Dierk Schaefers Blog

Heftiger Zoff um Luthers Jahr

Posted in Deutschland, Kirche, Protestantismus, Theologie, Wissenschaft by dierkschaefer on 20. März 2017

Theologie der Wut ist der Artikel in der FAZ überschrieben. »Zwischen Professoren und Kirche eskaliert der Streit über das Reformationsjahr – mit deftigen Worten«[1]

Zwei Göttinger Professoren streiten mit Thies Gundlach, dem Vizepräsidenten des EKD-Kirchenamtes, der kraft sei­ner Funktion nicht selten „Cheftheologe“ der evangelischen Kirche genannt werde. Wie gerechtfertigt diese Zuschreibung auch sei, in seiner Position erweist Gundlach nicht nur der universitären Theologie, sondern auch der Kirche einen Bärendienst.

Der FAZ lag ein Aufsatz vor, der demnächst in der Zeitschrift „Zeitzeichen“ veröffentlicht wird. Darin antworten die beiden Göttinger Professoren, Kaufmann und Laube, »auf eine höchst ungewöhnli­che Attacke Gundlachs in der vorangegan­genen Ausgabe dieser Zeitschrift. Der 61 Jahre alte Kirchenfunktionär hatte darin einen „Ausfall perspektivischer Theolo­gie“ vor der großen 500-Jahr-Feier be­klagt. Der Professorenschaft scheine „ein tragender Gedanke zu fehlen“. Trotz zehn Jahren Vorbereitungszeit fehle ihnen bis heute „eine weiterführende Idee und eine konstruktive Interpretation“ der Reforma­tion. Stattdessen seien sie gefangen in „grummeliger Meckerstimmung“ und „besserwisserischer Ignoranz“.«

Es mag sein, dass gewisse professorale Ehrpusseligkeiten hinzugetreten sind. Doch davon abgesehen: Die Vorwürfe Gundlachs mögen zwar auf richtiger Beobachtung gründen, sie sind aber als Feststellung ein Beleg für die Unabhängigkeit theologischer Wissenschaft von den Kirchen. Sollten die theologischen Fakultäten nach der Pfeife ihrer Kirche tanzen wollen, wäre das das – berechtigte – Ende von Theologie an den Universitäten.

Die FAZ schreibt richtig: »Die Veröffentlichung solcher Vorwürfe ist für einen ranghohen Kirchenfunktio­när ein riskanter Schritt. Gundlach ist lan­ge genug im Geschäft, um zu wissen, dass seine Attacken nicht als fachlicher Bei­trag zur Debatte interpretiert werden, sondern vor der Folie kirchenamtlicher Eingriffe in die Autonomie der Wissen­schaft.«

Dem ist nichts hinzuzufügen.

[1] Alle Zitate aus: Theologie der Wut, Zwischen Professoren und Kirche eskaliert der Streit über das Reformationsjahr – mit deftigen Worten / Von Reinhard Bingener FAZ, Montag, 20. März 2017, S. 3

Religion in der Postmoderne

»Man kann … Postmo­derne auch als Ende der Ideologien definieren. Der Philosoph Jean-François Lyotard sieht die Postmoderne als das Ende der großen Erzählungen, die von dem großen Entwurf der Moderne handelten, Erzählungen von der Aufklärung und daran anschließende Bewegungen stoßen auf Skepsis. Die Folge ist eine Indifferenz gegenüber Überzeugungen. Sie werden als Privat­meinungen oder Gesinnungen betrachtet, die im besten Fall nicht schaden, aber nicht aus sich, sondern nur am Nutzen gemessen werden.«

Ein Artikel, der lauter Fragen aufwirft – gibt es neue Antworten? http://www.explizit.net/Kirchen/Religion-in-der-Postmoderne-Darum-muss-sich-die-Pastoral-aendern

Kirchenzucht in den 60er Jahren

Posted in Geschichte, Kirche, Theologie by dierkschaefer on 21. Februar 2016

Ein Hamburger Hauptpastor hatte seinen naiven Glauben verloren, wurde entlassen und reiste nun, Ende der 60er Jahre, durch Deutschlands Universitäten, um seinen Verlust und den Grund dafür kundzutun. Der Hörsaal war voll. Direkt vor mir in der Reihe zwei renommierte Theologieprofessoren. Sie tauschten sich hörbar aus über die Naivität des gewesenen Hauptpastors. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der beiden hatten durchaus auch etwas mit dem „Glaubensverlust“ des nun ehemaligen Pastors zu tun. Ihre Sarkasmen erregten meinen Abscheu. Heute wäre ich nachsichtiger mit ihnen, aber nur etwas. Doch immerhin hatten sie einen eleganteren Weg gefunden für die Überwindung ihres naiven Kinderglaubens.

