Dierk Schaefers Blog

»Wenn der Richter das gelesen hätte, dann hätten Sie keine zehn Jahre gekriegt.« XXI

logo-moabit-kDieter Schulz

Der Ausreis(ß)ende

oder

Eine Kindheit,

die keine Kindheit war

Einundzwanzigstes Kapitel

Erwähnte ich schon, dass ich ein cleveres Kerlchen war?

Die Veränderung in meinem Leben begann damit, dass ich in der Folgezeit zum häufigen Schulschwänzer wurde. Die Verlockung war aber auch zu groß, und wurde immer größer. Schnell fand ich heraus, während ich immer noch staunend den riesigen Bahnhof erforschte, dass fast aus jedem ankommenden Zug gleich mehrere russische Offiziere ausstiegen. Manch­mal folgte ich einem von ihnen, konnte mich aber nicht dazu überwinden, ihn so einfach wegen ein paar Groschen anzusprechen. Schließlich verspürte ich nicht den Kohldampf wie zu der Zeit in Königsberg. 1950 war die Not nicht mehr so groß. Es gab allerdings Dinge die sich ein kleiner Junge gerne gewünscht hätte.

Es stellte sich mit der Zeit heraus, dass kaum ein Offizier nach Leipzig kam, der nicht irgend­einen bestimmten Auftrag hatte. Aber so gut wie jeder nahm die Gelegenheit wahr, seinen Auf­trag mit einer Shoppingtour durch Leipzig zu verbinden. Leipzig war immerhin eine Messestadt. Und es hatte sich herumgesprochen, dass im Gegensatz zu den übrigen Provinz­städtchen, wo sie herkamen, in Leipzig Waren zu haben waren, die es dort nicht gab. Das alles wusste ich allerdings natürlich nicht.

Endlich rang ich mich dazu durch, einen recht freundlich aussehenden Offizier anzusprechen. „Onkel hast du vielleicht 20 Pfennige für mich? Ich möchte gerne in den Zirkus gehen!“ Der Offizier sah nicht nur freundlich aus, er war es auch. „Natürlich mein Junge! Wer so gut russisch spricht, soll auch belohnt werden!“ Doch zunächst wollte er wissen wie alt, woher, und vor allem, woher ich so gut russisch sprechen konnte. Ich sagte ihm wahrheitsgemäß, dass ich aus Königsberg, genauer gesagt aus Kaliningrad käme, wo ich mit meiner Mutter und Schwester bis 1949 unter den Russen gelebt hätte. Auf seine Frage, wo denn mein Vater wäre, log ich etwas. Tatsache aber ist, ich wusste es bis zu diesem Zeitpunkt selbst nicht genau. Ich sagte ihm, dass dieser im Krieg gefallen sei. Der Offizier, wohl selbst noch an der Eroberung Deutschlands beteiligt, immerhin war er schon Major, atmete tief durch und strich mit seiner Hand durch mein Haar, fragte mich, was denn der Eintritt in den Zirkus kosten würde. Wahrheitsgemäß nannte ich ihm den billigsten Preis von 55 Pfennigen. „So, da fehlen dir also noch 20 Pfennig?“ fragte er. „Tatsache ist“, blieb ich bei der Wahrheit, „Ich habe keinen Pfennig. Ich werde aber versuchen noch bei anderen um den Rest zu fragen!“ „Brauchst du nicht, Junge!“ Dabei kramte er in seinen Taschen herum und brachte eine Handvoll Alumini­um­geld hervor, wovon man so schöne schwarze Finger bekam, drückte sie mir in die Hand. Mir blieb fast die Luft weg vor Freude und Überraschung.

Am nächsten Tag lernte ich mehr vom Leben, als ich jemals hätte in der Schule hätte lernen können.

Während wir gemeinsam die breite Treppe in Richtung Ostausgang hinunter gingen, fragte er mich nach meinen Zensuren in der Schule aus. Er war regelrecht entsetzt, als ich ihm ganz Stolz z.B. meine Eins im Russischen ansagte. Schließlich stellte sich heraus, dass in Russland die Eins die schlechteste, aber die Fünf die beste Note ist. So lernte ich wieder etwas dazu. Hatte ich doch bis zum 9ten Lebensjahr in Ostpreußen keine Schule von innen gesehen. Noch bevor wir den Taxistand erreichten, fragte er mich, ob ich denn morgen auch hier am Bahnhof sein würde. Er müsste in Leipzig über­nachten und hätte am nächsten Tag vor, noch einige Einkäufe zu tätigen. Er könnte gut einen Führer gebrauchen, der ihm z.B. das russische UNIWERMAG1 und das große HO-Kaufhaus2 zeigen könne. Wir einigten uns darauf, dass ich am nächsten Morgen um 10 Uhr vor dem Hotel „Stadt Leipzig“3, welches ausschließlich für das russische Militär reserviert war, auf ihn warten würde. Scheiß auf Schule. Meine Führung würde mir bestimmt wieder eine Handvoll Aluminiumgeld einbringen. Am nächsten Tag lernte ich mehr vom Leben, als ich jemals hätte in der Schule hätte lernen können.

Vorsichtshalber versteckte ich meinen Schulranzen in der Toreinfahrt zum Hinterhaus, wo wir wohnten. In der Toreinfahrt selbst war ein etwas größerer Vorbau eingelassen. Dieser Vorbau diente als Schornstein für gleich zwei aneinander gebaute Häuser. An dem Schornstein war in der Toreinfahrt eine Klappe angebracht, damit der Schornsteinfeger auch von dort Zugang hatte. Diese Klappe hochschiebend war genügend Platz vorhanden für meinen Pappmaché Schulranzen. Meine Mutter oder meine Schwester sollten, wenn sie vor mir nach Hause kamen, nicht gleich auf dumme Gedanken kommen, dass ich eventuell die Schule schwänzen könnte.

Wegen der Möglichkeit, dass während meiner Abwesenheit der Schornsteinfeger gerade seiner Arbeit nachging, brauchte ich mir keine Sorgen zu machen. Immer wenn der Schorn­steinfeger in unsere Straße kam, stand schon einen Tag vorher draußen auf dem Bürgersteig mit Kreide geschrieben: Morgen kommt der Schornsteinfeger!

Also, kurz nach 10 kam dann auch mein Major aus dem Hotel, der mich schon vom Früh­stücks­zimmer aus auf der anderen Straßenseite gesehen hatte. Das Hotel war direkt hinter dem Bahnhof. Und vom Bahnhof war es nicht allzu weit zum Uniwermag, dem russischen Kaufhaus, wo wiederum nur Russen Zutritt hatten. Also musste ich draußen warten. In Sichtweite vom Uniwermag war auch schon das HO-Kaufhaus. Während ich vor dem Uniwer­mag wartete, fiel mir auf, dass einige Typen sich an die russischen Offiziere heran­machten und sie in ein Gespräch verwickelten. Die meisten gingen einfach weiter, andere blieben stehen, sprachen etwas länger mit den Zivilisten. Und siehe da, sie änderten manch­mal ihr angestrebtes Ziel, und begleiteten die Zivilisten in eine ganz andere Richtung. Keinen blassen Schimmer, was da vor sich ging. Bis ja, bis ich mit meinem Major schon wieder auf dem Rückweg vom HO war. Da wurden auch wir angesprochen. Schon vorher, während sich der Major u.a. mit Dessous für seine Frau in der Heimat eindeckte, hatte er mich gefragt, ob ich wüsste wo er z.B. echte Schweizer Uhren kaufen könne. Man hätte ihm gesagt, dass in Leipzig alles zu bekommen wäre. So auch Banbarchet. Also goldene Uhren verstand ich ja zu übersetzen. Aber Banbarchet? Nie gehört dieses Wort. Woher auch. Wer interessierte sich in den frühen Nachkriegsjahren schon für französischen Samt. Hier und jetzt aber war sowas angesagt. Die russischen Offiziere die einen fürstlichen Sold bekamen, jedes Jahr eine Heimfahrt, waren ganz verrückt danach. Und, Leipzig war die Handelsmetropole für solche Konterbande.

