Dierk Schaefers Blog

Zwangsarbeit? Doch nicht im Kinderheim!

Posted in heimkinder, Kirche by dierkschaefer on 21. Mai 2010

Martin Mitchell aus Australien verbreitet folgenden lesenswerten Bericht über das Betriebsklima wohl nicht nur dieses kirchlichen Heimes (ErziehungsheimMädchenerziehungsheimderSchwestern vom Guten Hirtenin Aachen).

www.heimkinderopfer.blogspot.com/2010/05/blog-post.html

Wieder einmal frage ich mich, warum der Runde Tisch in seinem Zwischenbericht die Nutznießer solcher Zwangsarbeit nicht genannt hat.

»Die Begrüßung im „Zum guten Hirten“ fiel folgendermaßen aus:

Alle Erzieherinnen wollten hier als „Mutter“ sowieso angesprochen werden. „Hier hast du alle Rechte an der Pforte abgegeben; du bist eine Nummer von vielen; solltest du aufmucken dann hast du schon verloren.“ Dabei rasselte sie ununterbrochen mit Ihrem Schlüsselbund, mit einigen Schlüsseln daran, den sie um den Bauch an einem Gürtel trug. Jede Tür wurde mit einem Ihrer Schlüssel geöffnet, nachdem wir durchgegangen waren, wieder verschlossen. Es ging zu wie im Gefängnis.

Wie wir dann zur Gruppe kamen stellte ich fest, dass alle Sadisten so einen Schlüsselbund um den wohlgeformten Leib trugen. In der Folgezeit habe ich öfters Kontakt mit den Bunden im Gesicht und am Körper gehabt. Mir und auch bestimmt den anderen wurde des Öfteren mitgeteilt, wenn wir nicht spuren würden, gäbe es zwecks Erziehungsprogramm auch noch das Zuchthaus für Mädchen, die sich nicht belehren ließen.

Ich teilte den Nonnen direkt mit, dass ich schwanger war. Im Beisein von mehreren Nonnen wurde ich von einem Arzt untersucht der bestätigte die Schwangerschaft. Das hielt diese Leute aber nicht davon ab mich schwerste körperliche Arbeit verrichten zu lassen. So kam es zur Fehlgeburt auf der Heimtoilette.

Ich bekam es mit der Angst, rief eine Nonne die dann so reagierte. Sie spülte den Fötus in den Abort und sagte: „Sei froh das du den Balg los bist. Jetzt können wir ja endlich die Arbeiten aufnehmen und du brauchst dich nicht mehr darum zu drücken.“ Nach 14 Tagen Blutverlust entschied man sich dann doch mal zur Krankenhauseinweisung der Stadt Aachen zwecks einer Operation.

Danach nahm die Ausbeutung bis zur Entlassung Ihren Lauf.

Ich wurde in einem großen Raum wo nur Mädchen an manuellen Nähmaschinen saßen, angelernt im 8 Stunden Akkord sämtliche Oberbekleidung für Quelle, Schwab, und Neckermann zu nähen. Bis dahin kannte ich solche Arbeiten nicht. Aber nach vielen Folterungen z.B. Schläge von hinten (man saß ja an der Maschine) und ich flog mit voller Wucht auf das Obergestell. Man lernte schnell damit diese Kampagnen endlich aufhörten.

Die tausenden von Kleidung musste dann in Tüten eingeschweißt und in überdimensionalen Schrankkoffern über mehrere Etagen zur Pforte geschleppt werden, wo die Ware von den Versandhäusern abgeholt wurden. Für die Schokoladenfabrik Stollwerck aus Aachen [sic --- Köln] haben wir ebenso im Heim gearbeitet. Die Firma brachte und holte die fertige Arbeit auch wieder ab. Wir haben auch hier wie überall den Rücken umsonst krumm gemacht. Gottes Lohn sollte uns reichen«.

»Für diesbetreffende Kontaktzwecke in Deutschland hat sich Erich Scheuch zur Verfügung gestellt. Erich Scheuch ist selbst „Heimkind“ in einem katholischen Kinderheim gewesen (und diese Frau, die selbst keinen Computer hat, hat ihm ihre Geschichte zur Weiterveröffentlichung im Internet aufgeschrieben ).

