Dierk Schaefers Blog

„Reform des Beratungshilferechts war ein Pyrrhus-Sieg“[1]

Posted in Justiz, Menschenrechte by dierkschaefer on 2. Juni 2015

Vor dem Gesetz[2] geht es kafkaesk zu. Man mag recht haben, doch ob man es bekommt, ist ohnehin offen, doch manche kommen gar nicht erst bis vor den Richter. Die Frage, wer das bezahlen soll, ist für viele die ausschlaggebende. Sie selber können es nicht. „Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt, wer hat soviel Pinke-Pinke, wer hat soviel Geld?“[3] Also lieber klein beigeben – was wohl auch Sinn der Gesetzänderung gewesen sein dürfte.

[1] http://www.evangelisch.de/inhalte/121874/02-06-2015/caritas-expertin-reform-des-beratungshilferechts-war-ein-pyrrhus-sieg

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Vor_dem_Gesetz http://gutenberg.spiegel.de/buch/franz-kafka-erz-161/5

[3] http://www.songtexte.com/songtext/gus-backus/wer-soll-das-bezahlen-7bce42b8.html

Die Justiz, hellsichtig und zynisch zugleich

Posted in heimkinder, Justiz, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Theologie by dierkschaefer on 12. Februar 2015

»Die Chancen auf eine finanzielle Entschädigung des ehemaligen Heimkindes Detlev Zander durch die Brüdergemeinde Korntal stehen schlecht. Das Oberlandesgericht Stuttgart hat Zanders Antrag auf Prozesskostenhilfe abgelehnt, wie das Gericht am Dienstag mitteilte. Der Grund ist vor allem, dass die Taten nach mehr als 30 Jahren verjährt sind. Das Gericht sieht daher offenbar keine Möglichkeit auf eine erfolgreiche Klage.[1]

 

Das Gericht hat die Brüdergemeinde Korntal vermutlich richtig eingeschätzt. Die Frommen, sie lassen auf Erden so leicht nichts umkommen. Zwar predigen sie das Jüngste Gericht, aber hier auf Erden soll ihnen die irdische Gerechtigkeit frommen. Und die bietet Verjährung – Halleluja!

 

Doch warum greift das Stuttgarter Gericht dem theologischen Offenbarungseid der frommen Brüder vor? Es ist zu hoffen, dass es auch ohne Prozesskostenhilfe zum Prozess kommt und damit zur Demaskierung der Brüdergemeinde.

Die meint anscheinend, die ewige Gerechtigkeit dauere doch noch eine bequeme Ewigkeit. Vielleicht setzt man entgegen kirchlicher Dogmatik aber auf die „Wiederbringung aller“[2].

Eine Alternative: Wenn im Jüngsten Gericht die Hurenböcke zum König sagen: „Wann haben wir dich entblößt und vergewaltigt?“ und dann der König antwortet: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“[3] Dann könnten die Böcke rotzfrech auf Verjährung pochen.[4] – Vielleicht ist das aber nur ein Wunschtraum.[5]

[1] http://www.welt.de/regionales/baden-wuerttemberg/article137325000/Gericht-sieht-keine-Chance-fuer-Heimopfer-auf-Millionen-Entschaedigung.html

[2] Noch der Kirchenlehrer Hieronymus (347–420) schrieb in seinen Erklärungen zu Jesaja, die Verdammten würden später reichlicher Tröstungen teilhaftig, aber das müsse geheim gehalten werden, damit die Gläubigen aus Furcht vor den ewigen Höllenstrafen nicht sündigen. https://de.wikipedia.org/wiki/Apokatastasis

[3] Vom Weltgericht Matthäus, Kapitel 25

31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit,

32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,

33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.

34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!

35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.

36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.

37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?

38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet?

39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!

42 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben.

43 Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht.

44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?

45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.

46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.

[4] https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2011/07/das-jc3bcngste-gericht2.pdf

[5] https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/01/traumhaft/

Der #Tod bringt nur Vorteile

Posted in heimkinder, Justiz, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität by dierkschaefer on 18. November 2014

»Man müsse berücksichtigen, dass „zwei der … Beschuldigten nicht mehr leben“«[1].

Und wenn’s der Tod nicht richtet, so doch das Hinscheiden der Rechtswirkung:

»Martin Hirschmüller, Anwalt der Brüdergemeinde, beruft sich auf die Verjährung. Die gerichtlich geltend gemachten Ansprüche würden „weit über 30 Jahre“ zurückliegen.«

Das sei auch Gott dem Herrn vorgehalten: Mit’m jüngsten Gericht is nix; alles längst verjährt am Ende der Zeiten.[2]

»Hirschmüller hat gegen die von Zanders Anwalt beim Landgericht beantragte Prozesskostenhilfe Widerspruch eingelegt.«

Ist doch nett, dass der Kirchenanwalt bemüht ist, die Gerichtskasse zu schonen, und zwar ganz uneigennützig. Denn wenn’s gar nicht erst zum Prozess kommt, weil der Kläger kein Geld hat, verdient auch Hirschmüller weniger als mit Prozess.

Ob ihm die Kirche dafür angemessen entschädigt? Schließlich spart sie am meisten:

  1. an Geld und
  2. kann sie in einem öffentlichen Prozess nicht vorgeführt werden.

Offenheit im Umgang mit Fehlern sieht anders aus.

Ich spreche ausdrücklich von Fehlern, denn die Verbrecher sind tot.

[1] alle Zitate aus: http://www.morgenweb.de/nachrichten/sudwest/mann-klagt-sein-fruheres-kinderheim-an-1.1847905

[2] https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2011/07/das-jc3bcngste-gericht2.pdf