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtete am HAZ 20. März 1979

 

„Kirchenrebell“ Paul Schulz darf nicht länger Pfarrer bleiben

Nach mehrjährigem Lehrbeanstandungsverfahren verliert der ehemalige Pastor von St. Jacobi in Hamburg alle seine Kirchenämter

Hannover (epd/dpa/idea) Der seit Okto­ber 1976 beurlaubte Ham­burger Pastor Paul Schulz darf nicht länger Pfarrer blei­ben. Zu dieser Entscheidung, die am Mon­tag in Hannover bekanntgegeben wurde, kam das siebenköpfige Spruchkolle­gium der Verei­nigten Evangelisch-Lutheri­schen Kirche Deutschlands (VELKD) unter Vor­sitz des hannoverschen Landesbischofs Eduard Lohse. Das Urteil wurde gefällt auf Grund der münd­lichen Verhandlungen in dem mehrjährigen Lehrbeanstandungsver­fahren gegen den Theologie­logen. Mit der Zustel­lung des Spruchs an Paul Schulz am Montag ist das Verfahren abgeschlossen.

Der von Lohse im lutherischen Kirchen­amt bekanntgegebene Spruch lautet: „Pa­stor Dr. theol. Paul Schulz ist öffentlich durch Wort und Schrift in der Darbietung der christ-lichen Lehre in entscheidenden Punkten in Wider­spruch zum Bekenntnis der evangelisch-luthe­rischen Kirche getre­ten und hält daran beharr­lich fest. Er ist mithin nicht mehr fähig, eine amtliche Tätigkeit im kirchlichen Dienst auszu­üben.“

Dies bedeutet nach dem Pfarrergesetz der VELKD den Verlust aller Rechte aus der Ordi­nation. Schulz verliert danach das Recht zur Wortverkündigung und zur Sakramentsver­waltung, zum Führen der Amtsbezeichnung und zum Tragen des Talars. Auch aller besol­dungs- und versor­gungsrechtlichen Ansprüche geht Schulz verlustig, doch kann dem ehema­ligen Pastor ein widerruflicher Unterhaltszu­schuß in Höhe des bisher erdienten Ruhe­gehalts — rund 2130 DM – gezahlt wer­den, betonte ein Sprecher der VELKD. Er deutete an, daß die nordelbische Kirchen­lei­tung von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werde.

Paul Schulz war seit 1970 Pastor an der Haupt­kirche St. Jacobi in Hamburg. Er wurde nach einer umstrittenen Predigt­reihe, in der er u. a. zentrale christliche Begriffe wie Gott und Auferstehung sowie die Verbindlichkeit der Bibel in Frage gestellt hatte, 1975 zunächst beurlaubt und im Jahr darauf vom Dienst sus­pendiert. Gleichzeitig wurde ein sogenanntes Lehr­zuchtverfahren gegen ihn eröffnet.

Bei seiner Entscheidung berief sich das Spruchkollegium u. a. auf die Auffassun­gen von Schulz zur Gotteslehre. Das Reden von Gott als Person komme für Schulz aus einem völlig überholten Denkmodell. Auch mit der Lehre von Jesus trete Schulz in entschei-den­den Widerspruch zu Schrift und Bekenntnis. Denn Jesus habe für ihn nicht die Bedeu­tung als Erlöser, wie sie alle Schriften des Neuen Testa­ments und die reforma-torischen Schriften als den zentra­len Inhalt des Evangeliums heraus­stellten.

