Dierk Schaefers Blog

Die Kirche braucht Hilfe, um wieder ehrlich zu werden.

Allein schafft sie es nicht. Sie hat zwar die Verbre­chen gestanden, die Misshandlungen, die Miss­bräuche und die Demütigungen, die in kirch­lichen Einrichtungen durch kirchliche Mitarbeiter verübt wurden, sie ist aber nicht willens, in den Stand der tätigen Reue zu treten. Außerdem verhindert sie durch die Einrede der Verjährung eine gründliche Aufklärung der Verbrechen und ihrer Folgen. Der Staat folgt diesem Prozesshindernis, indem er Verfahren erst gar nicht eröffnet, da sie – strafrechtlich – keine Folgen haben würden.

Angesichts der Menge der Verbrechen und der großen Zahl der Opfer, oft auch angesichts der besonderen Schwere der Vorwürfe, wird durch die paumissbrauch b2schale Verjährung aber kein Rechts­friede hergestellt – und die Kirchen bleiben unter dem Vorwurf der Verbrechen, ihrer Vertuschung und der Verweigerung zumindest der Aufklärungsforderungen ihrer Opfer; von gefinkelten[1] Zahlungszusagen ganz zu schweigen

Da die Kirchen[2] derart verstockt sind, brauchen sie Hilfe von außen, Hilfe von denen, die sich immer noch Kirche als die communio sanctorum vorstellen. Auch die anderen, soweit sie nicht kirchen- oder religionsfeindlich eingestellt sind, bedauern die Haltung der Kirchen, die ihre seelsorglichen, ihre caritativen und die kulturellen Leistungen verdunkelt.

Hilfe von außen könnte der Staat bieten, wenn er bereit wäre, Rechtsfrieden wieder herzustellen, nicht zuletzt auch, um die historischen und immer noch wirkenden kulturellen Werte gegen ihre offiziellen Vertreter zu schützen. Dazu könnten Elemente aus der – auch den Kirchen gut bekannten – Inquisitionsprozessordnung dienen. Es geht dabei nicht um Folter oder Scheiterhaufen, sondern um die Ermittlungsidee: »In einem Inquisitionsverfahren stand die Ermittlung der möglichst durch Geständnis zu offenbarenden Wahrheit im Vordergrund, und nicht die Anklage.«[3]

Das Geständnis liegt bereits vor, denn die Kirchen konnten sich der Beweiskraft der Wolke von Zeugen[4] und der Qualität der vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen auf die Dauer nicht verschließen. So fehlt es nun noch an der umfassenden Aufklärung ohne Rück­sicht auf Prozesseinreden, also der Verjährung. Diese Inquisition sollte der Staat leisten, indem er einen Untersuchungsrichter benennt und ihn befugt, Akten noch vor ihrer Vernichtung zu beschlagnahmen, Sach­verständige anzuhören und die heutigen kirchlichen Verantwortlichen zu verhören. Dies alles, soweit nicht mehr strafrechtlich verwertbar, ohne Strafandrohung aber mit zivilrecht­licher Wirkung auf Entschädigungs­leistungen – die vielleicht dann doch „freiwillig“ erfolgen könnten, wenn unserer „Behördenkirche“[5] die Augen nicht mehr gehalten[6] sein sollten. Das wäre auch eine Erleichterung für all die Kollegen und Kolleginnen, die – selber ehrlich – ihre Kirche wieder ehrlich sehen wollen.

Fußnoten

[1] Sinnverwandte Begriffe: ausgefuchst, durchtrieben, gerissen, gewieft, raffiniert, schlau, trickreich, tricky; schweizerisch: gefitzt https://www.wortbedeutung.info/gefinkelt/

[2] Zeichnung: Die Wurmlinger Kapelle auf einer etwa 1830 von Louis Helvig angefertigten Lithografie.

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Inquisitionsverfahren

[4] Hebr. 12,1

[5] Martin Niemöller

[6] Lukas 24,16

5 Antworten

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  1. Erich Kronschnabel said, on 5. Mai 2020 at 10:08

    Die Kirche nimmt keine Hilfe an! Sie sitzt immer noch auf der zuschanden geritten Mähre und versucht den uralten Gaul als jungen zu verkaufen. Klappt ja auch noch ganz gut, die Austritte aus der kurz vor dem Konkurs
    stehenden GmbH für Volksverblödung halten sich in Grenzen.
    Dementsprechend dreist und ausgekocht agieren die Geschäftsführer, werden vom Staat gehätschelt und behalten die Gemeinnützigkeit. Kenner definieren die als gemein und nützig.
    Vom Staat wird auch nichts unternommen werden, um den Opfern einen Rechtsfrieden zu bringen, die Anzahl ist zu gering und in wenigen Jahren sind die Altlasten auf der biologischen Schiene entsorgt.
    Konkurs der Betrugs GmbH ist nicht zu erwarten. Und falls doch, wickeln die Spitzbuben das Ding in Eigenregie ab. So geht christlich!

