Dierk Schaefers Blog

Die Sorgen von Kardinal Brandmüller

Posted in Kirche, Moral, Religion, Soziologie, Theologie by dierkschaefer on 11. Januar 2019

Mit Kardinal Brandmüller beschäftigte sich der letzte Beitrag dieses Blogs[1]. Nun erreicht mich der kluge Essay „Fakten contra Brandmüller“ von Philipp Greifenstein[2]. Ich habe dazu einen Kommentar geschrieben:

Herzlichen Dank für diese profunde Analyse der Aussagen Brandmüllers. Ich nehme mir die Freiheit, diesen Artikel im Original auf meinen Blog zu übernehmen, in Anknüpfung an https://dierkschaefer.wordpress.com/2019/01/06/heuchelei-wirft-der-kardinal-der-gesellschaft-vor/ . Im Original heißt auch: mit Übernahme der fürchterlichen *-Schreibung.

 

Hier gebe ich nun den Essay im Original wieder:

 

Fakten contra Brandmüller

Von Philipp Greifenstein, 10. Januar 2019, 14-17 Minuten

Die katholische Nachrichtenagentur Catholic News Agency (CNA deutsch) hat mit Kardinal Walter Brandmüller gesprochen. Das Presseunternehmen, das zum amerikanischen EWTN-Konzern gehört, spezialisiert sich auf konservative Stimmen aus der röm.-kath. Kirche.

Kardinal Brandmüller ist einer von vier Kardinälen, die bereits seit längerer Zeit in Opposi­tion zu Papst Franziskus und insbesondere zur „verweltlichten“ Kirche in Deutschland agie­ren. Gemeinsam mit den inzwischen verstorbenen Kardinälen Meisner und Caffarra sowie Kardinal Raymond Burke, der als Gegenspieler des Papstes auftritt, hat er die sog. Dubia gegen die apostolische Exhortation Amoris Laetitia verfasst.

Immer wieder suchen die Kardinäle die Öffentlichkeit, um gegen die „Modernisierung“ der Kirche und die Agenda Papst Franziskus‘ aufzutreten. Kräftig unterstützt werden sie dabei von einem Netzwerk erz-konservativer katholischer Medien, die auch an der Veröffentlichtung des Viganò-Briefes mitwirkten. Im Zentrum dieser Allianz steht der US-amerikanische Kabelsender EWTN-News mit seinen zahlreichen Medienbeteiligungen in den USA und weltweit.

Es ist daher wenig verwunderlich, dass der Chefredakteur der deutschen Außenstelle von CNA, Anian Christoph Wimmer, im Interview darauf verzichtet, die zahlreichen Behaup­tungen Brandmüllers kritisch zu hinterfragen. Das holen wir hier mal nach:

1. Am Missbrauch ist die „Sexualisierung“ der Gesellschaft schuld

Gleich zu Beginn des Interviews relativiert Brandmüller den tausendfachen Missbrauch, indem er ihn zum Zeichen der „Verweltlichung“ der Kirche erklärt. Der Missbrauch sei „alles andere als ein spezifisch katholisches Problem“. Natürlich findet sexueller Missbrauch auch in anderen Kontexten statt. Die spezifisch katholische Problematik des Missbrauchs – seine systemischen Ursachen – werden jedoch von Brandmüller geleugnet.

Anders als die MHG-Studie der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sieht Brandmüller den Missbrauch als ein Phänomen, das aus einer sexbesessenen Kultur in die katholische Kirche hineinschwappt:

„Die jahrzehntelange Sexualisierung der Gesellschaft – man denke an Oswald Kolle und Beate Uhse – ist auch an den Katholiken und ihrem kirchlichen Per­sonal nicht spurlos vorübergegangen. Diese Feststellung mag die Abscheulich­keit des Vorgefallenen erklären helfen, keinesfalls jedoch entschuldigen!“

Brandmüllers Einlassung, bei seinen Argumenten handelte es sich keineswegs um eine Ent­schuldigung, sondern nur um eine Erklärung, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche nicht zu erklären vermag:

Nicht nur dürften jüngere Generationen von Priestern von Oswald Kolle und Beate Uhse nichts mehr wissen, ihre Wirksamkeit datiert auf die Jahre seit 1947 (Uhse) bzw. 1960 (Kolle) und liegt damit weit hinter dem Beginn des sexuellen und körperlichen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Studien aus den USA und Irland belegen systematischen Missbrauch seit den 1920er-Jahren. Die MHG-Studie der DBK untersucht aus guten Gründen den Zeitraum von 1946 bis 2015.

Aus dem Bericht über die Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen wissen wir, dass für den Missbrauch durch erwachsene Männer in den 1950er- bis 1970er-Jahren nicht die beginnende sexuelle Revolution ursächlich war, sondern eigene Gewalterfahrungen im Elternhaus und während des 2. Weltkrieges bzw. der Gefangenschaft.

Die Vorstellung, sexueller Missbrauch in und außerhalb der Kirche hätte durch das aufklä­re­rische Wirken von Beate Uhse und Oswald Kolle zugenommen, ist gerade so abstrus, wie zu behaupten, wegen Dr. Sommer hätte es mehr Teenie-Schwangerschaften gegeben (die seit Jahrzehnten rückläufig sind, auch dank der schulischen Sexualaufklärung).

Zwar nahm die sexuelle Revolution der 1950er-/1960er-Jahre in den USA ihren Ausgang, davon hoben sich aber gerade die konservativen katholischen Communities ab, in denen – wie wir heute durch wissenschaftliche Untersuchungen wissen – der Missbrauch besonders blühte. Und auch den katholischen Missbrauch in Ländern ohne vergleichbare Liberalisierung der Sexu­alität vermag Brandmüllers These nicht zu erklären. Die Datenbasis zum Missbrauch in (ehemaligen) Entwicklungsländern in Südamerika, Afrika und Asien ist nach wie vor schmal, jedoch deutet nichts darauf hin, dass es dort anders ausschauen würde. Missbrauchsskandale gab es in den letzten Jahren auch in Brasilien und Indien.

Nun soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass die sexuelle Befreiung zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts in einigen gesellschaftlichen Biotopen auch zu extremen Meinungen geführt hat. Die Forderung nach Anerkennung der Päderastie als legitime sexuelle Neigung ist dafür nur ein Beispiel, das von den Vertretern einer reaktionären Sexualmoral gerne angeführt wird. Solche Irrtümer aber waren nie flächendeckend und liegen heute schon 40 bis 50 Jahre zurück. Es ist schlicht unredlich, die gesamte sexuelle Aufklärung dafür in Mithaftung zu nehmen.

Im Gegenteil: Alle seriösen wissenschaftlichen Untersuchungen weisen darauf hin, dass gut aufgeklärte Kinder seltener Opfer von sexueller Gewalt werden, weil sie typisches Täter­ver­halten als solches identifizieren und Hilfe suchen können. Aufgeklärte und gut informierte Erwachsene können Anzeichen für Missbrauch erkennen und ihren Kindern und Schüler*in­nen Ansprechpartner sein. Die verbesserte Sexualaufklärung hat auch dazu beigetragen, dass (potentielle) Täter heute therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen können, und so seltener zu einer Gefahr für Kinder und Jugendliche werden.

2. Priester dürfen nicht unter Generalverdacht gestellt werden

Kardinal Brandmüller verwehrt sich dagegen katholische Priester unter Generalverdacht zu stellen, die doch überall auf der Welt treu ihren Dienst tun:

„Die weltweit hunderttausende von Priestern und Ordensleuten dienen treu und selbstlos Gott und den Menschen. Sie unter Generalverdacht zu stellen ist eben­so beleidigend wie ungerechtfertigt, bedenkt man den verschwindenden Prozentsatz von Missbrauchstätern.“

Brandmüller hat die zahlreichen Untersuchungen zum Missbrauch in der katholischen Kirche aus den USA, Irland, Australien und auch Deutschland entweder nicht gelesen oder er ver­schleiert hier bewusst die Wahrheit.

Die MHG-Studie geht von 1 670 Klerikern aus, die im Untersuchungszeitraum beschuldigt wurden. Davon waren 1 429 Diözesanpriester. Das entspricht einem Anteil von 5 % an der Gesamtzahl der Priester, die im Untersuchungszeitraum in den deutschen Bistümern beschäf­tigt waren. Einen „verschwindene[n] Prozentsatz“ nennt Brandmüller, wenn jeder 20. Priester in den Akten der Kirchen als Beschuldigter identifiziert wird. Untersuchungsberichte aus den USA zeigen im Vergleich zur MHG-Studie eine noch höhere Durchsetzung der Priesterschaft mit Missbrauchsbeschuldigten, so dass auch für Deutschland mit einem großen Dunkelfeld zu rechnen ist.

Nicht zu vergessen: Ein erheblicher Anteil der Beschuldigten konnte auch nach Bekanntwer­den von Vorwürfen weiter in Priesteramt und Pfarrdienst verbleiben. Tausende Kinder und Jugendliche wurden erst dadurch zu Opfern, weil die Kirche Ersttäter nicht konsequent aus dem Dienst entfernte und den Strafverfolgungsbehörden meldete. Dies ist besonders deshalb relevant, weil die Schwere der Missbrauchsdelikte im Verlauf der Täterkarriere häufig zunimmt.

Nicht nur befinden sich unter den röm.-kath. Priestern bis in die jüngste Zeit hinein unent­deckte und davongekommene Sexualverbrecher, auch auf die Kirche kann man sich (bisher) nicht verlassen, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche vor diesen Tätern zu beschüt­zen. Das systemische Versagen hat sich in Einzelfällen zur blinden Beihilfe bzw. bewussten Mittäterschaft ausgewachsen. Warum sollte man also gegenüber katholischen Priestern nicht misstrauisch sein?

3. Schwule Priester sind generell verdächtig

Von Brandmüllers Verteidigung gegen den Generalverdacht ist eine Gruppe von Priestern ausgenommen: Schwule Priester gelten ihm als Hauptverantwortliche für den Missbrauch in der katholischen Kirche. Um das zu „beweisen“ schreckt der Kardinal nicht vor dem geschmack­losen Hinweis zurück, dass „80 Prozent der Missbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld männliche Jugendliche, nicht Kinder, betrafen“.

Aufgrund des nach wie vor großen Dunkelfeldes vermag schon die Sicherheit Brandmüllers, den Wert von 80 % zu benennen, überraschen. Die Unterstellung, Verbrechen an Jugend­lichen wären gegenüber denen an Kindern irgendwie weniger schlimm, muss entsetzen.

Der Kardinal versteigt sich zu der Behauptung:

„Dieser Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität ist stati­stisch erwiesen – aber das hat nichts mit Homophobie zu tun, was immer man darunter verstehen mag.“

Ein direkter Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie oder gewalttätiger Sexualität ist nicht belegbar. Auch die MHG-Studie hält fest, dass monokausale Erklärungen zu kurz greifen. Tatsächlich schreiben die Wissenschaftler*innen:

„Die Verpflichtung zu einem zölibatären Leben könnte Priesteramtskandidaten mit einer unreifen und abgewehrten homosexuellen Neigung als Lösung inner­psychischer Probleme erscheinen, die zusätzlich die Aussicht auf ein enges Zusam­menleben ausschließlich mit Männern […] mit sich bringt. Insoweit könnten spezifische Strukturen und Regeln der katholischen Kirche ein hohes Anziehungspotential für Personen mit einer unreifen homosexuellen Neigung haben.“

Damit weisen die Autor*innen der Studie auf einen komplexen Zusammenhang von sexueller Identität der Täter, kirchlicher Sexualmoral und katholischer Ämtertheologie hin. Statt die Auswirkungen des Zölibatszwangs und der Ächtung von Homosexualität zu diskutieren, stellt der Kardinal schwule Priester an den Pranger.

Dabei dürfte der 1953 zum Priester geweihte Brandmüller seitdem und besonders während seiner Tätigkeit als Professor zahlreichen homosexuellen Priestern und Priesteranwärtern begegnet sein. Wahrscheinlich hat er Zeit seines Lebens mit mehr Schwulen zusammen­ge­arbeitet als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Das Priesteramt war über viele Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts eine Möglichkeit für homosexuelle junge Männer aus streng katholischen Elternhäusern einen gesellschaftlich akzeptierten Lebensentwurf zu wählen.

Brandmüller unterstellt schwulen Priestern nicht nur, sie wären aufgrund ihrer Sexualität prädestiniert für Pädophilie und Ausübung sexueller Gewalt. Er geht wie selbstverständlich davon aus, dass schwule Priester den Zölibat nicht im gleichen Maße halten könnten wie ihre heterosexuellen Amtsbrüder. Weil der Zölibat partout nicht das Problem sein darf, greift er auf das billige Ressentiment zurück, Schwule lebten ihre Sexualität im Vergleich zur „norma­len“ Bevölkerung unbedingt promisk aus.

4. Die Moderne ist der Feind

Als Heilmittel gegen den Missbrauch empfiehlt Brandmüller die Besinnung auf traditionelle katholische Überzeugungen:

„Zunächst wird es notwendig sein, noch vor jeder religiösen Begründung, die sich aus der Natur des Menschen als Mann und Frau ergebenden Grundsätze geschlechtlicher Sittlichkeit erneut und vertieft zu verstehen. Johannes Paul II. hat mit seiner Theologie des Leibes hierzu Wegweisendes gesagt.“

Was der Kardinal hier „noch vor jeder religiösen Begründung“ ansiedelt, ist nichts anderes als eine Naturrechtslehre, wie sie sich im Lehrgebäude der röm.-kath. Kirche erhalten hat. Dass es in Gottes guter Schöpfung Platz für mehr als zwei Geschlechter und die Liebe auch unter gleichgeschlechtlichen Partner*innen geben könnte, kommt dem Kardinal in seiner Ignoranz gegenüber der (theologischen) Wissenschaft der letzten gut 50 Jahre nicht in den Sinn.