Das Spruchkollegium kritisierte auch die Auf­fassungen von Schulz zur Frage einer Hoffnung über den Tod hinaus und zur Auf­fassung von Kirche und ihrer Bekennt­nisse. Im Gegensatz zu seinem bei der Ordi­nation abge­legten Gelübde propagiere Schulz eine Lehre, in der es den Willen Got­tes nicht gebe, Chri­stus keine Bedeu­tung habe und Schrift und Bekenntnis histo­ri­sche, aber nicht aktuelle Größen seien.

Lohse erklärte, die kirchlichen Gremien hät­ten ein Höchstmaß an Geduld bewiesen, um außerhalb eines Feststellungsver­fah­rens eine Einigung zu erzielen. Die Kirche habe keinesfalls die Absicht, die Freiheit des theologischen Denkens einzuschrän­ken. Man wolle nicht „mit der Meßlatte durch die Gegend gehen und die Recht­gläubigkeit der einzelnen Pastoren messen“.

Die verfassungsrechtlichen Bedenken, die der Rechtsbeistand von Schulz gegen das Verfahren geltend gemacht hatte, wur­den von dem Spruchkollegium zurückge­wie­sen. Eine Revisionsmöglichkeit besteht nach Angaben Lohses nicht. Denkbar sei aber, daß ein Weg zum Bundesverfas­sungs­gericht gesucht werde.

Die theologisch konservativen Protestan­ten haben das Urteil im Fall Schulz begrüßt. Die evangelische Kirche solle sich in ähnlicher Weise von anderen „Irrleh­rern“ trennen, erklärte der Vorsitzende der Kon­ferenz Beken­nender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutsch­lands, Su­perintendent George (Berlin).

Gegen die „Kirchenfürsten“

Posted in Gesellschaft, Kirche, Theologie, Uncategorized by dierkschaefer on 2. Februar 2016

»Die Radikalisierung im Bürgertum macht offenkundig vor den Christen nicht halt.«[1]

Wenn Kirchenleitungen sich deutlich und mit guten christlichen Gründen gegen Pegida positionieren, werden sie angegriffen – aus der ultrarechten Seite des Glaubensspektrum. Diese Leute sind für Pegida und deren Ziele. So wird aus einem politischen Konflikt ein theologischer.

Da meinen manche Traumtänzer, mit der Religion sei es doch heutzutage eigentlich aus. Weit gefehlt. Wie gut, dass es viele Kirchengemeinden mit vielen freiwilligen Helfern für Flüchtlinge in Not gibt. Ihr Tun demaskiert die falschen theologischen Parolen.

[1] http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/putin-orban-und-afd-rechte-christen-finden-politische-heimat-14043650.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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Laizismus als Lösung vieler Probleme? – Anscheinend nicht, hatte ich argumentiert …

Posted in Geschichte, Gesellschaft, Justiz, Kirche, Menschenrechte, Politik, Religion, Theologie, Weltanschauung by dierkschaefer on 1. Februar 2015

… und bekam Kommentare. Einer war ergiebig[1].

 

Zunächst einmal herzlichen Dank für die links, liebe Frau Tkocz, denn sie waren weiterführend. Auf die beiden links selber will ich – von der grundlegenden Frage abgesehen – nur kurz eingehen. Das „Hirtenwort“ [2] des Kölner Kardinals[3] hält keiner theologisch fundierten Betrachtung stand. Er verbreitet unreflektiert die bekannte katholische Familienideologie. Die kann man leicht auseinanderpflücken, lohnt aber die Mühe nicht. Das gilt noch mehr für den Vortrag[4] der grobschlächtig popularisierenden Gabriele Kuby[5]. Da frage ich mich als Psychologe eher, wie sie bei ihrer exquisiten Vorbildung den turn zur – sagen wir: intellektuellen „Schlichtheit“ geschafft hat. Doch gerade diesem Link verdanke ich viele weitere, insbesondere den auf Judith Butler[6] – eine tolle Frau, die ich bisher – weil als feministisch verschrien – nicht wahrgenommen habe. Dazu weiter unten.

 

Die grundlegende Frage hinter dem Hirtenwort und der Gesellschaftskritik von Frau Kuby – ein viel zu anspruchsvoller Begriff für diesen Vortrag – die grundlegende Frage also ist, ob man Kindern zumuten kann, in diesem geistig-geistlichen Muff aufzuwachsen. Die Frage haben Sie eigentlich auch schon beantwortet: „die Religion … muss sich lediglich an`s Grundgesetz halten“.

