und Kindheitserfahrungen, Alkohol wärmt von innen und Kinder müssen schon früh lernen, die Rolle eines Erwachsenen einzunehmen. Hilfe ist da oft gar nicht möglich, denn das Thema Sucht ist mit sehr viel Scham verbunden und so sind die Kinder in diesem Familiensystem oft eingebunden, die betroffene Person vor der Außenwelt schützen zu müssen und das nicht nur aus Scham, sondern auch aus Angst die Mutter zu verlieren, denn Kinder machen alles um bei ihre Eltern zu bleiben was ja verständlich ist.

    Ein aber viel generelleres Problem ist die Tatsache, dass die Gesellschaft sich verändert hat und beide Eltern arbeiten müssen um überhaupt über die Runden zu kommen. Es wird anstrengend sich dann auch noch die Kraft aufzubringen, sich so um die Kinder zu kümmern, wie sie es brauchen und es ist da wohl einfacher die Kinder vor der Glotze oder vor dem PC abhängen zu lassen. Besonders drastisch ist es bei jenen Menschen, die gar nicht arbeiten gehen aus den unterschiedlichsten Gründen. Arbeit ist nicht nur dazu da um Geld zu verdienen, sondern sie strukturiert auch unser Leben und hat viele Funktionen und nicht zuletzt findet man bei arbeitslosen Menschen auch eine gewisse Inaktivität bis hin zu Depressionen. Keine gute Lernstätte für Kinder, aber auch noch lange kein Grund ein Kind ins Heim zu stecken.

    Allerdings löst man auch diese Probleme nicht, die Augen davor zu verschließen, denn sicherlich ist ein Heim die letzte Ultima Ratio, denn selbstverständlich fühlt sich ein Kind bestraft, wenn es in einem Heim kommt und kann auch nicht begreifen wieso es dann in`s Heim kommt, es sei denn es hat direkte körperliche Gewalt erlebt.
    Wenn Sie Herr Boesen angeblich das Kindeswohl im Auge haben, sollten Sie sich damit beschäftigen, welche Alternativen denn für betroffene Kinder in Frage kommen und wie kann man beispielsweise Kinder unterstützen die doch sehr extrem benachteiligt sind?

    Ich bin bestimmt nicht naiv genug, um nicht auch jene Probleme zu sehen die es bezogen auf der Heimerziehung gibt. Das Heim als lukratives Geschäft birgt sehr wohl die Gefahr, sich wenig um Alternativen zu bemühen und es hat hier auch üble Machenschaften gegeben, wenn ich mich richtig erinnere ein Heimleiter in Gelsenkirchen der im besten Einvernehmen mit dem Jugendamt seine Heimplätze immer voll belegt haben wollte. Aber nun alle Heime unter Generalverdacht zu stellen wird den Problemen nicht gerecht und ich habe nun einmal im Suchtbereich (und auch während meiner Studienzeit in einem Frauenhaus) gearbeitet und kenne zumindest die Auswirkungen auf die Kinder.

    Hier sich darauf zu beschränken, es reiche aus die Heime zu verteufeln und sich nicht der grundsätzlichen Problematik anschauen zu wollen, zeigt mir lediglich seine eigenen traumatischen Erfahrungen in den Vordergrund stellen zu wollen. Das können Sie Beide ja gerne tun und Sie Herr Kronschnabel machen da ja reichlich von Gebrauch, aber Herr Boesen hat doch da einen Anspruch das Kindeswohl im Auge zu haben. Ja dann bitte machen Sie sich auch Gedanken darüber, wie denn das Kindeswohl in der Praxis geschützt werden kann, da habe ich bisher nichts bei Ihnen dazu gelesen, was denn alternativ auch möglich wäre.
    Zumindest würde ich einmal darüber nachdenken, wie Kinder die sozial benachteiligt sind, eine wirksamere Unterstützung bekommen können und da denke ich an Ganzheitsschulen. Im Idealfall haben die Kinder dort ein anständiges Essen, können nach Schulende bei den Hausarbeiten betreut werden und haben bessere Spielangebote als Zuhause, denn Glotze und PC sind nun einmal für Kinder wenig geeignet ihren Bedürfnissen gerecht zu werden.

    Leider investiert der Staat wenig in Alternativen und hat nicht verstanden, dass es weniger Geld kosten würde, sich früh um wirkliche Hilfen für Kinder zu kümmern, was sich langfristig doch sinnvoll auszahlen würde. So leben dann Harzt 4 Empfänger doch zum Teil schon in der zweiten Generation und das wird auch so weiter gehen, weil Kinder nun einmal von Eltern lernen und es nicht anders kennen.
    Die anderen Probleme die ich eingangs erwähnte, sollte man sich schon fragen, wenn bestimmte „Teufelskreise“ nicht unterbrochen werden können, was dann mit den Kindern passieren sollte. Wo bitte sind denn da die Alternativen? Ich habe hier noch keine gelesen, aber bleibe dabei, dass man schon über seinen eigenen Tellerrand hinaus denken sollte, wenn man den Anspruch hat, sich damit auseinander setzen zu wollen, wie denn Hilfen für Kinder aussehen sollten, als ständig sich darauf beschränken zu wollen, zu schreiben was nicht geht.

    Nun noch ein letztes Wort in eigener Sache:

    Was gar nicht geht, zu meinen, dass Menschen die nicht ihrer beiden Auffassung vertreten, eine Diagnose zu verpassen, zu beleidigen und gar Lügen zu verbreiten.
    Dieses zeigt mir lediglich -und das gilt insbesondere für Herrn Kronschnabel, dass es Ihnen an Argumenten fehlt, wie arm ist das? Ich habe fast den Eindruck, ich bin da in Ihr Territorium eingedrungen und Sie müssen dieses Territorium mit allen Mitteln verteidigen. Aber Vorsicht, ich habe den Eindruck ihre Waffe geht permanent nach hinten los!

