Dierk Schaefers Blog

Lösungsvorschläge von Dr. Wiegand

Posted in heimkinder, News by dierkschaefer on 27. August 2010

Man hat mich gebeten, die beigefügten Lösungsvorschläge in meinem Blog zu kommentieren.

Meine Vorgehensweise:

Zunächst ein paar Bemerkungen, für die ich länger ausholen muß und im Anschluß kann man sich die Lösungsvorschläge ansehen, in denen ich in der Farbe blau zu einigen Detailfragen Stellung nehme.

1. Verfasser und Zeitpunkt

Das mir vorliegende Dokument nennt sich und den Verfasser:

» Dr. Hans-Siegfried Wiegand, Mitglied des Runden Tisches Heimerziehung Berlin

Lösungsvorschläge

erarbeitet mit einem Arbeitskreis ehemaliger Heimkinder

aktualisierte Fassung vom 24. August 2010«

Wie sich der genannte Arbeitskreis ehemaliger Heimkinder zusammensetzt, weiß ich nicht. Aber es ist schön, einmal einen konstruktiven und durchweg guten Vorschlag von Herrn Dr. Wiegand zu Gesicht zu bekommen. Soweit ich mit ehemaligen Heimkindern Kontakt habe, habe ich bisher nur von einer geradezu hündischen Ergebenheit gegenüber Frau Dr. Vollmer gehört. Er hat offenbar lange gebraucht, um auch nach außen eine eigenständige Position zu beziehen. Als ich in meiner Anhörung am Runden Tisch am 2.4.09 meine Verfahrensvorschläge zu Protokoll gab, hätte er diese aufgreifen und für eine schnellere Aufnahme von zu dieser Zeit schon plausiblen Lösungsvorschlägen sorgen können. Er war an etwas anderem interessiert. Ich hatte gesagt und im Protokoll geschrieben,  der VeH habe ihm das Vertrauen entzogen und er sei vom Vorsitz zurückgetreten. Mein Angebot, in meinem Blog eine Gegendarstellung zu veröffentlichen mit der Aussage, er habe noch das Vertrauen des Heimkindervereins, hat er nicht angenommen und wir schieden im Dissens.

Nun also endlich etwas Positives. Und es heißt zum Schluß: » Unsere Arbeit an diesen Lösungsvorschlägen ist noch nicht beendet. Für Kritik und Anregungen sind wir dankbar.«

Die Chance will ich nutzen.

2. Die Eigenständigkeit

Man mag es anders lesen. Aber das Papier zeugt von einer eigenständigen Position, indem entgegen den Volten von Frau Vollmer das Thema Zwangsarbeit angesprochen wird und überhaupt finanzielle Entschädigung gefordert wird. Auch wird die Volmarsteiner Anstalt genannt, obwohl der Runde Tisch in recht schnöder Manier sich für Behindertenheime nicht zuständig erklärt hat. Das gilt auch für die Unterbringung in Säuglingsheimen. Es ist Herrn Wiegand nachzusehen, daß er als Mitglied des Runden Tisches nicht direkt Kritik übt, sondern dies eher diplomatisch tut. Ob er damit Erfolg haben wird, erscheint mir jedoch fraglich. Sollte Herr Mitchell/Australien in seinem heutigen Mail unter Berufung auf eine Netz-Seite von Frau Alexander/New Mexiko und einen Anruf bei Frau Loerbroks Recht haben, dann ist an eine finanzielle Entschädigung nicht zu denken.  Frau Loerbroks, Referentin der Infostelle des Runden Tisches, soll gesagt haben: »Entschädigung ? – Nein mit ‚Entschädigung‘ befassen wir uns nicht. Die meisten Betroffenen wollen das auch gar nicht. Sie sind nur an einer ‚Entschuldigung‘ interesssiert.«

Haben die Vertreter der ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch etwa noch keine Entschädigung gefordert? Das haben sie aber, Frau Djurovic verbreitete ein Papier, in dem auch die Summe von 300,00 € monatlich genannt wird. Wir sehen daraus, wie ernst die ehemaligen Heimkinder und ihre Vertreter am Runden Tisch genommen werden. Wenn Herr Mitchell weiterhin recht hat, Frau Loerbroks sei „Dozentin an der Bundesakademie für Kirche und Diakonie Berlin“, dann bedient das sämtliche Verschwörungstheorien, die den Runden Tisch vonseiten ehemaliger Heimkinder von Beginn an begleiten. Mit der Wahl einer Person mit diesem Hintergrund für eine dermaßen heikle Funktion ist Frau Vollmer (oder wer auch immer) das Risiko eingegangen, daß die ehemaligen Heimkinder argwöhnen, hier sei der Bock zum Gärtner gemacht worden (wer will, kann den bildhaften Ausdruck gendergemäß korrigieren).

