Dierk Schaefers Blog

Die Länderminister rechnen damit, dass lediglich jeder Zehnte von 90 000 einen Antrag stellen wird.

WARUM DIESER BEITRAG VOM 20. NOVEMBER 2015 DAUERHAFT HIER DEN ERSTEN PLATZ EINNIMMT, WEISS ICH NICHT. ICH WILL IHN WEGEN DER VIELEN KOMMENTARE ABER AUCH NICHT LÖSCHEN.

 

Antrag worauf? Auf „Entschädigung“. Die Journalisten haben immer noch nicht den Unterschied zwischen Hilfen und Entschädigung kapiert.

http://www.arcor.de/content/aktuell/regional_news/thueringen/4322969,1,Bundesl%C3%A4nder–Opfer-in-Behindertenheimen-und-Psychiatrie-erhalten-Entsch%C3%A4digung,content.htmlhttp://jacobsmeinung.over-blog.com/2015/11/schweigegeld-fur-behinderte-heimopfer-die-toten-schweigen-auch-ohne.html?utm_source=_ob_share&utm_medium=_ob_twitter&utm_campaign=_ob_sharebar

 

zu Korntal: »Wir möchten keine weiteren Bekundungen der „ehrlichen“ und „wahrhaftigen“ Anteilnahme …

… durch den Vorsteher Andersen, für die vielfachen schändlichen Verfehlungen und Misshandlungen in den Einrichtungen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal, an den vom Staat in Obhut gegebenen Kindern. Wir fordern zum x-ten Mal endlich alle Vorkommnisse von unabhängigen Personen aufklären zu lassen.«

http://heimopfer-korntal.de/

 

Kommentar überflüssig.

Heimkinder als Verfügungsmasse

Als Versuchskaninchen wurden sie auch benutzt. Seit Sylvia Wagner über Arzneimittel­studien an Heimkindern publiziert hat[1], purzeln die Meldungen geradezu aus dem Medien. Immer mehr Heime und Fälle werden genannt, auch aus dem Ausland[2]. Die FAZ veröf­fentlichte am 19. November einen ganzseitigen Artikel über „Tablettenkinder“ an recht prominenter Stelle[3].

Die Heimereignisse sind also noch vielfältiger, als sie bisher dargestellt wurden. Doch überraschend kommt das nicht. Es ist nur ein weiteres unterdrücktes und verdrängtes Kapitel der Heimgeschichte.

Ich sehe bisher fünf Phasen.

Die erste Phase ist durch das Stichwort „Schläge im Namen des Herrn“ (SPIEGEL-Redakteur Wensierski) zu umreißen. Es ging um die Vorkommnisse in den Heimen, die man aufgrund der damaligen pädagogischen Kenntnisse – vorsichtig formuliert – als hinderlich für den weiteren Werdegang vieler ehemaliger Heimkinder bezeichnen kann. Die Heimkinder nennen die alltäglichen Demütigungen, Gewalttätigkeiten, Zwangsarbeit und Bildungsverwei­ge­rung „Verbrechen“. Die folgenden Phasen resultieren aus dieser ersten.

Als diese Vorkommnisse nicht mehr geleugnet werden konnten, kam die zweite Phase: der Runde Tisch Heimkinder, „moderiert“ von Frau Vollmer. Hier saßen wenige ehemalige Heim­kinder einer Phalanx von kompetenten Interessenvertretern von Staat und Kirchen gegen­über – und sie wurden gezielt betrogen.[4] Die Medien schreiben bis heute von Ent­schädigungen, obwohl die bescheidenen Geldzuwendungen erklärtermaßen keine sein sollen, denn dann gäbe es einen Rechtsanspruch. Das durfte nicht sein, ebensowenig wie man bereit war, die Zwangsarbeit als solche zu deklarieren und zu vergüten. Auch heute noch renom­mierte Firmen blieben verschont. Bleibende Körperverletzungen blieben unberücksichtigt wie grundsätzlich auch die Kinder aus Behindertenheimen und Kinderpsychiatrien.

Die dritte Phase begann mit dem Bekanntwerden des umfangreichen sexuellen Missbrauchs in den Erziehungseinrichtungen und mündete in den separaten Runden Tisch Missbrauch. Missbrauch war am ersten Runden Tisch bereits zur Sprache gekommen, war jedoch kein eigenes Thema, wie auch die Medikamentierung der ehemaligen Heimkinder. Viele berichteten, wenn auch nicht von Versuchen, so doch von Medikamenten zur Ruhigstellung mit psychotropen Substanzen. Das hat nicht weiter interessiert.

Nun beginnt die vierte Phase mit der Aufdeckung umfangreicher medizinischer Versuche an ehemaligen Heimkindern. Medikamente waren nicht das einzige. Ich erinnere mich an die Schilderung eines ehemaligen Heimkindes, der wegen Bettnässen in der Universitätsklinik Tübingen mit Elektroschocks am Penis behandelt wurde bis zur Verschmorung des Gewebes.

Eine fünfte Phase wird gerade eingeleitet mit der Errichtung einer Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ für die ehemaligen Heimkinder aus Behinderteneinrichtungen und Psychiatrien.

Das Schicksal der Kinder in den Heimen hat die Forschung beflügelt, wie auch jetzt aktuell in der Medikamentensache. Die Heimkinder sehen nach meiner Kenntnis dabei hauptsächlich, dass für die Forschung Geld bereitgestellt wird (wie auch für die Verwaltung ihrer Anträge), aber kein Geld für halbwegs angemessene Entschädigungen. Ein Großteil der ehemaligen Heimkinder lebt in äußerst bescheidenen Verhältnissen, allein schon bedingt durch heimver­ursachte Bildungsmängel.

Ich teile die Skepsis der ehemaligen Heimkinder, dass auch für die neu bekannt werdenden Fälle wieder nur „Almosen“ übrig bleiben werden, – auf Antrag und unter retraumatisierenden Bedingungen. Unsere Medien werden wieder von Entschädigungen sprechen. Sie sollten besser recherchieren.