Stattdessen weist er auf die „Theologie des Leibes“ des vor Kurzem (h)eiliggesprochenen Papstes Johannes Paul II. hin. Dabei handelt es sich um nichts mehr als eine geschickt gesetzte Behauptung, die zurzeit unter erz-konservativen Vertretern einer restriktiven Sexualmoral Mode hat. Die Überlegungen Johannes Paul II. will Brandmüller gar zum Dogma der Kirche erheben:

„In der Tat ist diese Lehre Johannes Pauls II. auch der Auswahl und der Aus­bil­dung künftiger Priester und Religionslehrer zu Grunde zu legen. Sodann ist auf deren psycho-physische Konstitution zu achten. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass es bei alledem nicht nur um Psychologie und Sozio­logie geht, sondern vielmehr um das Erkennen einer wirklichen von Gott kom­menden Berufung.“

Damit ist vor allem die Ausscheidung homosexueller Priesterkandidaten gemeint. Aber Brand­müllers Bemerkungen greifen noch weiter: Aus der Kirche soll all das entfernt werden, was aus den Sozial- und Naturwissenschaften kommend inzwischen auch dort als wertvoll und zielführend geachtet wird. Brandmüller beschwört den Kulturkampf des Katholizismus gegen die Moderne, wie ihn Benedikt XVI. vorgab.

Reformen kann sich Brandmüller nur als Rückkehr zur Kirche seiner Kindheit vorstellen, deshalb beschwört er wider besseren Wissens seine Kirche, sich ein Beispiel an „sogenann­te[n] traditionalistische[n] Gemeinschaften“ wie der Piusbruderschaft zu nehmen. Dabei ist der Mangel an Priesterkandidaten in der röm.-kath. Kirche im Westen nicht auf ihre Moderni­tät, sondern auf ihre Wirklichkeitsferne dem Leben der Jugend gegenüber zurückzuführen, wie die zaghafte Jugend- und Berufungssynode in Rom erst kürzlich gezeigt hat.

Auf die Frage, wohin die Kirche steuert, gibt der Kardinal auch Papst Franziskus noch einen mit und antwortet:

„Steuert sie überhaupt? Sind wir nicht vielmehr von widersprüchlichen Strö­mun­gen hin- und her geworfen? Kann man da überhaupt einen Kurs erken­nen?“

Klar erkennbar ist demgegenüber Brandmüllers Kurs: Es geht ihm in keiner Silbe um die Opfer des Missbrauchs, sondern allein um seine Vorstellung von der Zukunft der Kirche, mit der er sich in Widerspruch zu ihr begibt. Der Kardinal missbraucht tatsächlich den Missbrauch für seine Interessen.

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2019/01/06/heuchelei-wirft-der-kardinal-der-gesellschaft-vor/

[2] https://eulemagazin.de/fakten-contra-brandmueller/

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Heuchelei wirft der Kardinal der Gesellschaft vor

– nein, nicht der Gesellschaft Jesu, sondern uns allen. „Was in der Kirche an Missbrauch passiert ist, ist nichts anderes, als was in der Gesellschaft überhaupt geschieht,“ sagt er[1].

Sortieren wir mal:

Wer ist „die Gesellschaft“? Zunächst wir alle. Das kann er nicht gemeint haben. „Wir“ artikulieren uns normalerweise nicht, können nicht erkennbar heucheln. Also kann er den Einzelnen in der Gesellschaft keine Heuchelei vorwerfen. Die Gesellschaft äußert sich über ihre Medien, über die Gesetzgebung und die Rechtsanwendung. Er nenne mir also auch nur einen Fall von Missbrauch, der bekannt und nicht als Rechtsbruch, als Skandal gewertet wurde. Was an Missbrauchsfällen bekannt wird, wird als krimineller Akt behandelt.[2] Es sei denn, die Täter befinden sich unter dem Schutz der Kirche, die solche Fälle verschleppt, bis sie verjährt sind. Ja, es ist bekannt, dass in den Familien vielfach Missbrauch geschieht. Doch die erkannten Täter werden verurteilt. Wo ist da die Heuchelei, Herr Kardinal? Heucheln tun die Schuldigen, die unschuldig tun. So wie Sie Herr Kardinal für Ihre Institution.

Doch es kommt noch schlimmer: „Der eigentliche Skandal sei, dass sich die Kirchenvertreter in diesem Punkt nicht von der gesamten Gesellschaft unterschieden.“ So wird er zitiert. Nicht also der Missbrauch ist ein Skandal, sondern die Normalität der geweihten Vertreter dieser Kirche. Sie missbrauchen halt, es tun doch alle. Doch das macht sie gleich, die doch ungleich sind. Priester in den Fängen des Teufels?P1040677 d.jpg

Was bedeutet das?

Es geht um das Crimen sollicitationis[3], um die delictis gravioribus.[4] Da geht es zunächst um die Heiligkeit der Sakramente. Die ist wichtig, nicht so sehr die Missbrauchten. So ist für den Herrn Kardinal weniger der Missbrauch von Bedeutung, als der character indelebilis[5], hier das Weihesakrament. Dieses könnte beeinträchtigt sein, wenn der Geweihte nicht nur ein ganz normaler Sünder ist, sondern ein ganz spezieller, einer, dem der Mühlstein um den Hals gebührt.[6]

Meine erste Reaktion auf den Artikel im Spiegel war ein Tweet:

Auf die Frommen

lass ich nichts kommen,

doch die Bigotten,

gehören gesotten.

Wenn der Kardinal selber kein Missbraucher ist, so ist er ein Relativierer, ein Vertuscher. Er ist nicht fromm, er ist bigott.

Dass seine heilige Kirche selber sündig sein könnte, das passt wohl nicht in seine Weltan­schauung. Andere Bischöfe sind da weiter. Machtmissbrauch stecke in der DNA der Kirche, sagt der Hildesheimer Bischof[7], und vor ihm haben schon andere von einer sündhaften Kirche gesprochen.[8] Doch Walter Brandmüller[9] sitzt höher, im Vatikan. Am gründlichsten hat bisher wohl der Theologe Gregor Maria Hoff [10]die theologische Problematik beleuchtet. Er schreibt: „Der kirchliche Schutz galt bis in die Gegenwart nicht zuerst den Opfern, sondern der Kirche, präziser: dem klerikalen Stand, dem diejenigen angehören, die in der Kirche über die Aufklärung von Missbrauch zu entscheiden haben.“ Als ich mich im Studium mit dem Donatismus beschäftigte, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ausgerechnet die Abwehr dieser „Ketzerei“ dazu führen könnte, dass missbrauchende Priester ihre Taten bagatellisieren können, weil ja „die Sakramente, insbesondere Taufe und Priesterweihe, unabhängig von der persönlichen Würdigkeit des Spendenden gültig seien.[11] Der Kardinal scheint an diesem Dogma seiner Kirche zu zweifeln.

 

Doch gemach: Brandmüller feiert heute seinen 90sten Geburtstag. Ich gratuliere ihm und erteile ihm Absolution. Vielleicht ist er ja bereits dement und weiß nicht mehr so richtig einzuschätzen, was er sagt.

PS: Eine pikante Note erhält das Problem bei Alma Mahler und dem Priester Johannes Hollnsteiner. Sie „war von dem Gedanken, ein Verhältnis mit einem katholischen Priester zu haben, geradezu elektrisiert. Er kam ab Anfang 1933 fast täglich zu ihr und erklärte ihr, dass Keuschheit für einen Priester eher symbolisch ist, sie gelte nur in Verbindung mit dem Talar. Almas Tochter Anna erinnerte sich dass ihre Mutter aufgewühlt erzählt habe, „dass sie sich verliebt hat. Und dass es sie so aufregt, wenn sie den Mann – sie ist in die Messe gegangen – im Talar sieht. […] Und dann hat sie ihn gefragt, wie das nun also ist. Da hat er ihr erklärt, ja, das mit der Keuschheit, das ist immer nur währenddem man das anhat. Sonst ist es gar nicht notwendig“. [12]

Fußnoten

[1] http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/walter-brandmueller-kardinal-nennt-empoerung-ueber-missbrauch-in-der-kirche-heuchelei-a-1246364.html

[2] Dass zuweilen die Verurteilungen unzureichend erscheinen, steht auf einem anderen Blatt.

[3] Crimen Sollicitationis https://www.atheisten-info.at/downloads/delictis.pdf – Dort auch der „Satirische Song“ von Ska-P2 in deutscher Übersetzung:

Das Verbrechen der Anstiftung

Diener Gottes…….

Berührungen, Sakramente, Fellationen, Schwüre….

Ich lehre dich die Doktrin in Form von Erektion….

Kindesmissbrauch , Perversion und reiner Unart….

Unter meiner Soutane kannst du Gott begegnen….

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/De_delictis_gravioribus und lustig: der Link http://www.vatican.va/archive/aas/documents/AAS%2093%20%5B2001%5D%20-%20ocr.pdf funktioniert nicht mehr. Doch das Netz vergisst nichts: https://web.archive.org/web/20100323010207/http://www.uni-tuebingen.de/uni/ukk/nomokanon/quellen/023.htm Notfalls ist die Datei auch bei mir zu finden. Dazu auch: Dierk Schäfer, Wir sind nicht mehr Papst: https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/02/11/wir-sind-nicht-mehr-papst/

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Character_indelebilis

[6] Wer soll den Mühlstein um den Hals kriegen – und dann ab mit ihm ins Meer? https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/10/17/wer-soll-den-muehlstein-um-den-hals-kriegen-und-dann-ab-mit-ihm-ins-meer/

[7] https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/wilmer-machtmissbrauch-steckt-in-dna-der-kirche

[8] https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/09/17/strukturelle-sunde-und-schuld-der-kirche/ + https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/09/30/die-theologische-bankrotterklaerung-eines-papstes/ + https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/04/26/rede-gegenrede-antwort/ + https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/11/11-september/

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Brandm%C3%BCller

[10] Gregor Maria Hoff, Kirche zu, Problem tot, Theologische Reflexionen zum Missbrauchsproblem in der katholischen Kirche: Kursbuch 196, (ed. A. Nassehi, P. Felixberger), Religion, zum Teufel, S. 26 – 41

[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Donatismus

[12] http://www.alma-mahler.at/deutsch/almas_life/hollnsteiner.html

Die Behörden setzten noch am Montag Seelsorger ein, um Angehörige und Nachbarn zu betreuen[1]. – Wo kommen die bloß her, die Seelsorger?

Posted in BRD, Christentum, Deutschland, Ethik, Gesellschaft, heimkinder, kirchen, Kultur, Leben, Politik, Seelsorge, Soziologie, Staat, Theologie by dierkschaefer on 21. November 2018

 

Notfallseelsorger stellen die Kirchen bereit. Sie arbeiten aus innerer Berufung nebenberuflich und schreiben keine Rechnungen.

Die Kirchen stehen zurzeit massiv unter Druck – und das mit Recht. Zu schwer wiegen die Verbrechen von Misshandlungen und Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen, zu schwer wiegt der mafiöse Zusammenhalt bei der Vertuschung dieser Verbrechen, zu widerlich sind die Abwehrmaßen von berechtigten Entschädigungsleistungen. Das ist die eine Seite, die mich enorm bedrückt und verärgert. Kirche sollte anders sein.

Die andere Seite verärgert mich nur. Für manche ist Religosität als solche ein Ärgernis Die wollen nicht – auch nicht passiv – davon Kenntnis nehmen und halten schon die Erkenn­bar­keit von religiösen Einstellungen für eine Provokation. Natürlich gehören religiöse Zeichen nicht in Diensträume, es sei denn, es handelt sich um Zeugnisse aus der architektonischen Geschichte dieser Baulichkeiten. Doch ich vermute, so manchen Zeitgenossen steht auch dort der Sinn nach Bildersturm analog zur französischen Revolution.

Apropos: die „laïcité negative“ in Frankreich[2] gilt diesen Leuten als erstrebenswertes Vorbild, wenn sie sich dort auch als spezielles Integrationshindernis für Muslime erwiesen hat.[3] Erst kürzlich hat Prof. Zulehner „Das Kopftuchverbot in Schulen – eine religionspolitische Falle“ genannt[4], und er hat Recht damit.

Nun zu den oben genannten Seelsorgern. Wer von den radikalen Religionskritikern über­nimmt denn solche Aufgaben? Ich rede jetzt nicht von den Sozialkonzernen der Kirchen, die finanzieren sich selbst, was ja auch in Ordnung ist. Nein, ich meine die polunbezahlten[5] – und wohl auch unbezahlbaren Dienste der Kirchen und ihrer Pfarrer an die Einzelnen in Not: Telefonseelsorge, Notfallseelsorge, dazu gehören auch die Polizeiseelsorge[6]

und ökumenische Gottesdienste zu staatlichen Trauer­anlässen. All dies erfolgt, von möglichen Ausnahmen abgesehen, ohne missionarische Absichten. In unserem Buch über „Polizisten im Umgang mit Trauer und Tod“[7] haben wir einen Anwendungsfaden[8] zur „Überbringung von Todesnachrichten“ veröffentlicht und in aller Selbstverständlichkeit auch den Umgang mit Angehörigen muslimischen Glaubens berücksichtigt.

Nun meine Frage: Wo bleiben sie denn, die seelsorglichen Dienste unserer Kirchen- und Religionskritiker? Oder ist schon diese Frage eine Provokation, weil von einem Pfarrer gestellt?

Unterstützung bei diesen Aufgaben könnten wir gut gebrauchen. Wir bekommen sie bereits für die Notfallseelsorge von den Einsatzkräften in Feuerwehr und anderen Sozialdiensten mit Blaulicht. Die nehmen unsere Zusammenarbeit und die Ausbildungsangebote der kirchlichen Notfallseelsorger gerne an. Wohl kaum jemand von ihnen träumt allerdings davon die Kirchen auszuradieren.

