Dierk Schaefers Blog

Gauck’s Kriegslied

Posted in Geschichte, Gesellschaft, Menschenrechte, Politik, Theologie by dierkschaefer on 21. Juni 2014

Gauck’s Kriegslied

 

‘s ist Krieg! ‘s ist Krieg!

O Gottes Engel wehre,

Und rede Du darein!

‘s ist leider Krieg –

und ich begehre

Nicht schuld daran zu sein!

 

So Matthias Claudius in seinem „Kriegslied“[1]

Und was sagt unser oberster Repräsentant und gelernter Pfarrer? Er vermeidet das Wort Krieg, spricht aber für den Einsatz von Waffen. „Und in diesem Kampf für Menschenrechte oder für das Überleben unschuldiger Menschen ist es manchmal erforderlich, auch zu den Waffen zu greifen.“[2]

 

Ein Skandal? Und wenn ja, warum?

 

Den einen Teil des Skandals hat Jakob Augstein im SPIEGEL richtig und ausführlich benannt2. Gauck scheint ein Lieblingsthema gefunden zu haben und kein bißchen an die Kriegsrhetorik der evangelischen Kirchen und ihrer Pfarrer in großer vaterländischer Zeit zu denken. Hätte ihm doch einfallen müssen, das Gott-mit-uns auf den Koppelschlössern. Man kann das nicht naiv ersetzen mit Für-die-Menschenrechte. Zwar sind beides hohe Güter, Gott und die Menschenrechte. Wir wissen auch, daß die Nazis nicht durch Lichterketten und wohl auch nicht durch Gebete niedergerungen wurden. Einen naiven Pazifismus kann man also nicht predigen.

Es gilt aber auch die „Kollateralschäden“ zu benennen.

 

Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,

So glücklich vor dem Krieg,

Nun alle elend, alle arme Leute,

Wehklagten über mich?1

 

Und der zweite Teil des Skandals?

Auch die Kollateralgewinne gehören genannt. Deutschland ist weltweit viertgrößter Waffenexporteur. Gibt es da keine Interessen, die nichts mit Menschenrechten zu tun haben?

Unsere Verbündeten, allen voran die USA, betreiben Weltmachtpolitik und benutzen das Menschenrechtsargument je nach ihren Interessen[3]. Darf ein deutscher Bundespräsident so naiv sein und dieses nicht erwähnen, wenn er von Waffengebrauch für Menschenrechte spricht?

 

„’s ist Krieg!“ ist auch der Titel eines Gedichts von Kurt Tucholsky.

 

Die fetten Hände behaglich verschränkt

vorn über der bauchigen Weste,

steht einer am Lager und lächelt und denkt:

„‘s ist Krieg! Das ist doch das beste!

Das Leder geräumt, und der Friede ist weit.

Jetzt mach in anderen Chosen –

Noch ist die blühende, goldene Zeit!

Noch sind die Tage der Rosen!“1

 

Wenn Herr Gauck Tucholsky nicht lesen will, so sollte er doch einmal seinen Blick in gut christliche Literatur werfen.

 

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen

Und blutig, bleich und blaß,

Die Geister der Erschlagenen zu mir kämen,

Und vor mir weinten, was?1

 

 

Das Kriegslied von Matthias Claudius ist bei Wiki passend bebildert mit einer Schlachtszene aus Goyas „Schrecken des Krieges“. Scheint leider wenig bekannt zu sein.

 

Der größte Skandal ist, daß man für einen Pfarrer das schwäbische „Herr, schmeiß Hirn ra“! (ra = runter) abwandeln muß in „Herr, schmeiß Herz ra“!

 

[1] Man sollte es ganz lesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Kriegslied_%28Matthias_Claudius%29

[2] Zitiert nach http://www.spiegel.de/politik/deutschland/augstein-gegen-gauck-s-forderung-nach-mehr-deutschen-kriegseinsaetzen-a-976083.html

[3] Man denke nur an den Irak-Krieg oder an unterlassene Kriege gegen Despoten. Es ging immer nur um politische und wirtschaftliche Interessen.