3. Die Gliederung

Bevor ich die Lösungsvorschläge erhielt, hörte ich schon Kritik an der Reihenfolge der Vorschläge. Die Entschädigungsforderungen stehen erst unter Punkt 3. Diese Kritik teile ich nicht. Das Papier muß als ganzes gelesen werden und sein Aufbau vom Allgemeinen zum Speziellen ist durchaus üblich.

4. Entschädigung, pauschal oder spezifisch?

Hier muß ich eine persönliche Vorbemerkung machen: Schon lange vertrete ich in Telefongesprächen mit ehemaligen Heimkindern die Meinung, daß eine pauschale „Opferrente“ in Höhe von 300,00 € eine gute erste Hilfe für die meist finanziell schlecht gestellten ehemaligen Heimkinder sei. Alles andere könne man später regeln. Diese Meinung habe ich nicht publiziert, weil ich als nicht-Betroffener den ehemaligen Heimkindern nichts vorschreiben wollte, immerhin wurden sie lange genug bevormundet. Zunächst stand ja nur die von Herrn Witti verbreitete Forderung von 25 Milliarden im Raum. Diese Forderung war in unheilvoller Weise mediengerecht und ich meine, daß Herr Witti für ehemalige Heimkinder eine vergleichbar schädigende Rolle übernommen hat wie Frau von der Leyen. Leider hat sich der VeH von dieser Forderung  blenden lassen.

Die Lösungsvorschläge zur Entschädigung

Der erste Vorschlag: 300,00 € monatlich oder als Einmalzahlung für 15 Jahre, und das pauschal. Gerecht ist das natürlich nicht, aber Gerechtigkeit kann es hier ohnehin nicht geben.

Vorteile: 1. Es entfällt der schmerzhaft detaillierte Einzelnachweis. 2. Es kann viel schneller gehen, als bei umständlicher Einzelprüfung.

Probleme: 1. Ungleiches wird gleich behandelt. 2. Trittbrettfahrer haben es einfach.

Der Alternativvorschlag will individuell-additiv verfahren, indem die Zahl der Schädigungsarten die Entschädigungshöhe steigert, was bei drei Schädigungstypen 330,00 € monatlich ausmacht bzw. eine entsprechende Einmalzahlung.

Vorteile: 1. Das Verfahren sieht gerechter aus. 2. Bei massiven Schädigungen gibt es mehr Geld, als bei der Pauschale. 3. Trittbrettfahrer haben es schwerer.

Nachteile: 1. Das Verfahren ist zeitaufwendig. 2. Es besteht die Gefahr von Retraumatisierungen bzw. könnten manche aus Angst davor auf einen  Entschädigungsantrag verzichten. 3. Eine „objektive“ Liste von Schädigungen besagt wenig, weil die Folgen von Schädigungen subjektiv unterschiedlich sind. Die Gerechtigkeit dieses Verfahrens ist tatsächlich nur eine scheinbare.

Meine Meinung generell: Die 300,00 € pauschal sollten als Schmerzensgeld verstanden werden, das jedoch weitere Forderungen nach Schmerzensgeld nicht ausschließt. Wer mehr will, muß sich dann der detaillierten Nachweis- und Gutachter-Tortur zu unterziehen.

Dieses Schmerzengeld darf zudem nicht einen Rentenausgleich für Zwangsarbeit umfassen, der muß separat erfolgen, ebenso wie die Übernahme von Therapiekosten.

Alles weitere ist in der Anlage zu lesen: Loesungsvorschlaege-kommentiert

Frau Dr. Vollmer, lassen Sie Ihren Vorsitz am Runden Tisch ruhen!

Posted in heimkinder, News by dierkschaefer on 4. April 2010

Frau Dr. Vollmer, lassen Sie Ihren Vorsitz am Runden Tisch ruhen!

Gestern gab es die Vorankündigung eines Textes der FAS. [voriger Blog-Eintrag].

Heute lese ich den Volltext in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung [leider nicht im Netz zugänglich].

Mein Fazit: Frau Dr. Vollmer sollte, bis die Vorwürfe geklärt sind, den Vorsitz am Runden Tisch Heimerziehung niederlegen. Es könnte sein, daß sie nicht geeignet ist, zur Klärung von Mißbrauchsvorwürfen beizutragen.

Hier der Link zum Artikel:

http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EB940BDD69EE44FE6A3BDA8ED624CFA41~ATpl~Ecommon~Scontent.html [Dienstag, 6. April 2010]

Auf der langen Bank? Freeze now!

Posted in heimkinder, News by dierkschaefer on 3. Januar 2010

Auf der langen Bank? Freeze now!

Was wird das neue Jahr den ehemaligen Heimkindern bringen?

