Dierk Schaefers Blog

»Wenn der Richter das gelesen hätte, dann hätten Sie keine zehn Jahre gekriegt.« IV

moabit k1Dieter Schulz

Der Ausreis(ß)ende

oder

Eine Kindheit, die keine Kindheit war

 

 Viertes Kapitel

17. Juni 53: Denkwürdiger Beginn meiner Heimkarriere

Na ja, ich war zugegebenermaßen kein großer Held des 17. Juni 53[1]. Aber immerhin war es der Auslöser für meine Heimkarriere.

Ich gebe ja auch zu, dass ich mehr zufällig und aus Neugierde „dabei“ war.

Wie so oft nach der Schule hatte ich meinen Tornister hingefeuert und war auf schnellstem Wege in die City gelaufen. Straßenbahnen fuhren ja nicht, da die Straßen voller Menschen waren, die mehr oder weniger geordnet so eine Art Demonstrationszug bildeten und in Richtung Stadtmitte strömten.

Schiebergeschäfte mit den Russen

Eigentlich hatte ich ja vorgehabt, meinen Schiebergeschäften mit den Russen nachzugehen. Aus dem goldenen Westen reingeschmuggelt.

  • Französischer Samt
  • goldene Schweizer Uhren, mit 18 oder 21 Rubinen
  • Pelzmäntel
  • Lackschuhe und Perlonstrümpfe

Daran ließ sich eine gute Provision verdienen und das wenige Geld, welches meine Mutter als Trümmerfrau verdiente, aufstocken.

Bei dem Trubel, der an diesem 17. Juni in der City herrschte, war an Geschäfte natürlich nicht zu denken. Auch war ich viel zu neugierig, was es da außerhalb der vorgeschriebenen Demon­strationstage zu demonstrieren gab. Jedes Kind kannte doch diese Tage auswendig. Oft genug wurden uns doch Fähnchen oder ähnliches Winke-Winke-Zeug[2] in die Hand gedrückt und von der Schule vorgeschrieben, wo wir zu winken hatten. Es fehlte überhaupt so einiges, was der ganzen Sache einen fröhlichen Anstrich gab. Anstatt lange vorher eingeübter prole­tarischer Parolen und markiger Arbeiterlieder, sah ich nur verbissene Gesichter, diskutierende Menschen, die irgend jemandem irgend etwas mal so richtig sagen wollten.

Der Weg von der Straße des 8. Mai, Straße der Befreiung, bis zum Karl-Marx-Platz verging wie im Fluge mit den immer mehr und wütender werdenden Erwachsenen. Schön, wenn die Erwachsenen mal wütend waren, aber ausnahmsweise mal nicht auf uns Kinder. Bah, waren da schon viele Menschen auf dem Platz. Und auch gar nicht so wohlgeordnet in Blöcke nach Betriebskampfgruppen oder ähnlichem eingeteilt. Die obligatorische Rednertribüne fehlte gänzlich. Keine genauen aufeinander abgestimmten Sprechchöre wie sonst üblich.

Was sollten eigentlich am hellichten Tage die Brandfackeln, die dann verteilt wurden? Eigentlich wurden die doch erst bei Dunkelwerden an die Leute verteilt. Das sah ja immer ganz imponierend und toll aus. Wieso warfen die wütenden Menschen diese brennenden Dinger in das Polizeigewerkschaftshaus? Und, wieso standen da oben auf dem Dach, gleich neben den beiden Glockenmännern[3] bewaffnete Uniformierte? Ich konnte mich wirklich nicht daran erinnern, dass schon mal bei ähnlichen Veranstaltungen Gewehrläufe aus den Fenstern gehalten worden waren. Das war ja alles so irre neu für mich. Nicht die Gewehre! Die kannte ich zur Genüge. Hatte auch schon gesehen, wie damit Menschen totgeschossen wurden. Nein, aber wie sie so auf die Menge auf dem Platz gerichtet waren, das verursachte doch schon ein unangenehmes Kribbeln in der Magengegend. Wie leicht konnte da ein Schuss losgehen. Irgend jemanden hätte er bestimmt getroffen. Dicht genug standen die Menschen ja beiein­ander.

Eigentlich hatte ich ja genug gesehen. Ich wollte mich ja auch gar nicht in die Angelegen­heiten der Erwachsenen mischen. Mir wurde ohnehin auf meine diesbezüglichen Fragen entgegnet: „Geh nach Hause, Kleiner, davon verstehst du sowieso nichts!“ War doch auch ganz logisch bei der erschöpfenden Auskunft. War leichter gesagt als getan. Es ließ mich ja keiner durch. Eingekeilt von tausenden wütenden Erwachsenen, die das Drängeln des Knirpses als lästig empfanden. Ich wurde hin und her gestoßen. Nur, ich kam einfach nicht raus aus der Menge. Scheiße! Ich bekam langsam meinen wütenden Magen zu spüren. Ich wusste schon gar nicht mehr, wo ich meine Füße lassen sollte. Alle trampelten darauf herum. Die wütenden Erwachsenen wurden immer wütender. Ich verstand ja zunächst auch gar nicht, dass sie jetzt auch gar nicht mehr so sehr Walter Ulbricht und Konsorten beschimpften, son­dern nun sogar unsere russischen Freunde, die glorreichen Befreier vom Joch Hitlers. Nur dass ich jetzt schon etwas mehr Luft bekam und mir nicht mehr so oft auf die Füße getreten wurde, stellte ich erleichtert fest. Und, ich kam wieder einmal in den Genuss von unseren russischen Freunden befreit zu werden.

hatte den Russen auch schon mal eine Frau besorgt

Ich hatte wirklich immer ein gutes Verhältnis zu diesen Soldaten gepflegt. Ja, ich hatte sogar bis 1949, bis wir in Viehwaggons verladen wurden, deren Sprache fast perfekt gelernt. Ich hatte ihnen hier in Leipzig schließlich auch, außer den o.g. Sachen, schon mal eine Frau besorgt, woran es ihnen hier zu mangeln schien. Puffs oder ähnliches gab es ja für die Leidge­plagten nicht. Also besorgte Mischa (so hieß ich bei den Russen) ihnen das, was sie für ihre körperlichen Bedürfnisse so nötig hatten. Auch davon später mehr.