Bewertung: Schutzbefohlene können zu den verschiedensten Zwecken „verzweckt“ , also missbraucht werden, die Geschichte der Heimkinder belegt das. Es wäre auch nach den Insassen der Seniorenheime zu fragen, nach den Strafgefangenen, auch nach Kranken in den Krankenhäusern, – es gäbe wohl noch manche andere. Ich will bei den Kindern bleiben.

Neuere Vorkommnisse[5] zeigen, dass trotz einer Besserung der Verhältnisse wohl auf breiter Basis in den totalen Institutionen es ohne Rücksicht auf die Rechtslage[6] immer wieder zu Übergriffen kommt, die nicht tolerierbar sind. Vertrauen mag gut sein, Kontrolle ist besser. Wir brauchen für die verschiedenen Gruppen Schutzbefohlener Ombudsleute, die nach ihrer Überprüfung der Plausibilität von Vorwürfen bevollmächtigt sind, die Fälle in den Einrichtungen zu untersuchen (Befragungen, Akteneinsicht, Schiedsbefugnis, Beschwerde­macht bis hin zur Anklagebefugnis). Viele Schutzbefohlene haben noch ihre Familien oder Freunde, die für sie die Ombudsperson anrufen können, wenn sie nicht selber mehr dazu in der Lage sind.

Doch ich fürchte, dass unsere Politiker eher um ihre Wiederwahl besorgt sind und auf Lobbyisten hören, denn auf die Sorgen und Beschwerden „kleiner Leute“.

Fußnoten

[1] http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-42079/04_Wagner_Heime.pdf

[2] http://www.lkz.de/lokales/stadt-kreis-ludwigsburg_artikel,-%E2%80%9ETaeglich-ein-Becherle-mit-Smarties%E2%80%9C-_arid,396038.html

http://www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/ndr-mehr-medikamenten-tests-mit-heimkindern-als-bislang-bekannt-id15429721.html

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/gemeinden/Schlimme-Befuerchtung-Pharmatests-an-Heimkindern/story/31169665

http://www.shz.de/regionales/newsticker-nord/ndr-mehr-psychopharmaka-tests-mit-heimkindern-als-bekannt-id15429266.html

http://www.aerztezeitung.de/panorama/article/924075/medikamententests-heimkindern-betroffener-erzaehlt.html

http://www.cbgnetwork.org/6964.html

Pharmaindustrie: grausame Medikamentenversuche unter dem Motto „Kinder sind unsere goldene Zukunft“

https://www.radio-utopie.de/2016/11/27/erprobungen-mit-aolept-und-megaphen-heimkinder-mussten-bayer-arzneien-testen/

[3] Von Reiner Burger, FAZ Sonnabend, 19. 11. 2016, S. 3. Leider kann ich aus ©-Gründen meinen Scan hier nicht einstellen.

[4] https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/

[5] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/07/12/friesenhof-skandal-neue-kinder-und-jugendhilfeverordnung-ab-ende-juli/

https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/09/12/gewerbeschutz-von-traegern-der-jugendhilfe-im-gesetz-besser-geschuetzt-als-das-kindeswohl/

[6] Auch die Rechtslage ist dank der Lobby-Arbeit der Sozialkonzene nicht im Sinne von Schutzbefohlenen gleich welcher Art. https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/06/24/die-zahnlosigkeit-der-gesetze-zum-recht-von-schutzbefohlen/

Gerade kommt noch ein neuer Link rein: http://www.derbund.ch/zuerich/gemeinden/Schlimme-Befuerchtung-Pharmatests-an-Heimkindern/story/31169665

»„Wir“ würden wieder in die Spree springen, uns über Nacht anketten, …

Posted in BRD, Ethik, Menschenrechte, Moral, Recht, Staat by dierkschaefer on 29. November 2016

… bei Regen und Kälte den Hintern abfrieren und uns zu Zehntausenden auf den Straßen und Plätzen des Landes versammeln.«

Der nächste Betrug der Politiker findet morgen statt[1]. Es ist wie mit den ehemaligen Heimkindern: déjà vue!

Ich muss das gar nicht weiter kommentieren. Auch wenn selber nicht betroffen: Was kann von einem solchen Staat und seinen trickreichen Politikern halten? Wenig bis nichts.

[1] http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/35074?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter&utm_campaign=Feed:+Kobinet-nachrichten+(kobinet-nachrichten+Teaser)

Das Elend mit der #Telekom

Posted in News by dierkschaefer on 28. November 2016

Der Ersatz-Speedport-Adapter ist angekommen. https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/11/26/telekom-namen-sind-nicht-nur-schall-und-rauch/ Habe ihn heute installiert. Das Telefon blieb tot. Also den Support per Handy angerufen. Ein ausgesprochen freundlicher und hilfsbereiter Mitarbeiter steuerte mich fern. Half aber nichts. Das Telefon blieb tot. Ich musste aus dem Haus. Der Mitarbeiter versprach um 13 h wieder auf meinem Handy anzurufen. Das tat er auch zuverlässig. Nach seinen Anweisungen an- und abgeschaltet, Stecker gezogen und gesteckt, übers Netz neu installiert, in den Wartezeiten nett geplaudert. Inzwischen funktioniert wenigstens eins der Telefone, direkt am Speedport eingestöpselt. Alle anderen Telefon sind weiterhin tot.

Ergebnis um 15 h: Der neue Speedport-Adapter ist auch defekt – ein neuer wird geschickt. Beide Adapter retour, der erste und der zweite.

Das Elend mit der Telekom hat mich bisher eine Arbeitswoche gekostet.

Auf meinen Blog-Eintrag und bei Gesprächen eine Menge von Kondolenzbezeugungen erhalten. Das ist zwar tröstlich. Aber ich sollte vor Weihnachten mich nicht nur mit der Telekom beschäftigen, selbst wenn die Mitarbeiter reizend sind.

 

PS: Mein Elend mit der Telekom hat nichts zu tun mit: http://www.zeit.de/digital/internet/2016-11/internet-deutsche-telekom-stoerung-fernsehen-telefonie-netz

#TELEKOM – Namen sind nicht nur Schall und Rauch.