Da steht zunächst der angekündigte Zwischenbericht des Runden Tisches im Januarkalender. Was wird wohl drinstehen? Die Mainpost weiß bereits, anscheinend aus berufenem Munde, daß es »wohl weniger um Geld, sondern vielmehr um die immaterielle Anerkennung der Schicksale« geht.

http://www.mainpost.de/nachrichten/politik/zeitgeschehen/Schikanen-Willkuer-und-Zwangsarbeit;art16698,5415237

Zwar bleiben »direkte finanzielle Entschädigungen … auf der Tagesordnung. Allerdings dürften, falls es zu solchen kommt, die Größenordnungen erheblich niedriger sein, als den Heimkindern vorschwebt. Vertreter der Zwangsarbeiterstiftung schilderten, dass selbst dieser Kreis im Durchschnitt nicht mehr als 2500 Euro pro Betroffenen bekam – für das unter Hitler erlittene Unrecht.« … »Wir haben eine einheitliche Auffassung von dem Geschehen«, sage Frau Vollmer, das sei ein Riesensprung.

Ob die einheitliche Auffassung wohl Eingang in den Zwischenbericht finden wird und ob sie klar erkennbare Ziele nennt? Soll man’s erhoffen oder soll man’s befürchten?

Wenn jedenfalls die Zwangsarbeiterlösung der Maßstab sein wird, sind wohl eher wohlfeile Entschuldigungen zu befürchten, denn eine fühlbare Unterstützung für die ehemaligen Heimkinder, die auf Sozialhilfeniveau leben müssen, wird das nicht sein. Selbst dabei gilt es noch die Feinheiten zu beachten. Schrieb doch das Hamburger Abendblatt von erfolgten Einzelentschädigungen für Zwangsarbeiter im Bereich von 2.500 und 7.500 Euro (siehe dazu https://dierkschaefer.wordpress.com/2009/12/13/zwangsarbeiterlosung-als-zwangslosung-fur-heimkinder/ ), so lesen wir in der Mainpost von Entschädigungssummen von »im Durchschnitt nicht mehr als 2500 Euro«. Die Zeitung berichtet, daß Forscher der Ruhr-Universität bei ihrem Vortrag am Runden Tisch von 500 000 betroffenen Menschen ausgehen. Das ergäbe immerhin die erkleckliche Summe von 2.500 mal 500.000. Damit hätten die sogenannten Opferanwälte im Ankündigungspoker so falsch gar nicht gelegen.

Doch gemach, die Gesamtentschädigung wird auch nicht die Hälfte dieser Anwaltssumme ausmachen. Das Diakonische Werk (EKD) hat dem Runden Tisch ihre Untersuchung vorgelegt. http://www.ex-heimkinder.de/Dokumente/Diakonie-1.pdf . Nach diesen Heimauskünften wird man zumindest evangelischerseits von nur der Hälfte der Heime ausgehen müssen, denen ehemalige Heimkinder überhaupt bekannt sind, »die ihre Zeit im Heim als problematisch bezeichnen«.

»Ein Drittel [der Heime] weiß von vereinzelten Fällen. Bei den 5 Einrichtungen, die mehr als 15 Ehemalige kennen, die ihre Heimzeit als problematisch bezeichnen, handelt es sich um die Heime Freistatt, das Stephansstift Hannover und das Haus Gotteshütte Kleinenbremen (alle im Landesverband Hannover) sowie um das westfälische Mädchenheim Ummeln und die Karlshöhe Ludwigsburg (Württemberg). Im Durchschnitt sind jeweils 3 Personen bekannt, die unter dem Heimaufenthalt gelitten haben.«

Wenn unter diesen Umständen die ehemaligen Heimkinder nicht andere Zahlen glaubhaft dokumentieren, dann hat sich der Aufwand des Runden Tisches gelohnt, aber für wen? Frau Vollmer benennt laut Mainpost als wichtigstes Zwischenergebnis, »dass die Debatte in die Breite gegangen ist«. Damit folgt sie der Sozialarbeiter-Veralberung: „Ich konnte Ihnen zwar nicht helfen, aber es war gut, daß wir mal miteinander darüber geredet haben“.

Was müssen wir dem Runden Tisch für 2010 ins Pflichtenheft schreiben?

1. Es kann zwar tatsächlich keine Pauschalregelung geben. Die Heime waren zu unterschiedlich. Aber die vielen und fürchterlichen Einzelfälle sind nicht pauschal nach dem Strickmuster der Zwangsarbeiterentschädigung zu behandeln. Hier muß es um angemessene Einzelfallentschädigungen gehen, angemessen auch an der wirtschaftlichen Lage der Betroffenen. (siehe auch https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/verfahrensvorschlage-rt.pdf)

2. Zudem gab es nicht nur in Erziehungsheimen Kinder mit übelsten Heimerfahrungen. Es gab Säuglingsheime, in denen manche Kinder „vergessen“ wurden. Es gab Heime für behinderte Kinder. Hier sei beispielhaft an die belegten Mißhandlungen im Johanna-Helenen-Heim erinnert. »Öffnete man in den 1950er und 1960er Jahren die Tür zum Johanna-Helenen-Heim, so sah man in einen Abgrund der Willkür, der Zerstörung, der Gewalt, der Angst und der Einsamkeit. Man blickte in das „Herz der Finsternis“«. (http://www.gewalt-im-jhh.de/ ). Der Runde Tisch muß seinen Horizont erweitern und alle Heime gleich welcher Art erfassen, aus denen Mißhandlungsberichte vorliegen.