    • ekronschnabel said, on 29. Juli 2019 at 16:46

      Argumente für die Verlogenheit der Tkocz liefert das Netz. Man lese, was sie mit Martin Mitchell inszenierte, weil sie die Möglichkeit zur Manipulation der Diakonieleutchen hatte. Mitchell wurde im Forum gesperrt. Weil sich die Tkocz an seinen Kommentaren störte. Tolle Arbeit, Tkocz, dafür hätte es im Heim direkt die „Jagdreise“ gegeben. Woher nehmen Sie die Frechheit, das als unwahr hinzustellen, was jeder Mensch im Netz lesen kann? Ihre Intrigen sind festgeschrieben, Tkocz. Und jetzt tun Sie mir einen letzten Gefallen: Gehen Sie in Ihre kranke Welt, belabern Sie die, die sich noch mit Ihnen abgeben. Sind ja nicht viele, die Kommentare zu Ihren schmierigen Touren in vielen Foren sind klar und deutlich. Es steht Ihnen frei, eine Antwort zu verweigern: Bei welchem Psychiater lassen Sie arbeiten?
      Gute Besserung, Heilung wird es ja nie geben. Wer , wie Sie, sein Leben in allen möglichen Foren verbringt und sich mit Menschen klugscheisserisch anlegt, eignet sich wunderbar als Alleinunterhalterin im Affenhaus. Und bitte nie mehr Bezug auf mich nehmen, ersticken Sie an ihren Komplexen, hofieren Sie weiterhin die Täterseite, schlagen Sie weiterhin auf die Opferseite ein. DAS kann eine Kranke wie Sie hervorragend. Was sagt denn Ihre Frau zu Ihren Schmutzaktionen? Nee, ich wünsche nichts Gutes für die Zukunft, ich hoffe, man macht mit Ihnen
      das, was Sie mit Opfern der Kirche/Diakonie machte. Martin Mitchell würde sich freuen,Sie in Downunder zu treffen. Dann trifft er garantiert.
      Betrachten Sie es als letzten Akt eines Mannes, der schon kotzen muss, wenn er nur Tkocz hört, weil ihn charakterlose Menschen zum kotzen bringen. Intrigante Menschen sind die Pest der Erde, Tkocz. Mitchell lachte und nannte dich einen rückwärtigen Körperteil. Verständlich, wenn man nachlesen kann, dass du dich mit deiner Sauerei auch noch im Netz brüstetest.

      Und jetzt noch ein letztes Amen, Herr Pastor, ich bin raus aus diesem Intrigantenstadl für Diakoniegehilfinnen.

  14. dierkschaefer said, on 29. Juli 2019 at 22:03

    Im Kommentarbereich zu diesem Blogartikel herrscht gerade Krieg
    Zur Sache:
    Schon lange weiß ich, dass manche ehemaligen Heimkinder es nicht wahrhaben wollen, dass
    1. nicht alle Heime so waren wie das ihrige,
    2. manche/viele dieser Heimkinder im Heim endlich in normale, kindgerechte Verhältnisse gekommen sind aus Elternhäusern, die den Namen nicht verdienen.
    Es dürfte allgemeine Meinung sein, dass Kinder am besten bei ihren Eltern aufwachsen, auch wenn diese Eltern Fehler machen.
    Es ist bekannt, dass manche Eltern nicht nur ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind, sondern eine nachweisbare Gefährdung für das Wohl ihrer Kinder. Am deutlichsten wird das bei innerfamiliärer Gewalt, zuweilen auch gegen die Kinder. Im äußersten Fall kann die Gerichtsmedizin die Spuren der Gewalt nach der Obduktion genau nachweisen. In diesen Fällen kam das Jugendamt zu spät oder gar nicht.
    Das gilt auch für die Fälle, in denen für die „basic needs“ der Kinder nicht gesorgt wird. Im Extremfall verhungern sie, werden zu spät oder gar nicht zum Arzt gebracht. Es gibt leider keine „Schulärzte“ mehr, die bei einer wenn auch oberflächlichen Untersuchung die Kinder ausgekleidet in Augenschein nehmen und Gewaltspuren entdecken können. Auch die U-Untersuchungen der frühesten Kindheit sind nicht verpflichtend und ihr Vollzug wird nicht überprüft. Dabei wäre hier neben der Kontrolle auch oft mit bloßer Beratung geholfen. Manchenorts gibt es „Familienhebammen“, die wichtige Hilfen geben können, damit sich die Eltern den neuen Aufgaben besser widmen können.
    Der Bereich nur „suboptimaler“ Erziehung, wenn Kinder also nur satt und sauber gehalten werden, sei hier ausgespart.
    Wenn nun also ein Jugendamt begründet zu der Erkenntnis kommt, das Kindeswohl sei gefährdet und eine Besserung der Situation nicht in Sicht, muss es das Kind aus der Familie nehmen. Damit ist oft ein Kampfplatz eröffnet. Eltern gegen Jugendamt, gegen Pflegeeltern, gegen das Heim. Da kommt es zuweilen, wie hoch der Anteil ist weiß ich nicht, zu berechtigten Vorwürfen gegen Jugendamt, Pflegeeltern oder Heim. (https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/10/14/auf-jeden-fall-stehe-es-mir-nicht-zu-mit-julia-uber-den-tod-des-opas-zu-reden/ . Für diesen Fall habe ich einen ganzen Stapel von Julias Tagebucheintragungen mit dem Tenor: „Ich will zurück zu meiner Mutter“. Eins der Heime war auch sehr dubios: https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/06/19/und-neues-leben-bluht-aus-den-ruinen/ , inzwischen allerdings will Julia nicht mehr zurück zu ihrer Mutter, sie wurde administrativ entfremdet).
    Doch in vielen Fällen kommt ein Kind, dem es bei seinen Eltern schlecht geht, in Lebensbedingungen, die seinen wohlverstandenen Interessen entsprechen und ihm den Start ins selbständige Leben ermöglichen.
    Wir hatten ein paar spektakuläre Fälle, in denen das Jugendamt Kinder besser (früher) rausgenommen hätte, wir haben aber auch ein Totalversagen von Jugendamt und Familiengericht in den Fällen von Staufen und Lüdge, wohl leider nicht die einzigen. Ich habe oft in diesem Blog bemängelt, dass es keine Fachaufsicht für Jugendämter gibt.