Fußnoten

[1] Die Frage stellt die FAZ gar nicht erst in ihrem heutigen Artikel über vier Tote „nach mutmaßlicher Beziehungstat in Jena.“ Auch die FAZ geht davon aus, dass die Seelsorger einfach parat stehen. Meldungen dieser Art gibt es fallbezogen mit gewisser Regelmäßigkeit.

[2] Dierk Schäfer, Laizismus als Lösung vieler Probleme? https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/01/28/laizismus-als-losung-vieler-probleme/

[3] »Die Ausgangsfrage war jedoch die Einbindung von Religion in Staat und Gesellschaft. Im Unterschied zu Frankreich werden in Deutschland die Ressourcen der Konfessionen vom Staat genutzt. Dass sich dies nicht immer zum Vorteil der Kirchen und ihrer Einrichtungen ausgewirkt hat, habe ich in meiner Rezension zu „Himmelsthür“ dargelegt[10]. Zu dieser „hinkenden Trennung von Staat und Kirche“[11], wie die Fachleute den Zustand bei uns nennen, gibt es viel zu sagen, wie schon vielfach auch in diesem Blog geschehen, kritisches wie positives. … generell läßt sich wohl sagen, dass Christen sich in diesem Staat gut aufgehoben erleben und Mitspracherecht haben. Es wäre ein Fortschritt, wenn das auch die Muslime so sehen könnten, die sich an die staatlichen Gesetze halten – und das ist die überwiegende Mehrzahl. Aber nur so läßt sich der Islam in unsere plurale Gesell­schaft einbinden und nur so wird die Umma[12] auch der clamheimlichen Sympathie mit Gewalttätern aus ihrer Mitte den Nährboden entziehen können. Frankreich mit seiner laïzistischen Staatsreligion hat das nicht geschafft. Es ist übrigens lehrreich und geradezu erheitend zu lesen, wie die Trinität von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit in Anlehnung an das religiöse Vorbild sich herausgebildet hat.[13] Man meint aber, die muslimisch erzogenen Kinder der Banlieue mit noch mehr staatsbürgerlichem Patriotismus fesseln zu können. Doch sie sind die Kinder „D’OUTRE MER“[14] und pfeiffen auf die Marseillaise.« — Die hier auftauchenden Links sind nachzulesen in: https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/02/01/laizismus-als-losung-vieler-probleme-anscheinend-nicht-hatte-ich-argumentiert/

[4] https://zulehner.wordpress.com/2018/11/19/das-kopftuchverbot-in-schulen-eine-religionspolitische-falle/

[5] Letztlich werden sie über die vielbeklagte Kirchensteuer bezahlt, die auch auf der Abschussliste steht, wobei die meisten nicht wissen, dass der Staat für die Dienstleistung des Kirchensteuereinzugs bezahlt wird, und zwar höher, als es inzwischen, in Zeiten der elektronischen Datenverarbeitung angemessen ist.

[6] Emblem der Kirchlichen Arbeit in der Polizei.

[7] Dierk Schäfer, Werner Knubben, … in meinen Armen sterben?, Polizisten im Umgang mit Trauer und Tod – Zwischen Hilflosigkeit und Routine, Hilden 19962, S. 299f

[8] Dieser Anwendungsfaden wurde als sehr hilfreich empfunden und als Faltblatt „Erste Hilfe – Letzte Hilfe, Sie haben eines Todesnachricht zu überbringen“ in großer, für uns nicht mehr überschaubarer Zahl nachgedruckt. Wir hatten der Landespolizeidirektion Tübingen das © überlassen.

Wen wundert’s? Seelische Krüppel haben auch in den Kirchen Karrierevorteile.

Manche scheinen nicht einmal zu wissen, was Anstand ist.

Wenn aber jemand in einer menschlich schwierigen Situation hilfreich ist, macht er sich verdächtig. Dazu weiter unten.

Wer den Artikel „Sexuelle Gewalt in der Kirche: Angst vor der Wahrheit“[1] liest und keine Ahnung hat, dass es bei Kirchens nicht anders zugeht als in anderen Chefetagen, die bereits mit der Führungsnormalroutine überfordert sind, der mag sich noch wundern. Nicht erst seit der Heimkinderdebatte kenne ich diese Charakterschwächen – oder soll man gar von fehlen­dem Charakter sprechen? Da wurden die Heimkinder nach Strich und Faden von der unheili­gen Allianz von Staat und Kirche über den Runden Tisch gezogen. Betroffenheitsgestammel[2] gab es auch damals. So nun auch beim Missbrauchsskandal. Der schlägt höhere Wellen, als die Misshandlungen und Demütigungen in den staatlichen, meist aber kirchlichen Heimen. Denn „sex sells“ auch hier und macht Schlagzeilen. Und wieder gibt es die Abwehrreflexe. Man marschiert getrennt, jede Landeskirche für sich, das lässt Bein­freiheit im Umgang mit Opfern, die man auch besser gar nicht selbst zu Wort kommen lässt. Man weiß doch schon, was die brauchen. Entschuldigungen und allgemeine Aufar­beitung. Das erste gibt’s umsonst, für die Aufarbeitung gibt man – nicht gerade gern, aber notgedrun­gen – Geld aus[3]. Sogar Aufarbeitung von außen wird erwogen, hält auch sie immerhin die Opfer auf Abstand – und ihre Forderungen nach rechtlich einklagbarer Ent­schädigung. Man wird wohl auch – wieder jede Landeskirche für sich – „Missbrauchs­beauftragte“ ausgucken. Ein wichtiger aber undankbarer Job. Doch wer der vox populi und den Medien folgend, von hoher Position danach ruft, profiliert sich als das gute Gewissen der Kirche.[4] Die Predigt der Bischöfe Ulrich und Fehrs zum Ahrensburger Missbrauchs-Skandal war allerdings eher peinlich.[5] Schön, wenn man sich am Palmsonntag auf den demütigen Palmesel-Jesus berufen und „Erbarmen“ als Lösung anbieten kann, Erbarmen auch für das Versagen der Institution.Palmsonntag.jpg

 

Auffiel der damalige bayrische Landesbischof. Er setzte sich für ein Missbrauchsopfer ein. Wie kam er dazu? fragten sich die Richter beim EKD-Gericht, rügten die seelsorgerliche Begleitung durch den Landesbischof während des Disziplinarverfahrens und stellten die Ordnung wieder her. „Das Gericht unterstellte dem Bischof, es ginge ihm lediglich um die Verurteilung des Angeschuldigten“[6]. Der Täter plauderte mit den Richtern, das konsternierte Opfer war zwar extra angereist, wurde aber gar nicht erst angehört.[7] Auch das VELKD[8]-Gericht scheint aus furchtbaren Juristen zu bestehen: »Das Landeskirchenamt hatte dem Pastor „schwerwiegende Amtspflichtverletzungen“ vorgeworfen und beim unabhängigen Kirchengericht seine Entfernung aus dem Dienst beantragt. Das Kirchengericht dagegen hatte Mitte November das Verfahren gegen H. ohne Beweisaufnahme eingestellt. Eine „Entfernung aus dem Dienst“ sei aus Gründen der Verhältnismäßigkeit „nicht gerechtfertigt“, hatte der Vorsitzende Richter erklärt. Missbrauchsopfer hatten die Einstellung kritisiert.«[9]

Wenn ich an den Palmsonntagsgottesdienst der Nordkirche denke … Da ist doch der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dichter am Problem: Er räumte »Versäumnisse der Kirche bei der Aufklärung der Fälle ein. „Wir haben versagt, und wir waren wie in einem Verblendungszusammenhang: nicht hinsehen wollen, nicht wahrhaben wollen, was geschieht, es kleinreden, es nicht anhören, all das ist immer wieder geschehen“, sagte er am Sonntag bei einem Gottesdienst in München.«[10]

Ob er es ehrlich meint? Wer weiß das? Ich will ihm nichts unterstellen. Zumindest weiß er, was erforderlich ist, denn er sieht seine Institution mit dem Rücken zur Wand und reagiert angemessen. Jetzt fehlt nur noch eine angemessene Entschädigungsregelung.

Fußnoten

[1] https://www.zeit.de/2018/47/sexuelle-gewalt-evangelische-kirche-vertuschung-betroffene/komplettansicht

[2] Der Begriff stammt von Helmut Jacob. Nicht wegen seiner Heimerfahrungen trat er aus der Kirche aus, sondern wegen seines in diesen Fragen völlig unsensiblen Ortspfarrers. https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/10/18/helmut-jacob-ist-tot-ein-nachruf/ + https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/11/28/ein-nachruf-waere-angemessen-gewesen-doch-die-groesse-zur-demut-hatten-sie-nicht/

[3] Neue Studien, mehr Geld: Wie die Evangelische Kirche sexuellen Missbrauch untersuchen will. Ein Betroffener fragt: „Was nützt es, wenn die Vertuscher nicht bestraft werden?“ twitterte Detlev Zander, Betroffener und Sprecher von „Missbrauch in der Brüdergemeinde Korntal“ #BrüdergemeindeKorntal #Aufklärungsskandal #Aufarbeitung

[4] Hanno Terbuyken‏ twitterte: Ganz ehrlich und ganz persönlich: Ich finde es befremdlich, wenn die #EKDsynode nach dem Bericht zu #missbrauch von Kirsten Fehrs stehend applaudiert. Wem denn? Der Performance der Bischöfin? Der mangelnden Aufarbeitung? Angemessen wäre, erstmal in Scham zu schweigen. Unwürdig.

Das Hamburger Abendblatt veröffentlichte: „Der zur Zeit größte bekannte Missbrauchsskandal der Evangeli­schen Kirche Deutschlands aus Sicht einer Pastorin und Missbrauchsüberlebenden.“ Zitat: »Frau Bischöfin Fehrs: „Und auch wenn ich zu der Institution gehöre, die den Täter ungewollt geschützt hat und so schwerfällig aufklärt.“« Diese Umschreibung ist unerträglich. Wollen die höchsten Vertreter unserer Kirche mit so einer Aussage: „Täter ungewollt geschützt“, aus den „Schleifen der Selbstrechtfertigung“ herauskommen? http://www.stimme-der-opfer.de/new/Ahrensburger_Missbrauchsskandal_Artikel_Mai_2012.pdf

[5] Man kann diese Dialogpredigt auf youtube nacherleben: https://www.youtube.com/watch?v=pDLEQ36BrFk , die Tonspur lässt etwas zu wünschen übrig, dennoch wird das typisch kirchliche Geschwiemel hier deutlicher als im Predigtnachdruck: https://www.nordkirche.de/nachrichten/nachrichten-detail/nachricht/1-april-2012-dialogpredigt-mit-bischof-ulrich-zu-joh-1212-ff/

[6] Bayrische Landeskirche – Was nun? https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/07/05/4356/ +

[7] Das Opfer wurde von der Vorsitzenden Richterin auf die Nachfrage, warum sie nicht aussagen durfte mit der Antwort abgefertigt: »Das war nicht unser Thema. https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/07/03/ein-hochstrichterliches-skandalurteil-des-ekd-gerichtshofs/

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Vereinigte_Evangelisch-Lutherische_Kirche_Deutschlands

[9] https://www.nordkirche.de/nachrichten/nachrichten-detail/nachricht/kirchenamt-fordert-neues-gerichtsverfahren-gegen-ahrensburger-ruhestandspastor/

[10] https://www.welt.de/vermischtes/article184085062/Kardinal-Marx-ueber-Missbrauch-Wir-haben-versagt.html?wtrid=socialmedia.socialflow….socialflow_twitter

Foto: Dierk Schäfer

Wer soll den Mühlstein um den Hals kriegen – und dann ab mit ihm ins Meer?

Die „Kinderficker“ sind gemeint, aber Klartext sprach Jesus nicht.

mühlstein1

Die Software meines Blogs macht Schwierigkeiten, den Text hochzuladen. Darum stelle ich ihn als PDF ein.

Bitte hier anklicken: Wer soll den Mühlstein um den Hals kriegen_2_2

Die Erinnerung soll ein Bruder sein? Doch wohl eher eine Schwester.

Aber vorweg: Ich habe nichts gegen die Katastrophenhilfe der Diakonie, spende darum auch hin und wieder.

Aber das Deckblatt dieser Werbebroschüre ist selber fast schon eine Katastrophe.img 13520.jpg

Aus zweierlei Gründen.

  1. Erinnerung ist rein sprachlich gesehen weiblichen Geschlechts. Nur ein sprachlich völlig unsensibler Mensch wird ihr eine Bruderrolle zusprechen wollen.
  2. Schlimmer noch ist allerdings die mangelnde Sensibilität für die Opfer Diakonischer Einrichtungen in der Vergangenheit. Ihre Erinnerung an die Erlebnisse in den Kinderheimen, an Demütigung, Zwangsarbeit, Misshandlung, Missbrauch und an eingeschränkte Bildungsmöglichkeiten, diese Erinnerungen ließen einmal die Hoffnung aufkeimen, die Opfer würden angemessen entschädigt und ihnen bliebe im Alter ein weiterer Aufenthalt in einem Heim möglichst erspart. Doch diese Hoffnung wurde am Runden Tisch für ehemalige Heimkinder brutal abgewürgt.

Im Editorial der Broschüre wird Charles Dickens zitiert: „In der kleinen Welt, in der Kinder leben,  wird nichts so genau wahrgenommen und gefühlt wie Ungerechtigkeiten.“ Man hätte seine Klassiker früher beherzigen soll. Nun fällt einem so ein Spruch auf die Füße.

Meine Frau sagte, was werden wohl die Heimkinder zu diesem Deckblatt sagen?

Ja, dieses Deckblatt ist ein Verdeckblatt. Sicher wird man der Diakonie u.ä. Einrichtungen nicht abverlangen können, bei jedem Auftritt vorweg ein Schuldgeständnis abzulegen. Doch die mangelnde Sensibilität lässt den Schluss zu, dass es mit dem Schuldbewusstsein nicht weit her ist und wohl eher ein Lippenbekenntnis hervorgebracht hat, um unbeschwert in die Zukunft gehen zu können. Doch diese Hoffnung trügt. Sie hat eine Schwester – und die heißt Erinnerung.