Posted in Bürokratie, Erlebnispädagogik, Firmenethik, Kultur, Leben, Medien, Moral, News, Recht, Soziologie, Wirtschaft by dierkschaefer on 26. November 2016

Namen zeigen zuweilen, wo’s brennt. Bei der TELEKOM ist die TELEKOMmunikation verstümmelt. Das Logo zeigt’s noch deutlicher: Ein T gefolgt von drei Pünktchen – ein Offenbarungseid in Sachen Kommunikation: T

„Bin grad ohne Telefon – Telekom“, sage ich meinen Bekannten und stoße auf gequältes Mitleid. „Machen Sie sich auf fünf Wochen gefaßt!“

Ich hatte leichtsinnigerweise dem Vorschlag auf „Umstellung auf IP“ zugestimmt.

Die T hatte mir versichert, meine Fritz!Box und meine EUMEX-Anlage seien kompatibel. Ich müsse auch nicht daheim sein, das laufe alles im Hintergrund.

Aus dem Urlaub zurück war mein Telefon tot. Aber ich fand ein nicht bestelltes Paket vor mit „Speedport“ und „Speedportadapter“. Den Speedport legte ich zur Seite, ich hatte ja meine Fritz!Box, und begann zu adaptieren. Mein Telefon blieb tot.

Unter der Service-Nummer der T … begrüßte mich ein verräterisch-überbetontes „Herzlich willkommen!“ Das war der Empfangsautomat, der gleich gouvernantenhaft-helfend die Richtung wies: „Kundennummer bereit halten – Leider sind alle unsere Mitarbeiter zurzeit im Gespräch“ – und dann der an- und abschwellende Bocksgesang der Warteschleifenmusik. Bei meinen vielen Kommunikationsversuchen mit der T habe ich fast Heimatgefühle entwickelt.

Also: Fast nichts gegen die Mitarbeiter der T , die sind durchweg freundlich bemüht, einem zu helfen – und ich habe viele kennengelernt, immer wieder neue. Kontinuierliche Kommunikation ist bei T nicht möglich. Immer wieder aufs neue die Kundennummer und das Problem genannt, bis ich mich beinahe selbst als Problem wahrnahm. Nur einmal hat mich einer kommentarlos in den Orbit der Warteschleife zurück-katapultiert und einmal geriet ich an einen, der sich nur mit Produktziffern und anderen Abkürzungen verständlich machen wollte. Der Techniker, der schließlich bei mir auftauchte, ein Nerd wie er im Netz steht, befand, die Leitung sei in Ordnung – und verschwand.

Hilferuf an Fritz!Box: „Ist meine Box kompatibel?“ Keine Warteschleife, Problem geschildert. „Ich schaue nach.“ Dann ein Mail (mein Netzanschluss war zum Glück intakt geblieben): „Nicht kompatibel“.

Wieder die Warteschleife der T . „Ich will hinter die IP-Umstellung zurück!“ – „Die Rückgabefrist ist abgelaufen, 14 Tage im Fernabsatzgeschäft. Nun haben Sie einen Speedport an der Backe“(sic!). Wie beruhigend. Ich sehe mich betrogen, koppele meine Fritz!Box ab und schließe meinen (?) Speedport an. Das Telefon bleibt tot.

Wieder die Warteschleife, wieder die scheußliche Musik, und immer wieder Mitarbeiter, die mich freundlich fernsteuern für die Einrichtung des Speedports.

Entgegen der Bedienungsanleitung: „Den Adapter brauchen Sie trotzdem. — Machen Sie doch mal … dies … und das“. T : „Dann ist wohl der Adapter kaputt. Wir schicken einen neuen“. – „Wann kommt der?“

Seit einer Woche ohne Telefon, angewiesen auf mein Prepaid-Handy und immer in Kontakt mit der inzwischen fast lieb gewonnenen T .

„O, bitte, bitte, Telekom, komm, komm, komm!

Doch bei der Kommunikationsmethode der T , Automaten mit Zufallszuweisung an menschliche Mitarbeiter, da wird’s wohl noch dauern.

Auch mein Arzt sagte erfahrungsgequält: „Machen Sie sich auf fünf Wochen gefaßt!“

Betr. Brüdergemeinde Korntal, Pressemitteilung

Pressemitteilung des Netzwerk Betroffenen Forum e.V.

Von Betroffenen für Betroffene – Kongress „MitSprache“  tagte vom 18.11.2016 – 19.11.21016 mit internationaler Beteiligung in Berlin. Der Pressesprecher des Netzwerks BetroffenenForum e.v. stellt Aufarbeitungskonzept vor.

Plattling, 21.11.2016 Der Betroffenenrat um  den Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, Rörig hatte zum Kongress MitSprache in  Berlin eingeladen. Anlässlich des 2.Europäischen Tages zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch, wurde von sexualisierter Gewalt Betroffenen und Unterstützer/innen, unter dem Arbeitstitel „MitSprache“ eine Bühne geboten, sich gegenseitig zu ermutigen, politisch zu vernetzen und gemeinsam Aufsehen zu erregen.

Betroffene im Missbrauchs,- und Misshandlungsskandal der E.v. Brüdergemeinde Korntal (Stuttgart) nahmen teil an diversen Podiumsdiskussionen und Workshops, in denen vielfältige Themen fachlich diskutiert und weiterentwickelt wurden. Diesen Rahmen nutzte der Sprecher des Netzwerk  BetroffenenForums e.V. Zander um das mühevoll mit Leidensgenossen/innen und dem Verein BetroffenenForum e.V. erarbeitete Aufarbeitungskonzept zur Aufklärung der Missbrauchsfälle in der E.v. Brüdergemeinde Korntal, vorzustellen und erhält dafür große Zustimmung. Das fachkundige Publikum und höchste politische Kreise um den unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, Rörig beschreiben das Konzept als richtungsweisend und zielführend und loben dieses Konzept und die sich daraus entwickelnden weiteren Schritte der Aufklärung genauso, wie die ungebremste Tatkraft und den ungebrochenen Willen zur Aufklärung der Handelnden des Netzwerk BeroffenenForums e.V. um den Frontmann Zander.

