Dierk Schaefers Blog

Betr.: »Anerkennung Leid«

Posted in Geschichte, Gesellschaft, heimkinder, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Theologie by dierkschaefer on 8. Februar 2014

Betr.: »Anerkennung Leid«

 

»Die Evangelische Kirche von Westfalen, die lippische Landeskirche und die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe übernehmen Verantwortung in Anerkennung des Leids Betroffener sexualisierter Gewalt, das in ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern zugefügt und erlitten wurde.«

»Die finanzielle Leistung in Anerkennung des Leids wird in Höhe von 5.000,00 Euro gewährt. Diese Leistung erfolgt unabhängig von Art und Schwere des Unrechtes, das die Betroffenen erlitten haben. Die Leistung versteht sich weder als Wiedergutmachung noch als Entschädigung, sondern erkennt symbolhaft das zugefügte Leid an.«

»Leistungen in Anerkennung des Leids sind freiwillige Leistungen, die ohne Anerkenntnis einer Rechtspflicht erfolgen. Für diese freiwilligen Leistungen ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Aus der Gewährung dieser freiwilligen Leistungen können keine neuen Rechtsansprüche hergeleitet werden oder etwa aus der Gewährung der freiwilligen Leistungen entstehen.«[1]

 

»Voraussetzungen

Leistungen in Anerkennung des erlittenen Leids können von Personen geltend gemacht werden,

a) wenn sie von sexualisierter Gewalt durch Mitarbeitende einer kirchlichen Körperschaft oder Einrichtung im Bereich der beiden Landeskirchen oder einer diakonischen Körperschaft oder Einrichtung im Bereich des Diakonie RWL e.V. betroffen sind,

b) sie zum Tatzeitpunkt minderjährig waren und

c) wenn zusätzlich ein institutionelles Versagen kirchlicher Verantwortungsträger ursächlich oder mitursächlich für das erlittene Leid war.« [2]

 

Es geht also ausschließlich um sexuelle Übergriffe von Einzeltätern, nicht um die Strukturen, die  Mißhandlungen und Ausbeutung in diversen Erziehungseinrichtungen förderten, erst recht nicht um eine fehlgeleitete Theologie. Diese Mißhandlungen sind nicht einmal finanziell-symbolisch anerkennenswert. Die schriftführenden Kirchen schützen  ihre Heime und ihre Vergangenheit. Was soll falsch gewesen sein?

 

Und damit die Bittsteller ihre Kindheitserlebnisse noch einmal so richtig nachkosten können, geht das Antragsformular ins Detail: »Bitte benennen Sie die Tatzeit so genau wie möglich. Es ist auch die Angabe eines Zeitraums möglich. Bitte machen Sie deutlich, wenn es sich um mehrere Mißbrauchsfälle gehandelt hat. … Bitte schildern Sie die Umstände und den Hergang der Missbrauchstat. Sie können ein Zusatzblatt verwenden.«[3]

 

Vielleicht sollten die Opfer selber eine Frage anfügen, ob nämlich die Mitglieder der Kommission beim Lesen ihrer Sexualreports irgendwelche Regungen gehabt haben – „und wenn welche? Bitte beschreiben Sie sie so genau wie möglich. Sollte der Platz nicht ausreichen, nehmen Sie ein Zusatzblatt. Ihre Angaben sind mir wichtig; sie helfen mir für die Gestaltung der weiteren Kommunikation mit Ihnen.“