Das Grundgesetz, wie auch erst wieder kürzlich das Verfassungsgericht, räumt dem Erziehungsrecht der Eltern einen großen Raum ein. Obwohl sich in mir alles sträubt, hier ist auch das Recht inbegriffen, dass Eltern ihre Kinder in absurd erscheinenden Parallelwelten erziehen – soweit dies nicht gewälttätig erfolgt[7] oder sonstwie plausible Schädigungen verursacht[8].

Eine in der Diskussion hervorstechende Parallelwelt taucht bei der Frage der Sexualerziehung auf. Meisner und Kuby würden sicherlich all die historischen Beispiele als schon damals sündhaft abtun, die zeigen, dass ihre Normvorstellungen auch schon früher nicht allgemein durchsetzbar waren, wobei Frau Kuby sich als die gebildetere erweist in der Zurückführung der Verderbnis in Geschichte und Philosophie. Der Hirte hat – ich will ihm keine Unbildung unterstellen – wohl eher an Schafe als Adressaten gedacht. Doch zu beider Entsetzen haben sich die Normen verändert und sind relativiert worden. Das müssen sie beklagen dürfen. Doch genau in dieser, in ihren Augen sündigen, Welt werden sich auch durch Oberhirten behütete Kinder behaupten müssen[9]. Kinder aus egal welchen Elternhäusern werden also damit konfrontiert, dass andere Kinder anderes gelernt haben. Im Sinne eines friedlichen Miteinanders werden sie lernen müssen, dass es zum einen andere Werte-Welten gibt als die ihnen vertrauten; sie müssen sie verstehen und respektieren lernen – was auch umgekehrt gilt. M.a.W.: Sexualerziehung hat keine missionarische Aktion zu sein, egal in welcher Richtung. Aber sie gehört – alters- und entwicklungsgemäß abgestuft – zum Pflichtunterricht. Vor naiv-fortschrittlichem wie vor weltanschaulich-rückwärtsgewandtem Lehrpersonal sei gewarnt. Doch auch diese sind Persönlichkeiten mit eigener Werte-Erfahrung und -Position.

 

Die Ausgangsfrage war jedoch die Einbindung von Religion in Staat und Gesellschaft. Im Unterschied zu Frankreich werden in Deutschland die Ressourcen der Konfessionen vom Staat genutzt. Dass sich dies nicht immer zum Vorteil der Kirchen und ihrer Einrichtungen ausgewirkt hat, habe ich in meiner Rezension zu „Himmelsthür“ dargelegt[10]. Zu dieser „hinkenden Trennung von Staat und Kirche“[11], wie die Fachleute den Zustand bei uns nennen, gibt es viel zu sagen, wie schon vielfach auch in diesem Blog geschehen, kritisches wie positives. Eine Frau Kuby trifft sich in ihrer Kritik bestimmt mit der von vielen Kirchen­gegnern von der anderen Seite. Doch generell läßt sich wohl sagen, dass Christen sich in diesem Staat gut aufgehoben erleben und Mitspracherecht haben. Es wäre ein Fortschritt, wenn das auch die Muslime so sehen könnten, die sich an die staatlichen Gesetze halten – und das ist die überwiegende Mehrzahl. Aber nur so läßt sich der Islam in unsere plurale Gesell­schaft einbinden und nur so wird die Umma[12] auch der clamheimlichen Sympathie mit Gewalttätern aus ihrer Mitte den Nährboden entziehen können. Frankreich mit seiner laïzistischen Staatsreligion hat das nicht geschafft. Es ist übrigens lehrreich und geradezu erheitend zu lesen, wie die Trinität von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit in Anlehnung an das religiöse Vorbild sich herausgebildet hat.[13] Man meint aber, die muslimisch erzogenen Kinder der Banlieue mit noch mehr staatsbürgerlichem Patriotismus fesseln zu können. Doch sie sind die Kinder „D’OUTRE MER“[14] und pfeiffen auf die Marseillaise.