Detlev Zander Vereinssprecher: „ Der Schutz von Kindern und Jugendlicher ist elementar. Zugleich müssen die Belange all derer, die in der Vergangenheit von Staat und Gesellschaft nicht geschützt wurden, endlich Beachtung finden. Es braucht funktionierende begleitende Hilfesysteme, denn Betroffene sexualisierter Gewalt haben nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft.“

In zahlreichen Gesprächen und Erfahrungsaustausch mit  bundesweiten  agierende und anerkannten Fachleuten konnte auf diesem Kongress, auf den Missbrauchs,-und Misshandlungsskandal in der E.v. Brüdergemeinde Korntal (bei Stuttgart) aufmerksam gemacht werden und gleichzeitig ein Feedback zum Aufklärungskonzept des Netzwerk BetroffenenForums e.V.  eingeholt werden. Gespräche mit überregionalen Vertretern sämtlicher Medien waren zu dem für die Erweiterung des Netzwerkes von herausragender Bedeutung und zeigten eindrucksvoll das bundesweite Interesse und die große Anteilnahme am Schicksal der Betroffenen. Die große Wertschätzung, der Respekt und die Anerkennung der Leistung der Handelnden des Netzwerk BetroffenenForums e.V. um Zander wurde ebenso deutlich wie der Zuspruch den eingeschlagenen Weg trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse weiterzuverfolgen.

Für den Verein Netzwerk BetroffenenForum e.V. dem sich zahlreiche Betroffene im Misshandlungs-und Missbrauchsskandal der Brüdergemeinde Korntal angeschlossen haben, steht längst fest: „Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist kein individuelles Schicksal. Kindesmissbrauch ist weltweit ein Bestandteil gesellschaftlicher Strukturen. Kindesmissbrauch betrifft alle sozialen Umfelder, Familie genauso wie, Bildungseinrichtungen, Jugendhilfeeinrichtungen und religiöse Gemeinschaften. Die Dunkelziffer von Missbrauch in all seinen Varianten ist seit Jahren unverändert hoch. Diese Tatsache muss gesellschaftlich und vor allem auch politisch endlich anerkannt werden und zur Grundlage weiteren gemeinsamen Handelns werden.“

www.heimopfer-korntal.de

Ansprechpartner:

Detlev Zander

dzander@aufarbeitung-korntal.de

Fon: 0172 / 47 14 240

 

 

»Wenn der Richter das gelesen hätte, dann hätten Sie keine zehn Jahre gekriegt.« V

Posted in DDR, Deutschland, Geschichte, Gesellschaft, heimkinder, Kinderheime, Pädagogik, Straßenkind by dierkschaefer on 21. November 2016

moabit k1Dieter Schulz

Der Ausreis(ß)ende

oder

Eine Kindheit, die keine Kindheit war

 

Fünftes Kapitel

 

                                  von Heim zu Heim

 

Kommen Sie noch klar mit den vielen Zahlen?

Oh ja, zahlen also musste man nach jeder misslungenen Flucht.

Für die beschriebene Flucht im Januar 1955 habe ich sogar 20 Jahre lang gezahlt. Bezahlt mit der Angst von den DDR Behörden entdeckt zu werden, um für den provozierten Motorrad­un­fall zur Rechenschaft gezogen zu werden. [1] Zwanzig Jahre lang traute ich mich nicht, meine nach meiner Flucht in den „Goldenen“ Westen in der DDR verbliebene Schwester zu besuchen.

Ob ich mit meinen 17 Jahren Zuchthaus und Gefängnis

hier im Westen das bessere Los gezogen habe?

Eine richtige Strafe dafür (der verunglückten Bullen wegen) sollte ich schon noch dafür bekommen, versicherte man mir damals.

Die Schule wollte man mich schon noch fertig machen lassen. Meine nächste Station wäre dann wohl höchstwahrscheinlich ein Jugendwerkhof[2] geworden. Tolle Perspektiven, die sich mir da auftaten. Ob ich mit meinen 17 Jahren Zuchthaus und Gefängnis hier im Westen das bessere Los gezogen habe, bleibt dahin gestellt.

Damals jedenfalls war ich gar nicht erpicht darauf, eine richtige Strafe abzuwarten. Im August des gleichen Jahres schaffte ich es dann doch noch nach vielen vergeblichen Versuchen, in den „Goldenen Westen“ zu flüchten.

Das kommt davon, wenn man kein studierter, schon gar kein Schriftsteller ist, man kommt vom Höcks’chen auf’s Stöckchen. Ich habe schon viel zu weit vorgegriffen! Ich wollte doch eigentlich von meinen Kinder-(Kinder?) Jahren erzählen.

Also, die Laubenpieper hatten uns der Polizei übergeben.[3] Diese behandelten uns aber auch nicht gerade so berufsmäßig wie es ihnen laut Gesetz angestanden hätte. Vielleicht war ja auch unter ihnen ein Laubenpieper, den wir auf unseren Fluchten in irgendeiner Weise geschädigt hatten? Wie man es auch nimmt, bei den Bullen waren wir mit unseren 14, 15 Lenzen schon keine Kinder mehr. Wir waren für sie einfach Verbrecher, die hinter Schloss und Riegel gehörten. Mit Bedauern mussten sie zur Kenntnis nehmen das man uns wieder ins Heim nach Dönschten verfrachten müsse. Die Trapo[4] im Hauptbahnhof hatte einige Schichten lang ihr „Früchtchen“ wieder, bis ein Gefängnistransport nach Dresden ging. In Dresden wurden wir von zwei grimmig aussehenden Männern des Jugendamtes abgeholt und nach Dönschten gebracht.

Hier in Dönschten war die Endstation aller Heime!

Unsere beiden Kumpane, die sich schon der Kälte und des Hungers wegen zwischen Dipps und Dresden abgeseilt hatten, schauten uns hämisch an, so als wollten sie sagen: „seht ihr wohl jetzt habt ihr euch auch schon wieder einfangen lassen!“ Unser Haupt- oder Ober­päda­goge – Erzieher sind doch Pädagogen? – freute sich ebenfalls seine Schäfchen wieder voll­zählig beisammen zu haben. Der hatte so seine eigenen Erziehungsmethoden.

