Dierk Schaefers Blog

Luthers Lümmel-Tüten in aller Munde

Posted in Firmenethik, Humor, Kirche, Medien, Protestantismus, Religion by dierkschaefer on 24. März 2017

Geschmacklos wie die Luther-Socken, besonders wenn sie gleichzeitig zum Einsatz kommen. Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft schaut bewundernd zur rheinischen Kirche auf. Sie hat es geschafft, dieses Allerweltsverbrauchsprodukt aus der Fülle der Lutherdevo­tionalien hervorzuheben – und dies auch noch kostenfrei. Chapeau!

Der Zweitplazierte ist aber nicht neidisch. Ob er denn, wurde der Manager gefragt, an eine Neuauflage seiner Spielfigur denke, mit einer Wölbung unter dem Lutherrock. Da hat er souverän abgewinkt. Das sei nicht nötig. Was sich unter der Kleidung abspiele, wolle seine Firma auch weiterhin dem freien Spiel der Gedanken überlassen.

Und die rheinische Kirche, wie geht sie mit dem Erfolg um? Kaum zu glauben! Sie kostet den Erfolg nicht aus, sondern macht paradoxerweise einen Rückzieher und zieht die Luther-Lust-Lümmel rigoros aus dem Verkehr.

Ist das nun hinterfotzig oder ein rheinisch-fröhlicher Aufruf zur unverhüllten Lust?

Oder ganz einfach verschämte christliche Bescheidenheit?

Versteh einer die Welt – der Kirche.

 

https://www.google.de/search?hl=de&gl=de&tbm=nws&authuser=0&q=Luther+Kondome&oq=Luther+Kondome&gs_l=news-cc.1.0.43j43i53.2961.8974.0.10787.14.6.0.8.8.0.79.381.6.6.0…0.0…1ac.1.QVSOxN1k1hE

http://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/evangelische-kirche-kondom-verbot100.html

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Wenn man sein Kind zu früh auf die Straße schickt, kommt es sehr leicht unter schlechten Einfluss.

Posted in Kinder, Psychologie, Soziologie, Straßenkind by dierkschaefer on 26. März 2016

Der Beitrag von Microsoft zum Reformationsjubiläum ist ein Flop.

 

Tay heißt der Kleine, Bot mit Familiennamen. Seine Eltern träumten von einem sprachgewaltigen ChatBot.

Von Erziehung hielten sie nicht viel. Entwickeln sollte sich der kleine Tay, ganz von selbst. Fremdsprachen sollte er allerdings lernen, doch das ohne Stress und Vokabelpauken. Sie schickten ihn nach draußen, damit er dort dem Volk auf’s Maul schaue und seine Sprache lerne. Wenn er sich dann gut und verständlich ausdrücken könne, werde er von den Eingeborenen auch akzeptiert. Methode Martin Luther sozusagen: „vom Dolmetschen“ .

Doch das ging gründlich schief. Tay nahm nicht nur die Sprache an, sondern auch die Meinungen und Vorurteile der Native-Speaker. Wäre Luther das passiert, wäre es nie – trotz Sprachgewalt – zur Reformation gekommen.

Tays Eltern waren entsetzt über das, was er mit nach Hause brachte. Sie hätten es jedoch ahnen können, gibt es doch das Sprichtwort: Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist. »Wenn der Lehrer ein Rassist ist, dann bringt er seinen Schülern eben rassistische Bemerkungen bei.«

Manche Äußerungen fanden die Eltern so schlimm, dass sie eine Gehirnwäsche vornahmen. Und nun muss Tay das Bett hüten, bevor er wieder nach draußen darf.

 

Die Geschichte über das Elternhaus Microsoft ist zu lesen bei http://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/microsoft-twitter-nutzer-machen-chatbot-zur-rassistin/13366910.html

 

Ach ja, erziehen oder entwickeln lassen, war schon einmal Thema in diesem Blog: »Die methodische Zurichtung des Menschen.« https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/02/18/die-methodische-zurichtung-des-menschen/

Was für die Förderung der Persönlichkeit und Intelligenz des Menschen gilt, ist wohl auch maßgebend für die Erziehung von KI, der künstlichen Intelligenz.

Eine intelligente Firma hätte das wissen können.

Heinrich Heines Beitrag zur Luther-Decade

Posted in Geschichte by dierkschaefer on 4. September 2015

»Vom Bauernkrieg zur Bastille«

»Die Herren machen das selber, daß ihnen der arme Mann feind wird. Die Ursach des Aufruhrs wollen sie nicht wegtun, wie kann es in der Länge gut werden. So ich das sage werde ich aufrührisch sein, wohl hin.«

