Dierk Schaefers Blog

Todessehnsüchtige junge Männer[1]

Posted in Kriminalität, Kriminologie, Kultur, Medien, Moral, News, Psychologie, Soziologie, Täter, Terrorismus, Tod by dierkschaefer on 12. Oktober 2019

Sie lieben den Tod. Er soll sie groß machen und über ihre dürftige Existenz hinwegheben.

[2]

In der Erklärung der Motive von Amoktätern sind wir schon weiter. Eine vermeintliche oder tatsächliche Kränkung ist der Ausgangspunkt ihrer Rache, möglichst an denen, die sie für schuldig halten. Im Fall der Amoktäter ist es meist ihre persönliche Umwelt: die Schule, in der sie versagt haben.[3]

Die Kriminologin Britta Bannenberg nennt als Persönlichkeitsmerkmale[4]:

Täterpersönlichkeit 1

  • Ängstliche stille Kinder
  • Aufmerksamkeitsprobleme
  • In der Grundschule bereits: Angst vor Gleichaltrigen, Lern- und Konzentrationsschwierig­keiten („Träumer“)
  • Später „verstummt“, starren im Unterricht vor sich hin, Versetzungen aus Mitleid und als Belohnung für Wohlverhalten

Täterpersönlichkeit 2

  • Rückzüglich, still, nicht aggressiv auffällig
  • Verdacht oder Diagnose erheblicher Persönlichkeitsstörungen (narzisstische Persönlichkeits­störung – depressive Phasen abgelöst von starken Hass- und Rachephantasien; Schwelgen in der Tatplanung)
  • Die Täter wissen, dass etwas nicht mit ihnen stimmt (Hinweise, etwa Faltblatt …)

Täterpersönlichkeit 3

  • Tagebücher, Aufzeichnungen, Äußerungen gegenüber Mitschülern, Gleichaltrigen …
  • Einzelgänger – täuscht teilweise, da in der Schule zwingend Kontakt
  • Äußerungen zu Suizid, Amok, großem Abgang … „ich werde es tun und nehme noch jemanden mit!“

Täterpersönlichkeit 4

  • Unangemessene Kränkbarkeit – sie fühlen sich gemobbt, werden aber nicht gemobbt
  • Hass, Ablehnung anderer, Rache – scheint nie nachvollziehbar und aufgesetzt
  • Pubertäre Probleme vermischt mit grandiosen Ideen eigener Gewalt
  • Zum Teil lange Tatplanung, Todeslisten, gedankliche Vorwegnahmen der Tathandlungen (die zum Teil auch ausgeführt werden) – sich steigernde Phasen

Täterpersönlichkeit 5

  • Probleme im Umgang mit Mädchen und Sexualität – aus Schüchternheit und Wünschen nach Beziehungen wird Ablehnung und Hass
  • Eltern wissen oder ahnen,
  • dass ihr Sohn psychische Probleme hat, unternehmen aber nichts
  • Lehrer bemerken Probleme nicht (unauffällige Schüler) oder sehen aus Hilflosigkeit über die schlechten Leistungen der verstummten Schüler hinweg

„Es scheint mir beim Phänomen Amok im Wesentlichen um Suizid (Bilanz-Suizid) zu gehen, allerdings mit oft gezielt-aggressiv-tödlicher „Mitnahme“ Anderer. Motiv oft: Vom nobody zum somebody![5]

Die gilt nicht nur für Amoktäter,

sondern auch für

  • die aktuellen Terrorangriffe [6]
  • für Prominenten-Stalking mit Tötung
  • für Kriegsbegeisterung

Bleiben wir bei den aktuellen Terrorangriffen mit vermeintlichen Feindbildern, vermeintlich, weil auf mehr oder weniger kollektiven Mythen aufsitzend. Die Täter sind nicht in erster Linie Antisemiten[7] oder Hasser des westlichen Lebensstils. Sie greifen nur die in ihrer Phantasiewelt gängigen Mythen und Schuldzuweisungen auf, um ihr Ungenügen und ihren Hass zu begründen.[8]

Helene Bubrowski und Constantin van Lijnden beschreiben «ein Radikalisierungsprogramm für erfolg- und orientierungslose junge Männer. … „Im Tod haben Mitglieder von Project Mayhem einen Na­men“, heißt es im Film Fight Club, wo ori­entierungslose junge Männer sich unter Aufgabe ihrer Individualität für Zerstö­rungs­aktionen gegen die Gesellschaft zu­sammen­schließen, um ihrem Leben einen Sinn zu geben – wer dabei umkommt, den ehren die Ver­bliebenen, indem sie ihn wie­der als Person anerken­nen statt als bloße Nummer….

Doch bald wird er [B.] sich dort buchstäb­lich einen Namen machen. Bald, wenn er erst genügend Juden ermordet hat und schließlich selbst getötet wird, werden die anderen Anons[9] wissen, wie er wirklich heißt, und werden ihm einen Platz einräu­men neben den anderen „Heiligen“« [Doch er hats verkackt:] »Sein Plan zerrinnt ihm in den Händen, als er die Tür zu seinem Anschlagsziel, einer Synagoge in Halle, verschlossen findet und stattdessen zu­nächst wahllos eine Passantin und so­dann einen Mann in einem Dönerladen erschießt. „ER VERSAUTS TOTAL, AA-AHHH Ist das unbeholfen“, schreibt ein „Anon“, der das Video live betrachtet, … „Oh man, das ist wie eine Slap-stick-Komödie“, meint ein anderer.« [10]

Bubrowski und van Lijnden erwähnen auch den sexuellen Aspekt. Auf B. warten, ähnlich wie auf die Märtyrer im islamischen Paradies, Frauen: »in seinem Manifest fabuliert er von sexuell gefügigen japanischen Animefiguren, die ihn nach seinem Tod in „Valhalla“ erwarten würden, sogenannten „Wai-fus“. Der Begriff ist eine Verballhornung des Englischen „Wife“ (Ehefrau) und bringt die ganze traurige Einsamkeit der In­cels[11] auf einen Punkt: Die „Waifus“, an de­ren Seite sie sich imaginieren, sind in ihrer Vorstellung ein Leben lang treue, hinge­bungsvolle, „echte“ Frauen, von denen sie mit großen Augen angehimmelt werden, die es aber auch mit gönnerhafter Fürsorge zu behandeln gilt. So verklärt und aus der Zeit gefallen dieses Frauenbild wirkt, so verquer sind auch die Vorstellungen dar­über, wie man sich die Gunst seiner „Wai-fu“ zu verdienen habe: Wie ein „echter Mann“ nämlich, im mutigen und siegrei­chen Kampf mit dem Feind, den Juden. Das alles mag vollkommen bizarr klin­gen, ist aber letztlich nur das Produkt von geringer Sozialkompetenz und niedrigem Selbstbewusst­sein[12], die in digitalen Echo­kammern über Jahre verstärkt, mit frauen- und fremdenfeind­lichen Vorstellungen an­gereichert und schließlich zur mörderi­schen Reife gebracht werden.«

Wie bei manchen School-shootings gibt es auch von diesen Hass-Tätern Manifeste, die sie hinterlassen oder schon vor der Tat ins Netz stellen. Oder sie zwingen uns neuerdings gar per Webcam beim Angriff die Tat mit ihren Augen zu sehen.