Wir, Peter H. und ich, wussten schon, dass er früher oder später die Sau rauslassen würde. Er hielt viel von Kollektivstrafen, so wie vieles in der DDR im Kollektiv erledigt wurde. Fiel die Geburtstagspaketverteilung auch unter Kollektivstrafe? Damit hatte er doch nur mich bestraft, die anderen hatten doch ihren Nutzen davon gehabt. Verstehe einer die Erwachsenen!

Außer einem riesengroßen Tagesraum, wo wir u.a. unsere Mahlzeiten einnahmen oder auch Tischtennis spielten, in den Wintermonaten unseren Frühsport machten, gab es noch zwei Schlafräume mit 10 und 17 Betten, einen kleineren Tagesraum, hauptsächlich für Schularbei­ten und Leseraum genutzt.[5]

Was also die Kollektiv­strafe betraf, so ließ der oben erwähnte Erzieher die ganze Gruppe wissen, dass jemand gegen irgendwelche Hausregeln verstoßen hätte und dass deshalb für die ganze Gruppe das Skifahren/Fußballspielen oder eben andere beliebte Freizeitaktivitäten ausfallen würden. Bedanken sollten sich die Betroffenen dafür bei den genannten Personen.

Mein lieber Kasimir! Nein, nein so hieß der Erzieher nicht. Nur so ähnlich! Peter und ich hatten diesmal keine Lust, an dieser Kollektivstrafe teilzunehmen. Zumal wir die Sünden­böcke abgeben sollten und die anderen sogar Spaß daran fanden. Wir hatten uns schon auf der Fahrt zum Heim geschworen, dass wir es diesmal nicht so weit kommen lassen würden. Unser Pädagoge, Herr K., ließ uns aber die Sache erstmal eine Nacht überschlafen. Das war so üblich, damit sich die Delinquenten schon mal darauf vorbereiten konnten auf das, was sie erwartete. Die angekündigten drastischen Kollektivstrafen, wurden aber auch regelmäßig wieder zurück genommen, sobald das Ergeb­nis zur vollsten Zufriedenheit des Pädagogen ausfiel. Falls der Ruf der Gruppe durch eine Flucht besonders stark geschädigt worden war, machte das die davon Betroffenen so schön wütend. Wurden doch Listen über die einzelnen der insgesamt 6 Gruppen in Dönschten geführt. Nach diesem Plus-Minus Schlüssel wurden dann auch jährlich aus dem Heimetat Freizeitartikel, wie etwa Skier oder Fußbälle bis hin zu Tischtennisschlägern/Bällen ausgegeben.

Um diese Wut schön zu schüren ließ er die Gruppe schon immer einen Tag vorher wissen, welche Strafen er sich für sie ausgedacht hatte.

Gruppenkeile einmal anders

Diesmal aber profitierten Peter H. und ich von dieser unausweichlichen Kollektivstrafe. Wir bereiteten uns darauf vor.

Am nächsten Tag, wie immer gleich nach Schulschluss, wurde zu Mittag gegessen. Noch während der Mahlzeit verkündete der Pädagoge, dass er an diesem Tag besonders viele Berichte zu schreiben hätte und er deshalb die Oberaufsicht dem besonders guten „Radfahrer“ Mitschüler G. übergeben habe und sich doch absolute Ruhe ausbitten möchte, um ungestört arbeiten zu können. Das hieß mit anderen Worten: er wollte nicht um Hilfe gebeten werden im Falle, dass irgendwelche Streitigkeiten auftreten würden. Nachdem abgeräumt und abge­waschen worden war, begann das allen bekannte Ritual. Langsam aber sicher wurden die Delinquenten vom Rest der Gruppe in eine bestimmte Ecke, weitab von der Treppe, die zu des Pädagogen Zimmer führte, gedrängt. Jeder in der geschlossenen Phalanx vordringenden Gruppe hatte einen Gegenstand in der Hand. Einen Gürtel, eine Gerte. Vor allem aber den „viel geliebten Ochsenschwanz,“ ein in der Mitte zusammengelegtes Handtuch, welches dann in der Mitte wiederum von oben nach unten zusammengedreht wurde. Die Spitze wurde in Wasser getaucht. Ich bekomme noch heute eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie das gezwiebelt hat, wenn man davon getroffen wurde.

Wie gesagt; Peter und ich hatten überhaupt keinen Bock darauf, diesen kindlichen Sadisten als Prügelknaben für ihren Frustabbau zu dienen. Endlich in die vorgesehene Ecke gedrängt erhoben auch schon die ersten ihre Arme.

Ganz vorne in der ersten Reihe standen sogar unsere „Freunde“, die schon am nächsten Tag unserer Flucht das große Flattern bekommen hatten. Jetzt, wieder in der Masse, schämten sie sich wohl in unseren Augen als Versager dazustehen, dafür wollten sie wohl auch besonders kräftig zuschlagen.

Was dann geschah verstieß aber gegen alle Regeln. Noch nie in der Geschichte dieses Heimes hatte es jemand gewagt, sich seiner Kollektivstrafe zu widersetzen.

In der Ecke standen immer ein paar Stühle herum, für eventuelle Besucher der Gruppe. Zwei dieser Stühle hatten Peter und ich in der Nacht schon präpariert. Diese zusammengeleimten Holzstühle brauchten wir jetzt nur noch in die Hand nehmen, und hatten somit richtig hand­liche, kantige Knüppel zur Hand. Wir zögerten auch nicht diese zu gebrauchen. Die Schmer­zen, die die anderen uns zugedacht hatten, erfuhren sie nun selbst. Drei-vier-mal in die Menge gedroschen, jeder Schlag ein Treffer. Das Blut spritzte nur so. Es gibt immer wieder Men­schen, die gerne Blut fließen sehen. Nur das eigene nicht! Wir, Peter und ich, konnten gar nicht verstehen, warum die getroffenen so brüllten. Sie hatten doch billigend in Kauf genom­men, uns auch weh tun zu wollen!? Diese feigen Arschlöcher! Leckten uns fortan die Schuhe ab, hätten wir es nur von ihnen verlangt!

