Dierk Schaefers Blog

Ein Riß geht durch Deutschland – Erst jetzt?

Posted in BRD, Politik by dierkschaefer on 25. September 2017

Die Funktionseliten unseres Landes haben im Rausch der wirtschaftlichen Erfolge die Kollateralschäden übersehen, die der korrumpelhafte Erhalt und Ausbau ihrer Macht bewirkt hat. Sie sonnten sich im Lichte und sahen die im Dunkel nicht. Wer Einblick in prekäre Verhältnisse hat, wer trotz aller Großbauprojekte die marode Infrastruktur dieses Landes sieht, wundert sich nicht über die Quittung, die leider nicht nur die Funktionseliten, sondern wir alle mit dieser Wahl bekommen haben. Das Ressentiment der Modernisierungsverlierer hat den Wahlkampf bestimmt und die AfD in Sachsen an die Spitze getragen. Ohnehin: Es begann mit dem Anschluss des Ostens an die wirtschaftlichen Interessen der westdeutschen Konzerne, zuvor der Versicherungen. Es folgte der Auszug der leistungsbereiten jungen Generation in den Westen – zurück blieben die weniger fitten und die Alten, dafür haben wir ihnen die maroden Städte denkmalsgeschützt restauriert – doch wer will schon Statist im Freilichtmuseum sein? Überlagert wurde die innerdeutsche Entwicklung durch die Globalisierung. Das Prekariat der Welt produzierte billiger als das unsere. Wer nicht einmal Hungerlohnarbeit fand machte sich auf den Weg, denn unser Wohlstand überstrahlte die Gefahren. Damit war der Verteilungskampf um Geld und Aufmerksamkeit eröffnet. „Die kriegen alles in den Arsch geschoben!“ Das wurde angeheizt durch Sprüche von Besserverdienenden: „Hättste was ordentliches gelernt, bräuchteste keine drei Minijobs.“ Wer so abgefertigt wird, geht entweder gar nicht zur Wahl oder wählt Protest – meist rechts. Vorher hat er schon gesehen, wie Banken gerettet wurden – aber er nicht, gesehen, wie die Autoindustrie als kriminelle Vereinigung den Staat vorgeführt hat. Nur die Autoindustrie? Sofern er sich überhaupt noch politisch informiert, hat er auch gesehen, dass die Parteien Transparenz fürchten, wie der Teufel das Weihwasser.

Nicht nur die Infrastruktur dieses Landes ist marode, sondern auch seine politische und seine Sozialstruktur. Hoffentlich sind die verdientermaßen gebeutelten Funktionseliten jetzt lernfähig und fügen die auseinanderstrebenden Schichten wieder zusammen. Sonst siegt das Ressentiment. Es äußert sich beängstigent.

Das Magazin der Stuttgarter Staatstheater gibt in seiner Herbstausgabe einen Blick in den Abgrund frei: mordgesindel

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Fragen Sie doch einfach mal.

Posted in Deutschland, Politik, Uncategorized by dierkschaefer on 26. April 2017

»In einer repräsentativen Demokratie werden politische Entscheidungen sowie die Kontrolle der Regierung nicht unmittelbar vom Volk ausgeübt , sondern von einer Volksvertretung wie dem Deutschen Bundestag. Über eine „Legitimationskette“ ist dass Handeln der Regierung auf die Willensäußerungen der Wählerinnen und Wähler zurückgeführt. Im Parlament werden die unterschiedlichen Meinungs- und Interessenlagen diskutiert und im Rahmen der Mehrheitsverhältnisse entschieden.«

Soweit, so gut, so harmonisch.

Gestrichen wurde der folgende Passus:

»Jedoch vertreten verschiedene Bevölkerungsgruppen ihre Interessen mit ungleichen Konflikt- und Organisationsressourcen. So können Partikularinteressen von Eliten und Unternehmen in modernen Demokratien einen übergroßen Einfluss gewinnen, mit der Folge einer zunehmenden Entpolitisierung und damit eines Legitimitätsverlustes.«[1]

Diese plausible Begründung des Politikverdrusses wurde uns vorenthalten.