3. Der Runde Tisch hat wohl als einziger die Autorität, die beteiligten Heimträger zu einem „Freeze-Abkommen“ zu bewegen. Was ist das? Die ehemaligen Heimkinder bangen, ob sie ihre Entschädigung noch erleben werden. Dies wird genährt durch die Verfahrensdauer und manche kolportierten Äußerungen, man wolle durch die biologische Lösung so mancher Fälle Geld sparen. „Freeze“ wäre das Einfrieren der Ansprüche (wenn nicht der juristischen, so doch der moralischen nach Recht und Billigkeit) auf den Zeitpunkt des Beginns des Runden Tisches. Damit geht der Entschädigungsanspruch im Fall des Todes des Betroffenen auf seine Erben über. Dann wäre wenigstens das Mißtrauen aus dem Verfahren draußen, zügiges Vorgehen aber dennoch geboten – und möglich, wie meine Verfahrensvorschläge vom April 2009 belegen.

Doch ich fürchte, die Sache der Kindesmißhandlungen in den Heimen wird weiter auf die lange Bank geschoben werden.

Im Sommer habe ich sie gesehen, die lange Bank. Es ist vielleicht die längste Bank der Welt – und es ist eine Kirchenbank. Außen an der Kirche von Malaucène erstreckt sie sich über die gesamte Länge des Kirchenschiffs. Ganz hinten sitzen Menschen. Ob es ehemalige Heimkinder sind?

Sagen Sie, Herr Schäfer …

Posted in heimkinder, News by dierkschaefer on 12. August 2009

Ohne Rücksprache und darum ohne Namensnennung des

Absenders/der Absenderin setze ich diese Mail in meinen Blog.

Die gestellte Frage kann ich nicht beantworten, da ich nicht weiß,

ob Frau Dr. Vollmer geantwortet hat.

Mir persönlich hat sie nie geantwortet.

Nur einmal antwortete ihr automatischer Mail-Abwesenheitsassistent.

Der weiß immerhin, was sich gehört.

“Sehr geehrter Herr Schäfer,

haben Sie vielen Dank für diese Information. Habe soeben in Ihrem Blog
gelesen.
Sie treffen zweifelsohne den Kern. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Sagen Sie, hat Frau Roswitha Schnabel denn jemals eine Antwort von Frau
Vollmer oder überhaupt eine Antwort auf ihren erschütternden Brief erhalten?

Wer diese Briefe und autobiografischen Geschichten liest und nicht
betroffen, erschrocken ist, ist selber so traumatisiert, dass er verlernt
hat zu fühlen und in absoluter Verleugnung lebt. Hier nicht einzugreifen,
sich hier nicht angesprochen zu fühlen, noch dazu in der Eigenschaft, ein
politisches Amt zu bekleiden, heißt: sich schuldig zu machen.

Allein dass es nicht selbstverständlich ist, dass Menschen wie Frau Schnabel
kostenlos nach ihren Geschwistern forschen können. Das darf ja alles gar
nicht wahr sein! Und das ist das absolut Mindeste, möchte ich betonen.

Die Begegnung mit ihrem Bruder, der im Käfig war, unfähig zu sprechen,
gedemütigt und missbraucht von jenem Aufseher, der auch noch gleich Frau
Schnabel in seine verbale Folterung mit einbezog, zeigt die bis heute
geltende vorherrschende Meinung und die kalte Ignoranz einer durch Schwarze Pädagogik (sie wirkt überall) emotional zerstörten Gesellschaft. Machen wir uns nichts vor. Es ist die Abwesenheit von Empathie, gleich wo.
Gefühllosigkeit wird gelehrt, propagiert und belohnt.

Die Misshandelten, und jetzt gerade die misshandelten ehemaligen Heimkinder, stehen, ich zitiere Borchert: draußen vor der Tür.

Und genau da, scheint es, müssen sie wohl auch weiterhin stehenbleiben.”

Verwahrlost wurden wir erst später in den Heimen

Posted in heimkinder, News by dierkschaefer on 4. August 2009

Heimkinder können auch selber forschen, so hatte ich geschrieben und gehofft, daß ein Wissenschaftler diese Forschungen aufgreift, systematisiert und dem Runden Tisch vorlegt. Bis heute: Fehlanzeige.