Also, die Befreier nahten. Wohlgeordnet, wie es sich für Soldaten gehört, kamen sie. Ein Panzer, vier Soldaten mit aufgepflanzten Bajonett, wieder ein Panzer, u.s.f. Anstatt dass sie sich wie üblich über meine russischen Sprachkenntnisse freuten und wie gewohnt mich freudig begrüßten, sobald sie mich sahen, setzten sie alle todernste Gesichter auf. Wagten noch nicht einmal mich anzuschielen. Mit strenger Miene, was eigentlich ihrer höflichen Geste widersprach, mit der sie uns baten, auf die rückwärts zwischen die Panzer gefahrenen Lastwagen zu steigen, wiesen sie jedem seinen Platz auf einem der LKW zu. Netter Zug von unserem Staatsratsvorsitzenden, fand ich. Nachdem man ihn und seine dem Volk wohl­gesonnenen Genossen vorher noch so beschimpft hatte. Wahrscheinlich wollten sie sich für den Ausfall der Straßenbahnen entschuldigen und uns per Sammeltaxi nach Hause bringen. Ich war auch ganz froh darüber. Meine Mutter würde sich bestimmt schon wieder Sorgen machen. Sie machte sich nämlich immer Sorgen um mich, wenn sie, die zweimal als Aktivistin ausgezeichnete Trümmerfrau, abgeschlafft von der Arbeit nach Hause kam und ihren Sohn nicht vorfand. Der in die Ecke gefeuerte Schulranzen ließ sie Böses ahnen. Wahrscheinlich trieb der Bengel sich wieder bei den Russen in der Stadt herum, anstatt seine Schularbeiten zu machen. Arme Mutti. Diesmal musstest du aber sehr lange darauf warten, bis du mal wieder etwas von deinem Sohn hörtest. Ein, zwei Nächte war er ja schon des Öfteren nicht nach Hause gekommen, hatte in Offiziersquartieren in Torgau oder sonst wo übernachtet. Häufig war es ja auch vorgekommen, dass mich die Bullen mitten in der Nacht nach Hause gebracht hatten.

An diesem Tage aber hatten die Vopos alle Hände voll zu tun, um all die Leute ordentlich unterzubringen, die man am 17. Juni eingesammelt hatte.

Um alle Angehörigen zu benachrichtigen hatte man ganz einfach nicht genügend Personal. Erst knapp zwei Monate später erfuhr meine Mutter den Aufenthaltsort ihres Sohnes. Ich wusste bis dato gar nicht, dass die Polizei ein so großes Haus hatte. Sogar Keller hatten die, mit ganz tollen stabilen Türen. Bisher war ich immer nur den kleinen Polizeistationen gewesen, wo man mich ziemlich familiär behandelt hatte.

Früchtchen oder Dreikäsehoch

Außer bei der Trapo[4] auf dem Leipziger Hauptbahnhof. Da kannte man mich natürlich schon viel besser, weil ich dort häufiger zu Gast war. Dort nannten sie mich auch schon längst nicht mehr Dieter. Ich war für sie einfach nur das Früchtchen! Andere bezeichneten mich als Drei­käsehoch. Ich hatte mich bis dahin noch nicht entschieden, welchem der beiden Kosenamen ich den Vorzug geben sollte.

Vorzüge mit meinem Zuhause bei Muttern konnte ich in diesem Keller also, wo mich das Taxi zusammen mit vielen anderen irrtümlicherweise hingebracht hatte, konnte ich nicht entdecken. Rücksicht auf einen Garanten des Volkes, ein Kind nämlich, nahmen die Freunde von der Volkspolizei nicht gerade. Von den Luftschutzbunkern her war ich ja schon an enge Räume gewohnt. Aber inzwischen hatten sich ja die Verhältnisse schon etwas normalisiert, und meine Nase war nicht mehr so abgestumpft wie zu Kriegszeiten. Deshalb empfand ich den Männerschweiß um mich herum als ziemlich ekelerregend.