Wir dürfen demnächst wieder einmal unsere Stimme abgeben, um sie dann nicht wiederzukriegen.

Fragen Sie die Abgeordneten und Kandidaten Ihres Wahlkreises, ob und wie sie diese Streichung rechtfertigen! Wenn die Antwort nicht befriedigend ausfällt, fragen Sie, warum Sie überhaupt zur Wahl gehen sollen, wenn die Einflussmöglichkeiten dermaßen ungleich verteilt sind.

Wir haben es ja schon immer wissen können, doch nun kann die Farce einer Scheindemokratie nicht mehr geleugnet werden.

[1] Quelle: Abgeordnetenwatch.de‏ @a_watch, Wo krit. Stellen aus dem #Armutsbericht der BReg gestrichen wurden: Guter Vorher/Nachher-Vergleich von @lobbycontrol https://www.lobbycontrol.de/wp-content/uploads/LobbyControl-Versionsvergleich-Armutsbericht-kommentiert.pdf …

Der Staat und der Protestantismus

Posted in Kirche, Staat, Theologie by dierkschaefer on 25. August 2015

Der Auftakt ist überzeugend: »Religionen können in der frei­heitlich-demokra­tischen Ver­fassungsordnung nur dann eine produk­tive öffentliche Rolle spielen, wenn sie sich die Ideen von Menschenrechten und De­mokratie theo­logisch anverwandeln. Die­se Konzeption öffent­licher Religion, die Jürgen Habermas in den ver­gan­genen Jah­ren entwickelte, hat viel für sich. Die Reli­gionen müssen sich „die normativen Grund­lagen des liberalen Staates … un­ter eigenen Prämissen aneignen“, so Ha­bermas. Wie mühsam sich dieser Prozess der Aneignung gestalten kann, lässt sich am Beispiel des deutschen Protestantis­mus zeigen. Sein Verhältnis zur Demokra­tie ist von Ambivalenzen geprägt. Die Kir­che der Reformation hat sich theologisch und kirchenpolitisch erst nach 1945 müh­sam mit dem westlichen Verfassungsstaat arrangiert.«[1]

Der mühsame Prozess der Aneignung wird in diesem Artikel gut und kenntnisreich beschrieben. Für Menschen, die in den späten 60er Jahren zum politischen Bewusstsein gekommen sind, ist es durchaus erhellend, die eigene Vergangenheit einmal von außen nüchtern seziert präsentiert zu bekommen. Dem Autor ist auch beizupflichten, wenn er schreibt: »In der Langzeitbeobachtung über die vergan­ge­nen 70 Jahre zeigt sich, dass stark politisierte und im Gestus der morali­schen Dauerempörung agie­rende Strö­mungen des bundesrepublikanischen Pro­testantismus im politischen Prozess stets in der Min­derheit blieben und dann dazu tendierten, demokratische Legitimations­leistungen anzuzwei­feln und zivilen Unge­horsam zu idealisieren.« Denn zugegeben: Im Vergleich zu manchen anderen Staaten funktioniert dieser Staat grosso modo doch recht ordentlich und wir müssen uns fragen, ob dem monierten Gestus der morali­schen Dauerempörung metaphysische Dignität gebührt und sich der Protestantismus die nach­metaphysischen Begründungsfiguren ei­ner säkularen liberaldemokratischen poli­tischen Ordnung als solche zu eigen machen sollte.

