Dierk Schaefers Blog

Die Öffis sind uns teuer und kommen uns teurer als nötig

Posted in BRD, Gesellschaft, Medien, Staat by dierkschaefer on 27. August 2017

Die Öffentlich-rechtlichen Sender sollen eine Grundversorgung an Information sicherstellen, dies weitgehend staatsfern. Dafür brauchen sie Einnahmen. Soweit, so gut, volle Zustimmung. Am besten ginge das über eine Rundfunksteuer. Diese Einnahmen sollten vom Staat garantiert werden ohne Einflussnahme auf das Programm. Damit das nicht hinterrücks geschieht, sollte der Steueranteil für die Unterhaltung der Sender dynamisiert werden. Wenn das nicht aussreicht, z.B. wegen erhöhten Bedarfs zur Beschaffung und Ausstrahlung der Informationen, wird ein politisch-unabhängiges Gremium über die Angemessenheit befinden müssen, Richter beispielsweise. Die „Öffis“ sollten uns teuer sein.

Aber brauchen wir zwei davon? Zwei, die sich beide spreizen und aufhübschen mit Sonderkanälen? Zwei, die beide meinen, sie müssten auch zur Massenunterhaltung beitragen, die übrigens bei den Öffis zunehmend weniger Zuspruch findet?

Klar, die können nicht den ganzen Tag Nachrichten senden, über die politischen Hintergründe informieren und Kommentare dazu absetzen. Das würde nur Info-Freaks interessieren und damit den Auftrag auf Grundversorgung an Information aushöhlen. Doch eine Mischung, wie sie der Deutschlandfunk hinbekommt, wäre doch eine Möglichkeit. Der berichtet sogar über Sport – was mich nicht interessiert, und bringt Kultur, die andere nicht interessiert. Es gibt ja den Ausschaltknopf – oder die „Privaten“, die von der Quote leben. Die können das ganz gut und brauchen dafür keine zwangsfinanzierte öffentlich-rechtliche Konkurrenz, die den Wettbewerb verzerrt. Die Öffis sollten so gut finanziert werden, dass sie auf Werbeeinnahmen nicht angewiesen sind und uns folglich damit auch nicht behelligen.

Die Wettbewerbsverzerrung ist durch die Aufbläung der Öffis bei den Zeitungen angekommen. Jürgen Kaube geht in der FAZ darauf ein und schreibt ganz richtig:

»Niemand in den Zeitungen schätzt gering, was das Deutschlandradio und andere Sender leisten. Oder Arte, 3sat, ARD-alpha. Aber das Gros des zwangsfinanziert Ausgestrahlten hat nichts mit der Demokratie, einem Bildungsauftrag oder auch nur dem Anregen von Gedanken zu tun, die anders als durch immer höhere Pflichtabgaben nicht zu haben wären.«[1]

Ob die Zeitungen allerdings gut davonkämen, wenn die Öffis sich auf ihren Grundauftrag konzentrieren würden, darf bezweifelt werden. Ich nutze die Öffis fast ausschließlich im Autoradio. Wenn ich viel unterwegs war, bin ich am nächsten Tag mit meiner Zeitung sehr schnell fertig und kann dann auch den dortigen Anzeigen kaum Aufmerksamkeit widmen.

[1] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/von-staatsrundfunk-und-zwangsgebuehr-kommentar-zum-rundfunkbeitrag-15168540.html, Hervorhebung von mir.

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Posted in heimkinder by dierkschaefer on 18. April 2009

Parallelen

Anno Hecker beschreibt heute (18. April 2009) im Kommentar auf Seite 1 der FAZ die Vorgänge zur Aufarbeitung oder besser Nicht-Aufarbeitung der Doping-Fälle in der DDR.

Er schreibt, der deutsche Sport „fühlt sich gestört durch alte Sprengsätze, die immer wieder – auch von den Sprechern der Opfer – ans Licht geholt werden.“

Er berichtet von einem Selbstbezichtigungspapier, „vorgelegt von einer »Unabhängigen Kommission des DOSB [Deutscher Olympischer Sportbund],« abgenickt vom Bundesinnenministerium und von der Sportführung. Das Selbstbezichtigungspapier soll die Basis für Vergebung sein. … Doch der Versuch der fünf Unterzeichner, um Vergebung zu bitten, endet in einem für Doping-Opfer grotesken Satz: »Soweit die Sportler … gesundheitliche Schäden davongetragen haben sollten, sind wir tief betroffen…«“

Die Parallelen zur Behandlung der Heimkinderfrage springen ins Auge. Tiefe Betroffenheit haben die Heimkinder auch schon zugesichert bekommen. Aber es gibt keinerlei Zusagen, ob man sie und in welcher Form entschädigen wird, wenn Bedingungen gegeben sind, die man schon jetzt definieren könnte.

Keine Rede von einem Fonds für den Ausgleich in den Rentenbiographien, soweit die Heimkinder als Arbeitskräfte mißbraucht wurden.

Keine Rede von einem Therapiefonds für die der Heim-Zeit zuzuordnenden seelischen Schäden.

Wenn der Runde Tisch über die „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“ nicht einmal diese Fonds in Aussicht stellen mag oder kann, dann ist an einen Schmerzensgeldfonds wohl gar nicht erst zu denken.

Was soll der Rund Tisch? Ich lese folgende Antworten:

»Am Ende soll diese Zeit verstanden werden

»Er muss das Geschehen aber auch in die Zeit einordnen. Gewalt in der Pädagogik war auch in den Schulen und den Elternhäusern üblich. Es war eine erschreckend harte, am Schicksal des Einzelnen völlig desinteressierte Zeit.«

»Am Ende muss man auf viele Fragen eine Antwort für die Opfer finden, die sich durch diese Heime für ihr Leben geschädigt fühlen«

Wie hieß es für die Doping-Opfer?

»Soweit die Sportler … gesundheitliche Schäden davongetragen haben sollten, sind wir tief betroffen…«“

Dierk Schäfer

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