Mein Major war hocherfreut, als uns der Kerl ansprach. Sich unserem Schritt anpassend lief er neben uns her und radebrechte in schlechtem Russisch: Schto warn schilallte? Banbarchet, Schassie, Schuba…..? (Was wünschen Sie? Samt, goldene Uhren, Pelze?) Als ich mich empört einmischte, ich mir nicht mein erhofftes Führungsgeld durch die Lappen gehen lassen wollte, beruhigte mich der deutsche Schieber. „Sei nicht blöd Junge, da sind für dich zwischen 5 bis 20 Mark drin, bei dem Geschäft!“ Ich dachte ich spinne. Letztendlich wartete ich am verein­barten Treffpunkt, während der Schieber mit meinem Major in einem Taxi davon fuhr. Und siehe da, meine Geduld zahlte sich aus. Zum einen gab mir der Major für die erfolgreiche Füh­rung doch tatsächlich ganze 20 Mark. Der ließ sich dann auch gleich das kurze Stück zum Bahnhof mit dem Taxi weiterfahren. Ich konnte gerade noch feststellen, dass er jetzt ein Packet mehr mit sich herumschleppte. Der etwa 40jährige Schieber lud mich zu einer Limo­nade in eine nahe gelegene Kneipe ein. Dort verklickerte er mir dann bei einer Waldmeister­limo seinen Berufsstand (Schieber) und warb mich gleichzeitig als Zuträger von weiterer Kund­schaft an. Der Major hatte doch tatsächlich einen Pelzmantel, vier Meter Samt und eine echte Schweizer Uhr in Golddouble und 16 Steinen erworben. Wie mir der mir gegenüber­sitzende Typ, der etwas russisch in seiner kurzen Gefangenschaft gelernt hatte, in gutem Deutsch erklärte. Er wolle zu mir ganz ehrlich sein. Der Major hätte gleich drei Teile gekauft. Für jedes Teil bekäme er zehn Mark Provision. Diese wolle er mit mir ehrlich teilen, und schob mir 15 Mark wie ein Verschwörer unter dem Tisch zu. Wow! Das Schuleschwänzen hatte sich echt gelohnt.

Er hatte mich nach allen Regeln der Kunst beschissen

Nur, wie brachte ich es meiner Mutter bei, woher ich das Geld hatte, um ihr das Geschenk von einem halben Pfund Kaffee im Schwarzmarktwert von 20 Mark machen zu können? Wusste ich doch, dass meine Mutter sich jeden Monat ein viertel Pfund gönnte. Dieses viertel Pfund hütete sie wie ihren Augapfel, brühte ihn bis zu dreimal auf. Nun ja, auch das bekam ich hin. Wurde dafür ganz dolle gedrückt. Hatte ich zunächst auch daran gedacht den Schieber für seine Ehrlichkeit und dem großzügigen Teilen vor Freude zu drücken, so kam ich doch recht bald dahinter, dass der Typ ein ganz gemeiner Betrüger war. Er hatte meine Unwissen­heit und meine Winzigkeit als Menschenskind einige Tage lang nur ausgenutzt. Und wie mit einer Unverfrorenheit, die es nur echte Gauner drauf haben, hatte er mich nach allen Regeln der Kunst beschissen. Anfangs schöpfte ich ja auch noch gar keinen Verdacht, dass da etwas faul sein könnte. Ich mochte nur nicht seine Geheimniskrämerei. Er wollte mir partout nicht sagen, wo seine Quellen waren, von denen er die Ware bezog.

Einen Steinwurf entfernt vom Uniwermag, wo von den Schiebern die Kunden angesprochen wurden, am Bahnhof selbst, wo aus allen Ecken der DDR die potentiellen Kunden anreisten traute sich kein Schieber hin, da war die Bahnpolizei vor, also in der Nähe des Uniwermags war das Rathaus von Leipzig. Und dort war auch ein Taxistand. Dort stiegen auch immer die Schieber mit ihren Kunden ein. Ich hatte mir gut gemerkt in welche Richtung sie davon fuhren. Anstatt immer nur auf die Rückkehr zu warten, begab ich mich sehr schnell, noch bevor das Taxi losfuhr, zu dem Punkt wo ich es hatte abbiegen sehen. Beim nächsten Mal war ich schon wieder an dem Punkt angelangt, um zu sehen wie es weiterging. Nach einiger Zeit, wobei ich mir dann schon selbst ein Taxi nehmen musste, hatte ich auch schon das Ziel, d.h. den Hehler der Ware im Visier. Wobei es sich allerdings nur um den französischen Samt und einen Uhrendealer handelte. Andere Anlaufstellen kamen in der nächsten Zeit noch hinzu. Und das war gut so! Denn es passierte schon mal, dass eine Razzia durchgeführt wurde. Die Polizei wusste natürlich von den Schiebergeschäften, die im Umkreis vom Uniwermag getätigt wurden. Nachdem die observierten Schieber meistens bis auf den letzten Mann ins Netz gegangen waren, befand ich mich ganz alleine auf weiter Flur. Mich Knirps nahm man einfach nicht für voll. Das dachte anscheinend Frau Wilke, bei der ich dann notgedrungen selbst mit einem Käufer auftauchte auch. Sie wohnte in einer Villengegend ganz in der Nähe des Zoos. Als ich geklingelt hatte, sie durch den Türspion einen uniformierten Russen sah, mich Zwerg erfasste der Türspion erst gar nicht in seinem Blickfeld, öffnete sie. Als aber statt eines bekannten Schiebers so ein Knirps in Begleitung des Russen vor der Türe stand, wollte sie uns doch die Türe vor der Nase zuschlagen. Erwähnte ich schon, dass ich ein cleveres Kerlchen war? Ich hatte ja damit gerechnet, dass die Dealerin geschockt sein würde. Mich hatte ja niemand offiziell bei ihr eingeführt. „Entweder Sie lassen uns jetzt rein, oder die Polente ist schneller hier wie Sie Ihre Ware verstecken können!“ warnte ich kackfrech.

Ich erklärte ihr ganz kurz, wie ich auf sie gekommen sei. Und fragte auch noch, ob sie noch gar nicht gemerkt hätte, dass seit Tagen ihre Kunden ausblieben. Natürlich hatte es sich schon herumgesprochen, dass wieder einmal eine Razzia stattgefunden hatte. Während der Kunde sich die die fünf Sorten Samt vorlegen ließ, klärte ich sie weiter über mich auf. Und siehe da, plötzlich war ich voll akzeptiert. Sie fand es für ihr Geschäft viel unverfänglicher, wenn ich Stepke bei ihr auftauchte. Von da an war ich in den Folgejahren in ihren Augen ein guter Geschäftspartner.

Eigentlich konnte ich recht bald fast alle Wünsche der Kundschaft erfüllen.

Ich hatte noch ganz in der Nähe des Bahnhofs einen ganz unscheinbaren Tabakladen als Bezugsquelle für Samt ausfindig gemacht, wo der ältere Herr keine Sperenzchen machte, als ich zum erstenmal mit einem Kunden auftauchte. Nicht immer war jeder Dealer mit Ware versorgt. So war es immer gut mehrere Quellen zu haben. So hatte ich zwischen Rathaus und Uniwermag auch noch in der berühmten Mädlerpassage ein Uhren-Schmuck­geschäft ausfindig gemacht, wo so gut wie immer eine große Auswahl an vergoldeten Schweizer Uhren vorrätig war. Na ja, Nutria und andere kostbare Pelze in Leipzig zu erstehen, war auch kein Problem. War Leipzig doch eine Hochburg der Kürschner Zunft. Eigentlich konnte ich recht bald fast alle Wünsche der Kundschaft erfüllen. Lackschuhe und Perlonstrümpfe sowie Fieberglas-Koffer waren gefragt. Ebenso Streptomycin und Penicillin. Nicht selten wurde auch nach benutzbaren Frauen gefragt. Auch dafür war ich ein Ansprechpartner.

Um aber auf Frau Wilke (so hieß sie wirklich!) zurückzukommen; ich war nicht sonderlich erstaunt darüber, dass sie, nachdem sich mein erster persönlicher Kunde gleich zweimal vier Meter Samt hatte einpacken lassen, ohne wegen des angesprochenen Preises zu handeln, gab mir Frau Wilke zu verstehen, dass ich wegen der Provision nochmal vorbei kommen müsse. Schließlich müsse der Russe das ja nicht unbedingt mitbekommen. Konnte ich gut verstehen, denn, hätte der Käufer gesehen, was ich da in die Hand gedrückt bekam, wäre ihm sicherlich die Galle hochgekommen. Denn ich war ja selbst baff über die Summe. Ich brachte den Kunden noch bis zum wartenden Taxi und verabschiedete mich mit der Begründung, das ich selbst ganz in der Nähe wohnen würde. Der Russe nahm es hin. Und ich holte mir meine vermeintlich doppelte Provision von Frau Wilke ab. Hatte der miese Typ, mit dem ich einige Zeit zusammengearbeitet hatte, indem ich ihm immer neue Kundschaft zuführte, nicht gesagt, dass er mit mir teilen würde? Was war es? Wut oder freudige Überraschung, als ich von Frau Wilke das Geldbündel in die Hand bekam. Ich musste es drei-viermal zählen, bevor ich es glauben konnte. Ich hielt doch tatsächlich 180 Mark in der Hand!

Eigentlich konnte ich recht bald fast alle Wünsche der Kundschaft erfüllen.

Ich hatte noch ganz in der Nähe des Bahnhofs einen ganz unscheinbaren Tabakladen als Bezugsquelle für Samt ausfindig gemacht, wo der ältere Herr keine Sperenzchen machte, als ich zum erstenmal mit einem Kunden auftauchte. Nicht immer war jeder Dealer mit Ware versorgt. So war es immer gut mehrere Quellen zu haben. So hatte ich zwischen Rathaus und Uniwermag auch noch in der berühmten Mädlerpassage ein Uhren-Schmuck­geschäft ausfindig gemacht, wo so gut wie immer eine große Auswahl an vergoldeten Schweizer Uhren vorrätig war. Na ja, Nutria und andere kostbare Pelze in Leipzig zu erstehen, war auch kein Problem. War Leipzig doch eine Hochburg der Kürschner Zunft. Eigentlich konnte ich recht bald fast alle Wünsche der Kundschaft erfüllen. Lackschuhe und Perlonstrümpfe sowie Fieberglas-Koffer waren gefragt. Ebenso Streptomycin und Penicillin. Nicht selten wurde auch nach benutzbaren Frauen gefragt. Auch dafür war ich ein Ansprechpartner.