Der folgende Bericht zeigt, mit welcher Beharrlichkeit Frau Schnabel, ein ehemaliges Heimkind, dabei ist, Licht in ihre Vergangenheit und die ihrer Geschwister zu bringen. Ich gebe hier ihre letzte Mail und ihren Brief an Frau Dr. Vollmer wieder. Nur dort, wo der Lesefluß durch die Rechtschreibung gestört wird, habe ich behutsam korrigiert. Hoffentlich bekommt Frau Schnabel eine Antwort auf ihren Brief, von der sie sich ernstgenommen fühlt.

dierk schäfer

und ab hier Frau Schnabel:

Hallo Herr Schäfer,

in meiner heutigen Antwort an Sie habe ich etwas, so wie ich glaube, wichtiges vergessen.

Es geht mir darum Ihnen die Gründe zu erklären, warum wir 7 Geschwister in verschiedenen Heimen leben mussten. Alle 7 Geschwister wurden nicht nach und nach von unserer Mutter in die Heime gegeben, sondern in allen Fällen war die Fürsorge dafür verantwortlich. Maßgeblich waren hier vier Punkte stöhrend für die Fürsorge:

1.)    Unsere Mutter war Analphabet.

2.)    Der Vater von 5 Geschwistern hatte im Krieg ein Bein verloren und hatte einen Lungensteckschuss abbekommen.Der Anblick dieses Mannes war lt. der Fürsorge den Kindern nicht mehr zu zumuten.

3.)    Die uns von der Fürsorge zugewiesene Baracke war der Fürsorge plötzlich zu klein.

4.)    Unsere Mutter war mit dem vorgenannten Mann/Vater nicht verheiratet, was zu der damaligen Zeit verpönt war.

Laut Meinung der Fürsorge waren wir Kinder der Gefahr einer Verwahrlosung ausgesetzt. Allerdings verwahrlost waren wir nicht in der Familie, sondern wurden erst später in den Heimen.

Gruß

Roswitha Schnabel.

————————————-

Dr. Antje Vollmer

Platz der Republik 1

11011 Berlin
Sehr geehrte Frau Dr. Antje Vollmer,

sehr geehrte Teilnehmer an dem „Runden Tisch“

für die Aufarbeitung ehemaliger Heimkinder.

Meine Stellungnahme zur Heimerziehung in den 50iger und in den 60iger Jahren und über meine 5 Geschwister.

Der Ordnung halber müsste es: in den 40iger, 50iger, 60iger und 70iger Jahre heißen.

So habe ich es alle Jahre erlebt: wie die „Erziehung“ in den Erziehungs-Heimen war.

Wir waren verzweifelte, weinende Kinder, abgeschoben und alleingelassen.

Betreut von den Vincentinerinnen hatten wir keine Chance, ein Leben ohne Angst und Prügel bei den kleinsten Anlässen zu verbringen. Wie z.B.: weinen, lachen, mit anderen Kindern sprechen, geschweige eine Freundin zu haben und so weiter. All dieses und vieles mehr, ist Ihnen heute ja bestens bekannt.

Als Kleinkinder von den Nonnen geschlagen und nach deren Methoden erzogen, wurden wir (ich) später als verschüchterte einsame Jugendliche, in immer schlimmere Erziehungs-Heime, als angehende Verwahrloste, wieder abgeschoben. Mit Psychopharmaka (mit bunten Bonbons) wurden wir ruhig gestellt. Bis letztendlich man als Versuchskaninchen in die abgeschlossene Psychiatrie landete. Als endgültig und unwiderruflich, als ein gebrochener erwachsener Mensch wir mittellos und hilflos und unaufgeklärt ins Leben entlassen wurden, waren wir oft zur Obdachlosigkeit verdammt.

Lesen Sie bitte genau diesen Kurzbericht über meinen bis heute verschollen Bruder Karl Hermann Wegerhoff, geb. am: 07.05.1946  geb.: in Werl. Diese Daten über meinen Bruder, kannte ich bis vor kurzem nicht! Der Leidensweg meines Bruders Karl-Hermann begann als er ca. 4 Jahre alt war, das Jahr 1950: Ab hier war sein Leben nicht mehr als normal anzusehen.

Nach meiner Erfahrung und Gesprächen mit einigen wenigen Betroffenen war dies kein Einzelfall.

Jeder Einzelfall ist einer zu viel!!!!

Meinen Bruder habe ich das letztemal im St. Josefskinderheim, in Lippstadt, Hospitalstr. 15 gesehen, als er von einer Nonne blutig mit dem Kopf mehrmals an die Wand geschlagen wurde, weil er auf der Topfreihe zu lange für sein großes Geschäft brauchte. Ich hatte mich vor Angst im Flur hinter einem Schrank versteckt, zu dieser Zeit wusste ich nicht, dass Karlchen mein Bruder ist. Er wurde Karlchen gerufen und war nicht anders in seiner Art als alle anderen Kinder. Er gehörte damals zu den Kindern in seiner Krabbelgruppe, die viel weinten. Weil sie viel weinten, wurden sie von den Nonnen Bastarde, Störenfriede, Aufsässige und Querulanten genannt und fürs weinen gab es sehr viel Prügel. Eine andere Möglichkeit gab es nicht für die Kleinen, sich so für ihr tägliches Leid bemerkbar zu machen. Noch mehr Prügel gab es fürs bettnässen, dazu gehörte auch mein Bruder Karlchen.