Die Anerkennung einer Ordnung, die demokratischen Verfahrensregeln entspricht, scheint aber doch eher einem Rechtspositivismus verpflichtet und lässt beiseite, dass im Staate Deutschland auch manches faul ist. Muss man daran erinnern, dass sich der Gesetzgeber vielfach beharrlich verweigert, Entscheidungen des Verfassungsgerichts eine gesetzliche Form zu geben? Oder an die Nebeneinnahmen der Abgeordneten, den Einfluss der Lobby oder den basso continuo des Parteienegoismus[2]? Nur zähneknirschend mag ich dem Autor zustimmen, wenn er schreibt: »Der demokrati­sche Verfassungs­staat bleibt in theologischer Per­spektive eine gute Gabe Gottes und wird als Teil Gottes Willens und Wirkens in der noch nicht erlösten Welt beschrieben.« Auch ohne den Schaum des Fanatikers vorm Mund bleibt festzustellen, dass Widerstand gegen manche Fehlsteuerungen der Politiker nötig und auch theologisch gut begründbar ist.« Selbstverständlich können und sollten »solche Deutungsangebote … dazu beitragen, dass die Gläubigen eine säkular begründete Verfas­sung akzeptieren.« Richtig ist auch, dass es »zu den Paradoxien ausdifferen­zierter Gesellschaften gehört, dass Politik und Reli­gion einander nicht loswerden und doch nicht inein­ander aufgehen. De­mokratie ist auch eine Weise, diese dauer­hafte Grundspannung auszuhalten«. Sein Wort in Gottes Ohr.

[1] Professor Dr. Hans Michael Heinig, Der Protestantismus in der deutschen Demokratie: FAZ-Print, Montag, 24. August 2015, S. 6

[2] Hier wäre Hans Herbert von Arnim zu empfehlen: Das System – Die Machenschaften der Macht

Ein Nachtrag als Warnung vor zuviel Staatsgläubigkeit: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-08/abweichende-meinung-rechtskultur-fischer-im-recht/komplettansicht

„Arsch hoch, Zähne auseinander“

Posted in BRD, Journalismus, Justiz, Medien, Parteien, Politik by dierkschaefer on 24. März 2015

»In der öffentlich-rechtlichen Verwaltungsgemeinschaft („ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice“) hängt seit Wochen der Haussegen schief.«[1]

Lohnt sich zu lesen, bringt aber nichts. Selbst wenn der Korruptionsvorwurf stimmen und es zu Gerichtsverfahren und gar zu Verurteilungen kommen sollte: die Phalanx von Parteien, Politikern und Verfassungsgericht bleibt bestehen und wir werden abGEZockt für Programme, die nicht zur „Grundversorgung“ gehören und die man getrost den Privatsendern überlassen sollte.

Hinzu kommt noch die Verhöhnung. Die GEZ hat sich zum „BEITRAGSSERVICE“ gewandelt, ein Service, auf den ich gern verzichte.

[1] http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/korruptionsvorwuerfe-gegen-beitragsservice-von-ard-zdf-und-deutschlandradio-13502006.html

Wem haben Sie bei der Bundestagswahl Ihre Stimme gegeben?

Posted in Politik, Soziologie by dierkschaefer on 7. Dezember 2013

Wem haben Sie bei der Bundestagswahl Ihre Stimme gegeben?

Einer kleinen Partei ohne Aussichten? – Egal, ob aus Überzeugung oder Protest: Ihre Stimme ist weg.

Der FDP? – Ihre Stimme ist weg.

Den Grünen? – Ob das klug war, weiß ich nicht. Aber Ihre Stimme ist in der Opposition hoffentlich gut aufgehoben, doch weg ist sie auch.

Einer der klassischen „staatstragenden Parteien, die nun die große Koalition schmieden? – Dann ist Ihre Stimme auch weg, denn die machen damit, was sie wollen, nicht was Sie wollen – und das schon immer.

 

Vorgestern meldete sich in der FAZ Melanie Mühl zu Wort. Ob sie gewählt hat, weiß ich nicht. Sie schreibt auch nichts von Wahlen. Und dennoch hat ihr Beitrag zu einem für die meisten Wähler höchst wichtigen Thema viel mit politischem Vertrauen zu tun. Wer wählt, vertraut ja darauf, daß seine Stimme in seinem Sinne verwendet wird.

