Dierk Schaefers Blog

Nein, sie schämen sich nicht

Posted in Kinder, Kirche, Kriminalität by dierkschaefer on 3. Juli 2015

Die Deutsche Bischofskonferenz hält sich in einem Missbrauchsfall zugute, »dass man die Eltern der betroffenen Kinder aufgefordert habe, einen Antrag auf Leidanerkenntnis zu stellen, obwohl das Verfahren in Südafrika eingestellt worden sei.«[1] Von Schuld oder wenigstens Verantwortung keine Rede.

Sie haben nichts hinzugelernt, sonst würden sie immerhin so tun, als ob sie sich schämen.

[1] http://www.publik-forum.de/Religion-Kirchen/missbrauch-hat-die-kirche-gelernt

Pressemeldung – Deutsche Bischofskonferenz zum Umgang mit sexuellem Missbrauch im kirchlichen Bereich

Posted in Kirche, Kriminalität by dierkschaefer on 22. Mai 2014

„Wir deutschen Bischöfe machen uns zu eigen, was Papst Franziskus den Opfern sexuellen Missbrauchs im Jahre 2013 sagte, als er betonte, seine ‚Gedanken allen jenen zuzuwenden, die unter Missbrauch gelitten haben und leiden. Ich möchte ihnen versichern, dass ich sie in meine Gebete einschließe, aber ich möchte auch eindringlich betonen, dass wir alle uns klar und mutig dafür einsetzen müssen, dass jeder Mensch, vor allem die Kinder, die zu den verwundbarsten Gruppen gehören, immer verteidigt und geschützt werden.‘
Das ist für uns ebenfalls eine Verpflichtung.“[1]

Weitere links[2]

 

[1] http://www.dbk.de/presse/details/?presseid=2558

[2] http://www.dbk-shop.de/media/files_public/cjvmmvupwo/DBK_5246.pdf

http://www.dbk.de/themen/thema-sexueller-missbrauch/

 

Schon wieder der Runde Tisch „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“!

Posted in heimkinder, News by dierkschaefer on 24. April 2009

Da stoßen zwei Welten zusammen. [1]

Auf der einen Seite haben wir die ehemaligen Heimkinder, von denen viele Mut und Selbstüberwindung aufgebracht und die Blößen ihrer Vergangenheit offen gezeigt haben; manche von ihnen sind auf einer gefährlichen Gratwanderung auf dem Weg zum „zu-sich-selbst-kommen“, dabei droht der psychische Absturz.

Auf der anderen Seite haben wir die geregelten Arbeitsgänge einer Verwaltung, in deren Horizont psychische Befindlichkeiten/Empfindlichkeiten normalerweise nicht auftauchen.

Es ist kein Wunder, wenn die ehemaligen Heimkinder zunehmend Verschwörungstheorien entwickeln.

Was macht eigentlich der Runde Tisch? Keiner weiß es so recht. Er hüllt sich in Wolkendunst.

„Warum dürfen unsere Rechtsanwälte nicht an den Runden Tisch?“ Es gibt gute Gründe für den Ausschluß; aber wer macht das den ehemaligen Heimkindern verständlich?

Eine Reihe von ehemaligen Heimkindern mußte arbeiten, ohne daß für sie Sozialabgaben entrichtet wurden – ein Sachverhalt, der sich nicht nur deutlich abzeichnet, sondern wohl auch gut recherchierbar sein dürfte. Wird es für diese ehemaligen Heimkinder einen angemessenen finanziellen Ausgleich geben?

Der Runde Tisch will versuchen, die damalige Zeit „zu verstehen“. Dafür haben die ehemaligen Heimkinder wenig Verständnis.