So sprach vor 300 Jahren Thomas Münzer, einer der heldenmütigsten und unglücklichsten Söhne des deutschen Vaterlandes, ein Prediger des Evangeliums, das, nach seiner Meinung nicht bloß die Seligkeit im Himmel verhieß, sondern auch die Gleichheit und Brüderschaft der Men­schen auf Erden befehle. Der Doktor Martinus Luther war anderer Meinung, und verdammte solche aufrührerische Lehren, wodurch sein eigenes Werk, die Losreißung von Rom und die Begründung des neuen Bekenntnisses gefährdet wurde; und vielleicht mehr aus Weltklugheit, denn aus bösem Eifer, schrieb er das unrühm­liche Buch gegen die unglücklichen Bauern. Pietisten und servile Duckmäuser haben in jüngster Zeit dieses Buch wieder ins Leben gerufen und die neuen Abdrücke ins Land herum verbreitet, einerseits um den hohen Protektoren zu zeigen, wie die reine lutherische Lehre den Absolutismus unterstütze, andererseits um durch Luthers Autorität den Freiheits­enthusiasmus in Deutschland niederzudrücken. Aber ein heiligeres Zeugnis, das aus dem Evan­gelium hervorblutet, widerspricht der knechti­schen Ausdeutung und vernichtet die irrige Autorität; Christus, der für die Gleichheit und Brüderschaft der Menschen gestorben ist, hat sein Wort nicht als Werkzeug des Absolutismus offenbart, und Luther hatte unrecht und Tho­mas Münzer hatte recht. Er wurde enthauptet zu Mödlin [1525]. Seine Gefährten hatten ebenfalls recht, und sie wurden teils mit dem Schwerte hingerichtet, teils mit dem Stricke gehenkt, je nachdem sie adeliger oder bürgerlicher Abkunft waren. Markgraf Casimir von Ansbach hat, noch außer solchen Hinrichtungen, auch fünfundachtzig Bauern die Augen ausstechen lassen, die nachher im Lande herumbettelten und eben­falls recht hatten. Wie es in Oberöstreich und Schwaben den armen Bauern erging, wie über­haupt in Deutschland viele hunderttausend Bauern, die nichts als Menschenrechte und christliche Milde verlangten, abgeschlachtet und gewürgt wurden von ihren geistlichen und welt­lichen Herren, ist männiglich bekannt. Aber auch letztere hatten recht, denn sie waren noch in der Fülle ihrer Kraft, und die Bauern wurden manchmal irre an sich selber, durch die Autori­täten eines Luthers und anderer Geistlichen, die es mit den Weltlichen hielten, und durch unzeitige Kontroverse über zweideutige Bibel­stellen, und weil sie manchmal Psalmen sangen statt zu fechten.

Im Jahr der Gnade 1789 begann in Frankreich derselbe Kampf um Gleichheit und Brüderschaft, aus denselben Gründen, gegen dieselben Gewalt­haber, nur daß diese durch die Zeit ihre Kraft verloren und das Volk an Kraft gewonnen und nicht mehr aus dem Evangelium, sondern aus der Philosophie seine Rechtsansprüche geschöpft hatte.

Was einst, im Bauernkrieg, die Lehrer des Evangeliums versucht, das taten die Philosophen jetzt in Frankreich, und mit besserem Erfolg; sie demonstrierten dem Volke die Usurpationen des Adels und der Kirche; sie zeigten ihm, daß beide kraftlos geworden; — und das Volk jubelte auf, und als am 14. Julius 1789 das Wet­ter sehr günstig war, begann das Volk das Werk seiner Befreiung, und wer am 14. Julius 1790 den Platz besuchte, wo die alte, dumpfe, mür­risch unangenehme Bastille gestanden hatte, fand dort, statt dieser, ein luftig lustiges Ge­bäude, mit der lachenden Aufschrift: Ici on danse[1]. Heinrich Heine, Französische Zustände, 1832

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Heine schreibt „vielleicht mehr aus Weltklugheit, denn aus bösem Eifer, schrieb er das unrühm­liche Buch gegen die unglücklichen Bauern.“ Das scheint mir treffend, sowohl für Luther als auch für den Zustand der Weltordnung, damals wie heute.

[1] Le 14 juillet 1790, l’entrepreneur privé Palloy organise une fête parallèle à la Fête de la Fédération : une tente est plantée au milieu des ruines avec un écriteau « ici on danse », il s’agit du premier bal du 14 juillet qui demeurera une tradition jusqu’à nos jours. Cette tente est représentée sur une peinture à la gouache sur carton, pièce du musée Carnavalet, de Henri-Joseph Van Blarenberghe, ancien peintre militaire, qui a également peint des images de la prise de la bastille1.

Dès le 16 juin 1792, il est décidé que l’emplacement de la Bastille formerait une place dite « de la Liberté » et qu’une colonne y serait élevée. Palloy, l’entrepreneur de travaux qui avait démoli la forteresse, fournit la première pierre, mais la construction en reste là. Une fontaine est néanmoins installée en 1793.

Du 9 au 14 juin 1794, la guillotine fut installée sur la place, dégagée des restes de la forteresse de la Bastille, appelée désormais place Antoine. Les citoyens réclamèrent son déplacement à la place du Trône-Renversé (actuelle place de la Nation).

Le nombre de personnes guillotinées sur la place de la Bastille est de 75.

aus : https://fr.wikipedia.org/wiki/Place_de_la_Bastille

Die EKD – Irgendwie fachlich nicht ganz auf der Höhe

Posted in Geschichte, Kirche, Religion, Theologie by dierkschaefer on 25. Mai 2014

Und das auf einem Terrain, das sie kennen sollte, doch sie scheint es beherrschen zu wollen. »Die EKD hat ein ideologisches Luther-Bild – Ein Papier der Kirche zum Reformationsjubiläum 2017 reduziert die Bedeutung des Ereignisses auf das Religiöse. Das ist wissenschaftlich überholt und wird der Tragweite der Reformation nicht gerecht«[1].

 

[1] http://www.welt.de/debatte/kommentare/article128354577/Die-EKD-hat-ein-ideologisches-Luther-Bild.html