Im Hintergrund haben wir in der Regel jedoch sich selbst bedauernde Individuen, die den großen Abgang planen. Den sollten wir ihnen nicht gönnen, sondern in den Medien ihre Erbärmlichkeit in den Vordergrund stellen, in der Hoffnung, dass dies mehr abschreckt als die ins Auge springende fürchterliche „Großartigkeit“ ihrer Taten. Es sind im Grunde arme, gekränkte „Würstchen“, in den Tod verliebt, der ihnen die Größe verleihen soll, die ihnen – wie sie meinen – zusteht.


[1] Zweite, erweiterte Auflage

[2] Arnold Böcklin, Die Pest

[3] Amok als Form der Kommunikation

Finale Kommunikation / Schlussabrechnung

  • Jugendliche – School-shoting
  • Familientragödien

[4] Britta Bannenberg, Amoklauf – Kriminologische Erkenntnisse über ein spezielles Phänomen von Tötungsdelikten

[5] Ausführliche Literatur beim Verfasser

[6] Dazu sollte auch der „Todesflieger“ gezählt werden https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/03/28/das-lachen-der-tater/ Dazu auch: https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/03/24/manner-morden-lachelnd/

[7] Remko Leemhuis schreibt auf Twitter: Die Mutter des Terroristen von #Halle: „Er hat nichts gegen Juden in dem Sinne, er hat was gegen die Leute, die hinter der finanziellen Macht stehen. Wer hat das nicht?“

[8] Thomas-Theorem: „If men define situations as real, they are real in their consequences“

Wenn Menschen Situationen für real halten, dann sind sie in ihren Konsequenzen real. https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas-Theorem

[9] Anons, die noch Anonymen

[10] FAZ, 12.10.2019, S. 3

[11]»„Incels“ nennen sich dort Nutzer, die keine Frauen abbekom­men, von „involuntary celibacy“, ungewoll­tes Zölibat. Zu ihren Merkmalen zählen weinerliches Selbstmitleid bei gleichzeiti­gem Selbsthass und ein unerfülltes An­spruchsdenken gegenüber Frauen, das schnell in Vergewaltigungs- oder Gewalt­fantasien umschlägt.« FAZ, 12.10.2019, S. 3

[12] Dirk Lorenz schreibt auf Twitter: »Die Frage nach psychologischen Motiven stellt sich tatsächlich niemand, soweit ich das sehe. Dabei wurden im Haus des Täters mehrere Zettel mit der Aufschrift „Niete“ gefunden. Er selbst nannte sich in der Videoübertragung „Verlierer“. Think about it.«

Erinnerung und Identität

Stein des Anstoßes für diesen Essay war ein Gedenkstein auf dem Gelände des Wittekindhofs: „Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung.“

Ich kannte den Text anders: „Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung.“ So steht es auf dem Gedenkstein vor der Ulmer Synagoge.

Erinnerung

Erinnerung und jüdische Identität

„Bist du Jude?“ Als Sally[1] sich von seinen Eltern im Ghetto in Łódź[2] verabschiedete, hatte er zwei Auf­träge bekommen. „Vergiss nicht, dass du Jude bist!“, hatte ihm sein Vater als Ver­mächtnis mitgegeben, „Du sollst leben!“, seine Mutter. „Ich möchte die letzten Abschieds­worte meiner Eltern erwähnen, weil sie für meine Zukunft von entscheidend­ster Bedeutung waren. Meine Eltern waren sehr religiöse Juden, Gott war der Inhalt unserer Familie. Auch ich war erfüllt von Gottesfurcht. Mein Vater sagte mir, nachdem er mir seinen Priestersegen gegeben hatte, seinen letzten Wunsch: »Sally, vergiß nie, wer du bist.« Damit wollte mir sagen: bleibe immer Jude, glaube immer an deinen Gott, er wird dir in der Not beistehen. … Damit wollte er mich stärken. Meine Mutter fügte drei einfache Worte hinzu bevor ich sie verließ, sie sagte: »Sally, mein Sohn, du sollst leben.« Das war ein Befehl. … Erst nach vielen, vielen Jahren, als ich begonnen habe, meine Geschich­te zu bewerten, zu analysieren, wurde mir klar, daß diese drei Worte: Du sollst leben! auch mein Leben gerettet haben. [3] Nun stand er in einer Reihe mit anderen Flücht­lingen auf einem schlammigen osteuropäischen Waldstück, vor ihnen ein deutscher Soldat, der sie der Reihe nach überprüfte. Sally trat seine Identitätspapiere in den Schlamm. Als er an der Reihe war, antwortete er: „Ich bin kein Jude, ich bin Volksdeutscher.“ Damit begann Sallys zweites, nein, sein paralleles, sein gespaltenes Leben als Jupp, der Hitlerjunge.[4]

Sein drittes Leben begann nach einer Art geistigen Quarantäne von 40 Jahren[5]. Damit kam das Erinnern, nicht nur das Sich-Erinnern. Noch über 90jähriger kommt er immer noch regelmäßig nach Deutschland, um Jugendliche zu erinnern.[6] „Ihr wollt in die Hitlerjugend?“ fragte er, als in einer Aula mehrere Schüler aufstanden und ihm den Hitlergruß entboten. „Dann fragt mich. Ich war da.“ Und hinterher, so erzählte er, standen diese Jugendlichen mit seinem Buch in der Schlange und wollten eine Widmung.

In seinem dritten Lebensabschnitt kann er die beiden Personen, Jude und Hitlerjunge, zwar nicht vereinen, aber nebeneinander stehen lassen. Mit seinem glaubhaften Auftreten vor deut­schen Jugendlichen sorgt er dafür, dass die Erinnerung nicht verblaßt: „Ihr seid jetzt alle Zeit­zeugen!“ sagt er ihnen und nimmt sie in die Pflicht zur Erinnerung.

Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung. So lautet die vielzitierte Aussage des Ba’al Schem Tov[7]: „Das Exil wird länger und länger des Ver­gessens wegen, aber vom Erinnern kommt die Erlösung“. [8], [9]

Was bei Sally Perel eine vielleicht nur in seiner individuellen Psyche sich abspielende identi­tätsverändernde Erlösung ist, dürfte der Begründer des Chassidismus kollektiv gemeint haben: Die Erinnerung an Israels Geschichte mit Gott und an seine Gebote – und an seine Feinde.

Es ist nicht leicht, im Exil, im Ausland, im Elend[10] seine Identität mit all den 613 nicht gerade lebenspraktischen Geboten[11] zu bewahren und zu behaupten. Israels Identität beruht auf der Erinnerung: „Ein umherirrender Aramäer war mein Vater…[12] Diese Erinnerung ist mit der Hoffnung auf ein Ende des Exils verbunden: Wenn du in das Land kommst, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, und nimmst es ein und wohnst darin.[13]

Den liturgischen Ort dieser Erinnerung finden wir in der Pessach-Haggada.

