Dierk Schaefers Blog

Leichen im Keller

Posted in Gesellschaft, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Menschenrechte, Psychologie, Religion by dierkschaefer on 5. Juni 2014

Fast 700 Baby-und Kleinkinderleichen im Mutter- und-Kind-Heim der irischen katholischen Kirche. Fällig wäre eine kritische Auseinandersetzung mit der über Jahrhunderte hinweg gepredigten und praktizierten Verteufelung der Sexualität. Doch man meint, wir sollten nicht aus heutiger Sicht die damaligen Zeiten beurteilen. Diese Leute sind noch immer nicht in der Jetzt-Zeit angekommen. Früher war einfach alles besser.

 

»Do not say Catholic prayers over these dead children. Don’t insult those who were in life despised and abused by you. Instead, tell us where the rest of the bodies are. There were homes throughout Ireland, outrageous child mortality rates in each. Were the Tuam Bon Secours sisters an anomalous, rebellious sect? Or were church practices much the same the country over? If so, how many died in each of these homes? What are their names? Where are their graves? We don’t need more platitudinous damage control, but the truth about our history.«[1]

 

[1] http://www.theguardian.com/commentisfree/2014/jun/04/children-galway-mass-graves-ireland-catholic-church

Dazu wird Antje Vollmer nichts sagen.

»Die irische Menschenrechtskommission (Human Rights Commission, IHRC) hat heute den Folgebericht über die staatliche Beteiligung an den Magdalen-Wäschereien veröffentlicht der besagt, der Staat sei seiner Verpflichtung, die Menschenrechte von Mädchen und Frauen in den Magdalen Wäschereien zu schützen, nicht nachgekommen. Die IHRC ruft auf zu einer umfassenden Wiedergutmachung, die individuelle Vergütung, Entschädigung und Rehabilitation der Frauen im Einklang mit staatlichen Menschenrechtsverpflichtungen. Außerdem macht die IHRC eine Reihe von Empfehlungen für erforderliche Maßnahmen, damit sich ähnliches Unrecht in der Zukunft nicht wiederholt«[1].

Wenn ich mir die Ergebnisse des Runden Tisches anschaue, mit denen die ehemaligen Heimkinder eben keinerlei Entschädigung erhielten, keinen angemessenen Rentenausgleich, keine Lohnnachzahlungen, keine Schmerzensgelder, dann frage ich mich, wie Frau Dr: Antje Vollmer mit gutem Gewissen den Ehrenberg-Preis entgegennehmen konnte und mit gutem Gewissen ihre Pension verzehren kann.

Aber vielleicht hat sie ja ein schlechtes Gewissen dabei. Wohl bekomms!

Und der Staat und die Kirchen mit ihren Einrichtungen? Und mit der Aufsichtsverpflichtung?

Irland: Die Kirche schützte mehr als 100 Priester vor der Strafverfolgung.

Posted in heimkinder, News by dierkschaefer on 11. Dezember 2009

Die Stellungnahme des Vatikan enthält keinen Hinweis auf mögliche Rücktritte.

mehr unter:

http://www.independent.ie/breaking-news/world-news/pope-distressed-by-abuse-scandal-1972269.html

Hier sind ein paar hochinteressante Links zum Thema Entschädigung

Posted in heimkinder, News by dierkschaefer on 29. November 2009

CHRISTIAN BROTHERS IN IRELAND RESPONSE TO GOVERNMENT AND REPORT OF THE RYAN COMMISSION

The Christian Brothers in Ireland present the content of this website in the interests of accountability and transparency and in fulfillment of their commitment to publish information regarding their assets and liabilities together with their response to Government following on the Publication of the Report of the Ryan Commission.

The documents are available by following the links below.

1. RESPONSE OVERVIEW

2. REPORT Report to Government July 2009

3. LETTER Covering Letter with Response to Government

4. RESPONSE Response to Government by the Christian Brothers November 2009

5. SUMMARY PAGE Assets and Liabilities Response: Summary Page

 

Kindesmißhandlungen in Irland – und in Deutschland?

Posted in heimkinder, News by dierkschaefer on 22. Mai 2009

Kindesmißhandlungen in Irland – und in Deutschland?

Fünf Bände, 2600 Seiten mit dokumentierten Mißhandlungen von Kindern in irischen Kinderheimen!

1700 Zeugen trugen innerhalb von 10 Jahren zu dem Bericht der Untersuchungskommission ihre Leidensgeschichten zusammen: Mißhandlungen, Mißbrauch, Zwangsarbeit und durchgängige Demütigungen.

Dieser Bericht kommt aus Irland und findet seit gestern umfassende Resonanz in den deutschen Medien.

In Deutschland tagt zur Zeit, auf zwei Jahre angesetzt, der „Runde Tisch“. Es geht um dasselbe Thema.

Was bedeutet der irische Bericht für die deutschen Verhältnisse?

Einerseits nicht viel, Irland ist Irland. Das Untersuchungsergebnis ist ein irisches, kein deutsches.

Andererseits sind Parallelen deutlich. Hier wie dort wird und wurde geleugnet, wurde von bedauerlichen Einzelfällen gesprochen, wurde auf zeittypische Erziehungsmethoden verwiesen. Der irische Bericht macht klar, daß das Unvorstellbare Realität gewinnen kann. Nein, nicht für die ehemaligen Heimkinder, die haben nie daran zweifeln können, sie leiden noch heute unter dieser erlebten Realität.

Realität haben die unvorstellbaren Menschenrechtsverletzungen für die irische Öffentlichkeit gewonnen, für den Staat und für die Heimträger, doch manche leugnen immer noch.

Nach den vorliegenden Berichten der ehemaligen Heimkinder ist für Deutschland kein wesentlich anderes Ergebnis zu erwarten: Mißhandlungen, Mißbrauch, Zwangsarbeit und durchgängige Demütigungen.

