Dierk Schaefers Blog

Die Länderminister rechnen damit, dass lediglich jeder Zehnte von 90 000 einen Antrag stellen wird.

WARUM DIESER BEITRAG VOM 20. NOVEMBER 2015 DAUERHAFT HIER DEN ERSTEN PLATZ EINNIMMT, WEISS ICH NICHT. ICH WILL IHN WEGEN DER VIELEN KOMMENTARE ABER AUCH NICHT LÖSCHEN.

 

Antrag worauf? Auf „Entschädigung“. Die Journalisten haben immer noch nicht den Unterschied zwischen Hilfen und Entschädigung kapiert.

http://www.arcor.de/content/aktuell/regional_news/thueringen/4322969,1,Bundesl%C3%A4nder–Opfer-in-Behindertenheimen-und-Psychiatrie-erhalten-Entsch%C3%A4digung,content.htmlhttp://jacobsmeinung.over-blog.com/2015/11/schweigegeld-fur-behinderte-heimopfer-die-toten-schweigen-auch-ohne.html?utm_source=_ob_share&utm_medium=_ob_twitter&utm_campaign=_ob_sharebar

 

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Der himmlische Friede wird uns geschenkt. Darum ist der Friede auf Erden unsere Aufgabe.

Posted in News, Politik, Gesellschaft, Leben, Terrorismus by dierkschaefer on 17. Dezember 2018

Den Lesern meines Blogs und ihren Familien wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedvolles neues Jahr!

Friede auf Erden

Photo und Textmontage: dierk schäfer

Der Missbrauch mit dem Missbrauch

Die „Bewirtschaftung“ der ehemaligen Heimkinder und ihrer Schicksale stellt sich mittler­weile als Missbrauch der Missbrauchten dar [1]. Missbrauch ist hier umfassend zu verstehen als aktive Verletzung von Kindeswohl und Kinderrechten in staatlichen und kirchlichen Erzie­hungs­einrichtungen.

Worin besteht diese Form des Missbrauchs der Missbrauchten?

Umfassend stellt das der in Österreich erscheinende Standard in einem glänzend geschrie­benen Artikel zu einem Kinderheim in Tirol dar[2]: »Mittlerweile wurden die Schicksale der ehemaligen Tiroler Heimkinder historisch erforscht, kulturell bearbeitet und auch medial einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die vormals „schlimmen Kinder“ haben dabei brav kooperiert, führten Besucher durch ihre einstigen Folterstätten, ließen ihre Geschichten und Porträts ins Internet stellen … nahmen an Podiumsdiskus­sionen und Buchpräsentationen teil, gingen keiner Belastung aus dem Weg, auch nicht der Preisgabe intimer und schmerzhafter Details. Eine Betroffenheitswelle wurde erzeugt – aber die allein machte keinen Heller locker. Gewiss, es geht um Bewusstmachung, um Anerkennung, die „Restitution von Würde“, aber eine materielle Restitution folgte ihr nicht. Der Optimismus der letzten Jahre ist verflogen. Die Bearbeitung ihrer Geschichte hat die ehemaligen Heim­kinder aufgerieben: Öffentlichkeitsarbeit, Behördenirrwege, mangelnde Akteneinsicht, taube Ohren, fragwürdige Gutachten, eingestellte Ermittlungen, geplatzte Hoff­nungen, Almosen statt Entschädigung.«

ausgequetscht

Photo aus: https://www.mup.wi.tu-darmstadt.de/media/bwl7/praxisportal/dasfachgebietimspiegelderpresse/2010-06-10-Spielregeln.pdf

In Deutschland ist die Situation nicht anders. Die ehemaligen Heimkinder wurden ausge­quetscht wie Zitronen.[3] Zunächst ging es um Misshandlungen jeder Art in den Heimen, nun aber um den viel „geileren“ sexuellen Kindesmissbrauch. Die Medien sprangen drauf und dann die liebe Wissenschaft. Ein weites Feld wissenschaftlichen Forschens liegt vor uns. Waren manche Heimkinder im Dienste der Wissenschaft pharmazeutischen Versuchen ausgesetzt, so nun der historischen Neugier. Diese Bewirtschaftung ihrer Schicksale ist pure Ausbeutung und bringt den Ausgebeuteten außer einer momentanen Aufmerksamkeit nichts, gar nichts. Die Medien benutzen zwar – unverbesserlich – den Begriff „Entschädigung“, obwohl es zu beantragende Almosen sind. Doch für echte Entschädigung[4] ist – wie auch in Österreich niemand zuständig: »Die Verantwortlichen, das wären die Republik Österreich, die Tiroler Jugendwohlfahrt, die beteiligten Bezirks­haupt­mannschaften und Gemeinden, die katholische Kirche und der Bene­diktiner/innen-Orden. Aber die bleiben un(an)greifbar, bis auf die paar Ausführende, jene Klo­sterschwestern, die für Gottes Lohn den ihnen Anbefoh­lenen das Leben zur Höllen machten. Die meisten sind inzwischen verstorben, die übrigen dement, also nicht mehr ver­handlungsfähig. Schaden­ersatzforderungen ehemaliger Heim­kinder, die … für ihr Leben gezeichnet sind, stoßen auch bei weltlichen Behörden auf taube Ohren, sei es bei Stadt, Bezirk, Land oder Bund, den höchstverantwortlichen Trägerinstan­zen.«

»„Wir werden immer weniger. …Die mei­sten von uns haben resigniert, viele sind krank, manche verstorben.“ Zwar hätten ihnen die mediale Unterstützung und sogar offizielle Betroffenheitsbezeugungen der letzten Jahre durchaus den Rücken gestärkt, dennoch sähen sie sich der alten Zermürbungstaktik ausgesetzt: Man behandelt die Überlebenden des breitangelegtesten Verbrechens der Nachkriegszeit weiterhin als Bittsteller, anstatt sie in ihrer berechtigten Forderung nach Entschädigung wahrzunehmen. Geschweige denn sie zu ermutigen.«

Ja, so kann man nennen: Das am breitesten angelegte Verbrechens der Nachkriegszeit.

Es findet seine Fortsetzung, harmlos und ohne böse Absicht, in der Bewirtschaftung der Schicksale von damals schon Missbrauchten.

„Vae Victis“ – Wehe den Besiegten!

Fußnoten

[1] Ursprünglich meinte „Missbrauch mit dem Missbrauch“ der instrumentell oder irrtümlich erhobene Vorwurf von Kindesmissbrauch, um einen Ex-Partner vom Umgang mit dem Kind ausschließen zu können. Ich machte eine Tagung zu diesem Thema. https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/11/02/politisch-korrekt-ist-dieses-buch-ganz-und-gar-nicht/ . Es referierte auch der Autor eines gleichnamigen Buches: http://www.alteck.de/alteck_show.cfm?CFID=cc708de0-7f56-4d81-b3bc-996e487728e4&CFTOKEN=0&xx=start_beschluss.cfm . Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Missbrauch_mit_dem_Missbrauch .

[2] Zitate aus: https://www.derstandard.de/story/2000093295474/missbrauch-im-kinderheim-falltuer-auf-kind-rein-falltuer-zu

[3] Das begann mit der damaligen Familienministerin: „Die Einrichtung eines nationalen Entschädigungsfonds wird von Bundestag und Bundesregierung nicht angestrebt.“ https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/runder-tisch-bericht-ds.pdf .

Sie fand eine willige Helferin in der „Moderatorin“ des Runden Tisches: Dr. Antje Vollmer. https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/ .

