Dierk Schaefers Blog

Lieber Herr Schäfer, hatten Sie diesen Satz mitbekommen?

Posted in Gesellschaft, Kinderrechte, Menschenrechte, Religion, Weltanschauung by dierkschaefer on 2. Dezember 2014

»Gary Lukas Albrecht, Katholischer Pfarrer und Sektenbeauftragter: „Wenn der Glaube dazu führt, dass Kinder misshandelt werden, dann ist die Religionsfreiheit aufgehoben.“«[1]

nein, lieber herr hempel. ich bin nicht-fernseher. aber das zitat ist gut.

Das Zitat ist wirklich gut, nicht nur für körperliche und seelische Misshandlungen im klassischen Sinne. Wir müssen auch umdenken für sonstige Verstöße gegen die wohlverstandenen Interessen eines Kindes.

Doch dabei ist es schwierig, die Grenzen zu ziehen. Was unterscheidet den oft ungeliebten Klavierunterricht vom Trimmen eines Kindes zu Höchstleistungen, auch Höchstleistungen sportlicher Art? Und die Schule?

Das Elternrecht auf religiöse Erziehung ihrer Kinder halte ich für ein selbstverständliches Grundrecht, doch auch hier müssen die Grenzen gezogen werden, wie es in der Sendung über „Sekten“ offenbar deutlich wurde.

  • Wer in seiner Erziehung die prinzipielle Offenheit für andere, die Menschenrechte achtende Lebensentwürfe ausklammert oder sie gar verteufelt, betreibt seelischen Missbrauch.
  • Wer seine Kinder körperlichen Eingriffen unterwirft, die nicht medizinisch nötig sind, betreibt Körperverletzung. Das beginnt mit dem harmlos erscheinenden Ohrloch­stechen, dem Piercing und Tattooing und geht bis zum religiös untermauerten Ritual von Beschneidungen jedweder Art.

Doch ich höre schon wieder den Vorwurf des Antisemitismus und sehe die „Alternativlosig­keit“ zur parlamentarischen Debatte auf dem Hintergrund der mörderischen Geschichte Deutschlands.

Doch das Zitat ist gut und richtig: „Wenn der Glaube dazu führt, dass Kinder misshandelt werden, dann ist die Religionsfreiheit aufgehoben.“

[1] http://www.welt.de/vermischtes/article134245446/In-Sekten-wird-jedes-Mitglied-zum-Spitzel.html Dienstag, 2. Dezember 2014

In einem ganz „normalen“ Heim der evangelischen Diakonie…

»Ich war übrigens in keinem Kloster, keiner Sekte, sondern in einem ganz „normalen“ Heim der evangelischen Diakonie… « schreibt eine Kommentatorin zu einem Beitrag über Sex-and-crime im Kloster[1]. Es geht um die Methoden der Produktion von Abhängigkeit und Abschottung von anderen, konkurrierenden Einflüssen. Während in Klöstern und auch bei Scientology immerhin – bei aller Kritik – die Absicht zu erkennen ist, eine „neue“ Persönlichkeit zu formen, die innerhalb der Parallelwelt lebensfähig ist und Anerkennung, sogar Lebenserfüllung finden kann, war die Erziehung in manchen (vielen?) Kinderheimen kirchlicher und staatlicher Machart rein destruktiv. Viele dieser Kinder wurden systematisch so zugerichtet, daß viele von ihnen ihr Leben nur als zerstört ansehen können. Diese systematische Destruktion wird von der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht wahrgenommen. Die hält sich lieber an Themen wie sexuellem Mißbrauch und Prügelexzessen auf. Die gab es zwar auch zuhauf, doch sie waren nur Mittel zum Zweck: Die Kinder für das Leben zu zerbrechen.

Es lohnt sich, beide Kommentare zum Blogbeitrag zu lesen, weil sie in aller Klarheit eine verbrecherische Erziehung in einer wahrhaft „totalen Institution“ beschreiben.[2]

 

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/04/23/sex-and-crime-im-kloster/

[2] https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/04/23/sex-and-crime-im-kloster/#comments