Dierk Schaefers Blog

Das religiöse Tier

Posted in Kirche, Psychologie, Theologie by dierkschaefer on 25. Dezember 2012

Jonathan Sacks zeigt in seinem Artikel die Bedeutung der Religion im evolutionären Prozeß auf. http://www.nytimes.com/2012/12/24/opinion/the-moral-animal.html?_r=2& 25/12/2012

Das ist nachvollziehbar, läßt aber grundsätzliche Fragen offen.

Der Mensch reagiere auf Angriffe ganz spontan und schnell als ein Individuum, das sein Überleben sichert, und in der Hitze des Gefechts würden die Spiegelneuronen übergangen und Moral und Religion geraten aus dem Blickfeld. Ein zweites Reaktionsmuster im Gehirn jedoch sei vernunftgesteuert und sichere das Überleben der Art. Das sei unabhängig vom Ergehen des Individuums in der Summe von evolutionärem Vorteil.

Das mag plausibel klingen. Doch schon für die genannten Hirnabläufe ist manches fragwürdig.

Wichtiger aber: Kriege sind selten eine Notwehrreaktion, sondern werden mit Überlegung geplant, vorbereitet und exekutiert. Dabei wurden in den klassischen Kriegen junge Menschen in Notwehr- und Nothilfesituationen gebracht. Die Religion diente sehr häufig zur überhöhenden Motivierung des Gesamtunternehmens und zur individuellen Motivierung zum Kampf – mit Trostfunktion für die Hinterbliebenen der gefallenen Helden. „Gott mit uns“, stand auf den Koppelschlössern und auf manchen Kriegerdenkmälern: „Niemand hat größere Liebe als der, der sein Leben hingibt für seine Freunde“ (Joh. 15,13). Ganz zu schweigen von den Kriegspredigten der Geistlichen auf beiden Seiten der Front, mit denen sie den lieben Gott in Entscheidungsnöte brachten. Wenn man dies bedenkt, schmilzt der Evolutionsvorteil religiöser Bindung dahin, es sei denn, man wiege die Kanonenfutter-Verluste zynisch auf mit „Seid fruchtbar und mehret euch“.

Die bei Sacks erwähnte Untersuchung wird aber wohl stimmen. Danach engagieren sich Menschen mit religiöser Praxis stärker für andere.

Doch wer mag hier gewichten?

 

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