die letzte Chance versäumt, ein Kind bleiben zu dürfen

Die Nacht, die wir auf rumliegenden Strohmatratzen verbrachten, brachte auch nicht den erschöpfenden Schlaf, den man sich nach so einem anstrengenden Tag gewünscht hätte. Ganz zu schweigen von dem widerlichen Kerl, der mich erst freundlich-tuend einlud, mich neben ihn zu legen, und mir dann mitten in der Nacht die Hose aufknöpfte, seinen Aal zwischen meine Schenkel drückte und sich daran einen abrieb. Ekelhaft, das glibbrige Zeug überall bei mir an den Beinen und der Unterhose. Da ich beim ersten Mal vor lauter Scham nicht gewagt hatte zu schreien, dachte er wohl einen Freibrief für ein zweites Mal zu haben. Wieder wurde ich davon wach, dass er sich schon wieder an mir befriedigte. Dieser stinkende Bock schenkte mir dann, bis wir endlich aus diesem Loch herausgeholt wurden, hin und wieder ein ver­schwö­re­risches Lächeln. Viel zu spät, erst im Nachhinein, fällt einem erst das richtige ein, wie man sich hätte verhalten müssen. Ich hätte ihm kräftig in seine Genusswurzel kneifen sollen. Bestimmt hatten die meisten nicht dafür demonstriert, dass sich so ein Lustmolch an einem kleinen Jungen befriedigen konnte. Vielleicht hätte sich dann ja mal ein Erwachsener für den Dreikäsehoch stark gemacht? Ich glaube in jener Nacht vom 17. auf den 18. Juni 1953 habe ich die letzte Chance versäumt, ein Kind bleiben zu dürfen.

Dass ich tags zuvor zu so etwas wie ein Held geworden war, zumindest in den Augen einiger Mitmenschen[5], erfuhr ich erst als ich zum ersten Mal in meinem Leben meine Fingerabdrücke abgeben durfte.

Liebe Monika, damals hatte ich die unverwechselbaren Narben vom Holzhacken an Daumen und Mittelfinger noch nicht.

Überhaupt holte man mir alles aus den Taschen, was ein kleiner Junge so bei sich trug. Neben meinen zwei Kastanien vom Vorjahr, – ja, Sie haben richtig gelesen; ich trug ständig zwei so schöne glatte Kastanien mit mir herum, weil mich deren Berührung so herrlich beruhigte, – fand man auch einen kleinen Taschenspiegel bei mir. Sogar den nahm man mir ab, ohne den wah­ren Wert dieses Spiegels zu erkennen. Achtlos wurde er zu meinen Effekten genommen. Dabei war genau dieser Spiegel zu damaliger Zeit etwas Kostbares. Zumindest für die ein­fachen russischen Soldaten, deren Sold einfach nicht ausreichte, um sich eine lebendige Frau leisten zu können. Abgesehen davon, dass sie sich ohnehin nicht außerhalb der Kasernen bewegen konnten.

Französisch nannten sie alles was nackte Frauen zeigte

Für ein Viertel ihres Monatssoldes konnten sie bei mir solch einen speziellen französischen Spiegel erwerben. Französisch nannten sie alles was nackte Frauen zeigte. Und eben diesen besagten Spiegel musste man nur gegen eine Lichtquelle halten, schon hatte man(N) eine Frau in verführerischer Pose vor Augen. Nackt, versteht sich. Der Trick bestand darin das man ganz einfach ein Negativbild zwischen zwei Glasscheiben klebte, und schon hatte man(N) gleichzeitig einen Spiegel als auch immer eine W….-Vorlage zur Hand.

Tja, meinen einträglichen Schiebergeschäften mit den russischen Offizieren, die dafür extra nach Leipzig kamen, konnte ich so bald nicht mehr nachgehen. Leipzig war nun mal eben eine Messestadt[6], der einzige Handelsplatz in der gesamten DDR.

Bei der darauffolgenden Vernehmung wollten die Bullen mir einfach nicht glauben, dass ich gar keinen Wert darauf legte als Held zu gelten. Ich hörte einen zum anderen sagen: „Der ist ganz schön ausgeschlafen, der hat sich eine ganz besondere Schutzbehauptung einfallen las­sen!“ Dabei wusste ich damals noch nicht einmal was eine Schutzbehauptung überhaupt ist.

Hätten sie gesagt ich würde lügen, was ich noch nicht einmal tat, ja, das hätte ich noch ver­stan­den. Aber wieso sollte ich überhaupt lügen? Was war eigentlich los gewesen am 17.? Ich kannte dem Namen nach Volkseigene Betriebe[7] etc. Aber Volksverhetzung? Ich dachte Hitler sei schon längst tot!? Hatte ich so in der Schule gelernt. Ich trug zwar meinen Scheitel rechts, aber ein Hitler war ich doch deswegen noch lange nicht, oder? Es tat mir schon immer weh, wenn meine Mutter mir nicht glaubte, obwohl ich ihr ausnahmsweise mal die volle Wahrheit gesagt hatte. Ihre Devise hieß dann immer: Wer einmal lügt dem glaubt man nicht, auch wenn zehnmal er die Wahrheit spricht. Das mir aber auch die Polizei nicht glaubte, obwohl sie behaupteten mich Früchtchen ganz genau zu kennen, über mich bescheid zu wissen, das war dann doch ein starkes Stück. Dass ich zurück zu meiner Mutter wollte, die sich bestimmt Sorgen um mich machen würde, verstanden meine Zuhörer zwar, kommentierten aber: „Das hättest du dir vorher überlegen sollen, dass deine Mutter sich Sorgen macht!“ Basta .

So begann also meine Heimkarriere. Nicht in Dönschten, wo meine Geschichte beginnt.

Nein, bei weitem nicht. Bis dorthin war es noch ein weiter Weg. Dönschten war das letzte von insgesamt 29 Heimen. Die obengeschilderte Flucht, mit der ich noch gar nicht fertig geworden bin, war meine 27te von 28 innerhalb von 26 Monaten.

Kommen Sie noch klar mit den vielen Zahlen?