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Der Fall Gauck und die »Heckenschützen«

Posted in Politik by dierkschaefer on 1. Juli 2010

Der Kandidat Wulf hat entgegen allen Erwartungen drei Wahlgänge gebraucht, um schließlich gewählt zu werden. Auch im letzten Wahlgang hat er nicht sämtliche Stimmen aus seinem Lager erhalten.

Heckenschützen seien es gewesen, die im Schutze der geheimen Abstimmung ihrem eigenen Lager untreu wurden. So die entlarvende Diffamierung, nicht nur von CDU-Seite. Heckenschützen sind Nicht-Kombattanten, francs-tireurs, Freischärler, gegen internationales Kriegsrecht. Hat also ein Krieg stattgefunden oder wenigstens kriegsähnliche Handlungen à la Afghanistan? Oder war es nur eine dem Gewissen der Abstimmenden folgende Stimmabgabe?

Schon zuvor wurden wir von diversen Medienvertretern darüber belehrt, daß politisches Kalkül schon immer die Präsidentenwahlen dominiert habe. Für wie naiv hält man uns? Selbstverständlich spielt auch hier die politische Auseinandersetzung zwischen Regierung und Opposition die maßgebliche Rolle.

Doch wie ist die Popularität von Gauck zu erklären?

Politikverdrossenheit wurde genannt. Doch die Unterstützung von Gauck in der Bevölkerung war eine politische. Es geht also wohl eher um Parteienverdrossenheit – von rechts bis links. Wir haben ja gewußt, daß die meisten Bürger dieser Republik ausschließlich ihre magere Stimme haben, um politisch Einfluß zu nehmen. Eine Stimme, die sie wirklich „abgeben“, dann ist sie weg. Was daraus wird… ja, was wird daraus? Doch andere Akteure haben über ihre Wählerstimme hinaus deutlich mehr Einfluß. Damit meine ich nicht nur die läppische Möglichkeit, sich einen Gesprächstermin mit Herrn Rüttgers zu kaufen. Ob ich als Wahlbürger zur Wahl gehe oder nicht, ist im Einzelfall herzlich egal, und wenn ich keiner Partei über den Weg traue und ein großes diagonales Kreuz über den Stimmzettel mache, dann taucht meine Stimme nur unter denen auf, die zu dämlich waren, ihren Wahlzettel korrekt auszufüllen. Wie also kann sich Parteienverdrossenheit artikulieren?

Da war der parteilose Gauck ein Lichtblick, auch wenn er ins Kalkül von rot-grün paßte.

Doch nun zu den „Heckenschützen“: An diesem diffamierenden Sprachgebrauch wird deutlich, wie sehr die Parteien ihre vom Grundgesetz beschriebene Aufgabe überziehen. Zwar wird gesagt, die Wahl sei geheim und also frei. Doch wenn Abgeordnete von ihrem Gewissen Gebrauch machen, selbst wenn dieses von Denkzettelgedanken geleitet sein sollte, dann sind sie „Heckenschützen“. „Die Linke“ verhält sich dabei nicht anders als die etablierten Parteien, wenn sie zum dritten Wahlgang ihren Abgeordneten die Wahl ausdrücklich „frei“ gibt. Wie großzügig. Deutlich wird hier der Machtanspruch der Parteien. Von ihrer Partei aufgestellte und in der Folge gewählte Abgeordnete haben offensichtlich in erster Linie der Parteiräson zu gehorchen. Und so, wie sich die Parteien ihre Abgeordneten untertan gemacht haben, so haben sie sich diese Republik mit ihren Ämtern, Posten und Finanzquellen unter den Nagel gerissen. Ist es da ein Trost, daß sie nach der Pfeife von Interessen(ten) tanzen müssen, von denen ihre Stellung abhängt?

Die Heckenschützen haben nicht geschossen. Sie haben in den ersten Wahlgängen entgegen der Parteiräson Herrn Gauck gewählt, egal aus welchem Grund. So war der gestrige Tag ein Lichtblick für die Demokratie. Er hat gezeigt, daß die Macht der Parteien sogar in ihren eigenen Reihen begrenzt ist. Letztlich wurde doch Herr Wulf gewählt. Es gibt keinen Grund zur Annahme, daß er den Job schlecht machen wird. Und selbst wenn: Wir haben schon andere Präsidenten überstanden, schließlich ist deren Macht wirklich sehr begrenzt.