[4] Es heißt immer wieder abwehrend, mit Geld sei das Ganze ohnehin nicht wieder gut zu machen.

Wenn der Landesbischof zum Trigger wird und dann auch noch Meister heißt …

Meister im Ablenken.

»Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat eine Vertrauenskrise in der Gesellschaft beklagt. Diese Krise durchziehe alle Bereiche, sagte Meister vor der Landessynode in Hanno­ver. „In der Ökonomie erkennen wir betrügerische Absichten von großen Konzernen und teilweise eine Verwahrlosung von Anstand und Ehrlichkeit“, kritisierte er in seinem Bericht vor dem Kirchenparlament.«[1]

Das ist ja nicht falsch. Dennoch hätte er besser zunächst vor der eigenen Tür gekehrt, durch­leben doch die Kirchen derzeit eine Vertrauenskrise sondergleichen.

Allerdings muss gesagt werden, dass die epd-Nachricht verkürzt war. Er sagte immerhin auch: Die Kirche muss Vertrauen schaffen, indem sie sich ihren Fehlern stellt, befand Meister: „Die zahlreichen Fällen sexuellen Missbrauchs haben einen Vertrauensverlust herbeigeführt, dessen Ausmaß wir nicht ermessen können.“ Er kündigte an, dass die Landeskirche aktiv die wissenschaftliche Studie der EKD zum Thema unterstützen werde. Darin sollen unabhängige Experten untersuchen, ob es systemische Ursachen in der evangelischen Tradition oder Theologie gibt, die Missbrauch begünstigen. „Wir haben viel getan, aber es hat vielleicht nicht gereicht“, räumte Meister selbstkritisch ein. Doch in die Twitter-Kurznachrichten hat es diese Passage nicht geschafft. Und das hat getriggert.

 

labi meister

Als ich den Tweed las und beantwortete, hatte ich am Tag zuvor ein Mail erhalten. Ein Pamphlet, wie sein Verfasser heute selber sagt: diese berichte auf ekd.de lösten mein Pamphlet an meister aus, die kamen mir gestern auf den schirm.“ Und da ist er ausgezuckt. Sein Brief an den Landesbischof ist nicht einmal ein Pamphlet, sondern eine Unverschämtheit.[2] Allerdings eine verständliche. Dazu hatte ich gerade hier im Blog geschrieben.[3]

Ich selber bin kein Betroffener, weder von kinderheimtypischen Misshandlungen etc. noch von Missbrauch. Die Misshandlungen waren bis in die 70er Jahre in den kirchlichen Erzie­hungs­einrichtungen weithin üblich, sexueller Missbrauch war nicht selten. Im hannover­schen Stephansstift kam er besonders oft vor.

Von Missbrauch im Stephansstift wussten wir Linde­ner[4] Kinder nichts, aber wir wussten: »Böse Buben kommen ins Stephansstift, böse Mädchen nach Himmelsthür. Wer verrückt ist, kommt nach Ilten, und wer schon mal in Wunstorf war, also in der Psychiatrie, wie die Frau in unserem Haus, Erdgeschoß, links, der war immer noch merkwürdig.«[5] Wie schlimm diese gottesgefälligen Einrichtungen waren, erfuhr ich erst viel später, auch welche Auswirkungen ein erzieherischer Aufenthalt im Stephansstift haben kann: lebenslänglich. So für das Heim­opfer des Stephansstifts, der sich absolut unhöflich an den Landesbischof gewendet hat.[6]+[7] Wo sein Mail wohl gelandet ist? Als ich 1965 in der Registratur des LKA (Landeskirchenamt, nicht Landeskriminalamt) in Hannover gejobbt habe, gab es eine Akte mit der Aufschrift Curiosa. Vielleicht also dort?

Wir kennen es aus der Politik: Gibt es innenpolitische Probleme, lenkt man gern außen­poli­tisch ab. Warum nicht auf die Autoindustrie einschlagen, die ja tatsächlich als organisierte Kriminalität gesehen werden kann? Aber warum macht das der hannoversche Landesbischof? Den Namen Meister hat er verdient, ein Meister im Ablenken. Da darf er sich nicht wundern, dass der Vertrauensverlust der Kirche sich schlimmer auswirkt als die demographische Entwicklung. Die Kirchen sind zum Beispiel für Verwahrlosung von Anstand und Ehrlichkeit geworden, nicht nur die hannoversche. Und auch keine Spur von Professionalität im Umgang mit Problemen.

Und hier das „Pamphlet“ – der Verfasser hat es für den Blog freigegeben.

Absender:

Erich Kronschnabel

Empfänger:

Landeskirche Hannovers

Herrn Bischof Meister 

 

Guten Tag, sehr geehrter Herr Meister! 

Ihr Amtstitel weist Sie als Bischof der Evangelischen Landeskirche Hannovers aus. Sie sind also der Aufseher, Vorsteher, Vorstandsvorsitzende des Konzerns Landeskirche Hannovers.

Ich darf mich vorstellen: Sexualopfer der Schergen der Diakonie, die mich und andere Kinder des damaligen Kinder-KZ „Stephansstift“-Außenstelle „Kronsberg“- zur Befriedigung ihrer Geilheit benutzten. Die Diakonie gehört zum von Ihnen vertretenen Konzern Landeskirche.

Seit Jahren pflegte ich Umgang mit der sogenannten „Unabhängigen Kommission“ Ihrer Firma. Dass die Mitglieder nicht unabhängig sind belegen die Jobs, die diese Kommissionsmitglieder für Ihren Konzern erledigen. Disziplinarrichter und ein Mitglied der Synode bescheinigt genau die Unabhängigkeit, die Sie als Bischof auch haben. Logisch, oder, Herr Meister?

Sie berichteten auf der Synode von 119 Opfern notgeiler Kinderficker im Dienste der Firma

Landeskirche Hannovers. Einige dieser Opfer begleitete ich bis ins Büro von Frau Pastorin Mahler. Übrigens die EINZIGE Person Ihrer Abteilung „Aufarbeitung“, die Opfer mit Empathie behandelte. 

Warum schreibe ich Ihnen überhaupt?

Seit Beginn der „Aufarbeitung und Entschädigung erlittenen Leides“ habe ich mit Mainusch zu tun, Ihnen nicht unbekannt, wie mir das Netz sagt. Mainusch und seine juristischen

Zuarbeiter erfanden einen Fragebogen zwecks Opfererfassung, der an Perversität nicht zu überbieten ist. Mainusch lässt ernsthaft nach Datum und Uhrzeit der Missbräuche fragen!!!

Klar ist ja auch dem größten Depp, dass in den Jahren 1950 – 1975 und danach KEIN EINZIGES HEIMKIND EINE ARMBANDUHR IN BESITZ HATTE! Ignoriert Mainusch natürlich, interessiert ihn einen Dreck, er sieht seine Aufgabe klar erkennbar darin, Opfer abzuschrecken und zu retraumatisieren. Klappt ja auch, bei mir saßen vier Opfer, die sofort jede Kontaktaufnahme mit der Landeskirche ablehnten, als sie diesen idiotischen Fragebogen aus Mainuschs Feder lasen. 

Lassen Sie sich die Korrespondenz zwischen mir und Mainusch zu diesem Thema von Mainusch geben. Er – von Gottes Gnaden-  begreift nicht, was sein idiotischer Fragebogen bewirkt! Er ist genau die Sorte Täternachfolger, die mir immer wieder im Umgang mit Kirche begegnete. Selbstgefällig, großkotzig, empathielos, so wie auch Annette Kurschus. Die Opfer werden erneut zu Opfern gemacht, Retraumatisierung ist Programm!