 

Nun zur letzten Frage, zur Kritik der Religion an Staat und Gesellschaft. Da gibt es als Grundlage das Böckenförde-Diktum[15] und dann als Beipiel die oben genannte Judith Butler. »Ich bin eine Wissenschaftlerin, die durch das jüdische Denken zur Philosophie gekommen ist, und ich verstehe mich als jemand, der eine jüdische ethische Tradition verteidigt … Ich … entwickelte dabei radikale ethische Positionen auf der Grundlage des jüdischen philosophi­schen Denkens. Ich lernte – und lernte zu akzeptieren –, dass wir von anderen, wie auch von uns selbst, angerufen und in Anspruch genommen werden, um auf Leid zu reagieren und zu seiner Linderung beizutragen. Um dies zu tun, müssen wir sensibel genug sein, den Ruf zu hören und die Mittel zu finden, um reagieren zu können. … Während meiner Einweisung ins Judentum habe ich auf Schritt und Tritt gelernt, dass es nicht hinnehmbar ist, im Angesicht von Ungerechtigkeiten zu schweigen. …“[16]

In meinem Berufsethischen Unterricht für Polizeibeamte habe ich immer empfohlen, bei der Vereidigung die religiöse Formel zu benutzen: So wahr mir Gott helfe. Denn egal, an welchen Gott Sie glauben: In Ihrer Berufszeit kann sich manches ändern und Sie könnten in Situationen geraten, in denen Gott wohl nicht helfen wollen wird, einen Befehl zu befolgen. Dann bindet Sie Ihr Eid nicht mehr. Eine feierliche Vereidigung ist die rituelle Überhöhung eines säkularen Dienstversprechens. Die Berufung auf Gott scheint mir dabei als Gegengewicht angemessen. Ginge es nur um eine Unterschriftsleistung, würde die Gesetzlage ausreichen. Doch dass das Remonstrationsrecht[17] im Grunde eine Remonstrationspflicht ist, haben die Beamten eher im Berufsethischen Unterricht gelernt als in der Staatsbürgerkunde.

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/01/28/laizismus-als-losung-vieler-probleme/#comments

[2] http://www.kath.net/news/30569/print/yes

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Meisner

[4] http://www.gabriele-kuby.de/wortmeldungen/die-sexualisierte-gesellschaft/?type=98

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Gabriele_Kuby

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Judith_Butler

[7] wie z.B. https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/01/21/glaubensgemeinschaft-zwolf-stamme-sie-werden-wohl-nichts-daraus-lernen/

[8] Letzteres gibt es durchaus und es ist schwer, das Juristen plausibel zu machen, wie ich es in einem auch für mich aufwendigen Fall erlebe.

[9] Sehen wir einmal davon ab, wie die Praxis der Sexualaufklärung durch die Hirten zuweilen ausgesehen hat.

[10] http://jacobsmeinung.over-blog.com/2015/01/rezension-des-buches-vom-frauenasyl-zur-arbeit-fur-menschen-mit-geistiger-behinderung-130-jahre-diakonie-himmelsthur-1884-2014.html

[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Trennung_von_Kirche_und_Staat

[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Umma

[13] Mona Ozouf, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, in Pierre Nora, Hrg., Erinnerungsorte Frankreichs, München 2005, S. 27-62.

[14] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/6949557245/in/set-72157632548603352 Photo vom bombastischen Kriegerdenkmal in Nizza, Übersetzung Dierk Schäfer

[15] lohnt sich nachzuschlagen und nachzudenken: https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6ckenf%C3%B6rde-Diktum

[16] http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-08/judith-butler-kritik-israel-antwort/komplettansicht

[17] https://de.wikipedia.org/wiki/Remonstration

Das religiöse Tier

Posted in Kirche, Psychologie, Theologie by dierkschaefer on 25. Dezember 2012

Jonathan Sacks zeigt in seinem Artikel die Bedeutung der Religion im evolutionären Prozeß auf. http://www.nytimes.com/2012/12/24/opinion/the-moral-animal.html?_r=2& 25/12/2012

Das ist nachvollziehbar, läßt aber grundsätzliche Fragen offen.

Der Mensch reagiere auf Angriffe ganz spontan und schnell als ein Individuum, das sein Überleben sichert, und in der Hitze des Gefechts würden die Spiegelneuronen übergangen und Moral und Religion geraten aus dem Blickfeld. Ein zweites Reaktionsmuster im Gehirn jedoch sei vernunftgesteuert und sichere das Überleben der Art. Das sei unabhängig vom Ergehen des Individuums in der Summe von evolutionärem Vorteil.