  15. Werner Boesen said, on 30. Juli 2019 at 09:16

    Zur wissenschaftlichen Sicht in aller Kürze:
    – David Archard, britischer Philosoph beschäftigt sich bereits sehr lange mit Kinderrechten und Kindheit. Unterschieden werden muss zwischen Kindern bis zur Vorpubertät (etwa bis 12. Lebensjahr) und den pubertären Kindern, den Jugendlichen (bis zur Volljährigkeit). Unstrittig ist dass Kinder nur in einer Familie die nötige Fürsorge bekommen können, da sie die Privatsphäre liefert, die Kinder zur Aufzucht brauchen. Mit Eintritt in die Pubertät wollen die Kinder zunehmend ihre eigene Welt erobern und es treten oft starke Konflikte auf. Hier empfiehlt Archard sogenannte Residential Schemes, Aufnahmeeinrichtungen, die Jugendlichen bei Bedarf die nötige Unterstützungen gewähren inkl. Übernachtungsmöglichkeit.
    – Nach juristischer Expertise ist klar, dass der Begriff Kindeswohl im Einzelfall nicht greift, da es ein unbestimmter Rechtsbegriff ist. Daher führt an dem Begriff Kinderrecht kein Weg vorbei. Inzwischen scheint dies auch zur Einsicht in unserer höchsten Politik gekommen zu sein und es wird versucht, Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen.
    – Auch Archard stellt fest, dass Kinderheime keine familiären Einrichtungen sind und daher für Kinder keine Alternative sind. Kinder zumindest bis zur Vorpubertät brauchen Ersatzfamilien.
    – Desweiteren stellt Archard fest, dass der Begriff Elternrecht der Gemeinschaft suggeriert, dass die Erziehung primär nur die Eltern betrifft und sich andere Erwachsene aus der Erziehung rauszuhalten haben. Dies führt leider dazu, dass sich auch Experten wie Ärzte, Psychologen, Pädagogen zurücknehmen und bei kindlichen Verletzungen und atypischem Verhalten erstmal abwarten. Erziehung von Kindern betrifft alle Erwachsenen, die sich um Kinder bemühen.
    Natürlich bin ich erfreut darüber, dass ein Wissenschaftler wie Archard kein Kinderheim selbst erleben musste und dennoch zu kindgerechten Erkenntnissen gekommen ist. Und natürlich ist Archard nicht allein mit seinen Erkenntnissen und ich nenne ihn daher stellvertretend. Mit seinem Werk Children’s Rights and Childhood gibt er ein Basiswerk, auf das die Fachwelt Bezug nimmt. Archard verwendet nicht explizit den Begriff Kindheitsphilosophie, sein Fokus liegt auf Kinderrechten und u.a. der Analyse der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen.

    • dierkschaefer said, on 30. Juli 2019 at 13:17

      „Kinder zumindest bis zur Vorpubertät brauchen Ersatzfamilien.“ Stimmt. Aber woher nehmen? Dann: Es entstehen Bindungen in den Pflegefamilien, beidseitig. Das ist wichtig, schafft aber Probleme bei der Rückführung – oft wieder in nicht so gute Verhältnisse.
      Pflegefamilien brauchen zeitliche Perspektiven und gfl Jugendhilfe. Die kriegen sie aber nicht, weil sie die Juhi-Maßnahme des Jua sind.
      Wenn eine Kiwo-Gefährdung beseitigt ist, z.B. die Erz.person kommt trocken aus der Suchtmaßnahme zurück, meint man oft, das Kind umgehend zurückführen zu können. Ist billiger. Doch Mutter/Vater sind in dieser Phase noch rückfallgefährdet. Die Rückführung wird Stress auslösen, vt sogar Rückfall . Man braucht einen begleitenden Übergang – ohne Zeitdruck. Doch den gibt es nicht.
      Eine Fülle von Problemen, für die es keine Pauschallösungen gibt.

      • Werner Boesen said, on 30. Juli 2019 at 19:33

        Ich erinnere mich an die Worte einer Jugendamtsleiterin vor inzwischen etwa 50 Jahren, dass es kein Problem sei, eine Pflegefamilie zu finden. Doch künftige Pflegeeltern müssen befragt werden, ob sie überhaupt befähigt sind, Kinder nehmen zu können. Heute wird von Zertifizierung gesprochen. Dies ist auch ganz im Sinne von David Archard und begründet dies entsprechend. Auch ich kann das Vorgehen akzeptieren. Wenn ich als junges Kind in eine zertifizierte Familie komme, dann ist zumindest materieller Wohlstand existent und natürlich sind Pflegeeltern bemüht, dem Kinde das nötige Vertrauen zu schenken und es fürsorglich zu behandeln. Dennoch unterlag ich einem Phänomen, das mit Trauer bezeichnet wird, ich trauerte um meine Eltern u. Geschwister. Scheinbar kennen dieses Phänomen nur Trauerexperten, doch auch die einschlägige Fachliteratur weiß inzwischen mehr. Die Pflegeeltern sind fürwahr enorm gefordert. Wenn sich die Trauer beim Kinde legt, dann entsteht eine Rückkehr zum Leben mit Freude, das Verlustphänomen klingt ab und vor allem Vertrauen in neue Erwachsene ist da. Das Kind hat sich nach einem guten halben Jahr mit der neuen Situation zumeist bestens arrangiert und dann steht plötzlich das Jugendamt vor der Tür. Das Kind wird wieder aus der Pflegefamilie entfernt weil plötzlich die leiblichen Eltern wieder alle die Fürsorge walten lassen können, die ein Kind braucht. Es ist natürlich nicht so. Über das Kind wird nun verfügt, weil unser Grundgesetz das Elternrecht fixiert hat, ein Mythos vergangener Zeit, als Kinder kein Rechtsobjekt waren und ein Bürger ein Untertan seines Königs. Auch heute kennen wir keine Kinderrechte expressis verbis im Grundgesetz und dazu machte sich ein weiterer Mythos breit, das Kindeswohl. Ein Kind wird nicht danach gefragt, was ihm wohl täte, die Erwachsenenwelt unterstellt es. Solange an diesen Mythen festgehalten wird, bleiben Kinder der Spielball von Juristen, Jugendbehörden, Psychologen und anderer Fachleute. Die Meinung der Kinder wird natürlich gehört. Mit 14 Jahren wurde ich befragt, ob ich bei der Pflegefamilie bleiben möchte. Ich erkannte schon damals die Scheinheiligkeit der Frage und bejahte sie, denn ich wollte Ruhe in mein Leben einkehren lassen. Kinder sind nicht das Eigentum ihrer Eltern. Die Eltern haben Erziehungsverantwortung. Wenn sie diese nicht mehr leisten können, dann ist ihre ausschließliche Erziehungsverantwortung verwirkt und Erziehung geht dann nur noch im Verbund mit anderen Erwachsenen wie Pflegeeltern. Kinder brauchen eine Verbundlösung und keinen begleitenden Übergang, im Falle sexuellen Missbrauchs ist eine Rückkehr auch vom Kind unerwünscht. Natürlich ist auch David Archard klar, dass kindgerechter Umgang viel Geld kostet. Was dürfen dem Staate unsere Kinder, gerade die elternlosen und missbrauchten Kinder noch Wert sein? Ein reiches Land wie die Bundesrepublik Deutschland sollte sich diese Frage nicht stellen. Es sind genug Erwachsene da, die sich für Kinder engagieren, doch das Elternrecht gebietet Rückhalt zum gravierenden Nachteil von verwaisten und verwahrlosten Kindern.