Frau Mühl, Journalistin bei dieser renommierten Zeitung, also mit wohl auskömmlichem Job, hat sich einmal informiert, wie es um ihre Altersvorsorge bestellt ist. Sie kommt zum Ergebnis: Dann stehe ich schlecht da.

Und dies hat sie so überzeugend und flüssig beschrieben, daß ich das gar nicht so gut wiedergeben kann. Ich kann nur empfehlen, den Artikel zu lesen.[1] Dann wissen Sie bei der nächsten Wahl, ob es sich lohnt, überhaupt hinzugehen. Vielleicht behalten Sie Ihre Stimme dann ganz einfach für sich. Dann ist sie auch weg, aber Sie haben Ihre Würde bewahrt.

 

Erich Kästner schrieb einmal, man müsse nicht so tief sinken, den Kakao, durch den man gezogen wird, auch noch zu trinken.

 

PS: Das mit dem „Pfaffenbetrug“ läuft nicht mehr. Dafür haben wir nun ganz säkularisiert den Politikerbetrug – und lassen uns für dumm verkaufen.


Franz-Peter Tebartz-van Elst – der Mann des Jahres

Posted in Gesellschaft, Kirche, Religion by dierkschaefer on 31. Oktober 2013

Franz-Peter Tebartz-van Elst[1] ist ein ausgesprochener Liebling der Medien und der Netzgemeinde. Wohl wie kein anderer Geistlicher seit Jahren hat er die Kirche wieder ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gehoben. Als einfacher Ruhestandspfarrer auf dem Land kann ich da nur neidisch[2] werden, wenn es mir auch schwerfällt, diese Untugend einzugestehen.

 

Doch genug der lasterhaften Häme[3]. Wie steht es mit dem „Wirken“ dieses Mannes, was hat er bewirkt?

Er hat nicht nur den Kirchenfeinden Munition geliefert und oberflächliche Religionskritiker bestätigt. Zudem hat er Menschen verunsichert, die bis jetzt, salopp gesagt, „brav katholisch“ waren. Der „Aufstand“ im Bistum belegt das. Und er hat wohl mehr Menschen zum Kirchenaustritt angeregt, als das jemals eine Person aus dem geistlichen Stand geschafft hat.[4] Was „Kirche“, welche auch immer, derzeit tut, wird nun durch die Limburger Skandalbrille gesehen. Besonders wenn die Kirche baut, ist sie nun großer Aufmerksamkeit sicher.

Woher hat sie wohl das Geld dafür, wieviel hat sie überhaupt, darf sie das haben, sollte sie nicht glaubwürdiger in Sack und Asche gehen, alles den Armen geben? Und wenn sie schon baut, welcher Baustandard wird ihr zugestanden? Ist das nicht alles zu teuer, gar zu luxuriös, warum steckt sie ihre Mitarbeiter, die ja skandalöserweise ohnehin nicht streiken dürfen, nicht einfach in Bürocontainer?

Die Diskussion hat längst unterstes Stammtischniveau erreicht, dank eines selbstverliebten Bischofs, dem es gelang, die wenigen Kontrollmechanismen seiner Macht auszuschalten und der wie ein Schulbub versuchte, sich mit Lügen zu retten.

In unserer Gesellschaft ist die Kirche, wenn man von der weltanschaulichen Ausrichtung absieht, eine Großorganisation wie andere auch. Sie lebt, wie auch die Parteien und die Gewerkschaften, im Spagat von Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Glaubwürdigkeit und Unglaubhaftigkeit. Zollitsch sprach sogar von der sündhaften Kirche. Es hilft nun nicht, auf die Sünden anderer zu verweisen, auch wenn der Limburger Skandal zeitweise der Elbphilharmonie und dem Berliner Flughafen die Show gestohlen hat. Wo die Kirche unglaubwürdig wird, muß das schon wegen ihres eigenen Anspruchs schonungslos diskutiert werden. Ich habe leider den Eindruck, daß es der Kirche an dafür kompetentem und glaubwürdigem Führungspersonal mangelt, und das nicht erst seit dem Heimkinder- und dem Mißbrauchsskandal.