Eine persönliche Erinnerung: Unsere Reisegruppe sitzt am Seder-Abend in einem Kibbuz am See Genezareth. Natürlich wollen wir an der Zeremonie teilnehmen. Judit, unsere Reise­füh­rerin, besorgt den Text der Haggada mit deutscher Übersetzung. „Die Männer müssen den Kopf bedecken“, sagt sie. Ja, es genüge auch ein Taschentuch oder ein Waschlappen. Und so sitzen wir lächerlich bedeckt im Hintergrund und verfolgen mit unserem Text­büchlein[14] not­dürftig den uns fremden, auf hebräisch gesprochenen Ritus. Es geht um den Allmächtigen, der sein auser­wähltes Volk aus Ägypten[15], aus der Sklaverei geführt hat. Je länger ich zuhöre und schaue, verkehrt sich für mich die Reihenfolge: Es geht um das Wir! der Auserwählten mit ihrem Gott.

Plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Diese zur Schau gestellte fröhliche aber zugleich ausgren­zende Auserwähltheit ist eine der Wurzeln für die Ablehnung durch die Nicht-Aus­erwählten, die doch meinen und überzeugt sind, Gott sei ihrer und der richtige, so die Christen (wie auch die Moslems). Freud nannte als ersten Grund für den „unsterblichen Haß“ auf die Juden den „nicht überwundenen Glauben an die Auserwähltheit Israels, der bei den nicht-jüdischen Völkern starke Eifersucht ausgelöst habe. Die Idee der Auserwähltheit löst so massiven Neid aus, dass die eigene Überlegenheit behauptet bzw. das eigene Gefühl der Minderwertigkeit durch Verfolgung der Juden bekämpft werden muss.“[16]

Die immer wieder als verbindend beschworenen „Abrahamitischen Religionen“ sind Kon­kur­renzreligionen, schon immer gewesen. Dem Schock durch den Holocaust folgte, jedenfalls bei einigen, das Schuldbewusstsein der Deutschen und der Christen unter ihnen. Zurzeit wird der Hass auf die Juden bei uns wieder lebendig. Viele eingewanderte Muslime bringen einen abgrund­tiefen Judenhass mit. Eine Reihe von Deutschen wiederum hassen beide, die Muslime und die Juden. Jüdische Einrichtungen stehen – nicht nur in Deutschland – unter polizei­li­chem Schutz.

Wie aber konnten die Juden – wohl als einziges Volk in der Weltgeschichte – ihr „Narrativ“[17] bewahren? Trotz aller Ausgrenzung, Verfolgung und Progrome bis hin zum Holocaust?[18]

Es begann mit den Erzählungen, in denen die Juden sich von Gott als auserwählt darstellen; diese Erzählungen wurden schließlich schriftlich fixiert und gewannen quasi kanonischen Charakter.

In der Profange­schich­te hatten „die Kinder Israel“ selten Glück. Doch für Rückschläge fan­den sie ihre Erklärung im selbstverschuldeten Versagen, im Ungehorsam gegenüber Gottes Gebo­ten und der Vorstellung der gerechten Strafe durch einen geradezu pädagogisch wirken­den Gott. Ein in sich geschlossenes Gedankensystem, das sich selbst erhält, auch durch die negati­ven Verstärker.

Voraussetzung dafür ist die Erinnerung und damit die Fortschreibung des Narrativs. Die zehn verlorenen Stämme werden wohl keine rituelle Erinnerung gepflegt haben und sang- und klanglos in anderen Völkern aufgegangen sein, vermutlich im Nahen Osten.[19] Zur Zeit des Neues Testamentes finden wir die Juden über das ganze Römische Reich verteilt, teils ohne und teils mit Zwang. Ursache für Verfolgungen und Ausweisungen hatten eher politische Gründe. Der strikte Monotheismus allerdings störte in einer polytheistischen Umwelt. Die Juden standen nicht auf dem Boden der römischen Staatsräson und verweigerten den „Treue­eid“, indem sie Roms Göttern nicht opfern wollten. Doch es ging nicht nur um Staats­raison. Mit ihrem alle anderen exkludierendem Selbstbewusstsein wurden sie als Störenfried in der in Religions­dingen toleranten Gesellschaft wahrgenommen.[20], [21] Erst der moderne jüdische Staat hat das Gedankengefängnis verlassen und sieht sich als Akteur im nahöstlichen Geschehen. Damit hat er Israels Opferrolle – gegen den Widerstand der Ultraorthodoxen – abgelöst durch ein „Winner-Bewusstsein“: Nie wieder Masada![22] Moni (Menasche) Ben-Ari, ein Sabre[23], Siedler und „weltlicher Jude“, erinnert sich sehr nachhaltig: »Es läßt mich nicht in Ruhe. Was denken Sie denn? Ich habe noch Rechnungen zu begleichen, die dreitausend Jahre alt sind. Es sind die meines Volkes. Ich habe sie immer bei mir. Es hat mich niemand gefragt, als sie mir aufgeladen wurden. Jetzt trage ich die Last! Ich brauche mir nur zu überlegen, was ich mit dieser Last mache und wie ich der nächsten Generation ein Leben ermöglichen kann. Das sind die Gedanken, die mich leiten.«[24]

Erinnerung und deutsche Identität

Joseph Wulf,[25] deutsch-polnischer Historiker jüdischer Herkunft und Holocaust-Überle­ben­der, schrieb am 8. September 1964 an Ernst Jünger[26]: »Ich könnte eigentlich auch über anti-jüdische Pogrome und Antisemi­tismus im allgemeinen in der Sowjetuni­on schreiben. Über dieses Thema habe ich ein ganz grosses Archiv. Weiterhin könnte ich beispielsweise doku­men­tie­ren, wie sowjetische oder polnische Parti­sanengruppen während des zweiten Welt­krieges Juden gemordet haben. Aber da sage ich Ihnen aufrichtig, ich werde solche Bücher wahrscheinlich in Deutschland nie veröffentlichen. Sie le­sen, wie Sie mir mal gesagt haben, wenig Zeitungen, und deshalb wissen Sie wahr­scheinlich nicht, dass es heute in Deutsch­land Kreise gibt, die eine neue These auf­bauen. Das ist die folgende: alle sind Mör­der – die Amerikaner haben gemordet, die Franzosen haben gemordet und wir Deutsche haben auch gemordet.«

Eine persönliche Erinnerung: „Juden und Deutsche sind durch den Holocaust aneinander gekettet,“ sagte ich dem damaligen Landesrabbiner, den ich für ein Referat gewinnen wollte. An seine Antwort erinnere ich mich nicht mehr, aber er war nicht zufrieden mit dem Spruch.

Eine weitere persönliche Erinnerung: An der Klagemauer. Ein Jude spricht mich an, woher ich komme. „Germany“, sage ich und habe ein verdammt schlechtes Gefühl. Da stehe ich an der Klagemauer und muss offenbaren, dass ich aus dem Land der Täter komme, – auch wenn mein Jahrgang nicht involviert war.

Noch eine persönliche Erinnerung: Yad Vashem. Meine Mutter, sie war „Parteimitglied“, bekommt einen Schwächeanfall angesichts der Berge von Schuhen. Ich kümmerte mich um sie, doch mir fiel auf, dass sie mir nicht leidtat.