Und nun ganz neu die Frage der in Heimen untergebrachten behinderten Kinder. Ganz neu natürlich nicht. Schon lange beschäftigt ein Arbeitskreis ehemaliger Heimkinder sich und die für die Heimkinderfrage „zuständigen“ amtlichen Ansprechpartner mit den „Gewalttaten und Verbrechen im Johanna-Helenen-Heim, der damaligen Orthopädischen Heil-, Lehr- und Pflegeanstalten Volmarstein (heute: Evangelische Stiftung Volmarstein) in den 50er und 60er Jahren“. Es gibt auch eine wissenschaftliche Untersuchung der Historiker Dr. Ulrike Winkler und Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl. Beide sprechen davon, daß sie einen Blick in das „Herz der Finsternis“ getan haben. Es lohnt sich, bei Joseph Conrad im gleichnamigen Buch nachzulesen, wie er „das Grauen“ beschreibt, das sind die letzten Worte seines Romans.

Seit langem informieren die ehemaligen Heimkinder vom Johanna-Helenen-Heim über ihre Schicksale auch Frau Vollmer. Am 21. April schließlich bekommen sie vom Büro des Runden Tisches als Antwort, der Runde Tisch sei gar nicht zuständig, er habe seinen Auftrag nämlich nur für Heimunterbringungen als Jugendhilfe-Maßnahme. Eine rein formal-juristische Antwort nach so langer Zeit.

Es gibt zwei Erklärungsmöglichkeiten.

Die eine heißt Hinhaltetaktik und Aushungern.

Die andere, banale, heißt: Der Runde Tisch kam mit einem Geburtsschaden zur Welt (s. https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/runder-tisch-bericht-ds.pdf, Seite 2 f). Er ist immer noch nicht richtig in die Puschen gekommen. Darum wurde auf die Mails der Freien Arbeitsgruppe JHH nicht eher reagiert. Es gibt ja beim Runden Tisch anscheinend auch immer noch keinen Ansprechpartner, der hinreichend kompetent wäre, die Erfahrungen der ehemaligen Heimkinder verständnisvoll entgegenzunehmen, sowie es auch weiterhin an der nötigen Transparenz der Arbeitsweise des Runden Tisch mangelt. Dieser „verspäteten Institution“ scheint jedes Fingerspitzengefühl abzugehen für den Umgang mit traumatisierten Menschen, die hoch-vulnerabel sind. Man scheint „business as usual“ zu machen, in gut bürokratischer Manier eins nach dem anderen und unter Beachtung der Zuständigkeiten.

Wäre ich ehemaliges Heimkind und in Unkenntnis amtlichen (Ver-)Waltens, würde ich dahinter auch einen böswilligen Masterplan vermuten.

Da ich jedoch biographisch nicht vorbelastet bin, neige ich dazu, Unverständnis und nicht etwa Eigeninteresse hinter diesen Dingen zu vermuten.

Der Runde Tisch kann mithelfen, diese doch etwas exkulpierende Sichtweise zu unterstützen:

  1. Mehr Transparenz!
  2. Verbindliche Zielsetzungen für plausibel nachgewiesene Mißstände in den Heimen!
  3. Ausdehnung der Untersuchungen des Runden Tisches auf alle „totalen Institutionen“, in denen Kinder im fraglichen Zeitraum untergebracht waren! Es gibt keinen sachlichen Grund, Heime für behinderte Kinder vom Verfahren völlig auszunehmen, auch wenn der rechtliche Hintergrund für Behindertenheime ein anderer war als für die Heime im Bereich Jugendhilfe.

Wenn der Runde Tisch sich nicht den begründeten Einwänden gegen sein Prozedere stellt, nährt er die Verschwörungstheorien.

Wenn der Runde Tisch sich nicht den begründeten Einwänden gegen sein Prozedere stellt, muß man den Petitionsausschuß über diesen Mißstand informieren!


[1] Es gibt noch eine dritte Welt. Sie offenbart sich in einem Papier des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz vom 13.9.2006. Aber vielleicht (hoffentlich) entschuldigt sich die Kirche für dieses Papier oder distanziert sich wenigstens. Sie wird es schon verstehen, auch dabei auch das Prinzip „the church can do no wrong“ hochzuhalten. Habeat!

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