  2. N. Meier said, on 7. November 2020 at 23:45

    Ich kann Ihren Gedanken folgen.
    Aber zum Schluss geht es mir zu schnell. Wie kommt man zu dem von Ihnen vorgeschlagenen staatlich einzusetzenden Untersuchungsrichter? Ich halte das für anstrebenswert. Das würde auch einem in demokratischer Kultur erworbenen Verständnis zur Vorgehensweise einer Klärung entsprechen.

    Aber bitte einen weiteren Blog-Artikel, wie ein Untersuchungsrichter „implementiert“ werden kann.

    Ich denke an eine ueberparteilich zu verabreden de Vorgehensweise von den jeweiligen Rechtsexperten der Parteien. Vielleicht ist das aber ganz falsch. Vielleicht braucht man bei einem Bohren von derartig dicken Brettern Rat von Leuten, die alt sind und deshalb nichts mehr werden wollen. Z. B. Rechtsanwalt Ströbele, Ex-MdB. Vielleicht wird man ein solches Netzwerk auch nicht öffentlich schmieden. Aber ich weiß es nicht. Ich weiß so wenig, dass ich mir die Inquisitionsprozessordnung erst noch besorgen muss.

    • ekronschnabel said, on 9. November 2020 at 10:44

      Um den von vielen Leuten geforderten staatlichen Untersuchungsrichter als unnötig ablehnen zu können, installierten die Konzerne mit dem Kreuz im Logo die „Unabhängigen Kommissionen“, also Richter in eigener
      Sache. Der Politik gefällt das, denn dadurch wird das staatliche Versagen im Hintergrund gelassen. Der Staat
      im Staat agiert beliebig, das Ziel heißt Kassenschonung. Die mit Moral handelnden Kruzifix-Holdings schaffen
      es sogar, sich trotz aller Verbrechen als Moralinstanz zu verkaufen. Die Dummheit der Kirchenmitglieder macht’s
      möglich, die geringen Austrittszahlen belegen das. Diese „Schäfchen“ merken nicht mal, dass die Moralhändler
      die unmoralischste Bande sind. Es gab mal einen Konkurrenten der Kruzifix-Mafia, der Religion als Opium für’s
      Volk bezeichnete. Stimmt. Fällt leider noch nicht unter das BTMG.

      Was die Kirchenführer sich nur in den letzten 12 Monaten an Schweinereien gegen die Kirchenopfer leisteten, hat mit den Leitsätzen des Christentums so viel zu tun wie die Jungfräulichkeit mit einer alten Hafennutte. Respekt gegenüber diesen Menschenverächtern zeigen nur noch Idioten, die nicht begreifen, mit welchen kriminellen Organisationen sie es zu tun haben.

      • dierkschaefer said, on 9. November 2020 at 11:16

        Da möchte ich doch die „alten Hafennutten“ in Schutz nehmen. Das sind bedauernswerte Geschöpfe, die nicht erst am letzten Liegeplatz erkennen, wie und durch wen sie rücksichtslos ausgebeutet wurden. Die von Ihnen ja nicht zu Unrecht geschmähten Konzerne mit dem Kreuz im Logo leisten übrigens mit ihrer „Mitternachtsmission“ eine vorbildiche Arbeit. Wahrscheinlich tragen sie nur das Wort Mission in ihrer Selbstbezeichnung, um die Frommen, von denen sie finanziert werden, ruhig zu halten.

  3. ekronschnabel said, on 9. November 2020 at 11:40

    @ Dierk Schäfer
    Als Küstenjunge kenne ich das Milieu, dessen Probleme und auch die Arbeit der „Mitternachtsmission“ und schätze deren Mitarbeiter. Wäre die Kirche als Firma so integer wie ihre Frontarbeiter, hätten wir hier nichts zu schreiben.
    Die Sexualtäter in Kirchendiensten mussten das Elend der Hafennutten nie vor Ort erleben, sie schufen sich die
    Privilegien wie Kinderpuff in Kinderheimen, nicht wahr…


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