Doch wir müssen unterscheiden. Der systematische Judenmord war eine rein deutsche Ange­le­genheit, aber die Ausgrenzung der Juden, die Pogrome und die Vertreibungen gehören zum christlichen Abendland. Ohne den Antijudaismus an manchen Stellen des Neuen Testamentes ist der Antijuda­ismus des Abendlandes nicht erklärbar und die Spur führt bis zum rassischen Antisemitismus der gut bürgerlichen Schichten, bis hin zum Holocaust, und das schon seit Luther.[27] Der Anti­semitismus durchzieht die gesamte abendländisch-christliche Geschichte und gehörte zum jüdi­schen Narrativ des verfolgten Judentum in der Diaspora. Ich überblicke nicht, inwie­weit der Antisemitismus für die Identität anderer europäischer Gemein­schaf­ten/Nationen eine Rolle spielt, wenn man davon absieht, dass ein Pogrom und die begleiten­den Plünde­rungen die Täter in actu zusammengeschweißt haben dürften. Deutschland hat auch hier einen „Son­der­weg“ beschritten, indem es glaubte, die „Juden sind unser Unglück“. Sie wurden es, weil die angestrebte „Endlösung“ zu Deutschlands Kainsmal wurde. Das Wider­streben all der wil­li­gen Helfer gegen die Erinnerung mit Beschweigen und verzögerter juristischer Aufar­bei­tung der Verbrechen hat allerdings dazu geführt, dass es lange dauerte, bis der Genozid tat­säch­lich im Bewusstsein der Deutschen angekommen war, und als Bestand­teil der Staats­räson deklariert wurde.[28] Zwar wäre es wohl unrealistisch zu fordern, der Judenmord solle in ein deutsches Nationalnarrativ aufgenommen werden.[29] Doch manche würden gern ver­gessen. »Man kann nicht sagen, dass das Volk davon überzeugt wäre. Seit Jahrzehnten stellen Demoskopen bei einer Mehrheit den Wunsch fest, einen Schlussstrich zu ziehen; die Zustim­mung zu der entsprechen­den Frage schwankt etwa zwischen der Hälfte und zwei Dritteln.« [30] Einerseits sind wir also geradezu Musterknaben im Erinnern und in der „Auf­ar­beitung“ unse­rer Vergangenheit, andererseits möchten viele nicht mehr erinnert werden und an die Tradi­tion der Dichter und Denker anknüpfen, als ob nichts gewesen wäre.[31] Das Holo­caust­denkmal wird unterschiedlich wahrgenommen und gehört auch mit zu den Anlaufstellen eines „Traum­urlaubs“[32]. Doch die „Vergangenheitsbewältigung“ führt angesichts der Monstrosität des Ver­brechens allenfalls zur Selbsttäuschung. Der mordende SS-Mann wurde zu einer Ikone des Deut­schen nicht nur in Literatur und Comic, sondern die Nazi-Symbole werden bei Bedarf auch in der politischen Auseineinandersetzung wieder hervorgeholt.[33] Der Erinnerung an den Holocaust werden wir Deutschen uns auch weiterhin stellen müssen. Sie gehört zu unserer nationalen Geschichte und die Frage ist, ob unsere Neubürger (Asylsuchende und Flüchtlinge) sie akzeptieren[34], wenn sie sie sich auch nicht zu eigen machen können.[35]

 

Erinnerung und christliche Identität

Ich hätte dem Landesrabbiner wohl besser gesagt: „Juden und Christen sind durch den Antiju­daismus aneinander gekettet.“ Vielleicht hätte er dem zugestimmt. Es ist tatsächlich eine merk­würdige und einseitige Hass-Verbundenheit, um nicht Hass-Liebe zu sagen, die beide Gruppen seit altersher verbindet. Bereits im Neues Testament haben die Christen den Juden das Erst­geburts­recht auf Auserwähltheit aberkannt. Der Alttestamentler Herbert Donner sprach in der Vorlesung vom zwangsgetauften Alten Testament. Es wurde und wird immer noch als zeichenhaft auf Christus hinweisend interpretiert.[36] Heidenchristen begründeten seit dem 2. Jahrhundert mit solchen antijüdischen NT-Aussagen die Substitutionstheologie,[37] die den Heilsverlust aller ungetauften Juden behauptete.[38] Und nicht erst die Heidenchristen: Selbst wenn der Blutruf, Sein Blut komme über uns und unsere Kinder, nur die Exculpierung der Römer bezwecken sollte, hat er eine verheerende Tradition ingang gesetzt.[39] Das muss hier nicht weiter ausgeführt werden. Wichtig ist das psychologische Moment: Die identitäts­wahrende Wirkung für beide sich voneinander distanzierende Gruppen: Juden und Christen. Sie zeigte sich durchgehend im Ausschluss der Juden von „ehrlichen“ Berufen. Und dann der nicht völlig beigelegte Streit über die „Judenmission“.

»Die Problematik scheint stark in der Struktur der beiden Religionen begründet zu sein. Ein offener Dialog ist möglich, wenn sich die Gesprächspartner auf der gleichen Ebene befinden. Aus jüdischer Sicht ist es selbstverständlich, christliche Lehren, so weit sie nicht andere Indi­viduen oder Gruppen negativ tangieren, zu respektieren, da das Judentum nicht behauptet, im Besitz der allein „wahren Lehre“ zu sein. Fundamentalistische Christen hingegen fühlen sich aufgrund ihres Bibelverständnisses dazu berufen, Juden zu evangeli­sieren, d.h. sie zum Glauben an Jesus als den Messias und G’ttes­sohn zu bringen. Sie sind von der Struktur ihrer Glaubensüberzeugungen her nicht in der Lage, die jüdische Religion als vollwertig und gleichwertig zu akzeptieren, da sie den alleinigen Anspruch auf die Wahrheit erheben.«[40]

 

Versöhnung – Versuch einer Identitätsreparatur

»Durch seine Orientierung am Neuen Testament beruhte christliche Identität lange Zeit auf (feindlicher) Abgrenzung; seit der systematischen Vernichtung des europäischen Judentums wächst die Einsicht, dass Abgrenzung und Judenfeindschaft dem Christentum selbst gescha­det haben. Der Dialog zielt auf Heilung der auf beiden Seiten eingetretenen, unter­schied­lichen Schäden,[41] unterschiedlich verursacht und unterschiedlich erlitten. Auf christlicher Seite setzt er die Bereitschaft und Fähigkeit zu grundlegender Umkehr und zu einem neuen Verhältnis mit dem Judentum voraus: Das Christentum hat und behält im Judentum seine Wurzeln; darum ist es mit ihm wesenhaft verbunden«.[42] – Es geht also, zumindest auch, um Schadens­begrenzung auf christlicher Seite. Doch das ist so, wie wenn ein Vergewaltiger erkennt, dass sein Image gelitten hat; zwar verurteilt er seine Tat, ist nun aber auch um seine Rehabilitation bemüht und sucht dazu den Dialog mit dem Opfer. Makaber?