Um aber auf Frau Wilke (so hieß sie wirklich!) zurückzukommen; ich war nicht sonderlich erstaunt darüber, dass sie, nachdem sich mein erster persönlicher Kunde gleich zweimal vier Meter Samt hatte einpacken lassen, ohne wegen des angesprochenen Preises zu handeln, gab mir Frau Wilke zu verstehen, dass ich wegen der Provision nochmal vorbei kommen müsse. Schließlich müsse der Russe das ja nicht unbedingt mitbekommen. Konnte ich gut verstehen, denn, hätte der Käufer gesehen, was ich da in die Hand gedrückt bekam, wäre ihm sicherlich die Galle hochgekommen. Denn ich war ja selbst baff über die Summe. Ich brachte den Kunden noch bis zum wartenden Taxi und verabschiedete mich mit der Begründung, das ich selbst ganz in der Nähe wohnen würde. Der Russe nahm es hin. Und ich holte mir meine vermeintlich doppelte Provision von Frau Wilke ab. Hatte der miese Typ, mit dem ich einige Zeit zusammengearbeitet hatte, indem ich ihm immer neue Kundschaft zuführte, nicht gesagt, dass er mit mir teilen würde? Was war es? Wut oder freudige Überraschung, als ich von Frau Wilke das Geldbündel in die Hand bekam. Ich musste es drei-viermal zählen, bevor ich es glauben konnte. Ich hielt doch tatsächlich 180 Mark in der Hand!

Natürlich gehörte ich meinem Lebenswandel gemäß in eine erzieherische Maßnahme.

Wie der Leser das verstehen soll? Nun, je nach Marktlage, oder besser gesagt Lagerbestän­den, wurde von dem Dealer ein fester Preis an den Schlepper gezahlt. Es lag also an dem Schieber, welchen Preis er bei dem Käufer aushandelt. Da aber viele Russen gerne feilschten, konnte die Provision unterschiedlich ausfallen. Da aber mein Kunde anstandslos den gefor­derten Preis von 350 Mark ohne Murren gezahlt hatte, standen mir bei derzeitiger Marktlage die Differenz von 90 Mark pro vier Meter Samt zu. Ich war einfach nur baff! Bei so einem einträglichen Geschäft, immerhin kamen an guten Tagen bis zu 400!!! Mark zusammen, da ließ ich schon mal fünfe gerade sein und dachte gar nicht daran, dass es da auch noch die Schulpflicht gab. Entschuldigungsschreiben waren für mich kein Problem. Hatte ich mir doch schon längst die Sütterlinschrift meiner Mutter abgeguckt. Fortan brauchte meine Mutter nie mehr auf ihren geliebten echten Bohnenkaffee zu verzichten. Geschweige denn die Pampe mehrmals aufzubrühen. Wie ich an das Geld kam, verschwieg ich ihr nicht. Nur das dazu oft Schuleschwänzen angesagt war, verschwieg ich ihr lieber.

Die Sonntage, wo ich mich am/im Zoo etc. herumtrieb, mochte ich auch nicht mehr missen. Natürlich gehörte ich meinem Lebenswandel gemäß in eine erzieherische Maßnahme. Aber zum einen litt eigentlich meine schulische Leistung gar nicht darunter. Ich war top am Ball, und wichtige Arbeiten nahm ich immer wahr.

Nur der Grund, warum ich letztendlich in ein Heim für Schwererziehbare kam, das war sehr ungerecht. So empfinde ich noch heute.

 

Anmerkung:

Leider erlaubt diese Programmsoftware keine Fußnoten und auch keine Hyperlinks mehr. Das ist äußerst ärgerlich für die Leser wie für mich. Da ich meist mit Fußnoten arbeite, habe ich einen erheblichen Mehraufwand mit einer Extra-Numerierung und die Leser können die Fußnoten nur über das Extra-PDF erreichen und dort hoffentlich auch anklicken, soweit Hyperlinks angegeben sind.

Ich verzichte in Zukunft darauf, den jeweiligen Artikel auch als PDF anzubieten und verweise auf die geplante Gesamtedition dieser Biographie, die dank Fußnoten und Hyperlinks hier im Blog nur noch als PDF darzustellen sein wird.

Aus denselben Gründen gibt es das Inhaltsverzeichnis nur noch als PDF.

Ich bitte die Leser, diese Umständlichkeit zu tolerieren. Auch ich bin von der Veränderung überrascht und not amused.

Fußnoten  21 – fußnoten
Inhaltsverzeichnis  21 Inhaltsverzeichnis

 

 

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»Wenn der Richter das gelesen hätte, dann hätten Sie keine zehn Jahre gekriegt.« XII

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Der Ausreis(ß)ende

oder

Eine Kindheit,

die keine Kindheit war

Zwölftes Kapitel

Ihr Lächeln wurde um noch eine Nuance freundlicher. Süßer!

Ihr Armleuchter! dachte ich nur. Ich wusste ganz genau in welche Richtung ich mich bewegen musste, um eine Suche nach mir scheitern zu lassen. In Leipzig, noch dazu in Zoonähe, kannte ich mich bestens aus. Ich verschwand gut sichtbar für die Erzieher im nahe gelegenen Gebüsch in Richtung Zoo. Kurz davor jedoch schlug ich in Hasenmanier einen Haken. Jetzt, vom Heimgelände aus nicht mehr sichtbar zu erkennen, ging ich auf dieses direkt wieder zu. Ich wusste von der Brücke in der Nähe. Diese überquerte ich fast zur gleichen Zeit wie die Polizei bei dem Heim eintraf. Aber damit befand ich mich auch schon in deren Rücken. Soll­ten sie mich doch im Zoo-angrenzenden Wald suchen. Das Heim war wie beschrieben am vorderen Eingang mit einer hohen weißen Mauer umgeben. Eine relativ schmale Straße führte von der Brücke her kommend dorthin. Genau gegenüber allerdings begann schon eine größere Gartenkolonie. Wie jeder weiß, kannte ich mich in Leipzigs Gartenkolonien bestens aus.

Also, während die Vopo’s sich im Heim Informationen holten, saß ich schon längst auf einem Laubendach und beobachtete von meinem Logenplatz aus die Aktivitäten der Bullen.

Sollten sie mich doch bei meiner Mutter suchen, nachdem sie mich weder im Wald noch im Zoo gefunden hätten.

Frechheit siegt, sagte ich mir.

Ich schwöre, ich hatte bis dahin weder einen Krimi gelesen, noch im Kino gesehen. Alles was ich so professionell (?) tat war einfach nur eine Eingebung aus dem Moment geboren. Ein guter Schlagballwerfer hätte ohne weiteres einen Ball von „meiner Laube“ aus über die Heim­mauer werfen können. Nachdem die Polizei wieder abgezogen war, um die Suche nach mir aufzunehmen, kroch ich vom Laubendach herunter, um mich auf einem Sofa in der Laube selbst von meinen Strapazen zu erholen. Von meiner letzten Flucht (Berlin, Sie erinnern sich?) hatte ich immer noch einen Notgroschen bei mir. Zwischen den Knöpfen meines Hosen­schlitzes hatte ich einen kleinen Einschnitt mit einer Rasierklinge gemacht und in dieser so entstandenen Tasche hatte ich 20 Mark versteckt. Das hatte ich von je her bei jeder meiner Hosen gemacht und war so somit durch alle Filzen gekommen. Frechheit siegt, sagte ich mir, und ging abends gegen 21 Uhr einfach in ein Restaurant und gab meine Bestellung auf. Moch­ten die anwesenden Gäste denken was sie wollten. Ich hatte Kohldampf! Übrigens hatte ich solche Restaurantbesuche gemacht, ohne jegliche Beanstandung noch zu den guten Zeiten, wenn meine Geschäfte mal wieder gut gelaufen waren. Ich war dann ins Theater gegangen, hatte mir, ich weiß gar nicht mehr wie oft, den Diener zweier Herren[1] angesehen, sowie Egmont[2] oder Hamlet. Niemals erregte ein 11-13 jähriger besonderes Aufsehen, wenn er nach der Theatervorstellung (ca.23 Uhr!) noch in einem Restaurant auftauchte.

Man säuft eben kein Bier während der Arbeit.