Erich Scheuch, 02241 33 40 23, 0163 – 721 96 90, erich.scheuch@edw-scheuch.de «

17 Antworten

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  1. Helmut Jacob said, on 24. Mai 2010 at 00:05

    Fundstelle zum Thema Zwangsarbeit:
    Ich habe Fingerhandschuhe für die Bundeswehr genäht, 36 Stück am Tag. Falls ich mein Pensum nicht erreichte, wurde ich bestraft.
    Auch habe ich Strümpfe stricken müssen für die Bundeswehr, Männerhemden bügeln mit gestärkter Brust, bestimmtes Pensum pro Tag. Außerdem habe ich Deckchen gehäkelt und gestrickt zum Verkauf im Basar.
    http://www.emak.org/Heimkinder/Dieterich.pdf

    • dierkschaefer said, on 24. Mai 2010 at 09:48

      ja, ich kenne den gesamten text.
      die betheler einrichtungen waren offenbar besonders ausbeuterisch bis hin zur mangelernährung ihrer kinder-arbeits-sklaven.
      ich werde die autorin fragen, ob ich ihren bericht nach bethel schicken soll. immerhin gibt es diese einrichtung noch. ob auch weiterhin die evangelischen bräute christi das regime im arbeitslager führen, weiß ich nicht.
      vermutlich wird man mich aber nur auf das segensreiche wirken des runden tisches verweisen.

    • Heike Freiwald said, on 24. Mai 2010 at 13:08

      Hallo Helmut Jacob,

      endlich werden die Umstände der Bodelschwinghschen Institutionen- Erziehungsheime
      an die Öffentlichkeit gebracht. Nur zwei davon zu nennen: Waldheimat / Werther
      und Ummeln, geleitet von Diakonissen.

      Als Kind wurde ich mit Nazi-Doktrinen erzogen und ständig zur “Raison” gebracht, die sich im
      Erziehungsheim Waldheimat wiederholten, diesmal ohne Züchtigungen, jedoch mit
      dem Terror der Gehirnwäsche von: Demoralisierung,Erniederung,Wertlosigkeit etc. plus Freiheitsentzug zum Nutzen der Gesellschaft, da man erst zur “Raison” gebracht werden müsse. Bisher habe ich nach damaligen Mithäftlingen gesucht und eine Ehemalige
      gefunden die 9 Jahre später im Erziehungsheim Waldheimat untergebracht wurde.
      Dieselbe hat ebenfalls eine ehemalige Erzieherin der Waldheimat ausfindig gemacht, die gewillt ist wenn nötig, über die damaligen Zustände auszusagen.
      Ich hoffe dass man mit Hilfe der Medien und individuellen Unterstützern zur Aufklärung
      der Heimgeschichten ehemaliger Zöglinge gerecht wird die in den Bodelschwinghschen evangl. Erziehungsheimen ( Bethel )untergebrach wurden.

      Auch mein persönlicher Dank gilt ihnen und Dierk Schaefer, da Sie beide mit Effort dem Widerstand der kirchlichen Einrichtungen entgegentreten die mit wehementen Ausreden
      versuchen die Anschuldigungen abzuwehren.

      Mit freundlichen Grüsse,
      Heike Freiwald

  2. hans-joachim wolff said, on 25. Mai 2010 at 21:02

    war in rengshausen burschenheim beiserhaus zwangsarbeit terror ,sehr schlechtes essen für die insassen und wer morgens nicht zur andacht geht bekommt nix zu essen
    desweiteren einsperren bei nacht :bettnässer schlafen in torfkisten kann mann dann nach wochen gestank als dünger inder gärtnerei verwenden ohne richtige bettwäsche:
    habe jede woche sechzig stunden gearbeitet ohne bezahlung obwohl ich da war um schneider zu lernen kosten wurden vom land berlin bezahlt,ich war freiwillig auf eigenen wunsch da . ich habe gelernt das die diakonie innere mission nur an ihren profit dachte sonst nix :
    als mich ein diakon missbrauchen wollte und ich inder folge enwichen bin wurde ich durch eine falschaussage durch einen diakon zu einer jugendstrafe von1- 3 jahren verurteilt wovon ich ein jahr verbüsst habe wie man so sagt
    mit freundlichen gruss
    hans-joachim wolff

    PS.man sollte der diakonie der caritas und den kirchen die gemeinnützigkeit aberkennen und die kirchensteuer abschaffen das kann auch gegen missbrauch helfen