PDF-Fassung: 04-beginn-meiner-heimkarriere-17-juni-53_2

Fußnoten

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_vom_17._Juni_1953

[2] Winkelement – Fähnchen für Veranstaltungen/Demonstrationen (sarkastisch: Jubelfetzen, Euphoriefetzen) https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachgebrauch_in_der_DDR

[3] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/29891211813/in/dateposted-public/

[4] Die Transportpolizei (Trapo), die dem Ministerium des Innern (MdI) unterstand, war in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) für die öffentliche Ordnung und Sicherheit auf dem Gelände der Deutschen Reichsbahn (DR) zuständig. http://www.runde-ecke-leipzig.de/sammlung/Zusatz.php?w=w00110

[5] Einschub Schulz: Schließlich war ja der 17. Juni jahrelang ein Nationaler Feiertag – in Westdeutschland zumindest.

[6] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/29891478913/in/dateposted-public/

[7] Der volkseigene Betrieb (VEB) war eine Rechtsform der Industrie- und Dienstleistungsbetriebe in der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR. https://de.wikipedia.org/wiki/Volkseigener_Betrieb

Was gab’s bisher?

Editorische Vorbemerkung: – https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/06/25/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt/https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/06/00-editorische-vorbemerkung.pdf

Kapitel 1: Die Ballade von den beschissenen Verhältnissen – oder – Du sollst wissen, lieber Leser: Andere sind auf noch ganz andere Weise kriminell – und überheblich.https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/07/29/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-erstes-kapitel/ https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/07/01-erstes-kapitel.pdf

Kapitel 2: In Dönschten, am Arsch der Welt … ach Monika!https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/08/25/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-ii/https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/08/02-ach-monika.pdf

Kapitel 3: Weiter im Kreislauf: Heim, versaut werden, weglaufen, Lage verschlimmern.https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/09/28/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-iii/ https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/09/03-weiter-im-kreislauf.pdf

Kapitel 4: 17. Juni 53: Denkwürdiger Beginn meiner Heimkarriere

Wie geht es weiter?

Kapitel 5: Von Heim zu Heim

 

Kinder als Versuchskaninchen

Arzneimittelstudien an Heimkindern kamen angeblich nur selten vor. Das sieht aber anders aus. Die Studie[1] nennt es „ein Versäumnis des Runden Tisches Heimkinder“ und fragt, „warum es der RTH abgelehnt hat, sich mit diesem Thema näher zu befassen.“

Als pauschale Antwort bietet sich an, dass der Runde Tisch unter Vorsitz von Antje Vollmer offensichtlich bemüht war, die Verantwortlichkeiten nicht ausufern zu lassen. Die staatlichen und kirchlichen Heime und ihre Schwarze Pädagogik[2] konnte man schlecht aussparen, dafür aber deren finanzielle Risiken gering halten. Doch für die Medikamentation waren nicht nur die verabreichenden Mitarbeiter der Einrichtungen verantwortlich, sondern große Firmen, die in den Heimen Versuchsreihen starten konnten,[3] Versuchsreihen, die von Medizinern geplant wurden, deren Berufsbiographien in zahlreichen Fällen bruchlos in die Zeit zurückreichten, in denen sie für NS-Verbrechen verantwortlich waren.[4] – Damit hätte man die Pharma-Firmen belastet. Das wollte Frau Vollmer wohl nicht.

Auch im Falle der Zwangsarbeit[5] hat sie abgeblockt und damit heute noch bestehende und renommierte Firmen unter ihren Schutzmantel[6] genommen. [7] [8]

Mir fallen keine unverfänglichen tiefer schürfenden Antworten auf die Frage ein, warum es der RTH abgelehnt hat, sich mit diesen Themen näher zu befassen.

Die Sache mit den Medikamententests an nichteinwilligungsfähigen Personen ist leider ein aktuelles Thema geworden.[9]

Fußnoten

[1] http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-42079/04_Wagner_Heime.pdf

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Pädagogik

[3] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/02/03/demenz-die-medikamente-dafuer-wurden-an-heimkindern-getestet/

[4] Die „Moderatorin“ des Runden Tisches, die den Begriff Zwangsarbeit nur für Nazi-Zwangsarbeit verwendet sehen wollte. Sie sah darüber hinweg, daß die „Arbeitstherapeuten“ in den Heimen vielfach ehemalige SA-Leute und die Gutachter einschlägig belastet waren. In den Heimen – kirchlich wie staatlich – hatten wir die Fortsetzung des Nazi-Systems. Frau Vollmer in ihrer grün-christlichen Bigotterie hat das nicht bekümmert. Sie sprach zwar von erzwungener Arbeit, bat jedoch die Profiteure nicht zur Kasse und sah völlig darüber hinweg, daß es Zwangsarbeit nicht nur für Jugendliche gab, sondern auch für Kinder. https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/06/17/zwangsarbeit-in-ost-und-west-was-sind-die-unterschiede/

[5] https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/05/05/zwangsarbeit-nicht-nur-fur-ikea/

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzmantelmadonna

[7] Die Zwangsarbeit. Eine geringe Pauschalentschädigung als Rentenersatz gibt es, anders als in Irland, bei uns nur für Jugendliche, die Zwangsarbeit leisten mußten, wobei der Begriff Zwangsarbeit peinlichst vermieden wird. Es gibt keine Lohnnachzahlung, weder von den kirchlichen, noch von den staatlichen Einrichtungen, die von der Zwangsarbeit profitiert haben. Auch nicht von der Privatwirtschaft, die gut an den Kindern verdient hat. Es schien wohl nicht opportun, die Betriebe, darunter Firmen mit großer Bedeutung, zwangszuverpflichten. Zwangsarbeit ja, Zwangsentschädigung nein.