Bleiben wir bei kirchlichen Bauvorhaben und der Limburger Skandalbrille. Die Münchner Abendzeitung berichtet über den Neubau des Bistums[5]. Wenn andere Firmen, auch die öffentliche Verwaltung, bauen, um ihre verstreuten Abteilungen und Büros in einem Gebäude zusammenzufassen, gilt das als erforderliche Sanierungsmaßnahme. Auch daß die Kosten letztendlich über den Planzahlen liegen, läßt sich meist schadlos erklären, wenn die Differenz im üblichen Rahmen bleibt. Dank Tebartz wird dieses Bauvorhaben nun nicht nur beachtet, sondern generell verurteilt. Wie kann die Kirche nur und überhaupt … siehe oben. Das Churchbashing ist im Mainstream angekommen. Da würde es auch nicht helfen, Franz-Peter zu teeren und zu federn, um ihn dann dem johlenden Mob zu überlassen. Herr, schmeiß Hirn ’ra!, kann ich auf schwäbisch dazu nur sagen.

Ob übrigens der Neubau des Ordinariats Rottenburg-Stuttgart überhaupt nötig war, kann ich nicht beurteilen. Ich habe ihn nur ausgiebig photographiert[6], weil ich den architektonischen Rückgriff auf das Mittelalter höchst befremdlich finde für eine Organisation, die sich nicht in eine Festung zurückziehen sollte.

 

An der aktuellen Diskussion ist immerhin sinnvoll, daß die Kirche sich nun auch um ihre internen Baustellen kümmern muß, wenn sie dem öffentlichen Druck dieser Gesellschaft standhalten will. Die Zeiten kirchlicher Unschuld, wenn es sie den je gab, sind vorbei. Church business as usual, wie ich auf einem Londoner Bauschild las, geht nicht mehr. Dafür hat der Limburger Bischofs gesorgt und das mit einer medialen Resonanz, die auch die evangelische Kirche in Mitleidenschaft gezogen hat[7].

 

PS: Ich bin übrigens der Meinung, daß es eine Schande ist, nur in Industriegebieten Platz für Moscheen auszuweisen. Sie gehören inzwischen, wie die Kirchen immer noch, in die Mitte der Gesellschaft. Entgegen der Politik der Kirchenleitungen meine ich, daß man auch einige der inzwischen überzähligen Kirchen entsprechend umwidmen sollte.


[4] Von „Übertritten“ oder gar der Reformation ganzer Kirchen abgesehen.

Ja, warum wohl?

Posted in Politik by dierkschaefer on 15. Mai 2013

»Rechnet man den Anteil der Splitterparteien und den der Unentschlossenen und Nichtwähler zusammen, haben 40 Prozent der Befragten den etablierten Parteien den Rücken gekehrt. Daran hätten auch die jüngsten Parteitage nichts geändert.«[1]


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Der Fall Gauck und die »Heckenschützen«

Posted in Politik by dierkschaefer on 1. Juli 2010

Der Kandidat Wulf hat entgegen allen Erwartungen drei Wahlgänge gebraucht, um schließlich gewählt zu werden. Auch im letzten Wahlgang hat er nicht sämtliche Stimmen aus seinem Lager erhalten.

Heckenschützen seien es gewesen, die im Schutze der geheimen Abstimmung ihrem eigenen Lager untreu wurden. So die entlarvende Diffamierung, nicht nur von CDU-Seite. Heckenschützen sind Nicht-Kombattanten, francs-tireurs, Freischärler, gegen internationales Kriegsrecht. Hat also ein Krieg stattgefunden oder wenigstens kriegsähnliche Handlungen à la Afghanistan? Oder war es nur eine dem Gewissen der Abstimmenden folgende Stimmabgabe?