  3. rosalinde lange said, on 27. August 2010 at 18:46

    hallo
    Endlich habe ich mal etwas über das Mädchenheim Werther gefunden
    Ich war 1967 als 15 jährige in diesem Heim. Gott sei Dank nicht lange.
    Darf ich darüber hier berichten ?

    lg. rosi

    • dierkschaefer said, on 28. August 2010 at 09:46

      hallo, frau lange,

      gern. berichten sie.

      viele grüße

      ds

    • Erika Tkocz said, on 28. August 2010 at 11:27

      Hallo Rosalinde,

      ich war 1969 in der „Waldheimat“ Werther und würde mich freuen, wenn Du einmal mit mir Kontakt auf nimmst.
      Herr Schäfer kann Dir meine E-Mail-Adresse weiter geben.

      Liebe Grüße Erika Tkocz

    • Angelika Messan said, on 19. Oktober 2010 at 22:06

      Hallo Rosi,
      ich war dort. Von 1971 – 1972.
      Gruß Angelika

    • Ilona Kaiser gebor. Pretzer said, on 8. März 2012 at 15:03

      Hallo ich heisse Ilona
      Ich war von 1966-1970 in Mädchenheim Waldheimat,es war schrecklich.es war ein Arbeitslager,am schlimsten war dort die Schwester Helga im Haus Heimstat,zuder Zeit wo ich dort war,haben sich 2 Mädchen umgebracht.Ich w
      erde bald 62 Jahre,und die Zeit im Heim wird bei der Rente nicht anerkannt.
      Lieben Gruss Ilona Kaiser

      • Alexandra Emmeluth said, on 15. März 2012 at 21:18

        Hallo und guten Tag,
        ich bin die Tochter einer Ehemaligen des Mädchenheimes “Waldheimat”.
        Ich fand leider jetzt erst raus, dass meine Mutter vom 13.03.1969 – 24.02.1970 dort untergebracht war.
        Ich habe das Heim angeschrieben, und gebeten, dass man mir Unterlagen überläßt (Ich trage die Biographie meiner Mutter aus therapeutischen Gründen zusammen), denn leider kann ich meine Mutter nicht mehr fragen weil sie vor 2 Jahren gestorben ist.
        Das Antwortschreiben fiel dürftig aus, man bestätigte mir, dass meine Mutter laut Meldebuch in dem Zeitraum dort untergebracht war und teilte mir weiter mit, dass es keine Akten gibt.

        ICH SUCHE ZEITZEUGEN !!!
        Ich freue mich, wenn ich jemanden finde, der meine Mutter kannte.

        Die Daten meiner Mutter:

        Helga Schmidt
        geb. am 05.03.1952, sie kam aus Gelsenkirchen

        Falls sich jemand findet, bitte ich um Kontaktaufnahme.

  4. Heike Freiwald said, on 28. August 2010 at 11:37

    hallo Rosalinde,

    auch ich war in der ” Waldheimat / Werther ” von 1959 – 1963.
    und habe auch Kontakt zu Erika.
    Würde dich ebenfalls gerne kennenlernen.
    Liebe Grüsse,
    Heike
    heikefreiwald@hotmail.com

  5. rosalinde lange said, on 28. August 2010 at 23:19

    Guten Abend lieber Herr Schäfer, liebe Erika und liebe Heike.
    Vielen lieben Dank für eure promten Antworten.
    Erika ganz lieben Dank für deine liebe Mail. Ich werde sie sofort nach dem We. beantworten. ( mein Enkelchen ist übers We. hier, daher wenig Zeit )
    Heike, gern nehme ich auch Kontakt mit dir auf.
    Ich habe schon mal vor zwei Jahren begonnen meine Kindheit und Jugend aufzuarbeiten, habe es dann aber wieder abgebrochen, da es mir einfach zu nahe ging als ich einige Schiksale anderer auf diversen Seiten im Netz las.
    Vor ein paar Tagen habe ich die Aufarbeitung wieder aufgenommen
    Ich muss gestehen, dass ich meine Heimaufenthalte ( Werther war das erste Erziehungsheim und nicht das letzte in dem ich war ) immer wieder einfach “vergessen” habe. Aus Scham..und ich wollte diese Zeit einfach nur vergessen. Früher war es ja auch eine Schande in einem Erziehungsheim gewesen zu sein. Warum , wiso man dort gelandet ist wurde nie gefragt.
    Aber irgendwann holt einen doch die Vergangenheit wieder ein und man beginnt im Netz zu forschen ..su suchen ..Erinnerungen werden wach ..
    Ich weiss noch nicht genau ob ich hier in der Öffentlichkeit darüber schreiben soll oder werde, was mir in den Jahren 1967-1971 wiederfahren ist.
    Ich bin darüber zutiefst erschrocken wie vielen Kindern so ähnlich und noch viel schlimmer als mir ergangen ist.