Und für die Zwangsarbeit von Kindern gibt es GAR NICHTS. https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/07/09/er-ist-ein-priester-du-must-ihm-gehorchen/

[8] Antje Vollmer, Moderatorin des westdeutschen Runden Tisches für ehemalige Heimkinder, mied wie der Teufel das Weihwasser die Anwendung des Begriffs Zwangsarbeit auf die Ausbeutung der ehemaligen Heimkinder (West!) durch respektable Industriebetriebe und einzelne Bauern. Sie wollte den Begriff ausschließlich für die Zwangsarbeit für Nazi-Deutschland gelten lassen. Und so tauchten weder der Begriff noch der Sachverhalt im Abschlußbericht des Runden Tisches auf. Die Nutznießer der Zwangsarbeit wurden nicht nur nicht am Fonds beteiligt, sondern blieben unerwähnt. https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/09/29/zwangsarbeit-ost-und-zwangsarbeit-west/

[9] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/05/25/medikamententests-und-nicht-einwilligungsfaehige-personen-ein-ideales-menschenmaterial/

Beginn der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in DDR-Heimen

Posted in DDR, heimkinder, Kinderheime, Uncategorized by dierkschaefer on 11. September 2016

Hol mich aus dieser Hölle raus!

Posted in Kinderheime, Kindeswohl, Pädagogik by dierkschaefer on 3. September 2016

Aus Julias Tagebuch.

Namen von Erziehern/Therapeuten wurden abgedeckt.

 

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/09/02/rechtsanwalt-mit-biss-gesucht-familien-und-betreuungsrecht/

Rechtsanwalt mit Biss gesucht: Familien- und Betreuungsrecht

Posted in heimkinder, Kindeswohl, Staat by dierkschaefer on 2. September 2016

»Gehen Sie doch zu einem jungen Kollegen. Der hat genug Zeit und könnte sich profilieren.«

Es geht um Julia. Ihre Mutter bemühte sich lange Zeit mit allen Mitteln, ihre Tochter besuchen zu können. Genau dieses Bemühen macht man ihr zum Vorwurf: Psychisch krank, paranoid. Das Kind muß geschützt werden. Julia kam in ein zweites Kinderheim, nachdem die Vorwürfe der Mutter gegen das erste nicht mehr zu ignorieren waren. Hilfeplangespräche verstießen eindeutig gegen die Vorschriften. Rechtsschutz? Die Rechtsanwälte winken ab. Der Fall sei wichtig, aber so schwierig. Für bloße PKH (Prozeßkostenhilfe) wollen sie den Fall nicht übernehmen

 

Julia wurde als „familiengelöstes Kind“ behandelt, was sie nicht war, und wurde ihrer Mutter systematisch entfremdet; der Kontakt wurde verboten/behindert/erschwert.

Zu Beginn der Maßnahmen schrieb Julia fast täglich in ihr Tagebuch (liegt mir vor): Hol mich hier raus [https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/09/03/hol-mich-aus-dieser-hoelle-raus/], bis man das Tagebuchschreiben unterband. Doch die Abschottung hat funktioniert. Schließlich wollte Julia im Heim bleiben, wo sie verkam. Sie ist zurzeit in einer therapeutischen Einrichung. Warum?

»Unseren jugendlichen Patienten wünschen wir, dass unser Motto „Auf dem Weg zu einem guten Leben“ Wirklichkeit werden kann. Dabei scheinen sie zuletzt von diesem Weg abgekommen zu sein. Weshalb wären sie sonst hier? Oder sie kommen nur noch mit größter Anstrengung voran oder sind in unwegsamen Gelände stecken geblieben oder haben das Ziel aus den Augen verloren und wissen nicht mehr, wohin sie gehen sollen oder sind von Reisebegleitern umgeben, die selbst die Orientierung verloren haben oder ihnen nicht wohl gesonnen sind.«

Die „Reisebegleiter“ waren staatlich verordnete Kinder- und Jugendlichenheime, lauter Profis. Nun erhält Julia – off label – starke Antidepressiva mit dem Risiko schlimmster Nebenwirkungen – bis hin zur Suizidgefahr, und man versucht nun, nachdem das Fiasko eingetreten ist, die Mutter wieder an das Kind heranzuführen. Soll sie doch die Suppe auslöffeln.

Julias Mutter sorgt sich und sucht juristische Hilfe. Der Rechtsanwalt sollte, wie ich formulierte, Biss haben und bereit sein, sich zu engagieren, auch wenn das Honorar dem Aufwand nicht entsprechen wird.

Konkrete Angebote oder Vorschläge bitte nicht offen hier im Blog, sondern an mich per Mail: ds[at]dierk-schaefer.de

 

Julia heißt natürlich anders. Sie war hier im Blog schon häufiger Thema, wenn auch manchmal nur am Rande:

 

Ist 2 Jahre her, aber so schön gelogen, dass man’s noch einmal lesen sollte:

Posted in Ethik, Firmenethik, heimkinder, Kinder, Kinderheime, Kinderrechte, Kindeswohl, Kirche, Uncategorized by dierkschaefer on 22. August 2016

Friesenhof-Skandal: Neue Kinder- und Jugendhilfeverordnung ab Ende Juli

Posted in heimkinder, Kinder, Kinderheime, Kinderrechte, Kindeswohl, Pädagogik, Politik, Recht, Staat by dierkschaefer on 12. Juli 2016

„Mit der Verordnung tragen wir zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen bei“, sagte Sozialministerin Kristin Alheit (SPD). Die bisherige Verordnung stammt aus dem Jahr 1994.