Sie beklagen auf der Synode Vertrauensverlust!? SOLANGE TYPEN WIE MAINUSCH SELBSTHERRLICH OPFER ERNEUT ZU OPFERN DER KIRCHE MACHEN, SOLANGE werden wir Opfer dagegen aufstehen, Herr Meister! Aufarbeitung und „Entschädigung für erlittenes Leid“ nennt die Kirche die Affigkeiten, mit denen die Opfer retraumatisiert werden!

Was haben Sie für Mitarbeiter, Herr Meister? An der Spitze der sich grossmäulig „unabhängig“ nennenden Kommission ein pensionierter Richter, den ich als Mensch achte, als juristischen Leiter dieser ominösen Kommission aber verachte. Deshalb verachte, weil er zulässt, was der Träger Ihres Paragrafenköfferchens gnadenlos inszeniert.Den aus der Nazizeit bekannt gewordenen Begriff „Furchbarer Jurist“ hat er sich mit Eifer und perversem Fragebogen erarbeitet – auf Kosten der Opfer!  

Und Sie stehen all diesen Schauspielern vor, sehen seit Jahren bei den Theaterstückchen zu und begreifen offensichtlich nicht, dass nicht die Taten der Schweine in Kirchenkreisen zu immer stärkerem Vetrauenverlust führen, sondern die immer noch laufenden Vertuschungen, Beschönigungen und Lügen die Ursache für Vertrauensverlust sind. Ihre

„Aufarbeiter“ arbeiten nicht auf! Ihre „Aufarbeiter“ reichen Taschengeld für zerbrochene Opfer des Konzerns Diakonie=Kirche aus – und wollen die Menschen glauben machen, dass alles wieder gut ist.

Es sind die Mainusch’s die ohne jegliche Empathie eiskalt gegen die Opfer agieren. Die Blödheit ist so grenzenlos, dass nicht mal begriffen wird, was dieser perverse Fragebogen

bei Opfern anrichtet. Frau Mahler hat es begriffen. Leider kann sie es nicht umsetzen. 

Frage an Sie, Herr Meister: Wieso wurde kein Psychologe/Psychater in diese ominöse Kommission geschickt ? Es waren immer die Juristen, die Menschlichkeit mit Füßen traten. Sollten Sie als Theologe eigentlich wissen. Ich googelte Sie ausführlichst, ich bin auf Ihre Antworten gespannt.

Ihnen fällt auf, dass mich Titel und Höflichkeiten einen Dreck interessieren. Ich „genoss“

die Perversitäten der Kinderficker mit Titel Diakon – und Sie würden schlagartig die Gesichtsfarbe wechseln, wenn ich die Betitelungen an Sie weitergebe,mit der die Schweine der Diakonie  uns Kinder benannten. „Spreche mit dem Respekt, den man dir entgegen brachte!“ lautete ein Lehrsatz meines Vaters. 

Leute wie Mainusch unterscheiden sich von den Tätern von damals lediglich dadurch, dass sie die Opfer von damals heute durch perverse Fragebogen retraumatisieren und erneut vergewaltigen!  Sagt Ihnen der blödeste Psychologe, wenn er Mainusch’s Fragebogen sieht.

Lassen Sie mich und die anderen Opfer wissen, wann Sie die immer noch eingesetzten Sauereien=Fragebogen (Motto: „Wann wurdest du gefickt? Datum und Uhrzeit bitte!“)  a la Mainusch endlich abschaffen wollen.  Die Opfer haben nämlich das Problem so häufig von den geilen Brüdern Ihres Glaubens gefickt worden zu sein, dass sie sich Daten und Uhrzeiten nicht merken konnten, Herr Meister….Die Akten Ihrer Abhängigen Kommission verraten es Ihnen. Lesen Sie, Sie erleben eine völlig neue Welt der lustvollen Diakonie!!!

Frau Mahler kann Ihnen mehr über mich berichten, falls Sie verstehen wollen, was ich will!:

Die früheren Opfer vor neuen Vergewaltigungen durch Kirchentypen vom Zuschnitt Mainusch schützen! 

Es grüsst Sie ein Sexualopfer

Ihrer Firma Landeskirche Hannovers

Erich Kronschnabel

Fußnoten

[1] https://www.ekd.de/ralf-meister-synodenbericht-vertrauenskrise-41025.htm nachgelesen: Donnerstag, 29. November 2018

[2] Ich gebe das Mail an den Landesbischof unten unzensiert wieder.

[3] https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/11/25/wenn-die-seele-zuckt-trigger/

[4] Linden ist der größte Stadtteil von Hannover.

[5] https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2015/01/rezension-himmelsthc3bcr.pdf

[6] https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/08/29/auf-kindesmissbrauch-kann-lebenslaenglich-stehen-fuer-die-opfer/

[7] Nach diesem Teil der Geschichte des Stephansstiftes sucht man auf deren Homepage vergeblich. https://www.dachstiftung-diakonie.de/die-dachstiftung-diakonie/foerderstiftungen/stiftung-stephansstift/

Wenn die Seele zuckt: Trigger

Posted in Kirche, Kriminologie, Psychologie, Resozialisierung, Täter, Wissenschaft by dierkschaefer on 25. November 2018

Manche zucken zusammen, manche zucken aus. Doch beides ist wie ein Reflex: unwillkürlich, nicht abzubremsen.

Reflexe sind lebenswichtig. Wenn mein Finger einer Kerze zu nahe kommt, zucke ich blitzschnell zurück. Müsste der Reflexbogen über das Gehirn laufen, wäre der Weg zu lang und ich würde mich verbrennen. So etwas erledigt das Rückenmark-Segment viel schneller.[1] Soweit die Physiologie: Schmerzwahrnehmung und Schutzreaktion. Funktioniert auch bei Tieren.

Und die Psychologie? Hier geht es um die Erinnerung an Schmerzen und die Abwehrmaß­nahmen gegen schmerzhafte Erinnerungen und deren beängstigende Wiederbelebung, um Trauma und Retraumatisierung.

Beispiel: Ein ehemaliges Heimkind berichtete mir, er sei bereits an seinem ersten Tag im Heim missbraucht worden; als Erwachsener umfassend psychotherapiert könne er nun frei über das Erlebte sprechen.

Aber kürzlich war er bei Arzt. Die Untersuchung auf krankhafte Vergrößerung der Prostata (Krebsgefahr) erfolgt rektal. Als ihn der Arzt dazu mit dem Finger penetrierte, habe er sich reflexhaft umgedreht und dem Arzt eine „geschmiert“. Natürlich, so sagte er, habe er sofort gewusst, wieso das passiert war, habe sich beim Arzt entschuldigt und ihm die Hintergründe erklärt. Der Arzt sei auch verständnisvoll gewesen. Er aber habe danach zwei weitere Sitzun­gen beim Psychotherapeuten gebraucht.

Reflexhaft. Solche Reflexauslöser kommen zuweilen unerwartet und können zu Problemen führen, die der Betroffene nicht immer erklären kann, manchmal nicht einmal sich selber. Dazu ein Blick auf den Ablauf von der Traumatisierung bis zur posttraumatischen Bela­stungs­störung. Ich benutze dafür das Modell der Traumazange von Dr. Besser, wie ich es bei seinen Vorträgen notiert habe; dazu die Erklärung von Prof. Resch, der den Vorgang der Traumatisierung beschreibt.