  16. Erika Tkocz said, on 30. Juli 2019 at 09:30

    Herr Schäfer eine Fachaufsicht für Jugendämter halte ich auch für zwingend notwendig. Leider sieht es aber so aus, dass in den letzten Jahren immer mehr Stellen beim Jugendamt gestrichen worden sind. Zu Ihrem Posting hier einmal ein Artikel:

    https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Taeglich-werden-Dutzende-Kinder-in-Deutschland-schwer-misshandelt-id54521166.html

    „In den Jugendämtern fehlen 3000 Stellen“
    „Pädagogik-Professorin Kathinka Beckmann (Koblenz) sieht erhebliche Schwächen im Kinderschutz. Die Kinderrechtskonvention verlange ausreichend Personal in den Institutionen, die mit Kindern arbeiten. Aber in Deutschland würden laut Beamtenbund mindestens 3000 Stellen in den Jugendämtern fehlen. Beckmann: „Wer in der Jugendhilfe spart, die Jugendämter nicht angemessen mit ausreichend – und ausreichend qualifiziertem – Personal ausstattet, der begeht institutionelle Kindeswohlgefährdung.“ Sie fordert den Bund auf, sich hier ähnlich wie beim milliardenschweren Kita-Ausbau zu engagieren.“

    Sicherlich führt das auch dazu, dass mehr Kinder in Heimen kommen, denn da wird auch an Familienpflegerinnen gespart, die ja überforderte Mütter unterstützen, um eine Heimeinweisung zu verhindern. Also quasi eine präventive Maßnahme und durchaus sinnvoll.

  17. dierkschaefer said, on 30. Juli 2019 at 20:44

    @ werner boesen: Sie wurden also gefragt. ist doch gut.
    Zum Kiwo: Klar, ein unbestimmter Rechtsbegritt, aber was erhöhte Kiwo-Gefährdung ist, wissen wir doch recht genau, wenn sie auftritt.

    • Werner Boesen said, on 31. Juli 2019 at 09:11

      Ich wurde zu spät gefragt, erst mit 14 Jahren. Wäre ich als 8jähriger gefragt worden, ob ich in ein Waisenhaus/Kinderheim wolle, hätte ich verneint. Eine Alternative zur Familie ist in diesem Alter nur eine Familie.

      Unbestimmte Rechtsbegriffe bedeuten Willkür der Erwachsenen. Mein Kinderheimaufenthalt war für mich erhöhte Kiwo-Gefährdung, lernte Gossensprache, die Lügen der Erzieher/innen, sexuellen Missbrauch durch Amtsarzt, Erzieher usw., alles „Gute“ der bürokratischen Erwachsenenwelt.

    • sabine s. said, on 17. August 2019 at 08:48

      Lieber Herr Schäfer, vielen Dank für Ihre Reaktion auf meine Einwände.Wir alle (ich meine die ehemaligen Heimkinder) haben teilweise die gesamte Kindheit und Jugendzeit im Heimen verbracht. Das aus dieser Zeit durch- bzw. überlebte Trauma schleppen wir mit uns herum, selbst eine therapeutische Auf- bzw. Bearbeitung kann dieses nicht ungeschehen machen. Wenn wir aber so agieren wie die Erzieher/Nonnen in überwiegend kirchlichen Einrichtungen, dann sind wir nichts besser. Verbale Schläge, seelische Misshandlungen etc. im Umgang miteinander können keine Antwort sein.
      Ich habe kein Problem damit, wenn Herr Kronschnabel eine klare Sprache spricht, gilt es in der Sache Ansprüche aus dieser Zeit geltend zu machen. Ich spreche mich klar gegen diese Sprache im Umgang mit uns, hier in diesem Blog aus. Ich spreche mich auch in einer verletzenden Umgangssprache mit den heute in den Behörden sitzenden Mitarbeitern, die „“ unsere Zeit nicht zu verantworten haben aus.
      Wenn wir die Verletzung der Menschenwürde anprangern und noch heute dafür eine „echte Entschädigung“ fordern, dann steht diese Forderung im krassen Widerspruch zu dem, was ich hier kritisiert habe. Das ist meine Haltung dazu.

      Und nun mögen Sie, werter Herr Kronschnabel mir Scheinheiligkeit andere „Nettigkeiten“ vorwerfen – na

      dann…

      Da dies ein für Jedermann einsehbarer Blog ist behalte ich mir aus Schutz vor erneuter Stigmatisierung vor, weiterhin so zu unterzeichnen wie bisher.