Vor genau diesem Lokal stand am nächsten Morgen, als ich mich auf dem Laubensofa gut ausgeruht, und im Bewusstsein meiner Freiheit auf dem Weg zu meiner Schwester machte, ein Brauereiauto. Der Fahrer hatte dummerweise, aber nur für ihn selbst dummerweise, während er im Lokal sein verdientes Trinkgeld vom Wirt in Form eines Bierchens gleich vertrank, welches ich ihm natürlich von Herzen gönnte, also, er hatte die Fahrertüre offen gelassen. Nein, nicht nur nicht abgeschlossen meine ich damit, sondern richtig weit offen gelassen. So sah ich an der Rücklehne seines Fahrersitzes eine größere Tasche hängen. Ähnlich wie sie die damals noch kassierenden Straßenbahnschaffner trugen[3]. Darin waren, wie ich aber erst später feststellte, erstmal musste ich mir die Tasche greifen und ein Stück damit weg sein, darin waren alle Einnahmen der Tour, die er bisher abgefahren hatte. Ein­schließlich der Lieferscheine der noch zu beliefernden Kunden. Mit dem Geld konnte ich schon etwas anfangen, Lieferscheine aber brauchte ich nicht. Wollte ja auch nicht seine weitere Arbeit behindern. Nachdem ich das Geld fein säuberlich auf meine Taschen verteilt hatte, brachte ich die für mich aber nicht für den Fahrer nutzlos gewordene Tasche wieder zum Auto zurück. Er wird sich wahrscheinlich beim nächsten Kunden gewundert haben, dass noch alles in seiner Tasche war, nur eben das Geld fehlte. Sollte er sich doch seinen Kopf darüber zerbrechen, wie das möglich war. Man säuft eben kein Bier während der Arbeit. Schon gar nicht, wenn man auch noch Auto fahren muss. Sollte er das eben als Bußgeld dafür verbuchen. Er hätte sich das Trinkgeld ja anders geben lassen können, um es dann nach Feier­abend zu verprassen. Wo doch soviele Ganoven in der Welt herumlaufen, lässt man doch nicht einfach sein Geld so offen im Auto rumhängen. Du mein Bierfahrer hattest dein Auto in Gegenrichtung zum Verkehr und halb auf dem Bürgersteig stehend geparkt. Alles Verkehrs­ver­gehen, die ein Bußgeld erfordern. Ich jedenfalls auf dem Trottoir gehend kam an deinem Auto kaum vorbei. Die offenstehende Wagentüre versperrte mir den Weg vollends. Was hast du dir nur dabei gedacht? Ich musste ja zwangsläufig auf deine Geldtasche aufmerksam wer­den. Dieser Einladung konnte ich nicht widerstehen. Du wirst es schon irgendwie verkraftet haben, wie ich, dem man sein Auto im Laufe der Zeit mehrmals aufgebrochen und ausgeraubt hat. Vielleicht war es ja sogar einer deiner Söhne. So wäre dann eben ausgleichende Gerech­tig­keit geschehen.

Meine Schwester war zwischenzeitlich unweit meiner Mutter in eine eigene Wohnung gezo­gen. Sie war mit einem Leutnant der NVA[4] verheiratet und hatte auch schon zwei Kinder. Wir waren eine Familie, in der Zusammenhalt noch groß geschrieben wurde. Die Kriegs – und Nachkriegszeiten, die wir auf der Flucht gemeinsam durchgemacht hatten, verbanden uns sehr stark. Ihr Mann sah es natürlich nicht besonders gerne, dass ich mich bei ihnen aufhielt, bes­ser gesagt versteckte. Soviel ich mitbekam, drohte meine hübsche Schwester ihm mit Liebes­entzug im Falle, dass er sich gegen ihren Bruder stellen würde. Er machte gute Mine zum bösen Spiel und beließ es dabei. Seiner Karriere hat es nicht geschadet. Als ich 1990 bei ihm in Leipzig zu Besuch war, hatte er es jedenfalls bis zum ABV[5] geschafft. Genau in Reudnitz, dem Stadtteil, wo er mich damals immer beherbergen musste, wenn ich mal wieder „Urlaub“ aus einem Heim genommen hatte.

Jetzt komme ich etwas durcheinander. Ich glaube die NVA gab es 1953 noch gar nicht[6]. Es muss wohl die KVP, die Kasernierte Volkspolizei[7] gewesen sein, deren Uniform und Rangab­zeichen er damals trug. Nur, mein Schwager war nicht kaserniert. Er ging am Morgen zum Dienst aus dem Haus und kam am Abend wieder. Jedenfalls war ich in der Wohnung meiner Schwester so sicher wie in Abrahams Schoß. Meine Mutter ergriff trotzdem immer besondere Vorsichtsmaßnahmen bevor sie mich besuchte. Erst wenn sie sich sicher war, nicht verfolgt worden zu sein, kam sie in die Wohnung meiner Schwester und schloss mich weinend in ihre Arme.

Tagsüber war ich sowieso immer auf Trebe[8], ging meinen Geschäften bei den Russen nach. Ich konnte tun und lassen was ich wollte. Fernsehen hielt einen zu damaligen Zeiten noch nicht von nützlichem Tun ab. Ich las viel. James Cook[9], „Mit vollen Segeln um die Welt“, hatte es mir besonders angetan. Mein Gott, dass war Freiheit und Abenteuer pur.

Ganoven sind der Polizei immer einen Schritt voraus.

Ansonsten war ich immer in Action. Die Polizei schien es zu nerven, dass sie mich nicht aufgreifen konnte. Jetzt durchsuchten sie auch schon regelmäßig Keller und Dachboden bei meiner Mutter. Sogar nachts standen sie sich ihre Plattfüße noch platter vor Mutters Haus. Sollen sie doch, dachte ich mir, wenn meine Mutter davon berichtete. Meine Mutter kam nun langsam zu der Einsicht, dass es wohl das Beste sei, wenn ich mich in den Westen zu meinem Vater absetzen würde. Ich bekam von Mutter auch noch einen Tipp, wie das zu bewerk­stelli­gen sei. Aber noch bevor ich von diesem Tipp Gebrauch machen konnte (vorläufig!) trat etwas ein, was meine Zukunftspläne wieder einmal zunichte machte. Bei der Zivilpolizei war eine kleine findige Person, die meine Akten anscheinend gut studiert hatte, auf einen besonde­ren Dreh gekom­men, wie man meiner habhaft werden konnte. Ich sage ja immer, die Ganoven sind der Polizei immer einen Schritt voraus. Die Polizei kann zunächst immer nur reagieren. Irgendwann jedoch lernen auch die dazu. In meinem Fall war es eine weibliche Person, die sich meine Akten etwas genauer angesehen hatte. Hatte auch folgerichtig ihre Schlüsse gezo­gen. Deswegen war ich dann auch eines Tages ganz schön überrascht, als mir in der Nähe des Rathauses, ich war gerade mit einem russischen Offizier am Verhandeln, jemand eine Hand auf die Schulter legte. Eine weibliche Stimme, wirklich sehr freundlich, sagte: „So Mischa (das war mein Spitzname bei den Russen), dann wollen wir mal!“ Der Offizier, der brennend daran interessiert war, etwas durch mich zu erwerben, was es nur in Leipzig zu erwerben gab, dafür war er schließlich eigens von Wittenberge nach Leipzig gereist, wollte es nicht wahr haben, dass mich diese freundliche Person einfach von seiner Seite zog. Ich brauchte ihm auch gar nicht zu dolmetschen, weswegen man unser Geschäft platzen ließ. Die weibliche Zivil­polizistin wies sich als solche aus und sprach dabei ebenso gut russisch wie ich auch. Der Offizier zog notgedrungen den Schwanz ein, als er mit dem Polizeiausweis konfrontiert wurde. Schließlich wusste er, dass der Erwerb von französischem Samt oder Schweizer Uhren etc. illegal war.

Ich bedauerte es genauso wie der Russe, dass aus unserem Geschäft nichts mehr wurde. Für die Provision, die ich bei diesem Geschäft bekommen hätte, so hatte ich mir schon im stillen ausgerechnet, hätte meine Mutter länger als eine Woche im Akkord als Trümmerfrau arbeiten müssen. „Scheiße!“ dachte ich nur, jetzt geht die ganze Prozedur mit einer Heimeinweisung wieder von Vorne los. Freiheit Ade.

Ich feierte meine erneute Verhaftung ganz legal mit einer hübschen Frau.

Zunächst aber nahm die Festnahme zivile Formen an. Eine ganz neue Masche der Polizei? Ich dachte angestrengt darüber nach, welcher Pferdefuß dahinter stecken mochte. Wollte das Weib mich nur in Sicherheit wiegen, damit ich keinen Fluchtversuch unternahm, wobei sie sich nicht sicher zu sein schien, wer von uns beiden der schnellere war? Es gab gar keinen Pferdefuß. Ich durfte mir das Lokal aussuchen, wo die Frau mit mir in aller Ruhe über meine Probleme reden wollte. Ohne diesen polizeiüblichen bösen „du-Früchtchen- Blick“ lächelte sie auch noch bei meinem Wunsch, in Auerbachs Keller[10] gleich hinter uns in der Mädler Passage zu gehen. Da wurde doch der Hund in der Pfanne verrückt. Sanft aber bestimmt sich bei mir einhakend steuerte sie mit mir das Kellerlokal an.