Was bedeutet das?

Der Runde Tisch will »ergebnisoffen« arbeiten. Dieses Ziel ist nicht länger haltbar. Der Runde Tisch muß davon ausgehen, daß es in Deutschland kaum anders aussehen dürfte als in Irland. Er muß also heute schon deutlich machen, an welche Entschädigungen er denkt, wenn die Daten, wie zu erwarten, erhärtet werden. Hierzu liegen bereits von anderer Seite Vorschläge auf dem Tisch, auch auf dem Runden. Anlage  Verfahrensvorschläge-RT

Wenn der Runde Tisch nach dem von ihm nicht zu verantwortenden Startschwierigkeiten Glaubwürdigkeit gewinnen will, muß er nach den erschreckenden aber objektivierten Daten aus Irland vom worst case ausgehen, also, daß es ähnlich teuer werden wird, wie in Irland, das vielleicht auch noch auf größerer Zahlenbasis. Doch es hilft nichts, vergangenes Unrecht muß man anerkennen und dafür bezahlen, auch wenn man nur Rechtsnachfolger ist.

Noch etwas anderes lehrt ein Vergleich. Das wird die ehemaligen Heimkinder weniger interessieren, denn wer gequält wurde, denkt an die Qual und nicht an die Erklärungen. Dennoch:

Es war so logisch: In den deutschen Heimen arbeitete vielfach Personal, das in den Wertvorstellungen der Nazi-Zeit erzogen war, so dachte und so handelte. Doch das kann keine Erklärung sein, denn Irland hat keine Nazi-Vergangenheit.

Ein anderer Erklärungsansatz mag in der Sexualnot zölibatär lebenden Heimpersonals gesehen werden. Auch dieser Ansatz hilft nicht weiter. In evangelischen Heimen hat es anscheinend nicht besser ausgesehen, als in katholischen Einrichtungen. Von einem evangelischen Heim hörte ich, daß dort sämtliche Jungen von den Erziehern und Erzieherinnen mißbraucht wurden.

»Das Personal war nicht gut ausgebildet!« Auch das erklärt nur wenig, denn die Heimleitungen kann man darunter nicht subsumieren. Die hatten eine bessere Ausbildung und wurden zum Teil selber handgreiflich. Sehr ergreifend zu lesen auf Seite 17 im Beitrag von Prof. Manfred Kappeler über den heimleitenden Pfarrer. VORTRAG-am-RUNDEN-TISCH-am-02-04-2009_-_Zur-zeitgechichtlichen-Einordnung-der-Heimerziehung

Was also erklärt die Unmenschlichkeiten?

Ich sehe nur die unkontrollierte Macht als Erklärung, sehe das Fehlen von Gewaltenteilung. Sie läßt die dunkle Seite der conditio humana, der menschlichen Beschaffenheit zum „Vorschwein“ (!) kommen, um eine bekannte freud’sche Fehlleistung hier aufzunehmen. Lord Acton, interessanterweise in Zusammenhang mit der Unfehlbarkeitserklärung des Papstes, schrieb 1887: »Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut«.

Die Erzieher (und Erzieherinnen) waren lauter kleine Päpste, Herren mit Gewalt über die Gewalt- und absolut Wehrlosen. Und sie wurden nicht kontrolliert. „Es gab keine Systematik der Gewaltausübung außer der, daß alle Untaten toleriert wurden.“ schreibt der Historiker Zoran Janjetovic im Ausstellungskatalog „Daheim an der Donau – Zusammenleben von Deutschen und Serben in der Vojwodina“, über das Schicksal der deutschen Donauschwaben in der ersten Zeit nach dem verlorenen Krieg (zitiert nach FAZ/18. Mai 2009). Die Brutalität, mit der Heimkinder behandelt und mißbraucht wurden, ist tatsächlich die gleiche, wie die, von der mir Kriegskinder berichtet haben. siehe: kriegskinderkongress_frankfurt

Wozu wir selber fähig wären, wenn wir unkontrollierte Macht über Wehrlose hätten, wissen wir nicht. Hoffentlich funktionieren dann unsere Spiegelneuronen und bewirken unser Mitleiden, wenn andere leiden.

Etwas weiter sind wir in der deutschen Diskussion aber schon:

»Ich habe mir bis vor zwei Jahren nicht vorstellen können, dass wir so etwas in unserer Geschichte der Diakonie mitschleppen«, sagte Kottnik [Präsident des Diakonischen Werks/EKD]. Mehrere hunderttausend Kinder und Jugendliche waren in der frühen Bundesrepublik oft aus nichtigen Anlässen in vorwiegend kirchliche Heime eingewiesen worden. Viele von ihnen wurden geschlagen und zur Arbeit gezwungen, zudem gab es sexuelle Mißhandlungen. Eine Schulausbildung erhielten die Kinder häufig nicht.

Er habe früher von Einzelschicksalen gesprochen, sagte der Präsident. Heute wisse er, daß dies eine unzulässige Bagatellisierung sei. »Ich will, dass es für die Betroffenen in irgendeiner Form eine Wiedergutmachung gibt«, betonte Kottnik. Der vom Bundestag eingerichtete Runde Tisch, an dem sich auch die Diakonie beteiligt, wolle Ende Juni erste Vorschläge unterbreiten. url: http://www.derwesten.de/nachrichten/wr/westfalen/2009/5/15/news-119900605/detail.html

Hoffen wir, daß die Wiedergutmachung »in irgendeiner Form« nicht im und Irgendwann und Irgendwie stecken bleibt.

Jetzt muß der Runde Tisch Perspektiven aufzeigen.

Die Zeit der Ergebnisoffenheit ist vorbei.