      • dierkschaefer said, on 17. August 2019 at 10:41

        Danke für Ihren Kommentar. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

  18. Erika Tkocz said, on 17. August 2019 at 12:14

    Nun Herr Kronschnabel Sie können noch so oft aufs Internet verweisen was meine Person anbelangt und das ist auch in Ordnung, denn interessierte Menschen können sich dann selbst ein Urteil erlauben, was denn da so über mich steht und werden eher feststellen, dass da nichts steht was Ihre nun gewollte Hetze nachvollziehbar macht und es wird deutlich, wie verschoben Ihre Realität ist.
    So gibt es ja auch in der Bibel schon Hinweise zu Hass:
    „Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und durch ihn kommt niemand zu Fall. Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wo er hingeht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet.” 1. Johannes 2, 7-11
    Und wahrscheinlich kommt auch daher der Ausspruch: „Hass macht blind“

    Letztlich schadet eine Person, die nicht in der Lage ist Kommunikation auf der Ebene zu führen, dass ein respektvolles Miteinander möglich ist sich selber, weil sie lediglich die eigene Hilflosigkeit zeigt bei unterschiedlicher Auffassung mit sachlichen Argumenten zu punkten. Auch werden dann bei Ihnen Herr Kronschnabel schon auch Widersprüche sehr klar, denn wenn Sie meinen Sabine S schreibe ja nicht einmal mit „vollen Namen“ sind Sie es, der doch genau ein Mensch ist, der genau das rechtfertigt. Sie benutzen ja genau Realnamen um dann stereotyp aufs Internet zu verweisen, also benutzen Realnamen quasi als Waffe. Auch wenn`s sich bei mir als Luftblase erweist, gibt es Ehemalige, die gut daran tun sich zu schützen und dennoch ist es kein „anonymes Gelaber“ von Sabine S, denn ob es in einem Forum ist oder hier, erkennbar bleibt, dass sowohl Sabine S als auch andere Menschen ehemalige Heimkinder sind und über ihre Sichtweisen und Erfahrungen zu bestimmten Themen der Heimerziehung schreiben und nur das zählt!

    Ich fand es gut, dass es so etwas wie Foren für ehemalige Heimkinder gibt und bin heute noch sehr dankbar, als ich mich vor zig Jahren in einem ersten Forum anmeldete. Ich hätte sonst nie mein erstes Heim gefunden, weil ich ja schon in einem Heim geboren bin und immer nur nach Säuglingsheime googelte und nichts fand in der Gegend wo ich geboren bin. Erfreulicherweise war in meinem ersten Forum Helmut Jakob, der in dem Ort lebte wo ich geboren bin und ich wäre ja nie auf die Idee gekommen nach einem Frauenheim (Erziehungsheim) zu googeln und ich weiß nicht, ob ich meine beiden Heime gefunden hätte, wäre da nicht Helmut gewesen. Also wieso Sie Herr Kronschnabel nun meinen, dass es offensichtlich negativ ist in solchen Foren zu sein, kann ich sowieso nicht nachvollziehen, aber übertreiben sollten Sie da schon nicht, wenn Sie nun hier den Eindruck erwecken wollen, ich wäre da überall. Definitiv falsch und seit einigen Jahren bin ich in keinem Forum mehr, weil meine Aufarbeitung abgeschlossen ist und auch meine Arbeit für den Fonds und ich bin lediglich ab und zu hier, weil mich bestimmte Themen von einem „Fachmann“ also Herrn Schäfer interessieren.

    Ihre Aussagenhier Herr Kronschnabel habe ich da eher ignoriert, weil es im Grunde genommen immer das Gleiche war, Hass auf dieses und jenes, was ja für Sie selber befriedigend sein kann, mich aber schon eher langweilt.

    Es sollte aber nicht der Eindruck entstehen, dass es viele Ehemalige sind die so hasserfüllt schreiben. Abgesehen von jenen Ehemaligen, die durch die Heimerziehung –frühkindliche Gewalt, Vernachlässigung und damit verbunden Entwicklungsstörungen haben, oder emotional instabile Persönlichkeitsstörungen (BPS) sind-was meiner Meinung nach die schrecklichste aller Ergebnisse der Heimerziehung ist-, sind doch die Mehrheit der Ehemaligen sehr nette Menschen, auch sehr tapfer, weil sie trotz der schlimmen Erfahrungen in Heimen danach ihr Leben gut gemeistert haben und sie sind in der Lage zu lieben, ihre Ehemänner/Frauen, ihre Kinder und ihre Enkelkinder. Es bleibt zwar immer auch etwas zurück, gar keine Frage aber dennoch ist das Leben nach der Heimerziehung weiter gegangen und es soll hier nicht der Eindruck erweckt werden, als wenn die Art und Weise von Herrn Kronschnabel eine verbreitete Haltung unter ehemaligen Heimkindern ist, nein das ist sie nicht!

    Verwundert bin ich lediglich darüber, wie Sie ja Herr Kronschnabel immer wieder betonen, dass es genau Ihre Art und Weise war, die nun angeblich dazu führte, dass Sie das erreicht haben, was Sie angeblich für ehemalige Heimkinder gegenüber Kirchenvertreter erreicht zu haben. Wenn es so ist, dass „Wortgewalt“ dazu führte, halte ich diese Kirchenvertreter für schwach, denn dann hätten sie wohl offensichtlich ein aggressives Verhalten gefördert, denn das wäre ja ein Beweis, dass man gegenüber Kirchenvertretern „gewaltig“ sein muss, damit diese Forderungen erfüllen.

    Das nun an Sie gerichtet Herr Schäfer meine Frage:
    Kann man bei den Kirchenvertretern nur was erreichen, wenn man so ist wie Herr Kronschnabel??
    Und ist das so richtig?? Das impliziert doch gegenüber jenen Menschen, die berechtigt Forderungen stellen, doch „Wortgewalt“ anwenden zu müssen, ansonsten wären Kirchvertreter für Sachargumente nicht zugänglich.
    Da würde mich Ihre Meinung Herr Schäfer schon interessieren.