Das mag plausibel klingen. Doch schon für die genannten Hirnabläufe ist manches fragwürdig.

Wichtiger aber: Kriege sind selten eine Notwehrreaktion, sondern werden mit Überlegung geplant, vorbereitet und exekutiert. Dabei wurden in den klassischen Kriegen junge Menschen in Notwehr- und Nothilfesituationen gebracht. Die Religion diente sehr häufig zur überhöhenden Motivierung des Gesamtunternehmens und zur individuellen Motivierung zum Kampf – mit Trostfunktion für die Hinterbliebenen der gefallenen Helden. „Gott mit uns“, stand auf den Koppelschlössern und auf manchen Kriegerdenkmälern: „Niemand hat größere Liebe als der, der sein Leben hingibt für seine Freunde“ (Joh. 15,13). Ganz zu schweigen von den Kriegspredigten der Geistlichen auf beiden Seiten der Front, mit denen sie den lieben Gott in Entscheidungsnöte brachten. Wenn man dies bedenkt, schmilzt der Evolutionsvorteil religiöser Bindung dahin, es sei denn, man wiege die Kanonenfutter-Verluste zynisch auf mit „Seid fruchtbar und mehret euch“.

Die bei Sacks erwähnte Untersuchung wird aber wohl stimmen. Danach engagieren sich Menschen mit religiöser Praxis stärker für andere.

Doch wer mag hier gewichten?

 

Mit den Werbe-Anzeigen in meinem Blog habe ich nichts zu tun. Ich halte sie für eine Form von Piraterie und bitte ausdrücklich darum, diese unerbetene und belästigende Werbung nicht zu beachten.

»Moralische Lethargie in der Kirche«

Posted in Kirche, News, Theologie, Uncategorized by dierkschaefer on 27. April 2010

»Moralische Lethargie in der Kirche«

»Die Vertrauenskrise wegen des Kindesmissbrauchs in ihren Reihen betrifft die katholische Kirche als soziale Institution. Ihre Unfähigkeit, eigene pathogene Strukturen und die Folgen klerikaler Vertuschungen zu erkennen, beruht auf einer noch immer höfischen Organisation und einem Selbstverständnis, das den Geist des Absolutismus nicht überwunden hat.«

So beginnt der kluge und lesenswerte Beitrag von Professor Dr. Franz-Xaver Kaufmann in der gestrigen FAZ. Er analysiert die Lage der katholischen Kirche, den innerkirchlichen Absolutismus und meint, dieses Relikt werfe in einer rechtsstaatlich geprägten Kultur auch theologische Fragen auf: »Wie ist die Sündhaftigkeit zu qualifizieren, die sich in bestimmten kirchlichen Strukturen breitmacht? Lässt sich, so wäre zu fragen, die herkömmliche Unterscheidung zwischen der Sündhaftigkeit des kirchlichen Personals und der Heiligkeit der Institution noch aufrechterhalten, wenn offensichtlich strukturelle Eigenschaften der Kirche Mentalitäten moralischer Lethargie oder sonstige Missstände prägen?«

»Das gegenwärtige mediale Debakel der katholischen Kirche droht in ein moralisches zu münden. Nicht der Kindesmissbrauch als solcher und erst recht nicht die uns heute teils barbarisch anmutenden und keineswegs typisch kirchlichen Züchtigungsformen sind das moralische Problem der Kirche. Es ist ihre Unfähigkeit, die eigenen pathogenen Strukturen und die Folgen ihrer klerikalen Vertuschungen zu erkennen, zu erörtern und daraus praktische Konsequenzen zu ziehen. «

Damit übt Kaufmann eine grundlegende Kritik an seiner Kirche. Wenn die Kirche Ohren hat und auch hinhört, wird sie sich gründlich reformieren müssen.

Es lohnt sich, den ganzen Artikel zu lesen:

http://www.faz.net/p/Rub0FA9A4B1B13749AC97BC3B6889482661/Dx1~E7daf91ac6dd391e56708d0c679e24120~ATpl~Ecommon~Scontent.html [Montag, 26. April 2010]