Damals wusste ich noch nicht, dass ich 5 Halbgeschwister, 3 Jungen und 3 Mädchen mit mir hatte. Fritz, Rosemarie, Helene, Karlchen, Bernhard. Obwohl wir miteinander und nebeneinander im St. Josefskinderheim leben mussten, wussten wir rein gar nichts voneinander, nicht mal, dass wir Geschwister waren. Es wurde uns von den Erzieherinnen bewusst verschwiegen.

Keiner von uns 6 Geschwistern, so wie viele andere Kinder, gehörten nicht zu den „Kindern Gottes“. So wie die Nonnen oft beteten: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und derer ist das Himmelreich“. Ein- zwei Kinder aus der Gruppe gehörten zu den Lieblingen der Nonne.

Nein, wir waren Freiwild für die sogenannten Erzieher, Nonnen, die für uns Kinder doch Vorbilder und Mutterersatz sein sollten! Die sich an uns vergreifen konnten, nach deren Lust und Launen!

Wo aber waren die Aufsichten von „Oben“? Die gab es nie! Die Nonnen, die sich „Barmherzige Schwestern“ nannten, hatten in „Allem“ und bei „Jedem“ ein so hohes Ansehen! Wir Kinder und Jugendliche wurden von ihnen für Jahre „Mundtot“ gemacht.

Wir waren doch Kinder und keine Verbrecher! Wir wurden wie Sklaven gehalten und behandelt.

Was haben die damaligen Kirchen, Staat und die Fürsorge sich dabei gedacht, so mit uns zu verfahren?

Seit Monaten bin ich auf der Suche nach meinem Bruder Karl Hermann (Karlchen). Es ist für mich gewiss nicht einfach und mit vielen Tränen und Mühe verbunden. Nach jeder neuen Information über meinem Bruder, die ich durch die Behörden erhalten habe, wird mir die Odyssee seines Lebens immer bewusster und was da an Menschenrechtsverletzungen an ihm vorgenommen wurden.

Nachrichten bekomme ich quer aus der ganzen Bundesrepublik Deutschland von den Einwohnermeldeämtern. Unter diesen Angaben sind auch Psychiatrien und Pflege-Einrichtungen die er in den vielen Jahren zuvor, nach seinen schlimmsten Aufenthalten in gewisse „Heimen“, durchlaufen und durchleiden musste.

Noch habe ich nicht alle seine Unterkünfte lückenlos zusammen. Auch ist es sehr schwer nach so vielen Jahren lückenlos alles zusammen zu kriegen. In den Archiven der Einwohnermeldeämter liegen einige wenige Unterlagen, die noch in „Deutscher Schrift“ geschrieben und entziffert werden mussten.

Neue Informationen bekomme ich nicht alle kostenfrei. Je nachdem in welchem Bundesland ich anfrage, kostet es mich bis zu Euro 30,- wie zum Beispiel in Frankfurt am Main. Für diese und weitere Informationen muss ich z.Zt. deswegen passen.

Meine Kräfte verlassen mich oft, doch will ich volle Aufklärung wenigstens über die Aufenthalte meines Bruders.

Wir hatten ein einziges Mal einen kurzen Kontakt nach unserer Entlassung aus dem Kinderheim, in Lippstadt. Ich war inzwischen ca. 25 Jahre alt. Hier zu später.

Bitte helfen Sie meinem Bruder!!!!

Die AGJ ev. müsste meinen Bruder Karl Hermann kennen, aus der Stadt, Waldshut-Tiengen.

Jeder war nach seinen Aufenthalten aus den Heimen mit seinem Lebenskampf beschäftigt!

Dazu gehört auch meine älteste 7. Halbschwester Anni, die heute über 80 Jahre alt und seit Jahren blind ist. Auch sie war 1946 im Erziehungsheim, Vincenzheim in Dortmund, Oesterholzstr. 85.

Helene war ca.8 Jahre auch im St. Josefskinderheim in Lippstadt und 1958 war sie ebenfalls im Erziehungsheim, Vincenzheim in Dortmund, Oesterholzstr.85.

Ich, Roswitha, war 11 Jahre, auch im St. Josefskinderheim in Lippstadt und 1960 war ich ebenfalls im Erziehungsheim, Vincenzheim in Dortmund Oesterholzstr.85.

Rosemarie war ab 1946 für ca. 7 Jahre auch im St. Josefskinderheim in Lippstadt. (Sie ist vor 4 Jahren verstorben).

Fritz war ab 1946 für ca. 6 Jahre auch im St. Josefskinderheim in Lippstadt. Aus den Erzählungen meiner Schwester Anni weiß ich heute, als Fritz 21 Jahre alt war, wollte er in die große freie Welt hinaus wollte. Er landete in die DDR. Er ist ebenfalls verschollen!