Ob das wohl was wird?

Die Sozialministerin hatte ja schon einmal Anlauf genommen und scheiterte an der Betonwand der Sozialhilfeträger.[1] »Die Solidarität der freien Träger und Wohlfahrtsverbände sah im Fall Friesenhof so aus: „Pikant ist nicht nur, dass sich AWO, DRK, Diakonie & Co dagegen wehren, Heimkindern größere Zimmer, mehr Briefkontakte und Spielgeräte zuzubilligen, sondern dass sie dasselbe Anwaltsbüro einschalteten, mit dem sich jüngst die Friesenhof-Betreiberin gegen das Ministerium zur Wehr setzte. Wie berichtet, führte diese Intervention dazu, dass die strengen Auflagen, die die Alheit-Behörde zum Schutz der Friesenhof-Mädchen erlassen hatte, nicht umgesetzt werden konnten und in einer von den Anwälten durchgesetzten Vereinbarung so verwässert wurden, dass die Grundrechte der 12- bis 18-jährigen Mädchen weitgehend außer Kraft waren.“«[2]

 

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/06/24/die-zahnlosigkeit-der-gesetze-zum-recht-von-schutzbefohlen/

[2] https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/09/12/gewerbeschutz-von-traegern-der-jugendhilfe-im-gesetz-besser-geschuetzt-als-das-kindeswohl/

Kein Wort über Prügelexzesse, kein Wort über sadistische Foltermethoden

… in der Erziehung von Kindern in kirchlichen Einrichtungen.

  • Kein Wort über Vertuschung oder gar gerichtliche Drohungen gegen die Opfer.
  • Kein Wort über die Leibfeindlichkeit, die bis heute Sexualität stigmatisiert, soweit sie nicht im Rahmen katholischer Sexualethik stattfindet.

Wohl Worte über das überforderte, fachlich nicht ausgebildete Personal der damaligen Zeit, aber …

  • kein Wort zu deren katholisch konditionierten Lebensbedingungen, die vielfach von falschem Gehorsam und unterdrückten Sexualwünschen durchtränkt waren. Darum …
  • kein Wort über Prügelnonnen, die Stöcke und Kleiderbügel auf dem Rücken der Heimkinder zerschlugen, …
  • kein Wort über notgeile Priester und Mönche,
  • kein Wort über Pädophilie.
  • Kein Wort über die finanziellen Interessen, die dazu führten, normale Kinder für schwachsinnig zu erklären, damit Heimplätze in den Behinderteneinrichtungen belegt werden konnten.
  • Kein Wort über Kinderarbeit.

Das war alles viel zu schmutzig, um es in den Mund zu nehmen.

 

Natürlich war die Tagung für ehemalige Heimkinder der Behindertenhilfe und Psychiatrie und die interessierte Fachöffentlichkeit am 23. Juni 2016 in Berlin kein Hochamt für die Kirchenvertreter. Doch man folgte den eingefahrenen Gleisen:

  • Keine Drastik,
  • Verweis auf die damaligen Verhältnisse,
  • auf allgemein tolerierte Gewalt in der Erziehung.

Immerhin wurde zugegeben, dass es auch damals andere fachliche Meinungen über Kindererziehung gab.

Natürlich wurde das „Nie wieder“ bemüht, um zugleich auf die heutige, völlig andere Situation in den Einrichtungen zu verweisen.

Kein Wort auch über die aktuelle Benachteiligung von Menschen mit Behinderung, für die nun weniger Mittel bereitgestellt werden, als für die ehemaligen Heimkinder aus den Erziehungsheimen – wobei ironischerweise der Fonds Heimerziehung als erstrebenswertes Ziel erscheint.

Peter Henselder hat Teile der Tagung in bewährter Art filmisch dokumentiert. Man muss ihm dankbar sein, denn er liefert ein Nischenprodukt, das die Öffentlich-Rechtlichen mangels hinreichender Einschaltquote meiden. Er liefert auch zwei Interviews in seiner unnachahmlichen eher hölzernen Befragungsart. Doch er gibt seinen Partnern nur Anlass, das schon im Vortrag Gesagte in aller Beschwichtigung zu wiederholen.

Er unterlässt es, nach den Knackpunkten zu fragen:

  • Warum die Ungleichbehandlung?
  • Warum so spät?
  • Wer ist dafür verantwortlich?

Auf solche Interviews kann ich verzichten!

 

Letztlich ein déjà vu – wie beim der Affäre des Runden Tisches. Die katholische Tagung weckt in mir ungute Träume: https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/01/traumhaft/

Evangelischerseits sieht das nicht besser aus: https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/06/18/bundesverband-evangelische-behindertenhilfe-begruesst-errichtung-der-stiftung-anerkennung-und-hilfe/

Wer sich ein eigenes Urteil bilden will, hier die Links zu einigen Dokumenten der genannten Tagung:

https://www.youtube.com/channel/UC6FCy2mMqY3bxdvdIWnxX_g/videos?shelf_id=0&sort=dd&view=0

https://www.youtube.com/watch?v=AsOqREjzRx8

http://www.sozial.de/index.php?id=37&tx_ttnews%5Btt_news%5D=27994&cHash=74f2b86b2965245271f455177083c325

https://www.youtube.com/watch?v=7y2ypV-0aGw

https://www.youtube.com/watch?v=KBhwgyob1Ho

http://www.orden.de/dokumente/Presseordner/heimkinder_juni_2016/2016-Vortrag-Kard.Woelki_Tagung.pdf

https://www.youtube.com/watch?v=RFIj4Rejz-Y

http://www.sozial.de/index.php?id=37&tx_ttnews%5Btt_news%5D=27994&cHash=74f2b86b2965245271f455177083c325

https://www.youtube.com/watch?v=RF1R1F-UYXA

http://www.sozial.de/index.php?id=37&tx_ttnews%5Btt_news%5D=27994&cHash=74f2b86b2965245271f455177083c325

https://www.youtube.com/watch?v=qDqPSFdqZTA

http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2016/2016-113c-Statement-Stuecker-Bruening.pdf

https://www.youtube.com/watch?v=x93vCbnhwio

https://domforum.de/news/Gewaltx_Missbrauch_und_Leid_an_Behinderten_zwischen_1949_und_1975/