Dazu:

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/09/24/das-geheimnis-der-versoehnung-heisst/

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/09/27/das-geheimnis-der-erloesung-heisst-erinnerung/

Demnächst auch hier im Blog: Erinnerung und Identität – Zur Bewältigung deutscher Vergangenheit in einem veränderten gesellschaftlichen Kontext, von: Dierk Schäfer, Deutsches Pfarrerblatt – Heft: 9/2018, http://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt/index.php?a=show&id=4563

Nicht nur Misshandlung und Missbrauch, Korntal war auch ein Ausbeutungssystem.

So berichtet der swr in seiner Sendung REPORT MAINZ [1]. Er beruft sich dabei auf den „Aufklärungsbericht“.[2] [3] zwangsarbeit

Einige Zitate:

»Gegenüber dem ARD-Politikmagazin berichtete Detlev Zander, der den Missbrauchsskandal in Korntal 2013 erstmals an die Öffentlichkeit trug, er habe von seinem sechsten bis zu seinem 16. Lebensjahr in der Gärtnerei der Brüdergemeinde, im Stall und auf dem Acker arbeiten müssen. Ferner habe er als Heimkind mehrere Privathäuser mit gebaut und die privaten Fahrzeuge eines Heimleiters waschen müssen. Im Interview erinnert er sich:

„Ich habe auf der Baustelle so viel Gewalt erlebt. Gewalt und dieses ununterbrochene Arbeiten.“

„Wir durften den ganzen Tag arbeiten. Fenster herausreißen, Türen herausreißen, Wände herausreißen. Ein großer Teil meiner Kindheit ist hier in diesen Baustellen draufgegangen.“«

»Betroffene wie Thomas Mockler und Detlev Zander sagten gegenüber REPORT MAINZ, sie empfänden die bislang gezahlten Summen als Hohn. „Diese Summen sind den Taten und Misshandlungen in keinster Weise angemessen“, sagte Thomas Mockler. Sie wollen weiterkämpfen, nicht nur um eine Anerkennungsleistung, sondern um eine ihrer Meinung nach gerechte Entschädigung für die Zwangsarbeit.

Zwei Betroffene erzählten exklusiv von schwerem sexuellen Missbrauch bis hin zu Verge­waltigungen, dem sie immer wieder durch Mitarbeiter der Kinderheime ausgesetzt gewesen sein sollen. Darüber hinaus habe die Brüdergemeinde sie an Wochenenden an so genannte Patenfamilien abgegeben, wo sie ebenfalls sexuell missbraucht worden sein sollen.«

 

Die Äußerung des weltlichen Vorstehers der Evangelischen Brüdergemeinde, Klaus Andersen, entspricht leider der üblichen Unsensibilität – oder ist es Umverschämtheit -, mit der die heute Verantwortlichen solcher Einrichtungen reagieren. Auch er versucht die „bedauerlichen“ Vorfälle abzumildern: »„Und ich weiß, dass damals auch die Mitarbeiter, trotz alledem, mit viel Herzblut und Engagement ihre Arbeit getan haben.“«[4]

 

Mich ekelt vor solchen Menschen“

 

Fußnoten

[1] SENDETERMIN Heute | 21.45 Uhr | Das Erste

https://www.swr.de/report/betroffene-fordern-entschaedigung-fuer-zwangsarbeit-ausbeutung-durch-kinderarbeit-in-heimen-der-evangelischen-bruedergemeinde-korntal/-/id=233454/did=22231810/nid=233454/1wljzcr/index.html#utm_source=Facebook&utm_medium=referral&utm_campaign=SWR%2Ede%20like

[2] Ausführlich hier im Blog behandelt, allerdings wurde der Aspekt Zwangsarbeit noch nicht angeprochen.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/07/21/korntal-ein-system-der-gewalt/ mit einer Fülle von Kommentaren, das andere Posting, Korntal – eine never-ending Story hat nun seine Aktualität erfahren: https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/08/03/korntal-eine-never-ending-story/

[3] Photo: https://shop.spreadshirt.de/780704/verbot+der+sklaverei+und+zwangsarbeit-A26323887. Ich empfehle das T-Shirt als Arbeitskleidung für das Personal solcher Einrichtungen.

[4] 2017 gegenüber REPORT MAINZ: „Das bedauern wir sehr. Und ich weiß, dass damals auch die Mitarbeiter, trotz alledem, mit viel Herzblut und Engagement ihre Arbeit getan haben.“

Korntal – eine never-ending-Story?

Reich-Ranicki schloss sein Literarisches Quartett stets mit „Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen“.[1]Ratsch, man zieht den Vorhang zu

Da hatte man (wer?) gehofft, dass nun alles seine Ruh habe und mit der Veröffentlichung des Aufklärungsberichts über die Gewalt in Heimen der Evangelischen Brüdergemeinde unter dem Titel „Uns wurde die Würde genommen“[2]. Doch schon ist es mit der Ruhe vorbei. Die Stuttgarter Zeitung berichtet von der Kritik am Bericht[3] und nennt Ursula Enders, die unter der Überschrift „Doppelter Verrat“ die „Demütigende Aufarbeitung der Gewalt in Heimen der evangelischen Brüdergemeinde Korntal“ aufs Korn nimmt.[4] Und nun erscheint die Rückmeldung zur Kritik von den Autoren des Berichts, Prof. Dr. Hafeneger und Dr. Baums-Stammberger. Informationen zur Thematik der Kinderheime erreichen mich zuweilen über Australien.[5] Da ich die Kritik an der Kritik im Netz nicht ausfindig machen konnte[6], sei sie hier aus dem Mail von Herrn Mitchell ohne inhaltliche Eingriffe wiedergegeben.

»ANFANG DES ZITATS DIESER REPLIK.
Brüdergemeinde Korntal Stellungnahme zu „Doppelter Verrat“ von Ursula Enders Prof. Dr. Benno Hafeneger / Dr. Brigitte Baums-Stammberger
Prof. Dr. Benno Hafeneger / Dr. Brigitte Baums-Stammberger
„Uns wurde die Würde genommen“.
Aufklärungsbericht: Gewalt in den Heimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal in den 1950er bis 1980er Jahren
Stellungnahme [der beiden] zu „Doppelter Verrat“ von Ursula Enders

Es gibt Äußerungen, die man am besten mit Unverständnis ignoriert, vor allem, wenn sie von Unkenntnis und Inkompetenz gekennzeichnet sind, wenn ständig wiederholende Wort- und Begriffshülsen produziert werden und/oder wenn sie aus einer ideologisch extremen Position bzw. von Sektierern sowie selbsternannten Wahrheitsfindern kommen. Das vorliegende Pamphlet „Doppelter Verrat“ gehört zu dem Schrifttypus, den man eigentlich ignoriert; weil wir ihn dem Typus eines schlechten Pamphletes zuordnen – es gibt demgegenüber natürlich auch kluge, intelligente Pamphlete. Man erwartet und freut sich auf einen sachlichen, seriösen Disput, der Aufklärungsvorhaben weiterbringt, aber was wurde einem vorgelegt, musste man lesen – ein miserables Pamphlet.

Nachdem wir von unterschiedlichen Seiten mit Hinweisen auf den Inhalt und die Form des Pamphletes aufmerksam gemacht worden sind, haben wir uns entschlossen, doch eine Stellungnahme abzugeben; ohne freilich auf jede falsche Aussage und unqualifizierte Formulierung oder Unterstellung der Autorin [Ursula Enders] einzugehen.

1.
Viele Rückmeldungen, die auf Fachlichkeit und Seriosität basieren – und nur die sind für uns von Bedeutung – bestätigen sowohl unsere methodische Anlage und Auswertung als auch die Differenziertheit und Gewissenhaftigkeit  des Berichtes. Wer die vorliegenden Aufarbeitungsberichte kennt bzw. wirklich gelesen hat, weiß, dass es – aus unterschiedlichen Gründen – eine solche komplexe Untersuchungsanlage und Aufklärung bisher kaum gab. Dies soll noch einmal kurz deutlich gemacht werden; der Bericht hat den „Gewalthaushalt“ in den Heimen differenziert dargestellt und basiert auf einer soliden empirischen Basis und:
– auf einer gründlichen Recherche und Auswertung von allen zugänglichen archivalischen Materialien; hier ist im Bericht alles dokumentiert worden, was dokumentiert war (man könnte auch sagen, das Material ist „ausgeforscht“);
erprobten Verfahren ausgewerteten Interviews von 105 ehemaligen Heimkindern, die sich gemeldet haben und dazu bereit waren. Man weiß aus der Fachdiskussion, dass das für viele nicht einfach und mit Überwindung verbunden ist, und dass die subjektiven Motive sehr unterschiedlich sind.
– Schließlich wurden Interviews mit 25 ehemaligen Mitarbeiter*innen geführt, um auch deren Erinnerungen bzw. Sicht auf den Aufklärungsprozess in den Bericht einzubeziehen.

Zu den hervorzuhebenden Merkmalen des Berichtes, die ihn ausmachen und z. T. unterscheiden von anderen Berichten, zählen: Die Gespräche mit ehemaligen Heimkindern wurden z. T. über mehrere Stunden an einem von ihnen gewählten Ort mit großer Empathie und Zugewandtheit geführt, das zeigen die vielen positiven Rückmeldungen. Wir haben bewusst diesen persönlichen und seriösen Zugang gewählt, um den Betroffenen damit Gelegenheit zu geben, über ihre Erfahrungen von Leid und Unrecht ausführlich zu berichten. Man kann eine Untersuchung kaum systematischer anlegen.

Andere Berichte zeigen z. B., dass lediglich Telefoninterviews geführt wurden oder auf eine Aktenanalyse ganz verzichtet wurde; dass eine methodisch systematische Auswertung mit einem renommierten Auswertungsprogramm nicht erfolgt ist.

2.
Die wohl begründete Komplexität gilt auch für die partizipative und transparente Struktur und den Prozess der Aufarbeitung insgesamt, die es so bisher kaum gab und auf die noch mal hingewiesen werden soll: Es gab eine Auftraggebergruppe, in der Betroffene die Mehrheit hatten und die fast 2 Jahre lang den Aufklärungsprozess begleitet, organisiert und gesteuert hat; es gab mehrere Treffen mit ehemaligen Heimkindern; es gab eine neutrale und unabhängige Moderation und es gab eine unabhängige Aufklärergruppe sowie Vergabekommission.

3.
Hinweise zu ein paar Formulierungen bzw. abstrusen Hinweisen und Unterstellungen der Autorin:

Zur Überschrift

Es war natürlich – wenn schon, denn schon – in kriegerisch-fundamentalistischer Diktion und auf eine skandalisierende Berichterstattung zielend – ein „Doppelter Verrat“. Da waren dann alle – die Brüdergemeinde, die Aufklärer, Moderatoren – Verräter. Was macht man in dieser Denktradition eigentlich mit den Verrätern…Weiter folgt in der Unterzeile die „Demütigende Aufarbeitung“: Wer ist eigentlich verraten und gedemütigt worden? Die vielen, vielen mündlichen und schriftlichen positiven Rückmeldungen von Betroffenen können es nicht gewesen sein. Begriffe fallen immer auf die Autorin zurück: Fühlt sie sich vielleicht mit einigen wenigen privaten Kontakten zu ehemaligen Heimkindern verraten? Ihr Geheimnis bleibt, für wen sie spricht, warum und für wen sie sich zur selbsternannten Sprecherin macht. Man dachte, die Zeiten der selbsternannten Legitimation von Rachefeldzügen wäre zivilisatorisch vorbei; aber wir leben auch in Zeiten vielfältiger fundamentalistischer Bewegungen.

Zu Teil I
● Es gab keine „Untersuchungskommission“ (der Begriff ist wohl einem anderen Ermittlungsbereich zugeordnet), sondern Aufklärer, die mit einem klaren Auftrag betraut waren.
● Fachliche Standards sind immer im Fluss, das ist trivial – aber es gibt wissenschaftliche Standards, die bereits Studierende in den ersten Semestern lernen: Klarheit der Fragestellung/des Gegenstandsbereiches/des Untersuchungsinteresses, angemessenes methodisches Vorgehen, erprobte Verfahren der Auswertung, Überprüfbarkeit…hier empfehlen wir gerne Grundlagenliteratur.
● Wenn Sammelbände zu einem Thema geschrieben werden, dann ist der (disziplinäre oder interdisziplinäre) Reiz, dass sie das Thema – ergänzend, überschneidend – aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Solche Publikationen erhellen ein Thema vielfach mehr als monodisziplinäre Zugänge. Vielleicht hilft dieses Bild, „die beiden Teile würden mehr oder weniger unverbunden nebeneinander stehen“.
● Was „Schwarze Pädagogik“ ist – die wir für die Autorin „lediglich zweimal erwähnen“ und nicht erklären –, das ist Stoff für Studierende zu Beginn des Bachelorstudiums.
● In der Tat ist der Schlussbericht über die Missbrauchsfälle der ehemaligen Nordelbischen-Evang. Landeskirche nicht erwähnt; auch andere Publikationen sind nicht erwähnt. Wir haben bei den 130 Literaturverweisen nur solche einbezogen, die für uns interessant und erkenntnisfördernd sind. Bei der ehemaligen Nordelbischen Landeskirche muss wohl – soweit wir wissen – aufgrund von Unzulänglichkeiten – ein zweiter Bericht angefertigt werden.
● Die Autorin vermisst die Strukturebene. Darauf ist schwer zu antworten: Meint sie die Mikrostrukturen/-ebenen, die Mesostrukturen/-ebenen oder die Makrostrukturen/-ebenen (oder alle). Auch diese Differenzierungen lernen Studierende relativ bald im Studium, und sie lernen dies auch in Texten zu entschlüsseln, wenn sie nicht immer mit Überschriften versehen sind. Auch hier geben wir gerne Literaturhinweise.
● Warum sollten die Predigten von Pfarrer G. untersucht werden – das ausgewertete Material zeigt umfänglich die gerade auch religiös begründete „strafende und harte, drohende und züchtigende Pädagogik“ dieser Zeit und einen religionswissenschaftlichen Blick wollten wir nicht einnehmen; das wäre wildern in einem Wissenschaftsbereich, in dem wir – vielleicht die Autorin als Diplom-Pädagogin? – nicht kompetent sind.
● Es gibt die geradezu denunziatorische Unterstellung, dass das Präventions- und Schutzkonzept der Brüdergemeinde „lediglich eine Alibifunktion hätte“. Woher weiß das die Autorin, die an den Prozessen nicht beteiligt war – auch das bleibt ihr Geheimnis. Wir haben – und das muss der Seriosität halber erwähnt werden – eine engagierte und ernsthafte Diskussion eines qualifizierten Konzeptes erlebt; sonst hätte es auch die rahmende Kommentierung nicht gegeben.