Traumazange

Ausgangspunkt ist eine Situation absoluter Hilflosigkeit, die zu einer Dissoziation führen kann – aber nicht muss. Auf jeden Fall bleibt das Geschehen nicht nur als „unangenehme Erinnerung“ im Gehirn gespeichert, sondern kann sich plötzlich und dramatisch aufdrängen und dieselbe Angstreaktion auslösen, wie in der ursprünglichen Bedrohung. Das kann die Erinnerung an das Keu­chen des Täters sein, an seine Kleidung oder, nur scheinbar banal, an die Temperatur – alle Details können gespeichert sein, meist sind es nur einige. Was Dr. Besser salopp die „Tupper-Black­box“ nennt ist nämlich nicht ganz so dicht, wie man es Tupper zutraut. Die Schutzfunktion ist hier nicht vollkommen. Zum einen ist der Schutz nicht sicher, zum anderen kann das „Ver­drän­gen“ zu Störungen der Psyche führen, deren Ursache nicht so leicht zu erkennen ist[2], und drittens können Situationen auftreten, die der Umwelt nicht so leicht zu vermitteln sind – im obigen Fall hat das jedoch geklappt.

Zu den im Schaubild gezeigten Undichtigkeiten kommen Trigger als Auslöser der Erinne­rungs­kaskade: die posttraumatische Stressreaktion – mit den soeben beschriebenen Proble­men.

Hinzu tritt ein weiteres Problem, dass jedoch den Betroffenen nicht als solches erscheint, zumal solche Wahrnehmungsblockaden auch ohne vorgängige Traumatisierung vorkommen; dann sind sie den Vorurteilen zuzuordnen.

Dazu noch ein Schaubild. soziale wahrnehmung

Ich habe es im Laufe meines Berufslebens immer wieder ergänzt, um den komplexen Sachverhalt der sozialen Wahrnehmung abzubilden. Es ist entsprechend komplex – und immer noch nicht vollständig. Nicht erfasst habe ich bisher die trauma­bedingte Wahrnehmungsblockade, hier konkret das zum Teil aggressive Ausblenden aller Informationen, die ein differenziertes Bild zeichnen könnten von den Personen oder Institutionen, die in Zusammenhang mit der Traumatisierung gesehen werden.

Aus meiner persönlichen Geschichte: Ich konnte meiner Großmutter nie Argumente gegen die Todesstrafe nahebringen; zu sehr war sie zutiefst befriedigt darüber, dass die Mörder ihres Mannes 1936 auf der Guillotine endeten. Dieser Mord hatte sie lebenslänglich traumatisiert und die „gerechte Strafe“ hatte dem nicht abhelfen können.[3] Ich habe das alles erst viel später verstanden. Auch sehr spät habe ich verstanden, warum manche Psalmen von Hass geradezu triefen. Sie rufen keinen gnädigen Gott an, sondern den rächenden.[4]

Wenn nun im derzeit aktuellen Zusammenhang missbrauchte ehemalige Heimkinder aus kirchlichen Einrichtungen hasserfüllt sind wegen der an ihnen begangenen Verbrechen und der darauffolgenden Vertuschung, Relativierung und geheuchelten Betroffenheitsbekundun­gen, dann habe ich Verständnis für diesen Hass und verstehe auch, dass sie ‚Kirche’ nur unter ihrem Erfahrungshorizont wahrnehmen und verstehen wollen und können.

Dass es auch anders geht, erfuhr ich erst gestern, als mir ein Kollege einen Link schickte.[5] Doch eine solche Einstel­lungs­änderung ist erst möglich, wenn andere Erfahrungen ver­söhnlich stimmen. Das war hier der Fall, wäre aber unmöglich gewesen, wenn sich die Frau total gegen neue Erfahrungen mit der Kirche abgeschottet hätte.

Doch das kann man nicht einfordern. Wenn die Seele reflexhaft zuckt bei allem, was nach Kirche aussieht und sich sperrt gegen Wahrnehmungen, die der traumatischen widersprechen bzw. ein differenziertes Framing ermöglichen, die Einordnung in ein realistisches Bild, in dem beides seinen Platz hat, das furchterregende und das hoffnungsvolle, dann hat hier niemand Vorhaltungen zu machen, schon gar nicht vonseiten der „Täternachfolger“.

Doch schade ist das schon. Denn so verharrt das Opfer in seinem Opferzustand.

das unglück allein

Fußnoten

[1] Als Reflexbogen wird in der Physiologie die kürzeste Verbindung zwischen Rezeptor und Effektor über die Nervenzellen eines bestimmten neuronalen Erregungskreises bezeichnet. Die Verschaltung vom afferenten auf das efferente Neuron erfolgt im einfachsten Fall auf spinaler Ebene über eine Synapse im Vorderhorn des Rückenmarks. Man spricht daher bei dieser Form eines Reflexes auch genauer von einem einfachen monosynaptischen Reflexbogen. https://de.wikipedia.org/wiki/Reflexbogen_(Physiologie)

[2] und zuweilen auch zu Fehldiagnosen führt.

[3] https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/mordsache-unterberg1.pdf

[4] Was mir bisher überhaupt nicht deutlich war: Missbrauchte haben ein Recht nicht nur auf Zorn, sondern auch auf Hass. Dem darf man nicht moralisierend begegnen. Zum ersten Mal habe ich die fürchterlichen Hass-Bezeugungen in manchen Psalmen verstanden. https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/01/25/damit-der-boden-wieder-traegt-seelsorge-nach-sexuellem-missbrauch/

[5] https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2018/41359/sexueller-missbrauch-der-kirche

Ein höchstrichterliches Skandalurteil des EKD-Gerichtshofs, … 3. Juli 2013, https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/07/03/ein-hochstrichterliches-skandalurteil-des-ekd-gerichtshofs/

Die Behörden setzten noch am Montag Seelsorger ein, um Angehörige und Nachbarn zu betreuen[1]. – Wo kommen die bloß her, die Seelsorger?

Posted in BRD, Christentum, Deutschland, Ethik, Gesellschaft, heimkinder, kirchen, Kultur, Leben, Politik, Seelsorge, Soziologie, Staat, Theologie by dierkschaefer on 21. November 2018

 

Notfallseelsorger stellen die Kirchen bereit. Sie arbeiten aus innerer Berufung nebenberuflich und schreiben keine Rechnungen.

Die Kirchen stehen zurzeit massiv unter Druck – und das mit Recht. Zu schwer wiegen die Verbrechen von Misshandlungen und Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen, zu schwer wiegt der mafiöse Zusammenhalt bei der Vertuschung dieser Verbrechen, zu widerlich sind die Abwehrmaßen von berechtigten Entschädigungsleistungen. Das ist die eine Seite, die mich enorm bedrückt und verärgert. Kirche sollte anders sein.

Die andere Seite verärgert mich nur. Für manche ist Religosität als solche ein Ärgernis Die wollen nicht – auch nicht passiv – davon Kenntnis nehmen und halten schon die Erkenn­bar­keit von religiösen Einstellungen für eine Provokation. Natürlich gehören religiöse Zeichen nicht in Diensträume, es sei denn, es handelt sich um Zeugnisse aus der architektonischen Geschichte dieser Baulichkeiten. Doch ich vermute, so manchen Zeitgenossen steht auch dort der Sinn nach Bildersturm analog zur französischen Revolution.

Apropos: die „laïcité negative“ in Frankreich[2] gilt diesen Leuten als erstrebenswertes Vorbild, wenn sie sich dort auch als spezielles Integrationshindernis für Muslime erwiesen hat.[3] Erst kürzlich hat Prof. Zulehner „Das Kopftuchverbot in Schulen – eine religionspolitische Falle“ genannt[4], und er hat Recht damit.