Schon zuvor wurden wir von diversen Medienvertretern darüber belehrt, daß politisches Kalkül schon immer die Präsidentenwahlen dominiert habe. Für wie naiv hält man uns? Selbstverständlich spielt auch hier die politische Auseinandersetzung zwischen Regierung und Opposition die maßgebliche Rolle.

Doch wie ist die Popularität von Gauck zu erklären?

Politikverdrossenheit wurde genannt. Doch die Unterstützung von Gauck in der Bevölkerung war eine politische. Es geht also wohl eher um Parteienverdrossenheit – von rechts bis links. Wir haben ja gewußt, daß die meisten Bürger dieser Republik ausschließlich ihre magere Stimme haben, um politisch Einfluß zu nehmen. Eine Stimme, die sie wirklich „abgeben“, dann ist sie weg. Was daraus wird… ja, was wird daraus? Doch andere Akteure haben über ihre Wählerstimme hinaus deutlich mehr Einfluß. Damit meine ich nicht nur die läppische Möglichkeit, sich einen Gesprächstermin mit Herrn Rüttgers zu kaufen. Ob ich als Wahlbürger zur Wahl gehe oder nicht, ist im Einzelfall herzlich egal, und wenn ich keiner Partei über den Weg traue und ein großes diagonales Kreuz über den Stimmzettel mache, dann taucht meine Stimme nur unter denen auf, die zu dämlich waren, ihren Wahlzettel korrekt auszufüllen. Wie also kann sich Parteienverdrossenheit artikulieren?

Da war der parteilose Gauck ein Lichtblick, auch wenn er ins Kalkül von rot-grün paßte.

Doch nun zu den „Heckenschützen“: An diesem diffamierenden Sprachgebrauch wird deutlich, wie sehr die Parteien ihre vom Grundgesetz beschriebene Aufgabe überziehen. Zwar wird gesagt, die Wahl sei geheim und also frei. Doch wenn Abgeordnete von ihrem Gewissen Gebrauch machen, selbst wenn dieses von Denkzettelgedanken geleitet sein sollte, dann sind sie „Heckenschützen“. „Die Linke“ verhält sich dabei nicht anders als die etablierten Parteien, wenn sie zum dritten Wahlgang ihren Abgeordneten die Wahl ausdrücklich „frei“ gibt. Wie großzügig. Deutlich wird hier der Machtanspruch der Parteien. Von ihrer Partei aufgestellte und in der Folge gewählte Abgeordnete haben offensichtlich in erster Linie der Parteiräson zu gehorchen. Und so, wie sich die Parteien ihre Abgeordneten untertan gemacht haben, so haben sie sich diese Republik mit ihren Ämtern, Posten und Finanzquellen unter den Nagel gerissen. Ist es da ein Trost, daß sie nach der Pfeife von Interessen(ten) tanzen müssen, von denen ihre Stellung abhängt?

Die Heckenschützen haben nicht geschossen. Sie haben in den ersten Wahlgängen entgegen der Parteiräson Herrn Gauck gewählt, egal aus welchem Grund. So war der gestrige Tag ein Lichtblick für die Demokratie. Er hat gezeigt, daß die Macht der Parteien sogar in ihren eigenen Reihen begrenzt ist. Letztlich wurde doch Herr Wulf gewählt. Es gibt keinen Grund zur Annahme, daß er den Job schlecht machen wird. Und selbst wenn: Wir haben schon andere Präsidenten überstanden, schließlich ist deren Macht wirklich sehr begrenzt.

