Dierk Schaefers Blog

Der Täter

Posted in Journalismus, Justiz, Kinderrechte, Kriminalität, Menschenrechte, Pädagogik, Politik by dierkschaefer on 17. März 2015

Bei diesem Missbrauchstäter kommt so ziemlich alles zusammen, bis hin zur glaubhaften Morddrohung.

Der Täter »Erich Buß, geboren 1928, war fast 40 Jahre Lehrer. Wie viele Kinder er sexuell missbraucht hat, weiß niemand. Verurteilt wurde er wegen 15 Fällen. Aus der Urteilsbegründung geht hervor, dass Buß von Mitte der 60er Jahre an bis über seine Pensionierung 1992 hinaus Kindern „in einer großen Vielzahl“ Gewalt angetan hatte. Man kann von weit mehr als hundert Opfern ausgehen. Wie strategisch er vorging, lässt sich anhand seiner Tagebücher nachvollziehen. Er hielt nicht nur seinen Alltag akribisch fest, sondern auch die Namen der Kinder, die er missbrauchte.[1]«

Leben: »Buß wurde 1928 als zweiter Sohn eines Schuldirektors in Roßdorf bei Darmstadt geboren. Seit 1954 arbeitete er an der Elly-Heuss-Knapp-Schule. Dort unterrichtete er ab der ersten Klasse alle Fächer außer Religion und Englisch. 1992 wurde er pensioniert.«

Urteil: »Als am 6. Juli 2005 sein Strafmaß verkündet wurde, war Erich Buß 77 Jahre alt und längst in Rente. Das Landgericht Darmstadt verurteilte ihn wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu vier Jahren Haft und ordnete die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt an. Im Prozess ging es nur um 15 Fälle zwischen 1984 und 1995. Buß starb 2008. Der staatlichen Schulaufsicht, teilt das hessische Kultusministerium auf Anfrage mit, dürfte das Urteil gegen Buß „erst Anfang 2014 inhaltlich bekannt geworden sein“ – nachdem Opfer sich 2013 gemeldet hatten.«

Opfer: »Ein Betroffener hatte sich Ende der 90er Jahre in einer Selbsthilfegruppe mit anderen vernetzt, die bereit waren zu klagen. Erich Buß gestand vor Gericht, zeigte jedoch keine Reue. „Strafverschärfend fiel ins Gewicht, dass der Angeklagte seine Autorität als Lehrer gezielt ausgenutzt hat“, heißt es in der Urteilsbegründung. «

Leben: »Buß wurde 1928 als zweiter Sohn eines Schuldirektors in Roßdorf bei Darmstadt geboren. Seit 1954 arbeitete er an der Elly-Heuss-Knapp-Schule. Dort unterrichtete er ab der ersten Klasse alle Fächer außer Religion und Englisch. 1992 wurde er pensioniert.«

[1] Alle Zitate: http://www.taz.de/!156528/ Gute journalistische Arbeit, der Artikel ist sehr aufschlussreich.

Posted in News, Uncategorized by dierkschaefer on 15. April 2009

68er-bashing

Florentine Fritzen beteiligt sich heute (14.4.09) in der Frankfurter Allgemeinen am zur Zeit beliebten Mobbing gegen die 68er Generation. Sie beklagt, wohl zu recht, daß die Dreißigjährigen ohne Visionen seien, so der Titel ihres Kommentars auf der ersten Seite. Insbesondere für Soziales seien die jungen Leute von heute nicht mehr aufgeschlossen, gar nicht im Blick sei es. Was haben die 68er damit zu tun? Ganz einfach: Sie haben sie erzogen. Und wie? „Die Visionen der Schüler in den neunziger Jahren waren Kopien der Visionen der Achtundsechziger-Generation. Wenn im Unterricht wieder einmal diskutiert wurde, wußten die Lernenden ganz genau, was die Lehrer zum Beispiel über Rechtsextremismus hören wollten. Die Schüler der neunziger hatten begriffen, daß ihre Erzieher unter Selberdenken das Nachplappern der immer gleichen Phrasen verstanden.“ Und für das Selberdenken gab es später im Studium auch keine Zeit. Da haben wir’s. Hätten die jungen Leute beizeiten selber gedacht, hätten sie nicht die offensichtlich falsche Denke ihrer 68er–Lehrer über den Rechtsextremismus nachgeplappert, sondern … ja, was denn sonst, Frau Fritzen?

Im Wirtschaftsteil der heutigen FAZ, auch im Kommentar auf der ersten Seite in der rechten Ecke, liest man zum Thema Zeitarbeit, daß die Wirtschaft im Konjunkturverlauf atmen können müsse, Einatmen, das sind Einstellungen, und zum Ausatmen muß man entlassen können. Dafür sind Zeitarbeiter gut. Nach der Krise kann die Wirtschaft sie ja wieder einatmen. „Soziales Engagement gehört für junge Akademiker nicht mehr zum Katalog der Anforderungen“, schreibt Frau Fritzen. Ja, wie denn auch?

Bleibt auch die Logik auf der Streck,

Die Mittel heiligt hier der Zweck.