Dierk Schaefers Blog

Der liebe #GOtt sieht alles – und #GOogle auch

Posted in Gesellschaft, Theologie, Wirtschaft by dierkschaefer on 4. Mai 2014

Ein déjà vue! Shoshana Zuboff schreibt unter der Überschrift Die Google-Gefahr – Schürfrechte am Leben über die Bedrohung, die von der Gestaltung unserer Lebenswelt durch Organisationen wie besonders Goggle ausgehen, noch dazu im Fall Google im Verbund mit der NSA[1]. Der Artikel ist lesenswert, obwohl der informierte Zeitgenosse das Szenario inzwischen weitgehend kennt.

»Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Wir erleben das Entstehen absoluter Macht. Die Internet-Giganten, Google an der Spitze, übertragen ihre radikale Politik vom Cyberspace auf die reale Welt. Sie werden ihr Geld damit verdienen, dass sie die Realität kennen, kontrollieren und in kleinste Stücke schneiden.« Sie schreibt weiter, der ehemalige NSA-Direktor Mike McConnell habe gesagt, „Jüngste Berichte über eine mögliche Partnerschaft zwischen Google und der Regierung verweisen auf gemeinsame Anstrengungen – und gemeinsame Herausforderungen –, die wir in der Zukunft wahrscheinlich erleben werden. Der Cyberspace kennt keine Grenzen, und unsere Verteidigungsanstrengungen müssen ebenso grenzenlos sein.“

Professor Alex Pentland meint, es bedürfe eines „exponentiellen Wachstums der Daten über menschliches Verhalten“. … die immer größere Zahl der Sensoren, Mobiltelefone und sonstigen Datenerfassungsgeräte werde bald die „Augen und Ohren“ eines „weltumspannenden lebenden Organismus“ bilden.“ „Verteilte Sensornetze“, so meint er, ermöglichten eine „göttliche Perspektive auf uns selbst. Zum ersten Mal können wir das Verhalten einer großen Zahl von Menschen aufzeichnen, während sie ihr alltägliches Leben führen.“… Es geht nicht nur darum, alles zu sehen wie Gott; es geht um eine gottgleiche Macht, die Realität zu gestalten und zu kontrollieren.

 

Ein déjà vue?

Ja, ich hatte das Thema schon einmal kurz erwähnt[2] und geschrieben, daß vor ca. 15 Jahren mich der landeskirchliche Datenschutzbeauftragte, ein Jurist, nach einer biblischen Begründung für den Datenschutz fragte. Das kommt in der Bibel nicht vor, sagte ich. Man könne allenfalls daran anknüpfen, daß Gott, wie wir ihn uns vorstellen, nichts verborgen bleibt. Dies sei also ein Privileg Gottes. – Das soll hier nun näher dargestellt werden.

In der Versuchungserzählung aus dem Paradies preist die Schlange die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis: Ihr werdet sein wie Gott. Das führte zum „Sündenfall“ und zur Vertreibung aus dem Paradies. Es war also nicht gut, sein zu wollen wie Gott. Auch als die Menschen den Turm zu Babel bauten, sah Gott seine Privilegien in Gefahr und verwirrte ihre Sprache.

Diese Geschichten, auch wenn sie sich wohl nicht so abgespielt haben, gehören zu den Urmythen unseres Kulturkreises. Darin werden Gott Fähigkeiten und Rechte eingeräumt, die dem Menschen nicht zustehen und alle Hybris[3] wird böse enden. Das sahen auch die alten Griechen so, um einen nichtchristlichen Teil unseres kulturellen Erbes heranzuziehen.

Doch Mythos hin oder her: All diese Geschichten haben die Menschen nicht abgehalten, für göttlich erklärte Ge- und Verbote zu mißachten. Es wäre naiv, sich beim Datenschutz auf „alte Geschichten“ zu stützen, wenn es auch für mich als Theologen reizvoll ist, diesem Gedanken nachzugehen. Mit der Formel der liebe Gott sieht alles ist zwar viel Schindluder getrieben worden. In früheren Zeiten lebten sogar hochgestellte und gebildete Leute in Angst vor dem Jüngsten Gericht, was sich zuweilen aber erst auf dem Sterbebett herausstellte. Ob aber dadurch Kriminalität nennenswert verhindert wurde, vermag ich nicht zu beurteilen, auch nicht ob die darauf basierende Kindererziehung gefruchtet hat.

Wie dem auch sei: Fakt ist, daß die göttliche Allwissenheit dabei ist, unter die Menschen und damit unter die Räder zu kommen – und nur wenige fürchten sich davor[4].

  • Die Theologen greifen das Thema nicht mit ihren Denkmöglichkeiten auf[5],
  • die Kritiker der Religion kämpfen lieber gegen Windmühlen als gegen die gottähnliche Machtfülle weltlicher Instanzen.
  • Und die Masse? Biblisch gesprochen: sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen sich freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging, und kam die Sintflut und brachte sie alle um[6]. Da sieht man, wie sich die Zeiten geändert haben. Gefreit wird heute kaum noch. Es muß also heißen: Sie gaben sich dem Konsum und den Bequemlichkeiten der neuen Techniken hin, und dachten nicht mehr an Gott. Für die Nichtgläubigen: Sie dachten nicht mehr an die Gefahren für ihr und unser Menschsein.

 

Was also tun ohne Gott?

Shoshana Zuboff fordert zum Schluß ihres Artikels: Der moderne demokratische Staat muss ein Gegengewicht zu einem gefährlichen neuen Absolutismus schaffen, der sich auf eine durchdringende, geheime und jeglicher Rechenschaftspflicht enthobene Macht stützt. Es ist der erneute Griff nach der Weltmacht[7], um den es hier geht, nachdem der Griff nach der atomaren Weltmacht eingehegt wurde und bis heute im Patt endete. Auch diese neuen Mächte müssen eingehegt und geregelt werden. Wir brauchen Institutionen und Gesetze dafür, auch strafbewehrte Gesetze, wir brauchen für unsere Kinder den neuen Gefahren angepaßte Lehrpläne und wir brauchen Eltern, die nicht einfach so in den Tag leben und vor lauter Bequemlichkeiten, die uns die „schöne, neue Welt“ bietet, die Gefahren übersehen. Denn, biblisch gesprochen: Seid nüchtern und wachet! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge[8]. Und weltlich: Unsere Rechte, auch die Menschenrechte, werden uns nicht auf einem Silbertablett serviert. Wir müssen wachsam sein und sie immer wieder neu erringen und sichern.

 

[1] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-google-gefahr-zuboff-antwortet-doepfner-12916606.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2 [Zitate in kursiv, Hervorhebungen ds]

[2] https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/09/10/wenn-der-himmel-betriebsausflug-macht/

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Hybris : »Im heutigen Sprachgebrauch wird Hybris als ein bildungssprachlicher Ausdruck für Vermessenheit und Selbstüberhebung verwendet, die zu einem schlimmen Ende führen werden. Beispiel: „Die Hybris, die uns versuchen läßt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln.“«

[4] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/mathias-doepfner-warum-wir-google-fuerchten-12897463.html

[5] Es gibt meines Wissens keine einschlägige differenzierte „Denkschrift der EKD“ und ich möchte bezweifeln, ob meine Kollegen auf der Kanzel das Thema aufgreifen. Immerhin aber hatte sich der Theologe Karl Barth (http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Barth ) wenn auch wenig differenziert aber grundsätzlich gegen Geheimdienste geäußert. Von den Möglichkeiten heutiger Überwachung konnte er 1946 nichts wissen.

[6] Lukas 17:27

[7] Auch dies ist immer wieder eine „Versuchungsgeschichte“ http://de.wikipedia.org/wiki/Versuchung_Jesu

[8] 1.Pet 5:8

Aus der Cloud wird geklaut.

Posted in Kriminalität, Politik by dierkschaefer on 10. Juni 2013

Die als legal deklarierten Datenschnüffeleien sind zwar ein politischer Skandal, sollten aber niemanden überraschen. Die Beschwichtigungen der Politiker, die eigene Bevölkerung werde nicht bespitzelt, setzen Naivität voraus.[1] Auch Frau Merkel wird’s nicht richten. [2]

Man lernt in der Ausbildung zum Datenschützer, daß ein Mail so sicher ist, wie eine offene Postkarte, die auch der Postbote liest. Wenn er naiv und nett ist, gratuliert auch er, mit der Glückwunschkarte in der Hand, zum Geburtstag. Doch das sollte jeder wissen, auch daß für die Server in den USA dort nicht die Datenschutz-Richtlinien gelten wie bei uns. Das muß nicht heißen, daß deutsche Geheimdienste sich an den Datenschutz halten.

