Dierk Schaefers Blog

»in Korntal nicht nur regelmäßig sexuell missbraucht …auch einige Male an Privatpersonen „vermietet“ und dann missbraucht worden«

Posted in Kinderheime, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Kriminologie, Soziologie by dierkschaefer on 30. März 2015

»Ein Mann berichtete, zwischen 1955 und 1963 in Korntal nicht nur regelmäßig sexuell missbraucht und schon im Grundschulalter stundenlang zu schwerer körperlicher Arbeit gezwungen worden zu sein. An Wochenenden sei er auch einige Male an Privatpersonen „vermietet“ und dann von diesen „Paten“ missbraucht worden. „Dies alles geschah im Namen des Heilands Jesus Christus“, sagte er. Die Unterstützer-Organisation Opferhilfe Korntal spricht schon länger von einem „pädophilen Netzwerk“, das Heimkinder nicht nur selbst missbraucht, sondern auch prostituiert habe.«

Sollten die nicht zum ersten Mal erhobenen Vorwürfe zutreffen und belegbar sein, dann dürfte es „spannend“ werden, wie die geschlossen-heile Welt der frommen Brüdergemeinde mit diesen Vorwürfen umgeht, die auch ohne frommen Hintergrund  Ungeheuerlichkeiten offenbaren, mit um so mehr.

Franziskus und die Schweizer Heimkinder

Posted in heimkinder, Kinderheime, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Menschenrechte, Parteien, Politik by dierkschaefer on 25. März 2015

Wenn die Symbolhandlung[1] Folgen hat, könnten sich vielleicht nicht nur die Schweizer Behörden bewegen, sondern auch die katholischen Orden, die sich bisher  ordentlich zurückgehalten haben in der Frage der Entschädigung beschädigter Kinderbiographien.

[1] http://www.derbund.ch/schweiz/standard/Papst-empfaengt-Schweizer-Missbrauchsopfer/story/11243712

Vergebung für Täter hat eine lange Tradition,

Posted in Geschichte, Kirche, Kriminalität, Menschenrechte, Nazivergangenheit, Täter by dierkschaefer on 23. März 2015

»Der Unsinn bei dem Kretschmann wächst sich schon noch aus.«

Posted in Gesellschaft, Kirche, Politik, Religion, Weltanschauung by dierkschaefer on 23. März 2015

Er hat sich ausgewachsen. Man könnte fast zum Kretschmann-Fan werden.

Hier nur zwei Zitate von ihm aus dem lesenswerten Interview[1]:

»Realismus heißt ja nicht, nicht länger engagiert zu sein, aber zu akzeptieren: Der Mensch, wie er geht und steht, ist der richtige. Und alle Utopien, die sagen, wir müssen erst den Menschen grundlegend verändern, ehe wir in die wirkliche Geschichte eintreten, sind der Anfang von Leid und Terror. Die Menschen, so wie sie sind, sind die richtigen. Wir müssen sie nicht umerziehen – und wir dürfen es auch nicht.«

»Erst wenn man von der totalitären Erlösungsfantasie ablässt, die Welt retten zu wollen, wird man reif zur Politik und trägt dann womöglich etwas zu ihrer Rettung bei. Erlösung ist etwas für den Erlöser – und davon gibt es für Christen nur einen, und der sitzt im Himmel.«

[1] http://www.zeit.de/2015/12/winfried-kretschmann-die-gruenen-glaube-christentum/komplettansicht

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Die Geschichte, die niemand fördern wollte

Posted in Geschichte, Gesellschaft, heimkinder, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Kunst, Medien, Pädagogik, Politik by dierkschaefer on 21. März 2015

»Mit viel Applaus bedacht wurde am Mittwochabend die Österreich-Premiere von „Von jetzt an kein Zurück“, Christian Froschs Drama über ein Pärchen jugendlicher romantischer Rebellen in der alten Bundesrepublik Deutschland des Jahres 1967, die, von Jugendamt und Eltern eingewiesen, durch die autoritären Mühlen geschlossener „Erziehungsheime“ geschliffen werden.«

»Proteste gegen die Heimerziehung gab es bereits früher, und zwar markante: In dem TV-Film „Bambule“ von 1970 proben Insassinnen eines Mädchenheims in Berlin den Aufstand. Er wurde aber kurz vor seiner Ausstrahlung zurückgezogen und für Jahrzehnte ins Archiv verbannt, weil sich Drehbuchautorin Ulrike Meinhof zu dem Zeitpunkt bereits zu sehr radikalisiert hatte.