Zu Teil II
Wesentliche Behauptungen sind unwahr. Dies kann jedoch nicht umfassend dargelegt werden, weil damit die Vertraulichkeitszusagen gebrochen würden – was der Autorin durchaus klar sein dürfte. Im Übrigen würden sie den Rahmen einer Stellungnahme sprengen.

„● Unwahr ist die Behauptung, die Aufklärerin hätte ein Vorschlagsrecht für die Höhe der Anerkennungsleistung gehabt.“ .  Richtig ist lediglich, dass die Aufklärerin einen Betrag vorgeschlagen hat. Dies ist auch sinnvoll, weil ihr die ganze Bandbreite der Berichte bekannt ist. Der Vergleich, die Aufklärerin sei Polizei und Richter in einer Person gewesen, ist unsinnig. Vielmehr hat sie – wie ein Richter – in einer Person aufgeklärt und in einem „Richter“kollegium mitentschieden. Prof. Hafeneger hatte mit der Vergabekommission nichts zu tun.
● Eine exakte strafrechtliche Einordnung der Taten ist überflüssig und auch in anderen Aufklärungsberichten nicht geschehen. Wir schreiben schließlich kein Lehrbuch. Eine behauptete Bagatellisierung lässt sich z.B. S. 298 nicht finden.
● Infam ist die Behauptung, in einem Fall habe die Aufklärerin einen zu kleinen Raum gebucht und nicht entsprechend reagiert. Sie hat mit dem Interview nicht begonnen, sondern sofort erklärt, einen größeren Raum zu suchen und diesen auch gefunden. Die Begleitpersonen mussten mitnichten auf einem größeren Raum bestehen.
● Ein Gesprächsabbruch wegen der fortgeschrittenen Zeit ist nur einmal vorgekommen, das Gespräch wurde auf Bitten des Betroffenen an einem anderen Tag fortgeführt (ohne dass der Betroffene noch neues schildern konnte), und zwar auf Bitten des Betroffenen nicht in Stuttgart, sondern nahe dem Wohnort des Betroffenen.
● Die Aufklärerin hat in einem Fall Erlebnisse eines Betroffenen ohne Namensnennung erwähnt, die Autorin (!) nannte dann den Namen, sie kennt die Betroffene offenbar gut.
● Dass die Aufklärerin in die Vergabekommission berufen wurde, ist der Wunsch der Betroffenen in der Auftraggebergruppe und auch bei Opfertreffen durch andere Betroffene gewesen. Ausdrücklich hat sich hierfür auch eine Betroffene eingesetzt, die nun von der Autorin als Kritikerin herangezogen wird.
● Es ist richtig, dass in einem Interview der Autorin, die den Betroffenen begleitete, auf deren Wunsch hin zugesagt wurde, ihr eine Kopie der Aufzeichnung des Interviews zukommen zu lassen. Dies war jedoch rechtlich nicht zulässig. Offenbar war es für die Autorin auch ohne Belang: In allen Monaten danach hat sie die Aufklärerin nie an die gemachte Zusage erinnert.
● Bösartig ist die Unterstellung mangelnder Fachlichkeit, da die Aufklärerin „nur“ Amtsrichterin gewesen sei. Worin soll sich die aufklärende Tätigkeit einer Amtsrichterin von der eines Richters in der Jugendschutzkammer unterscheiden? Man sieht: Die Autorin hat von richterlicher Arbeit und von juristischen Kontexten keine Ahnung; soweit wir wissen, ist sie keine Juristin.
● Ausgesprochen dumm sind die Bemerkungen zur Plausibilitätsprüfung. Keines der Merkmale spielt alleine eine Rolle. Jedem verständigen Leser wird dies klar.
● Die Auswertungsmethode der qualitativen Inhaltsanalyse ist keine quantitativ-statistische, sondern eine qualitativ-inhaltliche – wie auch der 120 Seiten umfassende Berichtsteil zeigt. Sie ist zudem Standard in vergleichbaren Aufklärungsberichten und in der Lage die Sicht der Betroffenen gehaltvoll und in systematisierter Form abzubilden. Der Berichtsteil ist Teil der Methodentriangulation aus Institutionenanalyse, Betroffenen- und Mitarbeiterinterviews.
● Die Klassifizierung sexualisierter Gewalt als Grenzüberschreitungen und Übergriffe, die weitere Differenzierung in verbale Belästigung, Bedrängen etc., der Verzicht auf das im gegenwärtigen feministischen sowie Opferdiskurs als Trigger identifizierte V-Wort sowie auf eine juristische Differenzierung geschahen nicht aus Unkenntnis dieses Diskurses, sondern gerade auf diesem basierend. Entsprechend dem gegenwärtigen Diskurs wurde auf das V-Wort verzichtet. Auch die Begriffe Missbrauch und Misshandlung wurden aus dem gegenwärtigen feministischen Opferdiskurs verbannt, da „Missbrauch“ einen korrekten „Gebrauch“ impliziert. Wir verweisen hier auf die Publikation von Manfred Kappeler (Berlin), dem wohl renommiertesten Kenner der Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland.
● Ein gravierendes Argument mit Blick auf die juristische Einordnung von sexualisierter Gewalt gibt es bereits seit Beginn der zweiten Welle der Frauenbewegung, und sie existiert seit jeher als eine Säule der Kritik. Denn gerade dieser Einteilung wurde jahrzehntelang die Bagatellisierung vorgeworfen, etwa weil bis zur jüngsten Novellierung des Sexualstrafrechts eine Penetration konstitutiv für eine V. war. Deshalb sind innerhalb des Diskurses neue Begrifflichkeiten entwickelt worden, die für diesen Aufklärungsbericht aufgegriffen wurden.

Und es ist darauf hinzuweisen, dass wegen einer weiteren ehrenrührigen Behauptung im Hinblick auf eine dritte Person zur Zeit die Erstattung einer Strafanzeige geprüft wird.

4.
Eine Binsenweisheit ist, dass man einen Bericht gelesen und vor allem verstanden haben sollte, bevor man ihn kommentiert. Da die Autorin als praktizierende Diplom-Pädagogin – diese Anmerkung ist zentral und muss so deutlich formuliert werden – wissenschaftlich nicht ausgewiesen ist (und, soweit wir wissen, auch keine staatliche oder von Krankenkassen anerkannte (psycho-)therapeutische Ausbildung hat), über keine Forschungskompetenz (-erfahrungen) in komplexen Felddimensionen verfügt und im wissenschaftlichen Diskurs keine Rolle spielt, ist es zunächst verwunderlich und bleibt ihr Geheimnis, wie man bei fehlender Expertise einen wissenschaftlich fundierten Bericht beurteilen kann. Das zeigt sich vor allem auch im verwandten Sprachgestus und in der Unkenntnis von methodischen Fragen – Datenerhebung, Interviews, Memo-Writing, Datenanalyse/Auswertung, dann Codierungsverfahren/ hier MAXQDA.

5.
Die Autorin unterliegt wiederholt – einer wissenschaftlich verbrämt formulierten – Beliebigkeitskultur: Was fehlt, was noch alles hätte untersucht und gedeutet werden müssen, können, sollen. Das sind normative Überfrachtungen und Aussagen – die von der Autorin wohl favorisiert werden – und die die unangenehme Eigenschaft haben, dass sie nicht widerlegbar und „lernresistent“ (Luhmann) sind. Mit einer solchen Denktradition haben wir nichts zu tun.

Sicher kann man eine Untersuchung (hier war es eine „Fallstudie“) immer auch komplexer anlegen – aber immer gilt, dass sie durch Fragestellung, Auftrag und methodisches Vorgehen konturiert wird. Vielleicht hilft das Bild: Das ist wie bei einer Rezension, in der formuliert wird, was in dem Buch alles fehlt, nicht beachtet wurde – da ist die richtige Antwort der Autoren: Ich habe ein (!) Buch geschrieben und keine zwei oder drei Bücher; außerdem hat auch der vorliegende Umfang eine schlüssige Begründung.

6.
Es gibt vor allem drei Aspekte, die sich als Subtexte aus dem Pamphlet herauslesen lassen:
● Die Autorin scheint unzufrieden, ihr ist das alles noch nicht genug „Skandal“; sie hätte gerne mehr und vermutet (phantasiert), dass es da noch (viel) mehr aufzuklären gibt, dass etwas verschwiegen wird. Hier deuten sich dann Verdunkelungs- und Verschwörungstheo­rien an (sie redet von „reproduzierten Vertuschungsdynamiken“) über die Aufklärer und die Brüdergemeinde – über deren Zusammenarbeit. Ihren Skandalisierungsbedarf können wir nicht bedienen. Um hier ein Beispiel zu nennen: Nach den Daten gab es die vorgestellte sexualisierte Gewalt und die vorgestellten ermöglichenden/begünstigenden Strukturen – aber es gab nach der vorliegenden Datenlage kein geduldetes oder organisiertes System, keine Seilschaften und Vernetzungen der Täter*innen.
● Ihr gehen die (von ihr wohl gewünschten skandalisierenden) Deutungen nicht weit genug. Wir haben uns – bewusst und angemessen – mit unseren Deutungsangeboten in diesem sensiblen Feld dicht am Material und den Daten orientiert. Weitere wissenschaftliche Deutungshorizonte sind immer möglich, hätten die Arbeit und den Bericht, den Anmerkungs- und Literaturapparat sowie die Untersuchungszeit dann aber erheblich erweitert. Hier bewegen wir uns auch quantitativ im Horizont von anderen seriösen Aufklärungsberichten, die empirischer Aufklärung verpflichtet sind; die kein Theorietest, sondern solide empirische Arbeiten mit Deutungen „mittlerer Reichweite“ sind.
● In einem wissenschaftlichen (!) Bericht dämonisiert man nicht eine Institution, sondern klärt seriös über diese auf, da verwechselt man auch historische Phasen nicht mit der heutigen Situation; ein politisch-fundamentalistisches Pamphlet darf das natürlich.

Mit diesem Blick gilt: Bei vielen faselnden Formulierungen schwankt man zwischen Staunen und Fremdscham. Das Pamphlet ist ein Beispiel, dass scheinbar unter dem Deckmantel von selbsternannter Fachlichkeit jeder Unsinn seine Aufmerksamkeit und Legitimation erfahren kann und in der Presse abgedruckt wird. Man ist geneigt zu sagen, dass für das Pamphlet der Begriff von selbst produzierten fake news und verschwörungstheoretischen Konstrukten in der Tat zutrifft. Diese zeigen sich schon in den genannten Begrifflichkeiten in den Überschriften: „Doppelter Verrat“ und „Demütigende Aufarbeitung“.

7.
Es gilt, Genres, Fach- und Publikationswelten zu unterscheiden. Die Publikationen (und wohl auch die Kompetenz) der Autorin gehören zu einem anderen Genre – nämlich einem ideolo­gisch-kämpferischen Genre. Das ist gut und legitim, und vielleicht hat sich die Autorin in der Vergangenheit hier große Verdienste erworben; das hat aber bei noch so viel rheto­rischen Anstrengungen mit seriösem wissenschaftlichem Arbeiten und zugehörigen Kompetenzen nichts zu tun.

8.
Solche Aufklärungsprozesse sind hochkomplex, mit enormen emotionalen Belastungen und Herausforderungen für alle Seiten – vor allem für die ehemaligen Heimkinder – verbunden. Eine Erfahrung ist, dass sie auch untereinander zerstritten sind, sich unterschiedliche Gruppen und Einzelpersonen mit Vorwürfen begegnen. Auch das haben wir während des Aufklärungsprozesses wiederholt erlebt und in ihnen muss mit Unversöhnlichem umgegangen werden. Dieser Aspekt wäre inhaltlich weiter auszuführen und braucht einen anderen Ort; aber so viel sei angemerkt: Es ist fatal, wenn Unversöhnliches zu eigenen Zwecken missbraucht wird.

9.
Die Interviews und viele weitere Gespräche mit ehemaligen und von Gewalt betroffenen Heimkindern haben eindrucksvoll gezeigt, welche vielfältigen subjektiven Verarbeitungs­weisen und unterschiedlichen Umgangsweisen sie mit ihren Erfahrungen und ihren weiteren Biographien gefunden haben. Viele wollten mit dem Ende der Aufarbeitung in Form des Berichtes und der Anerkennungsleistung einen – so schwierig das auch ist, weil die biogra­phischen Erfahrungen bleiben – Weg der Versöhnung und einen gewissen Abschluss finden und vor allem „nach vorne blicken“. Hier trägt das Pamphlet (bewusst und gewollt?) zur Irritation bei, will die Betroffenen bevormundend und stellvertretend instrumentalisieren, indem es deren Erfahrungen und Wege des Umgangs/der Verarbeitung zu einem (ihrem) Dauerthema machen will.