In dieser Umgebung, wo ich schon des öfteren mit Offizieren diverse Geschäftsabschlüsse gefeiert hatte, fühlte ich mich besonders wohl. Ich fand es in dem Lokal besonders anhei­melnd. Wusste ich doch, dass schon Goethe hier gesessen und an seinem Faust geschrieben hatte.[11] Trotz meiner geringen Größe und meines Alters war ich doch bereits empfänglich, was die Schönheit einer Frau betraf. Diese Frau, deren Namen ich aus verständlichen Gründen nicht nennen möchte, faszinierte mich. Erstens weil sie eine Schönheit ausstrahlte, die mich in ihren Bann zog, zweitens weil die Frau mit mir zu reden verstand, mich als vollwertigen Men­schen behandelte. Ich wollte ihr Budget nicht strapa­zieren, ich hatte ja immerhin in der letzten Zeit wirklich gute Geschäfte abgeschlossen. Auch an diesem Tage schon vor meiner Fest­nahme. Mit hochgezogener Augenbraue, unnachahm­lich wie sie das machte, warf sie mir einen prüfenden Blick zu, und erklärte sich schließlich bereit, sich von mir einladen zu lassen. Ich ließ so ziemlich das Beste auffahren, was das Restaurant zu bieten hatte. Bald schon, so glaubte ich, würde ich mich wieder mit der eintönigen Heimkost begnügen müssen. Also feierte ich ganz legal meine erneute Verhaftung mit einer für meine Begriffe hübschen Frau.

Wie? Noch nie etwas von einem Mini-Playboy gehört? Mit Galgenhumor sagte ich ihr, dass dies wohl wieder einmal meine Henkersmahlzeit sein würde, bevor es wieder an den Einheits­fraß in irgendeinem Heim ging. Da legte dieses Wesen von einer Frau mir doch, wie ich es später noch oft in Filmen sehen sollte, eine Hand auf die meine: „Es wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird, Mischa! Es ist richtig, dass wir dich gesucht haben, aber wir haben dennoch ein Problem mit dir. Wir können vorerst kein Heim für dich finden, welches bereit wäre dich aufzunehmen!“ Na, dass war doch mal eine gute Nachricht, schoss es mir durch den Kopf. „Frei rumlaufen, bzw. bei deiner Mutter, die offensichtlich keine Macht über dich Rumtreiber ausüben kann, können wir dich aber auch nicht lassen!“ schickte sie aller­dings gleich einen Dämpfer hinterher. So jetzt kam wohl auch gleich der Pferdefuß zum Vor­schein. Ich schluckte. Ich muss gestehen, mir wurden die Augen feucht. Sie müssen wissen, dass ich trotz des widersprüchlichen Lebens eine sensible Ader habe. Ihr Lächeln wurde um noch eine Nuance freundlicher. Süßer!

Nur selten, dass man mich sprachlos erlebte. Der Frosch in meinem Hals war diesmal schuld daran. Die Frau verstand es, auf meine Stimmung einzugehen. Sie ließ mir etwas Zeit bevor sie fortfuhr. Wie sie so meine Hand in der ihren hielt und mit dem Daumen meinen Hand­rücken streichelte, ging es mir bald wieder besser. Nur mein Herzklopfen blieb. Woher dieses Herzklopfen herrührte? Weiß der Teufel. Mephisto möge mir verzeihen. Dieser stand ja gleich vor dem Abgang zu diesem Restaurant. Allerdings nur in Bronze.[12] Aber wer konnte schon wissen … wenn man den Teufel anrief?!

Die Frau erklärte mich für verrückt, als ich ihr meinen Wunsch, mein Bedürfnis vortrug. Als Erwachsene, erst recht als Polizistin, hatte sie strickt etwas dagegen zu haben. Als Mensch aber, der sich in meine Lage versetzen konnte, drückte sie ein, nein beide Augen des Gesetzes zu. Sie selbst orderte beim Ober. Als dieser das Glas brachte, stürzte ich die 100 Gramm Wodka in einem Zuge, wie ich es bei den Russen gelernt hatte, hinunter. Ein anerkennender Blick meines Gegenübers ging mir durch Mark und Bein. Oder war es doch nur der Wodka, der heiß durch meine Adern floss? Stilgerecht stopfte ich zwar gleich ein Stück Weißbrot hinter­her, welches angeblich den Alkohol aufsaugen sollte damit er nicht so schnell ins Blut über­ging, wie man mir beigebracht hatte. „Ich verstehe gar nicht, warum du so aufgeregt bist. Du hast doch gar keine Veranlassung dazu. Hör doch erstmal, was ich dir zu sagen habe,“ beruhigte sie mich, als gerade der Hauptgang – Wildschweinkeule mit Preiselbeeren serviert wurde[13]. Ein zünftiger Rotwein gehörte natürlich zu solch einem Essen. Was auch von der Polizistin akzeptiert wurde. Schade, dass sie während des Essens ihre Hand von der meinen nehmen musste. Diese Geste hatte so ein nie dagewesenes angenehmes Gefühl in mir erzeugt. Schon vor dem Wodka war es mir dabei ganz warm ums Herz geworden. Keineswegs mit der tröstenden Hand meiner Mutter zu vergleichen. Nein. Ein ganz anderes Gefühl hatte mich dabei beschlichen. Das vorhergegangene Forellenfilet – in Auerbachs Keller und der Messestadt Leipzig gab es so etwas! – hatte den Hunger gerade mal so eben angekratzt. Jetzt während mein Gebiss dem Wildschwein den Garaus machte und sich mein Magen zu füllen begann (bei vollem Magen verhandelt es sich bekanntlich besser), kam die Frau mit ihrem Vorschlag heraus, den sie mir zu machen hatte. „Mischa, ich habe schon mit meinem Mann gesprochen, er ist übrigens auch bei der Polizei, („Aha!“) und wir haben uns folgendes überlegt …

Fußnoten

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Diener_zweier_Herren

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Egmont_(Goethe)

[3] Wer’s nicht mehr kennt, so sahen die aus:        strasenbahnertasche

[4] Nationale Volksarmee https://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Volksarmee

[5] Abschnittsbevollmächtigter https://de.wikipedia.org/wiki/Abschnittsbevollm%C3%A4chtigter

[6] Stimmt. „Die Nationale Volksarmee (NVA) war von 1956 bis 1990 die Streitkraft der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).“ https://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Volksarmee

[7] „Die Kasernierte Volkspolizei (KVP) war der militärische Vorläufer der Nationalen Volksarmee der DDR.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Kasernierte_Volkspolizei

[8] Hier nur im Sinne von „sich herumtreiben“ http://umgangssprache_de.deacademic.com/26403/Trebe

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/James_Cook

[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Auerbachs_Keller

[11] Faust, In Auerbachs Keller: Uns ist ganz kannibalisch wohl, als wie fünfhundert Säuen!

[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Auerbachs_Keller#/media/File:Auerbachs_Keller_Bronzegruppe_Faust.jpg

[13] Schulz: (hatte ich aus Rache für die Jagd bestellt, welche seine Verwandtschaft auf mich veranstaltet hatte, als ich sie vom Kartoffelacker vertreiben wollte.)

 

Was gab’s bisher?

Editorische Vorbemerkung – https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/06/25/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt/

https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/06/00-editorische-vorbemerkung.pdf

 

Kapitel 1, Die Ballade von den beschissenen Verhältnissen – oder – Du sollst wissen, lieber Leser: Andere sind auf noch ganz andere Weise kriminell – und überheblich.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/07/29/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-erstes-kapitel/

https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/07/01-erstes-kapitel.pdf

 

Kapitel 2, In Dönschten, am Arsch der Welt … ach Monika!

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/08/25/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-ii/https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/08/02-ach-monika.pdf

 Kapitel 3, Weiter im Kreislauf: Heim, versaut werden, weglaufen, Lage verschlimmern.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/09/28/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-iii/

https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/09/03-weiter-im-kreislauf.pdf

 Kapitel 4, 17. Juni 53: Denkwürdiger Beginn meiner Heimkarriere

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/10/24/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-iv/

04-beginn-meiner-heimkarriere-17-juni-53_2

Kapitel 5, von Heim zu Heim

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/11/21/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-v/

PDF: 05-von-heim-zu-heim

 Kapitel 6, Wieder gut im Geschäft mit den Russen

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/12/09/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-vi/

06-wieder-gut-im-geschaft-mit-den-russen

 Kapitel 7, Lockender Westen

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/01/04/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-vii/

PDF 07-lockender-westen

Kapitel 8, Berlin? In Leipzig lief’s besser.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/01/09/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-viii/

PDF: 08-berlin-in-leipzig-liefs-besser

Kapitel 9, Aber nun wieder zurück nach Berlin

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/01/17/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-ix/

PDF: 09-aber-nun-wieder-zuruck-nach-berlin

Kapitel 10, Bambule

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/02/02/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-x/

PDF: 10-bambule

 Kapitel 11, Losgelöst von der Erde jauchzte ich innerlich vor Freude

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/02/06/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-xi/

PDF: 11-losgelost-von-der-erde

 Kapitel 12, Ihr Lächeln wurde um noch eine Nuance freundlicher. Süßer!