Im Jahr davor gab es die sogenannte „Heimkampagne“, Initiativen, eine Revolte, ein großer gelungener Ausbruchsversuch – ein Auslöser für die Liberalisierung in paar Jahre danach.

Weil aus den Studenten hinter der Kampagne aber Prominente der terroristischen RAF wurden – neben Meinhof etwa Andreas Baader und Gudrun Ensslin -, geriet jede Kritik an der militärischen Struktur von Heimen in den Verdacht der Linksradikalität, eine Debatte versandete. Und die Kirchen schwiegen ohnedies zu ihrer in der Nachbetrachtung peinlichen Rolle als Einpeitscher „christlicher Werte“.«

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»Die Dogmen lasten wie ein Alb auf uns Gläubigen.«

Posted in Kirche, Politik, Theologie by dierkschaefer on 19. März 2015

Die wohl deutlichste Kritik an der katholischen Kirche kommt von einem ihrer prominenten Mitglieder.

Der Ministerpräsident aus dem Schwäbischen darf wohl als gebildet gelten. Und dennoch hat er seine Kirche nicht verstanden, weiß nicht, was Katholizität ausmacht. Das muss man ihm nicht vorwerfen. Seine Kirche hat es offensichtlich nicht verstanden, ihm die Grundlagen – oder was sie dafür hält – zu vermitteln. Evangelischen gebildeten Zeitgenossen geht es kaum anders.

Da komme noch jemand und behaupte, Religionsunterricht sei Indoktrination. Wenn doch, dann zeigt sich deren Nutzlosigkeit.

»Dass die Kirche nicht zugeben könne, zu irren, könne Kretschmann am schwersten ertragen.

Das Problem seien nicht die Dogmen an sich, sondern dass die Kirche sie alle für richtig halte, sagte der Grünen-Politiker weiter.«[1]

Ja, soll sie denn sagen: April, April, Maria ist keine Jungfrau?

»„Auch wenn manche es noch nicht wahrhaben wollen: Die Zeiten sind vorbei, in denen die Hierarchie Debatten einfach für beendet erklären konnte“, sagte Kretschmann.«

Die Zeiten mögen vorbei sein, doch die Kirche hält sich nicht an den Geist der Zeiten gebunden. Das wissen wir seit dem Antimodernisten-Eid[2] der katholischen Kleriker.

»„Ich glaube einfach nur das, was ich glaube“, sagt der praktizierende Katholik, „anders kann ich nicht glauben“.«

Er hat ja soo Recht. Und gerade weil es so einfach (und plausibel) klingt, fällt mir dazu die fides implicita simplicium ein, auch Köhlerglaube[3] genannt: Ich glaube, was die Kirche glaubt. Das reicht, mehr muß man nicht glauben und auch nicht verstehen.

Das will und kann Winfried Kretschmann nicht verstehen. Damit hat er Recht und seiner Kirche die Glaubwürdigkeit abgesprochen – hat es aber wohl nicht einmal gemerkt.

[1] Alle Zitate aus http://www.zeit.de/gesellschaft/2015-03/winfried-kretschmann-kirche-glaube/komplettansicht

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Antimodernisteneid

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6hlerglaube

Das Thema Pflichtzölibat könnte einen kalt lassen, wenn er nicht …

Posted in Kirche, Menschenrechte, Religion, Weltanschauung by dierkschaefer on 18. März 2015

… wenn er nicht auch kriminogen wäre.

Ich hatte hier im Blog auf einen Film hingewiesen[1].

Dazu bekam ich Kommentare, doch ein Aspekt wurde nicht beachtet. Er sei hier angesprochen.

Im genannten Film[2] wird deutlich auch die seelische Not derer beschrieben, denen ein intimer Partner verwehrt ist, und dabei geht es nicht ausschließlich um Sex, vielleicht nicht einmal in der Hauptsache.

Es geht mir nicht darum, Mitleid mit den Tätern zu wecken; von Opfern kann man das am wenigsten erwarten. Aber wenn wir die Psychodynamik der Täter nicht verstehen, was nicht auf Verständnis hinauslaufen soll, dann bleiben wir hilflos dem Aufkommen neuer Täter ausgesetzt.

Zölibat – das Thema könnte einen kalt lassen, aber nur wenn uns die Opfer egal sind. Allerdings sind auch die Täter Opfer, sie sind Opfer eines Systems geworden sind, aus dem sie sich kaum lösen können.

Die katholische Kirche betont immer wieder beharrlich, der Zölibat spiele bei Missbrauch keine Rolle. Schließlich gebe es auch Missbrauch durch nicht-zölibatär lebende Menschen. Die Feststellung stimmt, doch sie ist unzureichend. Es gibt, und im Film wird das von einem Fachmann[3] eindrücklich dargelegt, auch den zölibatsbedingten Missbrauch.[4] Ich frage mich, warum die katholische Kirche dermaßen ängstlich an der Zwangsehe von Zölibat und Priesteramt festhält. Schließlich ist der Zölibat in der Entwicklung der Kirchen zwar recht früh, aber erst nach und nach verpflichtend geworden.[5] Petrus hatte eine Schwiegermutter.

Oder ist der Neid der alten Männer der tiefere Grund für das starre Festhalten am Pflichtzölibat für die jungen Priesterkandidaten?[6]

Der Zölibat ist auch vor harmlosen Anzüglichkeiten nicht geschützt. In meiner Schulzeit war ich für ein Marktforschungsinstitut tätig. Ich hatte für die Befragung die Adresse einer Frau in einem Dorf in der Hildesheimer Gegend bekommen. Das Dorf war unübersichtlich und ich fragte in der Kneipe nach. „Ach, die Frau Pfarrer!“ hieß es, man schmunzelte und beschrieb mir den Weg. Es war seine Haushälterin.

In einer schwäbischen Kleinstadt, so erzählte man mir, legte die kirchliche Jugendgruppe in der Nacht zum 1. Mai eine Sägemehlspur vom Haus des Vikars zu dem seiner Freundin.

Die Idee, einen zölibatsfreien Nachmittag pro Woche einzuführen, wäre nicht zielführend, könnte die alten Männer der Kirche aber vielleicht doch an die Wirklichkeit heranführen. Sie sind allerdings so alt, dass sie selber nichts mehr davon hätten.

Ich erinnere mich, dass ich in der ersten Stunde in den neuen Klassen der Polizeischüler auch regelmäßig gefragt wurde, was ich, als evangelischer Pfarrer, zum Zölibat sage. Die meisten waren gut ländlich-katholisch und im vollen Saft ihrer jungen Jahre. Sie konnten nicht verstehen, dass es Leute gibt, die freiwillig im Zölibat leben und dabei glücklich sind.[7]

Es geht, wie gesagt, nur um den Pflichtzölibat, aus dem niemand menschenwürdig aussteigen kann. Von den Zölibatspartnerinnen war hier noch gar keine Rede.

Was das menschliche Leid einiger Zölibatäre betrifft, auch das Leid von eventuellen Partnerinnen, so könnte einen der Pflichtzölibat kalt lassen, das sind erwachsene Menschen. Doch schon bei den „Priesterkindern“[8] hört mein Verständnis auf. Erst recht allerdings bei den kriminogenen Auswirkungen auf einige der Zölibatäre. Angesichts der Opferschicksale gehört der Pflichtzölibat gesetzlich verboten.

Ich weiß: Gut gebrüllt, aber ohne Erfolg. Unsere Bundeskanzlerin hat mit keiner Silbe öffentlich das Leid von jüdischen und muslimischen Jungen bei der Beschneidung bedacht. Sie wird sich mit den alten Männern der katholischen Kirche noch weniger anlegen wollen als mit den Vertretern des Judentums.

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/03/17/schwarze-padagogik-demutigung-gewalt-und-missbrauch/

[2] http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/ndr/Missbrauch-Kirche-das-Schweigen-der-Maenner-100.html Dazu auch: https://www.ndr.de/der_ndr/presse/mitteilungen/Mehr-paedophile-Kleriker-in-katholischer-Kirche-als-bisher-angenommen,pressemeldungndr15556.html

[3] Dr. Christoph J. Ahlers, Klinischer Sexualpsychologe, im Film u.a. ab 27:30, er wird auch vorgestellt in http://swrmediathek.de/player.htm?show=e06fa620-13d6-11e4-9668-0026b975f2e6

[4] Missbrauch hat auch andere Psychodynamiken im Hintergrund, beispielsweise das Machtmotiv. Doch hier geht es um zölibatsbedingten Missbrauch.

[5] Im Jahre 1022 ordnete Papst Benedikt VIII. auf der Synode von Pavia gemeinsam mit Kaiser Heinrich II. an, dass Geistliche künftig nicht mehr heiraten durften. Verstöße gegen den Zölibat wurden mit Kirchenstrafen belegt, und bereits verheirateten Geistlichen sollten Amt und Besitz entzogen werden. Als Begründung spielte vor allem die kultische Reinheit eine Rolle, da es für Priester üblich wurde, die Heilige Messe täglich zu zelebrieren. https://de.wikipedia.org/wiki/Z%C3%B6libat

[6] Doch hier spielen noch ganz andere Psychodynamiken eine Rolle, die eines ganzen Kollektivs, wie das in Tendenzvereinen leicht vorkommt.

[7] Ich kenne nicht nur einen evangelischen Kollegen, der mit seinem zölibatären Leben rundum zufrieden ist.

[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Priesterkind#R.C3.B6misch-katholische_Kirche

Schwarze Pädagogik – Demütigung, Gewalt und Missbrauch

Posted in heimkinder, Justiz, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Pädagogik by dierkschaefer on 17. März 2015

Die Kirche war und ist ein besonderes Biotop für Täter, aber auch sämtliche Einrichtungen, in denen Kinder, wenn auch nur zeitweise, in die unkontrollierte Obhut von Erwachsenen kommen. Prävention beginnt mit der Aufklärung dieser Erwachsenen und mit der Stärkung des Selbstbewußtseins der Kinder.

Das Video: Das Schweigen der Männer – Die katholische Kirche und der Kindesmissbrauch[1] zeigt das Grundproblem kindlicher Abhängigkeit, verschärft durch den Spezialfall der sakralen Überhöhung der Täter. Inzwischen wissen wir, dass auch Idole ohne sakralen Hintergrund ihre Position öffentlicher Anerkennung missbrauchen.

[1] http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/ndr/Missbrauch-Kirche-das-Schweigen-der-Maenner-100.html video-tgl-ab-20-uhr-100.h 16.03.15 | 44:05 Min. | Verfügbar bis 16.03.16, »Wie ehrlich meint es die katholische Kirche wirklich mit der Aufarbeitung? Wie groß ist das Ausmaß des Skandals? Die Autoren Birgit Wärnke und Sebastian Bellwinkel haben hinter die Mauern der katholischen Kirche geschaut.«

Sexualforscher: Katholische Kirche zieht Pädophile an

Posted in Kinderrechte, Kirche by dierkschaefer on 14. März 2015

»In der katholischen Kirche gibt es nach Einschätzung des Berliner Sexualpsychologen Christoph Ahlers auffällig viele Geistliche mit “problematischer Sexualpräferenz”. Das “Sexualitätsverbot” der katholischen Kirche übe eine Anziehungskraft auf Pädophile aus, die sich mit einer Kirchenkarriere vor lästigen Fragen schützen wollten, sagte Ahlers in der NDR-Dokumentation “Das Schweigen der Männer”. Die Dokumentation zum Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche wird am 16. März (23.30 Uhr) im Ersten gesendet, wie der NDR am Donnerstag mitteilte.«[1]

[1] http://www.epd.de/zentralredaktion/epd-zentralredaktion/sexualforscher-katholische-kirche-zieht-p%C3%A4dophile

Kein Wunder, dass es die Eltern mit der Angst zu tun bekamen – ab ins Heim.

Dort bekamen es die Kinder mit der Brutalität der Elterngeneration zu tun und einige der „Kinder“ schlugen zurück: RAF.

»Der Österreicher Christian Frosch (“Weiße Lilien”) ist nun der erste Regisseur, der das Schicksal der deutschen Heimkinder in einem Kinofilm verarbeitet hat. Die mit der Handkamera gedrehten Schwarz-Weiß-Bilder erinnern an den dokumentarischen Stil von “Bambule”. Inhaltlich hat “Von jetzt an kein zurück” mehr mit Michael Hanekes “Das weiße Band” gemeinsam: Beide Filme erzählen wie die Brutalität einer Generation zur Verrohung der nächsten führt. Bei Haneke reifen jene heran, die den Ersten Weltkrieg auslösen. Bei Frosch werden die Kinder zu Alkoholikern und Terroristen herangezüchtet. “Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht”, lautet die Erkenntnis, die der anfangs so einfühlsame Martin im Heim gewinnt.« [1]

[1] http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article138313929/Die-Brutalitaet-einer-Generation-ist-die-Verrohung-der-naechsten.html

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