    • dierkschaefer said, on 18. August 2019 at 21:36

      Das ist eine Frage, liebe Frau Tkocz, die ich nicht pauschal beantworten kann. Ich will mich aber bemühen, so gut ich kann und mit manchen Einschränkungen darauf einzugehen. Herr Kronschnabel hat mit seiner Methode des schweren Säbels offenbar Erfolg gehabt, ich mit meinem Florett nicht.
      Methode Säbel (oder Holzhammer)
      Würde mir jemand so kommen wie Herr Kronschnabel, ginge ich gar nicht darauf ein, soweit das schriftlich erfolgt. Man muss ja nicht antworten. Aufregen jedenfalls würde ich mich nicht. In einer Unterredung könnte ich mich umdrehen und weggehen – das täte ich aber nicht; sähe nach Flucht aus. Ich würde zur Methode der Metakommunikation greifen, also gar nicht auf seine Vorwürfe eingehen, sondern ihn spiegeln, ihm Feedback über sein Auftreten geben. „Sie wirken sehr erregt.“ „Wenn Sie etwas ruhiger geworden sind, können wir uns sachlich unterhalten. Was genau regt Sie so auf?“ „Fangen wir doch noch einmal von vorne an.“
      Man kann das auch bösartig machen: „Sie sollten sich selber mal sehen, wie Sie hier auftreten / hören, in welchem Ton Sie mit mir reden. Ich glaube, Sie würden eine solche Unterhaltung sofort beenden.“ Doch das würde den Gesprächspartner beschämen und er würde vollends ausflippen.
      Es gibt zwei mögliche Ergebnisse: Entweder lenkt er ein und man kann ein vernünftiges Gespräch führen oder er macht im selben Stil weiter. Dann sagt man: „So kommen wir nicht weiter. Ich möchte darum das Gespräch beenden. Sie dürfen mich aber gern wieder anrufen, wenn Ihnen die Sache wichtig ist.“ Und dann kann man gehen.
      Das funktioniert aber nur, wenn man keinen Dreck am Stecken hat. Wenn doch, dann sollte man, nachdem das Gespräch sachlich geworden ist, die Flucht nach vorn antreten und dem Partner Recht geben, wo er Recht hat.
      Doch da liegt der Hase begraben. Herr Kronschnabel hat in der Sache recht, ich auch, wenn ich zum Florett greife. Die leitenden Herren in der Kirche, in ihren Einrichtungen, weniger die Damen, meinen meist, sie könnten solche Vorwürfe ignorieren und aussitzen. Auch meine Kollegen ducken sich weg, obwohl sie nicht persönlich involviert sind.
      Und nun kommt Herr Kronschnabel mit seinem Holzhammer und sie zucken zusammen. Solche Sprache, solche Ausdrücke sind sie nicht gewöhnt, und wenn doch, dann wollen sie nicht zugeben, dass sie sie kennen. Dann kaufen sie sich lieber frei, damit sie die Bulldogge an ihren Hosenbeinen loswerden. Da kann ich noch so gut und beherzt mit meinem Florett fechten.
      Aus eigenem Erleben: Zusicherungen, die man mir gegeben hatte, hat man versucht zu übergehen. Erst als eine Führungskraft so blöd war, diese Zusicherungen gegenüber einer außenstehenden hochrangigen Person zu wiederholen, da ging es, – verbunden mit einer Rachekautele.
      Wir Polizeipfarrer hatten reihum durch die Landeskirchen eine jährliche Tagung. Dabei gab uns immer der zuständige Dezernent der jeweiligen Landeskirche die Ehre und blieb bis zum abendlichen Beisammensein bei gelockerter Stimmung. Manche waren ok, doch ich stieß auch auf eine Menge Zynismus, den viele leitende Personen so an sich haben. Ich hatte den Zynismus bereits gelernt, darum kann ich frei darüber schreiben.
      Man hätte die Heimkinderangelegenheiten ganz zynisch lösen können, nach der Maxime: „Der Kavalier zahlt und schweigt“ und ihnen genug Geld geben, damit sie ruhig sind, um aus den Schlag¬zeilen zu verschwinden. Doch dazu war man zu geizig und immer noch darauf bedacht, eine reine Weste zu präsentieren, obwohl die vom Erbrochenen der Heimkinder über und über befleckt ist, manchmal ist auch Sperma dabei.
      Dies in aller Deutlichkeit: Das, was wir menschlich nennen, ist mir selten in den oberen Etagen der Kirche begegnet. Doch ich kann mich nicht beklagen. Mir hat – von oben – nie jemand den Mund verboten. Das versuchen eher die kleinen Kläffer, die nach der Predigt in der Sakristei stehen und fragen, ob man überhaupt an die Bibel glaube.
      Zu Herrn Kronschnabel: Ich mag und schätze ihn trotz allem. Lassen Sie seine Unflätigkeiten einfach von sich abprallen. Es lohnt nicht, darauf einzugehen oder gar sich zu erregen. Er ist einfach so (geworden/zugerichtet). M.a.W.: Nehmen Sie ihn nicht für voll.
      Auch mir ist es nicht gelungen, seinen Hass-Horizont zu öffnen. Was irgendwie nach Kirche riecht, fällt unter sein Verdikt. Auch seine persönlichen guten und existentiellen Erfahrungen mit einer kirchlichen Einrichtung konnten nichts daran ändern. Er soll sie ja nicht lieben lernen, sondern nur differenzieren. Geht aber nicht.

      Ich füge Ihnen ein Beispiel für gelungene Kommunikation an, ganz ohne Holzhammer. Es ist von einem Namensvetter von mir geschieben. Er war Dozent an der Führungsakademie der Polizei in Hiltrup.

