Dierk Schaefers Blog

Würdiges Sterben

Posted in heimkinder, Politik by dierkschaefer on 31. Juli 2011

Auf der Webseite des von der Altenpflegerin beklagten Unternehmens lesen wir:

»Vivantes gehört zu Berlin. Vivantes ist Leben in Berlin.

Vivantes sieht sich längst nicht mehr nur als Krankenhausunternehmen. Unser Auftrag ist die gesundheitliche Daseinsvorsorge für alle Menschen in dieser Stadt, für die Kranken jeden Alters wie für die Gesunden. Kurz: Für Gesundheit in jeder Lebenslage. Lifestyle oder Lebensrettung, glückliche Geburt oder würdiges Sterben. Vivantes ist für Berlin da – für eine halbe Million Menschen Jahr für Jahr.«

http://www.vivantes.de/vivantes-das-unternehmen/ Sonntag, 31. Juli 2011

Laut Zeitungsmeldungen beruft sich Vivantes immer noch darauf, daß die Kündigung der Altenpflegerin von deutschen Gerichten für rechtmäßig erachtet wurde. Die Altenpflegerin Brigitte Heinisch hatte durch die Anzeige gegen ihren Arbeitgeber öffentlich gemacht, daß in dem Vivantes-Pflegeheim, in dem sie arbeitete, aus Personalmangel die alten Leute zum Teil bis mittags unversorgt in ihren Exkrementen liegen mußten und daß es eine Anweisung gab, an Windeln zu sparen. Würdiges Sterben sieht anders aus.

Erst in Straßburg bekam Frau Heinisch Recht.

http://www.wsws.org/de/2011/jul2011/hein-j28.shtml

Daran nahm der Arbeitgeberpräsident Hundt Anstoß. Die „aktuellen“ Pressemeldungen auf der Webseite von Vivantes erwähnen das Urteil nicht: http://www.vivantes.de/vivantes-das-unternehmen/presse/aktuelle-pressemeldungen/

Man sollte Frau Heinisch für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen. Doch die Adresse dafür ist die Senatskanzlei. Doch soweit ich weiß, ist Vivantes eine Einrichtung der Stadt Berlin. Sofia Staubach beschreibt in Ihrem Artikel (s. link oben) eine total verfilzte Interessengemeinschaft an finanziellem Gewinn.

Ob die Senatskanzlei dennoch die erforderliche Handlungsfreiheit hat, wird man sehen.

Gruppe der "Göttinger Sieben" auf dem gleichnamigen Platz beim Landesparlament in Hannover

Die Freiheit des Gewissens ist unverletzlich

4 Antworten

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  1. Helmut Jacob said, on 31. Juli 2011 at 13:08

    Sogar im Urlaub, wie in meinem, lohnt es sich immer wieder, das Blog von Dierk Schäfer zu lesen. Danke, lieber Herr Schäfer, dass Sie die Lobdudelleien auf den Internetpräsenzen oder in Form von „Leitbildern“ einmal der Realität gegenüberstellen. In der Tat verdienen solche Selbstbeweihräucherungen keine Beachtung. In den wenigsten Fällen geschieht hinter den Mauern von Heimen und Anstalten das, was nach Außen plakatiert wird. Ich fürchte, die Gewalt heute ist kaum weniger geworden, als vor 60 Jahren. Die Hilflosen werden nur nicht mehr direkt zusammengeknüppelt, sondern man vernachlässigt sie einfach oder/und übt massive psychische Gewalt gegen sie aus. Das sind Verbrechen, die man schwer rückverfolgen und damit kaum ahnden kann. Ich kenne viele Heime und Einrichtungen. Es ist mir noch keines untergekommen, das wenigstens einigermaßen menschenwürdig ist. Wer ganz tief blickt, erkennt ganz viel Dreck. Darum ist als Teil der Opferentschädigung das Ermöglichen von „Selbstbestimmung im Alter“ (Wohnform, Personalausstattung, Kontrollmechanismen) unverzichtbar.


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