Sorry, meine Damen und Herren am „Runden Tisch“, nervlich und gesundheitlich fühle ich mich nicht mehr in der Lage, nach meinem 2. Verschollenen Bruder Fritz zu suchen.

Bernhard der Jüngste war ab: 1950 für ca.10 Jahre auch im St. Josefskinderheim in Lippstadt.

Ich habe seit dieser Entlassung nie Kontakt mit meinem Bruder Bernhard gehabt. Er möchte es auch heute noch nicht, aber dennoch weiß ich wo er wohnt, auch dass es ihn gesundheitlich sehr schlecht geht. Er müsste dringend operiert werden, aber wegen seines Untergewichts, nicht operiert werden kann.

Hier komme ich noch einmal auf meinem Bruder Karl Hermann zurück. Wie bereits erwähnt, war ich ca.25 Jahre alt. Um über dieses Erlebnis zu schreiben möchte ich jedes einzelne Wort, was damals fiel, auch hier erwähnen.

Ich war noch 25 Jahre alt, als meine älteste Schwester Anni mich nach vielen Jahren wieder gefunden hat. Es gab zwar viel zu erzählen, aber nichts aus meiner Kindheit und Jugendzeit, denn ich hatte ganz andere Probleme nach meiner Scheidung.

Sie berichtete mir unter anderem auch, dass ich einen Halbbruder Namens: Karlchen habe. Dieser Name war mir aus dem Heim von Lippstadt sehr geläufig, aber mehr konnte ich mit diesem Namen, der zu einem Kind gehörte, nichts anfangen.

Anni erzählte mir weiter, dass Karlchen in Galkhausen in einer Landesheilanstalt in Langenfeld (Rhld) sei.

Sofort machte ich mich auf dem Weg dort hin, ich wollte ihn sehen. Denn Langenfeld lag quasi vor meiner Haustüre, auch heute noch. Auf dem riesengroßen ungepflegten Wald dieser Anstalt angekommen und nach einem ca. 15 minütigem Fußmarsch durch den Wald, waren weit und breit keine Menschen zu sehen. Dennoch hörte ich irgendwoher laute weinende, schreiende Männerstimmen, die sich fürchterlich aus der Ferne anhörten. Automatisch packte mich die Neugierde und ich ging schnell in diese Richtung weiter. Bereits aus der Ferne sah ich, 3 Männer in Sträflingskleidungen mit Ketten an den Füßen. Diese drei Männer waren hinter einem hohen Drahtzaun, wie in einem Käfig eingesperrt, wie geprügelte Hunde. Ihre Hände sich am Zaun eingekrallt hatten und hilflos brüllten. Nun stand ich direkt vor ihnen. Erst jetzt erkannte ich sein weinendes Gesicht, es war mein Bruder Karl Hermann aus dem Heim in Lippstadt. Ich schob meine Hand durch den Zaun und legte sie auf seiner Hand. Er weinte nicht mehr, er wurde plötzlich ganz ruhig. Er wollte sich mit mir unterhalten, es ging aber nicht. Kein klares Wort brachte er über seine Lippen, er war nur am Lallen.

Dieser Menschenunwürdige Anblick meines Bruders brach mir fast das Herz!!!

Meine Gedanken und Gefühle überschlugen sich.

Auch in Lippstadt hatte man ihn für sein weinen halb tot geschlagen.
Ich dachte nur, ich muss ihn hier rausholen.

Meine Gedanken kreisten immer weiter, immer schneller!

Nach wenigen Minuten kam auch schon einer, in weiß gekleideter, großer breitschultriger Pfleger brüllend auf mich zu gelaufen, der mir schon vom Anblick her große Furcht einflößte. Er verhöhnte, verspottete, lachte, machte sich über diese 3 hilflosen Gefangenen, erneut weinenden Männer lustig. Selbst über mich machte sich dieser Pfleger lustig und verhöhnte mich: Warum ich hier vor diesen Idioten stehe, stehst du auf Idioten? Die haben sowieso nichts mehr. Er könnte es mir auch besorgen! Davon können diese Idioten ein Liedchen singen!
Ich wich ihm nicht aus, ich hatte Angst, aber ich zeigte sie ihm nicht. Der Pfleger mich fragte, was ich hier zu suchen hätte. Es sei verboten, dieses Gelände zu betreten. Ich antwortete ihm, hier ist mein Bruder Karlchen. Warum ist er hier eingesperrt? Was macht ihr hier mit ihm, er kann nicht mehr sprechen.

Der Pfleger antwortete, diesen Idioten schicken wir in Kürze nach Bonn in eine Klinik! Da kriegt der Idiot was er braucht! Auch versuchte er mir zu erklären was am Kopf meines Bruders operiert werden soll. Viel verstanden habe ich von seiner Erklärung nicht, nur, dass sein böser Nerv auf den guten Nerv und umgekehrt verlegt werden soll. Plötzlich brüllte er mich an, jetzt mach dass du hier weg kommst, sonst geht’s dir genauso wie dem da! Lass dich hier nie mehr blicken. Das gilt auch für weitere Besucher.