      Der kleine Finger des Gendarmen Penka

      Immer wieder waren Klagen aus der Bevölkerung gekommen: der mittlere Wirt des Dorfes W. (südlich von Augsburg, 3000 Einwohner) beachtete offenbar die Sperrstunde nicht. Seine betrunkenen Gäste lärmten dann in der Nähe der Wirtschaft bis in die frühen Morgenstunden hinein. Das gab Ärger unter der aus Bauern und Fabrikarbeitern zusammengesetzten Einwohnerschaft. Obwohl die Sperrstunde im allgemeinen großzügig mißachtet wurde, mußte in diesem Falle durch die zuständige Polizeistation im fünf Kilometer entfernten B. etwas unternommen werden.
      Beim nächsten Dienstgang, langsam und brav zu Fuß, wurde der Wirt von zwei Landpolizeibeamten aufgesucht. Der Streifengang mit zwei Beamten war eine Ausnahme, weil in diesem Falle ein junger, zweiundzwanzigjähriger Landpolizeibeamter in den Dienstbereich eingewiesen werden sollte. Der ältere der beiden Streifenbeamten war ein Gendarm, der gut seine dreißig Jahre Dienstzeit unter der Mütze trug. Er … hatte sich mit Dieben und Landstreichern, Raufbrüdern und Totschlägern, Forstfrevlern und Wilderern herumgeschlagen … war ein erfahrener, durch alle Wasser gejagter Polizeibeamter. Die große Welle der Heimatvertreibung hatte ihn 1945 nach Bayern ins weißblaue, gelobte Land verschlagen.
      Er hieß Penka und war ein stiller, ernster, etwas schwerblütiger Mann mit traurigen Augen und tiefen Gesichtsfalten.
      Dieser alte Gendarm sprach mit dem Wirt. Der bestritt lebhaft, jemals jenseits der Sperrstunde nach Mitternacht Bier ausgeschenkt zu haben. Nie seien seine Gäste zu später (d. h. „früher“) Stunde betrunken durchs Dorf gezogen. Nie habe es Lärm und Ärger gegeben. Das Schlitzohr von Wirt war die Verkörperung der Unschuld. Die beiden Gendarmen am Tisch in der Wirtsstube wußten, daß er log wie gedruckt. Das Gespräch schleppte sich behutsam, zäh, gelassen, wieder und wieder durch den Altgendarm angeschoben weiter. Beide Seiten umkreisten den strittigen Punkt. Jeder suchte und erkannte die Schwächen beim anderen.
      Der etwas verkrampft lächelnde, schmerbauchige Wirt in seiner angeschmuddelten Schürze fühlte sich in seiner Arbeit gestört und aufgehalten. Er bereitete gerade für den Ausschank am Abend den Anstich eines frischen Bierfasses vor. Die wirtstypische Vorsicht und sein schlechtes Gewissen rieten ihm jedoch zur Geduld mit den ungebetenen und unerwünschten Gästen, von denen er sich bedrängt fühlte. Er spielte das Unschuldslamm konsequent weiter.
      Auf dem Schanktisch lag eine ältere Zapfanlage, herausgezogen aus dem letzten Faß Bier. Der alte Gendarm griff sich das lange Messingrohr und fuhr, wobei er die Stirn stärker denn je in Falten legte, mit dem kleinen Finger der rechten Hand in das untere Ende des Rohres. Als er den Finger zurückzog, war dieser bis zur Hälfte schwarz verschmiert, von Schlamm überzogen. Diesen Finger streckte er aus der geballten Hand nach oben, schaute mit leicht zugekniffenen Augen über den gehobenen Finger wie über eine Visiereinrichtung dem verstummten Wirt wortlos in die Augen. Das Gespräch war abgebrochen, wurde nicht wieder aufgenommen, verlief sich in einer mageren Abschiedsfloskel.
      Der Wirt hielt seither die Sperrstunde ein. Er ermahnte seine Gäste zur Ruhe. Klagen aus der Bevölkerung gab es nicht mehr.
      Was war geschehen? Der alte Gendarm hatte dem Wirt mit der stummen Fingergeste gesagt: „Die Sperrstunde hast du wiederholt überschritten, aber das können wir dir nicht nachweisen, weil keiner der Beschwerdeführer sich zu seinen Angaben bekennen will. Das weißt du auch. Aber ich habe dich soeben auf dem falschen Bein erwischt. Dreck kann beim Umgang mit Lebensmitteln ein Tatbestand sein. Bier ist ein Lebensmittel. Ich könnte dir jetzt durch Sicherstellung der Schankanlage für die nächsten Tage das Geschäft verderben. Ich kann diesen Dreck auch der Konzessionsbehörde melden. Das tue ich (wahrscheinlich) aber nicht. Ich gehe nämlich davon aus, daß du nicht nur ein Schlitzohr, sondern auch ein erfahrener Wirt und gescheiter Mann bist. Du wirst jetzt sofort die Schankanlage reinigen. Ich bin darüber hinaus sicher, daß es zwischen uns keinen Ärger mehr geben wird, auch nicht wegen der Sperrstunde.“ Das alles hatte der alte Penka mit seinem kleinen Finger gesagt, und dieses wollte er auch so sagen. Herbert Schäfer

      • Erika Tkocz said, on 19. August 2019 at 01:09

        Lieber Herr Schäfer,
        um einmal bei Ihrem Bild zu bleiben, wenn ein Mensch zum Säbel/Holzhammer greift-greifen muss- befindet man sich ja schon in dem Prozess der Eskalation und ich frage mich, was diese Herren der oberen Kirchenetage dazu bewogen hat, diese Situation entstehen zu lassen. Waren die echt so dämlich zu glauben, dass nach dem Runden Tisch nun alles in Ordnung sei, die Heimkinder holen sich gesittet ihr Geld bei den Anlaufstellen ab-pardon war ja kein Geld sondern Sachleistungen- und dann ist die Kirche fein raus???? Vielleicht war es ja so ein Überraschungsmoment, Herr Kronschnabel taucht auf und man ist nicht vorbereitet-kennt nicht die Fachtermini der Heimkinder-ist entsetzt-und eschauffiert sich erst einmal. Na und dann bleibt die „Bulldogge“ am Hosenbein, pinkelt womöglich noch selbiges an und man will möglichst schnell diese unangenehme Situation hinter sich bringen. Ein Armutszeugnis bezogen auf diese Kirchenleute und da fragt man sich schon, welches Motiv hatten diese Menschen einmal Theologie zu studieren – und da wäre ich versucht genau diese Frage einmal stellen zu wollen, was war am Anfang, als man sich anschickte Pfarrer zu werden. Mir ist klar, dass die Absicht des Vertuschens und des Geizes die Abwehrhaltung war und da die Bulldogge diesen Kampf gewonnen hat mit dem Säbel, meine ich ja auch, dass zumindest diese Kirchenoberhäupter schwach waren. Wahrscheinlich ist auch innerhalb der Institution wenig kommuniziert worden, denn sonst hätte man sich vorab damit auseinander setzen können, wie nun der Umgang mit den Ehemaligen stattfinden könnte, was aber die Notwendigkeit voraussetzt, sich in diese Ehemaligen hineinversetzen zu können. Da war wohl keine Bereitschaft da, denn es sollte nicht schwer sein zu wissen, zu fühlen was mit einem Menschen passiert, dem man seine Kindheit/Jugend versaut. Einmal von Herrn Kronschnabel abgesehen, gehe ich schon davon aus, dass es Ehemalige gibt, die auch das Bedürfnis haben, dass ihre Erfahrungen der Heimzeit bedingungslos akzeptiert wird-und die andere Seite müsste doch wissen, wie wichtig das ist, weil es auch bedeutet andere Erfahrungen mit den Kirchenleuten zu machen und das möglicherweise auch ein Schritt sein kann, wo ein Ehemaliger durch diese Erkenntnis anfängt differenzierter -doch zumindest das Heute zu betrachten. Aber so ist es, bei Geld hört die Menschlichkeit auf und das Management nimmt seinen Gang, nur ein Geschäft um die „Bulldogge“ vom Bein zu bekommen. Allerdings hat sich dort wo es passiert auch das Bild des Heimkindes -all das was man früher von einem Heimkind annahm- verfestigt und das empfinde ich als schmerzlich. Da kann ich mich auch nicht distanzieren, denn immerhin habe ich 1/3 meiner Kindheit und Jugend in Heimen verbracht und hätte es mir doch auch für andere Ehemalige gewünscht, andere Erfahrungen zu machen-auch diese Kirchenleute, zu sehen wir sind Menschen, manche gebrochen- gebrochen worden-manche halt wie ne Bulldogge-aber auch da sollte man wissen, ein Mensch der verletzt worden ist benutzt den Säbel, den er aber auch braucht, um sich zu schützen, damit die Seele nicht noch mehr abkriegt und trotzdem weiß man auch, dass im stillen Kämmerlein der Säbel weggelegt wird und dann wird geweint. Aber okay, da gibt es nun diese verbohrten Kirchenleute und da denke ich fast ähnlich, die nach außen hin meinen die Abwehrhaltung zeigen zu müssen, weil es wohl offensichtlich nur darum geht das Image der Kirche verteidigen zu müssen und halt die Hand auf der Kasse zu halten. Da frage ich mich auch, ob die im stillen Kämmerlein hin und wieder so etwas wie Scham haben und denken, was für eine Scheisse mache ich da eigentlich, bin ich immer schon so gewesen oder was ist passiert, dass ich jetzt an dieser Stelle stehe und meine Menschlichkeit schlicht weg außen vorlasse.

