Dierk Schaefers Blog

Ein Nachruf wäre angemessen gewesen, doch die Größe zur Demut hatten sie nicht.

Schade. Auch wenn Helmut Jacob zu Lebzeiten ein unermüdlicher Kämpfer für die geschundenen Kinder der Volmarsteiner Anstalt und damit unbequem war, so galt es doch seine Lebensleistung zu würdigen, ohne „Betroffenheitsgestammel“, wie er es nannte, aber in ehrlichen Worten der Anerkennung und einer Verneigung vor dem Verstorbenen. Leitungspersonen der Anstalt waren zwar bei der Trauerfeier in der Kirche zugegen, doch das war’s, um mit den Worten von Helmut Jacob zu sprechen

An Würdigung hat es ansonsten nicht gefehlt. Für Helmut Jacob gab es in der fast voll besetzen Anstaltskirche eine kirchliche Trauerfeier. Vor dem Altar waren die Urne und ein großes Photo von ihm aufgestellt. img 13541.jpgSein Chor, er war dort Mitglied, sang sehr schön. Pastor Jochen Twer, Taufpate und Weggenosse von Helmut Jacob, hielt eine sehr einfühlsame Predigt. twer-jakob

In meinem Nachruf verlas ich den Text aus meinem Blog und die Reaktionen (Kommentare) anderer ehemaliger Heimkinder. (beides unter: https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/10/18/helmut-jacob-ist-tot-ein-nachruf/ ).

Helmut Jacob war mit guten Gründen aus der Kirche ausgetreten und hatte dies auch kundgetan: http://helmutjacob.over-blog.de/article-die-kirche-die-sie-reprasentieren-hat-hilflose-geschopfe-gottes-zu-opfern-gemacht-austrittsbe-123811981.html . Ich hielt es für angemessen und erforderlich, seine Gründe zu verlesen und schloss mit einer Bibelstelle, die mir gleich durch den Kopf gegangen war, als ich von seinem Tod hörte:
Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit. (2.Timotheus 4, 7f). Ja, er hat den Glauben gehalten, anders als seine Kirche. In unserer Erinnerung trägt er die Krone der Gerechtigkeit.

Es war bewegend zu sehen, wie die Trauergemeinde, viele davon im Rollstuhl, im Regenwetter auf dem Friedhof von ihm Abschied nahmen.

Danach kamen wir im katholischen Gemeindehaus zusammen und ich lernte Helmut Jacob ganz anders kennen als bisher. Eine Photo-Präsentation machte mir sein Leben lebendig, auch ein sehr launiger Vortrag. Es durfte gelacht werden und es wurde gelacht. Ja, so war er. Ich bin sicher, dass es ihm gefallen hätte. Photos von ihm zum Mitnehmen klebten an der Wand. Später stieß ich im Netz auf den Nachruf seiner Assistentinnen. Einen so reizenden Nachruf bekommt nicht jeder, dafür muss man schon eine besondere und liebenswerte Persönlichkeit gewesen sein: http://jacobsmeinung.over-blog.com/2017/10/abschied-von-helmut.html

traueranzeige

Die Traueranzeige schloss mit den Worten:

Wer in Helmuts Sinne tätig sein möchte, kann an die Evangelische Stiftung Volmarstein – Marianne Behrs Haus – spenden. IBAN: DE40 3506 0190 2101 5990 54 – Kennwort: Beerdigung Helmut Jacob -.

Marianne Behrs lebte in Volmarstein auf der untersten Stufe der Hackordnung. Ihr Gedenken ist verbunden mit dem an Helmut Jacob. Ich werde in einigen Tagen hier im Blog auf Marianne Behrs zurückkommen.

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Hauptsache: korrekt beerdigt

Posted in heimkinder, Kinderrechte, Menschenrechte, Politik, Theologie by dierkschaefer on 31. Dezember 2012

Die FAZ sieht heute in der Printausgabe Parallelen zwischen Putin und dem (legendären) Kinderschlächter Herodes.

Worum geht es? Die USA sollen bestraft werden. Darum dürfen US-Bürger keine russischen Kinder mehr adoptieren. Der Grund ist einleuchtend. Ein US-Gesetz forderte Sanktionen gegen Menschenrechtsverstöße in Russland.

Laut FAZ warten 52 russische Kinder nach abgeschlossenem rechtlichem Verfahren auf ihre Adoption durch US-Bürger. Daraus wird nun nichts. Die Kinder dürfen weiter in den bewährten russischen Kinderheimen bleiben. Damit hat Putin die Waisenkinder instrumentalisiert für eine politische Revanche. Man kann auch von Geiselnahme sprechen.

http://www.fr-online.de/politik/russland-putin-verbietet-us-buergern-adoptionen,1472596,21308366.html

Doch die russisch-orthodoxe Kirche setzt allen noch die Krone auf. Nicht-russisch-orthoxe Adoptiveltern werden die Kinder nicht richtig christlich erziehen, damit würden sie dem Pfad zum ewigen Leben entzogen.

Die Kirche ist auch bereit, praktisch zu helfen. Sie hat bei der Regierung einen Friedhof beantragt, auf dem sie Waisenkindern die Startrampen zum Himmel einrichten will.

http://www.guardian.co.uk/world/2012/dec/30/russian-church-backs-putin-adoption-ban

http://de.ria.ru/politics/20121229/265244802.html

Man hüte sich vor Menschen, die anderen ein ewiges Leben verordnen, das irdische als minderwertig predigen – und damit selber hier ganz gut leben können.