Dierk Schaefers Blog

Petition an den bayrischen Landtag

Posted in heimkinder, News by dierkschaefer on 6. November 2009

Ein Runder Tisch soll auch für die bayrischen Heimkinder eingerichtet werden.

Niedersachsen und Hessen (auch einige andere Länder) haben bereits einen Runden Tisch.

Bayern und Baden-Württemberg haben noch keinen.

Hier die Petition an den Bayrischen Landtag:

Richard Sucker

90471 Nürnberg

An den Bayrischen Landtag

Max-Planck-Str.1

81675 München

Familienministerium

Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales

Ministerium der Justiz

Ehemalige Heimkinder

Antrag eines „Runden Tisches“ in Bayern

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren des Landtages v. Bayern

Hiermit fordere ich den Bayrischen Landtag auf, die Einrichtung eines „Runden Tisches“ für eine öffentliche Anhörung von ehemaligen Heimkindern voranzutreiben.

Es ist von großer Wichtigkeit das Unrechtsschicksal vieler Heimkinder in den 50er, 60er u. 70er Jahre endlich aufzuklären.

Das Land Bayern hat einen großen Anteil an den damaligen Erziehungsheimen und hat sich dieser Aufarbeitung zu stellen.

Die Aufsichtpflicht der zuständigen Behörden hat in dieser Zeit versagt.

Kinder und Jugendliche, die in den damaligen Einrichtungen leben mussten, leiden nach Jahrzehnten unter den Misshandlungen, denen sie in den Heimen ausgesetzt waren:

° unrechtmäßige Heimeinweisung

° körperliche Züchtigung, Schläge mit Fäusten und Gegenständen (Körperverletzung)

° medizinische nicht indizierte Medikamentenausgabe

° sexuelle Übergriffe

° menschenunwürdige Behandlung (z.B. erzwungenes Essen von Erbrochenen)

° Bestrafung bei unerlaubten Lachen, Gesprächen oder Kleinigkeiten im Alltag= es gab Einzelhaft

(sog. Besinnungszimmer, Klabausen, Bunker o.ä.)

° kontrollierte u. vorenthaltene Postsachen

° Vorenthaltung adäquater Berufsausbildung

° erzwungene Arbeit

° der Umgang mit Bettnässern, verstörte und traumatische Betroffene wurden entwürdigt und

zus. mit Schlägen bestraft.

°  entwürdigende Untersuchungen bei den jungen Frauen auf dem gyn. Stuhl

Vielfache sexuelle Übergriffe haben von Erziehern an ihren Schutzbefohlenen stattgefunden.

Die verbalen Beschimpfungen klingen vielen Ehemaligen auch heute noch „in den Ohren“.

Systematisch wurden wir gedemütigt.

Es sind Menschenrechtsverletzungen an Kindern und Jugendlichen von unglaublichem Ausmaß geschehen.

Diese unwürdige Lebenssituation vieler Zwangseingewiesenen kann und darf nicht übergangen werden.

Von den Familien oft für immer getrennt, bei einer allein erziehenden hatten die Jugendämter

„ein leichtes Spiel“.

Schon der kleinste Anlass führte dazu, dass die Amtsrichter einen Beschluss fassten ohne den Jugendlichen je gesehen zu haben, geschweige denn, dass die Jugendlichen angehört wurden.

Die Einweisungs- Gerichtsbeschlüsse gingen routinemäßig vom Schreibtisch aus.

Aus ihrem sozialen Umfeld heraus gerissen, wurden die „Verurteilten“ in die Erziehungsheime

von den zuständigen Jugendfürsorgern, hinter verschlossenen Türen und hohen Mauern,

Zwangs eingewiesen.

Als asozial wurden diese Menschen „abgestempelt“ und so wurden sie in diesen Heimen

empfangen und als „Minderwertige“ behandelt.

Die Erzieher hatten „Handlungsfreiheit“ und sie haben gehandelt….!

Eine Bedrohung der Erzieher, Diakonissen, Nonnen und Ordensbrüder, stand immer im Raum.

Vergabe von Medikamenten wurde den Schutzbefohlenen eingeflösst,

als „Bonbons“ bei Kleinstkindern,

bei Jugendlichen heimlich in den morgendlichen Frühstückkaffee.