Diese kurze Begegnung mit meinem Bruder belastet und beschäftigt mich noch heute.

So musste ich meinen Bruder in seinen Qualen, in seinem Leiden, in seinen Ängsten, ohne irgendeine Hoffnung auf Hilfe und ein besseres Leben zurücklassen.Sämtliche Versuche, auch von meiner ältesten Schwester Anni, unseren Bruder in Langenfeld zu besuchen, schlugen fehl.

Ein kurzes Nachwort:

Karlchen hatte mit seinen erst 17 Jahren bereits ein Odyssee Leben hinter sich. Und das in den übelsten Kinder-Jugend-Heimen in der Bundesrepublik Deutschland!

Hier einige Stationen seiner Odyssee:

1.) Mit 4 ? Jahren nach Lippstadt,

2.) Mit 7 Jahren nach Idstein, Kalmenhof,

3.) Mit 12 Jahren nach Essen, Franz Sales,

4.) Mit 12 ? Jahren nach Langenfeld, Galkhausen,

5.) Mit 17 Jahren nach Viersen, Süchteln! Hier verblieb er 6 Jahre.

6.) Mit 23 Jahren zurück nach Langenfeld, Galkhausen u.s.w.

Alleine bei diesen 6 Informationen, blieb mir fast der Atem stehen.

Zuerst zerschlagen weil er als Kind viel weinte, später weggeworfen auf die Straße.

Zur Zeit versuche ich, mit viel Zeit und Arbeit, von meinem Bruder ein Gesamtbild seines bisherigen Lebens zusammen zu stellen.

Ich habe für meine Geschwister alle Heimaufenthalte, Geburtsurkunden, alleine herbei geschafft. Ebenso im Beisein mit Anni und Helene über die zwei ausführliche Berichte geschrieben. Natürlich umfangreich auch über mich.

Meine weiteren Bemühungen Akten über uns 7 Geschwister von den Heimen zu bekommen schlugen fehl.

Es ist aber kaum anzunehmen, dass in diesen Akten auch nur ein Wort über Menschenrechtsverletzungen stehen dürfte. Deswegen ist die Weigerung der Heime über die Herausgabe der Akten nicht zu verstehen.

Nur die Einwohnermeldeämter waren mir bisher hilfreich. Zwar sind nicht alle schriftliche Auskünfte kostenlos, aber man erhält wenigstens wichtige Unterlagen über die Zeiten in den Heimen.

Ca. 1967 traf ich meine Schwester Helene das erste mal, durch die Hilfe von meiner ältesten Schwester Anni. Helene war damals ca. 27 Jahre alt. Ich war damals ca. 23 Jahre alt.

Meine Schwester Helene saß bereits auf gepackten Kisten und das Schiff wartete bereits um sie und ihr Kind und Mann in Kürze nach Australien zu bringen. Sie floh aus Angst vor Kirchen, Staat und der Fürsorge.

Auch sie hatte bis zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst, dass sie mehrere Geschwister hatte. Hätte sie dieses viel früher erfahren, währe sie nie ausgewandert mit ihrer Familie.

Dann hätten wir „Uns“ wenigstens gehabt!

Dann hätten wir „Uns“ wenigstens gegenseitig trösten können!

Dann hätten wir „Uns“ wenigstens gegenseitig stärken können!

So war es nur eine kurze Freude!
Erst im Jahr 1989 sahen wir uns wieder als ich Helene in Australien besuchte. Jetzt konnten wir uns zum ersten Mal fest in die Arme nehmen. 2007 machte Helene mir einen Gegenbesuch. Jetzt erst fanden wir Gelegenheit über unsere schlimmen Erlebnisse in den Heimen gemeinsam zu reden, gemeinsam zu weinen, gemeinsam zu lachen und gemeinsam fröhlich zu sein. Für uns beide war die Urlaubszeit viel zu schnell vorbei. Aber die paar Wochen waren für uns sehr wichtig.

Aus dieser schönen Zeit heraus weiß ich, dass meine Schwester Helene bis zum heutigen Tag Deutsche Staatsbürgerin geblieben ist. Sie ist alle Jahre praktisch Ausländerin in Australien geblieben. Sie sagte mir, meine Wurzeln sind in Deutschland und meine Geschwister sind ebenfalls Deutsche!

Australien gab ihr zwar die Freiheit zurück. Ihr Trauma, ihre „kranke Seele“ konnte in den vielen Jahrzehnten kein Psychologe bis hin zu gewissen Einrichtungen ihr dabei helfen alles vergessen zu können.

Kein ehemaliges Heimkind kann so viele Greul-Taten und Qualen jemals vergessen!!!!!

Roswitha Schnabel

30.07.2009