Herr Gauck kann sich sagen, daß er der Präsident nach dem Herzen der deutschen Bevölkerung gewesen wäre, doch die Verhältnisse, die sind nicht so. Die Wahl von Herrn Wulf hat uns gezeigt, was die Parteien von den Bürgern halten, nämlich nichts außerhalb der Wahl-Schau-Kämpfe. Immer wenn wir von Herrn Wulf lesen oder hören, werden wir uns daran erinnern.

Dafür: Herzlichen Dank, Herr Gauck!

»Angst vor Gegenstimmen – Polit-Profis sollen Super-Gauck verhindern«

Posted in News by dierkschaefer on 7. Juni 2010

Da haben die Regierungsparteien anscheinend das Fracksausen bekommen. Weit entfernt davon, sich ein fügsameres Volk zu wählen, sinnen sie auf üble Machenschaften, eine kaschierte Form von Wahlbetrug.

Lesen Sie unter:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,699199,00.html

»Union und FDP wollen diesmal vor allem Parteisoldaten in die Bundesversammlung schicken und kaum Prominente – offiziell aus Zeitnot. Doch die Koalition fürchtet auch um die eigentlich komfortable Mehrheit für ihren Kandidaten Christian Wulff.«

Auch die heutige Sendung im »Journal am Vormittag« im Deutschlandfunk über »Schicksalstage für Schwarz-Gelb – Schafft die Regierung Merkel noch die Wende?« sprach Bände. Noch nie habe ich in diesem von mir sonst geschätzten Sender eine solch parteiliche Sendung gehört. Bewundernswert, wie sich Tissy Bruns, politische Chefkorrespondentin vom Tagesspiegel, gegen ihre voreingenommenen Kollegen Stephan Detjen, Chefredakteur/Deutschlandfunk und Michael Rutz, Chefredakteur/Rheinischer Merkur behauptete. Auch der Moderator Dirk-Oliver Heckmann nahm die Höreranfragen nicht nur entgegen, sondern diskutierte mit Hörern, die Meinungen vertraten, die nicht ins Konzept des Deutschlandfunks paßten. Damit wurde der öffentlich rechtliche Rundfunk zum Staatsfunk – auch eine Beute der Parteien.

Lassen wir uns nicht vera  lbern: Gauck for President!

Die Süddeutsche bringt eine interessante Umfrage:

http://www.sueddeutsche.de/politik/kandidatencheck-gauck-gegen-wulff-wer-ist-der-bessere-praesident-1.954618-13

Aber wir, das Volk, haben nichts zu sagen – warum? das wurde in der Deutschlandfunksendung deutlich:

Die Politiker haben Angst vor dem Volk.

Sie sollten sich wirklich ein anderes wählen.

Gauck for president!

Posted in News by dierkschaefer on 6. Juni 2010

Gauck for president!

Schaut man in die Berichterstattung der Zeitungen oder in die FOCUS-Umfrage (knapp 75% für Gauck), dann wird klar, was die FAZ meint mit: Wulff … verträgt man besser, wenn man Gauck ignoriert.

Wollen wir Gauck ignorieren?

Wir wurden Zeuge eines schäbigen Ränkespiels, bei dem, bei aller Antipathie, Frau von der Leyen einem leid tun kann, ob des Schurkenstücks von Kanzlerin und Kandidat.

Und dann taucht ein weiterer Kandidat auf, parteilos und ehrlich, eine Identifikationsfigur.

Er wird es wohl nicht werden, denn ich traue den machthabenden Parteien nicht zu, daß sie ihren Kandidaten zurückziehen. Egal was das Volk will.

Auch wenn der Vergleich nicht ganz angemessen ist: Sollten sich die Regierungsparteien nicht lieber ein anderes Volk wählen?

Das Grundgesetz gibt den Parteien die Option, an der politischen Willensbildung mitzuwirken – doch die in den Parlamenten vertretenen Parteien haben – ausnahmslos! – den Staat und seine Ämter längst zu ihrer Beute gemacht.

Wenn Gauck eine Chance bekommt, hätten wir vielleicht auch endlich mal eine.

Gauck for president!