Dierk Schaefers Blog

Flach auf den Boden gelegt

Posted in Kirche, Psychologie, Theologie by dierkschaefer on 4. Dezember 2010

Flach auf den Boden gelegt

»Vor dem Altar des Osnabrücker Doms hat sich Bischof Franz-Josef Bode gestern flach auf den Boden gelegt. Als erster katholischer Bischof in Deutschland legte Bode in einem Bußgottesdienst teils mit bewegter Stimme ein Schuldbekenntnis für Missbrauchsfälle in der Kirche ab«.

http://www.noz.de/lokales/49444157/osnabruecker-bischof-bode-legt-im-dom-schuldbekenntnis-fuer-missbrauchsfaelle-ab

Helmut Jacob befragte mich zu dem Vorgang und zitiert mich in seinem Blog.

http://helmutjacob.over-blog.de/article-osnabrucker-bischof-bode-legt-im-dom-schuldbekenntnis-fur-missbrauchsfalle-ab-62010175.html mit den Worten:

„wenn ich das richtig sehe, lieber herr jacob, ist die demutsgeste an gott gerichtet. bode hätte sich glaubwürdiger in einer veranstaltung mit opfern den opfern zu füßen legen sollen, dann hätte wenigstens die symbolhandlung gestimmt. es ist ein jammer, allerdings nur zweiten grades, daß menschen mit liturgischer bildung mit symbolen nicht richtig umgehen können. der größere jammer ist allerdings, was menschen mit biblischer bildung ihren mitmenschen angetan haben.“

Für den unwahrscheinlichen Fall, daß Theologen oder gar Bischöfe, vielleicht sogar Bischof Bode eine Begründung für meine Aussage suchen und das – noch unwahrscheinlicher – in meinem Blog, so sei diese hier nachgereicht:

In der Bergpredigt lesen wir bei Matthäus (5,24): »Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und wirst allda eingedenk, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfere deine Gabe.«

Hier wird von der damals üblichen Form des Gottesdienstes ausgegangen, einem Opfer, das man Gott darbringt. Es geht um das Verhältnis des Einzelnen zu Gott. Fällt dem Menschen jedoch ein, daß „sein Bruder“, will sagen „jemand“ etwas gegen ihn hat, das Verhältnis zu einem Mitmenschen also gestört ist, dann hat der Gottesdienst zurückzutreten. Erst soll der Gläubige also das Verhältnis zu seinem Mitmenschen in Ordnung bringen, bevor er vor Gott treten darf.

In der Meldung des Osnabrücker Zeitung heißt es: »Bode trägt einen Chormantel in Violett, der liturgischen Farbe der Buße. Bewusst hat er als Termin für den Bußgottesdienst den ersten Adventssonntag gewählt, den Beginn des neuen Kirchenjahres. „Wir können uns nicht auf dem Weg zum Weihnachtsfest machen, ohne all das mitzunehmen, was uns in den vergangenen Monaten bewusst geworden ist“, sagt der Bischof. Damit meint er das Leid der Opfer von Missbrauch und Gewalt und die Schuld der Täter.« …»„Was hier an Menschen, an jungen und jüngsten Menschen durch Personen der Kirche getan worden ist, muss vor Gott ausgesprochen werden“, sagte Bode und bat die Opfer erneut um Vergebung.«

Ich will und mag Bischof Bode nicht die Ehrlichkeit seiner Bußhandlung absprechen. Die Bitte um Vergebung ist wichtig und kann helfen, die Wunden in der Seele, in der Psyche der Opfer vernarben zu lassen. Doch viele der Opfer leben in miserablen finanziellen Verhältnissen. Wieder „gut“ machen kann man in diesen Fällen nichts, aber den Opfern in dieser Lage finanziell helfen. Schließlich war die Situation in den Kinderheimen eine wesentliche Ursache für die miserable Lage. Erst wenn diese Lage verbessert wird, erhalten Symbolhandlungen ihre Glaubwürdigkeit und können die Wunden vernarben.

»Darum, wenn du mir die Ehre geben willst, vergiß nicht, daß dein Bruder, an dem du dich versündigt hast, in Not lebt. Lindere zunächst die Not deines Bruders, erst dann komm zu mir.«

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