Die Nachfolger der Täter sprechen von Versöhnung und vereinnahmen damit die, die allen­falls berechtigt wären, von Versöhnung zu sprechen. Da gibt es Beispiele: Die Gemeinde Süßen im Landkreis Göppingen war besonders eifrig bemüht, „judenfrei“ zu werden. Die evangelische Jugend leistete dann Aufbauarbeit in Israel und Süßen lud ehemals Verfolgte ein, die überlebt hatten. Aus der Ansprache des Gemeinderats und Mitglied der Landes­syn­ode: „Ich freue mich, dass Sie durch Ihren Besuch als Versöhnte unseren ausgestreckten Arm angenommen haben“.[43] Welche Vereinnahmung, welche Anmaßung! Kurt Grünberg verdeut­licht die Dissonanz: »Mitunter wird christlich-jüdische „Begegnung“ gesucht, die die durch die nationalsozialistische Judenverfolgung geschaffene Kluft zwischen Juden und Deutschen überwinden helfen soll. Spätestens jedoch, wenn die Hand zur Versöh­nung gereicht oder zuweilen gar verlangt wird, spätestens dann wird auf jüdischer Seite häufig ein gewisses Unbe­hagen spürbar; der Gedanke kommt auf, vielleicht doch „im falschen Zug“ zu sitzen. Dann erkennen Juden, daß sie „eingebunden“ werden sollen, daß sie sich als Teil eines „Gedächtnistheaters“ (Bodemann 1996) zur Verfügung stellen sollen, um den Deutschen zu helfen, mit der „Last Deutscher zu sein“ (Giordano 1987) besser fertig zu werden. Juden erkennen, daß sie letzten Endes mißbraucht werden sollen.«[44]

Anderen Opfergruppen wird in ähnlicher Weise Versöhnung aufgenötigt. So mit der Ver­wen­dung des eingangs erwähnten Gedenksteins auf dem Wittekindshof.[45] Diese Einrichtung war wie viele andere Ziel der Nazis bei der Vernichtung „unwerten Lebens“. Der Abtransport geschah gegen den Willen der Anstalt. Es ist gut, aber auch schmerzlos, daran zu erinnern. Auch auf der Homepage der Anstalt wird der Vorgang unter Hinweis auf die Nazis benannt.[46] Versöh­nung? Wozu und mit wem? Dann gibt es aber noch einen eigenen Anteil an Unrecht und Schuld. Die ehemaligen Heimkinder der Einrichtung werden zwar im Gedenkgottesdienst erwähnt, doch die einschlägigen Texte auf der Homepage sind nicht mehr vorhanden.[47] Hier will man nur noch rituell gedenken, nicht einmal konkret erinnern. Aber man beschwört Ver­söhnung, um eine neue, saubere Identität präsentieren zu können.

 

Die Aufgabe der Identität und die Konsequenzen

Um Erinnerung und Identität geht es auch manchen Neubürgern. Sie erinnern an die Frühzeit des Islam und wollen so leben, wie sie meinen, dass die Gläubigen damals gelebt haben.[48] Das soll hier nicht näher ausgeführt werden. Doch es gibt Stimmen, die sich von dieser Identi­tät lösen wollen und einer weitestgehenden Assimilation das Wort reden. Besonders deutlich die Stimme von Zana Ramadani [49] in ihrem Buch Die verschleierte Gefahr.[50] Darin ist sie vergleichbar mit der schon erwähnten Deborah Feldman[51], die in der FAZ eine Art Bekennt­nis zur deutschen Gesellschaft ablegte. [52] Die barbusigen Auftritte des CDU-Mit­glieds Rama­dani im Rahmen der FEMEN-Aktionen sind eine spektakuläre Abkehr von allem, was wir mit Islam und seinem Frauenbild verbinden, doch abgesehen davon ist auch die Position von Feld­man ein vergleichbar-radikaler Bruch mit ihrer religiösen Vergangenheit. Der Bruch mit der frühe­ren Identität ist Ergebnis ihrer unguten Erinnerung und konversions­ähnlichen Umbe­wertung ihrer Vergangenheit. [53] Hier hat schonungslose Erinnerung zu einer grundlegenden Erlösung geführt. Die Parallelen zu Paulus im Philipperbrief sind nur zu deutlich: „Ich erachte mein bisheriges Leben für Kot.“

Noch spannender ist die Frage deutscher Erinnerung und Identität angesichts der aktuellen Herausforderungen durch Einwanderer, deren Identität fest in der unkritischen Erinnerung und Vergegen­wärtigung ihrer Religion wurzelt. Im Land herrscht „religiöse Ahnungs­losig­keit“ schreibt Michael Wolffsohn in der Schwäbischen Zeitung und meint damit beide, Chri­sten und Juden.[54] Ein Befund, der so neu nicht ist. Harm de Blij wies bereits 2009 darauf hin, dass Anführer ethno-religiöser Gemein­schaften, gemeint sind islamische, »höchst unflexible und rückwärtsgewandte Eigenschaften ihres Glaubens« in ein Europa übertragen könnten, »das immer noch die Narben aus Glau­bens­kriegen von vor einem halben Jahr­tausend trägt. Das ist ein Kampf grundsätzlicher Gegen­sätze in einer Gegend, deren Bevöl­kerungszahlen schrumpfen, und viele durch Über­legungen den Glauben an den Glauben verloren haben – und nun werden sie mit der Vitalität, demographisch wie religiös, eines unendlichen Stroms von Einwanderern mit einem unerschütterlichen Glauben an den Glauben konfrontiert.«[55]

Wer sein kulturelles Gedächtnis, das auch ein religiöses ist, leichtfertig vergibt, schwächt seine Identität und wird kaum anderen, starken Identitäten standhalten können.

 

Das Thema Erinnerung in Zusammenhang mit Missbrauchserfahrungen hatte kürzlich hier im Blog eine nachdenkenswerte Fortsetzung:

https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/08/27/die-erinnerung-soll-ein-bruder-sein-doch-wohl-eher-eine-schwester/

https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/08/29/auf-kindesmissbrauch-kann-lebenslaenglich-stehen-fuer-die-opfer/

Fußnoten

[1] Ich habe Sally Perel mehrfach erleben dürfen, sogar mit meiner Familie und ihm einen Ausflug gemacht. Dadurch habe ich ihn mehrfach mit seiner Geschichte gehört. Seine Berichte changieren ein bißchen in der Wortwahl, sind aber in den Grundzügen überprüft: „… es wurde auch in einigen Medien behauptet, dieser alte Herr dort in Israel — damit meinte man mich — hat diese Geschichte erfunden. Um das zu beweisen, haben mich zwei deutsche Zeitschriften aus Israel nach Deutschland eingeladen, der Stern und der Spiegel. Unter anderem ist es ihnen gelungen, die Adresse des Soldaten ausfindig zu machen, der mir damals gegenüberstand und mich fragte, ob ich Jude bin. Wir haben ihn bei sich zu Hause besucht. … Die Journalisten fragten ihn: »Herr Weidemann« – so heißt er – »erinnern sie sich noch an diesen Moment?“«. Er sagte: »Ja, natürlich. Ich war mit ihm fast ein Jahr in derselben Wehr­machtseinheit.«“ Textbeispiel 9 in „Rück-Sicht“ (runterscrollen) https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/05/kriegskinderkongress_frankfurt.pdf