Nur der Erzieher natürlich nicht. Der zweifelte nur an seinen Rechenkünsten. 25 zu 2, wie konnte das nur möglich sein? Tja, lieber Herr K., von solchen „Helden“ wie wir beide hatte die Völkerschlacht von Leipzig gelebt.

Losgeworden, in ein anderes, noch strengeres und abgelegeneres Heim ist er uns nicht. Hier in Dönschten war ja schon die Endstation aller Heime!

Dabei hatte es noch ganz human in einer Jugendherberge begonnen. [6] Am 18. Juni 53 wurde diese Jugendherberge eigens für Kinder zwischen 12 und 18 Jahren geräumt, die als Streuner oder sonstwie der Polizei in die Fänge geraten waren. Gefängnisse waren überfüllt. In Vier-Mann Schlafräumen wurde wir 14 des ersten Sammel­transports in der vierten Etage unter­gebracht. Laufend kamen aus der weiteren Umgebung neue Jugendliche. Alles was in etwa gefängnismäßig zu verwenden war, wurde für die Staatsfeinde benötigt, die sich vom bösen Westen hatten aufhetzen lassen, um gegen den eigenen Staat zu demonstrieren.

Aha, nun erfuhr ich endlich was da draußen eigentlich abgelaufen war, warum mich einige der Neuankömmlinge fast ehrfürchtig als Helden ansahen.

Der Held bekam natürlich keines der vier vorhandenen Betten, um darin zu schlafen. Dafür war der Held einfach zu mickrig auf der Brust. Ein etwa 14 jähriger Bengel nahm mich auf eine der wenigen Seegrasmatratzen auf, die er ergattert hatte. Von ihm erfuhr ich, dass er nicht zu den Helden zählte. Er hatte schon einige Zeit in einem Jugendwerkhof verbracht. So etwas Ähnliches wie ein Jugendgefängnis, welches jetzt für andere Zwecke geräumt und wieder gefüllt worden war. Ein Gericht hatte ihn zu zwei Jahren verdonnert weil er sich mit einer Schlinge einen volkseigenen Hasen gefangen hatte.

Von oben, aus dem Fenster schauend, konnten wir Vopos mit Gewehren sehen, die dafür sorgten, dass der tagelang dauernde Ausnahmezustand eingehalten wurde. Ausgangssperre für die Bevölkerung ab 22 Uhr.

Solange die Straßen des Nachts wie leergefegt waren, traute sich keiner von Flucht zu reden. An ein genaues Datum kann ich mich nicht mehr erinnern, aber daran, dass ich dort meine erste Flucht mitmachte. Ja, noch machte ich nur mit!

Die größeren hatten die Idee, unsere Schlafdecken in Streifen zu reißen und diese zu einem „Seil“ zusammenzuknoten.

Heute weiß ich, nein, erfuhr ich noch in der gleichen Nacht, dass dies ein ziemlich blödes Unterfangen war. Viel zu dilettantisch ausgeführt. Mit etwas mehr Sachkenntnis wäre mir die gespaltete Unterlippe, deren Narbe mich noch heute ziert, erspart geblieben. Wer von uns wusste schon, dass die glatten Deckenstreifen, einmal verknotet, nicht ewig zusammenhalten würden? Ja, hätten wir Wasser im Raum gehabt, hätte man die Streifen wässern, und somit sicherer machen können. Aber wir hatten kein Wasser. Und, ob überhaupt jemandem solche Gedanken gekommen wären? Wir hätten ja drauf pissen können, dann hätten sich die Knoten als haltbarer erwiesen.

noch war ich nicht die Führerpersönlichkeit

Dieser improvisierte Strick also wurde aus dem Fenster der vierten Etage gehängt. Zu der Zeit hatte ich noch kein Durchsetzungsvermögen, war noch nicht die Führerpersönlichkeit. So durfte ich mickriges Kerlchen eben erst als letzter von denen, die die Flucht überhaupt wagten, an dem Seil herunterhangeln. An diesem Tag musste ich einen ganz besonderen Schutzengel gehabt haben. Es passierte als ich in der Höhe der zweiten Etage angekommen war; die glatten Filzdeckenstreifen hatten sich auseinandergelebt, und ich prallte im freien Fall aus etwa sechs Meter Höhe voll mit den Füßen auf und … mit Wucht krachte mein Kopf aufs rechte Knie. Ich sah Sterne und spürte es sehr warm werdend in meinem Mund. Ich fasste mir an den Hals. Auch da war es sehr warm und klebrig. Meine Hand war voller Blut. Dann spürte ich auch schon den Schmerz an meinem rechten Mundwinkel. Bevor ich mich wieder aufgerappelt hatte, über die angrenzende Mauer geklettert war, waren die anderen schon längst in alle Winde verstreut.

Als ich endlich in Leipzig-Reudnitz ankam, konnte ich unser Hinterhaus gar nicht mehr erreichen. Ich hätte meiner Mutter so gerne die Sorge um mich genommen. Wie ich erst später erfuhr, wurde sie erst gegen Ende Juli davon unterrichtet, dass ich, und warum, in einem Heim in Dresden sei. In dieser besagten Nacht also konnte ich gar nicht bis zu ihr vordringen. Wenn schon ein Auto (wer hatte zu der Zeit schon ein Auto?) vor dem Haus stand, dann hatte das nichts Gutes zu bedeuten. Ich hatte mich ohnehin nicht auf direktem Wege der Lilien­straße genähert. So erkannte ich sehr schnell, dass man mich bereits erwartete. Pustekuchen, meine Herren Bullen. So leicht wollte ich es euch nun auch wieder nicht machen.

Ich suchte mir meine erste Gartenlaube zum Übernachten aus.

 

Fußnoten

[1] siehe Kapitel 3: Weiter im Kreislauf: Heim, versaut werden, weglaufen, Lage verschlimmern.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/09/28/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-iii/

https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/09/03-weiter-im-kreislauf.pdf

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendwerkhof

[3] Anschluss an Kapitel 3.

