Dierk Schaefers Blog

Kolonialgeschichte und Imperialismus – Wo waren die Kirchen?

Posted in Geschichte, Kirche, Politik, Religion, Theologie, Wirtschaft by dierkschaefer on 27. August 2014

Wo waren die Kirchen? fragt Prof. Konrad Stock[1] in seinem Leserbrief, heute in der FAZ[2]. Er konstatiert, daß mit der Entscheidung zum 1. Weltkrieg auch Kolonialismus und Imperialismus verteidigt wurden, und dies von Staaten, in denen die christlichen Kirchen eine »wichtige ethisch orientierende Rolle« spielten.

Es geht ihm hier nicht um die unsäglichen Kriegspredigten auf allen Seiten der Konfliktmächte, sondern er fragt nach der Rolle der Kirchen in der Kolonialgeschichte. Er fragt eher zaghaft, zum Beipiel »Wo war die Church of England und wo war der Methodismus John Wesleys, als das Vereinigte Königreich seine weltwei­te Kolonialherrschaft errichtete? Wo war die römisch-katholische Kirche, als die französische Republik mit dem Vereinig­ten Königreich in Afrika wetteiferte und sich Algerien, Marokko und Tunesien un­terwarf?« Das geht dann quer durch die kolonisierenden Nationen und ihre Kirchen. Er resümiert: »Es ist deshalb dringend geboten, das schwere Thema „Die Kirche und der Krieg“ mit der erforderlichen Gründlich­keit im Sinn und im Geist einer ökumeni­schen Kirchengeschichte zu erforschen. … Ohne gemeinsame Erinnerungsarbeit wird die schmerzliche Wahrheit nicht ans Licht kommen«.

Da ich keinen Anlaß habe, Herrn Stock für naiv zu halten, wird er wohl ganz bewußt versucht haben, etwas loszutreten.

Immerhin führt die Sucheingabe „Mission und Kolonialgeschichte“ bei Wiki zu einer kaum übersehbaren Fülle von Links. Beschränkt man sich auf die Eingabe von „Kolonialgeschichte“, findet man: „Die missionarischen Absichten, das Christentum über die ganze Welt zu tragen, wurden später überlagert von dem vordergründig zivilisatorischen Motiv, die für „zurückgeblieben“ und „wild“ gehaltenen Völker an den Segnungen der europäischen Kultur teilhaben zu lassen.“[3]

Wenn ich es nicht ganz falsch sehe, war im Zeitalter der Kolonisierung Afrikas der christliche Idealismus naiver Missionare Rechtfertigung und Flankierung imperialistischer Bestrebungen. Die Mission war sozusagen die Außenabteilung des naiven Rettungshausgedankens, der in der „Inneren Mission“ (sic!) Wicherns seine Organisationsform fand mit dem erklärten Ziel, dem Sozialismus entgegenzusteuern.

In beiden Fällen wurde naiver Idealismus zum Geschäftsmodell. Das der „Inneren Mission“ brachte die dauerhafteren Einnahmen.

 

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Stock

[2] FAZ, Mittwoch, 27. August 2014, S. 6

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Kolonialgeschichte

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