    Für heute verbleibe ich erst einmal mit ganz lieben Grüssen und wünsche noch ein angenehmen Sonntag

    lg. Rosi

  6. Geli said, on 3. März 2011 at 21:09

    Hallo
    Heike
    Angelika,Erika, Rosi
    und Hallo allen anderen

    Ich bin 65 Jahre alt und war 1961/1962 etwa 13 Monate in der Waldheimat.

    Grüssle Geli

  7. Rosalinde Lange said, on 6. März 2011 at 22:30

    liebe Geli
    guten abend

    oh mann dann hast du ja noch die ganz schliimme Zeit in der Waltheimat erlebt.
    So etwas vergisst man NIE. Ich glaube erst im Alter kommen diese Gedanken immer häufiger hochh oder ? Zumindest geht es mir so.
    Wie ist es dir nacvh dem Aufenthalt in der Waldheimat ergangen. Wohin ging es danach für dich ?? Wie hast du das alles verarbeitet?

    liebe Grüsse Rosi

    liebe Grüsse auch an alle anderen hier lasse

  8. Geli said, on 8. März 2011 at 11:59

    Hallo Rosi
    grüss Dich

    Doch, ich hatte es FAST vergessen, nur ganz selten dachte ich daran, meistens an meine Nummer
    53
    Natürlich liess ich den Gedanken daran nicht lange zu, sondern drückte ihn gleich weg.

    Erst jetzt durch einen Zufall, also über Umwege, kam ich dazu mich endlich damit zu befassen.
    Ich habe wohl sehr gut verdrängt.
    Nach der Waldheimat ging es in die vorherige Hölle zurück und es änderte sich nichts.

    Heute bin ich eine alte, durch und durch kranke Frau,
    die grosse Leistungen vollbracht hat um überhaupt zu überleben.
    Ich denke wir sind alle grosse Klasse, alleine dadurch, dass wir noch leben.
    WIE steht dabei auf einem anderen Blatt

    Inzwischen habe ich telefonischen Kontakt zu Heike und Erika
    worüber ich sehr glücklich bin.
    Heike und ich waren zur gleichen Zeit da

    Gestern las ich über Traumatisierung und habe nun Erklärungen für mich meinen Zustand , mein Wesen, meine psychische Struktur gefunden.

    Ich bin glücklich, es endlich rauslassen zu können, dass ich ein Heimkind war.
    Und ich lasse es seit Tagen oft raus

    Endlich kommt das Gift raus

    Ich schicke Dir einen lieben Gruss

    NR. 53 Ex Heimkind Geli

  9. Erich Scheuch said, on 28. Dezember 2011 at 15:51

    Nur zur Information: Beide große Kirchen (evangelische, katholische) haben schon während der Nazizeit Zwangsarbeit in Hitlerdetuschland betrieben. Sie sind auch die einizgen gewesen die auch danach damit nihct aufgehört haben. nur hat man dann von Kriegsgefangenen und andere aus Ihrer Heimat enführten Menschern gewechselt zu Kindern die man mit fadenscheinigen Begründungen von ihren Familien entrissen hat, damit beide Kirchen weiter Zwangsarbeit betreiben konnten.

    Auch einer Gründe warum beide Kirchen erst in den späten 80ziger und 90ziger Jahren zugegeben haben, das Sie währende der Nazizeit Zig-tausende Zwangsarbeiter beschäftigt haben. Um somit die Weiterführung der Zwangsarbeit in der christlich geprägten BRD besser vertuschen zu können.

  10. Ilona Kaiser gebor. Pretzer said, on 8. März 2012 at 15:50

    Hat mal einer von euch über das Taschenbuch von Oerni das Heimkind gelesen? Sie war auch in der Waldheimat in Werther,die Fotos die sie auf ihrer Seite hat,dort bin ich auch drauf,dann müsste ich feststellen das wir zusammen in einer Gruppe waren.Alles was sie geschrieben hat,kann ich nur zustimmen.
    Lieben Gruss Ilona


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