Dierk Schaefers Blog

Matten Matten Meeren, …

Posted in Gesellschaft by dierkschaefer on 10. November 2015

Sankt Martin oder Laternenfest? Im katholisch geprägten Süden natürlich St. Martin; mit rotem Mantel und hoch zu Pferd teilt er das Kleidungsstück mit dem frierenden Bettler. Anstößig ist das für Religionsfeinde. Indoktrination im Kindergarten wird geargwöhnt.

So ein Quatsch. Warum soll vorbildliches Verhalten nicht als allgemein humanes Tun schon den Kindern nahegebracht werden? Auch wenn die Mantelteilung[1] nur eine Legende ist.

Über diesen Streit hatte ich ganz vergessen, dass es sich um einen katholischen Brauch handelt, der in nördlichen protestantischen Gebieten in meiner Jugend unbekannt war. Dort gab es andere Bräuche zum Martinstag[2]. So auch das Matten-Matten-Märe-Singen.

Es war ein „Heische-Brauch“, wie die Volkskundler sagen. Ich selbst habe es nicht erlebt. Aber meine Großmutter aus Celle berichtete, wie sie als Kinder von Tür zu Tür zogen und eine Gabe erbaten: „Lasst uns nicht so lange steh’n, wir wollen noch nach Bremen geh’n – Bremen ist ’ne große Stadt, da geben alle Leute was.“[3]

Damit ging man auch zum Kaufmann. Doch der war katholisch und hatte mit „Matten“, mit Martin Luther nichts am Hut. Er fegte hinter seinem Verkaufstresen hervor, um die Kinder zu vertreiben. Jedes Jahr dasgleiche Spiel zum Ergötzen der Kinder.

Das ist vorbei. Das St. Martinsspiel ist ökumenisiert. Ob es noch den Heische-Brauch gibt, weiß ich nicht. Das Spiel jedoch sollte auch in einem Multi-Kulti-Kindergarten seinen Platz haben – ohne missionarische Hintergedanken. Und warum nicht ebenso Elemente des Zuckerfests der Muslime[4]. Die Kinder werden begeistert sein.

[1] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/7300522972/

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Martinisingen http://www.mimikama.at/allgemein/das-laternenfest/  http://www.mimikama.at/allgemein/das-laternenfest/

[3] Text bei: http://www.antenne.com/news-service/nachrichten/1411/matten-meeren-die-wichtigsten-lieder-zum-martinssingen/

[4] https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Fest_des_Fastenbrechens&redirect=no

Vom Almosengeben

Posted in heimkinder, Religion, Theologie by dierkschaefer on 25. Januar 2013

An der Figur des Sankt Martin hat sich in Freiburg ein Streit entzündet, wie wir heute in der Printausgabe der FAZ lesen. Die Leser dieses Blogs haben eine eigene Auffassung vom Almosen geben bzw. empfangen. Darum dürfte der Freiburger Streit interessieren.

 

Das Martinstor in Freiburg ziert nicht etwa der Heilige Martin, sondern ein das Logo einer Fast-food-Kette. Das ist unpassend. Man will etwas tun. Doch was?

Es gibt den Entwurf eines Martinstor-Fres­kos aus dem achtzehnten Jahr­hundert. Sozialkitsch nennen es die Grünen. Sie sind gegen die Darstellung des römischen Soldaten, der vom hohen Roß herab mit herablassender Geste seinen Mantel mit dem demütig knieenden Bettler teilt und denken dabei offensichtlich an die Hartz-IV-Empfänger.

 

Sankt Martin ein Vorbild oder ein Problem fürs Almosen-Geben?

 

Schon die Quellenlage ist problematisch. http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours Die Mantelteilung ist eine – durchaus schöne – Legende. Weil sie so schön ist, gibt es eine unübersehbare Zahl von Darstellungen in Bild und Skulptur. Martin auf dem Pferd wendet sich dem Bettler im Schnee zu, hält in der einen Hand ein Ende seines Mantels und schneidet ihn mit dem Schwert durch. Eine noble Geste. Aber Stoff kann man nicht mit einen Schwert teilen, noch dazu ohne jede Unterlage. Doch nehmen wir ruhig die Legende, wie sie erzählt wird, und schauen uns an, was daraus geworden ist.

 

Die Darstellungen mit Martin auf dem Pferde sitzend waren früher nicht anstößig. Doch das hat sich geändert. Mir ist aber bisher nur eine Version von Martin und dem Bettler auf Augenhöhe bekannt. Sie steht in Rottenburg und ist eine eindeutige Abkehr der überkommenen Ikonographie: http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/7300522972/ auch

http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/4948063715/ .

Doch die Darstellung „hoch zu Roß“ ist die schlimmste nicht. Am Ulmer Münster und im Dom zu Xanten wird der Bettler zur Fußnote gemacht. Sankt Martin braucht hier kein Pferd. Stolz abgeklärt blickt er ins Publikum http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/8239345614/ und http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/7727027136/ . Der Martin vom Xantener Dom muß nicht einmal mehr seinen Mantel teilen: https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2010/11/dies-irae-1.pdf Eine Münze tut’s auch.

 

Der historische Martin kann nichts dafür, was die Nachwelt aus ihm gemacht hat. „Tue Gutes und rede darüber“, wird wohl nicht seine Maxime gewesen sein. Das Neue Testament hält auch nichts davon: Matthäus 6, 1-3: Habt Acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden.

 

Und heute? In Freiburg will man die Menschenwürde des sozial Bedürftigen achten. Der großherzige Martin soll im Verborgenen bleiben. Das ist zwar Geschichten-Klitterung aber doch ehrenvoll.

Wenig ehrenvoll ist es, wenn kirchliche Einrichtungen gern und laut darauf verweisen, daß sie aus freien Stücken in den Heimkinderfonds eingezahlt haben. Sie brüsten sich und meinen, die Flecken auf ihrer Weste damit weggebürstet zu haben. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden.