Dierk Schaefers Blog

Die Katholische Kirche setzt Maßstäbe – in zweierlei Hinsicht

»Bei der Bischofskonferenz in Fulda ist von Entschädigungssummen bis zu 400tausend Euro die Rede.«[1] Das ist wahrhaft spektakulär – aber noch nicht amtlich im Detail. Zu den nicht unwichtigen Finanzfragen weiter unten.

Wichtiger erscheint mir, dass zum ersten Male von einer Entschädigung für erlittenes Unrecht gesprochen wird. Beide Begriffe gehören zusammen. Bisher gab es Kompensationszahlungen für die Übergriffe einzelner Funktionskatholiken[2]. Gedacht sind diese Zahlungen für die Auswirkungen der Vergehen – man sollte von Verbrechen reden, die ursächlich sind für eine heutige wie auch immer prekäre Lage der Opfer. Die Opfer sprechen von Almosen, ohne Rechtsanspruch, oft verbunden mit Schweigeverpflichtungen.

Wenn nun die Kirche dezidiert von Unrecht spricht, dann hat das Rechtsqualität, der nicht mehr nur mit Almosen zu begegnen ist. Hiermit werden diese Opfer erstmals auf Augenhöhe wahrgenommen. Aus Bittstellern sind Anspruchsberechtigte geworden. Endlich!

Dieser längst fällige Schritt der katholischen Kirche setzt meine Kirche, die evangelische Kirche unter Druck, ihm zu folgen – ich hoffe, sie tut es.

Ein Schritt, der die Opfer ins Recht setzt hat auch psychologische Wirkungen. Es ist bekannt, dass viele Missbrauchsopfer dermaßen traumatisiert sind, dass sie sich nicht melden, um nicht die Verwundungen wieder aufreißen zu lassen. Sie scheuen auch den Antragsweg, der ihnen auferlegt, ihre Geschichte jemandem anzuvertrauen und nicht zu wissen, ob ihr Schicksal verstanden wird, insbesondere, wenn sie argwöhnen müssen, dass das Personal, an das sie geraten, kirchlich beeinflusst ist oder gar völlig unsensibel. Die neue Rechtsposition könnte ihnen den Rücken stärken, damit sie hervortreten, auf ihr Recht pochen und damit zugleich den Opferstatus abwerfen. „Ich brauche mich wegen meiner Geschichte nicht zu schämen. Was ich erlebt habe, ist vor aller Welt als Unrecht anerkannt.“[3]

Dabei ist noch an weiteres kirchlich zu verantwortendem Unrecht zu denken. Es sind ja nicht nur die sexuell Missbrauchten. In den kirchlichen Erziehungseinrichtungen geschah vielfach Unrecht auch nichtsexueller Art. Kinder wurden gedemütigt, misshandelt und ausgebeutet. Vielen wurde eine ihren Fähigkeiten angemessene Bildung und daraus folgend Ausbildung verwehrt. Am Runden Tisch der unsäglichen Frau Vollmer wurde ihnen ein Platz auf Augenhöhe vorenthalten. Sie wurden als bemitleidenswerte Opfer mit Almosen abgespeist.[4]

Dieses Kapitel ist neu aufzurollen. Auch hier ist Unrecht als solches zu benennen, auch hier muss angemessen entschädigt werden.[5] Dies eröffnet zudem neue Horizonte. Denn das Unrecht begann häufig mit der Einweisung durch die Jugendämter, setzte sich zuweilen fort durch die Einstufung normal-intelligenter Kinder als „geistig-behindert“. Fast durchgängig vernachlässigte der Staat[6] seine Aufsichtspflicht. Es war also nicht nur ein kirchliches Versagen im Erziehungsauftrag, sondern auch ein staatliches. Mögen die Kirchen also für diese Fälle den Staat in die Mithaftung nehmen, dann wird’s billiger.

Nun zum Detail, in dem der Teufel zu stecken pflegt.

Da ist von zwei verschiedenen Möglichkeiten der Entschädigung die Rede.[7]

Bislang gab es für die Opfer pauschal 5tausend Euro in Anerkennung des erlittenen Leides.

Nun schlägt eine Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz in Fulda zwei Modelle vor:

Entweder eine Entschädigungssumme von 300tausend für jeden Betroffenen, oder ein gestaffeltes System mit Zahlungen zwischen 4tausend und 400tausend. Eine Mischform scheint nicht vorgesehen. So wird es wieder auf Einzelfallösungen hinauslaufen. Jeder Betroffene muss nicht nur das erlittene Unrecht belegen, sondern auch den Zusammenhang zwischen diesem Unrecht und den fortdauernden Auswirkungen.

Damit sind wir wieder bei dem, was ich schon vor acht Jahren die Bordellisierung missbrauchter Kinder genannt habe.[8]

Dennoch: Die katholische Kirche ist einen bedeutenden Schritt vorangekommen, hoffentlich hält sie durch, auch es auf geschätzt eine Milliarde Euro kommen dürfte.


[1] https://www.sueddeutsche.de/politik/missbrauch-kirche-entschaedigung-1.4615849?reduced=true

[2] Man verzeihe mir diesen unschönen Ausdruck. Gemeint sind Männer und Frauen in Diensten der katholischen Kirche, die als Priester, Ordensangehörige oder Lehrer sich an schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen vergangen haben. Zur Zeit wird in diesem Zusammenhang besonders an sexuelle Übergriffe gedacht.

[3] Photo: https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/2515968357/

[4] Ich will mich nicht ständig wiederholen: Dieser Blog ist voll von Heimkinderangelegenheiten und dem Runden Tisch, der von Beginn an auf Betrug angelegt war. https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/01/03/der-runde-tisch-heimerziehung-ein-von-beginn-an-eingefadelter-betrug/

[5] Die Medien sprachen und sprechen unisono bei Zahlungen an ehemalige Heimkinder stets von Entschädigungen. Sie scheinen bis heute nicht kapiert zu haben, dass es erklärtermaßen keine Entschädigungen sein sollten, weil es sonst einen Rechtsanspruch gegeben hätte.

[6] Mit Staat sind hier alle involvierten staatlichen Einrichtungen gemeint, egal auf welcher Verwaltungsstufe.

[7] Diese Angaben sind entnommen aus https://www.sueddeutsche.de/politik/missbrauch-kirche-entschaedigung-1.4615849?reduced=true

[8] https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/05/27/die-bordellisierung-misbrauchter-kinder/

Der Fisch stinkt vom Kopf her

Posted in Kirche, Korruption, Kriminalität, Kriminologie, Moral, Recht, Religion, Soziologie, Täter, tradition by dierkschaefer on 19. April 2019

Ja, so sagt man. Damit es auch im Vatikan verstanden wird: Piscis primum a capite foetet![1]


Photo: Dierk Schäfer, Der eine Fisch sieht nur lebendig aus. Alle wurden frisch von einem Fischer in Marseille zum Kauf ausgelegt.

Doch diesmal hatte es anders angefangen: bei manchen Mitarbeitern der vielen Bodensta­tionen der himmlischen Zuversicht. Sie vergriffen sich an Kindern und Jugendlichen in Kinderheimen, Schulen, Seminaren, Sakristeien, auch im Beichtstuhl. Ob der Gestank zum Himmel stieg? Er breitete sich aus, doch er wurde verdeckt bis er doch durch die Ritzen drang. Puh, das stinkt, riefen die Leute, woher kommt die Fäulnis?

So beauftragte der Kopf des Fisches notgedrungen für die Öffentlichkeit einen Schnüffel­dienst. Der sollte den Bauch untersuchen, aber nicht den Kopf.[2]

»Der Kriminologe Christian Pfeiffer sollte den Missbrauch in der katholischen Kirche aufklären.“ Das ging nicht gut aus. »Im Gespräch mit giovanni di lorenzo erzählt er erstmals, was ihm im Konflikt mit den Würdenträgern widerfuhr[3]

Anfangs waren die Diözesen und ihre Bischöfe kooperativ. Doch als die merkten, dass auch die in die Gegenwart ragende Mitverantwortung von Bischöfen, von Diözesen und Verwal­tun­gen hätte aufgedeckt werden können, sperrten Sie den Zugang zu den Akten und setzten die Forscher ganz forsch unter Druck: »Über die Veröffentlichung der im Rahmen der Unter­suchung erstellten Berichte, insbeson­dere Art und Umfang der Vorstellung der Unter­suchungs­ergebnisse gegenüber der Öffentlich­keit, entscheiden VDD[4] und KFN[5] gemeinsam. Ist eine Einigung nicht möglich, unterbleibt die Veröffent­lichung.«.

Da machte Pfeiffer nicht mit. »Ich denke, zu diesem Zeitpunkt war den Akteuren der Kirche zum ers­ten Mal bewusst, dass unsere Forschung wehtun könnte. Und dass es uns auch darum ging, aufzu­decken, dass so viele enttarnte Täter weiterbeschäf­tigt wurden.«

Da machte die Kirche nicht nun mehr mit und wollte die Aufklärung beenden.[6]

Doch wie? Sie bot Schweigegeld: »Um uns zum Schweigen zu motivieren, formulierte sie im Ver­tragsangebot, dass – mit Unter­zeichnung weder wir an die Kirche noch die Kirche an uns finanzielle An­sprüche hätte. Ergänzend wurde uns mitgeteilt, dass wir nicht ausgegebene Forschungsmittel in Höhe von circa 120.000 Euro für sonstige Forschungs­zwecke behalten dürfen.«

»Wir lassen uns nicht kaufen«, sagte Pfeiffer und pfiff auf das vergiftete Angebot.

Das kam aber gar nicht gut an: »Auf einmal verkrampfte Bischof Acker­mann[7] — körperlich und von der Sprache her. Er re­dete mich mit „Professor Pfeiffer“ an und erklärte mir, wenn ich mich weigere, den Vertrag zu unter­schreiben, und der Zensurvorwurf nach draußen dringe, dann sei ich ein Feind der katholischen Kirche – und das wünsche er niemandem. Er er­klärte weiter, dass sie meinen guten Ruf öffentlich massiv attackieren würden und offen­legen müssten, welche Schwierig­keiten es mit dem Institut gegeben habe. Er sagte, dass mir das schaden wür­de, dass ich es bereuen und einen schweren Fehler begehen würde, wenn ich nicht unterschriebe.« (Ackermann? Den kennen wir doch: – O je, dass er so oft in meinem Blog vorkommt, hat mir erst die Suchfunktion offenbart[8])

Wie ging’s aus?

»Wie in einem Krimidrehbuch. Bischof Ackermann ging nach seiner Wutrede aus dem Raum, anschließend ergriff Langendörfer[9] das Wort. … Er betonte, dass wir uns ja wirklich gut verstünden und uns mensch­lich so nahegekommen seien. Und er fragte, ob ich das jetzt alles zerstören wolle. Er bat mich, doch ein­fach über die Gründe des Scheiterns zu schweigen.«

Und?

»Ich meinte nur: „Gegenüber einem Kri­minologen bad cop, good cop zu spielen, das geht nicht, Pater Langendörfer!“ Das war dann das Ende der Veranstaltung.«

Wie ging’s weiter?

»Wir haben vor Gericht zweimal gewonnen. Die Kirche musste ihren Antrag auf einstweilige Verfügung zurück­ziehen und auf ihrer Homepage den Satz streichen, sie hätte sich mit uns auf Vertragsformulierungen geeinigt, die die Wissenschaftsfreiheit respektier­ten. Und ich durfte weiter von Zensur sprechen.«

Doch apropos Langendörfer. Der hatte nach einem Vortrag Pfeiffers (im Herbst 2011 vor den Generalvikaren, also den obersten Verwaltungsbeamten aller Bis­tümer) kritisch gefragt, »ob ich wirklich so offen über den Zölibat reden musste.«

Pfeiffer hatte damit ein Tabu-Thema berührt. Schließlich beruht die Anforderung und zugleich Fiktion der katholischen Priester bis hinauf zum Papst auf der Idealvorstellung ihrer A-Sexualität, analog der bekannten Dame ohne Unterleib, die ja auch nur eine Vorspiegelung auf Jahrmärkten ist.[10] Jetzt einen Bogen zu schlagen zur asexuell imaginierten Mutter Jesu würde zu weit führen. Zu weit jedenfalls ging es den Würdenträgern der katholischen Kirche, den Zölibat als wichtigen Faktor in die Missbrauchsuntersuchung einbezogen zu sehen.

Zurück auf Los: Der Kopf des Fisches stinkt schon lange, wenn auch nicht so vernehmlich wie zu Zeiten der Renaissancepäpste. Sie brauchten kein Vertuschungsdeodorant.[11] Inwiefern auch für Päpste aus neuerer Zeit die A-Sexualität nur ein Wolkenkuckucksheim darstellt, könnte sich bald erweisen.

Pfeiffer sagt »Das Verbieten von Sexualität ist ein Grundfehler und hat massiv zum Miss­brauch bei­getragen. Die ständige Lüge von der Enthaltsam­keit vergiftet die Kirche von innen her.«

Datum: Karfreitag 2019

Fußnoten

Es sind sehr viele, doch die interessierten Leser werden sie zu schätzen wissen.


[1] Piscis primum a capite foetet! Il pesce puzza dalla testa http://www.beleadergroup.com/2017/06/19/piscis-primum-a-capite-foetet-il-pesce-puzza-dalla-testa/ Für die deutsche Version: https://www.mundmische.de/bedeutung/20644-Der_Fisch_stinkt_vom_Kopf_her

[2] https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/03/25/kindesmisbrauch-zweiter-anlauf-der-bischofe/

[3] alle Zitate aus: DIE ZEIT, Nr. 17, 17. April 2019, S. 47f, Der komplette Artikel sei meinen Lesern, Gläubigen wie auch Ungläubigen, herzlich empfohlen.

[4] Verband der Diöze­sen Deutschlands (VDD)

[5] Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN)

[6] »Wir ha­ben Herrn Pfeiffer heute gekündigt, weil das Ver­trauensverhältnis völlig desolat ruiniert ist.«

[7] »Stephan Ackermann,Der Bischof von Trier, 56, ist der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskon­ferenz. Dieses Amt bekleidet er seit Februar 2010. Unter seiner Ägide überarbeitete die DBK ihre Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker«

[8] https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/09/26/missbrauchsbeauftragter-ackermann-hat-die-relevante-information-verschwiegen/

https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/03/18/das-fingerspitzengefuhl-des-herrn-ackermann/

https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/12/18/damit-ist-bischof-ackermann-zum-fall-geworden/

Bischof Ackermann hat sich sogar auf den Boden geworfen und stellvertretend die Sünde der Kirche bekannt. Doch das blieb alles im rituellen Rahmen. Herr Focke fällt aus dem Rahmen, er ist ausfallend – und er hat das Recht dazu. Herr Focke ist die Frucht kirchlicher Erziehung. https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/01/07/in-wirklichkeit-aber-sind-sie-reissende-woelfe/

Herr Werner wendet sich … nicht an die Allgemeinheit, sondern an ausgesuchte Adressaten: so auch: sehr geehrter Bischof Ackermann https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/05/25/zwei-pfingstbotschaften-gehen-aneinander-vorbei/ Hier sein offener Brief:

https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/01/17/die-entstehende-neue-missbrauchsstudie-der-kirche/  https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/01/19/man-befurchtet-dass-sich-der-neue-fonds-als-fass-ohne-boden-entpuppen-wird/

https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/08/01/aus-dem-bistum-trier/

https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/03/25/kindesmisbrauch-zweiter-anlauf-der-bischofe/

Die katholische Kirche warf sich in Person von Herrn Ackermann bäuchlings vor den Altar und bekannte ihre Sünden https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/07/15/das-system-schlug-mit-wucht-zuruck/

Auch innerhalb der Kirche steigen solche Blasen auf: Kinder wurden mißbraucht und weitergereicht, wie wir dem Telefon-Hot-Line-Report von Bischof Ackermann gestern entnehmen konnten. Die Omerta, das Schweigegebot, hat jahrelang den Umgang der Kirche mit den Verfehlungen mancher Amtsträger bestimmt https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/01/18/kriminelle-blasen/

Was fehlt, ist Transparenz, die nicht von Diözese zu Diözese anders definiert werden sollte. Ob Bischof Ackermann tatsächlich für alle seine Kollegen spricht, ist nach dem Konflikt KFN-DBK fraglich: »Die Ergebnisse seien durch nichts zu beschönigen, sagte der Bischof. Allerdings werde seitens der Kirche auch nichts beschönigt, was als Beweis der festen Absicht der Bischöfe genommen werden solle, sich einer „offenen wissenschaftlichen Aufarbeitung“ des Umfangs und der Ursachen sexueller Gewalt in der Kirche zu stellen und die Freiheit der Wissenschaft zu respektieren.« https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/01/17/ubergriffe-als-ausdruck-liebender-verbundenheit-in-christus-oder-auserwahlung-vor-gott-ausgegeben/

Weiterbeschäftigung pädophiler Priester ausgerechnet im Bistum Trier, Sitz des Mißbrauchsbeauftragten Ackermann. https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/04/23/merkwurdige-inkonsequenzen-innerhalb-der-katholischen-kirche/

Sehr geehrter Herr Dr. Ackermann, als ein Anwalt, der seit Jahren Opfer sexueller Gewalt durch katholische Priester in Deutschland und Österreich berät und vertritt, bin ich immer wieder damit konfrontiert, dass sich die Kirche gegenüber Schadenersatzansprüchen auf die Einrede der Verjährung beruft. https://dierkschaefer.wordpress.com/page/2/?s=Ackermann

Bischof Stephan Ackermann zur Entschädigungsregelung (März 2011), https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/02/24/bischofskonferenz-versprach-unkomplizierte-losung/

In den Karfreitagsgottesdiensten der katholischen Kirche soll eigens für die Opfer sexueller Übergriffe gebetet werden. Der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Fälle sexuellen Missbrauchs, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, regte am Mittwoch an, in die traditionellen Fürbitten eine Bitte „für die Kinder und Jugendlichen“ einzufügen, denen „in der Gemeinschaft der Kirche, großes Unrecht angetan wurde, die missbraucht und an Leib und Seele verletzt wurden, https://dierkschaefer.wordpress.com/2010/04/01/symbolhandlungen-und-ihre-glaubwurdigkeit-%e2%80%93-und-die-opfer-zweiter-klasse/

[9] »Hans Langendörfer – Der Jesuit ist Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz und Geschäftsführer des Ver­bandes der Diözesen Deutschlands. Im VDD sind alle 27 selbstständigen Bistümer zusammengeschlossen. Langendörfer, 68, verantwortet die Rechtsgeschäfte und die Mittelvergabe des VDD.

[10] http://schaubudenzauber.de/dame-ohne-unterleib/

[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Kastanienbankett

Was ist daran „typisch katholisch“?

Posted in Geschichte, Gesellschaft, Kirche, Leben, Nazivergangenheit, News, Religion, Soziologie by dierkschaefer on 17. März 2019

Die Antwort kommt später. Zunächst der Hergang, wie komme ich drauf?

Eine französische Freundin schickte uns ihr neuestes Werk: Sommation suivie de Éponge à laver les éclaboussures de Hutten[1]. Auf Seite 142 stieß ich auf Dürers Portrait von Albert de Brandebourg. Den meinte ich als Kardinal Albrecht von Brandenburg[2] zu kennen und mir fiel mein Photo[3] ein (oben).

Wir sehen ein nackten Mann auf einer nackten Frau liegen. Er hat eine ungewöhnliche Frisur. Der Mann sollte ursprünglich eine Mitra tragen, denn er stellt den Kardinal dar, den Luther „Hurenbock“ genannt hatte.

Für den Bildhauer Bernd Göbel war es schon schwierig genug, so viel religiöses Personal von der SED genehmigt zu kriegen[4].

Doch kam „die Wende“ und damit neue Machtverhältnisse. Ein nackter Kardinal ging nun gar nicht mehr.[5] Der Bildhauer war genervt, lenkte aber schließlich ein: »Bernd Göbel indes besteht darauf, daß er die Dame „sehr züchtig mit geschlossenen Knien“ dargestellt habe. Und daß man mithin sämtliche italienischen Renaissancegestalten verbieten müßte – lauter Nackedeis! Hinter dem „ganzen Schabernack“ verberge sich letztendlich „Zensur nach dem Vorbild der DDR“, grollt er, des Wirbels müde, den er da verursacht hat.«[6]

Zurück zur Eingangsfrage: Typisch katholisch?

Der „Hurenbock“ eigentlich nicht. Mätressenwirtschaft war damals normal, auch für manche Bischöfe. Man lese dazu die Fußnote[7]. Und die Reformatoren billigten Landgraf Philipp von Hessen eine weitere Eheschließung zu, obwohl dessen erste Frau gerade schwanger war.

Die Ablehnung der Mitra auf nacktem Männerkörper, die Zensur, die Vertuschung? Schon eher.

Doch halt: catholicus ist Latein und heißt allgemein.[8] Missstände zu beschönigen, sie zu beschweigen, sie unter den Teppich zu kehren, das ist nur in dem Sinne katholisch, als es allgemeine Praxis war und ist. Ich denke da nur an den Umgang mit den Naziverbrechen und den Tätern, so in der Justiz oder im Gesundheitswesen, bis weit in die 60er Jahre. Es nicht wahrhaben zu wollen, das war allgemeine Praxis, also in dem Sinne „gut katholisch“.

Diese Geschichtskosmetiker feiern gerade fröhliche Urständ, wenn sie von „Vogelschiss“ sprechen und auf die Wehrmachtssoldaten stolz sein wollen. Katholisch ganz allgemein ist mit Vorsicht zu behandeln.


[1] https://www.lesbelleslettres.com/livre/3839-sommation-suivie-de-eponge-a-laver-les-eclaboussures-de-hutten

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_von_Brandenburg  

[3] Photo: Dierk Schäfer, https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/3032998860/

[4] »Der SED sei das in den Achtzigern zwar „ein bißchen zuviel Kirche“ gewesen.

Die Vertreter des Arbeiter- und Bauern-Staats hätten lieber Thälmannsche Jungpioniere und sozialistische Familien im Historienbrunnen verewigt gesehen. Doch die Figuren wurden schließlich akzeptiert, und sie wären auf dem Marktplatz installiert worden, wären da nicht neue Straßenbahnschienen und das Ende der DDR dazwischengekommen. https://www.zeit.de/1997/27/Die_Kardinalfrage/komplettansicht

[5] »Im ursprünglichen Entwurf war die männliche Figur nur mit dem Kardinalshut bekleidet und daran erkenntlich. Das war sehr anstößig. Nach intensiver Diskussion lenkte der Künstler endlich ein und entfernte schließlich den kirchlichen Hut« http://www.brunnenturmfigur.de/index.php?cat=Brunnen%20und%20Wasserspiele%2FHalle&page=Hallmarkt%2C%20Altstadt%20%282%29

[6] https://www.zeit.de/1997/27/Die_Kardinalfrage/komplettansicht

[7] Sehr ausführlich: https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/texte/aufsaetze/braun-albrecht-von-brandenburg.html

[8] Die Bedeutung katholisch kam erst später.

Die zwei Seiten der Antje Vollmer

Antje Vollmer und ihr unheilvolles Wirken.

Erst jetzt kam mir ein Focusartikel auf den Schirm: Die zwei Seiten der Antje Vollmer https://www.focus.de/magazin/tagebuch/tagebuch-die-zwei-seiten-der-antje-vollmer_aid_497390.html. Ich habe den Artikel weitergetwittert. Da nicht alle Leser meines Blogs twittern, möchte ich hier auf meinen Retweet hinweisen:

Danke, das passt.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/09/30/eine-der-intrigantesten-scheinheiligen-die-ich-kennengelernt-habe/

https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/

https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/10/16/zensur-bei-wiki-in-sachen-antje-vollmer/ https://dierkschaefer.wordpress.com/2019/03/10/der-von-beginn-an-auf-betrug-angelegte-runde-tisch-wurde-rotieren/

Eine besondere Beachtung dient dem Wikipediaeintrag. Dort kennt man nur eine Seite von Antje Vollmer. Sie scheint dort einen speziellen Schutzengel zu haben: Den Vertuscher.

Die Zurichtung des Menschen zu seiner völligen Verfügbarkeit: Nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Der große Fehler im System.

Der Film „Gottes missbrauchte Dienerinnen“[1] empört – und er macht nachdenklich. Da widmen Menschen ihr Leben Gott und der Nachfolge Jesu. Sie geloben in der „Ewigen Profess“ verbindlich Armut, Keuschheit und Gehorsam, und ordnen damit ihre Persönlichkeit unter die Aufsicht Anderer, die über sie bestimmen.

Sexualität sei nicht das Problem, sagte mir eine Franziskanerin, aber der Gehorsam. Demut wird verlangt. Evangelischen Nonnen, Diakonissen genannt, geht es nicht anders, wenn sie bekennen: „Mein Lohn ist, dass ich dienen darf“.[2]

Eigentlich braucht es diesen Film nicht, um zu erkennen, dass ein Fehler im System liegt.

1. Dieser Gehorsam kann missbraucht werden, denn andere fehlbare Menschen bestimmen, wie man gehorchen soll. Es geht nicht nur um den sexuellen Missbrauch von Nonnen, die aus der Gehorsamsfalle nicht herauskamen und mit sich geschehen ließen, was nun wirklich nichts mit Keuschheit zu tun hat. Es geht um etwas Grundsätzliches: Um die Zustimmung zu geistiger/geistlicher Knechtschaft. „Wenn wir eine Glaubensfrage haben, dann fragen wir unseren Exerzitienmeister“, sagte meine Tante, sie war Vinzentinerin. Damit war dann wohl alles geschwätzt.[3] Wie konnte die Kirche diesen Machtanspruch gegenüber ihren Gläubigen, zumindest soweit sie Kleriker waren oder einer Klostergemeinschaft angehörten durchsetzen? Immerhin hatte Kant deutlich gesagt »Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstan­des ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. ‚Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‘«

Doch man hatte die, Lunte gerochen und versucht, den Teufel mit dem „Antimodernisteneid“ zu bannen.[4]

Doch generell ist die Herrensemantik „Herr Gott/Herr Jesus“ nicht nur eine Höflichkeitsformel im Umgang mit dem „Vater“ im Himmel. Immer noch übergeben manche Leute nach einem religiösen Erweckungserlebnis ihr Leben „dem Herrn Jesus“. Wenn es doch nur diese genannten Herren wären. Schlimm sind ihre Stellvertreter, die Usurpatoren[5].

2. Womit begann es – zumindest in der christlichen Tradition? Im „Alten“ Testament begann es mit der Opferung Isaaks. Abraham wurde zum Vorbild des Gehorsams gegen Gott, weil er bereit war, seinen eigenen Sohn auf Gottes Weisung hin zu opfern. Der Ruhm seines Gehor­sams reicht bis ins „Neue“ Testament. Das nun greift diesen Vorgang auf und präsentiert Gott als Vater, der seinen eigenen Sohn nun tatsächlich opfert: Im Garten von Gethsemane bittet Jesus seinen Gott-Vater, der Kelch des Leidens, die Kreuzigung möge an ihm vorübergehen. Aber: Nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Diese nächtliche Szene ist an vielen Kirchen in einer Figurengruppe dargestellt:[6] Jesus auf den Knien, abseits drei schlafende Jünger, und die „Häscher“ zusammen mit dem „Verräter Judas“ sind bereits im Anmarsch.

So gut diese Szene überliefert ist: Wer war dabei und kann sie bezeugen? Niemand. Diese Szene ist eine theologische Schöpfung – und als solche erklärbar. Der Gehorsam wurde Jesus zugeschrieben. Doch Geschichten, wenn sie auch „nur“ Geschichten sind, haben ihre Wirkungen. Sie werden für wahr gehalten, sie werden nachgebildet, sie dienen als Vorbild für „gottgefällige“ Menschen und können von Menschen missbraucht werden für deren eigene Zwecke

Bibelkritik[7] steht am Beginn der Aufklärung. Sie hat viele Geschichten in ihrem ursprüng­lichen Kontext verortet und damit Mut bewiesen, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, ohne Leitung eines anderen und hat den Menschen aus seiner Unmündigkeit befreit, so er den Mut aufbringt, frei zu werden.

Tröstlich ist, dass der Film auch Kleriker zeigt, die für die Entmündigten eintreten.

Doch nicht nur nebenbei: Es hieß einmal, es sei süß und ehrenhaft, für das Vaterland zu sterben. „Herrenmenschen“ gibt es in vielerlei Gestalt.


[1] https://www.youtube.com/watch?v=fwS2g0XgD3I

[2] http://diakonissen-neuendettelsau.de/fileadmin/user_upload/Diakonissen/Bilder/Was_wir_wollen/Diakonissenspruch2.jpg

[3] Sie hatte allerdings dennoch nicht ihren Verstand an der Klosterpforte abgegeben, sondern blieb Zeit ihres Lebens ein unbequemes Mitglied ihrer Klostergemein­schaft. Ihre Schwester hingegen, keine Nonne, aber Lefebvre–Anhängerin, meinte, sie würde gern mit mir diskutieren, aber ich sei in der falschen Konfession.

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Antimodernisteneid

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Usurpation

[6] https://www.flickr.com/search/?text=Gethsemane

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_modernen_Bibelkritik

Sind es die Veterinärtheologen (Schweinepriester) oder ist das Ganze ein Saustall?

Kann man diese Kirche insgesamt als kriminell bezeichnen?

So fragt Frau Tkocz in Ihrem heutigen Kommentar. Sie ist ansonsten eher zurückhaltend, doch die Dokumentation „ Gottes missbrauchte Dienerinnen“ bei ARTE war wohl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Ich gebe ihren Kommentar hier in vollem Wortlaut wieder.

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Heute kam in ARTE die Dokumentation „ Gottes missbrauchte Dienerinnen“. Das nächste Verbrechen nach dem Phädophilenskandal innerhalb der katholischen Kirche. Kann man wie es Herr Kronschnabel macht, diese Kirche gesamt als kriminell und hier jetzt als „Schweine­züchter“ bezeichnen? Sicherlich kann man es anders ausdrücken, jedoch bleibt trotzdem der Grundgedanke, diese Kirche durch und durch als ein krankes, kriminelles System zu bezeich­nen, sehe ich auf jeden Fall auch so. Mit Männern an der Spitze, die als Vertreter der Moral selber die Moral so biegen wie sie diese in den jeweiligen Situationen brauchen. In der Doku­men­tation deutlich erkennbar , dass beispielsweise die Kirche gegen Abtreibung ist, aber wenn dann die vergewaltigte Nonne schwanger wird abtreiben soll. Eine andere Nonne auf Anweisung ihrer Oberin das Kind „Gott schenken soll“, es zur Adoption frei geben musste. Nichts weiter als Erpressung, denn wenn man den Anordnungen seines Ordens nicht folgt fliegt man raus. Nun diese Nonne folgte den Anweisungen der Oberin, flog trotzdem raus. Immerhin nahm sie sich einen Anwalt und bekam nach zwei Jahren ihr Kind zurück. Aber das ist eher eine Ausnahme und an den Händen dieser Priester klebt auch Blut, denn nicht jede Nonne überlebte einen Schwangerschaftsabbruch. Also da kommt was zusammen, Lügner, Betrüger, Vergewaltiger und auch Mörder ob direkt oder indirekt spielt keine Rolle.

Geht es eigentlich noch verkommender als Gott auch noch für seine Schandtaten und Verbrechen zu benutzen? So ein „Schweinepriester“, der seine Vergewaltigungen an den Nonnen auch noch für selbstverständlich hält, weil er das Werkzeug Jesus sei. So jedenfalls rechtfertigte er seine Vergewaltigungen gegenüber der Nonne.

Ich gehe gar nicht davon aus, dass die Kirche ständig leugnet um nicht zu zahlen, natürlich will sie es nicht, aber die Leugnung ist für die Kirche eine Überlebensstrategie, denn die Aufdeckung der gesamten Verbrechen und die dahinter liegenden Absichten würden wohl in Menschen Zweifel setzen, ob diese Kirche überhaupt einen Sinn macht, wenn also jene Menschen, die diese Kirche repräsentieren Verbrechen begehen, die so manchen „gewöhn­lichen Verbrecher“ in den Schatten stellt. Diese Kirche ist nicht mit Gott, sondern mit ihren Vorstellungen von einer Lebensweise, die nach außen hin- uns also dem Volk- zeigen soll, wo wir moralisch zu stehen haben und sich nach innen derart kriminell, skrupellos, schweinisch über Leichen gehend verhält, dass man nicht mehr so wie hier schon oft auch geschrieben, davon ausgehen kann, dass es sich hier um Einzelfälle und/oder nur um einen kleinen Teil der Kirche handelt. Ich kann doch auch nicht akzeptieren, wenn ein Mensch beispielsweise sehr viel Gutes tut, aber ein Vergewaltiger ist sagen, Schwamm drüber er tut aber sonst doch sehr viel Gutes. Nein nicht „Schwamm drüber“, die Dokumentation hat sehr gut gezeigt, wie diese Kirche funktioniert, wie sie mit Verbrechen umgeht und der Papst nicht einmal bereit war öffentlich zwei ehemalige Nonnen zu empfangen. Es sollte heimlich hinter verschlossenen Türen passieren, was dann diese ehemaligen Nonnen abgelehnt haben, weil sie sich nicht noch einmal fremd bestimmen lassen wollten und auch nicht zulassen wollten, dass diese Verbrechen wieder unterm Tisch fallen und wenn das Oberhaupt dieser Kirche nicht in der Lage ist sowohl mit den Verbrechern als auch mit den Opfern angemessen umzugehen und weiter vertuschen will, ist er auch nicht besser wie seine Priesterverbrecher. Es ist schon so wie Herr Kronschnabel es ausdrückt, alles Schweinezüchter und warum soll man es auch anders ausdrücken. Diese Kirche hat es nicht verdient respektvoll behandelt zu werden. Ich finde es zwar bedauerlich, dass jene Menschen, die dieser Kirche angehören so von dieser Organisation betrogen werden, aber man muss schon unterscheiden zwischen Kirche und Glauben und Jesus- so er jetzt da mal in Rom wäre- würde sicherlich auch dort vor der Türe kotzen, denn hätte er heute diese Dokumentation gesehen wäre ihm auch schlecht geworden.

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Meine Antwort: Auch der Papst.jpg

Danke, liebe Frau Tkocz, für Ihren Kommentar. Wenn jemand wie Sie so drastisch schreibt, ist eine Grenze überschritten. Die Verantwortlichen werden die Bedeutung nicht ermessen können, weil sie blind sind und die meisten immer noch nicht merken, dass sie nicht mehr mit dem Rücken zur Wand, sondern vor dem Abgrund stehen – ein Höllenabgrund. Doch wer glaubt noch an die Hölle? Bei Dante würden sie jedenfalls im tiefsten Kreis der Hölle landen. In der Kirche zu Weilheim/Teck kann man es sehen: https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/8652756424/in/album-72157633254631808/ .

„Aufrecht“ sterben – Fragen an Gesundheitsminister Spahn – Ein offener Brief in einer Angelegenheit von öffentlichem Interesse

Posted in Bürokratie, Deutschland, Ethik, Gesellschaft, Justiz, Kirche, kirchen, Kultur, Leben, Medien, Moral, News, Philosophie, Politik, Recht, Seelsorge by dierkschaefer on 20. Februar 2019

Sehr geehrter Herr Minister,

heute entnahm ich dem Tagesspiegel[1] Ihre Handhabung der Abgabepflicht tödlich wirkender Medikamente an Schwerst­kranke und wende mich deshalb an Sie, vorausgesetzt dass die Darstellung der genannten Zeitung stimmt.

Mir ist klar, dass es sich um eine komplexe Thematik mit Missbrauchsmöglichkeiten handelt. Aber ich[2] halte es für ethisch verwerflich, Sterbende mit ihren existentiellen Anliegen auf die lange Bank des Hinhaltens oder der Nichtbefassung zu schieben und dies mit allen Mitteln, die der bürokratische Abschiebebahnhof bietet, noch dazu, wenn sie rechtlich zumindest problematisch sind.

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Ich darf Ihnen aus meinem derzeitigen Alltag einen Mailausschnitt zitieren[3]:

„Meine Ärzte stellten mir eine ziemlich eindeutige Diagnose. Ich habe mein Haus bestellt, wie es so schön heisst, ich bereite die letzte Fahrt nach xxx vor, meine „ärztliche“ Tochter wird mich begleiten. Wenn es gut kommt, darf ich den Sommer nochmals geniessen, vielleicht aber auch den Herbst, er ist ein Geschenk. Ich werde kein bettlägeriger Fall, ich habe meine Frau und Tochter als Medizinerinnen, die mich vor langen Leiden schützen. Deshalb xxx, das schon immer meine 2. Heimat war: es hat eine andere Gesetzgebung.“

Von einem solchen Weg ins Ausland sprach öffentlich bereits Nikolaus Schneider, der frühere Ratsvorsitzende der EKD. Er werde seine an Krebs erkrankte Frau, wenn sie Sterbehilfe wolle, auch in die Schweiz begleiten.[4] Schneider hat damit persönlich eine sichtbare Distan­zierung zur in der Kirche herrschenden Meinung[5] vollzogen, die aktive Sterbehilfe ablehnt und auf palliative Maßnahmen setzt: Schmerzbekämpfung/Schmerz­dämpfung, auch in der Todeskampfphase.

Meine Fragen an Sie, sehr geehrter Herr Minister:

  • Müssen bei uns Menschen andere Rechtsräume aufsuchen, um so sterben zu können, wie sie es für sich wünschen?
  • Ist dieser letzte Wunsch nicht auch ein Menschenrecht?
  • Soll es dieses Recht nur für die geben, die es sich leisten können?
  • Soll die quälende Langsamkeit des Sterbeprozesses nur die finanziellen Interessen der professionellen palliativmedizinischen Begleiter bedienen?
  • Warum ist uns in Deutschland nicht vergönnt, so aufrecht zu sterben, wie wir das wollen unter Vermeidung der demütigenden Situation nur noch Objekt medizinischer Bemühungen zu sein?

Vor einigen Tagen erschien in der NZZ ein menschlich mich sehr berührender Artikel über Eltern, die mithilfe einer schweizer Sterbehilfeorganisation gemeinsam aus dem Leben scheiden[6]. Wenn Sie diesen Artikel gelesen haben: Wie ging es Ihnen damit?

Ich schicke Ihnen diesen Brief vorab als Mail und werde ihn morgen in meinen Blog stellen, um Ihnen die Gelegenheit zu geben, ihn als erster zu lesen. Ihre Antwort werde ich selbstverständlich in vollem Wortlaut auch in meinem Blog veröffentlichen.

Mit freundlichem Gruß

Dierk Schäfer, Freibadweg 35, 73087 Bad Boll, Tel: 0 71 64 / 1 20 55

PS: Doch noch ein paar Worte zum im Zeitungstext genannten Gutachten. Die Position des Gutachters sei bekannt gewesen. „95.200 Euro zahlten die Behörden für ein Rechtsgutachten – dessen Ergebnis feststand“, ist dort zu lesen.

Das wirft eine doppelte ethische Frage auf, einmal an den, der ein Gefälligkeitsgutachten in Auftrag gibt – und das für eine erhebliche Summe, die nicht einmal er selbst bezahlen muss. Zum andern für den Gutachter: Wie objektiv war er, um ein unabhängiges Gutachten zu erstellen? Für mehr als neunzigtausend Euro tun manche manches.

Da ich selber auch Gutachten erstelle (und von solcher Honorierung nicht einmal zu träumen wage), weiß ich, dass ich bei wenn auch begründeter Befangenheit lediglich eine gutachterliche Stellungnahme abgeben kann. Wie war das bei Ihrem Gutachter?

ds

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Graphik aus: Dierk Schäfer und Werner Knubbenin meinen Armen sterben? : Vom Umgang der Polizei mit Trauer und Tod, Hilden/Rhld. 19962 Seite 8, ISBN 3-8011-0345-5

Umschlagtext: Dierk Schäfer, Kirchenrat und Diplompsychologe, 48 Jahre alt, und Werner Knubben, Polizeidekan und Kriminalhauptkommissar a. D, 44 Jahre alt, arbeiten beide als Seelsor­ger im Regierungsbezirk Tübingen, Ihre umfangreiche Erfahrung mit Todesfällen und den davon direkt oder beruflich betroffenen Menschen hat sie gedrängt, dieses Buch zu schreiben, um Verständnis und Verstehenshilfe anzubieten.

Die Graphik war nicht Bestandteil des Vorabmails an den Minister.

Fußnoten

[1] https://www.tagesspiegel.de/politik/gesundheitsminister-ignoriert-urteil-jens-spahn-verhindert-sterbehilfe/24010180.html

[2] Zu meiner Person: Ich bin Pfarrer i.R. und habe 15 Jahre lang für Polizeibeamte berufsethischen Unterricht erteilt.

[3] Dieses Abschiedsmail erhielt ich vor wenigen Tagen, die persönlichen Daten und alle Ortsangaben habe ich unkenntlich gemacht.

[4] https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/07/21/demokratisierung-der-todeszuteilung/

[5] Ob ich hier allgemein von „der Kirche“ reden kann, weiß ich nicht. Dort melden sich nur die „Hirten“ zu Wort, die „Schafe“ schweigen.

[6] https://www.nzz.ch/gesellschaft/wenn-die-eltern-gemeinsam-aus-dem-leben-scheiden-ld.1455660

Die Sorgen von Kardinal Brandmüller

Posted in Kirche, Moral, Religion, Soziologie, Theologie by dierkschaefer on 11. Januar 2019

Mit Kardinal Brandmüller beschäftigte sich der letzte Beitrag dieses Blogs[1]. Nun erreicht mich der kluge Essay „Fakten contra Brandmüller“ von Philipp Greifenstein[2]. Ich habe dazu einen Kommentar geschrieben:

Herzlichen Dank für diese profunde Analyse der Aussagen Brandmüllers. Ich nehme mir die Freiheit, diesen Artikel im Original auf meinen Blog zu übernehmen, in Anknüpfung an https://dierkschaefer.wordpress.com/2019/01/06/heuchelei-wirft-der-kardinal-der-gesellschaft-vor/ . Im Original heißt auch: mit Übernahme der fürchterlichen *-Schreibung.

 

Hier gebe ich nun den Essay im Original wieder:

 

Fakten contra Brandmüller

Von Philipp Greifenstein, 10. Januar 2019, 14-17 Minuten

Die katholische Nachrichtenagentur Catholic News Agency (CNA deutsch) hat mit Kardinal Walter Brandmüller gesprochen. Das Presseunternehmen, das zum amerikanischen EWTN-Konzern gehört, spezialisiert sich auf konservative Stimmen aus der röm.-kath. Kirche.

Kardinal Brandmüller ist einer von vier Kardinälen, die bereits seit längerer Zeit in Opposi­tion zu Papst Franziskus und insbesondere zur „verweltlichten“ Kirche in Deutschland agie­ren. Gemeinsam mit den inzwischen verstorbenen Kardinälen Meisner und Caffarra sowie Kardinal Raymond Burke, der als Gegenspieler des Papstes auftritt, hat er die sog. Dubia gegen die apostolische Exhortation Amoris Laetitia verfasst.

Immer wieder suchen die Kardinäle die Öffentlichkeit, um gegen die „Modernisierung“ der Kirche und die Agenda Papst Franziskus‘ aufzutreten. Kräftig unterstützt werden sie dabei von einem Netzwerk erz-konservativer katholischer Medien, die auch an der Veröffentlichtung des Viganò-Briefes mitwirkten. Im Zentrum dieser Allianz steht der US-amerikanische Kabelsender EWTN-News mit seinen zahlreichen Medienbeteiligungen in den USA und weltweit.

Es ist daher wenig verwunderlich, dass der Chefredakteur der deutschen Außenstelle von CNA, Anian Christoph Wimmer, im Interview darauf verzichtet, die zahlreichen Behaup­tungen Brandmüllers kritisch zu hinterfragen. Das holen wir hier mal nach:

1. Am Missbrauch ist die „Sexualisierung“ der Gesellschaft schuld

Gleich zu Beginn des Interviews relativiert Brandmüller den tausendfachen Missbrauch, indem er ihn zum Zeichen der „Verweltlichung“ der Kirche erklärt. Der Missbrauch sei „alles andere als ein spezifisch katholisches Problem“. Natürlich findet sexueller Missbrauch auch in anderen Kontexten statt. Die spezifisch katholische Problematik des Missbrauchs – seine systemischen Ursachen – werden jedoch von Brandmüller geleugnet.

Anders als die MHG-Studie der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sieht Brandmüller den Missbrauch als ein Phänomen, das aus einer sexbesessenen Kultur in die katholische Kirche hineinschwappt:

„Die jahrzehntelange Sexualisierung der Gesellschaft – man denke an Oswald Kolle und Beate Uhse – ist auch an den Katholiken und ihrem kirchlichen Per­sonal nicht spurlos vorübergegangen. Diese Feststellung mag die Abscheulich­keit des Vorgefallenen erklären helfen, keinesfalls jedoch entschuldigen!“

Brandmüllers Einlassung, bei seinen Argumenten handelte es sich keineswegs um eine Ent­schuldigung, sondern nur um eine Erklärung, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche nicht zu erklären vermag:

Nicht nur dürften jüngere Generationen von Priestern von Oswald Kolle und Beate Uhse nichts mehr wissen, ihre Wirksamkeit datiert auf die Jahre seit 1947 (Uhse) bzw. 1960 (Kolle) und liegt damit weit hinter dem Beginn des sexuellen und körperlichen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Studien aus den USA und Irland belegen systematischen Missbrauch seit den 1920er-Jahren. Die MHG-Studie der DBK untersucht aus guten Gründen den Zeitraum von 1946 bis 2015.

Aus dem Bericht über die Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen wissen wir, dass für den Missbrauch durch erwachsene Männer in den 1950er- bis 1970er-Jahren nicht die beginnende sexuelle Revolution ursächlich war, sondern eigene Gewalterfahrungen im Elternhaus und während des 2. Weltkrieges bzw. der Gefangenschaft.

Die Vorstellung, sexueller Missbrauch in und außerhalb der Kirche hätte durch das aufklä­re­rische Wirken von Beate Uhse und Oswald Kolle zugenommen, ist gerade so abstrus, wie zu behaupten, wegen Dr. Sommer hätte es mehr Teenie-Schwangerschaften gegeben (die seit Jahrzehnten rückläufig sind, auch dank der schulischen Sexualaufklärung).

Zwar nahm die sexuelle Revolution der 1950er-/1960er-Jahre in den USA ihren Ausgang, davon hoben sich aber gerade die konservativen katholischen Communities ab, in denen – wie wir heute durch wissenschaftliche Untersuchungen wissen – der Missbrauch besonders blühte. Und auch den katholischen Missbrauch in Ländern ohne vergleichbare Liberalisierung der Sexu­alität vermag Brandmüllers These nicht zu erklären. Die Datenbasis zum Missbrauch in (ehemaligen) Entwicklungsländern in Südamerika, Afrika und Asien ist nach wie vor schmal, jedoch deutet nichts darauf hin, dass es dort anders ausschauen würde. Missbrauchsskandale gab es in den letzten Jahren auch in Brasilien und Indien.

Nun soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass die sexuelle Befreiung zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts in einigen gesellschaftlichen Biotopen auch zu extremen Meinungen geführt hat. Die Forderung nach Anerkennung der Päderastie als legitime sexuelle Neigung ist dafür nur ein Beispiel, das von den Vertretern einer reaktionären Sexualmoral gerne angeführt wird. Solche Irrtümer aber waren nie flächendeckend und liegen heute schon 40 bis 50 Jahre zurück. Es ist schlicht unredlich, die gesamte sexuelle Aufklärung dafür in Mithaftung zu nehmen.

Im Gegenteil: Alle seriösen wissenschaftlichen Untersuchungen weisen darauf hin, dass gut aufgeklärte Kinder seltener Opfer von sexueller Gewalt werden, weil sie typisches Täter­ver­halten als solches identifizieren und Hilfe suchen können. Aufgeklärte und gut informierte Erwachsene können Anzeichen für Missbrauch erkennen und ihren Kindern und Schüler*in­nen Ansprechpartner sein. Die verbesserte Sexualaufklärung hat auch dazu beigetragen, dass (potentielle) Täter heute therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen können, und so seltener zu einer Gefahr für Kinder und Jugendliche werden.

2. Priester dürfen nicht unter Generalverdacht gestellt werden

Kardinal Brandmüller verwehrt sich dagegen katholische Priester unter Generalverdacht zu stellen, die doch überall auf der Welt treu ihren Dienst tun:

„Die weltweit hunderttausende von Priestern und Ordensleuten dienen treu und selbstlos Gott und den Menschen. Sie unter Generalverdacht zu stellen ist eben­so beleidigend wie ungerechtfertigt, bedenkt man den verschwindenden Prozentsatz von Missbrauchstätern.“

Brandmüller hat die zahlreichen Untersuchungen zum Missbrauch in der katholischen Kirche aus den USA, Irland, Australien und auch Deutschland entweder nicht gelesen oder er ver­schleiert hier bewusst die Wahrheit.

Die MHG-Studie geht von 1 670 Klerikern aus, die im Untersuchungszeitraum beschuldigt wurden. Davon waren 1 429 Diözesanpriester. Das entspricht einem Anteil von 5 % an der Gesamtzahl der Priester, die im Untersuchungszeitraum in den deutschen Bistümern beschäf­tigt waren. Einen „verschwindene[n] Prozentsatz“ nennt Brandmüller, wenn jeder 20. Priester in den Akten der Kirchen als Beschuldigter identifiziert wird. Untersuchungsberichte aus den USA zeigen im Vergleich zur MHG-Studie eine noch höhere Durchsetzung der Priesterschaft mit Missbrauchsbeschuldigten, so dass auch für Deutschland mit einem großen Dunkelfeld zu rechnen ist.

Nicht zu vergessen: Ein erheblicher Anteil der Beschuldigten konnte auch nach Bekanntwer­den von Vorwürfen weiter in Priesteramt und Pfarrdienst verbleiben. Tausende Kinder und Jugendliche wurden erst dadurch zu Opfern, weil die Kirche Ersttäter nicht konsequent aus dem Dienst entfernte und den Strafverfolgungsbehörden meldete. Dies ist besonders deshalb relevant, weil die Schwere der Missbrauchsdelikte im Verlauf der Täterkarriere häufig zunimmt.

Nicht nur befinden sich unter den röm.-kath. Priestern bis in die jüngste Zeit hinein unent­deckte und davongekommene Sexualverbrecher, auch auf die Kirche kann man sich (bisher) nicht verlassen, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche vor diesen Tätern zu beschüt­zen. Das systemische Versagen hat sich in Einzelfällen zur blinden Beihilfe bzw. bewussten Mittäterschaft ausgewachsen. Warum sollte man also gegenüber katholischen Priestern nicht misstrauisch sein?

3. Schwule Priester sind generell verdächtig

Von Brandmüllers Verteidigung gegen den Generalverdacht ist eine Gruppe von Priestern ausgenommen: Schwule Priester gelten ihm als Hauptverantwortliche für den Missbrauch in der katholischen Kirche. Um das zu „beweisen“ schreckt der Kardinal nicht vor dem geschmack­losen Hinweis zurück, dass „80 Prozent der Missbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld männliche Jugendliche, nicht Kinder, betrafen“.

Aufgrund des nach wie vor großen Dunkelfeldes vermag schon die Sicherheit Brandmüllers, den Wert von 80 % zu benennen, überraschen. Die Unterstellung, Verbrechen an Jugend­lichen wären gegenüber denen an Kindern irgendwie weniger schlimm, muss entsetzen.

Der Kardinal versteigt sich zu der Behauptung:

„Dieser Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität ist stati­stisch erwiesen – aber das hat nichts mit Homophobie zu tun, was immer man darunter verstehen mag.“

Ein direkter Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie oder gewalttätiger Sexualität ist nicht belegbar. Auch die MHG-Studie hält fest, dass monokausale Erklärungen zu kurz greifen. Tatsächlich schreiben die Wissenschaftler*innen:

„Die Verpflichtung zu einem zölibatären Leben könnte Priesteramtskandidaten mit einer unreifen und abgewehrten homosexuellen Neigung als Lösung inner­psychischer Probleme erscheinen, die zusätzlich die Aussicht auf ein enges Zusam­menleben ausschließlich mit Männern […] mit sich bringt. Insoweit könnten spezifische Strukturen und Regeln der katholischen Kirche ein hohes Anziehungspotential für Personen mit einer unreifen homosexuellen Neigung haben.“

Damit weisen die Autor*innen der Studie auf einen komplexen Zusammenhang von sexueller Identität der Täter, kirchlicher Sexualmoral und katholischer Ämtertheologie hin. Statt die Auswirkungen des Zölibatszwangs und der Ächtung von Homosexualität zu diskutieren, stellt der Kardinal schwule Priester an den Pranger.

Dabei dürfte der 1953 zum Priester geweihte Brandmüller seitdem und besonders während seiner Tätigkeit als Professor zahlreichen homosexuellen Priestern und Priesteranwärtern begegnet sein. Wahrscheinlich hat er Zeit seines Lebens mit mehr Schwulen zusammen­ge­arbeitet als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Das Priesteramt war über viele Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts eine Möglichkeit für homosexuelle junge Männer aus streng katholischen Elternhäusern einen gesellschaftlich akzeptierten Lebensentwurf zu wählen.

Brandmüller unterstellt schwulen Priestern nicht nur, sie wären aufgrund ihrer Sexualität prädestiniert für Pädophilie und Ausübung sexueller Gewalt. Er geht wie selbstverständlich davon aus, dass schwule Priester den Zölibat nicht im gleichen Maße halten könnten wie ihre heterosexuellen Amtsbrüder. Weil der Zölibat partout nicht das Problem sein darf, greift er auf das billige Ressentiment zurück, Schwule lebten ihre Sexualität im Vergleich zur „norma­len“ Bevölkerung unbedingt promisk aus.

4. Die Moderne ist der Feind

Als Heilmittel gegen den Missbrauch empfiehlt Brandmüller die Besinnung auf traditionelle katholische Überzeugungen:

„Zunächst wird es notwendig sein, noch vor jeder religiösen Begründung, die sich aus der Natur des Menschen als Mann und Frau ergebenden Grundsätze geschlechtlicher Sittlichkeit erneut und vertieft zu verstehen. Johannes Paul II. hat mit seiner Theologie des Leibes hierzu Wegweisendes gesagt.“

Was der Kardinal hier „noch vor jeder religiösen Begründung“ ansiedelt, ist nichts anderes als eine Naturrechtslehre, wie sie sich im Lehrgebäude der röm.-kath. Kirche erhalten hat. Dass es in Gottes guter Schöpfung Platz für mehr als zwei Geschlechter und die Liebe auch unter gleichgeschlechtlichen Partner*innen geben könnte, kommt dem Kardinal in seiner Ignoranz gegenüber der (theologischen) Wissenschaft der letzten gut 50 Jahre nicht in den Sinn.

Stattdessen weist er auf die „Theologie des Leibes“ des vor Kurzem (h)eiliggesprochenen Papstes Johannes Paul II. hin. Dabei handelt es sich um nichts mehr als eine geschickt gesetzte Behauptung, die zurzeit unter erz-konservativen Vertretern einer restriktiven Sexualmoral Mode hat. Die Überlegungen Johannes Paul II. will Brandmüller gar zum Dogma der Kirche erheben:

„In der Tat ist diese Lehre Johannes Pauls II. auch der Auswahl und der Aus­bil­dung künftiger Priester und Religionslehrer zu Grunde zu legen. Sodann ist auf deren psycho-physische Konstitution zu achten. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass es bei alledem nicht nur um Psychologie und Sozio­logie geht, sondern vielmehr um das Erkennen einer wirklichen von Gott kom­menden Berufung.“

Damit ist vor allem die Ausscheidung homosexueller Priesterkandidaten gemeint. Aber Brand­müllers Bemerkungen greifen noch weiter: Aus der Kirche soll all das entfernt werden, was aus den Sozial- und Naturwissenschaften kommend inzwischen auch dort als wertvoll und zielführend geachtet wird. Brandmüller beschwört den Kulturkampf des Katholizismus gegen die Moderne, wie ihn Benedikt XVI. vorgab.

Reformen kann sich Brandmüller nur als Rückkehr zur Kirche seiner Kindheit vorstellen, deshalb beschwört er wider besseren Wissens seine Kirche, sich ein Beispiel an „sogenann­te[n] traditionalistische[n] Gemeinschaften“ wie der Piusbruderschaft zu nehmen. Dabei ist der Mangel an Priesterkandidaten in der röm.-kath. Kirche im Westen nicht auf ihre Moderni­tät, sondern auf ihre Wirklichkeitsferne dem Leben der Jugend gegenüber zurückzuführen, wie die zaghafte Jugend- und Berufungssynode in Rom erst kürzlich gezeigt hat.

Auf die Frage, wohin die Kirche steuert, gibt der Kardinal auch Papst Franziskus noch einen mit und antwortet:

„Steuert sie überhaupt? Sind wir nicht vielmehr von widersprüchlichen Strö­mun­gen hin- und her geworfen? Kann man da überhaupt einen Kurs erken­nen?“

Klar erkennbar ist demgegenüber Brandmüllers Kurs: Es geht ihm in keiner Silbe um die Opfer des Missbrauchs, sondern allein um seine Vorstellung von der Zukunft der Kirche, mit der er sich in Widerspruch zu ihr begibt. Der Kardinal missbraucht tatsächlich den Missbrauch für seine Interessen.

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2019/01/06/heuchelei-wirft-der-kardinal-der-gesellschaft-vor/

[2] https://eulemagazin.de/fakten-contra-brandmueller/

Heuchelei wirft der Kardinal der Gesellschaft vor

– nein, nicht der Gesellschaft Jesu, sondern uns allen. „Was in der Kirche an Missbrauch passiert ist, ist nichts anderes, als was in der Gesellschaft überhaupt geschieht,“ sagt er[1].

Sortieren wir mal:

Wer ist „die Gesellschaft“? Zunächst wir alle. Das kann er nicht gemeint haben. „Wir“ artikulieren uns normalerweise nicht, können nicht erkennbar heucheln. Also kann er den Einzelnen in der Gesellschaft keine Heuchelei vorwerfen. Die Gesellschaft äußert sich über ihre Medien, über die Gesetzgebung und die Rechtsanwendung. Er nenne mir also auch nur einen Fall von Missbrauch, der bekannt und nicht als Rechtsbruch, als Skandal gewertet wurde. Was an Missbrauchsfällen bekannt wird, wird als krimineller Akt behandelt.[2] Es sei denn, die Täter befinden sich unter dem Schutz der Kirche, die solche Fälle verschleppt, bis sie verjährt sind. Ja, es ist bekannt, dass in den Familien vielfach Missbrauch geschieht. Doch die erkannten Täter werden verurteilt. Wo ist da die Heuchelei, Herr Kardinal? Heucheln tun die Schuldigen, die unschuldig tun. So wie Sie Herr Kardinal für Ihre Institution.

Doch es kommt noch schlimmer: „Der eigentliche Skandal sei, dass sich die Kirchenvertreter in diesem Punkt nicht von der gesamten Gesellschaft unterschieden.“ So wird er zitiert. Nicht also der Missbrauch ist ein Skandal, sondern die Normalität der geweihten Vertreter dieser Kirche. Sie missbrauchen halt, es tun doch alle. Doch das macht sie gleich, die doch ungleich sind. Priester in den Fängen des Teufels?P1040677 d.jpg

Was bedeutet das?

Es geht um das Crimen sollicitationis[3], um die delictis gravioribus.[4] Da geht es zunächst um die Heiligkeit der Sakramente. Die ist wichtig, nicht so sehr die Missbrauchten. So ist für den Herrn Kardinal weniger der Missbrauch von Bedeutung, als der character indelebilis[5], hier das Weihesakrament. Dieses könnte beeinträchtigt sein, wenn der Geweihte nicht nur ein ganz normaler Sünder ist, sondern ein ganz spezieller, einer, dem der Mühlstein um den Hals gebührt.[6]

Meine erste Reaktion auf den Artikel im Spiegel war ein Tweet:

Auf die Frommen

lass ich nichts kommen,

doch die Bigotten,

gehören gesotten.

Wenn der Kardinal selber kein Missbraucher ist, so ist er ein Relativierer, ein Vertuscher. Er ist nicht fromm, er ist bigott.

Dass seine heilige Kirche selber sündig sein könnte, das passt wohl nicht in seine Weltan­schauung. Andere Bischöfe sind da weiter. Machtmissbrauch stecke in der DNA der Kirche, sagt der Hildesheimer Bischof[7], und vor ihm haben schon andere von einer sündhaften Kirche gesprochen.[8] Doch Walter Brandmüller[9] sitzt höher, im Vatikan. Am gründlichsten hat bisher wohl der Theologe Gregor Maria Hoff [10]die theologische Problematik beleuchtet. Er schreibt: „Der kirchliche Schutz galt bis in die Gegenwart nicht zuerst den Opfern, sondern der Kirche, präziser: dem klerikalen Stand, dem diejenigen angehören, die in der Kirche über die Aufklärung von Missbrauch zu entscheiden haben.“ Als ich mich im Studium mit dem Donatismus beschäftigte, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ausgerechnet die Abwehr dieser „Ketzerei“ dazu führen könnte, dass missbrauchende Priester ihre Taten bagatellisieren können, weil ja „die Sakramente, insbesondere Taufe und Priesterweihe, unabhängig von der persönlichen Würdigkeit des Spendenden gültig seien.[11] Der Kardinal scheint an diesem Dogma seiner Kirche zu zweifeln.

 

Doch gemach: Brandmüller feiert heute seinen 90sten Geburtstag. Ich gratuliere ihm und erteile ihm Absolution. Vielleicht ist er ja bereits dement und weiß nicht mehr so richtig einzuschätzen, was er sagt.

PS: Eine pikante Note erhält das Problem bei Alma Mahler und dem Priester Johannes Hollnsteiner. Sie „war von dem Gedanken, ein Verhältnis mit einem katholischen Priester zu haben, geradezu elektrisiert. Er kam ab Anfang 1933 fast täglich zu ihr und erklärte ihr, dass Keuschheit für einen Priester eher symbolisch ist, sie gelte nur in Verbindung mit dem Talar. Almas Tochter Anna erinnerte sich dass ihre Mutter aufgewühlt erzählt habe, „dass sie sich verliebt hat. Und dass es sie so aufregt, wenn sie den Mann – sie ist in die Messe gegangen – im Talar sieht. […] Und dann hat sie ihn gefragt, wie das nun also ist. Da hat er ihr erklärt, ja, das mit der Keuschheit, das ist immer nur währenddem man das anhat. Sonst ist es gar nicht notwendig“. [12]

Fußnoten

[1] http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/walter-brandmueller-kardinal-nennt-empoerung-ueber-missbrauch-in-der-kirche-heuchelei-a-1246364.html

[2] Dass zuweilen die Verurteilungen unzureichend erscheinen, steht auf einem anderen Blatt.

[3] Crimen Sollicitationis https://www.atheisten-info.at/downloads/delictis.pdf – Dort auch der „Satirische Song“ von Ska-P2 in deutscher Übersetzung:

Das Verbrechen der Anstiftung

Diener Gottes…….

Berührungen, Sakramente, Fellationen, Schwüre….

Ich lehre dich die Doktrin in Form von Erektion….

Kindesmissbrauch , Perversion und reiner Unart….

Unter meiner Soutane kannst du Gott begegnen….

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/De_delictis_gravioribus und lustig: der Link http://www.vatican.va/archive/aas/documents/AAS%2093%20%5B2001%5D%20-%20ocr.pdf funktioniert nicht mehr. Doch das Netz vergisst nichts: https://web.archive.org/web/20100323010207/http://www.uni-tuebingen.de/uni/ukk/nomokanon/quellen/023.htm Notfalls ist die Datei auch bei mir zu finden. Dazu auch: Dierk Schäfer, Wir sind nicht mehr Papst: https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/02/11/wir-sind-nicht-mehr-papst/

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Character_indelebilis

[6] Wer soll den Mühlstein um den Hals kriegen – und dann ab mit ihm ins Meer? https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/10/17/wer-soll-den-muehlstein-um-den-hals-kriegen-und-dann-ab-mit-ihm-ins-meer/

[7] https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/wilmer-machtmissbrauch-steckt-in-dna-der-kirche

[8] https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/09/17/strukturelle-sunde-und-schuld-der-kirche/ + https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/09/30/die-theologische-bankrotterklaerung-eines-papstes/ + https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/04/26/rede-gegenrede-antwort/ + https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/11/11-september/

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Brandm%C3%BCller

[10] Gregor Maria Hoff, Kirche zu, Problem tot, Theologische Reflexionen zum Missbrauchsproblem in der katholischen Kirche: Kursbuch 196, (ed. A. Nassehi, P. Felixberger), Religion, zum Teufel, S. 26 – 41

[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Donatismus

[12] http://www.alma-mahler.at/deutsch/almas_life/hollnsteiner.html

Wenn der Landesbischof zum Trigger wird und dann auch noch Meister heißt …

Meister im Ablenken.

»Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat eine Vertrauenskrise in der Gesellschaft beklagt. Diese Krise durchziehe alle Bereiche, sagte Meister vor der Landessynode in Hanno­ver. „In der Ökonomie erkennen wir betrügerische Absichten von großen Konzernen und teilweise eine Verwahrlosung von Anstand und Ehrlichkeit“, kritisierte er in seinem Bericht vor dem Kirchenparlament.«[1]

Das ist ja nicht falsch. Dennoch hätte er besser zunächst vor der eigenen Tür gekehrt, durch­leben doch die Kirchen derzeit eine Vertrauenskrise sondergleichen.

Allerdings muss gesagt werden, dass die epd-Nachricht verkürzt war. Er sagte immerhin auch: Die Kirche muss Vertrauen schaffen, indem sie sich ihren Fehlern stellt, befand Meister: „Die zahlreichen Fällen sexuellen Missbrauchs haben einen Vertrauensverlust herbeigeführt, dessen Ausmaß wir nicht ermessen können.“ Er kündigte an, dass die Landeskirche aktiv die wissenschaftliche Studie der EKD zum Thema unterstützen werde. Darin sollen unabhängige Experten untersuchen, ob es systemische Ursachen in der evangelischen Tradition oder Theologie gibt, die Missbrauch begünstigen. „Wir haben viel getan, aber es hat vielleicht nicht gereicht“, räumte Meister selbstkritisch ein. Doch in die Twitter-Kurznachrichten hat es diese Passage nicht geschafft. Und das hat getriggert.

 

labi meister

Als ich den Tweed las und beantwortete, hatte ich am Tag zuvor ein Mail erhalten. Ein Pamphlet, wie sein Verfasser heute selber sagt: diese berichte auf ekd.de lösten mein Pamphlet an meister aus, die kamen mir gestern auf den schirm.“ Und da ist er ausgezuckt. Sein Brief an den Landesbischof ist nicht einmal ein Pamphlet, sondern eine Unverschämtheit.[2] Allerdings eine verständliche. Dazu hatte ich gerade hier im Blog geschrieben.[3]

Ich selber bin kein Betroffener, weder von kinderheimtypischen Misshandlungen etc. noch von Missbrauch. Die Misshandlungen waren bis in die 70er Jahre in den kirchlichen Erzie­hungs­einrichtungen weithin üblich, sexueller Missbrauch war nicht selten. Im hannover­schen Stephansstift kam er besonders oft vor.

Von Missbrauch im Stephansstift wussten wir Linde­ner[4] Kinder nichts, aber wir wussten: »Böse Buben kommen ins Stephansstift, böse Mädchen nach Himmelsthür. Wer verrückt ist, kommt nach Ilten, und wer schon mal in Wunstorf war, also in der Psychiatrie, wie die Frau in unserem Haus, Erdgeschoß, links, der war immer noch merkwürdig.«[5] Wie schlimm diese gottesgefälligen Einrichtungen waren, erfuhr ich erst viel später, auch welche Auswirkungen ein erzieherischer Aufenthalt im Stephansstift haben kann: lebenslänglich. So für das Heim­opfer des Stephansstifts, der sich absolut unhöflich an den Landesbischof gewendet hat.[6]+[7] Wo sein Mail wohl gelandet ist? Als ich 1965 in der Registratur des LKA (Landeskirchenamt, nicht Landeskriminalamt) in Hannover gejobbt habe, gab es eine Akte mit der Aufschrift Curiosa. Vielleicht also dort?

Wir kennen es aus der Politik: Gibt es innenpolitische Probleme, lenkt man gern außen­poli­tisch ab. Warum nicht auf die Autoindustrie einschlagen, die ja tatsächlich als organisierte Kriminalität gesehen werden kann? Aber warum macht das der hannoversche Landesbischof? Den Namen Meister hat er verdient, ein Meister im Ablenken. Da darf er sich nicht wundern, dass der Vertrauensverlust der Kirche sich schlimmer auswirkt als die demographische Entwicklung. Die Kirchen sind zum Beispiel für Verwahrlosung von Anstand und Ehrlichkeit geworden, nicht nur die hannoversche. Und auch keine Spur von Professionalität im Umgang mit Problemen.

Und hier das „Pamphlet“ – der Verfasser hat es für den Blog freigegeben.

Absender:

Erich Kronschnabel

Empfänger:

Landeskirche Hannovers

Herrn Bischof Meister 

 

Guten Tag, sehr geehrter Herr Meister! 

Ihr Amtstitel weist Sie als Bischof der Evangelischen Landeskirche Hannovers aus. Sie sind also der Aufseher, Vorsteher, Vorstandsvorsitzende des Konzerns Landeskirche Hannovers.

Ich darf mich vorstellen: Sexualopfer der Schergen der Diakonie, die mich und andere Kinder des damaligen Kinder-KZ „Stephansstift“-Außenstelle „Kronsberg“- zur Befriedigung ihrer Geilheit benutzten. Die Diakonie gehört zum von Ihnen vertretenen Konzern Landeskirche.

Seit Jahren pflegte ich Umgang mit der sogenannten „Unabhängigen Kommission“ Ihrer Firma. Dass die Mitglieder nicht unabhängig sind belegen die Jobs, die diese Kommissionsmitglieder für Ihren Konzern erledigen. Disziplinarrichter und ein Mitglied der Synode bescheinigt genau die Unabhängigkeit, die Sie als Bischof auch haben. Logisch, oder, Herr Meister?

Sie berichteten auf der Synode von 119 Opfern notgeiler Kinderficker im Dienste der Firma

Landeskirche Hannovers. Einige dieser Opfer begleitete ich bis ins Büro von Frau Pastorin Mahler. Übrigens die EINZIGE Person Ihrer Abteilung „Aufarbeitung“, die Opfer mit Empathie behandelte. 

Warum schreibe ich Ihnen überhaupt?

Seit Beginn der „Aufarbeitung und Entschädigung erlittenen Leides“ habe ich mit Mainusch zu tun, Ihnen nicht unbekannt, wie mir das Netz sagt. Mainusch und seine juristischen

Zuarbeiter erfanden einen Fragebogen zwecks Opfererfassung, der an Perversität nicht zu überbieten ist. Mainusch lässt ernsthaft nach Datum und Uhrzeit der Missbräuche fragen!!!

Klar ist ja auch dem größten Depp, dass in den Jahren 1950 – 1975 und danach KEIN EINZIGES HEIMKIND EINE ARMBANDUHR IN BESITZ HATTE! Ignoriert Mainusch natürlich, interessiert ihn einen Dreck, er sieht seine Aufgabe klar erkennbar darin, Opfer abzuschrecken und zu retraumatisieren. Klappt ja auch, bei mir saßen vier Opfer, die sofort jede Kontaktaufnahme mit der Landeskirche ablehnten, als sie diesen idiotischen Fragebogen aus Mainuschs Feder lasen. 

Lassen Sie sich die Korrespondenz zwischen mir und Mainusch zu diesem Thema von Mainusch geben. Er – von Gottes Gnaden-  begreift nicht, was sein idiotischer Fragebogen bewirkt! Er ist genau die Sorte Täternachfolger, die mir immer wieder im Umgang mit Kirche begegnete. Selbstgefällig, großkotzig, empathielos, so wie auch Annette Kurschus. Die Opfer werden erneut zu Opfern gemacht, Retraumatisierung ist Programm!

Sie beklagen auf der Synode Vertrauensverlust!? SOLANGE TYPEN WIE MAINUSCH SELBSTHERRLICH OPFER ERNEUT ZU OPFERN DER KIRCHE MACHEN, SOLANGE werden wir Opfer dagegen aufstehen, Herr Meister! Aufarbeitung und „Entschädigung für erlittenes Leid“ nennt die Kirche die Affigkeiten, mit denen die Opfer retraumatisiert werden!

Was haben Sie für Mitarbeiter, Herr Meister? An der Spitze der sich grossmäulig „unabhängig“ nennenden Kommission ein pensionierter Richter, den ich als Mensch achte, als juristischen Leiter dieser ominösen Kommission aber verachte. Deshalb verachte, weil er zulässt, was der Träger Ihres Paragrafenköfferchens gnadenlos inszeniert.Den aus der Nazizeit bekannt gewordenen Begriff „Furchbarer Jurist“ hat er sich mit Eifer und perversem Fragebogen erarbeitet – auf Kosten der Opfer!  

Und Sie stehen all diesen Schauspielern vor, sehen seit Jahren bei den Theaterstückchen zu und begreifen offensichtlich nicht, dass nicht die Taten der Schweine in Kirchenkreisen zu immer stärkerem Vetrauenverlust führen, sondern die immer noch laufenden Vertuschungen, Beschönigungen und Lügen die Ursache für Vertrauensverlust sind. Ihre

„Aufarbeiter“ arbeiten nicht auf! Ihre „Aufarbeiter“ reichen Taschengeld für zerbrochene Opfer des Konzerns Diakonie=Kirche aus – und wollen die Menschen glauben machen, dass alles wieder gut ist.

Es sind die Mainusch’s die ohne jegliche Empathie eiskalt gegen die Opfer agieren. Die Blödheit ist so grenzenlos, dass nicht mal begriffen wird, was dieser perverse Fragebogen

bei Opfern anrichtet. Frau Mahler hat es begriffen. Leider kann sie es nicht umsetzen. 

Frage an Sie, Herr Meister: Wieso wurde kein Psychologe/Psychater in diese ominöse Kommission geschickt ? Es waren immer die Juristen, die Menschlichkeit mit Füßen traten. Sollten Sie als Theologe eigentlich wissen. Ich googelte Sie ausführlichst, ich bin auf Ihre Antworten gespannt.

Ihnen fällt auf, dass mich Titel und Höflichkeiten einen Dreck interessieren. Ich „genoss“

die Perversitäten der Kinderficker mit Titel Diakon – und Sie würden schlagartig die Gesichtsfarbe wechseln, wenn ich die Betitelungen an Sie weitergebe,mit der die Schweine der Diakonie  uns Kinder benannten. „Spreche mit dem Respekt, den man dir entgegen brachte!“ lautete ein Lehrsatz meines Vaters. 

Leute wie Mainusch unterscheiden sich von den Tätern von damals lediglich dadurch, dass sie die Opfer von damals heute durch perverse Fragebogen retraumatisieren und erneut vergewaltigen!  Sagt Ihnen der blödeste Psychologe, wenn er Mainusch’s Fragebogen sieht.

Lassen Sie mich und die anderen Opfer wissen, wann Sie die immer noch eingesetzten Sauereien=Fragebogen (Motto: „Wann wurdest du gefickt? Datum und Uhrzeit bitte!“)  a la Mainusch endlich abschaffen wollen.  Die Opfer haben nämlich das Problem so häufig von den geilen Brüdern Ihres Glaubens gefickt worden zu sein, dass sie sich Daten und Uhrzeiten nicht merken konnten, Herr Meister….Die Akten Ihrer Abhängigen Kommission verraten es Ihnen. Lesen Sie, Sie erleben eine völlig neue Welt der lustvollen Diakonie!!!

Frau Mahler kann Ihnen mehr über mich berichten, falls Sie verstehen wollen, was ich will!:

Die früheren Opfer vor neuen Vergewaltigungen durch Kirchentypen vom Zuschnitt Mainusch schützen! 

Es grüsst Sie ein Sexualopfer

Ihrer Firma Landeskirche Hannovers

Erich Kronschnabel

Fußnoten

[1] https://www.ekd.de/ralf-meister-synodenbericht-vertrauenskrise-41025.htm nachgelesen: Donnerstag, 29. November 2018

[2] Ich gebe das Mail an den Landesbischof unten unzensiert wieder.

[3] https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/11/25/wenn-die-seele-zuckt-trigger/

[4] Linden ist der größte Stadtteil von Hannover.

[5] https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2015/01/rezension-himmelsthc3bcr.pdf

[6] https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/08/29/auf-kindesmissbrauch-kann-lebenslaenglich-stehen-fuer-die-opfer/

[7] Nach diesem Teil der Geschichte des Stephansstiftes sucht man auf deren Homepage vergeblich. https://www.dachstiftung-diakonie.de/die-dachstiftung-diakonie/foerderstiftungen/stiftung-stephansstift/