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Transportpolizei

[5] Schulz: 1990 war der ehemalige große Tagesraum mit meinem ehemaligen größeren Schlafraum durch Wegnahme der Zwischenwand zum Restaurant umgewandelt.

[6] Hier knüpft Schulz wieder an das vorige Kapitel an: Kapitel 4, 17. Juni 53: Denkwürdiger Beginn meiner Heimkarriere

 

Was gab’s bisher?

Editorische Vorbemerkung – https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/06/25/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt/

https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/06/00-editorische-vorbemerkung.pdf

Kapitel 1

Die Ballade von den beschissenen Verhältnissen – oder – Du sollst wissen, lieber Leser:

Andere sind auf noch ganz andere Weise kriminell – und überheblich.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/07/29/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-erstes-kapitel/

https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/07/01-erstes-kapitel.pdf

Kapitel 2

In Dönschten, am Arsch der Welt … ach Monika!

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/08/25/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-ii/https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/08/02-ach-monika.pdf

 

Kapitel 3

Weiter im Kreislauf: Heim, versaut werden, weglaufen, Lage verschlimmern.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/09/28/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-iii/

https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/09/03-weiter-im-kreislauf.pdf

 Kapitel 4

  1. Juni 53: Denkwürdiger Beginn meiner Heimkarriere

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/10/24/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-iv/

04-beginn-meiner-heimkarriere-17-juni-53_2

Kapitel 5

von Heim zu Heim

https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/11/21/wenn-der-richter-das-gelesen-haette-dann-haetten-sie-keine-zehn-jahre-gekriegt-v/

PDF: 05-von-heim-zu-heim

Wie geht es weiter?

Kapitel 6

Wieder gut im Geschäft mit den Russen

 

„Das eben ist der Fluch der bösen Tat, daß sie, fortzeugend, immer Böses muß gebären.“

Muss[1]? Sie tuts.

Die Vergehen und Verbrechen an den ehemaligen Heimkindern sind in diesem Blog übergenug beschrieben worden. Sie sind auch wissenschaftlich belegt. Schlimm genug.

Im Sinne des Schillerzitats waren sie der Auftakt zu weiterem Bösen,

  1. Verleugnung,
  2. Drohung,
  3. Vertuschung,
  4. Relativierung,

und mündeten darin, die Opfer von damals über den Runden Tisch zu ziehen zur Schonung der Kassen von Staat (Bundesländer), Kirchen und ausbeuterischen Firmen.

Zu diesem zweiten Akt des Bösen gehörte auch die Ausgrenzung der ehemaligen Heimkinder aus Behinderteneinrichtung und Psychiatrien.

Das betrügerische Ergebnis des Runden Tisches Heimerziehung wird nun getoppt mit einer Lösung für die Menschen mit Behinderung[2], die

  1. lange auf sich warten ließ,
  2. deren Organisierung noch nicht geklärt ist, auch ist
  3. noch nicht klar, in welcher Höhe es zu Zahlungen kommen wird; die
  4. voller Kautelen steckt, um Zahlungen zu verhindern/einzuschränken und die ohnehin schon im Planungsstadium
  5. eine deutliche Benachteiligung der Betroffenen darstellt, gemessen an den ohnehin betrugswürdigen Zahlungen an ehemalige Heimkinder aus den Erziehungsanstalten.

Muss ich noch den langen Zeitraum nennen seit dem Runden Tisch der „Moderatorin“[3] Antje Vollmer? Jedenfalls dürften eine Reihe von Betroffenen in diesem Zeitraum gestorben sein, kostensparend. Auf die Kosten achten die üblichen Verdächtigen und sie haben Erfolg.

Mich als Pfarrer (i.R.) und Theologen schmerzt, dass wieder einmal die Kirchen mit dabei sind. Dabei ist noch nicht einmal in allen Erziehungseinrichtungen anerkannt, dass sie für die ihnen anvertrauten Kinder nicht nur in Einzelfällen eine „Erziehungshölle“ darstellten.[4]

„Das eben ist der Fluch der bösen Tat, daß sie, fortzeugend, immer Böses muß gebären.“

Muss? Diese hats getan.

Winkt den aktuellen Tätern die Hoffnung auf den Tod der Opfer? Da täuschen sie sich. Denn wenn über eine böse Sache endlich Gras gewachsen ist, kommt bestimmt ein alter Esel, der es wieder runterfrisst. Das Internet hilft ihm dabei. [5]

Und die Betroffenen? Viele sind aus der Kirche ausgetreten[6]. Sie wissen warum und erzählen ihre Geschichte ihren Kindern und Kindeskindern, weil sie sich nicht auf das Jüngste Gericht verlassen wollen.[7]

Fußnoten

[1] Schilller, Wallenstein http://gutenberg.spiegel.de/buch/wallenstein-3306/9

[2] http://jacobsmeinung.over-blog.com/2016/11/behinderte-ehemalige-heimkinder-werden-auch-sie-betrogen.html?utm_source=_ob_share&utm_medium=_ob_twitter&utm_campaign=_ob_sharebar

[3] https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/

[4] Auch hier eine kirchlich Einrichtung. Man lese den aktuellen offenen Brief der Betroffenen: http://jacobsmeinung.over-blog.com/2016/04/offener-brief-der-heim-opfergruppe-gut-an-der-linde.html

[5] https://dierkschaefer.wordpress.com/2010/09/09/wenn-die-ohrenzeugen-der-augenzeugen-verstummt-sind-beginnt-die-geschichtsschreibung/

[6] Aus dem Staat und den Bundesländern können sie halt nicht austreten, doch sie haben zu schätzen gelernt, was sie diesem Staat wert sind.

[7] https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2011/07/das-jc3bcngste-gericht2.pdf

Das verräterische Bedauern der Firma Merck.