 

 

 

 

Ist es legitim, die Obszönitäten von Kronschnabel mit Bonhoeffer in Verbindung zu bringen?

Posted in Ethik, Firmenethik, heimkinder, Kinderheime, Kirche, Uncategorized by dierkschaefer on 28. Juni 2016

Ja – aber warum?

Die Leser meines Blogs werden aufgemerkt haben, als ich erstmals und ohne weiteren Kommentar einen Text von Erich Kronschnabel auf die Ebene eines förmlichen Blog-Artikels gehoben habe. Lediglich von „Gossensprache“ schrieb ich warnend für empfindliche Gemüter.[1]

Die Obszönität ist bei Kronschnabel die Methode, mit der er die eigentlichen Obszönitäten geißelt: 1. Die Verbrechen an Kindern in kirchlichen Einrichtungen und 2. der Betrug und Heuchelei bei der Verweigerung einer realistischen Entschädigung.

Heinrich Bedford-Strohm, derzeit Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland schreibt über Bonhoeffer:

»Wer fromm ist, muss auch politisch sein: So wie bei Bonhoeffer lassen sich die Aufgaben der Kirche gegenüber Staat und Öffentlichkeit auch heute zusammenfassen. Die erste von Bonhoeffer genannte Aufgabe verstehen wir heute als Kultur der Einmischung. Wenn die Kirchen mit Denkschriften in die demokratische Zivilgesellschaft hineinsprechen, dann geht es genau um das, was Bonhoeffer als „Verantwortlichmachung des Staates“ bezeichnete. Die zweite Aufgabe, der diakonische Dienst an den Bedürftigen, bleibt ohnehin. Dass er heute geleistet wird, zeigt sich, wenn etwa Gemeinden mit großer öffentlicher Zustimmung für den Schutz von Flüchtlingen eintreten. Und die dritte Aufgabe? Was heißt dem Rad in die Speichen fallen? Für Bonhoeffer rückte dies zunehmend ins Zentrum seines Denkens und Handelns. Dass der Imperativ keineswegs nur in der Diktatur gilt, sondern auch in demokratischen Gesellschaften eine Option sein kann, zeigte schon in den frühen achtziger Jahren die Diskussion um gewaltfreien zivilen Ungehorsam gegen die Stationierung von Massenvernichtungswaffen.«[2]

Was hat das mit der Heimkinderfrage zu tun?

Es geht zunächst nicht um die Frage, ob man „dem Rad in die Speichen fallen“ soll. Dieser Wagen, von Staat und Kirchen gesteuert, hat längst seine Opfer hinter sich gelassen. Nun ist das dran, was Bedford-Strohm so kurzweg die zweite Aufgabe nennt: der diakonische Dienst an den Bedürftigen, der ohnehin bleibe. Das ist allzu simpel.

Hier setzt Kronschnabel ein und kommt, sprachlich völlig realistisch, auf die für die Kirchen unbequeme Gegenwart. Es geht eben nicht um Bonhoeffers „Verantwortlichmachung des Staates“, sondern um die der Kirche. Die aber kümmert sich lieber um die „kirchliche Außenpolitik“ und verdeckt damit die interne Fäulnis. Das mit dem Frieden und den Flüchtlingen ist ja richtig und wichtig, doch wenn’s nur zur Camouflage dienen soll, ist’s Heuchelei, naiv oder absichtlich.

Bonhoeffer kann man als Blutzeugen leicht auf den Denkmalsockel stellen, – gut für Sonntagsreden. Doch im Alltag gerät Bonhoeffer der Kirche zur Peinlichkeit. „Von guten Mächten wunderbar geborgen …“ Mir wird so kannibalisch wohl, wenn ich an diesen wohlfeil gebrauchten Trost denke, für den die Kirchen im Unterschied zu Bonhoeffer nicht habhaft einstehen wollen.[3]

Herrn Kronschnabel sei Dietrich Bonhoeffer an Herz gelegt[4] und der Gedanke, dass organisierte Mitmenschlichkeit über die gleichen Probleme stolpern kann, wie sie vielen Organisation eigen sind, die sich am Markt behaupten müssen. Die Organisation läuft und läuft und läuft – zuweilen bis ihre kriminellen Methoden publik werden – und sie läuft dennoch weiter. Oder glaubt irgendjemand, dass VW vom Markt verschwindet?

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/06/27/wie-unfein-erich-spricht-klartext-ueber-die-diakonie-konzentriert-und-schlagkraeftig/

[2] http://www.zeit.de/2015/15/dietrich-bonhoeffer-todestag-protestantismus-widerstand/komplettansicht

[3] https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/13/das-war-spitze-herr-ratsvorsitzender/

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_Bonhoeffer

Wie unfein! Erich spricht Klartext über die Diakonie: konzentriert und schlagkräftig

Posted in Ethik, Firmenethik, Kirche, Moral, Uncategorized by dierkschaefer on 27. Juni 2016

Die Leser seien gewarnt. Konfrontiert mit dieser Gossensprache könnten ihre Gefühle verletzt werden – soweit sie es nicht durch die genannten Vorkommnisse sind.