10.
Wissenschaft bzw. wissenschaftliche Wissensproduktion sind immer offene Prozesse und werden inspiriert von kluger, anregender Kritik; dann kann für die weitere – auch aus Hinweisen aus dem nicht-wissenschaftlichen Bereich – Forschung (hier im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe/ der Heimerziehung) gelernt werden. Leider gibt das Pamphlet in diese Richtung nicht einen einzigen produktiven Hinweis; so ist es noch nicht mal eine durchaus wünschenswerte kritisch-aufklärende Kommentierung und damit letztlich für den Papierkorb geschrieben. Ideologische Fixierungen und Bornierungen bleiben nun mal erfahrungsresistent und sind keinem diskursiven Modus verpflichtet.

Unser Fazit ist: Das Pamphlet hat mit dem Auftrag, dem Bericht und der Wirklichkeit des Aufklärungsprozesses nichts zu tun. Die Autorin war zu keinem Zeitpunkt an ihm beteiligt und hat keine Kenntnisse von den wirklichen Abläufen und den empirischen Arbeiten. Vielleicht hat sie Kontakte zu und Informationen von einzelnen ehemaligen Heimkindern – nur hat das mit dem Aufklärungsprozess und dem erstellten Bericht nichts zu tun. Wie man aus dieser Perspektive die Prozesse und den Bericht beurteilen will, bleibt ein weiteres Geheimnis der Autorin. So werden dann in einem schnell produzierten Paper die absurdesten Behauptungen publiziert, deren Zusammenhang mit der empirischen Realität sich einem auch mit viel gutem Willen nicht erschließt. Interessant ist nicht zuletzt, dass den Aufklärern umfangreiche Mails der Autorin vorliegen, in denen sie ihren – z. T. mit Lobeshymnen verbundenen – Respekt über die Arbeit der Aufklärer zum Ausdruck bringt; auch dies ist ein weiteres Geheimnis. Zitat: „Sie (die Aufklärerin, d. V.) und Herr Hafeneger haben einen tollen Job gemacht!“

ENDE DES ZITATS DIESER REPLIK.«

Auf diese Kritik an der Kritik erfolgte – sozusagen postwendend – wieder Kritik. In ihrer Stellungnahme verteidigt die Organisation zartbitter e.V ihre Autorin Enders gegen die von Hafeneger und Baums-Stammberger erhoben Vorwürfe.[7]

Die Stuttgarter Zeitung [8]schreibt, sowohl Vertreter der Brüdergemeinde als auch ehemalige Heimkinder hätten … das Gespräch mit Johannes-Wilhelm Rörig, dem Missbrauchsbeauf­tragten der Bundesregierung gesucht. »Sein Fazit: „Auch wenn ein umfassender Bericht zu den sexuellen Gewalttaten erstellt ist und Anerkennungszahlungen an Betroffene geleistet werden, heißt das noch lange nicht, dass Aufarbeitung auch gelungen ist.“ Aufarbeitung in Kirchen und anderen Institutionen sei eine „schwierige und äußerst schmerzhafte Aufgabe, wie sich bisher in fast allen Aufarbeitungsvorhaben gezeigt hat, auch dem der Brüderge­meinde Korntal“. Nach dem Hearing stehe für ihn fest, „dass Kirchen und andere Institutionen vor und während des Aufarbeitungsprozesses und vielleicht auch danach unbedingt eine sehr gute Beratung von unabhängiger Stelle benötigen“. Sie müsse Betroffenen und Verantwort­lichen in Kirchen und Institutionen helfen, diesen Prozess gemeinsam und transparent zu verwirklichen. Er selbst, sagt Rörig, wolle den Dialog mit Betroffenen, Kirchen und Betei­ligten an der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der Brüdergemeinde fortsetzen. Mehr noch: „Ich erwarte von der von mir berufenen Aufarbeitungskommission, dass sie bis Anfang 2019 erste Vorschläge für Standards einer gelingenden Aufarbeitung vorlegt“ Die Kommis­sion wird von der Professorin Sabine Andresen geleitet. „Ein großer Kritikpunkt der Kom­mis­sion am Aufarbeitungsprozess in Korntal – und allen anderen – ist, dass die Kirche ihn nicht von sich aus angestoßen hat. Sie hat nur so viel getan, wie sie – auf Druck von Betroffenen und der Öffentlichkeit – tun musste“, sagt sie. Sollte das Gremium weiterhin bestehen, blieben Kirchen ein Schwerpunkt ihrer Untersuchungen.«

Wenn das keine Ankündigung ist! Der Vorhang ist also noch lange nicht geschlossen. Die Brüdergemeinde halte sich zurück, schreibt die Stuttgarter Allgemeine.

Wer sich noch zurückhält ist die Württembergische Landeskirche. Sie hat das Visitationsrecht in der Korntaler Brüdergemeinde. Bisher ist nicht erkennbar, dass sie im Missbrauchsfall davon Gebrauch gemacht hat. Sie scheint nicht zu merken, dass auch sie im Bewusstsein vieler Menschen – wenn auch fälschlicherweise – für den Missbrauch mit in Haftung genommen wird.

Fußnoten

[1] Das war eine „Abwandlung von „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen“ (aus Der gute Mensch von Sezuan). https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Literarische_Quartett , Zeichnung von Wilhelm Busch, http://gutenberg.spiegel.de/buch/tobias-knopp-4169/75

[2] „Uns wurde die Würde genommen“, GEWALT IN HEIMEN DER EVANGELISCHEN BRÜDERGEMEINDE KORNTAL IN DEN 1950ER BIS 1980ER JAHREN, AUFKLÄRUNGSBERICHT,

[3] 2. August 2018 https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.missbrauchsskandal-bei-der-bruedergemeinde-berlin-diskutiert-ueber-korntal.cc51fb97-9179-4026-9751-7fad446672c9.html

[4] https://www.zartbitter.de/gegen_sexuellen_missbrauch/images/Presse/Bericht_Korntal.pdf , hier im Blog aufgegriffen am 21. Juli 2018 https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/07/21/korntal-ein-system-der-gewalt/ Dort auch zahlreiche Kommentare.

[5] Dank an Martin Mitchell

[6] Trotz unterschiedlicher Versuche nicht auffindbar: https://netzwerkbetroffenenforum.de/bruedergemeinde-korntal-stellungnahme-zu-doppelter-verrat-von-ursula-enders-prof-dr-benno-hafeneger-dr-brigitte-baums-stammberger/

[7] Diese Stellungnahme ist im Netz erreichbar und wird darum hier nicht wiedergegeben: https://zartbitter.de/gegen_sexuellen_missbrauch/images/Presse/Korntal_Stellungnahme_zur_Stellungnahme.pdf

[8] s. Fußnote 3

Was ist denn an Bad Boll so toll?

Der Ort hat doch nicht mal 6.000 Einwohner!

Dennoch, Bad Boll: Ein Dorf, mehr als manche Stadt

Wieso?

Wer aufmerksam durch den Ort geht, dem fallen Häuser auf, deren Architektur unty­pisch für ein Dorf ist. Auch die Siedlungs­struktur, denkt man sich die Neubau­gebiete weg, erscheint merkwürdig. Friedhöfe gibt es gleich mehrere – und das nicht nach dem Schema alter und neuer Friedhof. Bei der Kirche gibt es einen alten und zum neuen muss man nur durch ein Tor. Diese Friedhöfe gehören zu Boll und seinen zwei Siedlungskernen. Der dritte, das ursprüng­liche BAD Boll hat auch zwei beieinander liegende Friedhöfe. Beide erstaunen, weil viele der dort Bestatteten aus so ziemlich allen Winkeln der Welt hier gelandet sind.[1] Wie kommt es zu den acht Trigrammen aus dem I GING[2] auf dieser Grabstätte?

 

Der Ort hat also was. Doch was?

 

Das Besondere begann mit „des Königs Wunderbad“ und seinen illustren Besuchern, die kamen wegen der Blumhardts und danach kamen mehr oder weniger zufällig die Anthroposophen und schließlich die Evangelische Akademie.

 

Manche sprechen vom „Kraftort Bad Boll“; so eine Referentin beim Abendgespräch im Café Heuss; sie stieß auf Zustimmung bei anderen Teilnehmerinnen. Der Künstler KWAKU-Eugen Schütz sprach bei seiner Vernissage[3] vom „Heiligen Boden“, und meinte damit die Akademie.

 

Das brachte mich in eine gewisse Verlegenheit. Normalerweise hätte mein geschätzer und hochkompetenter Kollege Albrecht Esche den Vortrag im Literarischen Salon übernehmen sollen.

Blumhardts Literarischer Salon in der Villa Vopelius in der Evangelischen Akademie Bad Boll [4]literatursalon.jpg

Er hätte dann von der Teufelsaustreibung bei der Gottliebin Dittus und dem glaubens­starken Blumhardt berichtet, mit dem alles begann. Ich hätte still dabeigesessen und mir meine Gedanken gemacht. Nun aber, der Kollege war im Urlaub, musste ich einspringen – Magie und Zauberei sind wirklich nicht meine Sache[5]. Schließlich nannte mich jemand den „am meisten säkularisierten Pfarrer unserer Akademie,“[6] und spuk­hafte Erscheinungen halte ich eher für erklärungsbedürftig und prinzipiell auch erklä­rungs­fähig.[7] Ein Kraftort? Ich halte es eher mit Sankt Hieronymos, der meinte, es komme nicht darauf an, in Jerusalem gewesen zu sein, denn „sowohl von Jerusalem wie von Britannien aus steht der Himmel gleichermaßen offen; denn das Reich Gottes ist inwendig in euch.“[8] Was also tun? Ich schlug also folgerichtig das Stich­wort „Ort“ im „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“ nach.[9] Das lässt dann ganz schnell an andere Verbindungen von Ort und Magie denken (Friedhöfe, Wallfahrtsorte), aber auch an „stoffgebundene“ magische Vorstel­lungen (Sakramente, Reliquien). Ja, der Aber­glaube kennt Kraftorte, gute wie böse.

Und Bad Boll?

Ob Kraftort oder nicht: Es gibt drei Aspekte für die besondere Bedeutung von Bad Boll

  1. Das Kurhaus
  2. Die Anthroposophie
  3. Die Akademie

ad 1: Herzog Friedrich I. von Württemberg ließ ohne Erfolg nach Salz graben.

1595 stieß man dabei auf Versteinerungen und auf die Schwefel- und Thermalquellen. Das „Wunder­bad“ bezog sich auf die Versteinerungen, die hielt man für ein Wunder Gottes.

1596 wurde das heutige Kurhaus in seiner ersten Form von Heinrich Schickhardt[10] erbaut. Es gab 12 Freiplätze für „Gnadenbädler“. Das Bad florierte nicht so sehr. Die erhofften „oberen Stände“ kamen nicht.

1821 – 23 lässt König Wilhelm I die noch heute das Kurhaus bestimmende schlossartige Anlage in Huf­eisen­form errichten.

1852 erwirbt Blumhardt d.Ä. das Kurhaus mit 400 Gulden Eigenkapital (Der Preis war schon auf 25.000 Goldgulden gesunken)[11]. Mit seinem Wirken beginnt die nationale und internatio­nale Ausstrahlung von Bad Boll.

Wer war Johann Christoph Blumhardt? Ein Wunderheiler? Ein Teufelsaustreiber?

Johann Christoph Blumhardt (* 16. Juli 1805 in Stuttgart; † 25. Februar 1880 in Boll) war ein Pfarrer der württembergischen Erweckungsbewegung, evangelischer Theologe und Kirchenlieddichter. … 1820 – nach einer zweiten Aufnahmeprüfung, dem „Landexamen“ – wurde er Stipendiat des Evangelisch-theologischen Seminars in Schöntal. Während seines Theologiestudiums in Tübingen lernte er u.a. Eduard Mörike kennen, der ebenfalls als Student im Evangelischen Stift wohnte und zu dem sich eine innige Freundschaft entwickelte. … Im Juli 1838 wurde er zum Pfarrer in Möttlingen (bei Bad Liebenzell) ernannt. Hier heiratete er Doris Köllner, eine Tochter seines Missionsfreundes Karl Köllner. 1842 wurde ihr Sohn, der spätere Theologe Christoph Friedrich Blumhardt, geboren.

Gottliebin Dittus, eine junge Frau aus der Gemeinde, litt an einer unerklärlichen Krankheit: sie wurde von Krämpfen geplagt, fremde Stimmen redeten aus ihr.[12] Zwei Jahre lang – 1842 und 1843 – begleitete er diese Frau seelsorgerlich, indem er sie immer wieder an Gottes Ver­heißungen erinnerte und mit ihr betete. An Weihnachten 1843 endete ihr Leiden, das Blum­hardt später in einem Krankheitsbericht an das kirchliche Konsistorium als „Geister­kampf“ bezeichnet. Der laute Ruf der Geheilten „Jesus ist Sieger“ wird zum Losungswort Johann Christoph Blumhardts.[13]

Diese Heilung löste in Möttlingen eine Buß- und Erweckungsbewegung aus. [14]

Wenn ein Ort eine Ausstrahlung hat, ein Kraftort ist, dann wäre Möttlingen zunächst ein böser Ort, der dank Blumhardt zum guten Kraftort wurde und nach seinem Weggang nicht mehr war. Am Ort kann’s also nicht gelegen haben.

Die Erweckungsbewegung brachte Turbulenzen und die Kirchenbehörde begrenzt Blum­hardts Aktivitäten. Er darf nun keine Auswärtigen mehr empfangen und keine Heilungen (Handauf­legen) mehr tätigen. So sucht er nach Alternativen und kauft das Kurhaus. Damit beginnt der „Aufstieg“ des Kurbades und Ortes von Bad Boll. Jetzt kamen die „illustren Besucher“.

„Bad Boll war im 19. und beginnenden 20. Jahr­hundert ein vielbesuchtes »protestantisches Lourdes«. Im Kurhaus versammelten sich neben einheimischen Gästen aus Württemberg auch Angehörige des reformierten und lutherischen Bürgertums aus der Schweiz, dem Elsass und aus Norddeutschland, darunter nicht wenige Adelige. Sie hofften von Krankheiten geheilt zu werden, suchten aber auch ihr Seelenheil, also Lebenshilfe, Lebenssinn und Orientierung.

Zwischen 1852 und 1919 wirkten hier Vater (Johann Christoph) und Sohn (Christoph) Blumhardt als Pfarrer und Therapeuten. Wurde der Ältere vor allem als erfolgreicher Heiler – im Dienste seines Heilandes – wahr­genommen, so erlangte der Jüngere eine spektakuläre Berühmtheit durch sein politisches Engagement in der SPD. Deshalb galt Bad Boll seit 1900 auch als Treffpunkt von Sozialisten, politischen wie religiösen.“

Zu Johann Christoph Blumhardt sind drei Persönlichkeiten zu nennen, die im Literatur­salon präsentiert werden.

ð Eduard Mörike, mit ihm bestand eine Freundschaft seit dem Studium am Tübinger Stift.

ð Ottilie Wildermuth war mehrmals bei Johann Christoph Blumhardt und – wie sie eigens betonte – seiner Ehefrau Doris zu Besuch. Sie bewunderte Doris noch mehr als Johann Christoph, die mit großer Ruhe und Gelassenheit das umtriebige Gewimmel von zahlreichen Menschen aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland „managte“. Ottilie bekam als begabtes und intelligentes Kind früh einen „Wunderkindstatus“. Ihre Stellung als bekann­teste und geschätzte Autorin der Zeit war durchaus etwas Besonderes und Ungewöhn­liches.

Sie schrieb vom „Frieden, der auf diesem Haus ruht“. Mit den Worten „Wenn selten Wunder noch geschehen. Weil jetzt der Herr nur leise schafft“ hatte sie den Wandel in der Blumhardt­schen Wirkung getroffen.

ð „Christian Buddenbrook“, alias Friedrich Wilhelm Leberecht Mann. Er war der Onkel von Thomas Mann, war psychisch-labil, und wird in einer krankhaft belasteten Zeit zu Blum­hardt nach Bad Boll geschickt. „Was Blumhardt bewirken konnte, wissen wir nicht – von Heilung spricht niemand.“ Übrigens: Buddenbrook war der Name eines Sekundanten im Effi Briest-Duell.

1880 nach dem Tod seines Vaters übernahm Christoph Friedrich Blumhardt die Leitung von Bad Boll. Er gewann als Seelsorger und wortgewaltiger Bußprediger einen Ruf weit über seine Heimat hinaus. Ging es seinem Vater überwiegend um individuell-seelsorgerliche Hil­fen, so dem Sohn um die Heilung der Strukturen. Er sah in der Sozialdemokratie die Kraft zur Förderung des Reiches Gottes.

1888 gründete er in Eckwälden das „Haus für Nerven- und Gemütsleidende“, er verkaufte es 1901. Den Grund dafür konnte ich nicht herausfinden.

Persönlich kamen zu ihm und sind im Salon präsentiert:

ð Ludwig Richter (und Sohn) war insgesamt sechs Mal »in dem lieben Boll«. Anlass dafür gab ihm sein Sohn Johannes Heinrich (1830-1890), der seit 1872 häufig Hilfe bei den Blum­hardts suchte und seit 1888 ganz in Eckwälden, in dem von Christoph Blumhardt gegründeten „Haus für Nerven- und Gemütsleidende“, lebte. Er hatte Depressionen, wohl auch Paranoia. „Heinrich Richter fand in Bad Boll einen Zufluchtsort, der ihm Leben ermög­lichte. Er starb am 12. Juli 1890 und liegt auf dem Blumhardt-Friedhof begraben.“

ð „Effi Briest“, alias Elisabeth (Else) Baronin von Ardenne[15] »Ein gütiges Schicksal führte mich nach Bad Boll im lieben Württemberg, das mir zur zweiten Heimat wurde. Die Seele des großen Hauses, Pfarrer Blumhardt, dessen helfende Liebesfäden weit über Deutsch­land liefen, wusste auch mir festen Grund unter die lahm gewordenen Füße zu geben und meiner Seele neuen und besseren Aufschwung.« Christoph Blumhardt setzte sie als Pflegerin im Haus für Nerven- und Gemüts­kranke in Eckwälden ein. Sie starb in Lindau und bekam ein Ehrengrab bei Potsdam.[16]

ð Hermann Hesse „hatte das Dasein »Unterm Rad« im evangelischen Seminar Maulbronn satt und riss aus. Deshalb wurde er von seinen hilflosen Eltern dem Rettungsanker Christoph Blumhardt anvertraut und landete im Mai 1892 in Bad Boll. … Sechs »selige Wochen in Boll« erlebte Hermann Hesse. Nach einer Suizidvorbereitung wegen unerwiderter Liebe setzte Blumhardt ihn zornig vor die Tür und empfahl ihn nach Stetten in die Heil- und Pflegeanstalt für Schwach­sinnige und Epileptische.“

ð Gottfried Benn „begann auf Wunsch seines Vaters 1903 in Marburg ein Theologie- und Philosophiestudium. Viel lieber aber wollte er Medizin studieren. Deshalb reiste Pastor Gustav Benn aus Sellin/Brandenburg 1904 mit seinem Sohn nach Bad Boll, um Rat und Hilfe einzuholen, sicherlich auch um Unterstützung durch den berühmten Gottesmann zu erhal­ten. Christoph Blumhardt ergriff Partei für den jungen Gottfried Benn und leitete so die Karriere ein, die den späteren Dichter und Arzt berühmt machen sollte.“

ð Richard Wilhelm   „kam 1897 als Vikar nach Boll und freundete sich rasch mit Christoph Blumhardt sowie dessen 18-jähriger Tochter Salome an, seiner späteren Frau. 1899 reiste er als Missionar nach China aus und lebte in Tsingtau/Kiautschou.[17]“ Der Boxeraufstand[18] 1900 mit der Parole von Wilhelm II. »Pardon wird nicht gegeben« öffnete Richard Wilhelm die Augen für die Motive des Kolonialismus und der sie stützenden Mission. »Unter Umständen müsst Ihr Chinesen mit den Chinesen werden, sei es auch, dass es zu einer Trennung von den kirchlich denkenden Menschen kommt. […] Christen brauchen sie gar nicht zu werden. Diesen Namen sollte man in fremden Ländern gar nicht aufkommen lassen. Wer den Willen Gottes tut, ist des Himmelreichs Kind, ob er von Konfuzius oder von Kirchenvätern abstammt.« – Christoph Blumhardt an Richard Wilhelm, 21. Januar 1901.“ Man beachte die Weite des Horizontes dieses ansonsten sehr pietistischen Mannes.

ð Hermann Kutter – „Sein Buch »Sie müssen!« (1903) wurde zum wirkungsmächtigsten Dokument der religiös-sozialen Bewegung[19]. Jenseits aller Differenzierungen und Vorbehalte werden darin die Sozialdemokraten für Gottes Wirken in der Welt in Anspruch genommen.“

ð Karl Barth »Das Einzigartige, wir sagen mit vollem Bedacht: das Prophetische in Blum­hardts Botschaft und Sendung lag darin, wie sich das Eilen und Warten[20], das Weltliche und das Göttliche, das Gegenwärtige und das Kommende in seinem Reden und Tun begegnete, vereinigte, ergänzte, immer wieder suchte und fand.«

Es fehlt August Bebel: „Wenn er bei Blumhardt in Bad Boll sei, könne sogar er an Gott glauben.“[21]

Auch Clara Zetkin besuchte Bad Boll und schrieb an Blumhardt: „Mit der Versicherung herzlichster Hochachtung grüßt Sie Ihre ergebene Clara Zetkin.“

Zu nennen wäre noch Max Reger, der auf Vermittlung von Blumhardt in Boll kirchlich getraut wurde. Reger war katholisch, seine Braut war evangelisch und geschieden. Zu damaliger Zeit ein Hindernis für eine kirchliche Trauung. Reger wurde nach der Trauung exkommuniziert.

Die Eingabe Heine/Blumhardt gibt bei Google keinen passenden Treffer. Die beiden werden einander nicht gekannt haben. Und doch unterstelle ich eine Seelenverwandtschaft zwischen dem ernst-frommen Blumhardt und dem Spötter Heine.

Die Heineverse wären jedenfalls, von der Frivolität abgesehen, durchaus nach dem Sinn von Blumhardt gewesen:

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.[22]

Im Laufe der Jahre wurde Blumhardt zu einer bedeutenden Person der Zeitgeschichte. Als 1888[23] Kaiser Wilhelm I. auf dem Sterbebett lag, wurde Blumhardt zu ihm gerufen.[24]

1887/1988 ließ Blumhardt in Eckwälden das „Haus für Nerven- und Gemütsleidende“ bauen. Baronin von Ardenne hatte hier ihr Arbeitsfeld. Das Haus wurde bereits 1901/1902 an die vier Schwestern Härlin verkauft, die hier bis 1930 ihr Pensionat „für höhere Töchter“ führten.[25] Ob und wie dieser Verkauf mit dem Weggang der Baronin zusammenhing, konnte ich bisher noch nicht ermitteln.

1920 (erw)erben die Herrnhuter[26] von den Blumhardt-Erben das Kurhaus, das den Erforder­nis­sen der Zeit nicht mehr entsprach.[27]

Im Gefolge der Herrnhuter sozusagen kam nach dem Krieg die „Europäisch-Festländische Brüder-Unität“[28] nach Bad Boll (1961).

Mit den Herrnhutern beginnt die Fortsetzung der Geschichte des Kurhauses, zunächst ganz im Sinne von Blumhardts Erben. Heute, nach mehrfachem Besitzerwechsel, ist das Kurhaus ein normaler Rehabi­li­tationsbetrieb. Noch (?) wird der große Saal, der „Kirchensaal“ für Gottes­dienste genutzt. Im „Blumhardtzimmer“ fällt eher die Nutzung durch die Kurseelsorge auf: ein großer dominierender Tisch aus der Jetzt-Zeit und das Regal voll mit den derzeit gebräuchlichen Gesangbüchern; das „Zinzendorfzimmer“ taucht nur noch im Wegweiser auf. Fragt man penetrant nach, wird einem die Zimmertür zum psychologischen Dienst des Kurbetriebes gezeigt.

Albrecht Esche schreibt: Mit dem Tod der Blumhardts „war dann in Bad Boll alles aus und vor­bei. Auch das gute Wasser, die Schwefelquelle sowie die — al­lerdings erst vor einigen Jahr­zehnten aufgefundene — Mi­neralquelle, wurde nicht als Geschenk des Schöpfers und der Schöpfung religiös-therapeutisch genutzt, auch nicht die einmalige Lage und Naturlandschaft. So bleiben die Besucher mit sich allein und auf sich selbst gestellt. Und so bleibt uns heute nur noch die Erinnerung — oder aber ein neuer Aufbruch zu den unerschöpflichen spirituellen Quellen, die dieser Ort zu bieten hat.“

ad 2: Nur kurz zur Anthroposophie

Anknüpfungspunkt: Wala und Blumhardthaus in Eckwälden

  •  1935 gründet Rudolf Hauschka die Firma „Wala“ in Bad Boll-Eckwälden.[29] Mit dieser Gründung begann die Ausbreitung der Anthropo­sophie in Bad Boll-Eckwälden.
  •  1937 Im Blumhardthaus eröffnet der Anthroposoph Dr. Geraths[30] das „Heil-und Erziehungs­institut[31] für seelenpflegebedürftige Kinder“[32] Er knüpfte auch bewusst an das geistige Erbe der Blumhardt’s an.
  •  1965 gründet Geraths das „Rudolf Steiner-Seminar für Heilpädago­gik“[33]. In diesen Umkreis gehört auch die
  •  1962 gegründete „Margarethe-Hauschka-Schule für künstlerische Therapie und Massage“.
  • O 1987 wird in Bad Boll das „Seminar für freiheitliche Ordnung e.V“.[34] gegründet.

So kamen im Lauf der Zeit viele Anthroposophen nach Boll und Bad Boll; man sieht’s im Ortsbild an der alternativen Bekleidung der Frauen. Es gibt auch eine anthroposophische Apotheke[35]. Bad Boll scheint für die Anthroposophen ein Kraftort zu sein.

Zwei Anmerkungen zur Anthroposophie in Bad Boll.

  1. Aus einem unveröffentlichten Protokoll von „Karma“[36]-Arbeits-Sitzungen hier in Bad Boll:

„Frau M. ist „hellsichtig“, stieß bei der Karmaarbeit mit X. auf dunkle gemein­same Geschichten, die sie den Engeln zur „Transformation“ übergaben. Sie bekamen von diesen den Auftrag, zu ihnen Kontakt zu halten, weiter alle vier Wochen Karmaarbeit zu betreiben, sich um die Landschaft und ihre Geschichte zu kümmern.

Y gab den Hinweis auf unerlöste Orte in der Gegend. So kam man auf den Brunnen im Kurhaus mit unerlösten Gestalten.“

X und Y kenne ich persönlich. Über X habe ich im vorigen Jahr ein religionspsychologisches Gutachten zur forensischen Verwendung erstellt.

  1. Das „Heil-und Erziehungs­institut für seelenpflegebedürftige Kinder“, 1937 in Eckwälden gegründet, hat es geschafft, dass kein einziges der behinderten Kinder der T4-Aktion[37] der Nazis zum Opfer fiel.

Aus meinen vielfachen Kontakten mit Anthroposophen und ihren Einrichtungen habe ich den Eindruck gewonnen, dass diese mit Menschen mit Behinderung angemessener umgehen, als das in unseren kirchlichen Einrichtungen oft der Fall zu sein scheint. Die Aussicht auf spätere Inkarnationen reduziert offenbar den Erfolgsdruck, Menschen mit ihrem einzigen Erdenleben auf den richtigen Weg zum Himmel zu bringen oder gar zu zwingen.

ad 3: Die Akademie

Der Künstler der augenblicklichen Ausstellung sprach vom „heiligen Boden“ und meinte damit die Begegnungen auf Tagungen der Akademie. Er pries die Dynamik; hier entstehe etwas Neues.

Was hat es damit auf sich?

Schon vor Kriegsende gab es Pläne für eine Akademie, die sich mit der Initiative von Eber­hard Müller und Prof. Helmut Thielecke konkretisierten. Sie wollten eine Art Forum für gesell­schaftspolitisch wichtige Fragen schaffen: Meinungsvielfalt, die es unter der Nazi-Herrschaft nicht gab. Die Anfänge waren turbulent und sind hier nicht im Detail darzustellen. Das Kurhaus wurde nur rein zufällig der Ort der ersten Tagung und der folgenden. Banaler Grund: Es stand leer, weil die Amerikaner die Betten abtransportiert hatten. Eberhard Müller besorgte die Betten und konnte die erste Tagung mit knapp 160 Teilnehmern eröffnen. Die Tagung wendete sich an „Männer des Rechts und der Wirtschaft“, Frauen waren nicht „mitge­meint“[38]. Die Teilnehmerliste zeigt: Hier war die erhoffte Nachkriegselite angespro­chen. Die zweite Tagung diente der Verankerung der Akademie-Idee in der Württember­gi­schen Landeskirche, die dritte hatte die Arbeiter im Focus.

Um die Auswirkungen der Akademiearbeit nur kurz zu skizzieren: Lange galt es als Aus­zeich­nung, (auch ohne Honorar) in der Akademie zu referieren. Neben hochrangigen Wissen­schaftlern war auch viel Politprominenz zu verzeichnen, oft auch auf dem Weg zum Aufstieg ins Spitzenamt. Wenn man unbedingt will, könnte man meinen, dieser Kraftort habe den end­gültigen Kick zur Spitze gegeben.

Die Evangelische Akademie Bad Boll wurde zudem die Mutter aller kirchlichen Akademien, bundesweit, evangelisch wie katholisch. Auch eine Akademie auf Kreta ist Ergebnis der Arbeit von Eberhard Müller. Veranstaltungen dieser Akademien waren –wie ich es nenne – Talkshows vor dem Begriff. Heute haben die Talkshows im Fernsehen den Akademien erfolg­reich die Teilnehmer und Zuschauer streitig gemacht. Mit den Talkshows können Politiker sehr schnell auf vorgegebene aktuelle Fragen reagieren, die Zuschauer brauchen sich nicht vom Sofa zu erheben und haben keinen – inzwischen wirklich sehr teuren – Tagungs­beitrag zu entrichten.

Die Kirchen bauen ihre Akademien zurück oder geben sie auf.

img 13404Es ist eine Ironie der Geschichte: Auf dem architekto­ni­schen Höhepunkt der Akade­mie[39], 1995 zum 50jährigen Jubi­läum (Kapelle und erhebliche Erweiterung des Café Heuss) wurde das Dilemma der Akademien deutlich formu­liert. 2001 kamen das Symposium und 2010 der neue Süd­flügel hinzu, all dies Glanzstücke moderner Architektur.

Ich sagte damals: Der Hotel­betrieb ist Chance der Akademie und zugleich Klotz am Bein. Nun, der Hotelbetrieb floriert dank der Gasttagungen, die Akademie-Tagun­gen gehen zurück. Wer seine Teilnahme selber finanzieren muss, überlegt sich das.

Vom „Kraftort Bad Boll“ bleibt die Erinnerung an kraftvolle, tatkräftige, phantasievolle und begeisterungsfähige Persönlichkeiten. Erinnerungen, die ständig der Neubelebung bedürfen, wenn der Ort seine museale Anziehungskraft behalten will und er braucht Menschen, die aufs Neue Zeichen setzen, die über Bad Boll hinauswirken.

Warten (auf das Reich Gottes) und pressieren (sein Kommen beschleunigen) – dafür stan­den die Blumhardts. Der Skeptiker merkt an, dass dies auch verheerende Folgen haben kann, wenn man zu sehr pressiert, aber die uneigennützige Liebe zu den Menschen fehlt. Ein Reich Gottes gab es auch zur Täuferzeit in Münster[40] und in der historischen Abfolge manche ideo­logische Verirrung, mit der kraftvolle, tatkräftige, phantasievolle und begeisternde Per­sönlich­keiten die Völker ins Verderben gestürzt haben. Die Blumhardts waren vor der Hybris gefeit, weil sie trotz aller Begeisterung für Gottes Reich ihm Raum ließen, es zu voll­enden. Und auch für uns ließen sie Platz für die kraftvolle, tatkräftige, phantasievolle und begei­sternde Mitwir­kung am Reich Gottes.

Die nächste Blumhardttagung im Oktober trägt Blumhardts Motto: „Wir müssen Gott in die Hände arbeiten“.

 

Editorische Nachbemerkung

Dieser Text entstand im Rahmen eines Klassentreffens der Abiturklasse 13d des Jahrgangs 1964 der Humboldt­schule in Hannover-Linden. Da mein Kollege Albrecht Esche urlaubs­bedingt verhindert war, musste ich mich einar­beiten und den Vortrag in Blumhardts Literatur­salon in der Villa Vopelius in der Evangelischen Akademie Bad Boll übernehmen. Ich habe es nicht bereut.

Sehr viele Informationen stammen aus dem Buch von Albrecht Esche, Reich Gottes in Bad Boll, 20164. Ich verdanke ihm sehr viel. Die Zitate sind nicht im Detail nachgewiesen. Das Buch ist in der Akademie erhältlich und sehr empfehlenswert. ISBN 978 936369-53-3

Viele Informationen habe ich auch entnommen aus GEMEINDE BOLL (ed.), Boll, Dorf und Bad an der Schwäbischen Alb, 1988. Auch diese Zitate sind nicht eigens ausgewiesen.

Fußnoten

[1] Der Blumhardt-Friedhof, der im Jahr 1866 angelegt wurde, gilt als kulturhistorisch bedeutsam, nicht nur für die Region. In seiner Erde ruhen sowohl viele Mitglieder der weitläufigen Familie Blumhardt als auch Menschen aus aller Herren Länder, die sich um Johann Christoph Blumhardt (1805–1880) und später um seinen Sohn Christoph Friedrich Blumhardt (1842–1919) scharten. https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bad-boll-blumhardt-friedhof-wird-restauriert.67efc5ee-65c2-404c-9543-c564177e90ee.html

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/I_Ging

[3] 10. Juni 2018

[4] Photo: Dierk Schäfer

[5] Obwohl wir 15 Jahre in einem „Spukhaus“ gewohnt haben. Doch die ungeklärten Klopfgeräusche haben uns nicht aus der Ruhe gebracht. Wir lachen immer noch darüber.

[6] So wurde ich vom Kollegen Wolfgang Wagner einem Besucher vorgestellt. Ich wusste gar nicht, dass er mich so gut kennt.

[7] Mit Parapsychologie habe ich mich vielfach beschäftigt und wurde regelmäßig in meiner skeptischen Haltung bestätigt. Interessant, dass auch Thomas Mann bei spiritistischen Sitzungen Protokoll führte und sich bluffen ließ. Auch der „Geisterkampf“ der Gottliebin mit Blumhardt (d.Ä.) bietet manche Erklärungsansätze für spukhafte Erscheinungen.

[8] Zitiert nach Herbert Donner, Pilgerfahrt ins Heilige Land, Stuttgart, o.J., S. 13

[9] Sp. 1308 – 1311

[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Schickhardt

[11] Der „Rest“ wurde durch eine großzügige Spende abgedeckt und durch Stellung einer Bürgschaft.

[12] Man fühlt sich an der Film „Der Exorzist“ erinnert: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Exorzist . Als Skeptiker denkt man aber eher an „Chopper“ http://www.sueddeutsche.de/bayern/jahre-geist-chopper-spuk-in-der-zahnarztpraxis-1.1299536 oder an den Lehrling im Haushaltswarengeschäft: https://www.zeit.de/1979/08/der-kriminalist-und-der-spukprofessor

[13] Sein Bericht an die Kirchenbehörde: Möttlingen, den 31. Juli 1850. http://www.christliche-autoren.de/sieg-ueber-die-hoelle.html Montag, 16. Juli 2018 Die Webseite, auf der der Bericht gehostet ist, wird von Personen mit vergleichbarer Vorstellungswelt und Glaubensintensität betrieben.

[14] nach Wikipedia

[15] geb. Elisabeth von Plotho ð https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_von_Plotho

[16] Der Tagesspiegel vom 9.2.09 schrieb: „Elisabeth von Ardenne ist 34 Jahre alt, als ihr Ehe-Albtraum ein Ende hat. Von da an lernt sie, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie reist ins württembergische Bad Boll zu einem Guru, [sic!] von dem sie sich spirituelle Orientierung erhofft. Der Bußprediger Christoph Blumhardt steht im Ruf, ein Wunderheiler zu sein, später wird er Sozialist und SPD- Landtagsabgeordneter. Blumhardt redet der Ehebrecherin ihre Schuldgefühle aus und ermutigt sie, eine Ausbildung zur Krankenpfle­gerin zu beginnen. Sie arbeitet in vielen Heilanstalten in Süddeutschland, der Schweiz, in Schlesien und in Berlin-Zehlendorf. Besonders gut kann sie mit Patienten umgehen, die unter psychischen Störungen leiden, die Ärzte schätzen die kluge Für sorglichkeit und Engelsgeduld der Krankenschwester. Ab 1915 verdient sie ihren Lebensunterhalt als ständige Begleiterin der schwer nervenkranken Margarethe Weyersberg. Die wohlhabende Familie der Pflegetochter finanziert nicht nur die gemeinsame Wohnung, sondern auch Reisen der beiden Frauen nach Italien.“ Zum Thema „Ehrengrab“ gibt die Vorsitzende der „AG Histo­rische Friedhöfe und Kirchhöfe Berlins“ am 27.6.18 per Mail die Auskunft: „meines Wissens nach wurde die Grabstätte E.V. Ardenne als Ehrengrab anerkannt, weil sie das Vorbild für Fontanes Effie Briest war. einen anderen Grund kenne ich nicht.“

[17] https://de.wikipedia.org/wiki/Kiautschou

[18] https://de.wikipedia.org/wiki/Boxeraufstand

[19]Religiöser Sozialismus https://de.wikipedia.org/wiki/Religi%C3%B6ser_Sozialismus#1900_bis_1945

[20] Am Kurhaus stehen die Initialen des Königs und seiner Frau: W und P, Wilhelm und Pauline wurde auch als „Warten und Pressieren“ interpretiert, warten auf das Reich Gottes und seine Ankunft beschleunigen.

[21] https://kochmeint.wordpress.com/tag/blumhardt-friedhof/ „Bebel- und auch bibelfest“ sei er, so stellte die Göppinger SPD in einem Wahlplakat zur Landtagswahl 1900 ihren Kandidaten Blumhardt vor. https://lassalle-kreis.de/print/795

[22] http://gutenberg.spiegel.de/buch/-383/2

[23] Dreikaiserjahr https://de.wikipedia.org/wiki/Dreikaiserjahr

[24] https://lassalle-kreis.de/print/795

[25] https://www.swp.de/suedwesten/landkreise/lk-goeppingen/mit-blumhardt-verwoben-17625939.html

[26] https://de.wikipedia.org/wiki/Herrnhuter_Br%C3%BCdergemeine

[27] https://www.bruedergemeine-bad-boll.de/brueder-unitaet/geschichte/

[28] https://www.ebu.de/startseite/

[29] https://de.wikipedia.org/wiki/Wala_Heilmittel https://www.wala.de/unternehmen/

[30] http://biographien.kulturimpuls.org/detail.php?&id=217

[31] http://institut-eckwaelden.de/

[32] Anthroposophische Seelenpflege – für eine Person, die sich in ihrer gegenwärtigen Inkarnationsform nicht in der uns geläufigen Art zu realisieren vermag, die jedoch der Pflege und Bildung bedarf, um dadurch für spätere Inkarnationen bessere Voraussetzungen zu erlangen. Quelle nicht mehr gefunden.

[33] https://www.akademie-anthroposozial.de/rudolf-steiner-seminar/ueber-uns/

[34] https://www.dreigliederung.de/profile/badbollseminarfuerfreiheitlicheordnungev

[35] Ich spreche vom „Kugellager“.

[36] „Karma“ und „Doppelgänger“ sind Schlüsselbegriffe bei Rudolf Steiner. https://anthrowiki.at/Doppelg%C3%A4nger https://anthrowiki.at/Doppelg%C3%A4nger

[37] https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4

[38] Dennoch gibt es vier namentlich genannte Frauen in der Teilnehmerliste. Bei drei Teilnehmern war der Vermerk c. ux. (cum uxore) hinzugefügt.

[39] Die Evangelische Akademie Bad Boll ist – wie auch manche andere – durch zahlreiche Erweiterungen (aufgrund ihrer Erfolge) ein Spiegelbild der architektonischen Entwicklung in Deutschland. Photo: Werner Feirer, © Evangelische Akademie Bad Boll

[40] https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4uferreich_von_M%C3%BCnster

Bei Antje Vollmers Tafelrunde / fiel auch was ab für arme Hunde.

Posted in heimkinder, Kinderheime, Kinderrechte, Kindeswohl, kirchen, Leben, Moral, Religion, Täter, Theologie by dierkschaefer on 5. Juli 2018

 

Antje Vollmers Tafelrunde 2

Das muss man ihr schon zugute halten.

Der Runde Tisch Heimkinder und der Erfolg der Politikerin Dr. Antje Vollmer

https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/