»Ein Sprecher des Pharmaunternehmens sagte, Merck habe nicht rechtswidrig gehandelt. Die Frage nach Wiedergutmachung stelle sich daher nicht. „Sollten sich Dritte nicht entsprechend der Gesetzeslage verhalten haben, bedauern wir das selbstverständlich“, erklärte das Unternehmen.«[1]

Die Selbstverständlichkeit des Bedauerns entlarvt den Pharmariesen. Geheucheltes Mitleid, purer Hohn für die Betroffenen. Selbstverständlich sieht sich die Firma nicht in der Verantwortung, will nicht in Verbindung mit Medikamentenversuchen an Kindern gebracht werden, will nicht zahlen. Diese Abwehrhaltung ist verständlich. Auch das hessische Sozialministerium bringt sich aus der Schusslinie, spart sich jedoch das „selbstverständliche“ Bedauern. »„Wie auch aus der Veröffentlichung von Frau Wagner hervorgeht, gab es damals keine gesetzlichen Vorschriften, Medikamententests bei einer zuständigen Bundesoberbehörde anzumelden.“ Außerdem unterlagen die Tests noch nicht der behördlichen Überwachung durch die zuständige Landesbehörde. „Das erklärt, warum wir hierzu keine Informationen aus dieser Zeit vorliegen haben.“«

So klug war man bei Merck nicht. Eine freud’sche Fehlleistung? Immerhin bleibt ungeklärt, auf welcher Grundlage Merck der Ärztin des Kinderheims Hephata ein noch nicht zugelassenes Mittel lieferte[2], das „typischerweise bei Psychosen oder Schizophrenien eingesetzt“ wird. Wen beliefert heute die Firma Merck mit nicht zugelassenen Arzneimitteln? Und lehnt die Verantwortung für ihren Einsatz ab? Die Selbstverständlichkeit des Bedauerns ist eine verräterische Nebelgranate, die verdecken soll, dass Merck tiefer verstrickt ist, als die Firma zugibt.

Es kommt aber noch deutlicher: »Zugleich wies die Firma darauf hin, dass seinerzeit nicht nur Arzneimittel von Merck an Kindern in Einrichtungen getestet worden seien, sondern auch von vielen anderen Pharmafirmen. Tatsächlich enthält Wagners Arbeit Hinweise auf Medikamente von Behring, Boehringer Mannheim, Pfizer und anderen Herstellern.« Ist doch schön, andere auch!

Ungeklärt bleibt, auf welcher wissenschaftlichen Versuchsbasis und mit welchem Wissen über die Hintergründe die Firmen die Zulassung solcher Medikamente erlangt haben.

Weiter ist zu fragen, wie es denn heute läuft mit der Transparenz bei der Testung und Genehmigung von Arzneimitteln? Kann man vonseiten der Firmen wie der Behörden ausschließen, dass solche Versuche ganz einfach ins Ausland verlagert wurden, in Länder, die es mit den Menschenrechten nicht sonderlich genau nehmen?

Fairerweise ist das Dilemma zu benennen. Arzneimittel müssen in einem sorgfältigen Prozedere getestet und zugelassen werden. Nach der angenommenen Unbedenklichkeit kommen Tierversuche, danach die Versuche an Testpersonen. Medikamente für Kinder sind nicht an Kindern getestet, sie werden, soweit ich weiß, off-label[3] verschrieben: Die Dosis für Erwachsene wird nach Körpergewicht für Kinder runtergerechnet. Das muss nicht in jedem Fall unproblematisch sein. Doch auch hier haben die Pharmafirmen die Verantwortung den verschreibenden Ärzten zugewiesen.

Diese Sachlage könnte ganze Ethik-Kommissionen ins Rotieren bringen. Doch die befassen sich wohl lieber mit populäreren Themen. Selbstverständlich?

[1] Alle Zitate nach: http://www.lampertheimer-zeitung.de/wirtschaft/wirtschaft-suedhessen/merck-medikamente-wurden-auch-an-hessischen-heimkindern-getestet_17454613.htm

[2] So geht es aus den Unterlagen der Firma Merck hervor. Das Mittel wurde auch an den Arzt im Essener Franz-Sales-Haus geliefert, der es an Kindern von fünf bis 13 Jahren erprobte und die Leiden der Kinder akribisch beschrieb. Es soll sich um bis zu 40 Probanden gehandelt haben.

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Off-Label-Use

Medikamentengabe an einwilligungsunfähige Schutzbefohlene

Posted in DDR, heimkinder, Kinderheime, Kriminalität, Kultur, Psychologie, Recht, Wissenschaft by dierkschaefer on 30. Oktober 2016

Beihilfe zur Körperverletzung – das Urteil des BGH[1] ist umfassender anwendbar.

Nicht nur für minderjährige Dopingopfer des DDR-Sports, auf die das Urteil speziell abzielt, nein, es dürfte auch für ehemalige Heimkinder gelten, denen psychotrope Medikamente mit zum Teil lebenslang wirkenden Folgen verabreicht wurden, das trifft besonders für regelrechte Medikamententests zu, wie sie nun bekannt geworden sind. Die Beweislage und die Schuldfrage werden sich allerdings als schwierig herausstellen.

Darüber hinaus sehe ich auch Parallelen zur aktuell geplanten Freigabe von Medikamentenversuchen an demente Personen, selbst wenn diese in einer Patientenverfügung bei noch bei voller Geschäftsfähigkeit zugestimmt haben sollten. Begründung: Die Verweigerung der Nahrungsaufnahme der RAF-Gefangenen wurde während ihres Hungerstreiks respektiert. Wurden sie infolge des Nahrungsmangels ohnmächtig galt, soweit ich mich erinnere war die Rechtskonstruktion: nun seien sie nicht mehr geschäftsfähig, einen Suizid könne ein vernünftiger Mensch nicht wollen, also müsse ihre Zustimmung zur Zwangsernährung ersetzt werden durch einen Ergänzungspfleger. Dies sollte auch für den Zustand der Demenz gelten und damit alle früheren Zustimmungen zunichte machen, soweit sie dem normal-vernünftigen Wunsch nach Gesundheit und Selbsterhaltung zuwiderlaufen.

[1] http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/07/bgh-pansold-dopingopfer.pdf , mein Dank an Herrn Mitchell für den Hinweis auf dieses Urteil.