Dierk Schaefers Blog

»Ist die Kirche noch zu retten?«

Posted in Kirche, News, Theologie by dierkschaefer on 20. März 2011

»Ist die Kirche noch zu retten?«

 

Sie liegen einträchtig beieinander, gleich neben der Kasse der Buchhandlung, das neue Buch von Hans Küng mit dem provokativen Titel, der bei Google ohne direkt nach dem Buch zu fragen über zwei Millionen Treffer ergibt, weil eben nicht nur Hans Küng diese Frage stellt. Und daneben das neue Jesusbuch des derzeitigen Papstes. »Wird oft zusammen gekauft«, sagt Amazon.

»Was läuft denn besser?«, frage ich die Buchhändlerin und zeige auf die beiden Stapel. Sie schmunzelt und deutet auf Küng.

Der Preisunterschied von rund drei Euro wird’s nicht ausmachen, doch man sollte berücksichtigen, daß im Jesus-Buch des Papstes nicht sonderlich viel Neues stehen kann, sondern eher seine Abwägung interessant ist zwischen dem Jesus der historisch-kritischen Forschung (für viele Katholiken sicher noch ein unbekanntes Terrain, für manche Protestanten eher ein Ärgernis) und dem „geglaubten“ Jesus in katholischer Auslegung. Man muß sich schon dafür interessieren, wenn man das Buch kaufen will, es sei denn, man kauft es schon allein wegen des Verfassers. Da bietet das Küng-Buch aktuellere und spannendere Anknüpfungspunkte.

Die Buchhändlerin und ich sind uns jedoch einig: Das nächste Jesus-Buch vom Papst, der angekündigte dritte Band, dürfte wirklich spannend werden. Es soll von Jesu Kindheit und Jugend handeln. Und da gibt es bisher fast nichts außer der Geburtsgeschichte und dem 12jährigen Jesus im Tempel. Doch, da sind noch die Jesus-Legenden von Selma Lagerlöff. Da wird sich Benedikt viel selber einfallen lassen müssen.

 

Ich verlasse die Buchhandlung, ohne eines der beiden Bücher gekauft zu haben. Ort des Geschehens: Das heilige Rottenburg, Bischofssitz mit einem „Fürstbischof“ an der Spitze, – hm, er heißt nur „Fürst“.

 

Das Deutschlandradio brachte eine Sendung über Küngs Buch mit dem Titel:

»Keime einer chronischen Krankheit«

 

Darin heißt es: »Sie [die römische Kurie] war schon das Haupthindernis im Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965. Sie war das große Hindernis in der nachkonziliaren Zeit. Sie ist verantwortlich für die schlechten Bischofs-Ernennungen, die stattgefunden haben, für die Vertuschungsaffäre, und sie ist natürlich auch die Institution, die ständig die Ökumene verhindert.«

 

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/1408775/

 

 

Ach ja, apropos Legende:

»Das ist doch nur eine Legende.« – »Hier spricht ein Protestant«, sagte Mr. Visconti. »Jeder Katholik weiß, daß eine Legende, die man glaubt, denselben Wert und dieselbe Wirkung hat wie die Wahrheit. Denken Sie an den Heiligenkult.« – »Aber wenn es Protestanten sind?« – »Dann legen wir medizinische Gutachten vor, das ist die moderne Spielart der Legende.«

 

aus: Graham Greene, Die Reisen mit meiner Tante, Reinbeck 1973, S. 214

Eine Antwort

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  1. […] Für einen Betonkopf ist dieser Papst eigentlich zu schnell – beim publizieren. Noch im März 2011 konnte ich blogggen, an seinem zweiten Jesusbuch sei eher die Abwägung interessant zwischen dem Jesus der historisch-kritischen Forschung und dem „geglaubten“ Jesus in katholischer Auslegung. Angekündigt war schon das dritte Jesusbuch. Das, so schrieb ich, »dürfte wirklich spannend werden. Es soll von Jesu Kindheit und Jugend handeln. Und da gibt es bisher fast nichts außer der Geburtsgeschichte und dem 12jährigen Jesus im Tempel. Doch, da sind noch die Jesus-Legenden von Selma Lagerlöff. Da wird sich Benedikt viel selber einfallen lassen müssen«.https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/03/20/%C2%BBist-die-kirche-noch-zu-retten%C2%AB/ […]


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