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/02/07/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-xii/

PDF: 12-suser

Wie geht es weiter?

Kapitel 13, Von Auerbachs Keller in den Venusberg

 

»Wenn der Richter das gelesen hätte, dann hätten Sie keine zehn Jahre gekriegt.« XI

logo-moabit-kDieter Schulz

Der Ausreis(ß)ende

oder

Eine Kindheit,

die keine Kindheit war

 

Elftes Kapitel

Losgelöst von der Erde jauchzte ich innerlich vor Freude

Fast drei Jahre lang hatte ich der Leipziger Polizei ein Rätsel aufgegeben. Dabei hatten sie den so fieberhaft Gesuchten schon einige Male in ihren Händen gehabt. Aber ich will nicht vorgreifen, bzw. zurückgreifen auf die Zeit vor dem 17. Juni, meiner Verhaftung. Von Dresden (Moritzburg) nach Leipzig ging es diesmal bedeutend schneller. Wir brauchten unterwegs ja auch nicht mehr alle Nase lang anhalten und Holz in den Ofen werfen. Auf dieser Fahrt hatte ich die Sächsische Schweiz zu meiner Rechten und die Meißner Burg zur Linken. Die Gegend in Leipzig, wo wir dann schließlich vor einem für meine Begriffe schicken Gebäude anhielten, kam mir sehr bekannt vor. Richtig, gar nicht weit davon entfernt war ja der Leipziger Zoo. Niemals hätte ich vermutet, dass sich hinter dieser überdimen­sio­nalen hohen Mauer, ganz in Weiß wie das dahinterliegende Haus, ein Kinderheim verbergen könnte.

Meine Akte musste mir schon vorausgeeilt sein. Ohne dass meine Begleiter viel Worte mach­ten, wurde ich ziemlich frostig in Empfang genommen. Mit einem „Na, du Früchtchen-Blick“ wurde ich übernommen. „Auch dich werden wir kirre kriegen!“ mit diesen Worten wurde ich in eine kleine Dachkammer gesperrt. Innerlich musste ich denen schon Recht geben. Es war eine Strafe für mich, so isoliert von allen anderen die langen Tage zu verbringen. Ich erdrei­stete mich nach einem Buch zu fragen.

„Du ? Ein Buch? Du musst erstmal zur Besinnung kommen, in dich hineinhorchen. Damit hast du genug zu tun!“ wurde ich mit meinem Begehren schroff abgewiesen.

Eine uralte Zeitung fand ich dann unter der Matratze. Was ich da las, kannte ich schon vom Museum im Leipziger Rathaus her. Es ging in einem der Artikel darum, der friedliebenden DDR-Bevölkerung aufzuzeigen, welche Barbaren doch die Amerikaner seien. Hatten sie dem armen koreanischen Volke nicht die Kartoffelkäfer beschert? Bombenähnliche Hohlkörper waren im Museum zu sehen und Bilder mit abgefressenen Kartoffelstauden. Diese Bomben hatten angeblich die bösen amerikanischen Bomberpiloten über Koreas Äcker abgeworfen. Im Geographieunterricht hatte ich zwar gelernt, dass in der dortigen Region Reis die Hauptnah­rung sei, aber wer würde sich schon über solche Kleinigkeiten aufregen? Hauptsache war doch, dass man den bösen Amis wieder eine frevelhafte Tat unterjubeln konnte. Außer diesem und anderen weitaus schwerer verständlichen Artikeln hatte ich nichts, womit ich mich hätte ablenken können. Von meinem winzigen Dachkammerfenster aus hörte ich in den Schulpau­sen[1] draußen manchmal die Kinder toben. Wenn ich Glück hatte erhaschte ich auch mal einen Blick auf eines der Kinder, wenn sie sich ganz in der Nähe der Mauer aufhielten. Das Haus selbst schloss genau mit der etwa 5 Meter hohen Mauer ab. Außer gelb und rot werdenden Laubbäumen gab es für mich nichts weiter zu sehen.

Ich wollte von allem etwas lernen, um später einmal ein guter Erwachsener zu werden.

Dreimal am Tage bekam ich einen Erzieher oder Erzieherin zu Gesicht. Nur um mir das Essen reinzureichen wurde die Türe kurz geöffnet. Morgens und abends jeweils zwei Scheiben Brot mit an dem Gaumen kleben bleibender Braunkohlemargarine[2] bestrichen und dem obligato­rischen Malzkaffee. Erbswurstsuppe wechselte sich mit Steckrüben oder Kohlsuppe ab. Die Kohlsuppe z.B. war derart eingebildet, dass sie einen noch nicht einmal mit einem Fettauge anguckte. Immer wenn es Kartoffeln gab wusste ich, dass Sonntag war. Dazu ein Stück Bauch­fleisch oder eine Frikadelle. Der Nachtisch: eine Scheibe angebratnes Stück Weißbrot, etwas Vanillesoße drüber rundeten das Sonntagsessen ab. Ich war glücklich, als ich eines Tages außen auf dem Fenstersims versteckt einen Stummel Kopierstift fand. Damit hielt ich meinen Geist auf Trab. Ich begann Zahlen zu addieren, subtrahieren und dividieren. Das alles machte ich an der ölgestrichenen Wand. Wahrscheinlich bin ich heute noch so gut im Kopfrechnen.

Nach drei Wochen wurde ich zum ersten Mal aus meiner Abgeschiedenheit herausgeholt. Ich wurde einem vierköpfigen Lehrerkollegium vorgeführt. Dieses sollte prüfen, ob ich nach dem langen Schulausfall in der Lage wäre, mit dem Stoff der 6. Klasse mithalten zu können. Von der sechsten Klasse hatte ich ja noch nicht einen einzigen Tag Schule mitbekommen. Schon in der fünften Klasse hatte ich maximal an der Hälfte der vorgeschriebenen Schultage teilge­nom­men, und dennoch ein Versetzungszeugnis erhalten. Also an den Fehltagen der sechsten Klasse trug ich ja nun wirklich keine Schuld. Offensichtlich konnte ich die Pädagogen davon überzeugen, dass es sich erproben ließe, in die sechste Klasse eingewiesen zu werden. Sollte sich mein Niveau nach der Hälfte des Schuljahres nicht bestätigen lassen, so drohte man mir an, mich wieder in die fünfte Klasse zurück zu versetzen. Mir sollte das recht sein.

Im Gegensatz zu den Heimen, die ich bisher kennengelernt hatte (Westberlin-Aufenthalt ausgenommen), war hier alles picobello sauber und adrett. Schlafräume nur mit 4 oder 6 Jungs belegt. Sogar richtige Duschräume gab es hier. Solch einen Luxus hatte ich ja noch nicht einmal Zuhause gehabt. Dort wurde am Samstag noch die Zinkbadewanne mit Wasser gefüllt, wo wir dann alle drei (meine Schwester, meine Mutter und ich) nacheinander unser wöchentliches Vollbad nahmen.

Das Kämpferherz entschied einen Kampf.