Herr Gauck kann sich sagen, daß er der Präsident nach dem Herzen der deutschen Bevölkerung gewesen wäre, doch die Verhältnisse, die sind nicht so. Die Wahl von Herrn Wulf hat uns gezeigt, was die Parteien von den Bürgern halten, nämlich nichts außerhalb der Wahl-Schau-Kämpfe. Immer wenn wir von Herrn Wulf lesen oder hören, werden wir uns daran erinnern.

Dafür: Herzlichen Dank, Herr Gauck!

»Angst vor Gegenstimmen – Polit-Profis sollen Super-Gauck verhindern«

Posted in News by dierkschaefer on 7. Juni 2010

Da haben die Regierungsparteien anscheinend das Fracksausen bekommen. Weit entfernt davon, sich ein fügsameres Volk zu wählen, sinnen sie auf üble Machenschaften, eine kaschierte Form von Wahlbetrug.

Lesen Sie unter:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,699199,00.html

»Union und FDP wollen diesmal vor allem Parteisoldaten in die Bundesversammlung schicken und kaum Prominente – offiziell aus Zeitnot. Doch die Koalition fürchtet auch um die eigentlich komfortable Mehrheit für ihren Kandidaten Christian Wulff.«

Auch die heutige Sendung im »Journal am Vormittag« im Deutschlandfunk über »Schicksalstage für Schwarz-Gelb – Schafft die Regierung Merkel noch die Wende?« sprach Bände. Noch nie habe ich in diesem von mir sonst geschätzten Sender eine solch parteiliche Sendung gehört. Bewundernswert, wie sich Tissy Bruns, politische Chefkorrespondentin vom Tagesspiegel, gegen ihre voreingenommenen Kollegen Stephan Detjen, Chefredakteur/Deutschlandfunk und Michael Rutz, Chefredakteur/Rheinischer Merkur behauptete. Auch der Moderator Dirk-Oliver Heckmann nahm die Höreranfragen nicht nur entgegen, sondern diskutierte mit Hörern, die Meinungen vertraten, die nicht ins Konzept des Deutschlandfunks paßten. Damit wurde der öffentlich rechtliche Rundfunk zum Staatsfunk – auch eine Beute der Parteien.

Lassen wir uns nicht vera  lbern: Gauck for President!

Die Süddeutsche bringt eine interessante Umfrage:

http://www.sueddeutsche.de/politik/kandidatencheck-gauck-gegen-wulff-wer-ist-der-bessere-praesident-1.954618-13

Aber wir, das Volk, haben nichts zu sagen – warum? das wurde in der Deutschlandfunksendung deutlich:

Die Politiker haben Angst vor dem Volk.

Sie sollten sich wirklich ein anderes wählen.

Gauck for president!

Posted in News by dierkschaefer on 6. Juni 2010

Gauck for president!

Schaut man in die Berichterstattung der Zeitungen oder in die FOCUS-Umfrage (knapp 75% für Gauck), dann wird klar, was die FAZ meint mit: Wulff … verträgt man besser, wenn man Gauck ignoriert.

Wollen wir Gauck ignorieren?

Wir wurden Zeuge eines schäbigen Ränkespiels, bei dem, bei aller Antipathie, Frau von der Leyen einem leid tun kann, ob des Schurkenstücks von Kanzlerin und Kandidat.

Und dann taucht ein weiterer Kandidat auf, parteilos und ehrlich, eine Identifikationsfigur.

Er wird es wohl nicht werden, denn ich traue den machthabenden Parteien nicht zu, daß sie ihren Kandidaten zurückziehen. Egal was das Volk will.

Auch wenn der Vergleich nicht ganz angemessen ist: Sollten sich die Regierungsparteien nicht lieber ein anderes Volk wählen?

Das Grundgesetz gibt den Parteien die Option, an der politischen Willensbildung mitzuwirken – doch die in den Parlamenten vertretenen Parteien haben – ausnahmslos! – den Staat und seine Ämter längst zu ihrer Beute gemacht.

Wenn Gauck eine Chance bekommt, hätten wir vielleicht auch endlich mal eine.

Gauck for president!