Herr Kronschnabel kommentierte.[1] Hier sein Kommentar:

»Man stößt immer wieder auf Namen, die schon vor Jahren einen üblen Geschmack im Mund verursachten. Damals ging es um die „Entschädigung“ von Sexualopfern in den Amtsbezirken der „Herrschaften“, die hier wieder das große Maul machen, ihre Firmen als das darstellen, was nicht sind, was sie nie waren, was sie nie sein werden. Ich komme gleich zu den damit verbundenen einzelnen Personen.

Beginnen wir mal mit Annette Kurschus, Präses der Landeskirche Westfalen. Anderswo nennt man so eine Tante Bischöfin. Kurschus ist ledig und kinderlos. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass es einfach an ihr abperlte, was ich von ihr forderte: Eine angemessene Entschädi­gung für die Sexualopfer, die die geilen Böcke der damaligen Diakonie hinterließen. Die liebe Annette war sich für eine Antwort zu fein, es war also in ihrem Sinne, dass die sexuell geschän­deten Kinder von damals heute mit 5000,- Euronen abgefertigt wurden. Sie bekamen weniger, als die liebe Annette vom Steuerzahler monatlich in den Hintern geblasen bekommt! Ich stellte ihr daraufhin die Frage, ob sie mir Akten vorlegen könne, aus denen hervorgeht, dass sich die geilen Böcke der Diakonie von damals darüber beschwerten, dass die Heim­kinder ihres Bezirkes schlechter fickten als die der Diakonie-KZs in Niedersachsen!? Die nette Annette schwieg, saß es auf dem vom Steuerzahler gestopften Popöchen aus. SO präsentiert sich ein Präses – wenn er denn Kurschus heisst! Leitbild der Kirche – oder wie nennt man solche Gestalten mit klangvollem Titel?

Dietmar Arends, Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, war damals noch im Gebiet Cuxhaven unterwegs, konnte noch nicht für seine Landeskirche sprechen, als ich grub und anklagte, denn auch die von der Lippischen LK wollten das Sparschwein nicht schlach­ten, sie schlachteten lieber die Sexualopfer. Und heute sagt Arends: „Mit dem neuen Werk können wir den Satzungsauftrag, Gottes Liebe zur Welt in Jesus Christus allen Menschen zu bezeugen, nachhaltig erfüllen“. Na, Meister Arends, die Sexualopfer der Kinderschänder von damals haben von diesem Satzungsauftrag einen Dreck gesehen! Wie wäre es denn, da mal nachträglich für die Erfüllung zu sorgen? Ich weiss, Sprüche gibt’s kostenlos, der Appell an die Menschlichkeit ist sogar kostenlos UND umsonst. Kirche ändert sich nie…da ändern sich nur die Statisten.

Christian Heine-Göttelmann, Vorstand der „neuen“ Diakonie RWL, wird so zitiert: „Wir können nicht erwarten, dass die Politik uns immer mehr Geld für Menschen mit Hilfebedarf gibt. Aber wir erwarten, dass unsere diakonischen Erfahrungen in Beratung und Seelsorge, Therapie und Betreuung ernst genommen werden und konstruktiv einfließen in gemeinsam verantwortete, möglichst zielgenaue Hilfen für Menschen, die unter Ausgrenzung und Benachteiligung leiden.“

Donnerwetter, große Worte, lieber Meister Heine-Göttelmann. Nur kommen die verdammt verlogen und scheinheilig rüber, denn ihr habt euere Altschulden immer noch nicht bezahlt! Die Opfer euerer Firma Diakonie sind immer noch nicht entschädigt! Die behinderten Opfer, die in eueren üblen Pflegeheimen früherer Jahre schikaniert und entwürdigt wurden, warten immer noch auf wirkliche Hilfe und Entschädigung! Ausgrenzung und Benachteiligung habt IHR in eueren Diakonieheimen GEWERBLICH betrieben, wurdet dafür sogar bezahlt!
Und diese euere Erfahrungen wollt ihr schon wieder einfließen lassen? Ihr habt doch erst die Lage geschaffen, die ihr jetzt beheben wollt, ihr habt doch selbst daran mitgewirkt, dass ihr heute euere Opfer von damals in Pflege habt!!! Denkt das mal in die Praxis um, liebe Leute: Ein gewerbliches Pflegeunternehmen beschäftigt ein paar Pfleger, die zahllose Patienten durch mangelnde Pflege so krank machen, dass sie Dauerpflegepatienten werden! Bombenidee zum Betreiben einer lukrativen Pflegefirma, oder?

GENAU DAS SYSTEM BETRIEB FRÜHER DIE FIRMA DIAKONIE! UND SIE VERDIENT IMMER NOCH AN DEN NOCH LEBENDEN BEHINDERTEN, DIE DEN DIAKONIEHEIMEN AUSGELIEFERT SIND!

Richtig, Kotztüten bezieht man am günstigsten von einer Lufthansa-Tochterfirma, die auf Service ausgelegt ist.«[2]

ekronschnabel commented on Diakonie – konzentriert und schlagkräftig

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/06/27/diakonie-konzentriert-und-schlagkraeftig/

[2] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/06/27/diakonie-konzentriert-und-schlagkraeftig/#comment-7453