Einiges musste bei meinen neuen Heimkollegen schon durchgesickert sein was meine Person betraf. Irgendwie wurde ich mit einer gewissen Ehrfurcht angesehen und auch so behandelt. Dafür stellten Erzieher wie auch Lehrer besondere Ansprüche an mich. Das störte mich aber keineswegs. Ich war ja von Haus aus lern- und wissbegierig. Ich wollte von allem etwas lernen, um später einmal ein guter Erwachsener zu werden. Putzen und Bohnern, Strümpfe stopfen und Sachen flicken, oder ob ich nun dran war: das Scheißhaus, der Gemeinschafts­raum, oder etwas anderes, – ich ließ mich nicht erschüttern. Wenn man in meinem frisch gemachtem Bett noch eine Falte vorfand und das ganze Bett wieder auseinander riß, was sollte es? Ich baute es nochmal, und nochmal! Bei solch kleinlichen Schikanen vergaß ich ganz meine Hasskappe aufzusetzen. Einem der etwas größeren Jungen ging es gegen den Strich, dass ich nun der Hahn im Korb war. Auch wegen der Mädchen. Von denen ich manchmal solche Zettelchen zugesteckt bekam, wo dann drauf stand: „Willst du mit mir gehen?“ Der Bursche begann seine Körpergröße und Kraft gegen mich auszuspielen. Ich wollte eigent­lich nur meine Ruhe haben und mich ganz auf meine neuerlichen Fluchtpläne konzen­trieren. Dabei konnte ich es mir nicht leisten bei den Erziehern unliebsam aufzufallen. Diese hatten sich schon etwas einschläfern lassen und glaubten nun schon fast selbst nicht mehr daran, dass ich so gefährlich sei, wie es aus meinen Akten hervorging. Je mehr ich diesen Kraftprotz links liegen ließ, desto wütender wurde der. Er glaubte anscheinend, dass ich zu feige sei es mit ihm direkt aufzunehmen. Er hänselte und schubste mich sobald ich in seine Nähe kam. Wenn möglich am liebsten, wenn Zeugen in der Nähe waren. Das alles aber ging mir kalt am Arsch vorbei. Ich hatte meine eigenen Pläne, die ich nicht gefährden wollte. Es kann den Ruhigsten dann doch mal was aus der Fassung bringen. Hatte ich mir schon genug von den Erwachsenen gefallen lassen müssen, so musste ich mir nicht auch noch von einem etwa Gleichaltrigen, bloß weil er einen Kopf größer und um einiges schwerer war, wehtun lassen. Vor diesem Bengel ging mir nun doch jeder Respekt ab, den ich vor Erwachsenen immer noch hatte. Nachmittags, draußen auf dem Hof beim Fußballspielen wurde der Kerl auch noch saurer auf mich, bloß weil ich etwas wendiger als er war, ihn ausgedribbelt hatte und mit dem Ball an ihm vorbeizog. Er lief hinter mir her, nahm mich ganz unsportlich in den Schwitzkasten. Wie man sich aus so etwas befreit hatte ich vom Mann meiner Schwester, der Offizier bei der NVA war, gelernt. Ein Fuß hinter dem seinen verhakelnd griff ich ihm urplötzlich fest in die Eier. Seine Arme ließen ganz schnell meinen Hals frei. Um meinem unsanften Griff zu ent­gehen machte er einen Schritt rückwärts, und fiel prompt auf seinen Allerwertesten. Dass die Zuschauer auch noch darüber lachten trug nicht gerade zu seiner Wertsteigerung bei. Er rap­pelte sich wieder auf und wie ein wütender Stier griff er mich wieder an. Damit hatte ich gerechnet. Geduckt, dabei seine Fäuste wie Windflügel gebrauchend, stürzte er sich auf mich. Oder wollte es zumindest mit seinem Gewicht erreichen mich zu Boden zu werfen, wo ich natürlich der Unterlegene sein musste. Ein kleiner Sidestep, ein Griff in seine Mähne, dass Knie hochreißen, sein Nasenbein damit zertrümmern, war Sekundensache. Dafür hatte ich dann aber auch für den Rest meines Aufenthaltes in diesem Heim meine Ruhe. Ich war auch gar nicht weiter rachsüchtig gegen ihn. Bloß hin und wieder, wenn er anderen gegenüber wieder mal den starken Mann rauskehren wollte, trat ich ihm kräftig in den Arsch. Sobald er festgestellt hatte, woher der Tritt gekommen war, wurde er gleich wieder lammfromm. Nicht die Größe und das Gewicht waren bei einem Kampf ausschlaggebend. Das Herz! Das Kämpferherz entschied einen Kampf. Na ja, ein wenig Brutalität gehörte auch dazu, um dem anderen den Schneid abzukaufen. Es gibt eben Typen die nur diese Sprache verstehen. Mir sollte es recht sein. Von mir bekam jeder das was er brauchte. Ich sah einfach nicht ein, dass man sich auf meine Kosten amüsierte.

Mir wurde gleich Platz gemacht.

Der Respekt mir gegenüber bei den Kindern wuchs dann noch etwas, als sie die Bestätigung dafür bekamen, was sie vorher nur hatten munkeln hören. Eines Nachts, ich wurde richtig ungehalten über die Störung meines Schlafes, wurde ich gleich von mehreren Kindern in meinem Bett umringt. Ganz aufgeregt verlangten sie von mir, dass ich in den Dusch- und Waschraum gehen solle. In meinem nachtduseligen Kopf glaubte ich zunächst, dass man mich in eine Falle locken wolle. Da sie alle ziemlich aufgeregt durch­einander redeten, begriff ich gar nicht so schnell, worum es überhaupt ging. Ich drohte ihnen Prügel an, wenn sie mich nicht in Ruhe weiter schlafen ließen. Die aber waren viel zu aufgeregt, als dass sie sich davon abschrecken ließen. Endlich war ich ganz wach. Ich ließ mich von den Kindern in Richtung Waschraum ziehen. Ich war Baff! Da standen doch tatsächlich im Waschraum sieben über­näch­tigte Kinder wie ein einziges Häufchen Elend und ließen sich von den einheimischen Kindern verschüchtert anglotzen. Mir wurde gleich Platz gemacht, als mich die Delegation, die man eigens um mich abzuholen ausgeschickt hatte, in den Waschraum führte.

Wie war das denn möglich? Ich dachte, ich sollte nie mehr mit einem der Kinder aus dem Waldheim zusammenkommen. Und das auch noch mitten in der Nacht. Die fünf Jungen und zwei Mädchen atmeten sichtlich auf, als sie meiner ansichtig wurden. Es war doch immer wieder schön alte Freunde in der Fremde wiederzutreffen. Langsam aber wurde es eng mit den vorhandenen Heimplätzen in der DDR. Diese 7-köpfige Bagage war nur nach Leipzig gekommen, weil es ihnen auch in dem Heim, wo sie nach dem Brand hingekom­men war, nicht besonders gefallen hatte. Sie waren der Meinung gewesen, was einmal so gut geklappt hatte, wäre wiederholungswürdig. Mein erster Gedanke war: Das werden sie dir doch nun nicht auch noch in die Schuhe schieben wollen?

So wie die Erzieher und Lehrer mich am nächsten Tag anschauten, kam es mir so vor als würden sie! Na, sollten sie. Ich war inzwischen Kummer gewohnt. Ich hatte ohnehin nicht vor noch lange hier zu verweilen und noch weitere Kinder zu verderben. Ich hatte längst, allen Unkenrufen zum Trotz, einen Weg gefunden, wie ich auch hier rauskommen konnte. Über die Mauer war schier unmöglich, das stimmte. Vorgänger von mir hatten auch schon versucht, den Pförtner auszutricksen, indem man auf einen Augenblick wartete, wo der Pförtner das Tor für einen Besucher öffnete, um dann zu entwischen. Doch, wie mir schon der Eine aus meiner Dresdner Eskorte erzählt hatte, hatte es bei dem nur für ein paar hundert Meter gereicht. Ich dagegen hatte mir etwas unmöglich Scheinendes ausgedacht. Zwar mit großem Risiko behaf­tet, aber das war mir meine Freiheit wert. Hatten mich die englischen Bomben nicht umge­bracht, die russischen Tiefflieger nicht getroffen, so würde das Glück schon auch diesmal auf meiner Seite sein.

„Hallo Leute, ich möchte euch allen nur noch Tschüß sagen. Ich haue jetzt nämlich ab.“

Wurde das Grundstück an der Vorderseite durch die hohe Mauer unüberwindlich, so wurde die Rückseite von der Schwarzen Pleiße abgegrenzt. Nur ein echter Leipziger, der die Pleiße kannte, konnte ermessen, was das hieß. Brrrr. So eine stinkende Dreckskloake auf der die meiste Zeit halbmeterhoch der weiße Schaum von chemischen Abwässern schwamm. Bloß gut, dass ich hier nicht hatte den Sommer verbringen müssen. Alleine der Gestank schreckte vor einem Überqueren ab. Hinzu kam, dass sich unter dem träge dahin fließendem Wasser eine dicke Schlammschicht befand. Abgesehen davon, dass die Pleiße hier auch eine stattliche Breite von ca. 8 Metern erreichte, schien sie auch ansonsten unüberwindlich zu sein. Selbst wenn man den Ekel überwinden konnte, diese Drecksbrühe zu durchschwimmen, war wohl gewährleistet, dass man mitten im Schlamm stecken blieb. Ich konnte mir eine bessere Art, Selbstmord zu begehen, vorstellen. Aus diesem Grunde war sich die Heimleitung auch sicher, dass es erst niemand versuchen würde, über diese natürliche Grenze zu entwischen. Es wurde den Kindern ja auch immer in regelmäßigen Abständen unter die Nase gerieben, wie gefähr­lich dieser Fluss sei.

Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass eine Gefahr, die man kennt, keine Gefahr mehr darstellt. Ich war weder besonders sportlich noch musikalisch. Das musikalisch erwähne ich nur deswe­gen, weil diese beiden Fächer in der Schule meinen Notendurchschnitt enorm in Mitleiden­schaft zogen. So hatte ich in meinem letzten Zeugnis nur einen Durchschnitt von 2,2. Meine Ernährung in Kindertagen, Katzen, Frösche, Igel, Kohl und Rüben, hin und wieder auch mal ein wenig Pferdefleisch, hatte bei mir keinen besonderen Muskelaufbau bewirkt. Ich war ein leichtgewichtiger Floh. So war ich eigentlich in der Schule immer nur im Hochsprung einer der Besten. Aber das zählte nicht. Für ein Kletterseil oder Bocksprung reichte meine Armkraft bei weitem nicht. Erst bei der Bundeswehr brachte ich es auf fast allen Gebieten zu über­durch­schnitt­lichen Leistungen. Für das, was ich vorhatte, würde meine Sportlichkeit schon ausreichen. Vor allem deshalb, weil ein besonderer Wille dahintersteckte. Der Drang zur Freiheit. Mal wieder in den Armen der Mutter zu kuscheln. Meine Kraft musste ganz einfach ausreichen. Es gab nur diese eine einzige Chance von hier wegzukommen.