[2] Es war das am längsten existierende nationalsozialistische Ghetto und nach dem Warschauer Ghetto das zweit­größte. Es diente, wie die anderen NS-Ghettos auch, vor allem als Zwischenstation vor der Deportation in die Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno nad Nerem), Auschwitz II, Majdanek, Treblinka und Sobibor. https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Litzmannstadt

[3] Textbeispiel 9 in „Rück-Sicht“, s. Anmerkung 1 https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/05/kriegskinderkongress_frankfurt.pdf

[4] „Ich sollte nicht vergessen, wer ich bin, und habe doch vollkommen vergessen, wer ich bin. Ich wurde ein Hitler­junge. Der aus mir gewordene Hitlerjunge mußte sich so schnell wie möglich und so weit wie möglich von dem in ihm jetzt versteckten Sally entfernen und vergessen, und das ist mir gelungen. Ich habe Sally vergessen, nur so konnte ich überleben.“ Textbeispiel 9 in „Rück-Sicht“, s. Anmerkung 1 https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/05/kriegskinderkongress_frankfurt.pdf

[5] „Er brauchte 40 Jahre, um das Erlebte zu verarbeiten.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Sally_Perel https://www.profil.at/kultur/doppelleben-hitlerjungen-salomon-7759615

[6] https://www.google.de/search?client=firefox-b&dcr=0&ei=74FYWvjfAsKrUaCig8gC&q=sally+perel+termine+2018&oq=sally+perel+termine&gs_l=psy-ab.1.0.0l3j0i22i30k1l2.67946.69270.0.72153.7.2.0.5.5.0.116.213.1j1.2.0….0…1c.1.64.psy-ab..0.7.257….0.nYb0hiJxDxs

[7] „Rabbi Israel ben Elieser (ישראל בן אליעזר‎), genannt Baal Schem Tov (בעל שם טוב ‚Besitzer des guten Namens‘), abgekürzt Bescht; geboren um 1700 in Okop bei Kamieniec-Podolski, Polen-Litauen; gestorben am 22. Mai 1760 in Międzyborz (jiddisch מעזביזש Mezbizh), Wojewodschaft Podolien, Polen-Litauen) gilt als der legendäre Begründer der chassidischen Bewegung im Judentum.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Israel_ben_Elieser und ISRAEL ben Elieser BA’AL SCHEMTOW, Jüdisches Lexikon, Nachdr. d. 1. Aufl. Berlin, Jüd. Verl., 1927. – 1982, Bd. 3, Spalten 68 – 72

[8] „Das Wort Sachor gilt entweder G-tt oder dem Volk Israel. Israel soll sich seines G-ttes, seiner Geschichte und seiner Feinde erinnern. Ohne die Fähigkeit der Erinnerung gäbe es das jüdische Volk heute nicht mehr. Sachor bedeutet letztendlich Existenzsicherung durch Erinnern.“ http://www.israel-information.net/glossar/Sachor.htm

[9] Sefer Ba’al Schem Tov, II, 190 § 8; zitiert nach Grözinger, a.a.O., S. 32, entnommen aus Kurt Grünberg, Versöhnung über Auschwitz? http://www.hagalil.com/2011/02/versoehnung/

Zum Begriff Versöhnung weiter unten.

[10] elend‚außer Landes seiend‘, … ‚Außer Landes‘ oder ‚in einem anderen Land‘ ist der Ver­bannte oder Vertriebene, daher die Bedeutungsent­wicklung zu ‚unglücklich, jammervoll‘.“ aus: Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin, New York, 199923 S. 216f

[11] Mitzwot

[12] 5. Mose 26, 5

[13] 5. Mose 26, 1+3

[14] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/27426142489/in/dateposted-public/

[15] „Der Hebräische Name für Ägypten ist „Mizrajim“, was „Grenzen“, „Einschränkungen“ und „Hindernisse“ bedeutet.“ http://de.chabad.org/holidays/passover/pesach_cdo/aid/1219847/jewish/Nchstes-Jahr-in-Jerusalem.htm

[16] aus: Wolfgang Hegener in Wolfgang Benz (ed.), Handbuch des Antisemitismus, Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, Bd. II, Berlin 2009, S. 251

[17] Es geht um die als gültig angesehene Erzählung, auch wenn sie aus kompilierten, redaktionell genealogisch verbundenen Geschichten besteht. In dieser Genealogie sind verwandte Konkurrenzstämme ausgegrenzt: Ismael, der Stammvater der Araber, Esau, Stammvater der Edomiter, Ham, Stammvater der Hamiten, Jafet, Stammvater der Völker nördlich von Israel, Lot,Vater und zugleich Großvater der Söhne Moab und Ben-Ammi, den Stammvätern der Moabiter bzw. Ammoniter. S. auch https://de.wikipedia.org/wiki/Narrativ_(Sozialwissenschaften) „Ein Narrativ ist eine sinnstiftende Erzählung, die Einfluss hat auf die Art, wie die Umwelt wahrgenommen wird. Es transportiert Werte und Emotionen, ist in der Regel auf einen bestimmtem Kulturkreis bezogen und unterliegt dem zeitlichen Wandel. In diesem Sinne sind Narrative keine beliebigen Geschichten, sondern etablierte Erzählungen, die mit einer Legitimität versehen sind.“

[18] Laut Deborah Feldman (Unorthodox, Zürich 20165) ist auch der Holocaust integraler Bestandteil des Narrativs der chassidischen Satmar-Gemeinde in New York. „Nach Meinung der Satmarer war die Vernichtungspolitik der Nazis ein göttlicher Racheplan, um assimilierte Juden für die Abkehr vom orthodoxen Weg zu bestrafen. Und wer nach der Shoah kein rigide orthodoxes Leben führt, taumelt womöglich in die nächste gottgewollte Katastro­phe hinein.“ http://www.deutschlandfunk.de/deborah-feldman-ueberbitten-suche-nach-einer-neuen.700.de.html?dram:article_id=392331

[19] Zehn der zwölf Stämme Israels gelten seit ihrer Verschleppung durch die Assyrer 722 v. Chr. als die „verlore­nen Stämme“. Diese haben seit alters die Phantasie beschäftigt. Sind sie einfach in anderen Völkern aufgegan­gen? Das ist die wahrscheinlichste, einfachste und unspektakulärste Lösung. http://www.ezw-berlin.de/html/15_1296.php s. auch: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/14280

[20] Die Mosaische Unterscheidung (Jan Assmann, Moses der Ägypter, Entzifferung einer Gedächtnisspur, Frank­furt am Main, 2000). Die Gründlichkeit, mit der Echnaton den Ammonskult durch seine Sonnenreligion ersetzt hatte, war Vorläufer der gnadenlosen Auslöschung seiner Spuren. Ist diese Auseinandersetzung ein Vorläufer aller ideologischen „Kriege“ um die absolute Wahrheit?

