Dierk Schaefers Blog

Bier her, Bier her!

Posted in Gesellschaft, Politik by dierkschaefer on 5. November 2013

Es gibt doch nichts Neues unter der Sonne[1].

Da empfiehlt Josef Hecken, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), jenes Gremiums, das aushandelt, welche Therapien und Medikamente die Versicherten erhalten, und welche psychotherapeutischen Verfahren von den Kassen übernommen werden, ganz schlicht und kompetent ein Bier als Therapieersatz.[2]

Das kam mir bekannt vor. In Baden-Württemberg, unter der CDU-Regierung, schickte man ausgediente Minister nicht einfach in die „wohlverdiente“ Rente, sondern gab ihnen ein billiges Zubrot: Ein gut bezahltes Ruhestandsamt, eine sine-cure[3] mit auf den Weg, damit sie im Alter nicht darben müssen. So bekam der scheidende Sozialminister, von Beruf Apotheker, die Führung der staatlichen Lottogesellschaft und der Innenminister die der landeseigenen Brauerei. Namen tun nichts zur Sache, denn die Vorgänge sind austauschbar.

Ich schrieb  damals einen Leserbrief:

Der Mann ist sein Geld wert!

 

Wer spricht da von Ämterpatronage? Zwei Minister gehen. Sie haben – wie ihr Präsident bezeugt – gute Arbeit geleistet. Dennoch gehen sie nicht etwa in den wohlverdienten Ruhestand. Nein, sie folgen in Zeiten angespannter Sozialkassen dem Ruf nach Lebensarbeitszeitverlängerung und stürzen sich trotz ihrer gesicherten Pension noch einmal mitten in die Arbeitswelt. Allein das nötigt Respekt ab.

Und wenn man nun in der NWZ von dem fulminanten Übergang des ehemaligen Innenministers in seine neue Verantwortung liest, dann kommt man aus dem Staunen über diesen gekonnt nahtlosen Wechsel nicht heraus. Er empfiehlt den zu seiner feierlichen Verabschiedung versammelten Polizisten ein Allheilmittel gegen Ärger: Ein Bier. Der Tip hätte prinzipiell besser vom Sozialminister kommen können. Doch der hätte als Apotheker wohl nur ungern ein simples Bier empfohlen. Der Innenminister hatte diesen Gewissenskonflikt nicht. Und weil Bier anstelle irgendwelcher dubiosen therapeutischen Maßnahmen die Gesundheitskassen nicht belastet, konnte er seiner haushälterischen Verantwortung als scheidendes Mitglied der Landesregierung gerecht werden: „Leute, greift zum Hausmittel!“.

Zugleich hat er für seine Brauerei sozusagen den Einstand gegeben: Ein Impuls zur Umsatzsteigerung. Und wie geschickt! Hätte er Tannenzäpfle gesagt, wäre es plumpe Schleichwerbung gewesen. So hat er sich um die ganze Brauereibranche verdient gemacht. Etwas davon wird auch für seine Brauerei abfallen. Nein, nicht seine, sondern unser aller Brauerei. Das ist es ja: Sie ist „landeseigen“ und nützt uns allen, Landeskinder die wir sind. Da können wir ihm nur zuprosten.

Wir wollen auch nicht auf die Miesmacher hören, die gleich an Problemtrinker denken und eine Verleitung zum Alkoholismus herbeischwadronieren. Denn was soll’s? Für die Polizei ist der Herr Minister ja nun nicht mehr zuständig. Mag sie doch trinken, Streß haben sie schließlich genug. Ich weiß auch noch sehr gut, was sich ein ehemaliger Landrat bei der Vereidigungsfeier von jungen Polizisten in Biberach gewünscht hat: Sie sollten doch bei Alkohol-Sündern etwas durch die Finger sehen und fünfe grade sein lassen. Das geht nach einem vom Minister genehmigten Bier sicherlich etwas beschwingter. Und so haben wir sie richtig vereint, wie der Stammtisch sie sich vorstellt: Die „blauen“ Polizisten, die nach dem Blaulicht tasten, damit sie nicht ins falsche Auto steigen und die benebelten Autofahrer. „Hicks, Kumpel, komm gut, hicks, heim!“ Das wünschen wir dem Minister auch: „Ruhe sanft, kleine Aster“. Es wäre wirklich schade um den Mann. Er ist unser Geld wert.


[1]Prediger – Kapitel 1, besonders Vers 9