Zum Heimgelände gehörte auch ein Garten, der hauptsächlich von den Kindern gehegt und gepflegt wurde. Die Ernte jedoch, so erfuhr ich von den ansässigen Kindern, fuhren die Erzie­her und Lehrer ein. Was machte es da schon, wenn ich mir heimlich eine Bohnenstange stibitzte? Damit diese nicht entdeckt wurde, meldete ich mich freiwillig dazu, das gesamte Laub der Bäume, das in dieser Jahreszeit reichlich anfiel, zusammenzufegen und auf einen Haufen zu sammeln. Zwar löste es bei den Erziehern einige Überraschung aus, dass ausge­rechnet Schulz sich zu einer freiwilligen Arbeit meldete, aber damit hatte es sich auch schon. Man ließ mich gewähren. Es wurde bewilligt. Schon alleine aus dem Grunde, weil es die Jahre vorher immer auf Schwierigkeiten gestoßen war, Freiwillige dafür zu finden. Unter diesem Laubhaufen ließ sich meine eigens dafür ausgesuchte Bohnenstange vortrefflich verstecken. Dies erwähne ich nur deshalb, damit niemand auf die Idee kommt, Schulz wäre auf dem Wege der Besserung oder zu den „Radfahrern“ übergelaufen. Keine Bange, die Geschichte geht weiter! Mit anderen, kürzeren Stangen die nicht so sehr auffielen und irgendwelchen Argwohn hätten hervorrufen können, lotete ich mehrmals, in günstigen Augenblicken, die Schlammschicht der Pleiße aus. Ich machte dann auch eine Stelle aus, wo der Untergrund nicht allzu tief zu spüren war. Durch einige Gegenproben war ich mir der Sache bald sicher. Hier, und nirgendwo anders musste ich meine Stange eintauchen. An einem der letzten schönen Oktobertage des Jahres 1953 verabschiedete ich mich dann auch ganz höflich von meinen Leidensgenossen und natürlich auch von Erziehern und Lehrern, die gerade Hofdienst taten. Doch ja, ich konnte auch ein höflicher Mensch sein. Das bewies ich hiermit allen. Dabei hoffte ich inständigst und mit rasendem Herzklopfen, dass alles so verlaufen würde, wie ich es mir ausgedacht hatte. Ich hatte nur den einen Versuch. Zum Proben hatte ich keine Gelegenheit. Entweder es klappte auf Anhieb oder ich war der Blamierte. Vielleicht aber ersoff ich auch nur ein wenig in diesem Pleißeschlamm. Alles war mir lieber, nur nicht mehr dieses Heimleben! Unter dem schön aufgeschichteten Laubhaufen, der etwas abseits vom Pausenhof lag, zog ich meine Bohnenstange hervor, winkte und rief den verdutzt herüberstarrenden zu: „Hallo Leute, ich möchte euch allen nur noch Tschüß sagen. Ich haue jetzt nämlich ab. Ich finde dieses Heim wie alle anderen zum Kotzen!“ Schon das „Hallo Leute!“ hatte ich laut genug gebrüllt, um mir selbst Mut zu machen, und damit ich auch sicher sein konnte, dass mich alle hören konnten. Alle hielten in ihrer jeweiligen Beschäftigung inne. Alle starrten zu dem Verrückten rüber. Auch die beiden Erzieher und der Lehrer des Hofdienstes. Ich glaube ein mitleidiges Grinsen in ihren Gesich­tern noch erkannt zu haben, bevor ich die Stange zur Hand nahm. Ich hatte nie mehr die Gelegenheit danach zu fragen, was sie bei meiner Ankündigung genau gedacht hatten. Ich hatte etwa 40 Meter Vorsprung. Die Erstarrung ausnutzend, die meine Ansprache – Abschieds­worte – hervorgerufen hatten, griff ich mir meine Stange fester und … nahm Anlauf. Wie eine Hochsprungstange richtig angefasst wurde, hatte ich mir genau gemerkt, als uns mal ein Film der Spartakiade[3] vorgeführt worden war und wo bei mir die Idee geboren wurde, auf welchem Wege ich auch dieses Heim verlassen könnte.

Meinen Anlauf beschleunigend hatte ich nur den einen Gedanken: Nur ja nicht die richtige Stelle verfehlen, wo der Stab ins Wasser getaucht werden musste. Nur ganz verschwommen nahm ich das Gejohle meiner Mitschüler/innen wahr. Mir ist nicht erinnerlich, ob auch Erzieher und Lehrer in dieses Gejohle eingestimmt haben. Ich traf die richtige Stelle. Wie aufgezogen, mich am Stab festklammernd, wurde ich in die Höhe gezogen. „Das geht ja fast wie von selbst!“ dachte ich bei mir. Ich fühlte mich für Sekunden wie beschwingt als ich spürte, dass ich sicher am anderen Ufer anlangen würde. Losgelöst von der Erde, was ja im wahrsten Sinne des Wortes auch stimmte, jauchzte ich innerlich vor Freude. Einerseits weil ich mich der Freiheit näher fühlte, zum anderen weil ich allen anderen wieder mal ein Schnippchen geschlagen hatte. Dieses Gefühl des Triumphes kostete ich dann auch noch richtig aus. Ich landete gar nicht mal so unsanft auf dem gegenüberliegenden Ufer, drehte mich um, stieß beide Fäuste in die Luft und brüllte (was, weiß ich nicht mehr, sofern ich mich überhaupt selbst hörte, weil mein Herz so sehr pochte) meinen Frust heraus, der von mir abgefallen zu sein schien. Die teils blöd dreinschauenden, teils lachenden Gesichter werde ich wahrscheinlich mein Leben lang nicht vergessen, die ich dort auf der anderen Seite des Flus­ses zurück ließ. Die Kinder winkten mir größtenteils freudig erregt zum Abschied, während das erboste Personal lautstark verlangte, dass ich zurückkäme.

Fußnoten

[1] Schulz: (Die Schule war im Heimgebäude integriert, wie fast in allen Heimen.)

[2] Funktionieren müsste das Ganze folgendermaßen: Mittels Kohlevergasung wird aus glühender Kohle und Wasserdampf Synthesegas (Kohlenmonoxid und Wasserstoff) gewonnen. Aus dem Synthesegas gewinnt man mittels des Fischer-Tropsch-Verfahrens Kohlenwasserstoffe (Mineralöl ). Denen wird eine Carboxylgruppe verpasst. Durch Veresterung von Glycerin mit den Fettsäuren (=Monocarbonsäuren) bekommt man ein Fett (Margarine) Guten Appetit http://www.chefkoch.de/forum/2,52,236032/Butter-aus-Kohle.html

[3] Die Kinder- und Jugendspartakiaden waren in der Deutschen Demokratischen Republik … regelmäßig veranstaltete Sportwettkämpfe. Sie sollten Kinder und Jugendliche zu regelmäßiger sportlicher Betätigung anhalten, dienten aber auch der frühzeitigen Erkennung potenzieller Leistungssportler. https://de.wikipedia.org/wiki/Kinder-_und_Jugendspartakiade

 Was gab’s bisher?

Editorische Vorbemerkung – https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/06/25/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt/

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Kapitel 1, Die Ballade von den beschissenen Verhältnissen – oder – Du sollst wissen, lieber Leser: Andere sind auf noch ganz andere Weise kriminell – und überheblich.

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https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/07/01-erstes-kapitel.pdf

Kapitel 2, In Dönschten, am Arsch der Welt … ach Monika!

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 Kapitel 3, Weiter im Kreislauf: Heim, versaut werden, weglaufen, Lage verschlimmern.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/09/28/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-iii/

https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/09/03-weiter-im-kreislauf.pdf

 Kapitel 4, 17. Juni 53: Denkwürdiger Beginn meiner Heimkarriere

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04-beginn-meiner-heimkarriere-17-juni-53_2

Kapitel 5, von Heim zu Heim

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/11/21/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-v/

PDF: 05-von-heim-zu-heim

 Kapitel 6, Wieder gut im Geschäft mit den Russen

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/12/09/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-vi/

06-wieder-gut-im-geschaft-mit-den-russen

 Kapitel 7, Lockender Westen

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/01/04/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-vii/

PDF 07-lockender-westen

Kapitel 8, Berlin? In Leipzig lief’s besser.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/01/09/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-viii/

PDF: 08-berlin-in-leipzig-liefs-besser

Kapitel 9, Aber nun wieder zurück nach Berlin

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/01/17/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-ix/

PDF: 09-aber-nun-wieder-zuruck-nach-berlin

Kapitel 10, Bambule

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/02/02/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-x/

PDF: 10-bambule

Kapitel 11, Losgelöst von der Erde jauchzte ich innerlich vor Freude

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/02/06/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-xi/

 PDF: 11-losgelost-von-der-erde

Wie geht es weiter?

Kapitel 12, Ihr Lächeln wurde um noch eine Nuance freundlicher. Süßer!