[21] „Das Volk Israel entdeckt, Gott ist nicht sein Privatgott, sondern er ist Gott und Vater aller Menschen“ , sagte Kardinal Marx unter Bezugnahme auf die Völkerwallfahrt zum Zion. http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/marx-nationalismus-ist-widerspruch-zur-bibel Das ist wohl richtig, aber es beeinhaltet die Unterwerfung aller Völker unter Israels Gott, perpetuiert also den Anspruch des israelischen Primats. s. auch: Völkerwallfahrt/Völkerkampf: https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/voelkerwallfahrt-voelkerkampf/ch/96f6a340ae122629a8952a7a7eedc000/

[22] http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/15685

[23] Sabre: https://de.wikipedia.org/wiki/Tzabar

[24] Zitiert bei David Grossmann, Der gelbe Wind, München 1988, S. 109

[25] https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Wulf

[26] https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_J%C3%BCnger

[27] Es war ausgerechnet der Humanistische Pressedienst, der zu Beginn der „Lutherdekade“ darauf aufmerksam gemacht hat: http://hpd.de/print/13504

[28] »Denn der Holocaust ist Kern des Selbstverständnisses der Bundesrepublik; das Gedenken daran ist ihre Staatsräson. Daher ist es nur folgerichtig, dass das Mahnmal so zentral in der Hauptstadt liegt, direkt am Brandenburger Tor. „Wir wollen Lehren ziehen, die auch künftigen Generationen Orientierung sind“ – so begründete Bundespräsident Roman Herzog 1996, dass er den 27. Januar, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, als Gedenktag proklamiert hatte. Ohne Auschwitz gebe es keine deutsche Identität, fügte sein Nachfolger Joachim Gauck 2015 hinzu.« http://www.rp-online.de/politik/deutschland/holocaust-gedenktag-2017-das-gedenken-als-staatsraeson-aid-1.6562723

[29] Auch wenn D.D. (Daniel Deckers) in der FAZ vom 11. Januar 2018 von einer unauslöschlichen Signatur der deutschen Geschichte schreibt,

[30] http://www.rp-online.de/politik/deutschland/holocaust-gedenktag-2017-das-gedenken-als-staatsraeson-aid-1.6562723

[31] Thüringens AfD-Chef Björn Höcke: „Wir brauchen eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ http://www.tagesspiegel.de/politik/hoecke-rede-im-wortlaut-gemuetszustand-eines-total-besiegten-volkes/19273518-all.html

[32] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/2508784391/

[33] So in Griechenland. http://www.n-tv.de/politik/Zeitschrift-wirft-Kanzlerin-Voelkermord-vor-article6829721.html und in der Türkei: http://www.handelsblatt.com/politik/international/tuerkei-streit-merkel-als-weiblicher-hitler-mit-ss-uniform/19532982.html

[34] Die Landtagsabgeordnete Doris Schröder-Köpf (SPD) sagte in ihrer Ansprache zur Chanukka zu antisemi­tischen Ausfällen von Zuwanderern, „notfalls müsse man dagegen neue Gesetze schaffen. Wer hierherkomme, müsse auch Reli­gionsfreiheit und Toleranz lernen. Quelle: Hannoversche Neue Presse, NP 18.12.2017

[35] Zur Zeit wird ein Pflichtbesuch deutscher Schulklassen, also inclusive von Zuwandererkindern, in einem der Vernichtungslager diskutiert; z.B. http://www.taz.de/!5476251/

[36] Man schaue sich beispielhaft den „Verduner Altar“ in Klosterneuburg bei Wien an. https://de.wikipedia.org/wiki/Verduner_Altar

[37] „Als Substitutionstheologie (von lateinisch substituere, „ersetzen“; auch: Ersatz-, Ersetzungs-, Enterbungs- oder Enteignungstheologie) bezeichnet man eine verbreitete christliche Lehre, wonach das von Gott erwählte Volk Israel nicht mehr das Volk seines Bundes, sondern für alle Zeit von Gott verworfen und verflucht sei. Aufgrund des angeblichen Gottes- bzw. Christusmordes seien Gottes Verheißungen an Israel auf die Kirche als neues Volk Gottes übergegangen. Juden könnten ihr Heil daher nur noch durch die Taufe erlangen, also durch die Aufgabe ihres Judentums.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Substitutionstheologie

[38] https://de.wikipedia.org/wiki/Antijudaismus_im_Neuen_Testament

[39] http://www.israelogie.de/2016/sein-blut-ueber-uns-und-unsere-kinder-juedische-alleinverantwortung-fuer-jesu-tod/

[40] http://www.judentum.org/judenmission/judenmission/dialog.htm

[41] Hervorhebung, Dierk Schäfer

[42] https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/juedisch-christlicher-dialog-christl-sicht/ch/980355f85c1fabb2b9b6c0210920741d/

[43] Quelle: Christian Buchholz, Gottes Geist an Fils und Alb, Lebensgeschichten, Göppingen 20171, S.104

[44] http://www.hagalil.com/2011/02/versoehnung/

[45] Link zum Photo und zum Pressebericht: http://www.nw.de/lokal/kreis_minden_luebbecke/bad_oeynhausen/bad_oeynhausen/21925448_Gedenkgottesdienst-fuer-Opfer-von-Gewalt.html

[46] https://www.wittekindshof.de/unternehmen/geschichte/

[47] »so kann die Anstalt mittlerweile auf ihrer Homepage zwar ein Kapitel „Geschichte“ präsentieren, den unseligen Teil dieser Geschichte, der allein der Anstalt anzulasten ist und nicht den Nazis, ganz einfach verschweigen. Ein besonderer Link ist seit 2012 nicht mehr zugänglich.« https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/09/24/das-geheimnis-der-versoehnung-heisst/

[48] https://de.wikipedia.org/wiki/Salafismus

[49] https://de.wikipedia.org/wiki/Zana_Ramadani

[50] Die verschleierte Gefahr. Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen. Europa Verlag, München 2017

[51] https://de.wikipedia.org/wiki/Deborah_Feldman

[52] http://plus.faz.net/feuilleton/2017-09-06/was-ich-an-dieser-gesellschaft-schaetze/51375.html Leider mit Zahlschranke versehen.

[53] http://www.deutschlandfunk.de/deborah-feldman-ueberbitten-suche-nach-einer-neuen.700.de.html?dram:article_id=392331https://deutscherarbeitgeberverband.de//aktuelles/2016/2016_02_01_dav_aktuelles_interview-ramadani.html

[54] http://www.schwaebische.de/politik/inland_artikel,-Im-Land-herrscht-%E2%80%9Ereligioese-Ahnungslosigkeit%E2%80%9C-_arid,10780096.html

[55] Harm de Blij, The Power of Place, Oxford University Press, Oxford, New York 2009, S. 69

Das sogenannte „Entjudungsinstitut“ wurde von 13 Landeskirchen getragen.

Posted in Geschichte, Kirche, Theologie by dierkschaefer on 29. Januar 2016

»Bischöfe zählten zu seinen Mitgliedern, Oberkirchenräte, Pfarrer, Theologen, Akademiker. Es gab Tagungen und Seminare. Und eine rege Publikationstätigkeit. Es entstanden ein neuer Katechismus, ein Gesangbuch „Deutsche mit Gott“, schließlich sogar ein „Volkstestament“, das als eine Art fünftes Evangelium das Neue Testament ersetzen sollte. Welche Wirkung diese Schriften in den Gemeinden erzielten, lässt sich heute nur schwer abschätzen. Immerhin erschien das „Volkstestament“ in einer Auflage von 200.000 Exemplaren.« http://www.deutschlandfunk.de/die-evangelische-kirche-und-das-dunkle-erbe-des.2540.de.html?dram:article_id=343643

https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/02/25/ein-weitgehend-unbekanntes-kapitel-der-kirchengeschichte/Landeskichliches Entjudungsinstitut

http://www.deutschlandradiokultur.de/john-connelly-juden-vom-feind-zum-bruder-als-die-kirche.1270.de.html?dram:article_id=341966

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Was nährt den #Antisemitismus?

