Dierk Schaefers Blog

Aus der Cloud wird geklaut.

Posted in Kriminalität, Politik by dierkschaefer on 10. Juni 2013

Die als legal deklarierten Datenschnüffeleien sind zwar ein politischer Skandal, sollten aber niemanden überraschen. Die Beschwichtigungen der Politiker, die eigene Bevölkerung werde nicht bespitzelt, setzen Naivität voraus.[1] Auch Frau Merkel wird’s nicht richten. [2]

Man lernt in der Ausbildung zum Datenschützer, daß ein Mail so sicher ist, wie eine offene Postkarte, die auch der Postbote liest. Wenn er naiv und nett ist, gratuliert auch er, mit der Glückwunschkarte in der Hand, zum Geburtstag. Doch das sollte jeder wissen, auch daß für die Server in den USA dort nicht die Datenschutz-Richtlinien gelten wie bei uns. Das muß nicht heißen, daß deutsche Geheimdienste sich an den Datenschutz halten.

Geheimdienstliche Tätigkeit kann auch wirtschaftliche Vorteile bringen. So lernt man in der Datenschutz-Ausbildung auch, welche Folgen ein unvorsichtiger Umgang mit Betriebsdaten haben kann. Angeblich wäre der ICE wohl auch nach Südkorea verkauft worden. Doch die Hintergrund-Informationen eines befreundeten Auslands sorgten dafür, daß dieses Land den deutschen Preis unterbieten konnte.

Als ich vor vielen Jahren durch die Räume eines höchst sicherheitsrelevanten Betriebes geführt wurde, zeigte man mir einen Konferenzraum, der für Video-Konferenzen mit den internationalen Außenstellen eingerichtet war. Auf meine erstaunte Nachfrage, erfuhr ich, daß über sensible Themen dabei nicht gesprochen werde.

Große Unternehmen sind also gewarnt, kleine vielleicht auch.

Doch nun wird die Cloud-Computing propagiert. Dabei speichert man abrufbereit alle Daten, so wie meine Photos bei Flickr. Nicht jeder ist so vorsichtig, manches dann doch nur auf seiner Festplatte zu speichern – in der schwachen Hoffnung, daß dort kein Staatstrojaner sitzt. Die Cloud-Anbieter aber sind alle in US-Hand, mit den dortigen ohnehin laxen Datenschutz-Bedingungen – und den, wie wir nun auch offiziell erfahren, ganz legalen Möglichkeiten zum umfassenden Terrorismus-Schutz.

Ein Skandal ist das zwar auch für die privaten Belange von uns Nobodies. Doch einerseits sind unsere Daten uninteressant, es sei denn, wir benutzen die falschen Stichwörter und geraten unschuldig ins Visier der „Dienste“. Sonst bekommen wir allenfalls gezielte, aber unerwünschte Werbung. Und wer meint, sein Schwänzchen unbedingt auf Facebook posten zu müssen, kommt vielleicht gar nicht erst in die engere Wahl bei einer Bewerbung; – selber schuld.

Doch bei Wirtschaftsspionage, wird die Sache gravierender. Es gibt ja nicht nur die idealistischen Wistleblower, die aus Gewissensgründen illegale oder in ihren Augen illegitime Sachverhalte öffentlich machen. Da gibt es auch die idealistischen Kämpfer, für welche Sache auch immer; dann die von ihrer Firma enttäuschten Geheimnisträger, die sich rächen wollen und schließlich diejenigen, denen für Geheimnisverrat satter Profit lockt. Je größer eine Institution ist, desto mehr Personen sind in Geheimnisse eingebunden und desto größer ist die Chance, daß jemand ausplaudert.

Wer sich auf Clouds verläßt, hat Tomaten auf den Augen. Denn aus der Cloud wird geklaut, das ist sicher.

Ausführlich dazu:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/internet-der-glaeserne-mensch-12214568.html Montag, 10. Juni 2013


[1] So Obama in der heutigen Printausgabe der FAZ