Nun zu den oben genannten Seelsorgern. Wer von den radikalen Religionskritikern über­nimmt denn solche Aufgaben? Ich rede jetzt nicht von den Sozialkonzernen der Kirchen, die finanzieren sich selbst, was ja auch in Ordnung ist. Nein, ich meine die polunbezahlten[5] – und wohl auch unbezahlbaren Dienste der Kirchen und ihrer Pfarrer an die Einzelnen in Not: Telefonseelsorge, Notfallseelsorge, dazu gehören auch die Polizeiseelsorge[6]

und ökumenische Gottesdienste zu staatlichen Trauer­anlässen. All dies erfolgt, von möglichen Ausnahmen abgesehen, ohne missionarische Absichten. In unserem Buch über „Polizisten im Umgang mit Trauer und Tod“[7] haben wir einen Anwendungsfaden[8] zur „Überbringung von Todesnachrichten“ veröffentlicht und in aller Selbstverständlichkeit auch den Umgang mit Angehörigen muslimischen Glaubens berücksichtigt.

Nun meine Frage: Wo bleiben sie denn, die seelsorglichen Dienste unserer Kirchen- und Religionskritiker? Oder ist schon diese Frage eine Provokation, weil von einem Pfarrer gestellt?

Unterstützung bei diesen Aufgaben könnten wir gut gebrauchen. Wir bekommen sie bereits für die Notfallseelsorge von den Einsatzkräften in Feuerwehr und anderen Sozialdiensten mit Blaulicht. Die nehmen unsere Zusammenarbeit und die Ausbildungsangebote der kirchlichen Notfallseelsorger gerne an. Wohl kaum jemand von ihnen träumt allerdings davon die Kirchen auszuradieren.

Fußnoten

[1] Die Frage stellt die FAZ gar nicht erst in ihrem heutigen Artikel über vier Tote „nach mutmaßlicher Beziehungstat in Jena.“ Auch die FAZ geht davon aus, dass die Seelsorger einfach parat stehen. Meldungen dieser Art gibt es fallbezogen mit gewisser Regelmäßigkeit.

[2] Dierk Schäfer, Laizismus als Lösung vieler Probleme? https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/01/28/laizismus-als-losung-vieler-probleme/

[3] »Die Ausgangsfrage war jedoch die Einbindung von Religion in Staat und Gesellschaft. Im Unterschied zu Frankreich werden in Deutschland die Ressourcen der Konfessionen vom Staat genutzt. Dass sich dies nicht immer zum Vorteil der Kirchen und ihrer Einrichtungen ausgewirkt hat, habe ich in meiner Rezension zu „Himmelsthür“ dargelegt[10]. Zu dieser „hinkenden Trennung von Staat und Kirche“[11], wie die Fachleute den Zustand bei uns nennen, gibt es viel zu sagen, wie schon vielfach auch in diesem Blog geschehen, kritisches wie positives. … generell läßt sich wohl sagen, dass Christen sich in diesem Staat gut aufgehoben erleben und Mitspracherecht haben. Es wäre ein Fortschritt, wenn das auch die Muslime so sehen könnten, die sich an die staatlichen Gesetze halten – und das ist die überwiegende Mehrzahl. Aber nur so läßt sich der Islam in unsere plurale Gesell­schaft einbinden und nur so wird die Umma[12] auch der clamheimlichen Sympathie mit Gewalttätern aus ihrer Mitte den Nährboden entziehen können. Frankreich mit seiner laïzistischen Staatsreligion hat das nicht geschafft. Es ist übrigens lehrreich und geradezu erheitend zu lesen, wie die Trinität von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit in Anlehnung an das religiöse Vorbild sich herausgebildet hat.[13] Man meint aber, die muslimisch erzogenen Kinder der Banlieue mit noch mehr staatsbürgerlichem Patriotismus fesseln zu können. Doch sie sind die Kinder „D’OUTRE MER“[14] und pfeiffen auf die Marseillaise.« — Die hier auftauchenden Links sind nachzulesen in: https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/02/01/laizismus-als-losung-vieler-probleme-anscheinend-nicht-hatte-ich-argumentiert/

[4] https://zulehner.wordpress.com/2018/11/19/das-kopftuchverbot-in-schulen-eine-religionspolitische-falle/

[5] Letztlich werden sie über die vielbeklagte Kirchensteuer bezahlt, die auch auf der Abschussliste steht, wobei die meisten nicht wissen, dass der Staat für die Dienstleistung des Kirchensteuereinzugs bezahlt wird, und zwar höher, als es inzwischen, in Zeiten der elektronischen Datenverarbeitung angemessen ist.

[6] Emblem der Kirchlichen Arbeit in der Polizei.

[7] Dierk Schäfer, Werner Knubben, … in meinen Armen sterben?, Polizisten im Umgang mit Trauer und Tod – Zwischen Hilflosigkeit und Routine, Hilden 19962, S. 299f

[8] Dieser Anwendungsfaden wurde als sehr hilfreich empfunden und als Faltblatt „Erste Hilfe – Letzte Hilfe, Sie haben eines Todesnachricht zu überbringen“ in großer, für uns nicht mehr überschaubarer Zahl nachgedruckt. Wir hatten der Landespolizeidirektion Tübingen das © überlassen.

Wen wundert’s? Seelische Krüppel haben auch in den Kirchen Karrierevorteile.

Manche scheinen nicht einmal zu wissen, was Anstand ist.

Wenn aber jemand in einer menschlich schwierigen Situation hilfreich ist, macht er sich verdächtig. Dazu weiter unten.

Wer den Artikel „Sexuelle Gewalt in der Kirche: Angst vor der Wahrheit“[1] liest und keine Ahnung hat, dass es bei Kirchens nicht anders zugeht als in anderen Chefetagen, die bereits mit der Führungsnormalroutine überfordert sind, der mag sich noch wundern. Nicht erst seit der Heimkinderdebatte kenne ich diese Charakterschwächen – oder soll man gar von fehlen­dem Charakter sprechen? Da wurden die Heimkinder nach Strich und Faden von der unheili­gen Allianz von Staat und Kirche über den Runden Tisch gezogen. Betroffenheitsgestammel[2] gab es auch damals. So nun auch beim Missbrauchsskandal. Der schlägt höhere Wellen, als die Misshandlungen und Demütigungen in den staatlichen, meist aber kirchlichen Heimen. Denn „sex sells“ auch hier und macht Schlagzeilen. Und wieder gibt es die Abwehrreflexe. Man marschiert getrennt, jede Landeskirche für sich, das lässt Bein­freiheit im Umgang mit Opfern, die man auch besser gar nicht selbst zu Wort kommen lässt. Man weiß doch schon, was die brauchen. Entschuldigungen und allgemeine Aufar­beitung. Das erste gibt’s umsonst, für die Aufarbeitung gibt man – nicht gerade gern, aber notgedrun­gen – Geld aus[3]. Sogar Aufarbeitung von außen wird erwogen, hält auch sie immerhin die Opfer auf Abstand – und ihre Forderungen nach rechtlich einklagbarer Ent­schädigung. Man wird wohl auch – wieder jede Landeskirche für sich – „Missbrauchs­beauftragte“ ausgucken. Ein wichtiger aber undankbarer Job. Doch wer der vox populi und den Medien folgend, von hoher Position danach ruft, profiliert sich als das gute Gewissen der Kirche.[4] Die Predigt der Bischöfe Ulrich und Fehrs zum Ahrensburger Missbrauchs-Skandal war allerdings eher peinlich.[5] Schön, wenn man sich am Palmsonntag auf den demütigen Palmesel-Jesus berufen und „Erbarmen“ als Lösung anbieten kann, Erbarmen auch für das Versagen der Institution.Palmsonntag.jpg