        Im stillen Kämmerlein haben beide Parteien verloren, die eine Partei fühlt sich immer noch nicht verstanden und ein Teil der Biografie muss weiter still halten und die andere Partei kann im stillen Kämmerlein darüber nachdenken, wann sie angefangen hat ihr Menschsein über Bord zu werfen. Vielleicht sind sie aber noch nicht einmal dazu in der Lage so weit zu denken/fühlen, sondern sind lediglich gekränkt, weil die Bulldogge ihnen ans Bein gepinkelt hat und sie ständig den Geruch diese Pisse vor der Nase haben und auch nicht mehr loswerden. Ganz ehrlich, wenn sie so denken soll es mir recht sein, aber Jene die im stillen Kämmerlein doch mit ihrer Haltung hadern, den wünsche ich doch auch einen Weg zu finden, an ihre ursprüngliche Motivation zurückzukehren, noch ist es nicht zu spät.

        Trotzdem bin ich für mich schon erleichtert, andere Erfahrungen mit Kirchenleuten gemacht zu haben. Ich hatte zwar von einem Heim mit einem Pfarrer anfänglich auch Probleme im Mailaustausch und stellte auch die Kommunikation ein, aber dann musste ich doch dort hinfahren, weil man vier Jahre nach einer Anfrage meiner Heimakte gefunden hatte. Ich fuhr zwar mit einem mulmigen Gefühl hin, aber dann sagte der Pfarrer gleich was am Anfang, was das Eis brach und wir hatten ein sehr gutes Gespräch. Ich habe ihn ein paarmal getroffen und meine ihn ein wenig zu kennen und weiß auch, als die Historiker Winkler/Schmuhl dort nach der Vergangenheit recherchierten und auch herausfanden, dass früher dort Mädels zwangssterilisiert wurden, hat das den Pfarrer echt mitgenommen. Ich will das nicht näher beschreiben, aber ich besitze durchaus Menschenkenntnis und dadurch, dass wir beide die Inschrift für das spätere Mahnmal gemeinsam gestaltet haben, kann ich mit Sicherheit sagen, er hat verstanden um was es ging. Für mich waren die Erfahrungen sehr wichtig und deswegen kann ich es nicht ab, wenn man nun alle Kirchenleute über einen Kamm schert, da denke ich drüber nach wenn Sabine schreibt, dass wir doch nicht so werden wollten, wie unsere Erzieher und genau das macht man, wenn man alle über einen Kamm schert, denn wo bitte ist der Unterschied zu den Erziehern, die uns Alle für verkommen hielten, also die üblichen Stigmatisierungen, die wir in den Heimen erfahren haben. Sind wir besser, wenn wir es jetzt im Umkehrschluss auch so machen???
        Tja und Herr Kronschnabel??? Also er ist wohl immer so, denn hier im Blog gibt es keine Notwendigkeit weiter den Säbel/Holzhammer zu schwingen. Es ist mir klar und ich weiß auch, dass ich nichts daran ändern kann, aber zu schweigen käme mir dann schon so vor, die andere Wange auch noch hinzuhalten, da dominiert nun mal nicht mein Verstand, leider!!!!

        Allerdings ist auch nicht anzunehmen, dass ich da weiter auf ihn eingehe und bescheuerte Anrufe wird es auch nicht mehr geben, weil ich unter der Telefonnummer, die im Netzt steht nicht mehr erreichbar bin. Also wer da auch anruft, es geht nicht mehr und eigentlich bin ich da sogar dankbar, ich wollte schon länger meine Telefonnummer ändern, weil ich durch eine frühere Arbeit immer noch auf einer bestimmten Netzseite bin und so habe ich jetzt das Problem auch gelöst. Alles wird gut!!

        Zu der Geschichte des Gendarmen Penka:
        Suuuper, was doch so ein kleiner schwarzer Finger für eine große Bedeutung haben kann, oder anders herum, der Wirt wusste, dass er „Dreck am Stecken hatte“. Sehr gut humorvoll geschrieben, so dieser leise Humor bzw. das Augenzwinkern. Vielen Dank.

  19. dierkschaefer said, on 19. August 2019 at 05:13

    Herzlichen Dank für Ihren sehr gut analysierenden Kommentar. Er trifft rundum. Ich werde ihn „nach vorne“ holen und einen separaten Artikel daraus machen.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: