Dierk Schaefers Blog

„Dieser Platz hat die Größe der Welt“

Posted in Uncategorized by dierkschaefer on 17. März 2013
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… der weiße Neger wunderbar …

Posted in Kirche by dierkschaefer on 13. März 2013

Nachdem Greser&Lenz beim Aufsteigen des schwarzen Rauches heute schon einen „Neschä“ als neuen Papst geargwöhnt hatten, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/cartoons/greser-lenz-witze-fuer-deutschland-1294625.htmlapst ist es nun doch ein Weißer geworden: Jorge Mario Bergoglio  http://www.focus.de/politik/ausland/papstwahl-im-vatikan/die-wichtigsten-infos-zum-neuen-papst-bergoglio-der-kardinal-der-mit-dem-bus-zur-arbeit-fuhr_aid_939415.html .

Mal sehn, was er draus macht.

Franziskus will er heißen und ist der erste Papst dieses Namens. Sein berühmter Namensvetter hatte den Auftrag: „Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät.“ Das könnte passen.

»Aus heutiger Sicht vertrat Franz sein Anliegen geschickt, indem er die Brüder als Buß- bzw. Wanderprediger bezeichnete. Die Büßer und Wanderprediger wurden von der Kirche als Stand anerkannt, wohingegen sie die übrigen Gruppierungen der im Hochmittelalter an verschiedenen Orten aufkommenden Armutsbewegung, beispielsweise der Katharer/Albigenser, Waldenser, Humiliaten oder Brüder und Schwestern des freien Geistes, zumindest später als häretisch bekämpfte – und insbesondere die Katharer mit Waffengewalt auslöschen ließ.« Das läßt Bedenken zu.

Franziskus wollte auch  den Sultan zum Christentum bekehren. Da hat wohl auch der neue Papst keine Chance, nicht nur, weil es keinen Sultan mehr gibt.

Angesichts des Rücktritts von Benedikt XVI. muß man sich fragen, ob die Namenswahl auch eine Ankündigung ist. Denn immerhin zog sich Franziskus aus der Leitung seines Ordens zurück.  Zitate aus http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_Assisi

Das Konklave und die Nonnen von Sant’Ambrogio

Posted in Geschichte, Kirche, Politik by dierkschaefer on 12. März 2013

Wer eine deftige Geschichte über sex and crime im kirchlichen Umfeld lesen will, sollte lieber den Pfaffenspiegel lesen, auch Bocaccio bietet lustvolle Stories oder die Anna Dunzinger im Zupfgeigenhansel.

So lustig geht es in diesem Kloster nicht zu, eher schwülstig. Auch einem Vergleich mit einem klassischen Schauerroman hält die „Wahre Geschichte“ des Autors Hubert Wolf nicht stand, denn er ist kein Romanzier, sondern Kirchenhistoriker. Geradezu minutiös führt er uns durch die Protokolle eines Inquisitionsverfahrens – alles gut belegt mit einem ganzen Apparat von Anmerkungen. Die muß man zwar nicht lesen, dennoch sollte man mehr fachliches Interesse mitbringen, als den Wunsch nach Unterhaltung, um sich durch das (ohne Anmerkungen) 444 Seiten umfassende Werk zu arbeiten. Ich fand’s spannend.

Warum?

Die Ereignisse im Kloster spielen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts; und dennoch fühlt man sich in das Mittelalter versetzt soweit es um die Mentalitäten und Denkhorizonte geht. Der zeit- und kirchengeschichtliche Hintergrund war mir – und ist wohl auch vielen anderen Lesern weithin unbekannt dank eines schlechten Geschichtsunterrichts in der Schule und dank des Desinteresses, das evangelische Theologen normalerweise an neuerer katholischer Kirchengeschichte haben. Beides ist nicht gut, denn so verstehen wir die Hintergründe bis hin zur aktuellen Papstwahl nicht.

Es geht um den Streit der katholischen Kirche mit der modernen Welt. Hierbei ist nicht die „technische Moderne“ gemeint, sondern die „Aufklärung“, die den Menschen ermutigte, sich seines Verstandes zu bedienen und sich so aus seiner selbstverschuldeten Abhängigkeit zu befreien. Ein Ergebnis des aufgeklärten Denkens war die französische Revolution einschließlich der Schreckensherrschaft. Dieser Einbruch der „Moderne“ brachte die europäische Staatenwelt ins Wanken. Die wehrte sich mit der „Restauration“: Die Gedanken waren nicht mehr frei. Allerdings hatten die anciens régimes nicht auf die Gebietsgewinne verzichten wollen, die ihnen Napoleons Neuordnung Europas verschafft hatte. So gab es in Deutschland nun kaum noch konfessionshomogene Staaten, sondern viele katholische Untertanen hatten nun protestantische Herrschaften – und kaum noch Aufstiegschancen in staatlichen Einrichtungen. Eine völlig neue Situation für die katholische Kirche in Deutschland, und sie war in sich gespalten: einige Theologen suchten nach konstruktiven Antworten auf die neuen Herausforderungen, andere blickten ultra montes, über die Berge nach Rom. »Mit dem Begriff Ultramontanismus wird eine politische Haltung des Katholizismus … bezeichnet, die sich ausschließlich auf Weisungen von der päpstlichen Kurie … stützt. Diese Haltung ging einher mit dem Antimodernismus, einer Strömung innerhalb der gesamten katholischen Kirche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, die sich – ausgehend von Dekreten Papst Pius‘ IX. – gegen gesellschaftliche und politische Reformen zur Durchsetzung von Menschenrechten und Demokratie wandte. Ein Höhepunkt antimodernistischer Tendenzen in der katholischen Kirche war 1910 die Verpflichtung aller Priester auf das Ablegen des sogenannten Antimodernismus-Eids: ab dem 1. September 1910 waren sie ausdrücklich verpflichtet, die im Syllabus Errorum (Liste der Irrtümer) genannten „Irrtümer“ abzulehnen« (http://de.wikipedia.org/wiki/Transmontanismus). Der erwähnte Pius IX, der auch in der Sant’Ambrogio-Affäre die entscheidende Rolle spielt, hatte 1854 das Dogma von der „Unbefleckten Empfängnis“ verkündet, demgemäß die Jesusmutter Maria schon von ihrer eigenen Empfängnis an von der „Erbsünde“ unbefleckt gewesen sei (http://de.wikipedia.org/wiki/Mariendogmen). Damit hatte nicht nur die Sexualfeindlichkeit der kirchlichen Lehre ihren Höhepunkt platonischer Verzückung erreicht, sondern es mehrten sich auch Berichte über Marienerscheinungen. Die „Heilige Jungfrau“ erschien und sprach mit zumeist unbedeutenden Leuten, oft auch Kindern. Die Sant’Ambrogio-Affäre zeigt das Bedrohungspotential für die kirchliche Hierarchie, wenn Menschen niederen Standes und mit allenfalls niederen Weihen am Lehramt vorbei ungefiltert Botschaften heiliger Personen empfangen (http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliches_Lehramt ). Die Rolle, die Joseph Kleutgen (s. unten) bei der Konzeptionalisierung des doppelten Lehramtes mit Zuspitzung auf das Papstamt spielte, ist geradezu pikant(s. unten).

Der Richtungsstreit zwischen „Liberalen“ und Antimodernisten war noch imgange, als die Sache mit dem Kloster Sant’Ambrogio passierte. Eine junge Nonne hatte die Macht im Kloster Sant’Ambrogio übernommen. Sie konnte sich auf gängige Glaubensmeinungen verlassen, Glaubensmeinungen, die auch heute nicht überholt sind, nämlich daß es jenseits dieser Welt eine andere nicht nur gibt, sondern daß die jenseitige auch in die diesseitige eingreifen kann – und es auch tut. Religionsfeinde mögen die Nase rümpfen und zum Angriff blasen. Doch daß der Glaube Berge versetzen kann, im Guten wie im Bösen, ist nicht so leicht von der Hand zu weisen. Immerhin erleben wir gerade, wie der Glaube an Allah, entsprechend gehandhabt, eine Weltmacht so unter Streß setzt, daß sie dabei ist, ihren eigenen Glauben an die Menschenrechte aufzuweichen.

Die junge Nonne von Sant’Ambrogio jedenfalls war eine Meisterin in der Handhabung des Glaubens ihrer Schwestern und Beichtväter. Mit Marienerscheinungen, Briefen aus dem Himmel und ihrem äußerst hübschen Aussehen spielte sie die Äbtissin in die Bedeutungslosigkeit, besetzte auf himmlischen Befehl Schlüsselämter im Kloster, blendete den einen und bezirzte den anderen Beichtvater mit ihrer Schönheit und Rosendüften himmlischen Ursprungs. An den erotischen Aspekten ist lediglich interessant, welcher Wust von Aberglauben nötig war, um die streng verbotene und rigide verpönte Sexualität praktizieren zu können. Doch was im Himmel mit immer neuen Briefen gut geheißen wurde, war in Ordnung, durfte aber nicht mitgeteilt werden. So weit, so skurril bis hin zum Zungenkuß als jesuitischen Segen. Die junge Nonne war ehrgeizig und erledigte andere Nonnen, die ihr gefährlich werden konnten, per Giftmord. Und hatte sie einmal jemand bei zweifelhaftem Tun beobachtet, dann war nicht sie es, sondern der Teufel, der sich ihrer Gestalt bemächtigt hatte. Die Gründung eines eigenen Klosters mit ihr als Äbtissin war ihr Lebensziel. Dazu sollte der Klosterfonds dienen, den die lebenserfahrene Prinzessin Katharina von Hohenzollern als Mitgift beim Eintritt ins Kloster eingebracht hatte. Die war zwar fromm, aber nicht verblendet. Darum sollte sie aus dem Weg geräumt werden. Doch sie überstand nicht nur alle Attacken, sondern konnte sich retten. Gustaf Adolf, Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst, wollte zunächst zwar nicht glauben, was seine Cousine berichtete, holte sie aber mit päpstlicher Unterstützung aus dem Kloster und vermittelte ihr einen neuen Beichtvater. Mit dessen Hilfe erhob die Prinzessin Anklage beim Inquisitionsgericht.

Damit sind wir mitten in den kirchenpolitischen Querelen dieser Zeit – und die gehen bis heute. Der Inquisitionsprozeß lief zwar geordnet ab, wenn man von den folgeträchtigen Personalentscheidungen absieht. Zunächst war ja auch alles eher unproblematisch: Angemaßte Heiligkeit war der erste Punkt der Anklage, dann die sexuellen Eskapaden und schließlich das Mordkomplott. Das hätte sich alles gut abwickeln lassen. Dummerweise stellte sich aber bei der Vernehmung des zweiten und sexuell aktiven Beichtvaters, Pater Peters, seine wahre Identität heraus: Joseph Kleutgen (http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Kleutgen), strammer Antimodernist, Vordenker des Ultramontanismus, Verfasser des neuscholastischen Standardwerks Die Theologie der Vorzeit. Trotz seiner Argumentationskunst konnte er einer Verurteilung nicht entgehen. Er war auf die angemaßte Heiligkeit der Nonne und auf ihre Verführungskünste hereingefallen. Dank der Zusammensetzung des Inquisitionsgerichts konnte man ihn aber aus der Schußlinie nehmen. Das Urteil in der Sant’Ambrogio-Affäre wurde mit Rücksicht auf das Image der Kirche nie veröffentlicht, und Kleutgen alias Pater Peters nutzte seine Auszeit zur argumentativen Stützung der neuscholastischen Richtung, in der alles auf die Autorität des Papstamtes zulief. So war er schließlich maßgeblich beteiligt an der Abfassung des Unfehlbarkeitsdogmas, das weithin vom deutschen Episkopat nicht mitgetragen, aber dennoch durchgesetzt wurde. Die Gründung altkatholischer Gemeinden (http://de.wikipedia.org/wiki/Altkatholische_Kirche) hat den Vatikan anscheinend weniger gestört als die Gründung der Pius-Bruderschaft (http://de.wikipedia.org/wiki/Pius-Bruderschaft) in heutiger Zeit. Die lebhaften Bestrebungen, das „Zweite Vatikanische Konzil“ zu revidieren, sind die Neuauflage des Modernistenstreits aus dem 19. Jahrhundert.

Doch eigentlich ist alles entschieden. Der Zentralismus römischer Macht steht festgemauert hier auf Erden – und kann allenfalls in Randbereichen in eine milde Herrschaft umschlagen. Dafür haben nicht nur Joseph Kleutgen und Pius IX gesorgt, sondern auch der emeritierte Benedikt XVI. Wie eng der Verstand in „span’sche Stiefel“ eingeschnürt ist, liest man ausführlich bei Norbert Lüdecke, Kommunikationskontrolle als Heilsdienst.

Wer wird der nächste Papst? Ein Europäer, gar ein Italiener? ein Schwarzer oder Latino? Ein Traditionalist oder eher ein Liberaler?

Wer auch immer. Er ist nicht zu beneiden. Der Vertrauensverlust wird durch immer neue Enthüllungen von Skandalen größer. Die Bindung an Tradition und Dogma wird auch beim besten Willen nicht zu lösen sein – und selbst wenn, – was bringt eine Lockerung in einer immer stärker säkularisierten (westlichen) Welt? Der Byzantinismus des Kirchenstaates steckt in einer ideologischen Sackgasse, darüber kann auch seine operettenhaft-medientaugliche Inszenierung nicht hinwegtäuschen.

Wer allerdings angesichts des Aufmarsches von narzistisch-kostümierten Würdenträgern zum Konklave von einer Schwuchtelparade spricht, kennt die Hintergründe nicht und offenbart nur seine Vorurteile über Homosexualität.

»Wir sind nicht mehr Papst …«

Posted in Kirche, Religion, Theologie by dierkschaefer on 11. Februar 2013

… schreibt Focus und schreibt auch von der nicht so optimalen Resonanz seines Wirkens in Deutschland.

Es kommt selten was Besseres nach, pflegt man im Schwäbischen zu sagen. Das ist auch zu befürchten, denn dieser Papst hat die Weichen gestellt, wie man bei der Ernennung neuer Bischöfe in Deutschland sehen konnte, auch bei der Berufung mancher deutscher kirchlicher Würdenträger an den Hof des Vatikan (ist eben doch, Rom sei’s geklagt, eher byzantinisch).

Doch vielleicht gibt es immerhin ein Zeichen, wenn sich auch an den theologischen Positionen wohl nichts ändern wird. Man raunt von einem möglichen Nachfolger aus der „dritten Welt“.

Dabei fällt mir ein Erlebnis ein: Es war wohl Anfang der 90er Jahre. Ich kutschierte einen schwarz-afrikanischen Bischof durch einige Asylantenlager in Württemberg. Wir unterhielten uns gut, trotz meiner schwachen Englisch-Kenntnisse. Er lachte, als ich sagte, es wäre gut, wenn der nächste Papst ein Schwarzer wäre (dabei dachte ich gar nicht an die Gesinnung). Als er fertig war mit Lachen, fuhr ich fort: Und der übernächste Papst sollte eine Frau sein. Da lachte er nicht mehr, der Bischof aus Guinea.

Doch vielleicht wäre auch eine Päpstin nur ein scheinbarer Fortschritt, sowie auch ein schwarzer Papst nicht per se ein Fortschritt ist. Es kommt eben auf die Gesinnung an und auf die Fähigkeit, sich gegenüber Beton-Köpfen und verhärteten Herzen durchsetzen zu können.

Und daß „wir“ einmal Papst waren, hat doch auch nichts bewegt.

Noch eine historische Reminiszenz:

http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/4468626403/

Die successio apostolorum scheint in Konstanz damals wohl auch nur eine ideelle, theologische Bedeutung gehabt zu haben.

PS: Ich vergaß zu erwähnen, daß der schwarze Bischof ein katholischer war.

Wieso aber ein evangelischer Pfarrer dazu kommt, einen katholischen Bischof durch Asylantenlager zu chauffieren, ist eine andere Frage, die hier nicht von Interesse ist.

 

Und noch ein Nachtrag aus fremder Feder zum Papstrücktritt:

Norbert Denef, Vorsitzender des Netzwerks Betroffener von sexualisierter
Gewalt (netzwerkB), teilt hierzu mit:

Wir werden diesen Papst nicht vermissen.

Joseph Ratzinger suchte schon wie sein Vorgänger Johannes Paul II. eine
Anlehnung an die rechtskonservativen Kreise in der Kirche. So berichtete
die Neue Rheinische Zeitung am 11. Februar 2009: „Mit Zielstrebigkeit hatte
Ratzinger als Glaubens- und Personalchef während des Pontifikats von Papst
Wojtyla dafür gesorgt, dass ganz überwiegend Mitglieder und
Sympathisanten des Opus Dei ins Kardinalskollegium gewählt wurden.“

Es sind gerade die rechtskonservativen Kreise, die zum Beispiel das Projekt
der Deutschen Bischofskonferenz zusammen mit dem Kriminologischen Institut
Niedersachsen unter Leitung von Prof. Chrstian Pfeiffer zum Scheitern
gebracht haben. Federführend im Widerstand war das Erzbistum von München
und Freising, in dem Ratzinger selbst Erzbischof gewesen ist.

Als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre in Rom betonte
Ratzinger im Rundschreiben „De delictis gravioribus“ im Jahre 2001 die
zentrale Meldepflicht für Sexualdelikte mit Minderjährigen. Zur
Unterstützung der Opfer trug Ratzinger aus unserer Sicht nichts bei.
Stattdessen wurden Täter und Serientäter weiter geschützt und versetzt.

Ratzinger leistete insbesondere zur Gleichbehandlung der Opfer von
sexualisierter Gewalt weltweit keinen Beitrag. Während etwa Opfer in den
Vereinigten Staaten mittlerweile in einer angemessenen Höhe von teilweise
mehr als 1 Million Dollar entschädigt werden und die Personalakten der
Täter zum Zweck der Aufklärung im Internet veröffentlicht werden,
müssen sich die Opfer von sexualisierter Gewalt von Geistlichen und
Kirchenangehörigen in Deutschland mit mehreren tausend Euro abfinden,
oftmals verbunden mit einer Schweigepflichtserklärung und dem Verzicht auf
weitere Ansprüche.

Die römisch-katholische Kirche zählt zu den größten und mächtigsten
Organisationen und Arbeitgebern in Deutschland. Sie steht in den Bereichen
wie Arbeitsrecht, Strafrecht und Subventionen in einem Sonderstatus. Wir
erwarten von der deutschen Politik Maßnahmen, dass dieser Konzern nicht
mehr länger außerhalb der Rechtsstaatlichkeit steht. Das halten wir für
wichtiger, als nun darauf zu warten, ob ein neuer Papst die Kirche noch
reaktionärer führen wird als der alte.

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50 Huren im Vatikan

Posted in Geschichte, Kirche by dierkschaefer on 10. Januar 2013

Leibniz hat 1697 in Hannover darüber geschrieben. Den Beleg fand er in der Wolfenbütteler Bibliothek, deren Chef er war. Der Titel: „Historia arcana sive de vita Alexandri VI. Papae“. Der Text schlug ein. Warum?

Der Sohn Alexanders VI, Cesare Borgia, hatte in seinem Vatikanspalast eine – heute würden wir sagen – Bunga-Bunga-Party veranstaltet. »An dieser Orgie nahmen fünfzig Huren teil. Sie tanzten nach dem Essen zuerst bekleidet, dann nackt; dann wurden Kandelaber auf den Boden gestellt und Kastanien auf den Boden geworfen, welche die Kurtisanen auflesen sollten; die, welche sich dann mit den anwesenden Herren geschlechtlich vereinigten, erhielten Seidenstoffe und kostbare Strümpfe.« Dies alles geschah laut Tagebuch des päpstlichen Zeremonienmeisters im Beisein des Papstes und seiner Tochter Lucrezia.

Dummerweise hatte Leibniz zuvor in der Vatikanischen Bibliothek recherchiert, dort aber diesen Text nicht gefunden. Doch der Vatikan fühlte sich hintergangen und argwöhnte, Leibniz habe das ihm in Rom entgegengebrachte Vertrauen mißbraucht, und setzte das Buch auf den Index der verbotenen Bücher. »In den italienischen gelehrten Kreisen verbreitete sich dazu die Meinung, dass der schlaue bösgesinnte Lutheraner das Werk nur deshalb veröffentlicht habe, um das Papsttum anzugreifen«.

Andere Zeiten, andere Sitten? Kaum! Nicht nur der Verweis auf Bunga-Bunga zeigt das an. Es gibt auch Versicherungen, die ihre Mitarbeiter mit solchen Parties belohnen. Doch das ist nicht das eigentlich Empörende.

Ein aktueller Vorfall erinnert fatal an die vatikanische Reaktion von damals. Da soll doch der Kriminologe Pfeiffer, dem man Akteneinsicht gewährt hatte, das Vertrauen der Kirche mißbraucht haben. Im Unterschied zu den mittelalterlichen Sexualarbeiterinnen, geht es um sexuellen Kindesmißbrauch in kirchlichen Einrichtungen. Diesem Feind der Kirche gehört Einhalt geboten! Sein Vertrag wurde gekündigt.

Die Zitate sind entnommen aus: Roberto Zapperi, Leibniz als Historiker eiens Skandals, FAZ 9. Januar 2013, S. N 3