 

Auffiel der damalige bayrische Landesbischof. Er setzte sich für ein Missbrauchsopfer ein. Wie kam er dazu? fragten sich die Richter beim EKD-Gericht, rügten die seelsorgerliche Begleitung durch den Landesbischof während des Disziplinarverfahrens und stellten die Ordnung wieder her. „Das Gericht unterstellte dem Bischof, es ginge ihm lediglich um die Verurteilung des Angeschuldigten“[6]. Der Täter plauderte mit den Richtern, das konsternierte Opfer war zwar extra angereist, wurde aber gar nicht erst angehört.[7] Auch das VELKD[8]-Gericht scheint aus furchtbaren Juristen zu bestehen: »Das Landeskirchenamt hatte dem Pastor „schwerwiegende Amtspflichtverletzungen“ vorgeworfen und beim unabhängigen Kirchengericht seine Entfernung aus dem Dienst beantragt. Das Kirchengericht dagegen hatte Mitte November das Verfahren gegen H. ohne Beweisaufnahme eingestellt. Eine „Entfernung aus dem Dienst“ sei aus Gründen der Verhältnismäßigkeit „nicht gerechtfertigt“, hatte der Vorsitzende Richter erklärt. Missbrauchsopfer hatten die Einstellung kritisiert.«[9]

Wenn ich an den Palmsonntagsgottesdienst der Nordkirche denke … Da ist doch der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dichter am Problem: Er räumte »Versäumnisse der Kirche bei der Aufklärung der Fälle ein. „Wir haben versagt, und wir waren wie in einem Verblendungszusammenhang: nicht hinsehen wollen, nicht wahrhaben wollen, was geschieht, es kleinreden, es nicht anhören, all das ist immer wieder geschehen“, sagte er am Sonntag bei einem Gottesdienst in München.«[10]

Ob er es ehrlich meint? Wer weiß das? Ich will ihm nichts unterstellen. Zumindest weiß er, was erforderlich ist, denn er sieht seine Institution mit dem Rücken zur Wand und reagiert angemessen. Jetzt fehlt nur noch eine angemessene Entschädigungsregelung.

Fußnoten

[1] https://www.zeit.de/2018/47/sexuelle-gewalt-evangelische-kirche-vertuschung-betroffene/komplettansicht

[2] Der Begriff stammt von Helmut Jacob. Nicht wegen seiner Heimerfahrungen trat er aus der Kirche aus, sondern wegen seines in diesen Fragen völlig unsensiblen Ortspfarrers. https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/10/18/helmut-jacob-ist-tot-ein-nachruf/ + https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/11/28/ein-nachruf-waere-angemessen-gewesen-doch-die-groesse-zur-demut-hatten-sie-nicht/

[3] Neue Studien, mehr Geld: Wie die Evangelische Kirche sexuellen Missbrauch untersuchen will. Ein Betroffener fragt: „Was nützt es, wenn die Vertuscher nicht bestraft werden?“ twitterte Detlev Zander, Betroffener und Sprecher von „Missbrauch in der Brüdergemeinde Korntal“ #BrüdergemeindeKorntal #Aufklärungsskandal #Aufarbeitung

[4] Hanno Terbuyken‏ twitterte: Ganz ehrlich und ganz persönlich: Ich finde es befremdlich, wenn die #EKDsynode nach dem Bericht zu #missbrauch von Kirsten Fehrs stehend applaudiert. Wem denn? Der Performance der Bischöfin? Der mangelnden Aufarbeitung? Angemessen wäre, erstmal in Scham zu schweigen. Unwürdig.

Das Hamburger Abendblatt veröffentlichte: „Der zur Zeit größte bekannte Missbrauchsskandal der Evangeli­schen Kirche Deutschlands aus Sicht einer Pastorin und Missbrauchsüberlebenden.“ Zitat: »Frau Bischöfin Fehrs: „Und auch wenn ich zu der Institution gehöre, die den Täter ungewollt geschützt hat und so schwerfällig aufklärt.“« Diese Umschreibung ist unerträglich. Wollen die höchsten Vertreter unserer Kirche mit so einer Aussage: „Täter ungewollt geschützt“, aus den „Schleifen der Selbstrechtfertigung“ herauskommen? http://www.stimme-der-opfer.de/new/Ahrensburger_Missbrauchsskandal_Artikel_Mai_2012.pdf

[5] Man kann diese Dialogpredigt auf youtube nacherleben: https://www.youtube.com/watch?v=pDLEQ36BrFk , die Tonspur lässt etwas zu wünschen übrig, dennoch wird das typisch kirchliche Geschwiemel hier deutlicher als im Predigtnachdruck: https://www.nordkirche.de/nachrichten/nachrichten-detail/nachricht/1-april-2012-dialogpredigt-mit-bischof-ulrich-zu-joh-1212-ff/

[6] Bayrische Landeskirche – Was nun? https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/07/05/4356/ +

[7] Das Opfer wurde von der Vorsitzenden Richterin auf die Nachfrage, warum sie nicht aussagen durfte mit der Antwort abgefertigt: »Das war nicht unser Thema. https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/07/03/ein-hochstrichterliches-skandalurteil-des-ekd-gerichtshofs/

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Vereinigte_Evangelisch-Lutherische_Kirche_Deutschlands

[9] https://www.nordkirche.de/nachrichten/nachrichten-detail/nachricht/kirchenamt-fordert-neues-gerichtsverfahren-gegen-ahrensburger-ruhestandspastor/

[10] https://www.welt.de/vermischtes/article184085062/Kardinal-Marx-ueber-Missbrauch-Wir-haben-versagt.html?wtrid=socialmedia.socialflow….socialflow_twitter

Foto: Dierk Schäfer

Kashoggi – Mit einer Knochensäge soll er zerlegt und in koffertauglichen Portionen abtransportiert worden sein.

Posted in Kriminalität, Kriminologie, News, Politik by dierkschaefer on 23. Oktober 2018

Knochensäge, war es so eine? Photo[1] 

KnochensägeDa muss Blut geflossen sein. Mit Leukomalachitgrün käme man weiter.

Ich erinnere mich an einen Artikel in der Zeitschrift Kriminalistik. Den Text habe ich nicht mehr gefunden. Doch der Mordfall fand Eingang in einen Krimi:

„Im Haus der Familie St. hatte sich ganz augenscheinlich ein blutiges Geschehen zugetragen … Die Beamten entschlossen sich, Leukomalachitgrün einzusetzen, die Chemikalie, mit der Blut noch in bis zu 50000facher Verdünnung sichtbar gemacht werden kann. Alle Räume des Hauses wurden mit diesem Reagenz ausgesprüht mit der Folge, dass ein umfangreiches blutiges Geschehen transparent wurde. (,..) Eine Schleifspur und Blutauftropfspuren wiesen den weiteren Weg des Täters durch den Keller hinaus auf die Terrasse und von dort aus in die Garage. Inzwischen war das mit Fäulnisflüssigkeit durchtränkte sandige Erdreich der in der Garage gelegenen Arbeitsgrube ausgehoben und sorgfältig durchsucht worden. Neben bebluteten Wäsche- und Bekleidungsstücken hatten die Beamten einen aus dunkelbraunen Haaren und anhaftender Kopfschwarte bestehenden Skalp, ein Büschel schwarzer, glatter Haare, eine blutverschmierte Herrenarmbanduhr mit abgerissenem Metallarmband und die Waschhaut einer rechten Handinnenfläche mit den Fingerkuppen von fünf Fingern und Fingernägeln gefunden.“[2]

Der Augenschein trügt, Blut lässt sich nicht restlos wegwaschen. Leukomalachitgrün bringt geringste Spuren zum Leuchten. Die Beschreibung in der Fachzeitschrift (war es die vom Oktober 85?) war gruselig. Schritt für Schritt konnte man den Täter nachverfolgen, vom Bett des ermordeten Ehepaares, dann Stufe um Stufe im Treppenhaus, wo die Körper aufgeschla­gen waren bis zur Jauchegrube als Endlagerung.

„Bisher hat Riad, anders als angekündigt, auch noch nicht die Durchsuchung des Geländes durch türkische Ermittler ermöglicht. Am Samstag wurden lediglich Journalisten durch das sechsstöckige Gebäude im Norden Istanbuls geführt. Auf Khashoggi stießen sie dabei erwartungsgemäß nicht.[3]

Erdogan sprach heute von einem „barbarisch geplanten Mord“.[4]

Wenn die Botschaft zur kriminalistischen Untersuchung freigegeben wird, dürfte man mehr wissen. Das aber befürchet das saudische Könighaus wohl auch.

Fußnoten

[1] https://w.grube.de/jagd/jagdausruestung/wildkammer/2289729/gerber-knochensaege-vital-pack-saw?gclid=EAIaIQobChMIyKqi2u6c3gIV0-F3Ch3UYwXFEAQYBCABEgLQM_D_BwE

[2] https://books.google.de/books?id=i2hvDwAAQBAJ&pg=PT259&lpg=PT259&dq=Leukomalachitgr%C3%BCn+Kriminalistik&source=bl&ots=-rII7J95td&sig=NXyALzc-OAsa4Afsu1Az39vWhn0&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjf27KQkpfeAhUpM-wKHfj3CUQQ6AEwBHoECAMQAQ#v=onepage&q=Leukomalachitgr%C3%BCn%20Kriminalistik&f=false

[3] https://www.n-tv.de/politik/Der-Druck-auf-Riad-im-Fall-Khashoggi-waechst-article20664449.html Dienstag, 23. Oktober 2018

[4] https://www.tagesschau.de/ausland/erdogan-khashoggi-103.html

Wer soll den Mühlstein um den Hals kriegen – und dann ab mit ihm ins Meer?

Die „Kinderficker“ sind gemeint, aber Klartext sprach Jesus nicht.

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Die Software meines Blogs macht Schwierigkeiten, den Text hochzuladen. Darum stelle ich ihn als PDF ein.

Bitte hier anklicken: Wer soll den Mühlstein um den Hals kriegen_2_2

Wer mit dem Teufel aus einem Topf essen will, braucht einen langen Löffel.

Posted in Kindeswohl, Kirche, Kriminalität, Leben, Moral, News, Recht, Religion, Soziologie, Täter, Weltanschauung by dierkschaefer on 6. Oktober 2018

Das gilt wohl auch für gemeinsame Vorhaben mit der Deutschen Bischofskonferenz. Teufel.jpg

„Am 08.07.2011 vereinbarten der Ver­band der Diözesen Deutschlands (VDD) und das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) die Durchführung einer Untersuchung zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche.“

Daraus wurde letztlich nichts. Warum, das erklärt das KFN in einer mir vorliegenden Dokumentation.[1]

»Was hat das KFN aus dem Scheitern des Projekts gelernt? Hierzu gibt es verschiedene Antworten. So hätten wir die angesprochenen Probleme der Aktenvernichtung bereits vor Abschluss des Vertrages erkennen können, wenn uns eine erfahrene Kirchenrechtsexpertin bzw. ein erfahrener -experte zur Seite gestanden wäre. Sie oder er hätte uns dann wohl auch darauf aufmerksam gemacht, dass die per Hand­zeichen abgegebene Zustimmung der 27 (Erz-)Diözesen zu dem Vertrag für diese keinerlei rechtliche Bindungswirkung entfaltete und dass es deshalb ratsam gewesen wäre, ergänzend 27 Einzelverträge abzuschließen. Und schließlich wäre von dieser Person möglicherweise auch ein Hinweis auf die inne­ren Machtstrukturen der katholischen Kirche gekommen, der uns rechtzeitig etwas bewusst gemacht hätte: Für ein derart schwieriges Projekt bietet allein die Unterschrift des Sekretärs der Deutschen Bischofs­konferenz zu wenig Sicherheit, um das Forschungsvorhaben mit allen 27 (Erz-)Diözesen umsetzen zu können. Als sich gegen Ende des Jahres 2011 gegen das Projekt zuneh­men­de Widerstände zeigten, erwies sich seine Position als zu schwach, um die Erfüllung des gel­tenden Vertrages zu garan­tieren. Darüber hinaus drängt sich eine weitere Folge­rung auf. Es hat sich als Mangel des abgeschlos­senen Vertrages erwiesen, dass sich das KFN dazu verpflichtet hat, über alle projektinternen Abläufe oder Konflikte gegenüber Außen­stehen­den strikt zu schweigen und bei einem Verstoß gegen diese Regelung eine Kündigung aus wichtigem Grund zu riskieren. Stattdessen sollte bei solchen Verträgen vorgesehen wer­den, dass beide Seiten berechtigt sind, sich den sachverständigen Rat externer Exper­tinnen und Experten einzuholen. So wäre es in unserem Fall hilfreich gewesen, wenn wir eine ausge­wie­sene Datenschutzexpertin bzw. einen ausgewiesenen Datenschutzexperten hätten einbeziehen kön­nen. Dies hätte den VDD daran gehindert oder es ihm zumindest erheb­lich erschwert, in der Öffent­lichkeit den falschen Eindruck zu erwecken, das Projekt sei an Datenschutzproblemen gescheitert. Ein zweites Beispiel betrifft eine Grundsatzfrage. Für derartige Projekte, in denen ein außer­universitäres Institut bei einem mächtigen Vertragspartner Drittmittel für ein großes Forschungsprojekt eingeworben hat, wäre es hilfreich, wenn es beim Bundesforschungs­ministerium oder beim Wissenschaftsrat eine für Fragen der Forschungsfreiheit verant­wortliche Person gäbe. Ihre Aufgabe wäre es, sich auf Anfrage bera­tend einzuschalten, wenn sich Konflikte zwischen den Vertragsparteien ergeben sollten, die die For­schungs­freiheit tangieren. Vorsichtshalber sollte die Funktion dieser beauftragten Person bereits im Vertrag angesprochen werden, damit das Institut auch insoweit keine Geheimhaltungs­pflichten verletzt, wenn es diese besondere Sachverständige bzw. diesen besonderen Sachverständigen einschalten möchte.«

Inzwischen gibt es die Folgeuntersuchung, auch im Auftrag der Bischöfe. Doch alle von ihnen eingebauten Kautelen konnten nicht verhindern, dass von den Autoren selbst die Schwächen ihrer Untersuchung offen benannt wurden.