Geheimdienstliche Tätigkeit kann auch wirtschaftliche Vorteile bringen. So lernt man in der Datenschutz-Ausbildung auch, welche Folgen ein unvorsichtiger Umgang mit Betriebsdaten haben kann. Angeblich wäre der ICE wohl auch nach Südkorea verkauft worden. Doch die Hintergrund-Informationen eines befreundeten Auslands sorgten dafür, daß dieses Land den deutschen Preis unterbieten konnte.

Als ich vor vielen Jahren durch die Räume eines höchst sicherheitsrelevanten Betriebes geführt wurde, zeigte man mir einen Konferenzraum, der für Video-Konferenzen mit den internationalen Außenstellen eingerichtet war. Auf meine erstaunte Nachfrage, erfuhr ich, daß über sensible Themen dabei nicht gesprochen werde.

Große Unternehmen sind also gewarnt, kleine vielleicht auch.

Doch nun wird die Cloud-Computing propagiert. Dabei speichert man abrufbereit alle Daten, so wie meine Photos bei Flickr. Nicht jeder ist so vorsichtig, manches dann doch nur auf seiner Festplatte zu speichern – in der schwachen Hoffnung, daß dort kein Staatstrojaner sitzt. Die Cloud-Anbieter aber sind alle in US-Hand, mit den dortigen ohnehin laxen Datenschutz-Bedingungen – und den, wie wir nun auch offiziell erfahren, ganz legalen Möglichkeiten zum umfassenden Terrorismus-Schutz.

Ein Skandal ist das zwar auch für die privaten Belange von uns Nobodies. Doch einerseits sind unsere Daten uninteressant, es sei denn, wir benutzen die falschen Stichwörter und geraten unschuldig ins Visier der „Dienste“. Sonst bekommen wir allenfalls gezielte, aber unerwünschte Werbung. Und wer meint, sein Schwänzchen unbedingt auf Facebook posten zu müssen, kommt vielleicht gar nicht erst in die engere Wahl bei einer Bewerbung; – selber schuld.

Doch bei Wirtschaftsspionage, wird die Sache gravierender. Es gibt ja nicht nur die idealistischen Wistleblower, die aus Gewissensgründen illegale oder in ihren Augen illegitime Sachverhalte öffentlich machen. Da gibt es auch die idealistischen Kämpfer, für welche Sache auch immer; dann die von ihrer Firma enttäuschten Geheimnisträger, die sich rächen wollen und schließlich diejenigen, denen für Geheimnisverrat satter Profit lockt. Je größer eine Institution ist, desto mehr Personen sind in Geheimnisse eingebunden und desto größer ist die Chance, daß jemand ausplaudert.

Wer sich auf Clouds verläßt, hat Tomaten auf den Augen. Denn aus der Cloud wird geklaut, das ist sicher.

Ausführlich dazu:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/internet-der-glaeserne-mensch-12214568.html Montag, 10. Juni 2013


[1] So Obama in der heutigen Printausgabe der FAZ

Stück aus dem Tollhaus

Posted in Politik by dierkschaefer on 17. Dezember 2012

Egal, was man von Überwachungskameras halten mag. Der Streit zwischen Bahn und Bundespolizei um die Kosten der Aufzeichnung ist skurril. Schließlich ist das kostenfrei zugängliche Bahngelände de facto öffentliches Gelände und dessen Sicherung eine öffentliche Aufgabe. Zudem ist die Bahn zwar privatisiert, doch meines Wissens nicht im Privatbesitz.

Die Kosten von Polizeieinsätzen zur Sicherung von Fußballstadien werden nicht von den Vereinen übernommen. Sonst könnten die ja nicht beim Spielereinkauf so horrende Ablösesummen zahlen bzw. kassieren. Noch ein Stück aus dem Tollhaus.

http://www.faz.net/aktuell/politik/bombenfund-in-bonn-gemischte-gefuehle-11995884.html