Posted in Politik by dierkschaefer on 24. Juli 2014

»Bundespräsident Joachim Gauck hat angesichts der jüngsten antisemitischen Parolen bei Kundgebungen gegen Israel mehr Zivilcourage verlangt. „Ich möchte alle Deutschen und alle Menschen, die hier leben, auffordern, immer dann ihre Stimme zu erheben, wenn es einen neuen Antisemitismus gibt, der sich auf den Straßen brüstet“, sagte Gauck am Mittwoch in Berlin.«[1]

Recht hat er. Und dennoch darf man fragen, was den Antisemitismus nährt, ohne ihn damit in irgendeiner Weise zu rechtfertigen.

Wir haben es in der Beschneidungsdebatte erlebt und auch immer wieder beim Thema Siedlungspolitik. Viel zu leichtfertig wurde den Kritikern Antisemitismus unterstellt.

Was dem Antisemitismus erst die aktuelle Schubkraft verschafft, ist bei uns die Zukunftslosigkeit vieler junger Menschen mit muslimischen Hintergrund, um die wir, Staat wie Gesellschaft, uns nicht kümmern, weil sie uns entweder nicht interessieren oder aber aus falsch verstandener Rücksichtnahme auf ihre kulturelle Prägung.

[1] http://www.focus.de/politik/deutschland/neuer-antisemitismus-gauck-und-merkel-mach-front-gegen-judenhass_id_4012299.html

„Judensau“-Skulpturen an deutschen Kirchen

Posted in Geschichte, Kirche, Kriminalität, Menschenrechte, Religion, Soziologie, Theologie by dierkschaefer on 13. März 2014

Meine Photos von der Regensburger „Judensau“[1] erhielten einen weiterführenden Link[2], ganz in meinem Sinne.[3]

Am Straßburger Münster ist ein weiteres und als Thema weit verbreitetes Zeugnis für christlichen Antijudaismus zu sehen.[4]

Die Geschichtsbeschweigung derer, die heute das Hausrecht über solche Antijudaismen ausüben, – ist sie nur Scham? Dann eine falsche. Ist’s aber keine Scham, dann ist’s ’ne Unverschämtheit.

Interessant ist auch das Grimm’sche Märchen Der Jude im Dorn[5]. Es waren die Grimms selbst, die aus einer Erzählung ein antisemitisches, aufhetzendes Märchen machten.


Die „Judensau“

Posted in Gesellschaft, Kirche, Kriminalität, Menschenrechte, Religion, Theologie by dierkschaefer on 25. September 2013

Reisen bildet. Hätte ich nicht die Notiz am Pfeiler gesehen, wäre ich vorübergegangen. Schließlich ist die Westfassade des Regensburger Doms[1] imposanter als seine Südseite. Doch das Schild interessierte mich. „Befremdlich für den heutigen Betrachter“, steht da. Das befremdete mich und machte mich neugierig. Von „Judensau“ hatte ich bisher nur in Zusammenhang mit Walter Rathenau gehört.[2] Oben am Pfeiler nun eine „Judensau“. Sie ist stark verwittert[3], doch wird klar, daß es hier um eine von Grund auf bösartige Verunglimpfung, eine fürchterliche Verspottung der Juden geht. Juden an den Zitzen eines Schweines zu zeigen – übler kann man Juden nicht zum Gespött darstellen. Und der Kommentar findet das nur „befremdlich“.

Reisen bildet, besonders wenn man daheim dann nachschlägt. Man findet bei Wiki unter dem Begriff „Judensau“ die Geschichte des christlich-europäischen Ungeistes.[4] Die „Judensau“ war mir im Theologiestudium nicht untergekommen. Dafür wurden in der Kirchengeschichtsvorlesung kurz die Marranen erwähnt.[5] Als „Marannen“ hatte ich sie in Erinnerung. Das seien die zum Christentum übergetretenen Juden in Spanien gewesen, die jedoch verdächtigt wurden, sie hätten sich nur pro forma taufen lassen. Auch die Inquisition wurde dabei erwähnt. Na ja, was geht evangelische Theologen die katholische Kirchengeschichte an! Daß Marrano Schwein bedeutet, wurde nicht gesagt, auch nicht, daß Luther das Bild von der Judensau in seinen antijudaischen Schriften verwendet hat.

Nun mag man meinen, das ist Vergangenheit. Doch nicht nur aktuelle Verunglimpfungen von Juden und Judentum durch Neonazis geben zu denken4, sondern auch der Streit um die Inschrift am Regensburger Dom.[6] Eine scheinheiligere Distanzierung von der Darstellung der Judensau ist kaum vorstellbar. Ich vermute theologische Gründe dafür, die wir auch in der Diskussion um die „Judenmission“ finden, mit zum Teil geradezu perversen Argumenten: »1948 setzte der Reichsbruderrat der Bekennenden Kirche mit seinem Wort zur Judenfrage die traditionelle Enterbungstheologie fort und deutete den Holocaust als Strafe Gottes an den Juden.« Aber auch »„Unsere Schuld gegenüber den Juden angesichts des Holocaust verpflichtet uns doppelt zur Mission an ihnen; wir schulden ihnen […] unseren Christus.“«[7]

Man hatte – und in Regensburg hat man bis heute nichts gelernt von Nathan dem Weisen, auch nicht von Shakespeare, der seinen Kaufmann von Venedig sagen läßt: „Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht?“ So wird die Sau am Regenburger Dom zum Urteil über das Domkapitel.

Die Darstellung der über die „Synagoge“ triumphierenden Ekklesia/Kirche, wie wir sie am Straßburger Münster finden, ist leider noch nicht vollends veraltet: http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/9934802405/ Auch dort fehlt ein die Geschichte erhellender Hinweis.


Was gesagt werden mußte …

Posted in Geschichte, Politik by dierkschaefer on 7. Januar 2013

… schreibt heute Alexandra Belopolsky aus Tel Aviv in der heutigen Printausgabe der FAZ. Sie zeigt, daß Jakob Augstein mit seiner Kritik an der Politik Israels auch in Israel auf Zustimmung bzw. gleiche Ansichten stößt. Israel gehöre nicht der Regierung, schreibt sie und weist auf, daß der Antisemitismusvorwurf ein eingeübtes Manöver zur Abwehr jeder Kritik auch in der innerisraelitischen politischen Auseinandersetzung ist. Der Holocaust wird instrumentalisiert, auch wenn sie diesen Begriff nicht gebraucht. Ihr Schlußwort in Gottes Ohr: „Vielleicht ist die Zeit endlich reif zu sagen: Der Zweite Weltkrieg ist vorbei. Lass uns über die Gegenwart reden.“