»Die letzten beiden [vom KFN benannten] Kritikpunkte werden nun bestätigt – und zwar durch die Studie selbst. Darin heißt es: „In einigen Fällen fanden sich eindeutige Hinweise auf Aktenmanipulation.“ Außerdem habe es „explizit die Information“ aus zwei Bistümern gegeben, „dass Akten- oder Aktenbestandteile mit Bezug auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger in früherer Zeit vernichtet wurden“. Neben der Aktenvernichtung wird auch das Blockieren einer unabhän­gigen Einsicht in die vorhandenen Bistumsakten belegt. In der Zusammenfassung der Studie steht auf Seite eins: „Das Forschungsprojekt hatte keinen Zugriff auf Originalakten der katholischen Kirche. Alle Archive und Dateien der Diözesen wurden von Personal aus den Diözesen oder von diesen beauftragten Rechtsanwaltskanzleien durchgesehen.“«[2]

Sollte beabsichtigt gewesen sein, mit einer unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchung im Auftrag der Kirche Vertrauen in die katholische Kirche wiederherzustellen, so ist das gründlich misslungen. Transparenz sieht anders aus – und: die Wissenschaftler haben sich als nicht käuflich erwiesen.

Fußnoten

[1] Christian Pfeiffer, Thomas Mößle, Dirk Baier, Über das Scheitern eines Forschungsprojekts zur Untersuchung des sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/9783845259390_9.pdf?download_full_pdf=1&page=1 Die Datei ist geschützt, wenn man sie öffnet, kann es vorkommen, dass man sie kaum wieder vom Schirm runterkriegt. Ich habe sie gelesen und veröffentliche aus ©-Gründen hier nur den Teil, in dem die Autoren ihre Lehren aus der Zusammenarbeit mit der in Deutschland real-existierenden katholischen Kirche beschreiben.

[2] https://www.zeit.de/2018/38/sexueller-missbrauch-bischoefe-kirche-studie/komplettansicht

Photo: Dierk Schäfer, https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/16422342929/in/photostream/

Die theologische Bankrotterklärung eines Papstes

Der Zeitgeist ist Schuld für die Vertuschung von zahllosem Kindermissbrauch. Beileibe nicht nur in der Kirche. »In früheren Zeiten seien solche Vergehen überall verschwiegen worden – beispielsweise auch in Familien, „wo der Onkel die Nichte vergewaltigte, der Vater die Kinder – weil das eine riesengroße Schande war«[1]. Natürlich wolle er „die Vertuschung von sexuellem Missbrauch in der Kirche nicht entschuldigen“, Schlimm, aber verständlich. „Das gelte etwa für die Beurteilung von Verbrechen gegen indigene Bevölkerungen, die oft äußerst grausam gewesen seien. Ähnlich verhalte es sich bei der Todesstrafe, die noch Ende des 19. Jahrhunderts auch im Kirchenstaat angewandt worden sei.“[2] Er hätte noch weiter ausholen können, doch dann hätte er wohl zu viel Verständnis gezeigt: Der brutale Antisemitismus, heute noch endemisch, entsprach dem Zeitgeist. Auch die ehrbaren Genickschuss-Soldaten der deutschen Wehrmacht fühlten sich dem Zeitgeist verbunden.[3]

Die Zahlen der auch der Kirche bekannten Missbrauchsfälle erschrecken.[4] Das Erschrecken wird größer, wenn man bedenkt, dass auf jeden in den Kirchenakten bekannten Missbraucher, nicht alle sind dort aktenkundig, waren aber doch bekannt, dass auf jeden Missbraucher mehrere Vertuscher kamen. Alles Zeitgeist? „Was ihr den Geist der Zeiten heißt, ist nur der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln.“[5]

Die Ausrede des Ertappten: „Aber andere auch“.

Eine theologische Bankrotterklärung? Lassen wir beiseite, dass Forderungen, die Kirche müsse mit der Zeit gehen, oft abgewimmelt werden mit dem Argument, die Kirche dürfe nicht dem Zeitgeist hinterherhecheln. (Das Argument wird bei der Diskussion über den Zölibat wieder benutzt werden.) Schauen wir auf das Grundsätzliche, mit dem der Stellvertreter Gottes theologisch zu messen ist. Er ist das reale Auge Gottes[6] auf Erden. Das Auge Gottes.jpgNun ja, er nimmt Teil an der Zweinaturenlehre[7], ist also auch Mensch und sieht nicht immer alles, besonders wenn der Zeitgeist auch über ihn und seine Administration kommt.

Doch es gibt Eindeutigkeiten, die auch der Zeitgeist nicht beiseite schieben kann. „Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft werde im Meer, da es am tiefsten ist.“[8] Wo also waren die Augen der vielem Missbraucher und Vertuscher? Sie hätten wissen müssen und ermessen können, was sie taten. Die Ausrede des Ertappten: „Aber andere auch“, die entschuldigt nicht vor Gottes Gericht. Die vielfachen Abbildungen vom alles sehenden Gott, das von Kind an gehörte „der liebe Gott sieht alles“ werden von diesem Papst zum Kinderglauben erklärt: nicht so ganz ernstzunehmen, denn „andere doch auch“. Gottes Auge? Nur eine Vision.[9]Das Auge Gottes - Vision

Der Anspruch sieht anders aus: „Die Lehre von der unfehlbaren Kirche führt dazu, daß diese Kirche keine Fehler machen kann/darf. Kommen Fehler vor, z.B. in den Erziehungsheimen, ist es nicht die Kirche, sondern der sündige Einzelne, der „gefehlt“ hat [aber nun hat sogar der Zeitgeist die vielen Einzelnen im kirchlichen Dienst verführt.] Eine solche Einrichtung ist also in allen Dingen darauf bedacht, ihr Wappenschild sauber zu halten.“[10]

Wozu der Papst sich nicht aufraffen konnte, war von einer sündhaften Kirche zu sprechen wie damals der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Zollitsch. Der „sprach … von der sündhaften Kirche. Es hilft nun nicht, auf die Sünden anderer zu verweisen, …. Wo die Kirche unglaubwürdig wird, muß das schon wegen ihres eigenen Anspruchs schonungslos diskutiert werden. Ich habe leider den Eindruck, daß es der Kirche an dafür kompetentem und glaubwürdigem Führungspersonal mangelt, und das nicht erst seit dem Heimkinder- und dem Mißbrauchsskandal.“[11]

Doch anstelle öffentlich stellvertretend für die Kirche Asche auf sein Haupt zu streuen, mea culpa, mea maxima culpa zu rufen und großzügige Entschädigungen anzukündigen, sagt er: „Andere auch“ und schiebt es auf den Zeitgeist. Die Kirche sollte von einem anderen Geist erfüllt sein.

Fußnoten

[1] Papst zu Missbrauchsskandal: „Nicht nur heutige Maßstäbe anlegen“ https://www.tagesschau.de/ausland/papst-missbrauchsskandal-101.html, aufgerufen am 30.9.18

[2] wie 1

[3] Doch diese Phase ist ja nur „ein Vogelschiss“ im Rahmen der sonst ruhmreichen deutschen Geschichte. „Steigbügelhalter der neuen Nazis“: Scharfe Kritik an Gauland nach „Vogelschiss“-Aussage https://www.stern.de/politik/deutschland/afd–alexander-gauland-nach–vogelschiss–spruch-scharf-kritisiert-8007172.html aufgerufen am 30.9.18

[4] „Katholische Kirche darf als “Kinderficker-Sekte” bezeichnet werden.“ https://religionundgesellschaft.wordpress.com/2017/08/22/kinderficker-sekte/ aufgerufen am 30.9.18

[5] Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, 1808. Szene: Nacht, Faust zu Wagner

[6] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/5828132702/

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Christologie#Die_Zwei-Naturen-Lehre

[8] Matthäus 18, 5f

[9] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/2707133319/

[10] https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/11/11-september/

[11] https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/10/31/franz-peter-tebartz-van-elst-der-mann-des-jahres/