Bei den jungen Frauen setzte die monatliche Regel, oft für die nächsten Jahre aus.

(Körperverletzung ?).

Auf Anfragen bei den Ordensleuten zu Gesprächen die zu einer Aufarbeitung führen könnten,

wurden Termine oft abgelehnt. Einfache Fragen, nach dem „Warum“, wurden nicht beantwortet,

Die Schwestern vom Vincenzheim sagen heute: “wir hatten einen Erziehungsauftrag“.

Die Betroffenen werden auch heute noch abgewimmelt und diese Angelegenheit verharmlost

(als Einzelfälle deklariert)

Bei den meisten schriftlichen Anfragen von Heim-Akten wird auf die Verjährungsfrist hingewiesen, bei einigen Betroffenen sind die Akten auf einmal an einer anderen Stelle aufzufinden.

Ein würdeloses Verhalten den Menschen gegenüber, die versuchen ihre schreckliche Heimvergangenheit aufzuarbeiten.

Diese Würde wurde all denen genommen, die als Kinder und Jugendliche weggesperrt wurden.

Gewalt verändert die Autonomie und Individualität eines Menschen und dadurch wurde bei den jungen Menschen die Würde schwer verletzt.

Gleichgültig wer die Misshandler waren, Eltern oder Institutionen und welche Misshandlungen jeder Einzelne als Kind oder als Jugendlicher ertragen musste, der Schaden bleibt als Trauma ein Leben lang haften.

Ein generationsübergreifender Schaden an Leib und Seele ist bei den ehemaligen Heimkindern entstanden.

Ich möchte darauf hinweisen, dass es sich nur einige wenige öffentlich zu Wort melden.

Viel liegt noch im Verborgenen und viele Betroffene schweigen weiter

vor Scham ein Fürsorgezögling gewesen zu sein.

Die Angst im Berufsleben „entdeckt“ zu werden oder in der Familie sich über die Einweisung in eine Erziehungsanstalt äußern zu müssen, ist bei vielen auch heute noch präsent.

Wichtige Forderung der ehemaligen Heimkinder:

o Betroffene wollen ihr Recht und eine öffentliche Entschuldigung

von Staat und Kirche

o Entschädigung für unbezahlte Arbeit und entgangene Rentenansprüche

o Die Anerkennung der ehemaligen Heimkinder als Gewaltopfer

und die Klärung der sexuellen Übergriffe

o Klärung von Verabreichung von Medikamenten- Vergabe (Beruhigungsmittel)

an Kinder und Jugendliche,

o Die Sicherung der Heim-Akten und Zugänglichmachung in allen beteiligten Institutionen

o Aufhebung der Verjährungsfrist (seelische Grausamkeiten)

o Zwangsmissionierungen, (keine Selbstbestimmung der Religionen)

o Verschleierung der Misshandlungen,(von den Kirchen)

o Aufgabe der demütigen und diskriminierender Praxis der Versorgungsämter

im Umgang mit ehemaligen Heimkindern, die einen Antrag nach dem

Opferentschädigung- Gesetz gestellt haben.

Die Geschichten ehemaliger Heimkinder darf nicht weiter in Frage gestellt werden.

Ein Spiegel- Artikel 2003 und das Buch von Peter Wensierski „Schläge im Namen des Herrn“

hat nicht nur in der Bundesrepublik aufsehen erregt, seitdem melden sich Betroffene aus allen Erdteilen.

Presse, Funk und Fernsehen haben viel über unser Schicksal berichtet.

Vorschlag für die Teilnahme an einem „Runden Tisch“ in Bayern:

Familienministerium

Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales

Ministerium der Justiz

Caritas

Rummelsberger Anstalten

Diakonie Naila

Betroffenen- Liste anbei

u.a.

Hiermit möchte ich auf den Film

„DIE UNWERTIGEN“ von Renate Günter- Green hinweisen.

Vorpremiere: Sonntag, 15.Nov.09   12.00 Uhr Savoy, Graf Adolfstraße 47,Düsseldorf

In Anwesenheit des Filmteams, Zeitzeugen und der Redaktion des wdr

Nürnberg den                                                                 Richard Sucker

Ende der Petition

Mich erreichte noch ein Buchtipp über Heimkinderschicksale:

„Stille Schreie“  von Regina Page. Bestellungen u.a. bei

Regina-Eppert@web.de